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The Other One

von Danbo
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
07.06.2021
11.10.2021
20
75.876
52
Alle Kapitel
128 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
10.06.2021 4.551
 
Hallöchen, gewöhnt euch bitte nicht dran, dass ihr zweimal die Woche ein Kapitel bekommt, weil ich glaube ich bleib dann doch lieber bei einmal pro Woche. Das heute ist dann eine kleine Ausnahme, weil ihr so komplett verrückt wart und mir zu einem einzigen Kapitel 11(!) Reviews dagelassen habt. Ich hab mich wirklich gefreut, dass ihr mich hier scheinbar so vermisst habt. Ich hab euch auch ein bisschen vermisst muss ich zugeben. Ich rede mir selbst immer alles so schlecht, da ist es wirklich schön zu hören, dass ich da wohl tatsächlich viel zu streng mit mir bin.  So jetzt aber genug geredet. Hier kommt das zweite Kapitel :)


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Er und der Fremde hatten ihre kleine Aktion tatsächlich nochmal wiederholt und das nicht nur einmal.
Mehrmals die Woche verabredeten sie sich mittlerweile quasi für Sex. Sex übers Handy und selbst wenn der Andere einmal nicht zur Stelle war, griff Klaas auf ihre Bilder zurück, auf die kleinen Videos und die versauten Textnachrichten.
Das alles war so viel besser als irgendwelche Pornos, wirkte viel vertrauter, auch wenn sie kein einziges Mal wirklich über sich geredet oder besser gesagt geschrieben hatten.
Sie wussten eigentlich wirklich nichts voneinander, kannten weder den Namen des Anderen noch das Alter und gerade dieses Unwissen voneinander gab dem ganzen noch einen ganz neuen Reiz und Klaas auch ein Stück weit Sicherheit.
Er hatte bei den ersten „Verabredungen“ teilweise immer noch etwas Angst gehabt, dass irgendwas von dieser Aktion an die Öffentlichkeit geraten würde, denn dann würde er wahrscheinlich vor Scham auswandern müssen, doch die Angst hatte sich schnell gelegt, weil ihm immer wieder auffiel, dass auch sein anonymer Partner das mit der Diskretion wirklich wirklich ernst nahm.
Sie schienen beide gleichermaßen penibel darauf zu achten, weder zu viel von der Wohnung noch auch nur ein winziges Eck ihres Gesichts zu zeigen.

Die pikanten Verabredungen brachten Klaas auf jeden Fall mehr als gut durch die öde Winterpause, die durchgängig von Regen und Unwetter gezeichnet war und ihm so eh kaum erlaubte das Haus zu verlassen. Da war ein Chatpartner doch tatsächlich sogar besser, als jemand zu dem man erst noch hinfahren musste. Er musste so lediglich zu seinem Handy greifen. Das war schon durchaus praktisch.

Sein Nachrichtenton riss ihn aus den Gedanken. Klaas griff zügig nach besagtem Gerät und seufzte als er zu seiner anfänglichen Enttäuschung nur eine Nachricht von Thomas Schmitt entdeckte.
Ihr Redakteur bestellte ihn kurzfristig morgen für einen Dreh in die Redaktion und normalerweise würde Klaas jetzt sicher mit ihm diskutieren, weil sie offiziell noch Urlaub hatten und die Winterpause eigentlich noch einige Tage anhielt, doch tatsächlich war er gerade froh endlich wieder arbeiten gehen zu können.
Es ging wohl um einen Dreh bezüglich JKvsP7 und das bedeutete, dass Joko auch da sein wird und mit ihm zusammen machten Klaas Drehs eigentlich immer Spaß, da konnte man gerne auch mal früher aus dem Urlaub zurück an die Arbeit.

Joko und er hatten seit Beginn der Winterpause keinen wirklichen Kontakt mehr miteinander gehabt, zwar verstanden sie sich mittlerweile seit dem Ende ihrer gemeinsamen Show HalliGalli besser denn je, doch privaten Kontakt hegten sie trotzdem sehr selten und wenn dann eigentlich nie während des Urlaubs.
Gerade deshalb freute sich jetzt Klaas umso mehr auf den Dreh.
Joko nach den Pausen wiederzusehen, war immer schön, fühlte sich ein bisschen wie heimkommen an, auch wenn Klaas ihn während den Pausen eigentlich nie aktiv vermisste.

