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Chance With You

von nymphae
SongficHumor, Romance / P16 / MaleSlash
Osamu Dazai Sakunosuke Oda
06.06.2021
06.06.2021
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Track: Chance With You – mehro
https://www.youtube.com/watch?v=mnIVGG3ny5w
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Odasaku hielt sich seine hart verdiente Zigarette an die Lippen. Es war ein verdammt langer Tag gewesen und von der Arbeit schmerzte ihm jede einzelne Faser seines Körper. Wenn jetzt auch noch sein Feuerzeug versagt, dann würde er-
„O~da~saku“, der Angesprochene drehte sich aus reinem Reflex um. Dabei hätte auch blind erraten können, wer es war. Dazai Osamu. Ein komplizierter Mann. Aber nur halb so schlimm, wie man munkelte. Wirklich. Das schlimmste an ihm war sein bettelnder Blick. Da konnte der stärkste Mann nicht Nein sagen. Odasaku schwor auf Gott und die Welt.



Oh I've heard all about you
All those things they had to say
You're a legend 'round this school
Locally famous drama queen



Er seufzte leise. Der rothaarige Mann wollte gar nicht erst wissen, woher Dazai spitzgekriegt hatte, dass er den Waisenkindern einen Besuch abgestattet hatte.
„Was machst du denn da~…“, mit gespielt empörter Miene deutet der Mafioso auf Odasakus Zigarette.
„…Muss ich das deinen Kindern erzählen? Sie wären bestimmt nicht davon begeistert, dass ihr Daddy Langbein* sich irreparable Lungenschäden zuzieht ~“
Odasaku ächzte.
„Sind‘ nicht meine Kinder und wehe dir. Lass' einem alten Mann seine Raucherpause“, nuschelte er und schüttelte sein Feuerzeug. Bei Gott, es entflammte endlich. Heh, geht doch, dachte er bei sich.

„Wie geht es den kleinen Quälgeistern so?, mit gespieltem Interesse setzte sich Dazai auf das Gerüst des Balkons. Die Balken des waren dünn und wenn er seinen Allerwertesten nur um ein paar Zentimeter nach hinten schieben würde, dann wäre es das gewesen. Aus und vorbei. Er atmete tief auf. Nicht heute. Trotz seines inneren Konfliktes lächelte ihn Odasaku weiter an und erzählte mit Begeisterung von seinen Schützlingen.



Turn my eyes, I see you stare
'Cross the room and right at me
Now you're smiling like you've got
Like you've got something on your mind



Dazai war es egal und wenn er ehrlich war, war auch sein Interesse so ziemlich geheuchelt. Er interessiert sich nicht die Bohne für die kleinen Bengel, mehr dafür, was der Ältere heute Nacht machen würde. Aber so indezent war nicht einmal er, als dass er sich sofort an das Eingepackte machen würde.

Odasaku begann über den Balkon zu tigern und der Mafioso betrachtete sich selbst in dem spiegelnden Glas der Wohnung. Perfekt. Er hatte sich extra hübsch gemacht und Odasaku bemerkte es nicht einmal. Dazai schob seine Unterlippe in beleidigter Manier vor.
Sein Anzug war ein bisschen enger als sonst, sein Aftershave süßlich und er sah einfach perfekt aus. Kurz gesagt: Ein Date zum sterben… und Oda bemerkte es nicht. Solch ein Drama, solch eine bodenlose Frechheit.

Kaum ausgedacht schien sein Gegenüber auch schon verstanden zu haben.
„Was machst du denn für ein Gesicht?“, murrte Odasaku mit der Zigarette im Mundwinkel und den Armen auf dem Gerüst. Dazai verschränkte die Arme vor der Brust.
„Was soll ich denn für ein Gesicht machen, wenn mein Liebhaber eine offensichtliche Veränderung meines Aussehens nicht bemerkt.“ Odasaku quetschte seine Augen zusammen. Er war sich nie ganz sicher wo Dazais Humor aufhört und wo echtes Empören anfing.
„Hast du etwas an deinen Haaren verändert?“
Laut Dazais empörtem Luftschnapper waren es also nicht seine Haare. Aha.
„Dein verdammter Ernst?“
Odasaku kratzte sich am Nacken.
„Nein?“ Mit Dazai konnte man nur verlieren, zumindest da hatten die Gerüchte ihren wahren Kern. Der Mafioso räkelte sich auf dem Geländer der Balkons, aber Odasaku war so ziemlich blind - blind wie ein Fisch.



