Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Gefangen

von Mindy
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Andrew Underhill Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Lorenzo Rey Magnus Bane
06.06.2021
25.11.2021
20
79.167
32
Alle Kapitel
237 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
07.11.2021 3.433
 
,Magnus hat anfangs so lange auf mich gewartet‘, dachte Alec, als er sein Shirt auszog, achtlos neben seine Schuhe warf und es sich auf der Couch bequem machte. Er hatte keine Lust, die Sachen ins Gästezimmer zu tragen, denn ein riesiges Bett ohne Magnus käme ihm zu einsam vor.
,Ich werde gerne auf ihn warten.‘


~*~


Als Magnus am Morgen erwachte, war er ebenso unwillig über sein leeres Bett wie am Abend davor. Seufzend strich er über die kühle Bettseite neben sich. Seit er sich wieder daran erinnerte, wie es war, mit Alec darin zu liegen, schien die Leere neben ihm ihn regelrecht zu verhöhnen.

Konsequent sein war derart anstrengend!

Zwar hatte er erholsam geschlafen, weil er zum ersten Mal seit Wochen nicht von einem Schatten träumte, der vor ihm davon lief und dessen Gesicht er nicht sehen konnte, dennoch wäre er viel lieber in Alecs Arm erwacht und hätte die Wärme seines Körpers genossen.
,Heute Abend schläft er wieder im Bett. Ich kann auch sauer auf ihn sein, während ich ihn an mich drücke‘, entschied Magnus, als er seinen Morgenmantel überstreifte und ins Wohnzimmer lief, um nach seinem Ehemann zu sehen.
Als er Alecs lange Gestalt auf der Couch schlafen sah, fühlte er sich unwillkürlich an dessen erste Nacht in Magnus‘ Appartement erinnert.
Sie hatten nach Lukes Heilung geredet, getrunken und waren eingeschlafen – auf verschiedenen Sofas, aber immerhin.

Am Morgen hatten sie über Vertrauen gesprochen.

,Ja…Vertrauen…‘
Magnus trat näher, mit dem Ziel, Alecs verschwuschelten Haarschopf zu küssen, ehe dieser aufwachte, als er bemerkte, dass der Shadowhunter sein Oberteil zum Schlafen wie sonst auch ausgezogen hatte.
Die Decke war bis zum Bauch herunter gerutscht, da Alec sich im Schlaf häufig drehte, ganz im Gegensatz zu Magnus, der meist eine bequeme Position fand und dann liegen blieb.
Gerade wollte der Hexenmeister sich an diesem angenehmen Anblick erfreuen, als etwas daran ihn die Augen aufreißen und scharf die Luft einsaugen ließ.
„Hm?“ Verschlafen öffnete Alec die Augen, durch das Geräusch wach geworden. „Magnus?“
Alec setzte sich auf und starrte blinzelnd in Magnus‘ entsetztes Gesicht.
„Magnus, was ist los?“
Der Ausdruck im Gesicht seines Ehemanns alarmierte ihn, so dass er schnell einen Blick durch das Appartement schickte, aber nichts Auffälliges entdecken konnte.
„Alec“, brachte Magnus heraus, um Fassung bemüht. „Auf deiner Brust…“
Fragend senkte Alec den Blick und sah endlich, was Magnus so entsetzte.

Die Rune, die Asmodeus ihm in Occid knapp unter sein Herz gezeichnet hatte, war noch da.

~*~


„Und?“
Nicht nur Magnus blickte Catarina hoffnungsvoll an, auch die Blicke von Jace, Izzy, Clary und Simon waren voller Erwartung auf die Hexe gerichtet.
Diese schüttelte jedoch den Kopf.„Keine Chance.“
„Verdammt!“ Frustriert warf Magnus die Arme in die Luft. Wäre es nicht so unelegant, würde er irgendwo dagegen treten.

