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Buch 2 - Die Lichtklingen

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Het
06.06.2021
21.05.2022
32
83.530
2
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
06.06.2021 980
 
Dies ist der zweite Teil meiner Geschichte rund um Falathras, seinen Bruder Tanalarn, seine Freunde Ivrendre und Adunas und seinen Mentor Kaedran. Denjenigen, die den ersten Teil nicht kennen, lege ich ans Herz, sich den erst mal reinzuziehen und später hier vorbeizuschauen. Hier geht es lang ->: https://www.fanfiktion.de/s/5e440e7f000ba1842f948c73/1/Buch-1-Die-Flucht
Ansonsten hoffe ich, dass ich es so geschrieben habe, dass man auch ohne Vorkenntnisse versteht, was los ist.

An den Rest: Willkommen zurück, denn es geht endlich weiter! Wie immer sind Feedback, Kritik usw. gewünscht.
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In einem schauerlichen Wald im Herzen der Pestländer ließ sich der Lich An’ilithar sich von einem Geißeldiener ein Glas Wein einschenken. Er konnte ihn nicht mehr schmecken, es war nur die Befriedigung einer alten Gewohnheit. Die Tropfen fielen durch seine Knochen hindurch auf den Boden. Trotzdem fühlte es sich nicht wie ein Akt der Verschwendung an.

Er prostete mit einem imaginären Trinkpartner.

„Was sagt ihr, alter Freund? Mein Plan entfaltet sich langsam. Ganz so, wie ich es wollte.“

„Ich werde euch niemals damit durchkommen lassen!“, quäkte ein kleines Stimmchen, das scheinbar dem Nichts entsprang.

„Ich kann euch nicht verstehen. Sprecht lauter.“ An’ilithar bewegte die knochigen Finger seiner anderen Hand näher zu seinen glühenden Augen, die wie zwei eingefrorene Sterne in seinem Schädel saßen. Ein winziges Männchen zappelte zwischen den Fingerspitzen in vergeblichem Bemühen, seinem Griff zu entkommen.

„Wartet nur, bis die Schreckenslords davon erfahren!“

An’ilithar war in diesem Moment sehr froh, dass sein Körper nur mehr aus Knochen bestand. Indem auf seinem Schädel jegliches Fleisch hinweggeschmolzen war, sah es so aus, als würde er ständig grinsen. Das passte nur zu gut zu dieser Situation.

„Wenn ihr weiterhin so leise seid, habt ihr eure Gelegenheit auf ein Gespräch und etwas frische Luft verspielt. Vielleicht hole ich euch in zehn Jahren wieder heraus.“ An’ilithar stellte sein Weinglas ab und zog einen Marmeladenbecher mit dem verblassten Etikett Qamlor Velcaster über den Tisch und hängte das Männchen drohend in den Becher hinein.

Der Homunkulus kreischte, so laut er konnte: „Ich werde schon noch einen Weg finden, euch büßen zu lassen. Ihr seid schuld, dass mein großartiger Plan fehlgegangen ist!“

An’ilithar zauberte sich kurzerhand aus einem Eiskristall eine Lupe und fixierte den Winzling. „Der Unterschied zwischen euch und mir ist, dass ich auf lange Sicht plane. Ihr denkt vielleicht ein Jahr in die Zukunft. Ich bewege mich in größeren Zeiträumen. Deshalb habt ihr auch kein einziges Mal beim Spiel der Könige gegen mich gewonnen, als wir noch zwei Studenten in Dalaran waren. Sicher könnte ich jetzt schon nach größerer Macht greifen, aber noch habe ich nicht genug Unterstützung gesammelt. Es ist besser zu warten. Wisst ihr, Informationen und Verwirrung sind in der Zwischenzeit ein weitaus effektiveres Mittel zur Machtausübung als schiere Größe. Das war euer tragischer Irrtum bei diesem Seuchenriesen.“

