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Gefangen

von Mindy
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Andrew Underhill Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Lorenzo Rey Magnus Bane
06.06.2021
25.11.2021
20
79.167
32
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Dieses Kapitel
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25.10.2021 3.262
 
„Und nun?“, fragte Simon, der noch immer nicht fassen konnte, dass sie all das heil überstanden hatten. Sie hatten wirklich oft mehr Glück als alles andere, andererseits hielt das Pech ebenso oft Einzug bei ihnen, also war das wohl nur fair.
„Jetzt?“ Magnus blickte zu Alec und lächelte, was der Nephilim erwiderte.
„Jetzt gehen wir nach Hause. Wir alle zusammen.“


~*~


Entgegen dem, was Magnus gerne gehabt hätte – seinen Ehemann endlich mit nach Hause nehmen – brachte er sie zunächst alle ins New Yorker Institut, damit sich Izzy und die anderen kurz zeigen und umziehen konnten.

Natürlich wurde ihr kleine Gruppe von allen arbeitenden Shadowhuntern sofort überrascht beäugt und als man Alec entdeckte, brach das gesamte Institut in lauten Jubel aus.
Alec lief rot an und hob verlegen die Hände, als die Schattenjäger freudig klatschend auf ihn zukamen, um ihn mit Fragen und Grüßen zu überhäufen.
„Unfassbar!“, rief Serena Castillo und schüttelte ungläubig den Kopf, wodurch ihr zu einem Zopf geflochtenes Haar auf ihrem Rücken hin und her peitschte. „Wir dachten, wir würden Sie niemals wieder sehen, Sir.“
„Wie habt ihr das denn bitte hinbekommen?“, fragte John an Andrew gewandt, schnippte ihm dabei etwas Sand von der Schulter. „Und warum seid ihr so schmutzig, wart ihr am Strand?“
„Mehr oder minder“, sagte Andrew und grinste schief. „Erzähle ich dir ein anderes Mal.“

Jetzt wollte er sich schlicht an ihrem Erfolg erfreuen.

Er fühlte sich so viel gelöster als zuvor: Nicht nur, weil Alec wirklich lebte, wieder bei ihnen war und zwischen Magnus und ihm alles in Ordnung kommen konnte, sondern einfach, weil Andrew überzeugt war, all das, was seit seiner Entführung geschehen war, jetzt wirklich hinter sich lassen und nach vorne sehen zu können.
Automatisch fiel sein Blick auf seine Hand mit dem Verlobungsring.
Lächelnd strich er darüber, ehe er wieder zu Alec sah, der noch immer umringt wurde, während Jace angab, im Alleingang hunderte Dämonen besiegt zu haben.
„Er übertreibt, ich habe ihn zwei Mal gerettet“, mischte Simon sich ein.
„Das ist eine Lüge! Als bräuchte ich einen Deputy, der mich rettet!“
„Ich bin froh, dass wir von Vampir weg sind, aber ist das jetzt plötzlich auch abwertend?!“, klagte Simon, woraufhin Izzy erheitert lachte.
„Ich sollte jetzt weiter nach Alicante“, sagte Alec zu Magnus, nachdem er sich ein wenig von den umstehenden Schattenjägern befreit hatte.
Er hätte nicht erwartet, dass man seine Rückkehr derart positiv aufnehmen würde. Nicht alle kannten die Umstände seines Verschwindens, das konnte ein Faktor sein – und vermutlich würde nicht jeder so erfreut sein wie sein Institut, doch gerade tat es gut. „Ich muss mich beim Rat melden.“
„Das sollten wir alle. Ich bin sicher, er wird sich für die Art der Rettung interessieren und ich möchte verhindern, später plötzlich abgeführt zu werden“, merkte Lorenzo kritisch an.
Alec stimmte ihm zu, also zogen alle bis auf Magnus und Lorenzo sich kurz um – die Hexenmeister erledigten dies mit einem Fingerschnippen von Magnus – und kümmerten sich um ihre Wunden, ehe sie dank Magnus auf direktem Weg nach Alicante weiter reisten.
Lorenzo würde es wohl nicht so direkt aussprechen, aber es war offensichtlich, dass er im Moment nicht fähig war, Magie zu nutzen.

