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The Other One

von Danbo
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
07.06.2021
11.10.2021
20
75.876
74
Alle Kapitel
132 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
22.09.2021 3.887
 
Hallöchen, hier kommt das neue Kapitel. Langsam aber sicher bewegen wir uns hier tatsächlich auf das Ende der Geschichte zu, aber ein bisschen was kommt natürlich noch. Viel zu sagen habe ich zu dem Kapitel hier jetzt nicht. Aber bin natürlich trotzdem gespannt was ihr dazu so zu sagen habt. Also lasst mir gerne Reviews da <3


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Klaas war mehr als erschöpft, als er Berlin wieder erreichte. Es regnete mal wieder in Strömen, während er sein Auto abstellte und zügig in den warmen Hauseingang hastete.
Der Boden im Hausflur war dreckig von den vielen nassen Schuhen, die hier wohl heute schon entlanggelaufen waren, Klaas hatte aber nicht wirklich einen Blick dafür. Er nahm zwei Stufen auf einmal, steckte angespannt den Schlüssel in das leicht hackende Schloss der Wohnungstür und kickte, drinnen angekommen, als erstes unachtsam seine nassen Schuhe in eine Ecke des Flurs.
Seinen Schlüssel schmiss er auf die kleine Kommode neben der Tür und dann steuerte er direkt sein Badezimmer an.
Das Wasser in der Dusche plätscherte wenig später im Hintergrund während Klaas sich die Klamotten vom Körper schälte und in den warmen Wasserstrahl trat. Ihm war kalt. Unangenehm kalt. Er fühlte sich unwohl und ausgelaugt. Hoffentlich würde eine warme Dusche das alles in den Griff bekommen.
Er hielt sein Gesicht in das warme Wasser, verdrängte Gedanken, wollte sich am liebsten sein Hirn leer waschen. Alles vergessen. Die ganzen letzten Wochen und Monate und vor allem den heutigen Tag.
Das gelang ihm aber natürlich nicht.
Leider.
Aber immerhin war ihm nach der Dusche warm und nicht mehr kalt, was vielleicht auch an dem kuscheligen Bademantel lag, den er jetzt trug, während er sich rastlos auf die Couch legte.
Er griff nach seinem Handy, welches er mit aufs Sofa genommen hatte, war dummerweise fast etwas hoffnungsvoll, als er einen Blick darauf riskierte und fühlte sich dann noch beschissener, als er nur eine Nachricht von Thomas Martiens erblickte.
Nichts von Joko. Rein gar nichts. Kein Anruf. Keine Nachricht. Nicht mal ein verschissenes Nacktbild. Nichts.
Joko juckte das alles wohl alles wirklich überhaupt nicht. Ihm war es wohl nur recht gewesen, dass Klaas verschwunden war oder er war beleidigt, weil er keinen Fick bekommen hatte. War Klaas Joko schon immer so egal gewesen? Denn fuck das tat echt weh. Sehr doll weh.
Fluchend drehte er sich auf den Bauch, schmiss das Handy auf den Teppich und drückte sein Gesicht in das Sofapolster.
Verdammte kacke. Er hatte nie so abhängig von Joko werden wollen. Am liebsten würde er ihn jetzt dafür hassen. Für all den Ärger und den Schmerz und diese Gleichgültigkeit. Dafür, dass er Klaas einfach nur benutzt hatte, um Spaß zu haben. Dass er nicht einmal einen Ansatz von Feingefühl besaß und dann doch immer in jedem Interview behauptete der gefühlvollere von ihnen beiden zu sein. Das war eine dreiste Lüge. Gefühle und Joko. Das war scheinbar wie zwei Magnete, die sich abstießen. Es war genau, wie Thomas Martiens es gesagt hatte. Eventuell sogar noch schlimmer. Es fühlte sich auf jeden Fall schlimmer an.

