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The Other One

von Danbo
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
07.06.2021
11.10.2021
20
75.876
55
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Dieses Kapitel
11 Reviews
 
16.06.2021 3.071
 
Hallöchen, so ich hab mir jetzt den Mittwoch als festen Upload-Tag rausgesucht. Der passt mir am besten und so ist auch etwas mehr Struktur in dem Ganzen hier. Ich hab auch sonst gar nicht viel zu sagen. Ich hoffe natürlich, dass euch das Kapitel gefällt (will aber auch zugeben, dass es in meinen Augen noch eines der schwächeren Kapitel der Story ist. Die ersten paar Kapitel fielen mir beim Schreiben leider wirklich schwer und ich finde das merkt man auch etwas, aber vielleicht ist das auch nur meine verzerrte selbstkritische Wahrnehmung).
Ich freue mich natürlich über Reviews. Kritik, Lob, was auch immer ihr wollt. Bin offen für alles.
Und jetzt viel Spaß <3



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Die Wochen bis zur ersten Live-Folge vom Duell um die Welt waren gefüllt mit Arbeit.
Klaas war jeden Tag in der Firma, musste noch einiges für die neuen Folgen Late Night Berlin vorbereiten, drehte Einspieler, besprach Gags und Gäste mit seinen Kollegen.
Abends war er meist so erschöpft, dass er auf direktem Weg ins Bett fiel und das hatte leider auch zur Folge, dass die Verabredungen des Anderen und ihm viel zu kurz kamen.

Die ganze letzte Woche hatte Klaas ihn immer wieder vertröstet, weil er es zeitlich nicht schaffte oder einfach nicht die Laune dazu hatte und es tat ihm bei jeder Absage etwas mehr leid, was absurd, weil sie ja nicht zusammen waren oder so. Der Sinn ihrer Verabredungen war doch eigentlich unverbindlicher Spaß. Klaas hatte keinerlei Verpflichtungen gegenüber dem Anderen und doch suchte er täglich krampfhaft nach neuen Entschuldigungsfloskeln, weil er ein verdammt schlechtes Gewissen hatte. So auch jetzt wieder.
‚Hey sorry, ich pack das heute wieder nicht. Die Arbeit ist einfach momentan so stressig.‘, tippte Klaas in den Chat, während er sich eine Gabel seines Mittagessens in den Mund schob und gleichzeitig einmal gegen den Drucker schlug, damit der ihm endlich die gewünschten Moderationstexte ausspucken würde.
Er ließ sein Handy wieder auf den Schreibtisch sinken, rüttelte noch einmal an dem Drucker, fluchte leise „Du Scheißteil“ und schickte sein Dokument dann einfach an den Drucker im Büroflur. Hoffentlich würde wenigstens der funktionieren.
Bevor er das überprüfen konnte, meldete sich sein Handy und zeigte eine neue Nachricht an.
Flink öffnete Klaas diese, war immer noch betrübt darüber dem Anderen schon wieder absagen zu müssen, aber würde es heute wirklich nicht pünktlich aus dem Büro rausschaffen.
‚Hey kein Ding. Verstehe ich. Mach dir keinen Druck, ich habe ja zur Not noch die ganzen Bilder und Videos von dir. Damit komm ich schon gut durch die Woche.‘, las Klaas leise für sich selbst und grinste dann bei dem Gedanken daran, dass der Andere auch auf diese Bilder zurückgriff, wenn Klaas mal nicht konnte.
‚Nächste Woche bin ich unterwegs. Da werde ich abends im Hotel sicher wieder Zeit haben. Kann es kaum erwarten.‘, tippte Klaas in den Chat, während er sich eine weitere Gabel Fertig-Lasagne in den Mund schob.
‚Sehr gut. Ich freu mich.‘, erschien die Antwort, noch bevor Klaas das erste Mal gekaut hatte.
Zufrieden kauend lehnte er sich nun in seinem Schreibtischstuhl zurück. Nächste Woche würde fantastisch werden. Nicht nur, dass er wirklich richtig Lust auf die gemeinsam Zeit mit Joko und dem Team in den Münchner Studios hatte, sondern auch, dass er endlich wieder die Zeit für diese Verabredungen finden würde und er den ganzen Stress der letzten Woche endlich hinter sich lassen konnte.
Lange hielt seine gute Laune jedoch nicht an, denn kurz darauf fiel ihm sein Druckerproblem wieder ein und er ließ seine Lasagne stehen, um schnell in den Flur zu huschen und sich sein hoffentlich ausgedrucktes Dokument zu holen.