Nachdem er den Morgen über einiges – oder so ziemlich alles, was ihm eingefallen war – getan hatte, um die Rune seines Vaters von Alecs Körper zu entfernen, hatte er den Schattenjäger ins Institut geschleift.
Um die Sache möglichst geheim zu halten, war nur der Oberarzt Sam dazu geholt worden, der jedoch auch keinen Weg sah, die Rune zu entfernen, ohne Alec erheblich zu verletzen.
Obwohl Magnus Catarina zur Strafe mindestens zwei Monate hatte ignorieren wollen, war Alec ihm wesentlich wichtiger als sein Stolz und so gesehen war es fairer, wenn er seiner Freundin die Chance gab, ihre Schandtat wieder gut zu machen. Daher hatte er sie angerufen und hergebeten.
Wie immer, wenn mit Alec etwas nicht stimmte, waren auch Jace und Izzy nicht weit und so hatte schließlich die ganze Familie von Alecs und Magnus „Projekt“ erfahren, was Alec recht unangenehm war; immerhin saß er seit Stunden halb nackt auf einer Liege im abgeschlossenen Trakt des Krankenflügels und musste zuhören, wie man über ihn diskutierte.
„Leute, zum wiederholten Mal, es geht mir gut“, sagte Alec, der die ganze Aufregung, besonders seitens Magnus, nicht recht begriff. „Ich spüre die Rune nicht, sie schmerzt nicht und scheint auch sonst keine negativen Effekte auf mich zu haben.“
„Das kannst du nicht wissen!“, sagte Magnus scharf. „Niemand kann das. Alles, was von meinem Vater kommt, ist verkommen und gefährlich!“
„Du bist es nicht“, sagte Alec sanft und Jace konnte nur die Augen darüber rollen, wie schnell Magnus‘ Gesichtsausdruck von erzürnt zu gerührt wechselte.
Er stimmte dem Hexenmeister nämlich zu, die Rune eines Dämonen hatte nichts auf einem Nephilim verloren, aktiv oder nicht.
„Und wenn wir sie wegschneiden?“, fragte Simon probehalber.
„Hey, wir reden hier nicht leichtfertig über die Entstellung meines Ehemannes!“
„Wie ich sagte, unmöglich“, wiederholte Catarina. „Sie geht tiefer als eine Shadowhunterrune, du müsstest schon Teile seiner Rippen und etwas vom Herzen mit rausschneiden.“ Selbst mit Magie war das zu riskant.
„Dann müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen“, sagte Magnus resigniert, während Catarina Alec noch einmal Blut abnahm. Sie wollte sich um weitere Untersuchungen kümmern. Schließlich war sie Magnus einiges schuldig und wenn sie seinem Ehemann helfen konnte, dieses Mal auf eine Weise, die ihr moralisch zusagte, würde sie das selbst sehr freuen.
Es glich einem Wunder, dass Alec wieder hier war und Magnus und ihm ein gemeinsames Glück vergönnt war. Sie freute sich ungemein darüber, dies Madzie heute erzählen zu können.
„Vermutlich verblasst sie mit der Zeit, es dauert nur länger, weil ich sie so lange genutzt habe“, vermutete Alec und zog sich endlich wieder an. Da alle sich so überbesorgt zeigten, erzählte er besser nichts von einigen der seltsamen Dinge, die ihm während seines Aufenthalts in Occid widerfahren waren. Sie würden ihm wohl ohnehin nicht glauben, dass er zwischenzeitlich Dämonensprache verstanden hatte.
„Wenn du allerdings irgendetwas merkst, dich unwohl fühlst oder dergleichen, musst du es mir sofort sagen“, bat Magnus eindringlich, woraufhin Alec beruhigend nickte.
„Ich meine es ernst, Alexander. Ich habe langsam genug davon, dich immer wieder zu verlieren, auch, wenn du gestern auf der Couch schlafen musstest.“
„Alec musste auf der Couch schlafen?“, wiederholten Clary und Jace zeitgleich grinsend, woraufhin Alec verlegen schnaubte und aufstand.
„Das hat du richtig gemacht, Magnus, Alec verdient für diese Nummer eine Strafe“, fand Izzy und hakte sich bei Alec ein. „Doch wenn es dir gut geht, bin ich erleichtert, denn du hast morgen einen wichtigen Termin.“
„Ich weiß, ich arbeite während meiner Beurlaubung wieder hier für dich, aber habe ich mir nach all dem nicht einen Tag Urlaub verdient?“, scherzte Alec halbherzig, woraufhin Izzy den Kopf schüttelte.
„Unsinn. Ich…wollte dich bitten, mein Zeuge zu sein.“
Alec begriff sofort. Sein Blick schnellte zu Clary, die lächelnd nickte, woraufhin Alec seine Schwester förmlich anstrahlte. „Eure Parabataizeremonie ist morgen?“
„Ja. Nachdem du…wir hatten sie verschoben und dann einen späteren Termin gemacht. Dieses Mal halten wir ihn aber ein.“
„Ich habe schon zugesagt, um für Clary zu bezeugen“, fügte Jace hinzu und lächelte, weil es Erinnerungen in ihm wecken würde, erneut mit Alec einer solchen Zeremonie beizuwohnen.
Zusammen mit seiner Aufnahme in die Familie Lightwood war dies einer seiner glücklichsten Tage in der Jugend gewesen.
Niemals mehr hatte er sich so angenommen, so zugehörig gefühlt wie in dem Moment, als er Alecs Präsenz in seiner Seele gespürt hatte, als wäre ein Teil von ihm stets in eine warme Decke gehüllt.
All die Einsamkeit, die er vorher verspürt hatte, war plötzlich nicht mehr so endgültig und furchterregend gewesen. Er war dankbar, dass er dieses Gefühl wieder hatte.
„Ich darf zumindest zuschauen als Deputy, wenn auch nicht bezeugen“, meldete Simon sich zu Wort. „Die Brüder der Stille meinen, mit meinem Sonderstatus als Tageslichter sollte ich die Stadt der Gebeine lebend überstehen.“ Wobei Simon erst einmal vorsichtig einen Zeh hinein strecken würde, ehe er sich in die Nähe dieser Runenflächen stellte.
„Ich freue mich so sehr für dich. Euch“, korrigierte Alec sich schnell und schloss Izzy herzlich in die Arme. „Natürlich werde ich dein Zeuge sein.“
„Prima. Und danach gibt’s eine gewaltige Party im Institut.“
„Fabelhaft! Ich werde mich besser erkundigen, ob ich noch etwas beisteuern kann“, ereiferte sich Magnus, der bei dem Wort Party praktisch immer schon Glitzer zur Hand hatte.