Tief durchatmend sammelte Klaas sich wieder etwas, drehte sich zurück auf den Rücken und griff nach dem Handy, welches den Fall auf den Teppich zum Glück unbeschadet überstanden hatte. Er entsperrte es erneut und klickte nun auf die Nachricht von Thomas, wissend, dass sie ihn wahrscheinlich auch nicht von seinem Problem mit Joko ablenken würde.
‚Und wie lief es?‘, stand da einfach nur und Klaas biss sich auf die Lippe.
‚Beschissen.‘, tippte er wahrheitsgetreu und zuckte kurz zusammen als sein Handy kurz nach absenden zu klingeln begann.
„Was hat der Joachim jetzt wieder für ‘ne Scheiße abgezogen?“, war das erste, was Klaas ins Ohr dröhnte, als er das Telefonat annahm.
„Gar nichts hat er gemacht. Das ist ja das Problem.“, brummte Klaas, zog sich zeitgleich den Bademantel enger um den Körper.
„Aber du hast es ihm gesagt?“
Kraftlos schnaufte Klaas „Ja hab ich...“
„Und er hat nichts dazu gesagt? Gar nichts?“
Klaas strich sich müde durchs Gesicht. „Er wollte ficken. Das war seine Antwort.“, presste er mühevoll heraus, stach sich damit quasi selbst nochmal mitten ins Herz.
„Nicht dein Ernst?“ Thomas klang ungläubig.
Klaas seufzte.
„Doch...“
„Dieser blöde Idiot!“, schimpfte der Mann am anderen Ende der Leitung dann und Klaas nickte zustimmend. Ein blöder Idiot war Joko wirklich. Ein blöder verdammt schöner liebenswerter Idiot.
„Aber sag mir bitte, dass du nicht mitgemacht hast“, flehte Thomas dann und Klaas rutschte tiefer ins Sofa und legte seine Beine auf den Couchtisch.
„Nein, bin abgehauen... und nein er ist mir nicht hinterher und hat bis jetzt auch noch nicht geschrieben. Er interessiert sich ‘nen Scheiß für mich“, zischte Klaas mit einer komischen Mischung aus Wut und tiefsitzender Enttäuschung ins Handy.
„Ich kann’s nicht fassen. Ich weiß ja, dass er da echt doof in Bezug auf Gefühle ist, aber so doof hätte ich ihn auch nicht eingeschätzt.“, wetterte Thomas aufgebracht und Klaas sah ihn förmlich vor sich wie er in das Telefon zeterte. Er war nun tatsächlich froh Thomas als Verbündeten zu haben. Nicht alleine mit der ganzen Scheiße zu sein, war irgendwie ein wenig beruhigend.
„Aber du bist okay?“, drang dann nach mehreren fluchenden Worten von Martiens an sein Ohr. Thomas klang plötzlich sanfter und fragender und Klaas hatte ehrlich gesagt keine Antwort auf seine Frage.
War er okay damit, dass Joko ihn einfach so hatte gehen lassen, dass Joko seine Gefühle anscheinend weder verstand noch erwiderte, dass Joko nur an das Eine dachte?
Eigentlich nicht. Eigentlich war er damit überhaupt nicht okay.
Er hatte ja nicht grundlos die halbe Autofahrt geweint, aber das würde er Thomas so nicht sagen. So gut er es auch irgendwie fand jemanden zu haben, der in dieses Drama involviert war. Alles musste sein Kollege ja auch nicht wissen.
„Ich hab nichts anderes erwartet. Es war dumm es ihm überhaupt zu sagen.“, murmelte er also nur leise und hörte das tiefe Durchatmen am anderen Ende sehr deutlich.
„Erzähl keinen Scheiß Klaas! Außerdem hätte es dich später viel mehr verletzt, wenn ihr diese Affäre so unbedarft weitergeführt hättet.“
Klaas schnaubte nur als Antwort. Was sollte er auch sagen? Martiens hatte nun mal offensichtlich recht. Klaas hasste es. Alles.
„Soll ich mal mit ihm reden?“, bot Thomas dann fragend seine Hilfe an und Klaas‘ Kehle verließ ein fast panisches „Nein!“
Das fehlte ihm ja gerade noch. Joko musste nicht unbedingt wissen, dass er sich hier bei Jokos Ex-Affäre ausheulte. Gott, er war so erbärmlich.
„Und was ist dann jetzt dein Plan?“, fragte Thomas zögerlich, als nach Klaas‘ Nein eine kurze Pause geherrscht hatte.
Klaas zuckte die Schultern, brummte leise, um auch verbal irgendeine Antwort zu geben, die Thomas durch das Telefon erreichen würde.
„Nichts...“
„Nicht nochmal mit ihm reden?“
Klaas schnaubte. „Was soll das bitte bringen?! Reden hat ja heute auch nicht so toll geklappt.“
„Aber nichts tun macht’s doch jetzt auch nicht besser.“, hakte Thomas ein und Klaas strich sich überfordert die Haare aus der Stirn.
Ja nichts tun brachte auch nichts, aber nichts tun klang trotzdem noch besser, als sich nochmal komplett vor Joko zum Affen zu machen.

