Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Gefangen

von Mindy
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Andrew Underhill Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Lorenzo Rey Magnus Bane
06.06.2021
25.11.2021
20
79.167
32
Alle Kapitel
237 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
09.09.2021 2.093
 
So, nachdem ich ein wenig gewartet habe, um die anderen Projekte nicht zu verdrängen, geht’s heute mal weiter. Ich schiebe zwar trotzdem die Rollen etwas runter, aber nachdem mich so viele große Augen so innig gebeten haben, konnte ich nicht länger widerstehen...XD

Nicht die sonstige Länge, aber was für die, die so gespannt warten^^

Besonderer Dank geht an MellieBane, die mir ein wenig Buchwissen für meine Ausarbeitung der Höllenreiche zur Verfügung gestellt hat (obwohl sie wohl nicht wusste, wie gut ich diese Info gebrauchen konnte XD). Danke ;)

Viel Vergnügen, meine Lieben!

__________________________________________________________



Als sie sich innig küssten, existierte einen Moment nichts und niemand mehr um sie herum; nicht Occid, nicht die Dämonen, nicht das Feuer, nicht Asmodeus – nur Alec und Magnus Lightwood-Bane, die einander einmal wieder gefunden hatten und fest entschlossen waren, sich nicht mehr trennen zu lassen.


~*~


Es sind ihrer neun Höllenreiche und neun Fürsten, die über sie herrschen.

Sie alle lassen sich dem zuordnen, was in vielen Religionen und Mythologien unter Todsünden bekannt geworden ist und in Dante Alighieris „Göttlichen Komödie“ beschrieben wurde.
Dante, als Mundie mit dem zweiten Gesicht, wusste um die Wahrheit der Höllenkreise und wollte den Mundie ihr Schicksal vor Augen führen, falls sie sich versündigten.

Für die Menschen war es nicht mehr als kurzweilige Literatur.

Doch im Kern sind alle Legenden wahr.

Das Reich Gula steht für die Sünde der Völlerei, der schamlosen Übernutzung jeglichen Genussmittels. Hier herrscht Samael.
In Otium wohnt Fürst Belphegor, herrschend über die Faulen und Trägen, die ihre Existenz vergeuden und das Geschenk des Lebens damit besudeln.
Thymos ist beherrscht von Zorn und steht unter dem Einfluss Lamias, der Schwester Liliths.
In Scam finden sich die Betrüger und Lügner unter der Herrschaft des Fürsten Astaroth.
Dessen Nachbardimension, ihre Sünden waren seit jeher eng miteinander verbunden, ist Decipare; hier herrscht Belial, Fürst des Verrats, Dieb anderer Reiche mit Macht über Totenbeschwörer und Hexenwesen. Einst im Versuch, ihm sein Reich streitig zu machen, vernichtend geschlagen von Fürst Asmodeus. Seither ist es still um ihn geworden.
Occid steht für die Sünde der Gewalt, worunter alles fällt, was ein Wesen Natur, Besitz, Tieren und Menschen an Schaden zufügen kann. Hier herrschte Supay, ehe Asmodeus ihn in einen hinteren Winkel seines Reiches trieb.
Dessen ursprüngliches Reich ist Libidinz, das Reich der Lust.
Fürstin Leviathan herrscht in Individa und nennt die Sünde des Neides ihr Eigen.
Ihr eng verbunden ist Cupidis, Reich der Gierigen. Dort herrscht Mammon.
Doch gibt es ein weiteres Reich, das niemand betreten kann, der nicht geladen, und das als Heimat des ersten Dämons überhaupt gilt: Man ordnet ihm den Stolz, den Hochmut und die Häresie zu – die Hölle selbst, die keinen und doch unendlich viele Namen trägt.
Die Dämonen nennen sie flüsternd Superbe.

Hier lebt Luzifer, erster gefallener Engel und Widersacher gegen Gott.

Und wartet.