Ein wenig Pepp konnte dem Institut fürwahr nicht schaden.

Alecs Augenbrauen wanderten hinauf. Als er Izzy losließ und ihr einen Blick zuwarf, den sie seit ihres zehnten Lebensjahres einordnen konnte – Alec würde ihr gleich einen Vortrag halten über Pflichten, Regeln oder Standards, wie zum Beispiel die angemessene Größe einer Feier zur Parabataizeremonie– umarmte sie ihn lieber noch einmal und erstickte seine Hingabe zu Disziplin mit ihrer Liebe.
„Hab dich nicht so, großer Bruder. Wir haben uns nach all dem wirklich eine Party verdient. Wir alle.“
Ihren großen Bruder endlich wieder umarmen zu können war Grund genug für Izzy, das Leben wieder in jeder Hinsicht zu feiern.

~*~


Seit Clary ihre Erinnerungen wieder erhalten hatte, war sie nicht mehr in der Stadt der Stille gewesen.
Obwohl der Anblick der prächtigen Marmorsäulen und -türbögen ebenso wenig neu für sie war wie die allgegenwärtige Präsenz der Knochen ehemaliger Schattenjäger, aus denen so viele der Wände gemacht waren, stellten sich die Härchen auf ihren Armen auf, als sie neben Isabelle einem Bruder der Stille zum Zeremonienraum folgte.
„Bist du aufgeregt?“, fragte sie ihre Freundin. Anlässlich der Zeremonie trugen sie beide rote Tops, dazu ebenso rote, knielange Röcke. Rot für Zeremonien in der Schattenjägerkultur, wie es sich gehörte.
„Und wie. Hast du Zweifel?“
Clary lächelte Izzy an. „Nicht einmal den Hauch.“
„He, konzentriert euch“, raunte Alec ihnen von hinten zu.
Er wollte wohl den salbungsvollen Moment ehren, Izzy und Clary jedoch waren so von Vorfreude beseelt, dass sie den Rest des Weges breit grinsten, statt andächtig zu schauen.