Gerade wurde Klaas wieder bewusst, wie aussichtslos diese Situation war. Joko und er arbeiteten zusammen. Sie musste sich verstehen. Vor allem vor der Kamera. Wenn diese natürliche Harmonie zwischen ihnen nicht mehr da wäre, dann könnten sie direkt aufhören mit all dem. Was machte das dann noch für ein Sinn? Fuck. Klaas wollte, dass das klappte. Er wollte, dass alles so weiterlief, wie es seit Jahren lief. Er wollte keine Veränderung und doch war er derjenige, dessen Herz nun eine Veränderung verlangt hatte. Sein Herz hatte nicht mehr nur Jokos Kollege und Affäre sein wollen und einmal in seinem Leben hatte Klaas einfach auf sein Herz gehört und direkt war es schiefgegangen. Sein Kopf hätte ihm niemals dazu geraten es Joko zu erzählen. Aber um ehrlich zu sein hatte nicht erst sein doofes Liebesgeständnis etwas zwischen Joko und ihm geändert. Eigentlich war es diese komplette Affäre gewesen. Mit dem Sex hatten sie den Gang ihrer beider Leben verändert.
Wie hatte Klaas so naiv sein und glauben können, dass es nichts ändern würde, wenn man mit seinem Kollegen schlief? Natürlich änderte so etwas die Beziehung. Vor allem, wenn die zwei Kollegen Joko und Klaas waren.

„Klaas?“, klang es dumpf und weit entfernt zu ihm. Er hatte das Handy nicht mehr direkt am Ohr, hörte Thomas daher nur sehr leise, wusste nicht, ob dieser eben durchgängig mit ihm geredet hatte. Sehr wahrscheinlich hatte er das.
Tief durchatmend hob Klaas das Handy wieder an sein Ohr, ließ Thomas gar nicht erst zu Wort kommen.
„Ich muss auflegen. Bis morgen im Büro.“, brummte er abgelenkt und drückte gleich darauf auf den roten Button.

Kraftlos ließ er das Handy neben sich auf die Couch fallen.
Fuck. Fuck. Fuck.
Er wollte nicht mehr. Sein Leben entwickelte sich gerade rasend schnell in eine Richtung, die er weder kontrollieren, noch je einschlagen wollte.
Fast wünschte er sich Clara zurück.
Mit Clara war alles so schön einfach gewesen. Sie hatten sich gedatet, dann ineinander verliebt und selbst als sie gemeinsam in eine Wohnung gezogen waren, hatte es nichts in Klaas‘ Leben stark beeinflusst. Er hatte weiter arbeiten können, hatte sich jeden Tag auf den Feierabend gefreut und diesen dann mit Clara verbracht. Sie war unkompliziert, hatte ihn unterstützt und war immer für ihn da gewesen.
Es war wirklich fast perfekt gewesen. Bis sie sich nun mal irgendwann auseinandergelebt hatten und selbst da war sie so verdammt unkompliziert gewesen. Sie hatte Klaas’ Entscheidungen abgenommen, hatte alles organisiert, alles geregelt. Klaas hatte im Nachhinein lediglich mit der neuen Einsamkeit zurechtkommen müssen, doch selbst die hatte ihn gedanklich nicht so sehr eingeschränkt, wie diese doofen Gefühle für Joko es gerade taten.
Klaas hatte das Gefühl die Kontrolle verloren zu haben. Über alles einfach und das war ganz und gar nicht gut. Es stresste ihn. Er hatte das Gefühl, dass sein Leben nie wieder entspannt und einfach werden würde. Nicht nachdem er Joko seine Gefühle gestanden hatte und dieser so komplett bescheuert darauf reagiert hatte.