Mit etwas weniger Euphorie stellte er dann aber bei einem Blick in seinen Kalender fest, dass er genau an diesem Tag eigentlich eine Verabredung mit seinem Chatpartner vereinbart hatte.
Der Andere konnte komischerweise auch oft mittags, schien nicht arbeiten zu gehen oder vielleicht zu eher ungewöhnlichen Zeiten, was sich natürlich wunderbar mit Klaas’ Zeitplan deckte.
Bevor er es also vergaß, öffnete Klaas schnell die App und den Chat, tippte eine knappe Entschuldigung in das Nachrichtenfeld.
‚Hey sorry morgen klappt‘s bei mir doch nicht. Ich hab kurzfristig einen Termin von der Arbeit reinbekommen. Ich könnte eventuell später am Abend. So gegen 20 Uhr?‘
Noch bevor Klaas sein Handy wieder zur Seite legen konnte, ertönte schon der Nachrichtenton, der eine Antwort ankündigte.
‚Hey das ist ja ein Zufall, ich wollte dir auch gerade absagen. Da haben unsere Chefs wohl etwas gegen uns. :D 20 Uhr müsste aber klappen. Kann‘s kaum erwarten ;P’
Lächelnd ließ Klaas sein Handy nun wirklich sinken. Er liebte diese Unbeschwertheit ihrer Verbindung wirklich. Clara hätte mit ihm jetzt wieder stundenlang diskutiert. So etwas Unverbindliches war wirklich einfach nur entspannt und morgen würde wohl dann ein sehr sehr guter Tag werden.


Mit quietschenden Reifen bog Klaas am besagten nächsten Morgen auf den Parkplatz der Redaktion. Er hatte mal wieder zu viel getrödelt und dann noch unverhältnismäßig lange an dieser einen einzigen dummen Ampel, die auf seinem Weg lag, stehen müssen. Zu Fuß wäre er wohl schneller in der Redaktion gewesen, aber bei dem unbeständigen Wetter war er nun mal nicht scharf darauf zu laufen.
Die Autos seiner Kollegen standen logischerweise schon alle auf dem Parkplatz. Sie würden ja hier direkt in der Redaktion drehen. Was genau wusste Klaas selbst noch nicht, aber einer Sache war er sich sicher, und zwar dem wütenden Schmitt, der gerade vom Eingang der Redaktion auf ihn zu gestapft kam.
Weil im Auto sitzen bleiben, die Situation nicht besser machen würde, öffnete Klaas zögerlich die Autotür, nachdem er den Wagen ordnungsgemäß geparkt hatte.
„Ich glaub es nicht, dass du wirklich immer zu spät kommen musst! Selbst Joko ist pünktlich und der kam heute aus fucking München angereist. Also was ist deine Ausrede?“, donnerte die Stimme von Thomas ihm direkt entgegen und besänftigend hob Klaas die Hände.
„Beruhig dich. Es war viel Verkehr. Ampeln. Du weißt doch, wie das hier in Berlin ist.“, reimte sich Klaas eine halbherzige Ausrede zusammen und angelte sich nebenbei seine Tasche aus dem Fußraum des Wagens, den er kurz darauf abschloss.
Thomas schnaubte, glaubte ihm zu Recht nicht. Erstens wohnte Klaas nun wirklich nicht mehr weit von der Redaktion entfernt und konnte wie gesagt eigentlich auch zu Fuß laufen und zweitens kam Klaas nun mal häufig und immer mit den gleichen blöden Ausreden zu spät. Vor allem seit Clara nicht mehr da war, um dafür zu sorgen, dass er pünktlich wach wurde und das Haus verließ.
Sie hatte damals immer darauf bestanden, dass sie gemeinsam frühstückten und somit war Klaas natürlich nur selten wirklich zu spät gekommen.
Jetzt in seinem „neuen“ Single-Leben war da niemand mehr, der ihn weckte, der ihm Frühstück zubereitete und ihn antrieb, wenn er mal wieder gedankenversunken in der Dusche stand.
Daher hatte er eventuell auch heute Morgen etwas zu lange im Bett gelegen, hatte mit dem Handy in der Hand die Zeit vergessen und sich auf der Fahrt noch schnell einen Donut in den Mund geschoben, um nicht ganz ausgehungert zu sein.
Das alles wollte er Schmitti aber nur ungern als Begründung nennen. Sein Privatleben sollte nun mal privat bleiben und auch seine Mitarbeiter mussten nicht unbedingt erfahren, dass Klaas und Clara diese Beziehung nicht am Leben hatten halten können.
Lieber grinste er Thomas entschuldigend an, während dieser innerlich zu kochen schien. Nur nicht darauf eingehen, dachte Klaas zu sich selbst, bevor Schmitti auf schon wieder losdonnerte.
„Diese Ausrede glaubst du dir ja wohl selbst nicht! Wofür zur Hölle mach ich eigentlich immer Drehpläne, wenn du dann eh immer zu spät kommst?!“, wetterte er weiter und Klaas atmete beruhigend durch, legte seinem Kollegen versöhnend einen Arm um die Schulter und zog ihn mit sich ins Gebäude rein.
„Komm! Je weniger du jetzt meckerst, desto schneller können wir anfangen!“, lachte er und wusste, dass Thomas ihm jetzt am liebsten eigenhändig den Hals umdrehen würde, sich aber einfach grummelnd von Klaas mitziehen ließ.

