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Shadows of the Past

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
06.06.2021
08.09.2021
13
21.100
 
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14.07.2021 1.580
 
Marlovia streckte ihren Arm in Allys Richtung aus, die Armbänder und-reifen klirrten leise und leuchteten in einem strahlenden, silbernen Licht auf. Direkt unter Ally tauchte ein rundes Siegel auf, ähnlich dem, was auch bei Mark erschienen war, jedoch waren hier andere Symbole zu sehen und es leuchtete auch deutlich stärker.

Das Leuchten ging über auf Allys Körper, die sich plötzlich verkrampfte und mit einem leisen, schmerzerfüllten Schrei zu Boden ging. Sich kurz zusammenkrümmte, bis das Siegel unter ihr wieder erlosch und die Coven-Leiterin ihren Arm wieder sinken ließ.
„Der Zauber wirkt erst einmal für einen Monat. In diesem Zeitraum wirst du nicht auf deine Magie zugreifen können. Je nachdem, ob du dich beweist, werde ich die Zauber nach und nach ein wenig lockern.“ Marlovia nickte Ian zu, der sich von der Wand löste und nach einem Schlüsselbund griff, die Tür zu Allys Zelle aufschloss und diese dann aufschwang. „Mister Graham wird Sie begleiten und zukünftig nicht mehr von Ihrer Seite weichen.“

Ian nickte noch einmal und ging dann zu Ally, um dieser aufzuhelfen. Die Braunhaarige jedoch schüttelte nur den Kopf und stieß die ausgestreckte Hand des Dunkelhaarigen sanft weg, bevor sie, noch immer mit leicht verzerrtem Gesicht, selbst aufstand und noch einmal zu Ibn und Bax sah. „Danke für die Chance, die ihr mir gewehrt. Ich werde euch sicher nicht enttäuschen.“

Ibn nickte nur kurz, sein Kiefer spannte sich kurz an, doch er sagte nichts. Bax selbst nickte ebenfalls, dann wurde sie von Ian nach oben gebracht.

Ibn sah den beiden noch einige Sekunden nach, die Stirn etwas gerunzelt, dann schüttelte er leicht den Kopf. „Nun gut… Da das nun erledigt ist, würde ich sagen, sie beide widmen sich wieder ihren Aufgaben und Vorbereitungen. Und sollte Mister  Linix noch einmal irgendwelche Probleme machen, zögern Sie nicht, es mir mitzuteilen.“ Mit diesen Worten wandte sich auch die Coven-Leiterin ab und stieg die Treppe nach oben.

Bax und Ibn standen einige Sekunden dort unten im Kerkergang, die alchemistischen Lichter warfen ein Wechsel aus flackernden Schatten und Licht auf die steinernen Wände, Stille umgab sie, da in diesem Gang bisher nur Ally untergebracht war. Die restlichen Zellen waren alle leer.

Ibn blickte noch eine Weile in Richtung der Treppen, einen nachdenklichen Ausdruck auf dem Gesicht, bevor er wieder leicht den Kopf schüttelte. Bax bemerkte dies und sah den Braunhaarigen fragend an. „Ist irgendetwas? Hast du vielleicht doch bedenken, dass wir Ally freigelassen haben?“, wollte der schwarzhaarige Magier wissen. Er könnte es verstehen, schließlich hatte Ibn es Ally oder vielmehr Allison nicht unbedingt verziehen, dass diese ihn beinahe umgebracht hatte, wenn Ibn sich nicht eingemischt hätte.

Und auch die Folgen danach nahm er ihr noch mehr als nur Übel, wenn er an den Blick von Ibn dachte, als dieser sie mit ihren Taten konfrontiert hatte. Bax selbst war nicht so nachtragend wie Ibn, einfach, weil er wusste, dass ihn das nicht weiterbringen würde, geschweige denn, ihm helfen würde, sich in irgendeiner Weise besser zu fühlen.
Zwar hatte er noch heute manchmal diese Ängste und Sorgen, wenn er an seine Narben dachte, die ihm immer wieder seine Schwächen aufzeigen wollten, doch er versuchte, diesen Schwächen nicht nachzugeben, sondern sich selbst immer wieder zu sagen, dass diese Narben ihn stärker machten.