Seufzend erhob er sich vom Sofa. Sein Blick fiel noch einmal auf sein Handy. Immer noch keine Nachricht von Joko. Er wollte ja auch eigentlich keine von ihm bekommen, hoffte aber doch still und heimlich auf eine entschuldigende Nachricht. Wenigstens irgendetwas was ihn nicht mehr wie der letzte Idiot fühlen ließ. Aber selbst das war in Bezug auf den Winterscheidt wohl zu viel verlangt. Dieser doofe Trottel. Dieser doofe wunderbare Trottel.


Der nächste Morgen startet für Klaas mit einem unangenehm laut klingelnden Wecker um viertel vor 9.
Wie genau er es geschafft hatte 20 Minuten später vor der Tür zu ihrem Büro zu stehen, war selbst ihm ein Rätsel. Sein Handy hatte er mal wieder einfach Zuhause gelassen, schaffte es dadurch zwar nicht Joko zu vergessen, musste sich dann aber immerhin nicht so sehr zusammenreißen sich nicht bei ihm zu melden, denn ja heute Morgen hatte er dummerweise das starke Verlangen gehabt Joko zu schreiben. Er hätte die Gefühle vielleicht irgendwie zurückziehen können, hatte dem Blonden etwas von einem Missverständnis erzählt und dann gehofft, dass sie zumindest wieder auf die Affären-Ebene ihrer Beziehung zurückgehen konnten.
Glücklicherweise hatte er es geschafft sich davon abzuhalten. Das würde ihm nicht guttun. Auch wenn er dann vielleicht Jokos Nähe wieder haben könnte, aber zu welchem Preis?
Daher hatte er sein Handy dann also einfach direkt wieder zu Hause gelassen und war losgelaufen.

Einige Mitarbeiter saßen bereits im Großraumbüro, als Klaas dieses betrat. Er brummte wie immer ein leises „Guten Morgen“ und verzog sich dann, nachdem er sich schnell einen Kaffee gezogen hatte, in sein Büro.
Gegen 10 klopfte es dann gegen seine Tür und mürrisch richtete Klaas seinen Blick zu eben dieser und weg von seiner Arbeit.
Nach einem kurzen „Ja?“, streckte dann auch schon Thomas Martiens seinen Kopf durch die Tür.
Klaas seufzte. Auf den konnte Klaas jetzt wirklich verzichten. Er hatte sich gerade selbst so schön von dem ganzen Schlamassel ablenken können.
„Was willst du Thomas?“, fragte er daher nur bockig, wendete seinen Blick wieder auf den Bildschirm und tippte wild weiter eine gerade angefangene Mail.
„Dir auch einen guten Morgen. Schmitti hat mich geschickt dir Bescheid zu sagen, dass wir nach der Mittagspause ein Meeting haben zur neuen JKvsP7 Staffel.... und ich wollte schauen wie es dir geht.“
Klaas nickte abgelenkt, während er weiterhin wahllos Tasten seiner Tastatur drückte.
„Okay und mir geht’s gut.“
Er hörte Thomas Seufzen, wusste, dass der logischerweise nicht mit seiner Antwort zufrieden war.
„Du solltest wirklich nochmal mit ihm reden. Wie soll das denn sonst werden? Wie wollt ihr…“
Klaas unterbrach ihn hektisch. „Ich hab zu tun Thomas. Danke für die Meeting-Info. Ich muss jetzt weiterarbeiten.“
Er war gemein. Mal wieder. Thomas wollte ihm ja nur helfen. Aber Klaas hatte da jetzt einfach nicht den Kopf für und glücklicherweise verließ Thomas nun wirklich das Büro. Nicht ohne ihm nochmal einen besorgten Blick zuzuwerfen, aber immerhin ging er.
So konnte Klaas die restliche Zeit bis zum Meeting endlich wieder in seiner Arbeit versinken, die ihn zwar nicht gänzlich von Joko ablenkte, aber immerhin eine gesunde Distanz zwischen ihn und das Thema brachte.