Im Gebäude trafen sie dann auf das restliche Team. Alle atmeten erleichtert auf, weil Klaas endlich da war und innerlich notierte dieser sich, dass er wohl demnächst wirklich mal etwas mehr auf seine Pünktlichkeit achten sollte.
Noch bevor er diesen Gedankengang abschließen konnte, schlangen sich aber auch schon zwei lange Arme um ihn, drückten ihn in gewohnter Manier eng an den großen Körper und Klaas ließ sich kurz in die vertraute Umarmung sinken.
„Hey Klausi, schön dich mal wieder zu sehen.“, brummte Joko ihm von oben entgegen und Klaas grinste, murmelte „Ebenso Winti“, und drückte den Größeren dann aber wieder von sich weg.
Die schlanke Hand, die eben noch auf seinem Rücken gelegen hatte, wuschelte einmal verspielt durch seine Haare, die Klaas glücklicherweise heute Morgen gar nicht erst in Form gebracht hatte und als halbherzige Rache pikste er Joko daraufhin einmal in den Bauch, woraufhin der Blonde leise quiekte. „Ey!“
„Selbst schuld du Pissnelke.“, kicherte Klaas und wich einem erneuten Gegenangriff von Joko aus.

Ein Räuspern unterbrach ihr Geplänkel. Ertappt schauten beide in die Richtung, aus der es kam.
Schmitti und alle anderen Kollegen schauten abwartend zu ihnen.
Huch, da war ja noch was.
Schnell klatschte Klaas auffordernd in die Hände „So, dann lasst uns mal anfangen mit dem Bums hier.“, verkündete er und grinste Thomas zu, der sich gestresst durch die Haare fuhr und dann begann zu erzählen, was auf dem Plan stand. Nicht ohne Klaas verbal noch mal vor allen für seine Unpünktlichkeit zu maßregeln. Na gut, das hatte er wahrscheinlich verdient.


Der Dreh verlief dann immerhin ohne weitere Zwischenfälle. Selbst Schmitti hatte sich relativ schnell wieder beruhigt und war, soweit Klaas das beurteilen konnte, recht zufrieden mit ihrer Arbeit, die daraus bestand, ihre Mitarbeiter mit doofen Gags zum Lachen zu bringen.
Joko und Klaas hatten währenddessen wirklich die Zeit ihres Lebens und da es eben keine weiteren größeren Verzögerungen oder Zwischenfälle mehr gab, konnten sie auch glücklicherweise Klaas‘ kleine Verspätung wieder aufholen und saßen dann pünktlich um 18 Uhr noch alle zusammen in einer Nachbesprechung, auf die wirklich niemand außer Thomas Lust hatte.