Zeigten sie doch, was er alles überstanden und überlebt hatte. Wortwörtlich…

„Nein…“, begann Ibn langsam, er riss sich von den Treppen los und blickte nun Bax an. „Das das ist es nicht. Ich hatte nur irgendwie das Gefühl, dass Ian sich in der Gegenwart von Ally ein wenig… merkwürdig verhält. Aber das muss ich mir wohl eingebildet haben.“ Der Braunhaarige lächelte leicht und griff dann nach Bax Hand, zog ihn leicht in Richtung des Ausgangs. „Komm, verschwinden wir von hier. Ich… will nicht unbedingt länger hier unten bleiben als notwendig.“
Das Lächeln von Ibn verblasste etwas, als seine Augen für eine Sekunde unruhig zu der Zelle neben Allys huschte. Bax bemerkte dies und auch die plötzliche Anspannung des Braunhaarigen.

Doch bevor er irgendwie nachfragen konnte, was plötzlich mit seinem Schützling und Partner los war, zog dieser ihn auch schon die Treppen hinauf und weiter durch die Gänge.

Es herrschte Schweigen, ein Schweigen, das Ibn nicht unbedingt gewillt schien, zu brechen. So aber nicht Bax. „Ist dort unten mal irgendetwas geschehen? Etwas, wovon ich nichts weiß?“, wollte der Schwarzhaarige wissen und beobachtete dabei Ibn genau, der nur ganz kurz und kaum wahrnehmbar zusammenzuckte und ihn dann mit einem Grinsen anzublicken. „Was? Wie kommst du bitte darauf?“ Das Grinsen konnte Bax nicht täuschen, ebenso wenig wie der bemüht gelassene Tonfall des Braunhaarigen.

Er seufzte und blieb einfach stehen, zog seine Hand zurück und sah Ibn einfach nur ruhig und abwartend an. Dieser erwiderte den Blick einige Herzschläge lang, bevor er schwer und tief seufzte, seine Schultern sanken ein Stück herab, sein Blick huschte kurz unruhig hin und her, bevor er sich einen Ruck zu geben schien.

„Es ist eigentlich nichts, worum du dir Sorgen machen müsstest…“, begann Ibn, ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht, bevor es wieder verschwand. „Aber ich kenne dich zu gut, um zu wissen, dass du so oder so nicht locker geben würdest. Und… eigentlich ist es wirklich keine große Sache mehr… Ich…“

Bax trat einige Schritte auf Ibn zu, der unruhig seine Hände miteinander verschränkte, sie dann löste um sich dann mit einem genervten Seufzer durch die lockigen Haare zu fahren. „Ibn…“, begann der Schwarzhaariger mit leiser, sanfter Stimme, nahm die Hände seines Schützlings in die seinen und strich sanft und beruhigend mit den Daumen über dessen Handrücken.
„Ganz ruhig. Ja, ich mache mir Sorgen um dich und ja, ich würde gerne wissen, was dich dort unten so bedrückt und dich dazu getrieben hat, dort ganz schnell wieder zu verschwinden. Also, abgesehen davon, dass das Gefängnis des Coven noch stark an altertümliche Kerker erinnert. Aber du musst mir nichts sagen, was du selbst nicht willst. Niemand, auch nicht ich, werde dich dazu zwingen.“

Ibn lächelte erneut, dieses Mal jedoch war es ein echtes Lächeln und nicht mehr von dieser Nervosität geprägt, bevor er noch einmal tief durch atmete und den Kopf schüttelte.
„Nein, ich will es dir schon erzählen. Es ist schließlich schon eine Weile her und auch geschehen, bevor wir uns überhaupt kennen gelernt hatten. Nur…“

