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Gefangen

von Mindy
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Andrew Underhill Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Lorenzo Rey Magnus Bane
06.06.2021
25.11.2021
20
79.167
32
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Dieses Kapitel
13 Reviews
 
18.09.2021 3.285
 
Hach ja, ich ersticke in Arbeit und das Samstagsabends - kann man nicht glauben!
Was macht ein vernünftiger, verantwortungsvoller Mensch da? Tja, keine Ahnung, Mindy hört mitten drin einfach auf und postet, damit die Datei vom Desktop verschwindet XD
JA, genau das ist jetzt plötzlich wichtig *hust*
Vielleicht bekommt ihr so auch eine kurze Atempause von was auch immer euch zur Zeit plagt, falls es da was gibt.

*wink*
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„Er hat Recht. Ich glaube, ich höre sie“, meinte Izzy. Sie hatte schon seit geraumer Zeit das Gefühl, Geräusche von Kämpfen zu hören, die lauter zu werden schienen, je mehr sie sich ihrem Ziel näherten.

Hoffentlich erreichten sie ihr Ziel zuerst.



~*~


„…verdammt!“ Fluchend ließ Magnus die Hände sinken, die er über Alecs nackte Brust gehoben hatte, in der Hoffnung, die Rune zu beseitigen, die sein Vater dem Shadowhunter eingebrannt hatte. Solange sie existierte, war Alec an Asmodeus gebunden und konnte Occid nicht verlassen, sonst würde er entweder beständig Schmerzen haben oder gleich sterben.

Keine dieser Optionen war für Magnus hinnehmbar.

„Ein Blutschwur mit einem Dämonenfürsten, ich entsinne mich nicht, dass es so etwas schon einmal gab und deswegen habe ich leider kein Mittel dagegen“, sagte Magnus und kniff nachdenklich die Augen zusammen. „Und dann diese Rune…selbst ohne Pakt bindet sie euch aneinander.“ Sein Vater hatte sich gleich doppelt abgesichert.
„Tut mir leid“, sagte Alec und zog Shirt und Jacke wieder an, ehe er vorsichtig nachsetzte: „Dann kamst du her, ohne einen Plan zu haben?“
„Mein Plan war, dich zu ohrfeigen und dann zu retten.“
„Das klingt eher nach einem Jace-Plan.“
„Entschuldige bitte, aber da jemand mit meinem Verstand herumgespielt hat, sind meine Gedanken noch nicht so rational und gezielt wie sonst.“

Obwohl Magnus, ebenso wie Alec, wusste, dass er log.

Zu keinem Preis hätte er noch Stunden mit Recherchen in seiner Wohnung verbracht, er hatte sofort hier her kommen und sehen müssten, ob Alec noch lebte und er nicht abgemagert und gefoltert an irgendwelchen Ketten an der Wand hing.
Wieso dem nicht so war, verstand Magnus noch immer nicht recht, doch zweifellos hatte sein Vater etwas damit bezweckt, Alec gut zu behandeln – vermutlich hatte er immer noch gehofft, Magnus würde auftauchen und er hatte sich die Grausamkeiten bis dahin aufheben wollen.
„Dann…musst du gehen“, sagte Alec probehalber zu Magnus.
Als der Hexenmeister ihm für diesen Vorschlag einen Blick zuwarf, als wolle er Alec am liebsten erneut ohrfeigen, sprach dieser eilig weiter: „Magnus, du bist hier in Gefahr. Ein Krieg ist ausgebrochen und du hast es auf deinem Weg sicher gesehen; Azazel ist mit weiteren Fürsten auf dem Weg hier her, es ist nur eine Frage der Zeit.“

Plötzlich erklang ein lautes Klopfen an der Tür, als schlüge jemand mit voller Kraft dagegen.