„Wäre da nicht dieser Paladin gewesen!?“

„Ihr redet jetzt von unserem guten Kaedran Silberschwert, oder? Ha, dieser Narr hat nicht die geringste Ahnung! Nein, ihr denkt zu kurz. Es ist alles Teil eines Plans. Wie ihr wohl wisst, kursiert in der Kirche des Lichts die Legende von den Fehlern der drei Nekromanten. Eurer ist bis auf euren Tod akkurat wiedergegeben. Mein Lapsus hingegen ist gezielte Desinformation. Ich wurde niemals von einer außer Rand und Band geratenen Ghulhorde zerrissen. Mein Aufstieg in den Untod erfolgte ordnungsgemäß und mein größtes Kapital ist, dass kaum jemand von meiner Existenz weiß.“

„Eure persönliche Rivalität mit mir und eure Ambitionen sind das eine, aber warum verheimlicht ihr wichtige Informationen vor Arthas und den Schreckenslords?“

An’ilithar senkte die Temperatur seiner Hände, wohlwissend, dass er seinen Gefangenen leiden ließ. Es war eine Art Sport für ihn. Er suchte nach immer neuen Wegen, andere zu quälen und zu demütigen. Ein wehleidiges Betteln um den Gnadenschuss war für ihn süßeste Musik. „Ihr ein Rivale? Pah, nicht im Geringsten. Nein, euren Mythos habt ihr der Tatsache zu verdanken, dass ich ihn aufgebaut habe. Ihr solltet mir danken. Sonst hätte die Geschichte euch als drittklassigen Nekromanten, der vom Reichtum seiner Frau lebte, nicht einmal in der Fußnote einer Fußnote in Erinnerung behalten. Was die Geißel angeht, so habe ich nicht die Absicht, mich entweder von dämonischen Möchtegerneroberern aus fremden Winkeln des großen dunklen Jenseits regieren zu lassen oder mich der träumerischen Vision des Prinzen anzuschließen. Von Anfang an habe ich nur meine Interessen verfolgt und die Geißel war ein recht nützliches Mittel dafür. Langsam wird sie mir aber lästig.

„Ihr könnt euch nicht einfach alles erlaub-“

„Schhh-schhh.“ An’ilithar ließ ihn aus einer Höhe in das Marmeladenglas fallen, bei der sich sein Gefangener bestimmt einige Knochen brechen, aber nicht sterben würde.

„Auarrrgh!“

„Wisset nur so viel: Mein Spion ist trotz unvorhergesehener Schwierigkeiten in Sturmwind angekommen. Diese naive Nation denkt, dass sie aufgrund ihrer geographischen Lage sicher vor der Geißel wäre. Ich sage, dass die Geißel dank mir überall ist. Die Informationen, die die Geißel aus Sturmwind übermittelt bekommt, sind allerdings von mir handverlesen. Ich will nicht, dass dieser Schlächter Arthas sein kleines Hirn überanstrengen muss.“

Er drehte den Verschluss des Marmeladenglases zu, damit er sich nicht länger diese piepsige Stimme anhören musste. Der Homunkulus hämmerte gegen die Glaswände, aber es war sinnlos. In Relation zu seiner Größe konnte er genauso gut gegen zehn Schritt dicke Wände anrennen.

Der Lich lehnte sich zurück und nahm sein Weinglas. Er hielt es vor das Kaminfeuer, das er der Optik wegen entfacht hielt, natürlich in angemessenem Geißelblau. Er ließ den Wein kreisen und in violetten Spiegelungen sah er seine Zukunft vor sich. Wenigstens ein Teil von dem, was ihm bei den Paladinen nachgesagt wurde, stimmte. Er hatte tatsächlich vor, über kurz oder lang als Gott angebetet zu werden. Den nötigen Geist besaß er, nur die Macht musste er sich noch beschaffen.

„Ich bin gespannt, was eure nächsten Schritte in Sturmwind sein werden, mein Spiönchen.“

Er kippte den Wein aus.
 
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