Der Zeremonienraum hatte eine hohe, gewölbte Decke.
Fasziniert betrachtete Clary das in den Boden gemeißelte Engelsportrait, dessen Kunstfertigkeit sie wirklich beeindruckte.
Während die zwei sich aufstellten, nahmen Jace und Alec jeweils hinter ihnen ihre Position ein. Simon stand in respektvollem Abstand und schien sich nicht entscheiden zu können, auf welche der beiden Frauen er seine strahlende Miene richten sollte.
„Mach das lieber aus“, sagte Jace mit Blick auf Alecs Handy, das dieser gerade wegpackte. „Wenn das hier unten klingelt, näht Bruder Ephraim dir wohl nicht nur den Mund zu.“
Natürlich scherzte Jace: Als würde ausgerechnet Alec während dieser Zeremonie auf seinem Handy herumtippen, statt zuzuhören.
Sein Bruder warf ihm einen Blick zu, der ungefähr denselben Inhalt trug. „Du weißt genau, dass hier kein Empfang ist.“ Dennoch hatte Alec noch eine Nachricht erhalten, ehe sie eingetreten waren.
„Schön, wieso schaust du dann, als hättest du Lorenzo nackt gesehen?“
Ob dieses schlechten Witzes schnitt Alec eine Grimasse, dennoch entschied er sich zu antworten, da sein Parabatai seine Verstimmung wohl ohnehin schon spürte.
„Eichner ist ausgebrochen“, raunte er Jace zu, woraufhin dieser sich beherrschen musste, nicht laut zu werden.
Was?! Aber dann müssen wir…!“
„Zu spät, es war schon vor zwei Tagen. Offenbar erhalte ich während meiner Beurlaubung nur verspätet solche Informationen, wenn überhaupt.“ Unzufrieden verschränkte Alec die Arme vor der Brust, während die zwei anderen anwesenden Stillen Brüder Clary und Izzy platzierten.
Sie wirkten nervös, aber freudig und entschlossen.
„Aber wie ist das bitte gelungen?!“
„Sie sind sich nicht sicher, aber mein Assistent Christian hat mir im Geheimen anvertraut, dass Eichner dazu wohl einen speziellen Dämon benutzt hat. Sie sind nur so groß wie eine Hand und heißen Oxys. Ihr Blut wirkt wie Säure und damit hat er es geschafft, seine Ketten und das Schloss in seiner Zelle weit genug zu beschädigen, damit er sich befreien konnte. Man fand das fast völlig ausgeblutete Wesen nicht weit von den Trakten. Er muss ihn damals bei dem Angriff des Necess mit eingeschmuggelt haben…“
„Aber weil wir alle mit dem großen Vieh beschäftigt waren, war es kein Problem, so ein winziges Ding von einem seiner Komplizen in seine Zelle schmuggeln zu lassen“, grollte Jace, der sofort begriff. Dieser Mistkerl hatte immer noch ein Ass im Ärmel, wie es schien.
„Er hat die Aufregung um unser Erscheinen genutzt, zwei Wachen getötet und ist dann durch das ständige Portal geflohen. Eine Wache wurde bestochen, ihre Schicht zu tauschen und die Vertretung hat ihn durchgeschleust. Wohin er ging, ist noch unbekannt. Den Verräter haben wir wenigstens, aber Eichner ist jetzt wieder flüchtig und ich vermute, dass es noch jemanden geben muss, der ihm geholfen hat, als eine einfache Wache“, sagte Alec.

Das würde er Isabelle und Clary aber erst morgen erzählen, heute sollten sie ihre Zeremonie genießen.

„Ich verstehe sowieso nicht, wieso man seine Hinrichtung verschoben hat, da hatte doch wieder ein korrupter Politiker seine Finger im Spiel“, schnaubte Jace, sah dann aber zu seiner Freundin, um ihr aufmunternd zuzulächeln. Wenn er in Clarys Gesicht blickte, schien ihm alles gleich weniger schlimm als zuvor. „Aber wir haben ihn einmal gekriegt, wir kriegen ihn wieder. Mach dir keine Sorgen, Alec.“
Sie wussten beide, dass Alec sich dennoch sorgen würde, vor allem, da er jetzt nicht mehr als Inquisitor eingesetzt war und diese Verbrecher verfolgen konnte.
Obwohl er es vom Institut aus hoffentlich tun konnte, insofern die als Interims-Inquisitorin eingesetzte Dame – Alicia Windcross aus Lissabon – keine anderen Pläne hatte.

Plötzlich begann der Boden zu flackern und die Brüder wurden still, weil sie wussten, dass es begann.

Zwei Kreise leuchteten im Fußboden auf und tauchten Clarys und Isabelles Körper in ihr weiß-goldenes Licht.
Kurz war Clary erschrocken, weil die Flammen sich heiß anfühlten, doch als Izzy ihr zulächelte, spürte sie nur Zuversicht, keine Furcht.
Entschlossen trat Clary in den einen Kreis, Izzy nahm ihren Platz im anderen ein, woraufhin die Flammen noch höher züngelten, als hätte jemand Öl hineingegossen.
Dennoch rührte keiner von ihnen sich vom Fleck.
Reglos stand Bruder Ephraim da, für den dies alles wohl ein ebenso selbstverständliches Schauspiel war wie für sie ein Regenschauer.
Clary jedoch sog jedes Detail in sich auf, um diesen wichtigen Moment niemals zu vergessen.