Auf dem Weg zum Ratspalast einigten sie sich darauf, was sie dem Rat erzählen wollten, als sie Lydia und Aline im Gang begegneten.
Zuerst umarmten sie Alec herzlich, bis sie merkten, dass Magnus sich wieder erinnerte.
Dann begannen sie, sich zu entschuldigen.
„Ich kam mir schäbig vor, ich wollte es dir so oft sagen, wirklich! Ich meine, wir sind jetzt seit so vielen Jahren Freunde und ich weiß, ich hätte es dir sagen müssen! Aber Catarina meinte…“, sprudelte es aus Lydia mit wässrigen Augen heraus, als sie Magnus zu erklären versuchte, wieso sie ihn praktisch wochenlang angelogen hatte, doch der Hexenmeister hob die Hände.
„Schon gut. Mit Catarina werde ich noch ein Hühnchen rupfen, ebenso mit meinem übereifrigen Ehemann, doch euch anderen kann ich keine Schuld geben. Ihr habt mich beschützt und versucht, das Beste aus einer hoffnungslosen und komplizierten Situation zu machen.“
„Ich bin froh, dass du das so siehst“, sagte Aline erleichtert. Magnus war eben vernünftig. Helen würde sicher sehr erfreut über diese Entwicklung sein, ebenso, wie Aline es war.
„Dennoch war es ungerecht“, sagte Lydia kopfschüttelnd.
Magnus sah, dass sie noch immer untröstlich war, also strich er ihr behutsam über die Schulter, um seine Worte zu unterstreichen. „Es ist alles in Ordnung zwischen uns, Baiser.“
Als Lydia diesen Spitznamen hörte, den Magnus zum ersten Mal für sie verwendete, liefen ihr doch zwei Tränen aus den Augen. Schniefend fiel sie Magnus um den Hals und drückte ihn ebenso, wie sie zuvor Alec umarmt hatte.

Wenn die beiden Männer zusammen waren, schien ihr die Welt seltsamerweise viel richtiger und ein wenig heller – als wäre alles möglich.

Das war wohl, was sie bewog, nachdem Magnus sie lächelnd losließ, sich zu Matthew herumzudrehen, der bis eben noch respektvoll Alecs Hand geschüttelt hatte, die Wache am Kragen zu packen und leidenschaftlich zu küssen.
Im ersten Moment war Matthew perplex, dann schlang er jedoch die Arme um Lydia und erwiderte den Kuss.
„Unfassbar“, murmelte Jace mit großen Augen, während Andrew sich verlegen zur Seite drehte und Izzy wissend lächelte.
„Tja, die Malec-Magie führt immer wieder Herzen zusammen“, grinste Simon, was Clary mit einem Nicken bestätigte.
„Die was?“
„Nicht so wichtig“, kam Izzy ihrem Freund zuvor. „Kommt, wir müssen zum Rat.“
Lydia löste sich von Matthew und holte erst einmal Luft. „Ja, richtig, der Rat.“ Dezent tastete sie nach ihrem Lippenstift, strich ihr Kostüm glatt und lief erhobenen Hauptes voran.
Matthew folgte ihr, wenn auch mit nicht sehr stattlichem, recht breiten Grinsen im Gesicht.

Alec hatte den Rat per Feuernachricht zu einer Notfallsitzung berufen, doch die Mitglieder schienen es für einen schlechten Witz gehalten zu haben.
Als sie ihn schließlich erblickten, nahm Thomson seine Brille ab und rieb sich ungläubig die Augen.
Baker wiederum öffnete geschockt den Mund, sagte aber nichts.
„Mister Lightwood, wir dachten nicht, Sie noch einmal wiederzusehen“, sagte Rosales, der als erstes seine Sprache wiederfand. Nicht verwunderlich, dass er enttäuscht klang.
„Ich ebenso wenig“, gab Alec diplomatisch zurück. „Doch der Hilfe meiner Familie und Freunde verdanke ich es, dass ich wieder hier bin.“