Offenbar hatten sie noch weniger Zeit, als Alec kalkuliert hatte.
„Sie sind da“, sagte er und griff hastig nach seinem Bogen. „Magnus, bitte.“
„Alec…“
„Wenn du jetzt hier unten stirbt, war alles umsonst!“ Alec wusste, dass es sinnlos war, Magnus zu bitten, doch alles, was er hier die letzten Wochen – wie Magnus ihm mitgeteilt hatte, denn Alec waren es vorgekommen wie Jahre – ausgehalten hatte, wäre umsonst gewesen, wenn Magnus jetzt doch hier den Tod fand. „Ich weiß, es ist furchtbar und ungerecht, dich darum zu bitten, aber ich will dich nicht sterben sehen!“
„Alexander Gideon Lightwood-Bane“, sagte Magnus und atmete hörbar ein und aus. „Ich sage es einmal und werde es nicht wiederholen – entweder gehe ich mit dir hier weg oder gar nicht.“
„…“
Als Alecs Augen ihn so verzweifelt ansahen, nahm Magnus sich die Zeit, mit der Hand zärtlich seine Wange zu berühren und Worte zu sprechen, die er seit Jahren tief in seiner Seele trug.
„Ich bleibe hier, bei dir. Ich werde niemals mehr von deiner Seite weichen.“

Mit einem Krachen flogen die Eingangstüren auf.

Alec hatte Magnus angelächelt, spannte aber nun den Bogen und richtete ihn auf die Tür des Speisesaals, die offen stand.
Er erwartete Dämonenheere, die in völliger Überzahl wild und brutal herein stürmen würden, er erwartete Azazel – was herein kam, war eine Feuernachricht.
Sie flog gemächlich wie ein Schmetterling zu ihm, als hätte sie es nicht eilig.
„Was…?“ Völlig verwirrt fing Alec sie auf. „Jetzt sind wir quitt. L.R.? Was soll das…?“

„ALEC!“

Alec traute seinen Augen nicht, als plötzlich Izzy, Jace, Clary, Simon und Andrew in den Saal strömten.
Izzy rannte strahlend, als sie ihn sah, und sprang ihm förmlich in die Arme, so dass Alec den Bogen um die Schulter hängen musste.
Clary stürzte in seinen anderen Arm und drückte ihn nicht minder fest. „Alec, mach sowas nie wieder!“
„Ja, großer Bruder, ich bin so furchtbar wütend auf dich, niemals verzeihe ich dir, was du da abgezogen hast!“
„Wenn das überzeugend sein soll, solltest du nicht heulen“, meinte Jace, der erst ebenso gerannt war, aber das Tempo dann verlangsamt hatte, um jetzt grinsend zuzusehen, wie Alec die zwei Frauen völlig überfordert drückte.
„Er lebt und ist in einem Stück, zum Glück“, seufzte Simon, ehe er zu Magnus blickte. „Moment: Was tust du denn hier?! Wir wollten dich extra aus all dem heraushalten.“
„So ging es mir mit euch auch. Ich habe mich erinnert und bin hier, um Alec zu holen.“
„Genau wie wir“, stellte Jace fest und war über die unerwartete Wendung und Verstärkung überrascht, aber erfreut. „Wurde auch Zeit, dass du wieder zu Verstand kommst“, fügte er hinzu, woraufhin Magnus ihm einen finsteren Blick zuwarf.
„Es tut mir wirklich leid“, sagte Alec endlich, noch immer überrumpelt von so viel Zuneigungsbekundungen. „Doch ich danke euch, dass ihr Magnus unterstützt und beschützt habt, während ich weg war.“
„Magnus, ich bin so froh“, sagte Clary und wandte sich jetzt an den Hexer, während Izzy sich die Tränen aus dem Gesicht wischte und Jace Platz machte.
Dieser musterte Alec ausgiebig, ehe er ihn umarmte und noch fester an sich drückte als zuvor Izzy und Clary. „Verdammt, ich wusste, dass du lebst, ich wusste es. Aber ich bin so froh…und ich sollte dir eine runterhauen.“
Fest presste er sich gegen Alec und kniff kurz die Augen zusammen. Ein Herondale heulte nicht, aber die Erleichterung, die Jace durchflutete, weil sein Parabatai noch lebte und sogar wohlauf schien, war überwältigend.
Auch, wenn Jace wusste, dass Alec ihn immer mehr geliebt hatte als umgekehrt, war ein Leben ohne Alec für Jace völlig unvorstellbar.

Er gehörte ebenso hinein wie Clary es tat.