Eine Woche später

„Klaas? Kommst du? Wir sollten langsam mal los, sonst kommen wir in den Feierabendverkehr.“, rief Klaas‘ Fahrer Frank durch die geöffnete Wohnungstür.
Hektisch rannte Klaas durch die wenigen Räume seiner Wohnung und überprüfte, ob er alles eingepackt hatte. Er war mal wieder spät dran. So spät dran, dass ein mal wieder genervter Thomas Frank direkt zu ihm nach Hause geschickt hatte.
Normalerweise hätten sie sich nämlich alle noch vor der Redaktion getroffen, doch nun würde Klaas direkt von hier nach München fahren. Ihm sollte das aber Recht sein.
Mit einem letzten Blick in sein Schlafzimmer, schnappte er sich noch schnell das Handy von der Kommode und griff nach seinem Koffer im Flur, welchen er auch direkt Frank in die Hand drückte. Der wurde ja schließlich auch dafür bezahlt und schüttelte nur leicht grinsend den Kopf.
„Bereit?“
Klaas nickte.
„Bereit geboren!“, flötete er, zog die Wohnungstür hinter sich ins Schloss und sprang dann hinter Frank die Treppen hinunter.

Im Auto herrschte während der Fahrt komplette Stille. Klaas hatte hinten in dem geräumigen Van Platz genommen, weil ihn dort die getönten Scheiben immerhin etwas von den Blicken der Öffentlichkeit schützten.
Er daddelte etwas auf seinem Handy herum und schaute dann stumm durch die Scheibe nach draußen, beobachtete mit seiner Lieblingsmusik auf den Ohren, wie andere Autos, Bäume und Wiesen an ihnen vorbeizogen.

Er liebte Frank dafür, dass er so gut mit ihm schweigen konnte. Klaas fand nichts unangenehmer, als wenn Stille peinlich wurde und man krampfhaft nach Worten und Geschichten suchen musste, um irgendetwas zu sagen.
Mit Frank war das nie der Fall. Frank war aber auch nicht der Typ, der viel redete.
Klaas und er hatten sich während einer seiner Aufzeichnungen bei ZDFneo kennengelernt. Frank hatte damals die Security geleitet und irgendwann war er sowas wie Klaas‘ persönlicher Assistent und Bodyguard geworden.
Normalerweise brauchte Klaas ihn nicht. Er war nicht sooo berühmt, dass er nicht mehr ohne Schutz durch die Straßen schlendern konnte. Er wurde zwar erkannt, aber die Fans waren so gut wie immer eher zurückhaltend und höflich. Er hatte also eigentlich keinen wirklichen Nutzen an Frank, aber sie waren irgendwie Freunde geworden und es hatte sich bei ihnen einfach so etabliert, dass Frank Klaas unterstütze, ihm Taschen trug und ihn an Dinge erinnerte und nun wurde er eben noch dafür bezahlt. Das war ja so gesehen für beide eine Win-Win-Situation.

Irgendwann, als sie die Hälfte der Strecke geschafft hatten, machten sie eine kurze Pause, aßen etwas, tankten und die zweite Hälfte der Fahrt döste Klaas mit einem Podcast auf den Ohren vor sich hin. Die Fahrt verging so für ihn wie im Flug und ehe er sich versah, sah er auch schon München durch das Fenster immer näher kommen.
„Na gut geschlafen?“, grinste Frank ihm vom Fahrersitz durch den Rückspiegel entgegen und Klaas rieb sich müde durchs zerknautschte Gesicht und hob den Mittelfinger, woraufhin Frank nur lachend seine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße lenkte.
Klaas ließ seinen Kopf erneut gegen die leicht vibrierende Scheibe sinken, schaltete den Podcast aus, der immer noch über die Kopfhörer lief und schaute in den blauen Himmel, der langsam gelb-rötlich mit der untergehenden Sonne zu leuchten begann.
Sein Blick wurde dann aber von einem der vielen Tunnel in München unterbrochen, also schaute er einfach wieder auf sein Handy.
Der Bildschirm strahlte ihm hell entgegen, als er es entsperrte und Klaas kniff die Augen zusammen. Viel zu sehen gab es auf dem Display aber eh nicht. Da waren weder Nachrichten, noch irgendwelche wichtigeren Mitteilungen, also ließ Klaas es einfach wieder neben sich auf den Sitz fallen und schaute nun aus der Frontscheibe nach draußen.

Es dauerte nicht lange, da erreichten sie ihr Standard-Hotel hier in München. Frank parkte den Wagen auf dem hoteleigenen Parkplatz, griff wie selbstverständlich nach Klaas' Koffer und zusammen machten sie sich auf den Weg zur Rezeption.