Sie hatten besprochen, in den meisten Punkten bei der Wahrheit zu bleiben, wobei Clary nicht erzählte, wieso sie plötzlich eine Vision eines Engels gehabt hatte.
Alec entschied, dass er die näheren Umstände wohl erst einmal selbst nicht wissen wollte, besonders, wenn er Lydia so musterte, die bei Clarys Ausführungen verlegen zur Seite blickte.
Wie erwartet war der Rat über einige Dinge erfreut, wie Clarys zurückgewonnene Kräfte, die immerhin eine Stärkung der Nephilim darstellten, ebenso darüber, dass Alec wochenlang Occid und seine Dämonen sowie einen Höllenfürsten aus nächster Nähe hatte beobachten können, was ihnen Informationsvorteile verschaffte.
Über die Öffnung eines Höllentores waren sie selbstredend nicht glücklich und sie tadelten Lorenzo scharf dafür, sein Amt als Oberster Hexenmeister missbraucht zu haben, um bei dieser Rettungsaktion zu helfen.
Dabei, so dachte Jace, hatten sie noch nicht einmal etwas über ihren Deal mit der Elbenkönigin erzählt, denn das würde nur das Vertrauen in Izzy und die Tragfähigkeit des Kabinetts schwächen. Lediglich die von Lorenzo verschaffte Audienz wurde thematisiert.
„Ich bitte um Verzeihung“, sagte Lorenzo auf die Vorwürfe hin und klang keineswegs, als tue es ihm leid, „doch es gibt kein Gesetz, das mir verbietet, andere Anführer der Unterwelt zu treffen. Ebenso wenig gibt es ein Gesetz, das die Öffnung dieser Tore verbietet.“
„Weil noch niemals jemand sie gefunden hat, geschweige denn, dass ein Nephilim und ein Unterweltler sich verbündet hätten, um eines zu öffnen und dann wieder zu schließen!“, bellte Baker entrüstet. „Manche Dinge müssen ja wohl nicht niedergeschrieben sein, damit klar ist, dass man sie besser unterlassen sollte!“
„Nichtsdestoweniger sollte dies nachgeholt werden, ansonsten sehe ich keine Grundlage dafür, mich zu tadeln oder zu bestrafen.“
Rosales verengte die Augen zu Schlitzen.

Diesen arroganten Hexenmeister würde er schon noch etwas Demut lehren, wenn auch nicht heute.

„Ihr mangelndes Urteilsvermögen spricht dennoch dafür, dass Sie sich die nächsten Monate aus Alicante fernhalten sollten.“
Als die anderen Ratsmitglieder zustimmten, nickte Lorenzo nur sparsam.
„Was den Rest von Ihnen angeht, Sie haben eindeutig…“
„Sie haben uns den Inquisitor zurückgebracht“, wandte Lydia ein. „Der Weg mag unorthodox gewesen sein, doch sagten Sie nicht selbst, dass es gefährlich gewesen sei, dass Asmodeus Alec in seiner Gewalt hatte? Diese Probleme sind dank dieser Gruppe gelöst.“
„Ich bezweifle, dass wir Mister Lightwood w…“
„Lightwood-Bane!“, fuhr Magnus dazwischen, der es satt hatte, dass Rosales ständig die Nennung ihres vollständigen Namens verweigerte.
Zudem machten all die Sticheleien in den letzten Wochen rückblickend Sinn; Rosales hatte sich diebisch daran erfreut, dass Magnus Alec vergessen hatte.

Besser, er gewöhnte sich gleich wieder daran, dass Alec und er wieder eine Einheit waren.