„Hat Magnus schon getan.“
„Im Ernst? Magnus, ich bin stolz auf dich!“
Jace ließ nicht los, also hob Alec hinter Jace‘ Rücken die Hand und drückte kurz die von Andrew, der ihm zugelächelt, aber zuvor respektvoll Abstand gehalten hatte. Er war sehr erleichtert, dass Alec lebte.
„Mir egal, ob du mich nicht leiden kannst, ich will auch!“, sagte Simon, umrundete Alec und umarmte ihn ebenfalls. Er hatte Alec wirklich vermisst, obwohl dieser immer so grimmig war.
Ausnahmsweise ließ Alec dieses Geknuddle zu.
„Wie ist es möglich, dass du dich erinnert hast?“, fragte Clary indes Magnus. „Catarina sagte uns…“
„Das ist eine lange Geschichte. Jetzt müssen wir uns erst einmal darum bemühen, Alexander hier wegzuholen, ehe die Burg gestürmt wird.“
„Ja, wir haben Kämpfe zwischen Dämonen gesehen, als wir hergelaufen sind“, sagte Jace und ließ Alec endlich los. „Darum haben wir die Türen wieder hinter uns verschlossen.“
„Verschiedene Höllenfürste haben sich gegen Asmodeus verbündet, auch Lamia“, sagte Alec und sah, dass alle sich beunruhigte Blicke zuwarfen.

Niemand wollte dieser Dämonin noch einmal begegnen.

„Er zeigte sich siegessicher, aber ich bezweifle, dass er gegen so eine Allianz gewinnen kann.“
„Aber wieso greifen sie an?“, fragte Simon.
„Weil sie Asmodeus stürzen wollen.“
„Mein Vater ist ungeschlagen darin, sich Feinde zu machen“, brummte Magnus. „Doch mich wundert der Zeitpunkt. Wieso proben sie gerade jetzt den Aufstand?“
Alec öffnete zögernd den Mund, als jemand ihm bei der Antwort zuvorkam:

„Weil ich mich weigere, dein Haustier…ich meine, deinen Ehemann an sie auszuliefern.“

Magnus war vom Erscheinen seines Vaters offenbar ebenso erschrocken wie der Rest, denn er fuhr herum und hob die Hände, in denen rote Magie aufglomm. Schützend stellte er sich dabei vor Alec.
Auch der Rest der Gruppe riss die Waffen hoch.
,Das ist also Magnus‘ Vater‘, dachte Simon und suchte eine Ähnlichkeit, konnte das verschlagene Gesicht mit den grausamen Augen aber so gar nicht mit Magnus in Verbindung bringen.
„Mein lieber Sohn“, sagte Asmodeus lächelnd und trat mit weit geöffneten Armen näher, woraufhin Magnus einen Becher auf dem Tisch neben Asmodeus explodieren ließ.
„Halt dich ja fern!“, fauchte er zornig. „Du hast genug Unheil angerichtet!“
„Ich?“, fragte Asmodeus in einer Farce der Unschuld, die Alec fast zum Lachen gebracht hätte.
Der Dämon sah nur zu Magnus, als wäre er sich der anderen Personen im Raum gar nicht bewusst. „Ich beschütze deinen Ehemann.“
„Er ist nur hier, weil du dafür gesorgt hast! Indem du mich fast umgebracht hättest, wie ich hinzufügen will!“ Soviel hatte Alec ihm bereits von dem Hintergrund des Necess‘ erzählt.
„Ich hätte nie zugelassen, dass du stirbst“, sagte Asmodeus ruhig, kam aber nicht mehr näher. „Ich wusste, dein Shadowhunter würde zu mir kommen, damit du gerettet werden kannst. Hätte er den Pakt abgelehnt, hätte ich dich dennoch geheilt.“
„Du lügst! Sobald ein Ton deinen Mund verlässt, lügst du!“
„Es ist aber kein Lüge, dass Azazel nur deswegen die Fürsten gegen mich aufgehetzt und in einen Krieg geführt hat, weil ich mich geweigert habe, Alec an ihn auszuliefern“, sagte der Dämon in geradezu süßlichem Ton.

Jetzt wanderten Blicke zu Alec.