Ibn hielt inne und blickte den Gang entlang, in dem sie noch immer standen. „Vielleicht ist dieser Ort nicht unbedingt der Beste dafür…“ Bax nickte, ließ die eine Hand von Ibn los, die andere umfasste er und zog ihn dann sanft mit sich. „Wir haben noch ein wenig Zeit, bevor wir uns unseren Aufgaben widmen müssen. So lange können wir uns in unser Quartier zurückziehen und dort kannst du mir dann alles in Ruhe erzählen.“

Ibn nickte dankbar und kurze Zeit später saßen sie in ihrem Wohnzimmer auf einem bequemen, großen Sofa, Bax hielt noch immer die Hand von Ibn umfasst und malte mit seinem Daumen kleine Kreise auf dessen Handrücken.

Noch vor den Ereignissen in Ikenfell mit dem Summerstone und der Illusion des Dark Folds hatten er und Ibn ein  neues Zimmer bezogen, das statt zwei Schlafzimmern, ein gemeinsames Schlafzimmer hatte, das Wohnzimmer und die kleine Küchennische unterschieden sich jedoch nicht groß von dem damaligen.

Ibn atmete noch einmal kurz ein und aus und begann dann zu erzählen, den Blick hatte er dabei auf ihre verschlungenen Hände gerichtet.

„Du weißt ja, das der Coven mich damals aufgenommen hat. Sie haben von… von dem Vorfall mit Marks Schwester und ein paar anderen Magiern gehört und wollten mich ursprünglich verhaften lassen. Auch, wenn ich damals noch ein Schüler von Ikenfell und auch gerade mal 16 Jahre alt war, war ich dadurch natürlich nicht immun was einen… Mord angeht. Ich wurde daher in Gewahrsam genommen und in die Kerker des Coven gebracht, was inzwischen fast über 13 Jahre her ist und die Kerker sahen damals noch anders aus, als jetzt. "

"Sie sollten die Insassen einschüchtern, mürbe machen… Ich war dort unten nur ein paar Monate… nicht mehr als fünf, denke ich, aber diese Zeit hat gereicht, um dort ihre Spuren in mir zu hinterlassen. Vor allem, weil meine Magie zu der Zeit noch oft unkontrolliert aus mir herausgebrochen ist und mich zusätzlich geschwächt hat. Und teilweise auch verletzt, die Gitter der Zellen waren schon von Anfang an da, also wurde meine Magie auch zum Teil wieder auf mich zurück geschleudert.“

Ibn hielt kurz inne, presste die Lippen zusammen und erzählte dann weiter: „Marlovia war auch damals schon die Leiterin des Coven und hat dafür gesorgt, dass ich relativ schnell wieder rauskam. Wenn es nach den anderen gegangen wäre, wäre ich sicherlich mindestens ein Jahr lang dort unten geblieben. Oder sogar noch heute… Und… Nun ja, danach kam erst einmal sehr viel Training auf mich zu. Training und das Erforschen meiner Magie, die schließlich niemand außer mir jemals beherrscht hatte und somit absolutes Neuland war. Und auch bis heute noch ist. Eine lange Zeit ging auch alles gut, meine Magie-Ausbrüche wurden weniger und ich lernte, wenigstens einen Teil meiner Magie zu beherrschen, wenn auch leider den schwächsten. Und dann… hat man beschlossen, mir einen Aufpasser zuzuteilen, der sowohl mich als auch andere vor meiner Magie beschützt.“

Wieder hielt der Braunhaarige inne, sah hoch und blickte Bax lächelnd an.

„Dich. Den besten Bodyguard, den man mir jemals hätte zur Seite stellen können.“





Wer genaueres zu Ibns Zeit im Kerker wissen will und wie es generell dazu gekommen ist, kann das in meinem Oneshot A Light in the Darkness   nachlesen :)
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