Als er dann gegen halb 1 in den Konferenzraum trat, saßen alle Kollegen bereits an dem großen Tisch. Klaas setzte sich auf den freien Platz neben Frank und versuchte so locker wie möglich dabei auszusehen. Außer Thomas Martiens nahm aber eh keiner wirklich Notiz von ihm.
Schmitti begann kurz darauf einen ewig langen Monolog über ihre weiteren Planungen. Er redete erst von Late Night Berlin und dann noch ein wenig übers Duell um die Welt und andere Projekte, bevor er dann zum eigentlichen Thema kam. Klaas war schon tief in den Stuhl gerutscht und starrte unfokussiert nach vorne auf den Bildschirm, den sie hier anstelle der alten Magnettafel nun aufgehängt hatten.
„Ich ruf kurz Joko mal dazu. Dann kann der auch mithören. Geht ihn ja auch was an.“, murmelte Schmitti dann irgendwann beschäftigt, woraufhin Klaas aus seinem Delirium aufschreckte, gleichzeitig aber versuchte sich nichts anmerken zu lassen.
Instinktiv schaute er aber im Augenwinkel in Thomas‘ Richtung, sah wie dieser ihn besorgt musterte und presste dann seine Lippen aufeinander.
Das nervige Tuten drang laut durch den Raum und Klaas dankte Schmitti immerhin still und leise dafür, dass er lediglich bei dem Blonden anrief und ihn nicht mit einem Videocall dazuschaltete. Sehen wollte Klaas Joko nämlich jetzt auf gar keinen Fall. Seine Stimme hören würde er gerade noch so ertragen ohne allzu auffällig darauf zu reagieren.
Da es immer noch tutete hatte Klaas sogar kurz die Hoffnung, dass Joko gar nicht drangehen würde, doch dann knackte es auch schon in der Leitung und verzerrt hallte die raue Stimme durch den Raum.
„Schmitt was willste? Ich bin im Auto.“
Joko klang wie immer und Klaas ohrfeigte sich innerlich für diesen dummen Gedanken. Warum zur Hölle sollte er auch anders klingen? Joko war hier nicht derjenige der gekorbt wurde. Joko ging es gut. Wahrscheinlich war er gerade auf dem Weg zu einem neuen Fuckboy.
Klaas rutschte wieder tiefer in den Stuhl, ignorierte dabei vehement Thomas Martiens, der ihn immer noch anschaute.
„Sorry Joko. Wir sind gerade in einem Meeting. Geht um JKvsP7. Dachte du könntest kurz mit zuhören. Dauert auch nicht lang.“, antwortete der andere Thomas derweil Joko.
„Ja okay... Hab gerade eh nichts Besseres zu tun. Stehe im Stau.“, murmelte Joko in den Hörer.
Im Hintergrund hörte man leise den Motor brummen.
„Super.“, Schmitti klatschte in die Hände und startet dann unbeirrt wieder einen weiteren Monolog.
Zahlen, Daten und Planungen erreichten zwar Klaas‘ Ohren, aber verflogen dann auch gleich wieder. Er war gerade viel zu fokussiert darauf Martiens Blick nicht zu erwidern und gleichzeitig akribisch dem leisen Motorbrummen zu lauschen, welches von Jokos Auto zu ihnen in den Konferenzraum tönte.
Immer mal wieder wurde der Motor etwas lauter, wahrscheinlich wenn Joko im Stau wieder einige Meter weiterfahren konnte. Zwischendurch brummte Joko auch immer mal wieder zustimmend, klang dabei aber genauso abwesend wie Klaas sich gerade fühlte.

Das war jetzt also sein Arbeitsalltag.
Dieses Gefühl, wann immer Joko hier gezwungenermaßen Thema wurde, das würde er nun also immer fühlen. Wie sollte er das aushalten? Wie sollte er aushalten täglich mit Joko konfrontiert zu werden, wenn dabei jedes Mal ein weiteres kleines Stück seines Herzens brach. Es war so dumm von ihm sich in Joko zu verlieben. So verdammt dumm. Klaas hatte das doch gar nicht gewollt. Er hatte unkomplizierten Sex gewollt. Mehr nicht.
Bekommen hatte er von seinem Hirn und Herz dann aber einfach nur eine schlecht geschriebene Romanze ohne Happy End.  
Na super.