„Stimmt das?“, fragte Izzy zögernd, woraufhin Alec nickte.
„Ja. Azazel hat nicht überwunden, dass ich ihn damals in die Hölle zurückgeschickt habe. Er hat sich mit Lamia verbündet, die bekanntlich ebenfalls einen Hass auf uns hat. Sie wollten sich an mir rächen, aber er hat sich geweigert, mich ihnen zu überlassen.“
„Und wenn schon!“, giftete Jace, das Schwert angespannt neben dem Gesicht erhoben. „Nur seinetwegen bist du überhaupt hier! Natürlich rebellieren Dämonen, wenn hier ein Nephilim wochenlang herum spaziert, das hat er sich selbst zuzuschreiben!“
„Ich hätte ihn einfach töten und damit all meine Probleme lösen können“, erinnerte Asmodeus und trat jetzt wieder näher, woraufhin alle einen Schritt zurück wichen.
„Aber das habe ich nicht. Verdient das nicht ein wenig Anerkennung?“
Magnus würde sich eine entsprechende Bemerkung zu diesem ekelhaften Getue sparen. „Dann lass Alec jetzt gehen“, sagte er, beobachtete lauernd jede Bewegung seines Vaters. Er wartete nur auf einen Angriff, eine Hinterhältigkeit, so, wie es typisch war für Asmodeus.
„Nimm den Pakt zurück und wir verschwinden.“
„Das ist nicht möglich. Die Kräfte, die durch die unzähligen kleinen und großen Schlachten freigesetzt werden, machen Portale unmöglich. Versuch es nur.“
Als Asmodeus eine auffordernde Geste machte, zögerte Magnus kurz, wirbelte dann jedoch die Hände ineinander und prallte gegen eine Mauer.
„Stimmt das, was er sagt?“, fragte Clary, woraufhin Magnus grimmig nickte.
„Ja. Zu viele Interferenzen.“ Dazu kam, dass Asmodeus‘ Schutzwälle nicht nur den Weg in seine Festung hinein, sondern ebenso hinaus erschwerten.
„Wir brauchen kein Portal, wir kamen auf einem anderen Weg hinein“, sagte Jace zu Magnus. „Bring uns einfach raus aus der Burg, dann gehen wir dort heraus.“
„Ich bin hier, weil Azazel mit einer Truppe hier her unterwegs ist und in wenigen Augenblicken vor den Toren meiner Burg stehen wird, vermutlich auch mit einem oder zwei der Fürsten. Vielleicht mit allen. Ihr schafft es draußen keine zehn Meter weit, ehe eine Horde Dämonen über euch herfallen wird.“
„Darauf lassen wir es ankommen!“, knurrte Isabelle, woraufhin alle zustimmend nickten – bis auf einer.
„Nein“, widersprach Alec, obwohl er selbst nicht wusste, wieso. „Er sagt die Wahrheit. Ich meine, ich glaube ihm.“
„Er ist ein Dämon, denen kann man nicht glauben!“, sagte Andrew warnend, doch Alec schüttelte den Kopf.
„Diese Gegner sind seine Feinde ebenso wie unsere. Wir haben ein gemeinsames Interesse.“
„Sehen Sie, Alec, ich wusste, wir würden noch eine gemeinsame Ebene finden“, strahlte Asmodeus.
„Alles, was mich interessiert, ist das Wohlergehen meiner Familie und Freunde!“, sagte Alec scharf und umklammerte seinen Bogen.
Magnus presste die Lippen zusammen und blickte seinen Vater feindselig an. „So sehr ich dir den Tod wünsche in diesem Krieg, den du selbst verschuldet hast, so hängt Alecs Leben im Moment von deinem ab, denn ich vermute, du wirst die Rune nicht freiwillig entfernen.“
Asmodeus lächelte freundlich. „Ich fürchte nein, denn es brächte mich um den Vorteil deiner Unterstützung, mein lieber Sohn.“
„Also haben wir keine Wahl, wir müssen bleiben und helfen, diesen Krieg zu gewinnen.“
„Wieso töten wir ihn nicht einfach?!“, fragte Jace herausfordernd. Diese Alternative gefiel ihm viel besser. „Verschwindet er, ist der Pakt hinfällig und Alec kann hier weg!“
„Der Pakt ja, aber nicht die Rune, die ihn hier am Leben erhält, aber gleichzeitig seinen Bewegungsradius eingrenzt. Wenn mein Vater stirbt, erlischt seine Magie in der Rune nicht“, sagte Magnus zerknirscht. „Denn eine Dämonenrune wird nicht nur eingebrannt wie die Engelsrunen, sie wird mit Blut besiegelt, gestärkt durch den Pakt, den sie miteinander geschlossen haben. Wenn er stirbt, ist Alec weiterhin an diesen Ort gebunden, vielleicht noch Jahre, bis die Energie völlig aufgebraucht ist.“

Abgesehen davon, dass es unsagbar schwer wäre, einen Fürsten wahrhaftig zu töten.