You're so beautiful
I don't want to turn away
You've been here before
Make me feel like you're a
Wild animal
Shaking I am your prey
I'm all you want



Mit spitzer Miene sprang Dazai von dem Gerüst, schnappte Odasaku die Zigarette aus der Hand, nahm die Hände des Mannes und legte sie auf seine zierlichen Hüften.
"Hier."
Mit Genugtuung sah er wie Odasakus Blick an seinem Körper entlangwanderte. Der rothaarige Mann runzelte die Stirn und fuhr über Dazais Brust.
"Ist der Anzug nicht ein bisschen zu eng? Außerdem..." er presste seine Nase an Dazais Halsbeuge. Der Mann winselte, als er Odasakus kratzige Bartstoppeln an seinem Hals verspürte.
"... riechst du irgendwie süß…." Er runzelte die Stirn.
"…hattest du heute ein Treffen mit jemandem oder warum-" Odasaku war nicht senil. Er wusste über Dazai Bescheid. Jeden Tag lag jemand anders in seinem Bett. Der Rothaarige war niemand, der mit dem Finger auf den Lebensstil der anderen zeigte, aber er fragte sich, ob das schon noch gesund ist. Aber der arme Mann hatte keine Chance seinen Satz zu Ende zu Ende zu denken, geschweige denn auszusprechen, denn Dazais letzter Geduldsfaden war gerissen. Er packte Odasaku an seiner schleissigen Krawatte und presste seine Lippen auf die des Mannes.
"Du redest eindeutig zu viel", wisperte er in den Kuss hinein und Odasaku hatte keine andere Wahl als Still zu sein.



If I could go back in time
I'd shoot my shot
I'd risk it all
If I could go back in time
I'd shoot my shot
Just so I could have a chance with you
With you



Der Mann schmeckte süß. Ironisch da Dazai seine Zigaretten in dem Kuss schmeckte. Bei jedem anderem würde er quengeln aber nicht bei Odasaku.
Als der Mann seine Augen aufschlug, blickte er in Odasakus. Sie waren geöffnet. Er löste sich schlagartig von dem Rothaarigen. Der Mafioso schlug die Hände vors Gesicht, um seinen peinlich berührten Ausdruck zu verstecken.
"Hat man dir Barbar denn nicht beigebracht, dass man bei einem Kuss die Augen schließt?!" Odasaku grinste verlegen:
"Nein. Nun, schon. Ja. Eigentlich schon, aber du sahst so hübsch aus, da wollte ich nicht - du weißt schon."
Er kratzte sich am Nacken, sprachlich verhindert und verblüffte. Aber er hatte keine Zeit eine richtige Antwort zu formen, denn Dazai hatte schon wieder seine Lippen in Anspruch genommen. Dagegen hatte Odasaku nichts einzuwenden. Wirklich nicht. Nur tat sein Nacken verdammt weh. Er presste die Augen zusammen und spürte wie Dazai seine Arme um ihn schlang. Also hob der Rothaarige den Mann hoch und stöhnte erleichtert auf, als sie sich auf Augenhöhe befanden. Nach der Anstrengung würde er sich wohl einen kleinen Schummelversuch erlauben dürfen. Nicht?
Nur einen ganz Kleinen. Versprochen.