Ein leises Seufzen verließ ihn und irritiert traf der Blick von Frank ihn, woraufhin Klaas nur gespielt genervt die Augen verrollte und in Richtung Thomas nickte, um seinem Kollegen irgendwie glaubhaft zu vermitteln, dass er einfach nur von Schmittis Gerede genervt war. Gutgläubig wie Frank war, nickte er ihm zustimmend zu, richtete seine Aufmerksamkeit dann aber wieder interessiert nach vorne.
Klaas schüttelte zu sich selbst den Kopf, bevor Jokos Stimme plötzlich wieder durch die Lautsprecher an seine Ohren dröhnte.
„Du Schmitti, ich kann noch nicht fest sagen, wann ich mal wieder vor Ort sein kann. Hab hier gerade bisschen Stress... mit… mit Start Ups und so.“
Joko klang durcheinander, erzählte nicht die Wahrheit, das hörte Klaas sofort heraus. Erneut heulte im Hintergrund leise der Motor auf und Klaas biss sich fester auf die Lippe. Sicherlich wollte Joko einfach nur ein Zusammentreffen mit ihm vermeiden und deswegen druckste er so hier herum.
Sein Herz zog. Das tat unverhältnismäßig weh. Er wollte nicht, dass Joko ihn mied, zeitgleich wollte er den Blonden aber auch auf gar keinen Fall sehen. Große Scheiße.

Sein Blick flog nun doch zu Thomas Martiens, während Schmitti nun genervt mit Joko zu diskutieren begann. Das elendige Thema. Seit Joko nach München gezogen war, stritten Schmitti und der Blonde immer mal wieder darüber, dass Joko sich kaum in Berlin blicken ließ.
Thomas Martiens Blick war ungewöhnlich weich und beruhigend und gab Klaas komischerweise gerade tatsächlich etwas Halt. Er fühlte sich nicht mehr so alleine. Dankend nickte er seinem Kollegen zu, verschränkte seine Arme enger vor seiner eigenen Brust. Er war nun wirklich sehr froh, dass Thomas eingeweiht war, dass er sich bei ihm gerade keine Gedanken darum machen musste sich irgendwie zu verstellen.
Erneut heulte der Motor von Joko laut auf, er fluchte, hatte sich wohl verschaltet, während sich Schmitti immer weiter in Rage redete. Diese Diskussionen zwischen den Beiden dauerten manchmal gefühlte Ewigkeiten. Normalerweise hatte Klaas sie dann immer geschlichtet, aber gerade würde er sich da ganz sicher nicht in das Gespräch einmischen.
„Man Schmitti ich habe da gerade echt keinen Nerv zu!“, zischte Joko dann plötzlich lauter und bestimmter als zuvor, klang ernsthaft gestresst und gehetzt zugleich, bevor er einfach auflegte.
Das war ungewöhnlich. Joko hatte noch nie einfach so aufgelegt ohne, dass Schmitti und er die Wogen vorher wieder etwas geglättet hatten.
Die Stille, die daher nun im Konferenzraum herrschte, war greifbar. Klaas versank noch tiefer im Stuhl, während seine Kollegen anscheinend nur darauf warteten, dass er nun Thomas beruhigte. So wie er es nun mal immer machte.
Am Ende war es dann aber Jakob, der sich zu Wort meldete, Schmitti mit irgendwelchen dummen Floskeln aus dieser angespannten Stimmung holte.
„Wir beenden das Meeting hier. Hat ja keinen Sinn, wenn der feine Herr Winterscheidt mal wieder nicht mit dabei sein will.“, brummte ihr Redakteur dann wieder etwas ruhiger, aber trotzdem noch gereizt und Klaas mochte diese negative Stimmung nicht. Vor allem nicht, wenn Schmitti dann immer so abwertend über Joko sprach und doch war er froh endlich diesen Raum verlassen zu können.
Also ignorierte er Martiens Blick, der ihm stumm „Du musst wirklich mit Joko reden“, sagte und eilte hinter Basti aus dem Raum hinaus, um sich wieder in seinem Büro zu verbunkern.