„Wir haben aber auch kein Glück!“, klagte Simon, zuckte aber ebenso wie der Rest zusammen, als lautes Poltern und Schreie erklangen.
„Sie sind da“, sagte Asmodeus in einem derart ruhigen Ton, dass Andrew nicht entscheiden konnte, ob er sich mehr vor ihm oder dem fürchten sollte, was vor den Toren zu lauern schien.
„Wir waren schneller mit den Türen“, murmelte Izzy, als erneut ein ohrenbetäubendes Poltern erklang, als würde ein Rammbock gegen das Holz geschmettert.
„Weil ich euch den Zutritt gestattet habe“, sagte Asmodeus großzügig und hob die Hand, woraufhin die Türen des Speisesaals schwungvoll zuflogen. „Eine Barrikade wäre hilfreich.“
„Wir sind nicht Ihre Soldaten!“, knurrte Jace, obwohl der Blick aus den dunklen Augen des Dämons ihm eine Angst machte, die er lange nicht gespürt hatte.
„Heute durchaus.“
„Kommt“, sagte Clary und ging mit Andrew, Simon und Isabelle zur Tür.
Sie warfen die lange Speisetafel um, um sie vor die Tür zu schieben. Das brachte ihnen immerhin einige Minuten, wenn die Gegner die Eingangstür gestürmt hatten und durch den Flur hier ankommen würden.
Alec berührte kurz Magnus‘ Schulter, ehe er Jace zunickte und ihnen half.

„Mein Sohn…“ Asmodeus trat näher an Magnus heran und musterte ihn mit dieser für ihn typischen Mischung aus Berechnung und Stolz. „Ich bin so glücklich, dich endlich bei mir zu haben, obschon ich verwundert bin. Dein Ehemann sagte mir, all deine Erinnerungen an ihn wären gelöscht worden. Wie kommt es, dass du dennoch hier bist?“
„Ich habe mich erinnert, so einfach.“
„Das ist unmöglich. Gelöschte Erinnerungen können nicht von selbst reaktiviert werden, sie sind weg“, widersprach Asmodeus mit gleichmütigem Nicken.
„Ich habe Alec nicht nur mit meinem Verstand und in meinen Erinnerungen geliebt“, gab Magnus kalt zurück und stand seinem Vater dabei Auge in Auge. „Ich liebe ihn mit meinem Herz, meiner Seele, mit jeder Faser meines Seins. Diese Teile haben solange rebelliert, bis meine Erinnerungen weit genug zurückkamen, um mir die restlichen wieder zu holen.“
Magnus erwartete Spott; irgendeine hämische Bemerkung darüber, wie menschlich er sich anhörte oder wie vergänglich all das war, an das er sich nach all den Jahrhunderten immer noch so treudoof klammerte.

Stattdessen starrte Asmodeus ihn nur an.

„So tief fühlst du für dieses Wesen, Magnus?“, fragte er schließlich.
Magnus war so überrascht, dass er die abweisend-feindselige Miene für einen Moment fallen ließ. „Ja, das tue ich.“

In diesem Moment krachte es und obwohl sie es nicht sehen konnten, wussten sie, dass die Eingangstüren aus den Angeln geflogen waren.

„Meine Abwehrzauber zu durchbrechen, er ist wirklich ehrgeizig.“ Asmodeus‘ Augen glühten golden, als er sich über die Lippen leckte. „Nun, Magnus, endlich kämpfen wir Seite an Seite, wie ich es mir stets erhofft habe.“
Widerwillig trat Magnus an die Seite seines Vaters.

Vier goldene Augen fixierten die Tür.

„Hoffen wir, dass wir gemeinsam wirklich so mächtig sind, wie du immer behauptet hast.“

~*~


Unter normalen Umständen wäre es wohl nicht sehr wahrscheinlich gewesen, dass sich in der gewaltigen Höllendimension besonders viele Dämonen ausgerechnet in der Nähe des Tores aufhielten und deswegen den Versuch wagen könnten, es als Fluchtweg zu nutzen.
Irgendetwas musste jedoch nicht in Ordnung sein, wie Lorenzo schon nach kurzer Zeit feststellte:
Während er unter einem großen und schicken Zelt auf einem Stuhl saß und gerade überlegte, ob er sich zusätzlich einen kühlen Cocktail herzauberte, während er wartete, prallten mehrere Dämonen gegen den vorsorglich von ihm errichteten Schutzzauber.
Er hatte sich auf einen bis maximal drei verirrte Dämonen gleichzeitig vorbereitet, ungeachtet dessen, was er den Schattenjägern gesagt hatte.