Der Schwarzhaarige referierte vor ihrem Whiteboard gerade über weitere Planungen in der Woche, ging den Plan für den Dreh der zwei Folgen vom Duell um die Welt durch, die in einigen Wochen anstanden und das monotone Gelaber schien nicht nur Klaas zu langweilen, denn alle am Konferenztisch waren gerade in ihre Handys oder Laptops vertieft.
Nur vereinzelte Mitarbeiter schauten wirklich zu Thomas nach vorne und schienen seinen Erzählungen zu folgen.
Auch Joko, der gegenüber von Klaas am Tisch saß, tippte wild auf seinem Telefon herum und seufzend zog er nun auch sein eigenes aus der Tasche.
Thomas‘ Monologe ertrug er nach so einem langen, lustigen, aber eben auch anstrengenden Drehtag wirklich nur in Maßen.

Er öffnete Twitter, scrollte durch seine ausgestorbene Timeline und wechselte direkt danach zu Instagram, wo ihn die gleiche gähnende Leere an neuen Postings erwartete.
Glücklicherweise kam dann plötzlich eine Benachrichtigung rein. Der Andere, dem Klaas dringend mal einen richtigen imaginären Namen geben sollte, hatte eine Nachricht geschickt.
Klaas‘ Herz begann zu rasen. Er hoffte still und heimlich, dass es keine Absage war, denn wenn er ehrlich war, war diese Verabredung um 20 Uhr das Einzige, was ihn gerade diesen restlichen Arbeitstag ertragen ließ.
Aufgeregt öffnete er die App und tippte auf ihren Chatverlauf.
‚Die Arbeit macht mich wahnsinnig und ich denk seit heute Morgen nur an heute Abend. Ich kann‘s kaum erwarten‘, stand da.
Klaas schluckte. Verstohlen schielte er zu Basti hinüber, der neben ihm saß, aber glücklicherweise vollkommen in seinen Laptop vertieft war und begann dann eine Antwort zu tippen.
‚Dito mit der Arbeit und ich kann‘s auch kaum erwarten :)‘
Gespannt zog Klaas seine Unterlippe zwischen die Zähne. Er freute sich wirklich auf nachher. Das würde mal wieder etwas Entspannung bringen nach diesem doch sehr anstrengenden Tag.

„So, damit hätten wir es dann jetzt auch. Ich schicke die PowerPoint noch mal rum, weil ja eh wieder keiner zugehört hat.“, beendete Thomas dann auch endlich seinen Monolog.
Wie damals in der Schule sprangen alle vom Konferenztisch auf, griffen nach ihren Sachen und rauschten aus dem Raum.
Auch Klaas steckte schnell das Handy weg, zog sich zügig seine Jacke über und trat dann direkt hinter Joko in den langen, schmalen Flur.
Der Größere verlangsamte seine Schritte etwas, als er bemerkte, dass Klaas direkt hinter ihm war und dieser schloss zügig zum Blonden auf.
„Das war ja mal wieder mega öde.“, brummte er dann woraufhin Joko gewohnt laut lachte.
„Das kannst du laut sagen, aber so kennen wir den Schmitti ja.“
Klaas nickte und grinste kurz zu dem Blonden hoch, bevor er ihm die schwere Tür zum Treppenhaus aufhielt, die nach Benni vor ihnen ins Schloss gefallen war.
„Fliegst du heute schon wieder zurück nach München?“, fragte er dann, während Joko dankbar nickend durch den Türrahmen trat und wartete, bis Klaas die Tür wieder losgelassen und erneut zu ihm aufgeschlossen hatte.
Als sie durchs Treppenhaus liefen, schüttelte der Blonde dann den Kopf, schob sich mit einer automatisierten Bewegung seine Brille auf der Nase etwas höher.
„Nein, das war mir zu stressig. Mein Flieger geht morgen Vormittag.“
Klaas nickte ebenfalls, drückte nun auch die große Eingangstür auf und ließ Joko erneut an sich vorbeitreten, um dann selbst von der kühlen Luft vor dem Gebäude empfangen zu werden.
Kurz schlug ihm sein Gehirn vor, Joko zu fragen, ob sie vielleicht morgen früh zusammen frühstücken wollten, doch dann hielt er sich diesbezüglich zurück. Sie hatten sich seit Jahren nicht mehr außerhalb der Arbeit getroffen. Woher zur Hölle kam dieser Gedanke also jetzt? Nur weil sie sich jetzt lange nicht gesehen hatten?
„Okay dann guten Flug und bis in zwei Wochen bei der Aufzeichnung zum Duell.“, ratterte er stattdessen herunter, weil seine Bedenkpause schon viel zu lang andauerte und drückte den irritierten Joko einmal kurz etwas halbherzig an sich, bevor er mit zügigen Schritten zu seinem Auto lief und Joko irritiert zurückließ.
Was war gerade mit ihm los verdammt?