Rosales verzog spöttisch die Lippen. „Was Sie erst seit einigen Stunden wieder wissen, wenn ich mich recht entsinne. Wie dem auch sei, wir können noch nicht beurteilen, welchen Einfluss dieser Aufenthalt in Occid auf den Inquisitor hatte. Er sollte sein Amt vorerst nicht wieder aufnehmen dürfen.“
„Das ist lächerlich, Alec steht hier, ist gesund und dienstfähig“, sagte Jace ungehalten. Hier wurde ihm schon wieder zu viel unnötige Politik betrieben.
„Wir können gerne die angesetzten Neuwahlen abhalten, ich bin sicher, man würde Alec erneut in seinem Amt bestätigen“, sagte Clary mit herausforderndem Funkeln in den Augen, woraufhin Rosales die Nasenlöcher blähte.
Er schien zu ahnen, dass er im direkten Vergleich zu Alec durchaus verlieren könnte. „Das sollten wir verschieben. Wenn Mister Lightwood-Bane wirklich dienstfähig ist, wird sich das in einigen Wochen zweifelsfrei zeigen. Bis dahin ist es ein unkalkulierbares Risiko. Wir konnten bisher nicht beobachten, wie sich so ein langer Aufenthalt in einer Höllendimension langfristig auswirkt.“
„Eine gewisse Zeit der Untersuchungen und des Bedachts scheint in der Tat angemessen“, stimmte Ward zu. „Schließlich haben Sie Ihr Amt und Ihre Pflichten einfach aufgegeben, Mister Lightwood-Bane.“
Einfach hatte Alec sich diese Entscheidung damals nicht gemacht, aber er sagte nichts.
„Wir werden den Posten solange mit einer Vertretung besetzen, aber keine endgültige Neuwahl abhalten. Es scheint nur gerecht, dass Sie sich die Würde des Amtes erst wieder verdienen.“
Da konnte Alec nicht einmal widersprechen, also nickte er schweigend, hob gleichzeitig die Hand gegen seine Geschwister, die aussahen, als wollten sie erneut protestieren.
„So sei es“, sagte Ward und erhob sich, woraufhin alle anderen Ratsmitglieder ebenfalls aufstanden. „Abgesehen von den Regularien des Gesetzes, freut es mich, dass Sie wieder nach Hause zurückgefunden haben, Alec. Es scheint, als könnten Sie und Ihre Familie jeder Widrigkeit trotzen.“
Der Gedanke war Simon auch schon gekommen, bei all dem Wahnsinn, den sie über die Jahre hinweg erlebt hatten.

Manchmal fragte er sich allerdings, ob sie all das so unbeschadet überstanden, wie sie immer glaubten.

~*~


Die Nachricht, dass Alec Lightwood-Bane wieder nach Alicante, generell in ihre Dimension zurückgekehrt war, verbreitete sich schneller als eine Feuernachricht.
Als Boris in seiner Zelle davon erfuhr, ballte er zornig die Fäuste. Der Dämon hatte sie tatsächlich betrogen. Zwar hatte Boris es als merkwürdig empfunden, dass Asmodeus‘ Weg, den Inquisitor zu vernichten, darin gelegen hatte, ihn in sein Reich zu entführen, doch Boris hatte es nach näherer Betrachtung geradezu als folgerichtig empfunden: Wer sich mit Dämonenblütern abgab, verdiente die Hölle mehr als sonst jemand.
Doch wenn Alec wirklich noch immer lebte, war dieses Bündnis gescheitert.
Allerdings nicht alle von Boris‘ Plänen. Natürlich hatte er den Zugang, den der Fürst ihnen mit ihrer Mithilfe ermöglicht hatte, nicht nur für den Necess genutzt. Er hatte diesem Wesen niemals vertraut, immerhin waren Dämonen Abschaum und dass ein so mächtiger Fürst ihnen hatte helfen wollen, war ohnehin verdächtig gewesen.

Boris hatte von Anfang an gewusst, dass Asmodeus auf eigene Rechnung arbeitete.

Deswegen hatte er hinter seinem Rücken dafür gesorgt, dass genau zum Zeitpunkt des Angriffs noch etwas nach Alicante gelangen konnte, allerdings so unauffällig, dass niemand es gesucht hatte.
Boris‘ Hinrichtung war kürzlich verschoben worden, doch nun, da Lightwood zurück war, würde er wohl nicht mehr viel Zeit haben. Den Moment, da alle mit der wundersamen Rückkehr des Inquisitors beschäftigt waren, war ideal, um nach den wochenlangen Vorbereitungen den zweiten Teil des Planes in die Tat umzusetzen.
„Heute Nacht“, sagte er der Person, die vor der Zelle wartete, die daraufhin nickte und davon huschte wie einer der Schatten, die an den Wänden entlang tanzten.
Boris lief zu der linken Ecke seiner Zelle und zog vorsichtig an einem Stein in der Mauer, der nach stundenlanger Bearbeitung lose im Fundament saß. Mit seinen Fußketten kam er gerade so heran.
Aus dieser Nische holte er eine kleine schwarze Kugel, die sich in seiner Hand sofort zu bewegen begann.
„Ganz ruhig – heute wirst du deinen Zweck erfüllen.“

~*~


„Letzte Worte?“, fragte Asmodeus mit gefährlich leiser Stimme. Triumph und Bosheit tanzten in seinen glühenden Augen um die Wette, das Gesicht glänzte vor Blut.
Unerbittlich drückte er den anderen Höllenfürsten in die schwarze Erde.
Nachdem sie bei ihrem Kampf Teile der Mauern und des Daches zerstört hatten und letztlich durch eine tragende Wand gerollt waren, einander beißend, kratzend und anbrüllend, hatten sie hier ebenfalls einen beträchtlichen Teil der Umgebung zerstört.