Heute ging sie einen Bund ein, der für immer war.

So, wie es hoffentlich ihre Ehe irgendwann sein würde.

Ein weiterer Feuerkreis erschien mittig und verband die äußeren auf diese Weise.
Obwohl Clary immer gut in schriftlichen Prüfungen gewesen war, hatte sie gestern den ganzen Tag diese kurzen Zeilen auswendig gelernt und in der Nacht sogar davon geträumt, sie vergessen zu haben, woraufhin Izzy wutentbrannt gegangen war und ihr praktisch die Freundschaft gekündigt hatte.
Als sie ihre Hände ergriffen und an den Unterarm der jeweils anderen legten, verflüchtigten sich diese Gedanken jedoch augenblicklich.
„Dringe nicht in mich, dass ich dich verlassen“, begannen sie gemeinsam und sahen sich dabei in die Augen.

„Und umkehren und dir nicht folgen soll.“

Izzy hatte Clary von Anfang an auf ihrer verrückten Reise in die Schattenwelt begleitet und war ihr eine treue Gefährtin gewesen, obwohl sie so viel Unruhe verursacht hatte – und sogar gegen den Willen ihres Bruders, der Clary so sehr abgelehnt hatte.

„Denn wo du hingehst, da gehe ich hin, und wo du bleibst, da bleibe ich.“

Clary damals durch die Strafe der Engel zu verlieren hatte Izzy härter getroffen, als sie es für möglich gehalten hätte. Sicher, anfangs war sie ein wenig verunsichert davon gewesen, plötzlich eine weitere Frau im Institut zu wissen, die ihr jetzt nicht nur kämpferisch das Wasser reichen konnte, sondern wirklich besonders war, doch zum Glück hatte sie schnell erkannt, was für ein Segen es war, Clary kennengelernt zu haben.

„Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott“, fuhren sie fort.

Wie merkwürdig es war, dass Clary vom gleichen Blute war wie Izzy und es nur nie gewusst hatte. Sie war nicht einmal besonders gläubig gewesen und doch hatte sie mit Engeln gesprochen, Dämonen bekämpft und alles Mögliche dazwischen gesehen.

„Wo du stirbst, sterbe ich und da will ich begraben sein.“

Izzy hatte diese Zeile nie verstanden, denn Schattenjäger wurden nicht begraben, doch wenn sie eines Tages verbrannt wurde, hoffte sie, dass ihre Seele die ihrer Lieben wieder finden konnte. Und würde Clary jemals sterben, so dachte sie jetzt, würde sie sich vor Schmerz wohl wünschen, an genau dieser Stelle umzufallen und begraben zu werden.

„Der Erzengel tue mir an, was er will…“, sagte Clary leise und schluckte, weil sie all das so rührte, dass ihr die Tränen in die Augen stiegen.

„…nur der Tod soll dich und mich scheiden“, sagte Izzy und verstärkte ihren Griff um Clarys Arm.

Die Flammen züngelten erneut höher, wie vom Wind aufgefächert, ehe sie wieder zu einem kleinen Knistern am Boden verglühten.
Ihr habt den Eid nun gesprochen“, hörten sie die Stimme des Stillen Bruders in ihren Köpfen. „Ihr habt Vertraute erwählt, die euren Bund bezeugen und euer Versprechen, den Eid niemals zu brechen. Nun verseht euch mit der Parabatairune.“
Clary begann zuerst.
Da Izzys Brust und die Arme schon fast überall mit Runen bedeckt waren, hatte sie sich für eine Stelle auf ihrem unteren Bauch entschieden. Dort, wo auch ihr Bruder seine Rune trug. Sie zog ihr Top hoch und sah mit klopfendem Herzen dabei zu, wie Clary geschickt die Rune auf ihre Taille malte.
Als Clary den letzten Strich fertig hatte, glühten die Ränder und Izzy schnappte nach Luft.

Sie spürte es sofort.