Erleichtert ließ Klaas sich wenig später aufs weiche Hotelbett fallen und streckte sich ausgiebig.
Vom vielen Sitzen taten seine Muskeln weh und seine Gelenke knackten leise. Er sollte wohl bald wirklich mal wieder Sport machen, war lange nicht mehr Joggen gewesen.
Umständlich zog Klaas sein Handy aus der Hosentasche.
Prüfend scrollte er durch seine Kontaktliste. Wenn er joggen gehen würde, dann ganz sicher nicht alleine. Alleine wurde man öfter angesprochen und darauf hatte er keine Lust.
Bei dem Buchstaben „K“ stoppte er. Kai Pflaume. Stimmt, mit ihm wollte er doch mal laufen gehen. Sie hatten sich irgendwann mal am Flughafen getroffen und grob ausgemacht mal gemeinsam joggen zu gehen. Jetzt war ja wohl der perfekte Zeitpunkt dafür.
Rasch tippte er also eine Nachricht an diesen und verabredete sich für den nächsten Morgen, bevor ihm beim Schließen des Chats mit Kai die altbekannte App ins Auge fiel. Sein Herz schlug schneller. Er hatte doch wirklich fast vergessen, dass er jetzt endlich wieder Zeit haben würde. Zeit für diese Abenteuer. Zeit für diesen anderen Mann.
Hibbelig öffnete er die App, klickte auf den einzigen Chat-Verlauf in seiner Liste.
Ja, das Joggen morgen würde ihm sicher auch eine Art Entspannung erschaffen, aber jetzt gerade konnte er es kaum erwarten endlich mal wieder Zeit für den anderen Mann zu haben, dem es seit Monaten gelang Klaas bei Laune zu halten.

‚Hey hast du Zeit?‘, tippte er belanglos in das Nachrichtenfeld, grinste, als er nur eine knappe Minute später schon eine Antwort erhielt.
‚Für dich immer. Wehe du bist noch nicht nackt.‘
Klaas grinste, biss sich auf die Lippe.
‚Was, wenn nicht?‘, tippte er angespannt, liebte es mit dieser Dominanz des Anderen zu spielen.
‚Dann muss ich wohl vorbeikommen.‘
Noch fester biss Klaas sich nun auf die Lippe. Ihm wurde heiß bei dem Gedanken den Anderen jetzt hier in diesem Zimmer zu haben. Wie geil würde das werden, wenn sie sich mal tatsächlich sehen und anfassen könnten. Er wollte nur allzu gerne die makellose Haut berühren und …
Mit einem Kopfschütteln vertrieb Klaas diese Gedanken aus seinem Kopf. Sie würden sich nicht treffen. Das hier war ihrer beider Geheimnis und auch wenn Klaas ein weiterführendes Interesse nicht abstreiten würde, war er sich sicher, dass sein Gesprächspartner nicht daran interessiert war ihn zu treffen. Trotzdem konnte Klaas sich bei seiner Antwort nicht weiter zurückhalten.
‚Wenn das eine Strafe sein soll, wäre die ziemlich mau. Da musst du dir schon was Besseres einfallen lassen‘
‚Oh keine Sorge. Das würde schon eine Strafe werden, trotzdem würde ich dir raten dich endlich mal auszuziehen.‘
Klaas schluckte, befeuchtete sich die trockenen Lippen und schälte er sich daraufhin nun wirklich brav aus seinen Klamotten. Sobald die Kleidungsstücke den Weg auf den Hotelzimmer-Boden gefunden hatte, drehte er sich auf den Bauch, spürte das kühle weiche Laken an seiner bereits wachsenden Erektion und seufzte leise und zufrieden, bevor er sein Handy hob und ein Bild von seinem Rücken und Hintern machte und es dem Anderen kommentarlos schickte.
‚Sehr gut. So gefällt mir das‘, kam direkt als Antwort zurück und Klaas wartete fast sehnsüchtig auf ein Foto von seinem Chatpartner.
Ungeduldig rieb er seine Hüfte gegen das Bettlaken, keuchte auf, als ihn endlich ein Foto erreichte. Da war wieder die tannengrüne Couch und diese weich aussehende Haut und Klaas verlor sich in dem Anblick...