Glücklicherweise ließ Thomas Martiens ihn den restlichen Arbeitstag, ganz zu Klaas’ Überraschung, tatsächlich in Ruhe.
Er hatte eigentlich nochmal mit einem Gespräch gerechnet, aber vielleicht wusste Thomas auch, dass das Klaas nicht umstimmen würde.
Er wollte gerade einfach nicht mit Joko reden und ja er wusste, dass das dumm war. Irgendwann vor der nächsten Aufzeichnung würde er sich wohl einkriegen müssen und mit dem Blonden sprechen, damit das alles hier überhaupt noch funktionierte, aber gerade klappte es doch auch so. Joko in München, er in Berlin. Beide schön weit weg voneinander. Das war gut. Das war das, was Klaas gerade brauchte, um diese doofen Gefühle in den Griff zu bekommen, die ihn überhaupt erst in diese blöde Situation gebracht hatten.

Also verdrängte er das Thema gerade noch ein wenig, stürzte sich lieber wieder so konzentriert wie möglich in seine Arbeit und war tatsächlich erleichtert, als Katha zu ihm kam, um mit ihm über Pläne für die neue Late Night Berlin Staffel zu sprechen.
Katha war immerhin keine Gefahr. Katha wusste nichts. Sie ahnte nicht einmal etwas.
So verging der restliche Arbeitstag dann immerhin zügig und ohne, dass Klaas sich noch weiter Gedanken um Joko oder besser gesagt um dieses Ding zwischen ihm und Joko machen musste.


Draußen setzte bereits die Dämmerung ein, als er die Tür zu seinem Büro hinter sich zuzog und in den Flur, der zum Großraumbüro führte, trat. Durch dieses musste er jetzt wohl oder übel durch um zum Fahrstuhl zu kommen und so trat er den Weg schnellen Schrittes an.
Natürlich fing er trotzdem direkt Thomas Martiens Blick ein, der in seine Richtung guckend an seinem Schreibtisch saß und ihm mit nur einem blöden Blick und einer gehobenen Augenbraue deutlich  machte, dass er mit Joko reden musste. Nochmals. Weil all das hier wohl sonst nicht mehr so lange Bestand hatte, weil Joko und sein Verhältnis zueinander wichtig für die Erhaltung dieser Firma war und weil es Klaas jedes Mal einfach nur stressen würde Joko zu sehen.
Klaas wusste, dass sie da eine Basis finden mussten. Eine mit der Klaas leben konnte, denn Joko lebte ja anscheinend auch jetzt noch weiterhin entspannt vor sich hin. Joko war hier nicht das Opfer. Klaas dafür gleich doppelt. Wahrscheinlich musste er sich auch deshalb selbst darum kümmern.
Doofer Joko. Doofer Thomas.
Ein genervter und gleichzeitig kapitulierenden Blick schenkte er letzterem trotzdem, bevor er sich schnell und ohne viel Tamtam von den anderen Kollegen im Raum verabschiedete und dann endlich in den ruhigen Flur vor dem Büro trat.

Es wurde schon langsam wirklich dunkel als Klaas seine Wohnung erreichte.
Er konnte sich an den Weg vom Büro hier her gar nicht erinnern, weil er durchgängig so in Gedanken versunken war. Diese ganze Joko-Situation ließ ihn durchdrehen. Er fühlte sich seitdem unterschwellig die ganze Zeit gestresst, war leicht reizbar, schnell genervt und wusste nicht wirklich etwas mit sich anzufangen. Abgelenkt schloss er also nun die untere Haustür auf, die ihn in den schmalen etwas miefigen Altbau-Flur treten ließ.
Kurz warf er noch einen Blick in seinen Briefkasten, der gähnende Leere vorwies und ging dann seufzend die Stufen hinauf um zu seiner Wohnung zu gelangen.
Abgelenkt raufte er sich die eh schon zerwühlten Haare, kramte seinen Schlüssel aus der Hosentasche hervor und stolperte dann erschrocken einige Schritte zurück, weil da ein Mann vor seiner Tür auf dem Boden saß, der nun, ebenso hektisch wie Klaas zurückstolperte, aufsprang.
Halt suchend griff Klaas an das Geländer der Treppe hinter sich und starrte den Mann an, der ihn aus braunen, unruhigen Augen musterte.


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tbc
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