Vorsichtig öffnete er die Augen und beobachtete wie Dazais Gesicht sich sanft an das seinige presste. Sein kleines Näschen presste sich beinahe lieblich gegen Odasakus Wange. Seine Wimpern flatterten ohne, dass sich dabei seine Augen öffneten. Odasaku schloss seine Augen erst wieder, als er spürte, wie Dazai die Luft ausging. Als der Mafioso sich von ihm löste, atmete er heftig und wollte seine Lippen sofort wieder auf die des Älteren pressen, aber der Mann hielt ihn sanft ab.
"Komm… atme erstmal, ansonsten stirbst du mir noch", murmelte er lachend, strich Dazai über den bebenden Rücken und wischte ihm den Speichel von den Lippen. Dazai blickte mit einem Gefühl der Hin- und her Gerissenheit auf. Sterben in Odasakus Armen klang beinahe verlockend. Er war zu gut. Zu gut in allem was er für Dazai tat. Zu gut für ihn.



You are always on my mind
Sitting here I am waiting
Ones like you they make me shy
Innocently intimidating



Odasaku lachte immer noch und wischte Dazai über die geschwollenen Lippen.
"Wir haben alle Zeit der Welt…." Unbeirrt. Dazai bewunderte seine lockere Art.
"…Du bist gerade erst volljährig geworden, da willst du dich sicher noch nicht an jemanden binden."
Die paar Jahre Altersunterschied schienen auf den ersten Blick wenig, aber da Dazai gerade erst volljährig wurde, hatte Odasaku Angst ihm etwas wegzunehmen. Er wusste, dass Dazai durchaus im Stande war seine eigenen Entscheidungen zu treffen und dennoch-

Dazai legte den Kopf zur Seite und lachte:
"Mutig von dir anzunehmen, dass ich noch lange auf dieser Welt verweile..."
"...Du musst dir von mir nehmen was du kannst, denn morgen könnte ich schon dort oben sein", der Braunhaarige deutete in den bewölkten Abendhimmel. Odasakus Blick folgte seinem Zeigefinger und er hob eine Augenbraue:
"Die Chancen, dass du ohne mich gehst sind gering mon cher**." Ganz der alte Gentleman.
„Was-…„Dazai sah ich verblüfft an, dann verschränkte er die Hände vor der Brust.
„…Das ist Erpressung. Lass mich sofort runter!“ Odasaku schüttelte lächelnd den Kopf und setzte den Mann ab. Dazai sagte immer er mochte es nicht, wenn Odasaku ihn hochhob, aber das war eine aalglatte Lüge. Er hatte eine Schwäche für Odasakus Arme und seine Kraft. Was er nicht laut aussprechen würde. Niemals. Aber der Ältere hatte es wahrscheinlich sowieso schon durchschaut. Und Dazai liebte ihn dafür.

Unausgesprochene Worte waren keine Seltenheit zwischen ihnen. Der rothaarige Mann zündete sich eine neue Zigarette an und Dazai betrachtet sie missmutig. Odasakus Mund könnte ganz andere Dinge anstellen, anstatt an diesem Glimmstängel zu kleben. Er seufzte dramatisch.
„Also sag, was machst du heute Abend?“
Ein zweiter Versuch konnte nie Schaden. Dazai blinzelte ihn mit aufgesetzt-schüchterner Miene an und Odasaku seufzte.
„Spar dir die unschuldigen Bambi-Äuglein, darauf  fall' ich nicht nochmal rein.“
„Oh doch, wirst du“, murmelte Dazai. Er wünschte Odasaku würde verstehen, dass er ihn wirklich mochte. Also wirklich-wirklich-wirklich mochte. Nicht nur als Freund mit gewissen Vorzügen. Er verstand doch sonst alles Unausgesprochene, warum also das nicht?



I still can't figure you out
You're the kind that drives me mad
Are you here looking for love
Or do you love being looked at?