Da hatte er den schlimmsten Fall illustriert.

Er hätte nicht erwartet, dass er so schnell – wenn überhaupt – eintreten würde.

Lorenzo hatte das Zelt gerade verlassen, als vier Drevak-Dämonen und zwei Harpyien seinen Zauber durchbrachen und ihn nötigten, auf seinen Cocktail zu verzichten; die Würmer mit den großen runden Mäulern vernichtete er zuerst, denn sie waren bereits im Begriff, sich in den Sand einzuarbeiten, um darunter zu verschwinden.
Gezielt sammelte er seine Magie und feuerte in schneller Abfolge dunkelgoldene Feuerbälle auf die fauchenden Wesen ab.
Sie zerfielen gerade zu Asche, als Lorenzo sich im letzten Moment unter einer Harpyie wegducken konnte, die sich kreischend in den Sturzflug begeben hatte, um ihn anzugreifen.
Sie waren glücklicherweise nicht intelligent genug, um zu fliehen, lieber stürzten sie sich auf das nächstbeste verfügbare Opfer.
„Nett von euch, dass ihr nicht davon fliegt, das erspart mir Arbeit!“, stieß er aus, fuhr herum und warf einen Energieball nach dem Dämon, der ihn im Flug erwischte.
Im Eifer des Gefechts war ihm entfallen, dass diese Dämonen immer im Schwarm angriffen, so erschrak er, als scharfe Krallen sich in seine Schultern bohrten und er in die Luft gehoben wurde.
Fluchend versuchte Lorenzo loszukommen, doch das Wesen hatte ihn innerhalb kurzer Zeit gute acht Meter in die Luft getragen, kreischend auf der Suche nach einem Nest, um ihn dort zu verspeisen.

Diese Pläne würde er selbstredend durchkreuzen.

Er wand sich mit geschickten Bewegungen aus der weißen Kutte, woraufhin der Dämon nur noch diese umkrallte und Lorenzo rücklings gen Boden stürzte.
Im Flug rief er weitere Magie und schoss sie mit einer kräftigen Bewegung auf die Harpyie, die mit einem gellenden Schrei in der Luft verglühte.
Mit diesem Ergebnis zufrieden, drehte Lorenzo sich im letzten Moment um und nutzte seine Magie, um aus dem immer näher kommenden Sand eine Düne zu erschaffen.
Das hatte er sich beim Martis-Tournament von Magnus abgeschaut*, was er diesem natürlich niemals auf die Nase binden würde.

Elegant kamen Lorenzos schwarze Schuhe auf der Düne auf, die er mit Magie zu einer Welle formte, die ihn zum Tor zurückbrachte, wo er geschmeidig absprang.

Es sah aus wie immer und wohin er blickte, sah er nur endlose Wüste. Zwar hatte er das Tor einen kurzen Moment nicht im Blick gehabt, aber es schienen keine weiteren Dämonen nachgekommen zu sein.
,Seltsam, dass gleich eine so große Gruppe herauskam und dann noch verschiedene Arten.‘
Eigentlich trieben sich Dämonen nicht in dieser Form miteinander herum. Irgendetwas musste in Occid los sein, das sie dazu verleitete.
Geschwind zog er neue Schutzwälle nach, als es ihm trotz der Hitze plötzlich eiskalt den Rücken herunter lief. Er fuhr herum und riss die Hände hoch, doch es war niemand da.

Nur blauer Himmel und flimmernde Hitze.

,Mach dich nicht zum Narren, du weißt, wie Hitze und Wüste sich auf den Verstand auswirken können.‘
Die Anstrengung machte es nicht besser; unter diesen Bedingungen würde Lorenzo nicht so lange kämpfen können, wie es sonst möglich wäre.
Er trat von Tor und Schutzwall zurück und wollte sich zumindest ein Glas Wasser herzaubern, als seine Magiepalisaden erneut erzitterten.
„…“

~*~


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*Man erinnere sich an den Kampf von Magnus gegen die Schlange bzw bei einer Disziplin, als er auf einer Sandwelle ritt^^
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