~*~


Azazel war äußerst zufrieden damit, wie die Kämpfe sich bisher entwickelten.
Mammon hatte ihm zwar keine Truppen zur Verfügung gestellt, weil er Asmodeus recht wohl gesonnen war, doch es kümmerte ihn natürlich nicht, wenn Azazel auf eigene Rechnung gegen den Fürsten in den Krieg zog. Er hatte in den letzten Jahren genug Diener um sich geschart und seine Rache geplant.
Nur hätte er niemals erwartet, der Nephilim, der ihn einst mit einer hämischen Leichtigkeit vernichtet hatte, würde zu ihm kommen.
Doch jetzt, da er Alec Lightwood so nahe wusste, würde er nicht aufgeben, bis er dem Engelsabschaum das Herz aus der Brust gerissen hatte. Dann würden all jene, die ob seiner Verbannung gespottet hatten, wieder vor Furcht erzittern.
Natürlich kämpften Lamia, Supay und Belial nicht selbst, sondern hatten ihre Diener vorgeschickt, die sich einen Weg bis zu Asmodeus‘ Burg freiräumen sollten. Sie würden erst eingreifen, wenn es gegen Asmodeus selbst ging, denn sein Heim war mit komplizierten Barrieren gegen feindliche Dämonen versehen.
Falls Azazel Asmodeus mit Hilfe der anderen Fürsten besiegen könnte, umso besser, doch daran glaubte er nicht.
Der Dämon der Wollust war zu alt und mächtig, wie man an den Scharen seiner Diener sah; selbst jene, die einst Lilith ergeben gewesen waren, hatten sich nach ihrer Vernichtung eher auf seine als auf die Seite ihrer Schwester Lamia geschlagen. Asmodeus hatte wohl nicht Unrecht: Mit Charme und Schmeicheleien erreichte man manchmal eher seine Ziele. Verführung jedweder Art war sein Geschäft und er war darin ungeschlagen.
Azazel hätte sich ebenfalls im Hintergrund halten können, doch es verlangte ihn danach, den Kampf zu sehen, weshalb er sich in der Nähe des Schlachtfeldes aufhielt und die Einheiten koordinierte.
Überall kreischten, verbluteten oder krepierten Dämonen und ihre fauligen Körper aller Formen und Größen hinterließen eine blutige Spur auf den Feldern und Gebirgen, auf denen die Kämpfe unübersehbar brutal geführt wurden.

Ein wahres Fest.

Grinsend rannte Azazel los und köpfte im Vorbeigehen drei Dämonen mit den langen, messerscharfen Klauen seiner wahren Form, allerdings wollte er seine Kräfte für die vollständige Verwandlung sparen.
Stattdessen sprang er in einem großen Bogen über die kämpfenden Dämonen und löste sich in einen Schwarm aus hunderten Motten auf, die über die Schlacht hinweg flatterten und Asmodeus‘ Burg in der Ferne erspähten.
,Es dauert nicht mehr lange.‘

Plötzlich entdeckte er auf einem der Wege zur Burg einige Gestalten.

Er erkannte sie sofort wieder.

,Das wird ja immer interessanter.‘
Der Mottenschwarm flog gen Boden zurück und Azazel landete geschmeidig auf einem Hügel.
„Weiter!“, brüllte er seinen Heerscharen zu. „Heute baden wir erst im Blut des Feindes und dann im Blut der Engel!“