Der Wecker klingelte am nächsten Morgen viel zu früh und Klaas drückte ihn unwirsch aus, wollte sich schon wieder im Bett umdrehen, doch dann fiel ihm Kai wieder ein.
Kai, der gestern vorgeschlagen hatte doch so früh morgens wie möglich gemeinsam zu laufen, weil dann noch weniger Menschen unterwegs waren.
Gestern Abend hatte Klaas diese Idee noch gut gefunden, doch jetzt verfluchte er sie.
Aber es half ja nichts, daher rollte er sich schwerfällig aus dem Bett, schlüpfte in eine frische Boxershorts und legte dann schnell wieder die nun aufgeschlagene Decke über das Laken, welches leider gestern etwas in Mitleidenschaft geraten war.
Klaas hatte noch versucht den Spermafleck mit feuchten Papiertüchern von dem Laken zu verbannen, doch musste sich dann irgendwann eingestehen, dass das wohl ein Fall für eine Waschmaschine war und still und heimlich hoffte er, dass er dem Zimmerservice-Personal, das heute sein Zimmer reinigen würde, nicht mehr über den Weg lief.

Mit einem Blick auf die Uhr, die kurz vor 6 zeigte, verschwand Klaas nun zügig ins Badezimmer. Er wusch sich das Gesicht, putzte sich die Zähne und zog dann zurück im Zimmer seine Sportsachen an, die er glücklicherweise eingepackt hatte.
Überraschend pünktlich verließ er um kurz nach 6 den Raum, aber nicht ohne sich vorher noch einen Apfel als Frühstück von der kleinen Theke mitzunehmen, den er auf dem Weg nach unten schnell aß.

Kai erwartete Klaas schon vor dem Hotel, rannte auf der Stelle um warm zu bleiben und streckte ihm die Hand für ein High Five zu.
Klaas schlug lachend ein und zügig starteten sie ihren Lauf.

Hätte früher jemand Klaas erzählt, dass er mal mit Kai Pflaume zusammen joggen gehen würde und auch noch Spaß daran hätte, hätte er jeden für bekloppt gehalten, doch nun war es tatsächlich so.
Er und Kai joggten ganze 10km und auch wenn Klaas danach quasi kaum noch Luft bekam, fühlte er sich herrlich befreit und wach. Er hatte mit Kai während des Laufens über alles Mögliche geredet und so war die Zeit wirklich wie im Flug vergangen.
Kai hatte ihn dann wieder zum Hotel gebracht und war noch weiter gejoggt, was Klaas dann aber tatsächlich für komplett bescheuert hielt.
Er war froh wieder am Hotel zu sein und bemerkte mit Erleichterung, dass der Zimmerservice immerhin schon dagewesen war und Klaas diesen unangenehmen Fleck jetzt schnell verdrängen konnte.
Zügig sprang er unter die Dusche, zog sich normal an und entschied sich dann zum Frühstück zu gehen. Der Apfel heute früh hatte nun wirklich nicht lange vorgehalten und Klaas freute sich schon auf ein Brötchen mit Nuss-Nougat-Creme und einen Kaffee.

Sein Handy zeigte eine neue Nachricht, als er danach griff, um es mit nach unten in den Speisesaal zu nehmen und grinsend bemerkte Klaas, dass diese von Joko kam.
‚Hast du denn dann Lust heute vorm Studio hier vorbeizuschauen? Wir könnten zusammen hinfahren und ich habe sehr guten Kaffee hier.‘
Klaas grinste. Lustig, wie Joko dachte, er müsste Klaas irgendwie überreden oder locken, dabei wollte Klaas tatsächlich liebend gerne mal Jokos neues Haus sehen.
Das schrieb er ihm auch so, sprang dann die letzte Treppenstufe nach unten und bog links in den Speisesaal ab.

„Hey Klaas. Hier sitzen wir!“, rief ihm auch gleich eine sehr bekannte Stimme zu und Klaas suchte kurz im Raum nach seinen Kollegen, deutete Schmitti, dass er ihn gehört hatte und ging dann erstmal ans Buffet, um sich endlich etwas Richtiges zu Essen zu holen.
Er zapfte sich einen Kaffee aus der Kaffeemaschine, griff nach einem Brötchen und dem kleinen Päckchen Nuss-Nougat-Creme, bevor er sich auf den Weg zum Tisch machte, an dem seine Kollegen frühstückten.
Mit der freien Hand schnappte er sich einen Stuhl vom leeren Nebentisch und Schmitti rückte etwas zur Seite, um ihm Platz am nun etwas zu kleinen Tisch zu machen.
„Haben gesehen du warst heute schon sportlich.“, sagte Frank in seine Richtung, klopfte ihm einmal auf die Schulter, während Klaas gerade das kleine Aufstrich-Päckchen aufriss.
„Ja verrückt, dass du nach 10km mit Kai noch nicht im Koma liegst. Respekt.“, mischte sich nun auch Schmitti neben ihm ein.
Klaas schmierte sich dick die Schoko-Creme aufs Brötchen während er nun auch lachte.
„Ich bin halt sportlicher, als ich aussehe.“
„Das kann man wohl so sagen.“, lachte sein Kollege, pikste Klaas in den kleinen Bauchansatz, während der ihn nur mit seiner Schulter anstieß und dann beherzt in das dick beschmierte Brötchen biss.
Ein gemeinschaftliches Lachen hallte nochmal durch ihre Runde, bevor dann zu Klaas‘ Glück relativ schnell das Thema gewechselt wurde. In der Öffentlichkeit stand er gerne im Mittelpunkt. In so privaten Gesprächsrunden konnte er aber wirklich gut darauf verzichten. Vor allem am Morgen und nach einem 10km Lauf.
So lauschte er jetzt nur noch den Gesprächen seiner Kollegen, die sich tatsächlich hauptsächlich um die heutige Show drehten, aß dabei stumm sein Brötchen und trank seinen Kaffee.

„Und was machst du heute noch so bevor er losgeht, Klaas?“, riss ihn dann plötzlich Bastis Stimme aus seiner Stille. Klaas schob sich schnell noch den Rest des Brötchens zwischen die Lippen, wischte sich die Hände an einer weißen viel zu dünnen Serviette ab und antwortete dann ehrlich und mit halbvollem Mund.
„Ich geh zu Joko.“
Alle Blicke am Tisch richteten sich auf ihn. Klaas fühlte sich plötzlich merkwürdig ertappt, aber was war denn schon dabei? Er durfte ja wohl seinen Kollegen mal besuchen, oder nicht?
„Du gehst freiwillig zu Joko? Einfach so? Obwohl du ihn heute Abend eh siehst?“, ertönte die Frage von Benni und Klaas zuckte die Schultern.
„Darf ich das nicht? Ist das neuerdings verboten Kollegen zu besuchen?“
Beschwichtigend hob Benni die Hände. “Nein...nein ist nur ungewöhnlich. Was wollt ihr denn machen?”
Klaas trank den letzten Rest aus seiner Kaffeetasse. Beinahe wäre ‚Ich will mal sein neues Haus sehen‘ aus ihm herausgeschossen, doch er hielt sich zurück, wusste nicht, ob die Kollegen von dem neuen Haus wussten, wollte Joko da nichts vorwegnehmen, auch wenn ein neues Haus jetzt nicht so brisant war, wie eine neue Affäre, die man nicht kannte, mit der man aber täglich über Nachrichten, Bilder und Videos quasi Sex hatte...
„Äh... keine Ahnung. Wir trinken Kaffee, reden bisschen...“, brachte Klaas irgendwie überzeugend über die Lippen, wischte sich noch einmal mit dem Handrücken über den Mund, um alle Krümel zu entfernen.
Thomas neben ihm lachte leise „Ihr seid wirklich weich geworden im Alter. Joko und Klaas verabreden sich zum Kaffee trinken. Das hätte einem früher keiner geglaubt.“
Klaas erhob sich von seinem Stuhl. „Tja, selbst so große berühmte Promis wie wir werden irgendwann mal älter und ruhiger.“, scherzte er noch, ignorierte das Lachen, welches von allen Seiten des Tisches zu ihm drang, griff zügig nach seinem Tablett und verließ dann einfach mit einem „Tschau bis heute Nachmittag“, den Tisch, bevor weitere Fragen gestellt werden konnten und er noch mehr Erklärungsbedarf hatte.

Als er das Tablett in den dafür vorgesehen Ständer legte und den Speisesaal verließ, hörte er seine Kollegen immer noch lachen und sich angeregt unterhalten. In der Lobby angekommen, hatte er das Gespräch von eben aber auch schon wieder vorerst erfolgreich verdrängt.
Er checkte mit einem Griff in seine Hosentaschen, ob er Handy, Geldbeutel und Zimmerkarte dabei hatte, schaute nochmals kurz an seinem Outfit herunter, um es nach möglichen Schokoflecken abzusuchen, nickte dann zufrieden und trat durch die große Drehtür aus dem Hotel hinaus in die frische Luft.
Nur weil Joko und er privat nie was machten, hieß das ja nicht, dass es prinzipiell verboten war und ja Klaas freute sich auf den Langen. Da sollten die anderen mal nicht so überrascht tun. War ja nicht so als wären Joko und er nicht irgendwie schon Freunde mittlerweile.


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tbc
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