Dazai wollte es wirklich aussprechen. Keine Frage. Dazai war ein Mann, der keine Angst vor dem Tod hatte, nicht mal vor dem Sterben. Nur die Angst vor Zurückweisung lauerte in jeder Ecke. Man hatte ihn noch nie zurückgewiesen. Und er legte Wert darauf, dass es auch so blieb. Aber Odasaku war so schwer für ihn zu fassen. So facettenreich, dass er Angst hatte ihn falsch einzuschätzen.  Der rothaarige Mann hatte ihn nie verschmäht, aber auch nie in seinem Tun bestärkt. Nie verhindert, aber auch nicht gefördert. Aus dem Augenwinkel bemerkte Dazai, wie die letzten Sonnenstrahlen hinter den Bergen verschwanden und das Licht aus der Umgebung wich. Er fröstelte.
„Wird kalt hier“, murmelte Odasaku, als ob er seine Gedanken gelesen hätte und wischte sich seine Hände an der Hose ab. Der Braunhaarige nickte und setzte sich langsam in Bewegung.

Der Mann neben ihm schob seine Hände in die Jackentasche und begann ein Kinderlied zu summen. Dazai verwettet sein ganzes Geld darauf, dass ihm die kleinen Waisenbengel das Lied beigebracht hatte. Er lächelte.
„Guten Abend, gut‘ Nacht?“
Odasaku sah ihn verwundert an. Gut so.
„Woher kennst du die Melodie?“
„Einer der Kerle bei denen ich gestern Nacht war, hatte ein Kinderbuch mit diesem Lied an seinem Nachttisch.“
„Oh.“, murmelte Odasaku und der bittere Unterton in seiner Stimme war kaum zu überhören.Gut so, werd‘ ruhig eifersüchtig, dachte Dazai bei sich, bevor er seinen Blick hob und in den Abendhimmel blickte.
„Was denkst du, wird es bald regnen? Willst du nicht für die Nacht zu mir kommen? ~“

Das Gewitter war noch weit weg, was Dazai aber noch nie davon abgehalten hatte seine Chance zu erfassen. Odasaku legte seine Stirn in Falten.
„Mir ist nicht nach Sex, Dazai“
Bei diesen Worten hätte sich Odasakus Gegenüber am liebsten selbst erschlagen. So also dachte er über ihn. Dazai atmetet tief durch.
„Schade~…“, dann fügte er leise hinzu.
„…Aber du weißt ich habe es anders gemeint.“
Odasaku lachte laut auf und Dazai hatte das Gefühl, als ob die eben verschwundene Sonne schon wieder am Aufgehen war. Odasakus Lachen tat gut.
„Weiß ich doch. Ich wollte dich nur ein bisschen aufziehen”. Der Rotschopf lachte erneut und zündetet sich bereits die dritte Zigarette an. Dazai nahm es hin.



You're so beautiful
I don't want to turn away
You've been here before
Make me feel like I'm a
Wild animal
Shaking you are my prey
You're all I want



So also war es verliebt zu sein. Dazai wäre es lieber, wenn das Gefühl von Panik, das jedes mal in ihm aufwallte, wenn er in Odasakus Nähe war, weggehen würde. Nicht, dass er das groß zu entscheiden hätte. Also hoffte er zumindest, dass Odasaku dieselbe Panik in seinem Bauch verspürte, die ihn ganz hibbelig machte. Auch wenn der Ältere es weitaus besser verstecken konnte. Er seufzte lautstark und packte Odasakus Arm.
“Wir gehen nach Hause, ja?“
„Klar‘“, murmelte Odasaku und lachte erneut.
Verdammt soll Dazai dafür sein, dass er seine Gefühle nicht in Worte fassen konnte und nie wusste, wie seine Handlungen am anderen Ende ankamen. Nicht, dass es jetzt noch eine große Rolle gespielt hätte. Die Sonne war bereits hinter den Bergen verschwunden und das Schicksal unantastbar.



If I could go back in time
I'd shoot my shot
I'd risk it all
If I could go back in time
I'd shoot my shot
Just so I could have a chance with you
With you
With you







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Anmerkung:

Beistriche- was ist das?

*Daddy Langbein ist aus dem gleichnamigen Film. Dazai spielt auf den Film an, da Odasaku so wie Daddy Langbein, die Waisenkinder nicht selbst erzieht, sondern nur finanziell unterstützt.

** mon cher = mein Lieber/Liebster
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