~*~


Lorenzo hatte Wort gehalten; als Clary seine Feuernachricht losschickte, schwebte diese kurz in der Luft und flog dann los, allerdings sauste sie nicht wie sonst in einer Spur aus Feuer einfach davon, sondern bewegte sich fast wie ein Vogel, der wartete, dass man ihm folgte.
Die Shadowhunter mussten zwar zügig laufen, um Schritt zu halten, doch sie hatten im Institut die wichtigsten Runen aktiviert und hofften, dass ihre Wirkung noch eine Weile anhielt, trotz der schädlichen Energien um sie herum, die ihnen die Engelsmagie förmlich auszusaugen schienen.
„Das ist wirklich genial“, meinte Simon, der natürlich für seine Verhältnisse langsam lief. „Wie ein fliegendes Navigationssystem…oder eine Wünschelrute.“
„Ja, manchmal hat der schmierige Kerl gar keine so schlechten Ideen“, brummte Jace, woraufhin Andrew, der neben ihm joggte, ihn ungehalten ansah.
„Hey, ich sage es jetzt einmal und werde es nicht wiederholen: Stell deine Sticheleien und bösartigen Kommentare über meinen Verlobten endlich ein.“ Das ging Andrew schon eine ganze Weile auf die Nerven und hätten sie keine anderen, wesentlich wichtigeren Probleme, hätte er Jace dafür schon mehrmals mit Freuden einen Kinnhaken verpasst.
„Dein Benehmen ist ungerecht, unreif und lächerlich. Ohne Lorenzo wären wir nicht so weit gekommen, das verdient deinen Respekt und deine Dankbarkeit, nicht deinen Spott. Er hat sich für seine Taten entschuldigt und überhaupt hat er sie nur meinetwegen begangen. Wenn jemand deinen oder irgendeinen Zorn verdient, dann ich.“
„Entführt zu werden sucht man sich nicht aus“, widersprach Jace stur. „Doch er hätte mit jemandem reden können, statt meinen Bruder und Schwager in Lebensgefahr zu bringen.“
Und seine Freundin noch dazu, die durch diesen Dämon damals fast aus dem Fenster gefallen wäre.
„Ich glaube, wenn man nicht in der gleichen Situation war, sollte man mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein. Wie wir gerade zeigen, sind wir ebenfalls bereit, Regeln zu brechen, um jemanden zu retten, den wir lieben.“
Jace verstand die Anspielung durchaus; dass auch er in der Vergangenheit dutzende Regeln gebrochen hatte, vor allem für Clary, doch das ignorierte er geflissentlich.
„Selbst wenn, Lorenzo gibt sich immer so überlegen, als ginge ihn all das nichts an, dabei ist er kein Stück besser als wir.“

Sie erreichten eine kleine Anhöhe, über die sie klettern mussten. Der Boden war pechschwarz und staubig, als wanderten sie durch ein Kohlemiene.

„Mal im Ernst, was findest du an ihm?“, hakte Jace nach.
„Das würdest du nicht verstehen.“
Da sind wir mal einer Meinung.“
Entnervt schnaubte Andrew. Vielleicht konnte er die Meinung seiner Kameraden über Lorenzo etwas ändern, wenn sie sahen, was er sah. „Na schön. Vor Lorenzo hatte ich eine lange Beziehung mit einem Schattenjäger eines anderen Instituts.“
Charles Whitelaw. Niemals würde Andrew seine dunkelbraunen Locken und die stechend grünen Augen vergessen, die ihn immer angesehen und dabei geleuchtet hatten wie eine blühende Sommerwiese.
„Er war jemand, den ich geliebt habe und ich dachte, es beruhe auf Gegenseitigkeit. Wir hielten unsere Beziehung geheim, denn keiner in den Instituten sollte wissen, dass wir homosexuell sind. Eines Tages sagte er mir, dass er seine Trainingspartnerin geheiratet habe. Er wollte den Schein wahren, sich aber trotz der Ehe weiter heimlich mit mir treffen.“*
„Wie romantisch“, murmelte Clary und schüttelte missbilligend den Kopf. Sie und Isabelle liefen hinter den beiden Männern und hörten mehr oder minder mit.
„Ich konnte sein Handeln zwar in gewisser Weise nachvollziehen, denn er entstammte einer hochrangingen Familie und wollte Karriere machen, aber es hat mir dennoch den Boden unter den Füßen weggerissen. Natürlich wollte ich nicht nur die Affäre bei Dienstausflügen sein, also habe ich abgelehnt und wir gingen getrennte Wege. Ich war über ein Jahr alleine und habe versucht, mich von dieser...Enttäuschung zu erholen, bis ich mich auf Alecs Hochzeit getraut habe, Lorenzo anzusprechen. Wir haben einen schwierigen Weg hinter uns, doch am Ende hat er genau das getan, was ich mir vorher immer von meinem Expartner gewünscht hatte: Er stand zu mir, unserer Beziehung und das offiziell, ohne Geheimnisse und ohne Kompromisse. Lorenzo beschützt mich und ich weiß, dass er Dinge für mich getan hat, die sonst niemand getan hätte.“ Andrew dachte noch immer mit schlechtem Gewissen an die Dämonenabwehr-Türme.
„Ja, er ist oft ruppig und nicht perfekt, aber das ist niemand von uns.“ Andrews Kopf schnellte zur Seite und fixierte Jace. „Wenn wir lieben, sehen und akzeptieren wir diese Fehler und konzentrieren uns auf das Gute. Und glaubst du nicht, dass Liebe uns verändern und bessere Versionen unserer selbst aus uns machen kann?“
„…“ Jace wusste es sogar, denn so jemand war er, seit er Clary kannte.
Automatisch drehte er sich nach ihr um, woraufhin sie ihm ein sanftes Lächeln schenkte.
„Hm“, machte Jace nachdenklich zu Andrew und klopfte ihm schließlich gegen die Schulter.
„Na gut, wenn es dich glücklich macht. Mein Typ wäre er nicht.“
„Du seiner auch nicht.“
„Bitte? Ich bin jedermanns Typ.“
„Stellt euch mal Jace und Lorenzo zusammen auf einem Date vor“, raunte Simon Clary und Izzy zu. „Beide treffen sich und reden nur darüber, wie gut sie selbst aussehen, statt dem anderen Komplimente zu machen.“
Die Frauen kicherten und selbst Andrew verkniff sich ein Grinsen.