Als er bei sich zu Hause dann in die Tiefgarage fuhr, hatte er seinen Aussetzer schon wieder vergessen, denn es war mittlerweile kurz vor 8 und die Vorfreude auf das „Treffen“ mit dem Unbekannten stieg immer mehr.
In seiner Wohnung angekommen schlüpfte Klaas schnell in seine Jogginghose und zog direkt den dicken Pulli aus, weil ihm bereits jetzt zu warm war. Flüchtig schielte er runter auf das weiße T-Shirt, welches er unter dem Pulli getragen hatte, nickte zufrieden, als er keine Flecken oder Löcher auf diesem entdeckte und machte es sich dann mit seinem Handy auf der Couch bequem.

Um 5 vor 8 öffnete er dann aufgeregt die App, ließ seinen Blick noch einmal über ihre vergangenen Konversationen schweifen, rückte sich zeitgleich seine Boxershorts etwas zurecht und grinste freudig, als der Nachrichtenton durch den stillen Raum hallte.
Hektisch scrollte Klaas in ihrem Chat nach unten.
‚Konnte mich nicht zurückhalten.‘, stand da und mit zitternden Fingern klickte Klaas auf das Foto, welches direkt an die Nachricht angehängt worden war.
Es zeigte den mittlerweile bekannten nackten Oberkörper und Klaas drückte seinen eigenen Penis einmal fest, als er dem Arm auf dem Bild folgte und der direkt in die ausgebeulte weiße Boxershorts führte.
Die Couch, auf der der Fremde lag, war heute dunkelgrau, was Klaas etwas stutzig machte, da sie bisher immer tannengrün gewesen war, doch den Gedanken verwarf er schnell wieder. Scheiß doch auf die Farbe der Couch. Jetzt gab es ja wohl Wichtigeres.
Fahrig tippte er eine Antwort in den Chat. ‚Du bist so scharf. Konnte den ganzen Tag an nichts anderes denken.‘
Er fühlte sich mittlerweile gar nicht mehr so unwohl dabei solche Sachen zu schreiben. Nachdem sie sich wochenlang quasi mit etwas übertriebenen Dirty Talk zugebombt hatten, war das alles hier eine sehr vertraute Situation.
Klaas hatte bezüglich des anderen kaum Unsicherheiten mehr. Es passte einfach. Sie ergänzten sich wunderbar und wussten mittlerweile sehr gut, worauf sie jeweils standen.
‚Fuck, bitte lass mich auch was von dir sehen. Ich bin schon ganz hart.‘, erschien die nächste Nachricht. Klaas keuchte leise, fragte sich unwillkürlich, wie das Gesicht des Anderen jetzt wohl gerade aussah. Zitterte er genauso wie er selbst. Fiel es ihm auch so schwer, das Handy in der Hand zu halten?
Ungestüm strampelte Klaas sich die Shorts von den Beinen, pumpte sich selbst mit Blick auf das Bild des Fremden einige Mal, bevor er die Kamera seines Handys öffnete, sie auf Video stellte und den perfekten Winkel suchte.
Während der Aufnahme unterdrückte er sein Stöhnen, atmete nur etwas zu hektisch, während er seine Faust schnell an sich hoch und runter gleiten ließ.
Fahrig schaute er sich das Video selbst noch einmal an, wollte sichergehen, dass man nichts von ihm sah, was der andere nicht sehen sollte und sendete es dann ab.
Gespannt starrte er danach auf sein Handy, rieb weiter seine Erektion, war in freudiger Erwartung darauf, was der andere nun antworten würde.
‚FUCK EY’, erschien dann auch schon auf dem Display. Klaas keuchte erneut. Warum zur Hölle ging er so auf nur geschriebene Worte ab? Niemals hätte er das für möglich gehalten.
‚ich will deibwb dxhwdbz’, folgte direkt darauf eine wirre Nachricht, die Klaas noch mehr aufheizte, weil er es unsagbar heiß fand, dass der Andere wohl so von ihm eingenommen war, dass er nicht mehr richtig schreiben konnte.
‚Was willst du?‘, tippte er zittrig mit einer Hand in den Chat, während er sich selbst mit der anderen immer noch berührte.
‚Deinen Schwanz. In mir.‘
Mit einem lauten Knall fiel Klaas das Handy aus der Hand und aufs Parkett. Er pumpte sich selbst hektischer, wusste gerade gar nicht, wohin mit sich, als er mit der anderen Hand blind und unkoordiniert wieder nach dem Handy angelte.
Fuck. Was wollte der andere? Er hatte sich da doch eben sicher nur verlesen.

Sie hatten tatsächlich nie darüber gesprochen, wer von ihnen Top oder Bottom war. Im Endeffekt war es auch egal gewesen, weil sie ja nur schrieben. Sie hatten ja nicht wirklich Sex, doch jetzt brachte der Andere dieses Thema plötzlich nach ihren etlichen Konversationen mit in diesen Chat und Klaas war mehr als überrascht davon, dass sein Chatpartner wohl gerne unten lag. Anhand seiner Dominanz, die sich in jedem seiner Sätze widerspiegelte, hätte er eigentlich alles darauf verwettet, dass der andere dominant sein würde. Ficken und nicht gefickt werden wollte.
Erneut schoss es Klaas heiß in die Lenden. Der Gedanke, den Fremden mal wirklich zu treffen, schob sich in sein Hirn und Klaas konnte nicht leugnen, dass dieser Gedanke ihm gefiel. Er wollte nur allzu gerne diesen Schwanz anfassen, den er jetzt von Fotos schon in- und auswendig kannte und ja, er würde auch nur zu gerne den aktiven Part übernehmen. Er war da schon immer recht flexibel gewesen, machte seine eigene Position eher von der Präferenz seines Partners abhängig, weil ihm beides einfach gut gefiel und irgendwie fand er es mehr als scharf, dass der Fremde, der sonst immer im Chat die Hosen anhatte, diesen irgendwie unterwürfigen Part einnehmen wollte.

‚Fuck ja bitte‘, tippte Klaas hektisch, ohne weiter darüber nachzudenken in sein Handy, umgriff sich selbst intensiver fester, schloss seiner Finger eng um seiner Eichel, stellte sich vor, wie es wäre, wenn der andere jetzt hier bei ihm wäre und kam innerhalb von Sekunden, als dieser ein weiteres Bild schickte, welches ihn mit einer Hand an der Erektion und der anderen am Hintern zeigte.
Ein viel zu lautes Stöhnen drang aus Klaas’ Kehle und er wischte sich notdürftig die Finger an einem Taschentuch ab, bevor er weiterhin gebannt auf sein Handy starrte, das Bild begutachtete und die Nachwehen seines Orgasmus genoss.
Um seinen Chatpartner ebenfalls zu erlösen, sendete er erschöpft noch eine Nachricht.
‚Bin so hart gekommen bei dem Gedanke daran, dich zu ficken.‘, tippte er, immer noch etwas benebelt und für ihn erstaunlich selbstbewusst, in den Chat. Er stellte sich vor, wie der Andere gerade kurz davor war und wurde fast erneut hart, als ein Bild ihn erreichte, welches zeigte, dass dieser ebenfalls gekommen war.

Wie immer verabschiedeten sie sich danach nicht wirklich voneinander. Noch kein einziges Mal hatten sie die Unterhaltung danach irgendwie fortgeführt. Darum ging es hier aber ja auch nicht. Das hier war unverbindlicher Sex. Keine Beziehung, Freundschaft oder ähnliches.
Klaas ließ sein Handy also einfach achtlos neben sich aufs Sofa fallen, zog sich die Boxershorts wieder hoch, weil er sich sonst irgendwie komisch fühlte und starrte dann an die Decke, die dringend einen neuen weißen Anstrich gebrauchen könnte.
Sein Atem ging mittlerweile wieder ruhig und ausgeglichen und alles in allem fühlte er sich nach diesen „gemeinsamen“ Abenden einfach nur gut.
Er hätte damals niemals zu glauben gewagt, wie sehr solch eine absurde Sache ihm so eine Entspannung und Ruhe verschaffen konnte und wenn er näher drüber nachdachte, hielt er es immer noch für mehr als merkwürdig, wie offen er da mit einem ihm Fremden war und wie schwer ihm sowas normalerweise fiel, wenn er sein Gegenüber nicht kannte.
Joko zum Beispiel hatte damals Jahre gebraucht, um Klaas ein paar halbwegs private Informationen zu entlocken, seine Kollegen wussten alle weder von dem Beziehungsaus mit Clara, noch von seiner Bisexualität und diesem fremden Mann schrieb er einfach mal so, dass er ihn gerne nehmen würde. Das war doch wirklich komisch...

Kopfschüttelnd erhob sich Klaas nun, machte sich auf den Weg ins Bad, um vorm Schlafen noch schnell zu duschen und sich die Spuren nochmal ordentlich vom Körper zu waschen und lag dann wenig später in die Decke gekuschelt im Bett, scrollte noch kurz durch seinen Instagram-Feed und hatte dann irgendwie das Gefühl, dass er Joko noch mal schreiben könnte. Er hinterfragte es nicht weiter und tippte zügig eine Nachricht an seinen Kollegen.
‚Hey, du schläfst wahrscheinlich schon, aber wünsche dir einen guten Flug morgen.‘
Klaas rechnete wirklich damit, dass der Blonde schon schlief, einfach weil es schon recht spät war und er ja morgen im Gegensatz zu Klaas noch eine Heimreise vor sich hatte und daher früh aufstehen musste, doch zu seiner Überraschung wechselte der Status innerhalb von Sekunden zu „online“, dann wieder zu „offline“ und dann fiel Klaas zum zweiten Mal heute Abend das Handy aus der Hand, weil es plötzlich klingelte.

Schnell griff er wieder danach, drückte auf den grünen Hörer und hielt es sich ans Ohr, während er sich noch tiefer in seine Decke kuschelte.
„Hey Klausi“, sprach Joko sanft in den Hörer und Klaas grinste „Na? Was willst du alter Mann um diese Zeit noch von mir?“
Leise hörte er Joko am anderen Ende schnaubend lachen. „Du hast mir doch geschrieben und ich kann nicht schlafen, also dachte ich, ich rufe dich mal an, wenn du auch noch wach bist.“
Klaas grinste. Normalerweise telefonierten sie nie privat. Beruflich ja. Ständig. Aber privat. Nie. Irgendwie machte ihn das gerade auf eine komische Weise glücklich, mal so privat mit Joko zu schnacken.
„Warum kannst du nicht pennen? Ist alles in Ordnung?“
Klaas hörte leises Rascheln von einer Decke oder einem Kissen durch den Hörer und dann wieder Jokos raue Stimme.
„Alles gut. Bin nur etwas aufgedreht noch... vom Dreh und so...“
Klaas biss sich auf die Lippe. Ja, ein bisschen aufgedreht war er selbst auch, aber aus einem anderen Grund, als Joko es war.
„Ah okay und was jetzt?“
Erneut hörte er Rascheln bei Joko, dann ein leises Lachen, weil ja, vielleicht war er einfach nicht so gut im Konversationen am Leben erhalten und außerdem wusste er nun mal nicht, über was er mit Joko so privat reden sollte.
„Keine Ahnung, einfach bisschen reden. Wir haben ewig nicht mehr privat geredet. Ich weiß zum Beispiel gar nicht, wie es bei dir und Clara läuft? Ihr hattet Dreijähriges, oder?“
Klaas schloss seine Augen. Verdammt, musste Joko jetzt wirklich als erstes seine Beziehung als Gesprächsthema herauspicken? Ernsthaft?
Aber woher sollte Joko auch wissen, dass das ein Scheiß-Thema war? Klaas hatte ihm ja nie mehr erzählt.
Dass Clara existierte, wussten seine Kollegen auch nur, weil diese ihn einmal im Büro überrascht hatte. Ja, Klaas hatte sich damals darüber gefreut, aber er hatte es auch etwas verflucht, weil solche Themen für ihn einfach nicht ins Büro gehörten und selbst wenn Joko und er mittlerweile sowas wie Freunde waren, hatte Klaas trotzdem nicht unbedingt das Bedürfnis mit ihm über so etwas wie Beziehungen zu reden. Das machte er lieber mit sich selbst aus.

„Klaas? Bist du noch dran?“
Jokos Stimme holte ihn zurück ins Hier und Jetzt. Klaas drehte sich auf den Rücken und strich sich einmal durchs Gesicht. Es half ja alles nichts.
„Da läuft nichts mehr. Seit letztem Jahr.“, brummte er unwirsch.
Kurz herrschte Stille und Klaas hoffte dummerweise, dass Joko es einfach unkommentiert lassen würde, weil seine Ex-Beziehung nun wirklich das Letzte war, worüber er sprechen wollte, doch diesen Gefallen tat sein Kollege ihm natürlich nicht.
„Moment... was? Ihr seid nicht mehr zusammen? Seit letztem Jahr schon?“
„Ja.“, murmelte Klaas und wünschte sich ein Ende dieses Telefonats herbei und zu seiner Erleichterung herrschte dann wirklich erneut Stille und Klaas suchte hektisch in seinem Kopf nach einem neuen Gesprächsthema. Eines, das nicht ihn und sein Privatleben betraf, aber auch nicht vollkommen deplatziert wirken würde.
Hektisch, bevor Joko noch etwas sagen konnte, verließen nun also die nächsten Worte Klaas’ Mund.
„Und bei dir? Hast du jemanden oder sind wir jetzt gemeinsam Single?“
Es war nichts Neues, dass Joko seit Ewigkeiten Single war. Klaas konnte sich nicht mal daran erinnern, dass der andere jemals eine wirkliche Beziehung während ihrer gemeinsamen Zeit geführt hatte. Das Einzige, was er wusste, war, dass Joko tatsächlich oft auf Dates ging aus denen dann aber nie mehr wurde als ein Date. Er hatte sich nie weiter Gedanken darüber gemacht, weil es ihn auch nichts anging, was Joko tat. Er schien glücklicher Single zu sein und Klaas war der Letzte, den irgendwelche Details zu Jokos Liebesleben interessierte, doch jetzt war diese Frage immerhin eine gelungene Ablenkung von weiteren Gesprächen über sein eigenes Liebesleben.
Ein leises Schnauben ertönte durch den Hörer.
„Du weißt, dass ich nicht so der Beziehungstyp bin. Ich bin also nicht wirklich auf der Suche.“
Klaas nickte nur, brummte als verbale Äußerung leise, weil was sollte er auch groß sagen? Es war wie gesagt wirklich keine Überraschung für ihn. Joko war eher so der Typ für kurze Abenteuer, für Abwechslung. Das war er schon immer gewesen.
„Ich bin aber umgezogen. Habe mir ein Haus am Rande von München gekauft. Ist um einiges entspannter hier.“, wechselte Joko nun glücklicherweise wirklich das Thema. Endlich weg von diesem Beziehungskram.
„Ah cool. Das klingt richtig gut.“, antwortete Klaas, gähnte gleichzeitig einmal leise, weil die Müdigkeit ihn nun doch übermannte.
„Kannst ja mal vorbeikommen, wenn wir hier übernächste Woche drehen.“, schlug Joko nun vor und Klaas runzelte die Stirn. Joko in München besuchen? Das hatte er noch nie gemacht. Aber warum eigentlich nicht? Die Zeit vor der Aufzeichnung musste er eh irgendwie totschlagen.
„Ja gerne.“, antwortete er also, drehte sich wieder auf die Seite und umgriff die Decke mit einer Hand.
„Du Joko? Ich würd jetzt mal pennen, okay?“, schob er schnell hinterher, weil seine Augen wirklich langsam schwer wurden und ihm erneut ein Gähnen entwich.
„Ja. Ja klar. Kein Problem. Ich sollte wohl auch besser mal schlafen. Gute Nacht Klausi.“, ratterte Joko mit der Schnelligkeit eines Maschinengewehrs herunter. Klaas grinste, nuschelte ein leises „Nacht Winti“ und legte dann auf.
Vorsichtig ließ er das Handy auf seinen Nachttisch sinken, rollte sich doch wieder auf den Rücken und bemerkte das Lächeln, welches sich auf seine Lippen geschlichen hatte, erst dann. Schnell entspannte er seine Mundwinkel wieder, schloss die Augen und dachte nicht weiter daran, dass dieser blöde Anruf ihm gerade tatsächlich noch bessere Laune gemacht hatte.


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