Nicht, dass es der kargen Vegetation viel Glanz genommen hätte.

Supay gab ein ersticktes Knurren von sich. Er hatte seine wahre Form längst aufgeben müssen. Gewalt war ein Sprinter, sie konnte sich schnell entwickeln, laut und heftig auf andere hereinbrechen wie eine Bombenexplosion und zerstörerisch ihre Kräfte entfalten, doch ebenso schnell erschöpfte sie sich oft.
Lust hingegen höhlte stetig, brodelte beständig und entlud sich wellenartig in ihren höchsten Phasen.
Asmodeus hatte sich zur Ressourcenschonung ebenfalls zurückverwandelt und nahm den Schuh von Supays Hals. „Dann nicht. Du wirst heute nicht sterben, Gevatter. Sicher wäre es ratsam, an dir ein Exempel zu statuieren, auf dass niemals mehr jemand wagt, meine Stärke in Frage zu stellen. Doch Luzifer wünscht keine weiteren Kämpfe um Territorien.“ Seinen Unwillen wollte Asmodeus nicht riskieren.
Als Supay sich aufrappelte, packte Asmodeus ihn an der Kehle und richtete drohend seine goldenen Augen auf das zerfurchte Gesicht. „Du solltest dich für meine Gnade bedanken, sonst überlege ich es mir noch einmal!“
„…danke!“, presste Supay hervor. Der Zorn klang aus jeder Silbe, doch von dieser Seite würde er keine Hilfe mehr erhalten; als Lamia gesehen hatte, dass Supay unterlag und die Gruppe um Alec bereits geflohen war, hatte sie ihre Dienerschaft mit in ihr Reich genommen, statt eine Niederlage zu riskieren.

Das war es wohl, was die dämonischen Bündnisse von den irdischen Freundschaften unterschied – man ging kein Risiko ein, wenn es nicht notwendig war und schon gar nicht, wenn danach nicht hoher Gewinn in Aussicht stand.

„Geht doch.“
Er ließ Supay los, woraufhin dieser wacklig zur Seite torkelte. Sein Rücken war vom Kampf gebeugt, doch sein Blick ungebrochen trotzig.
„Ich werde dich dennoch für deine Hybris bestrafen“, sinnierte Asmodeus und wischte sich mit dem Daumen etwas Blut von der Lippe. „Du wirst ins Nihil-Gebirge zurückkehren, doch ich überlasse es dir nicht mehr vollständig zur Herrschaft. Du wirst dich mit einigen kleinen Höhlen begnügen müssen. Jetzt geh mir aus den Augen.“
Knurrend trollte Supay sich. Asmodeus beobachtete seine jämmerlichen Gestalt noch eine Weile, ehe er sich den Überresten seines Zuhauses zuwandte. Das wieder aufzubauen würde einiges an Magie erfordern.

Doch immerhin versprach es Abwechslung.

Überhaupt hatte er sich mit seinem Schwiegersohn erstaunlich gut amüsiert; Alec Lightwood war eine interessante Zerstreuung gewesen, die jetzt wieder der gewohnten Routine und Langeweile weichen würde.
Nachdenklich fuhr Asmodeus sich über den Unterarm und musste grinsen.
,Oder auch nicht.‘

~*~


„Oh“, machte Magnus, als Alec und er ihre Wohnung in Alicante betraten. „Was ist denn hier passiert?“     
„Wieso? Es sieht doch aus wie immer.“ Fragend blickte Alec sich um, doch alles sah aus, wie er es in Erinnerung gehabt hatte. Es kam ihm vor, als wäre er jahrelang nicht hier gewesen, dabei waren es nicht einmal zwei Monate gewesen. Vielleicht lief die Zeit in Occid anders oder aber es war ihm so viel länger vorgekommen wegen der Gesellschaft, die er dort gehabt hatte.
Lächelnd atmete er den vertrauten Geruch seines Zuhauses ein.
„Für dich vielleicht“, sagte Magnus verdrossen und verschränkte die Arme. „Catarina versucht offenkundig, ihre Schuld abzutragen, denn als ich das Appartement verließ, war all das hier weg.“ Er deutete auf Fotos von Alec, ebenso auf einige andere Einrichtungsgegenstände.
„Oh, natürlich.“ Entschuldigend schüttelte Alec den Kopf und trat an Magnus heran. „Das habe ich nicht bedacht.“ Umso angenehmer, dass er nicht sah, wie diese Wohnung ohne seinen Präsenz aussah.

Zu schön war es, wieder vollständiger Teil von Magnus‘ Leben zu sein.

„Du hast sehr vieles nicht bedacht, Alexander. Ich bewundere deinen Hang zur Dramatik wirklich sehr, gleichzeitig ist es verletzend, wie wenig du mir zutraust – nicht einmal, auf mich selbst aufzupassen.“
„Du weißt, ich glaube an niemanden so sehr wie an dich und deine Fähigkeiten“, widersprach Alec und aus seinen hellen Augen sprach die Überzeugung ebenso wie aus dem ernsten Zug um seinen Mund. „Doch gegen Asmodeus‘ Verschlagenheit…wie ich sagte, er hatte all das inszeniert, Magnus. Den Necess, den Angriff, die Vergiftung, meine Beschwörung…es war bis ins letzte Detail geplant, nur um an dich heranzukommen.“
Das hatte Magnus sich schon gedacht, als Catarina ihm alles erzählt hatte, denn für einen Zufall hatte Asmodeus‘ Pakt zu ausgeklügelt gewirkt.
Dennoch schob er die Hände, die Alec an seine Arme gelegt hatte, von sich. „Dann kennt mein Vater dich in diesem Punkt besser als ich, denn ich hätte dir niemals zugetraut, dass du mich bestiehlst. Oder noch schlimmer, meine Freundin nötigst, es für dich zu tun.“
Hilflos ließ Alec die Hände sinken und nickte. In diesem Punkt hatte er nichts, was er zu seiner Verteidigung vorbringen könnte.
„Es tut mir leid“, wiederholte er daher. „Wenn es dich tröstet, Asmodeus war sehr erzürnt über dieses Manöver und darüber, meine Liebe zu dir unterschätzt zu haben. Vielleicht hat er mich deswegen gehen lassen.“
„Unwahrscheinlich, denn mein Vater hat kein Herz“, wehrte Magnus ab und seufzte.
Es fiel ihm schwer zu sehen, wie Alec sich mit Schuldgefühlen quälte, doch in dieser Sache musste er gegen seine sonstige Art konsequent sein – sein Ehemann sollte ruhig ein wenig in den Säften seines schlechten Gewissens kochen, ehe Magnus doch, früher als gut für ihn, aufgeben würde so zu tun, als wäre er lieber nachtragend, als Alec an sich zu drücken und nie wieder loszulassen.
„Sei es drum. Die Tage waren lang und du wurdest heute genug getadelt, also belassen wir es dabei und ruhen aus. Wir haben jetzt wieder alle Zeit der Welt, um über diese Dinge zu reden. Gemeinsam.“

Und bereden mussten sie so viel.

Alec lächelte zustimmend und folgte Magnus, als dieser auf ihr Schlafzimmer zulief.
Er hatte die Schwelle jedoch noch nicht übertreten, da prallte er gegen eine unsichtbare Barriere.
„Was…? Magnus?“
„Oh, vergaß ich das zu erwähnen? Dein Inquisitorenbüro ist nicht das einzige, woraus du die nächste Zeit verbannt wirst.“
Mit diesen Worten flogen Alec ein Kissen und gleich darauf eine Decke ins Gesicht.
„…“ Ergeben machte Alec kehrt und warf beides auf die Couch. Eigentlich hätte er nach all den einsamen Nächten in Occid nichts lieber getan, als sich an Magnus zu schmiegen und ihn festzuhalten, aber es wäre tatsächlich vermessen zu glauben, mit einer einfachen Entschuldigung wäre all das, was geschehen und was Alec getan hatte, vom Tisch.
,Magnus hat anfangs so lange auf mich gewartet‘, dachte Alec, als er sein Shirt auszog, achtlos neben seine Schuhe warf und es sich auf der Couch bequem machte. Er hatte keine Lust, die Sachen ins Gästezimmer zu tragen, denn ein riesiges Bett ohne Magnus käme ihm zu einsam vor.
,Ich werde gerne auf ihn warten.‘

~*~
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