Ein lautes Fauchen lenkte sie von dem Geplänkel ab.

Sofort rissen sie die Köpfe hoch, als vier geflügelte Dämonen aus dem schwarz-blauen Himmel kreischend in ihre Richtung stürzten.
„Na toll, das hat uns noch gefehlt!“, fluchte Jace und zog sein Schwert.
„Wir müssen uns beeilen, sonst verlieren wir die Feuernachricht aus den Augen!“, rief Izzy, sprang zurück und wickelte bereits ihre Peitsche ab. „Clary?!“
„Bin bereit!“

Mehr Worte brauchten sie nicht.

Mit Schwung holte Izzy aus und ließ ihre Peitsche gegen den ersten Dämon knallen. Die Schlinge zog sich um seinen Hals zu, so dass sie ihn mit einem Ruck aus der Luft holen konnte.
Er wurde in Clarys Richtung geschleudert, die punktgenau zur Seite auswich und mit einem gezielten Hieb seinen Kopf abtrennte.
Jace und Simon ihrerseits waren in die Luft gesprungen; Jace schlitzte den Dämon im Flug auf, während Simon auf seinem ledrigen Rücken landete und das Schwert in seinem Hinterkopf versenkte.
Beide kamen wieder elegant auf den Füßen auf, noch ehe die toten Dämonen zu Boden stürzten.
„Da hat ja jemand von mir gelernt“, grinste Jace, während Andrew sein Schwert ruckartig auf die Bestie warf und den letzten Dämon so zu Boden holte.
„Pah, das habe ich mir ganz alleine angeeignet!“
„Unsinn, das ist unverkennbar der legendäre Herondale-Stil.“
„Wir müssen weiter“, mahnte Andrew, der sein Schwert aus dem toten Dämon zog. „Ehe noch mehr kommen.“
„Er hat Recht. Ich glaube, ich höre sie“, meinte Izzy. Sie hatte schon seit geraumer Zeit das Gefühl, Geräusche von Kämpfen zu hören, die lauter zu werden schienen, je mehr sie sich ihrem Ziel näherten.

Hoffentlich erreichten sie ihr Ziel zuerst.

~*~



____________________________________________________________________



*Wer die Schriftrollen von MellieBane und mir liest (zu finden unter ihrem Account), der kennt die ausführliche Geschichte dazu^^
Für alle anderen gibt es hier natürlich auch genug Informationen, um die Zusammenhänge zu verstehen, aber ich empfehle die Rollen herzlichst für mehr Hintergrundwissen zu Lorenzo und Andrew ^^

Und wie immer ist die Höllenreich-Zuordnung samt der Fürsten eine Mischung aus Legende/ wahren Fakten und eigenen Gedanken, so dass es mit dem zusammenpasst, was ich noch alles vorhabe^^°
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast