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Straßenjunge

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
06.06.2021
18.08.2021
19
21.931
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06.06.2021 819
 
Für die beiden, die ich jeden Mittwoch auf dem Weg zum Training unter der Brücke am Park gesehen, mich aber nie getraut habe, sie anzusprechen.
Ich werde nie das Plüschrentier und den kleinen Tannenbaum vergessen, die sie in der Adventszeit neben ihrem Geldkörbchen stehen hatten. Hoffentlich macht es jemand besser als ich.

Kapitel 1

Sie war groß, schlank, hatte lange blonde Haare und strahlende, braune Augen. Sie trug immer die neusten Sachen. Dass ich wirklich schlecht aussah, würde ich nicht behaupten und dennoch unterschieden wir uns in jeder Hinsicht.
Gerade lag ich wieder einmal mit dem Kopf auf meinem Tisch im Chemieunterricht. Chemie war eigentlich ganz spannend. Meine Lehrerin war ziemlich engagiert und immer gut drauf, aber sie hatte sich daran gewöhnt, dass ich Montags in der ersten Stunde noch nicht ganz wach war und sagte schon gar nichts mehr dazu, wenn ich die erste Hälfte verpennte.
Heute verleitete mich jedoch das scharfe Lufteinziehen meiner Sitznachbarin dazu mich aufzurichten und zur Tür des Klassenzimmers zu schauen. Ein Junge, durchschnittlich groß, in schicken Klamotten, mit einem fetten Grinsen im Gesicht, lehnte im Türrahmen und schaute in die Klasse. Nathalie neben mir setzte sich noch ein Stück gerader hin und strich ihre blonden Haare auf den Rücken, sodass ihre Oberweite unter dem engen, sehr freizügigen Shirt gut zur Geltung kam.
„Kann ich Ihnen helfen junger Mann?“, fragte Frau Holter den Jungen in der Tür. Er zupfte an dem Ärmel seiner Jackett ähnlichen Jacke und nickte.
„Ich soll in die Klasse 10 D, bin ich hier richtig?“, lächelte er.
Wenn er wirklich in die 10 D wollte, war er hier richtig, wobei ich ihn mindestens für volljährig gehalten hätte. Frau Holter nickte und lächelte zurück. „Da sind Sie richtig hier, ja. Was führt Sie denn zu uns?“
Ich glaube, sie hatte immer noch nicht verstanden, dass er ein Schüler war und, aus welchem Grund auch immer, in unsere Klasse sollte.
„Die Sekretärin schickt mich. Ich bin neu auf der Schule und soll ab heute in diese Klasse gehen“, klärte er sie endlich auf.
„Ah.“ Frau Holters Wangen nahmen einen leichten Rotschimmer an. Das passierte immer wenn ihr etwas peinlich war. „Ja dann, wie heißt du denn? Du kannst dich gleich neben Arni setzen.“
„Lupolt Lappstein, danke sehr.“ Er setzte sich auf den freien Platz nahe der Tür, auf den Frau Holter eben gezeigt hatte. Ein ganzschöner Schleimer.
Nathalie schien trotzdem hin und weg von ihm zu sein. Die ganze restliche Stunde über lächelte sie ihn mit diesem ekelhaft zuckersüßen Lächeln an. Er war aber damit beschäftigt Frau Holters Rede über Atome zu verfolgen und sich bei jeder Frage artig zu melden. Meine Hoffnung, dass es einfach daran lag, dass Chemie sein Lieblingsfach war, hatte er spätestens am Ende des Tages zerstört. Es war ein Wunder, dass er keine fette Schleimspur hinter sich herzog.
Zuhause wartete meine Mutter mit dem Essen. Meine kleine Schwester hüpfte wie ein Flummi durch die Gegend, während ihr Hoppel schon am Tisch saß. Mama steckte ihren Kopf aus der Küche und kam dann auf mich zu, um mir zu Begrüßung durch die Haare zu wuscheln. Ich hasste es, wenn sie das tat, aber sie konnte es sich einfach nicht abgewöhnen. Ich hängte meine Jacke an die Garderobe, stellte meinen Rucksack ab und setzte mich zu Hoppel an den Tisch. Emmi kam zu uns gehüpft, hob ihren Stoffhasen vom Stuhl, setzte sich und nahm ihn auf den Schoß. Ich lud mir den Teller mit Nudeln voll, während Mama auch endlich an den Tisch kam.
„Na dann, guten Appetit“, lächelte Mama uns an und schob sich gleich darauf die erste Gabel in den Mund. Sie hatte immer riesigen Hunger, wenn sie aus der Kita kam, wo sie vormittags arbeitete. Emmi war in einer anderen Kita zwei Straßen weiter, die musste sie dann auch noch abholen und wenn sie Pech hatte, nervte ich sie am Nachmittag mit meinen Hausaufgaben, die ich wieder einmal nicht verstand. Papa wohnte mit seiner neuen Freundin am anderen Ende der Stadt, aber er kam immer mal wieder vorbei, um uns zu besuchen. Mama und er verstanden sich immer noch echt gut, nur eben nicht mehr so wie früher mal. Als Papa Paulina kennenlernte, zog er kurz darauf zu ihr, weswegen wir meist nur noch zu dritt am Tisch saßen. Deswegen saßen wir meistens nur noch zu dritt am Tisch.
„Morgen kommt Papa zum Essen, Paulina bringt er auch mit“, erinnerte Mama uns, als sie aufgegessen hatte. Das hatte ich schon fast wieder vergessen, also gut, dass sie es sagte. Emmi hingegen schien das voll auf dem Schirm zu haben.
„Das weiß ich doch“, prahlte sie und streckte stolz ihre Brust raus. Ich musste lachen, weil das bei ihr immer so lustig aussah. Dann verabschiedete ich mich und verschwand in mein Zimmer, um mich erst mit meinen Hausaufgaben und dann mit meinem PC zu beschäftigen. Ich hatte nämlich letzten Samstag ein neues Spiel zum Geburtstag bekommen.
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