Zwar hatte sie von Jace und Alec oft gesehen und gehört, wie es sich anfühlte, aber es selbst zu erleben war so viel anders. So viel intensiver.
Eine Flut an Emotionen rauschte durch ihren Körper und sie wusste nicht, ob es ihre waren oder Clarys.
Doch noch war die Verbindung nicht vollständig.
Izzy nahm die Stele und blickte zu Clary, die ebenfalls ihr Top hochzog. Sie wollte die Rune an der gleichen Stelle, weil auch Jace sie dort trug, also begann Izzy zu zeichnen.
„Ich beneide sie ein wenig“, murmelte Jace, der wusste, was Clary gleich fühlen würde – das, was auch er fühlte, allein, weil er dieser Zeremonie beiwohnte.
Diese bunte Mischung an Emotionen, die Verbindung zu einer anderen Seele, die einen stärker machte, gepaart mit der unumstößlichen Gewissheit, dass es einen anderen Menschen gab, der bereit war, alles für einen zu tun.

Bedingungslose Akzeptanz und Zuneigung.

Deutlich sah er es in ihrem Gesicht, als Izzy fertig war und die Rune glühte.
Auch durch Alecs Körper rauschten wirre Gedanken und Emotionen, weil er sich ebenso wie Jace an ihre Zeremonie erinnerte – wie unsicher, zweifelnd er wegen seiner ambivalenten Gefühle zu seinem Stiefbruder gewesen war und wie sehr er trotzdem ein Teil von Jace hatte werden wollen, um ihm zu zeigen, dass er zu ihrer Familie gehörte, dass Alec ihn niemals im Stich lassen würde.
Er gönnte seiner Schwester, diese Gewissheit durch Clary nun in gleicher Intensität fühlen zu können.
Gerade atmete Clary hörbar ein und presste die Hand gegen ihre Rune.
„Ich…das ist unglaublich“, sagte sie zu Izzy. Natürlich wusste sie inzwischen, dass in dieser Welt nichts unmöglich war, dennoch war dieses Gefühl unbeschreiblich.
Als wäre sie nicht mehr alleine in ihrem Körper und ihrem Geist, sondern als teile sie ihr Innerstes – als würde man zwei Zeichnungen übereinander legen und plötzlich ergaben sie ein Bild, das zuvor keiner hatte sehen können, obwohl es von unvergleichlicher Schönheit war.
Ihr seid nun eins. Tragt diese Verantwortung mit Würde“, sagte Bruder Ephraim, woraufhin sie beide respektvoll nickten und zu den Männern traten.
„Herzlichen Glückwunsch.“ Jace und Alec umarmten Clary und Izzy, wobei Alec schneller losließ, damit Simon ebenso verfahren konnte.
„Ich bin so neidisch“, gestand Simon, als er Clary an sich drückte. „Ich dachte immer, wir wären gut als Parabatai.“
„Und ob“, sagte Clary und tätschelte liebevoll Simons Wange. „Aber auch, wenn wir nichts mehr von einem Mundie haben, so doch wenigstens das Konzept einer besten Freundschaft. Das ist einzigartig in der Schattenwelt.“ Es war nicht vergleichbar mit dem, was Clary jetzt für Izzy empfand, obwohl sie dies früher leichtsinnigerweise gleichgesetzt hatte.

Jetzt wusste sie, dass diese Runenverbindung so viel mehr war.

Sie war ein unsichtbares Band und obwohl Clary wusste, dass ein Teil ihrer Seele nun in Isabelle war, fühlte es sich an, als hätte sie unendlich viel gewonnen, statt etwas verloren.
Simon freute sich dennoch über ihre Worte und lächelte breit.
„Ich verstehe jetzt so viel besser, wieso du mich damals gehasst hast“, sagte Clary leidend zu Alec. Wieso er so große Angst um Jace gehabt und sich Sorgen gemacht hatte, wieso er sie als Einmischung empfunden hatte; sich einfach zwischen sie zu stellen, das alles…
„Das ist lange vergessen“, sagte Alec und schloss Clary kurz in die Arme. „Ich weiß, du wirst immer gut auf Izzy achten.“
„Das schwöre ich“, sagte Clary entschlossen.

Von jetzt an bis zu ihrem Ende.

~*~


____________________________________________________________
Buch-Anmerkung:
Bei der Zeremonie habe ich mich,dank meiner Buchdealer, auch ein wenig an dem orientieren können,was Clary und Simon darin hatten, wie immer danke für die Infos^^
So, hat zwar ein paar FFs gedauert, aber endlich sind die zwei Parabatai XD Und die FF neigt sich dem Ende zu, noch 2 Kapitel und wir sind durch :)
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast