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Gefangen

von Mindy
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Andrew Underhill Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Lorenzo Rey Magnus Bane
06.06.2021
25.11.2021
20
79.167
32
Alle Kapitel
237 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
16.08.2021 3.761
 
Für alle, die heute eine Aufmunterung gebrauchen können - und für den Rest einfach zum Lächeln ;)

Und jetzt....*Trommelwirbel* ...ist es endlich soweit.
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„Und wie wollt ihr da unbemerkt hinkommen, wenn gleich wieder Wachen vor der Kammer stehen?“, fragte Lydia verständnislos, als Clary ihre Stele hervorholte und mit geübten Bewegungen eine Portalrune in die Luft zeichnete. Es war, als würde sie einen lange vermissten Freund wieder sehen.
„Auf dem direkten Weg“, erwiderte die Rothaarige und begegnete den überraschten Blicken ihrer Freundinnen mit einem Lächeln, als das fertige Portal vor ihnen in hellem Licht flimmerte.



~*~


„Das war ein schöner Ausflug, ich freue mich sehr, dass du dich mit Madzie so gut verstehst.“
Fröhlich stellte Magnus Toby eine Tasse mit heißer Schokolade vor die Nase, die er sogar selbst zubereitet und nicht nur hergezaubert hatte. Früher hatte er sich diese Arbeit nie gemacht, doch irgendwie hatte es mit Kaffee kochen angefangen und sich auf andere Bereiche ausgebreitet...aber so gesehen fand er es wichtig, dass Toby lernte, selbst alltägliche Probleme nicht nur mit Magie zu lösen.
Nachdem sie sich von Catarina und Madzie auf dem Spielplatz verabschiedet hatten, hatte Magnus Toby zu sich nach Hause genommen und ihm seine Wohnung gezeigt. Gleich würde eine Hexe aus dem Spirallabyrinth kommen und Toby wieder abholen, doch vorher wollte Magnus unbedingt endlich das Gespräch über die Adoption mit ihm führen.
„Ja, sie ist sehr nett, genau wie Catarina“, stimmte Toby zu und blickte sich erneut in dem großen Appartement um. Hier war absolut nichts von Alec zu sehen. „Und du wohnst hier ganz alleine?“
Kurz schien Magnus zu zögern, ehe er nickte. „Ja. Meine Persönlichkeit braucht Raum, musst du wissen. Doch hier ist noch genug Platz für eine weitere Person.“
Sein Blick wurde weich und Toby blickte verlegen in seine Tasse. Sein Herz schlug schneller.
„Ich weiß, wie es ist, wenn man keine Familie mehr hat“, sagte Magnus sanft, beobachtete, wie der Junge an seiner heißen Schokolade nippte, als wolle er am liebsten in der Tasse verschwinden. „Ich verlor meine anders als du, doch wäre damals niemand für mich da gewesen, ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre. Ich möchte für dich da sein, Toby. Wenn du das ebenfalls möchtest.“
Glück strömte so intensiv durch Toby, dass er den Zauberglanz nicht mehr vollständig halten konnte und blau anlief.
Magnus bedachte dies nur mit einem fröhlichen Lachen.
„…ich…“

Ein Piepsen unterbrach ihn.

„Das ist die Kaffeemaschine, aber sprich nur weiter, kleine Blaubeere.“
„Nein, geh ruhig“, bat Toby, der seine Tasse mit beiden Händen umklammert hielt.
„Also gut. Ich bin gleich wieder da.“
Als Magnus vom Tisch aufstand und zur Küche ging, holte Toby die Karte aus seiner Tasche und rutschte von seinem Stuhl.
Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf den Zauber, den Madzie ihm auf der Schaukel beigebracht hatte.

Sie hatte recht, es war ganz einfach.

Im Unterricht im Spirallabyrinth fiel ihm das Finden von Dingen sehr schwer, doch dieses Mal nicht.
Alecs Signatur war vertraut, sie war schön und rein…aber viel schwächer, als er sie in Erinnerung hatte.
Zielstrebig lief der kleine Hexenmeister durch das Appartement bis ins Wohnzimmer vor ein Bücherregal. Hier war Alec definitiv nicht, aber etwas von ihm.
Er streckte sich zu einem Regal, war aber nicht groß genug. Kurzerhand zog Toby zwei besonders dicke Bücher aus dem Regal und stapelte sie, ehe er darauf kletterte. Jetzt war er hoch genug, um in das Regal hineinzugreifen.
Zu seiner Überraschung ertastete er ganz hinten ein schönes Kästchen. Es war nicht leicht und weil es so wertvoll aussah, hielt Toby es ganz vorsichtig fest, als er wieder auf den Boden stieg, um es keinesfalls fallen zu lassen.
Irgendetwas darin fühlte sich an wie Alec, obwohl seine Aura stark mit der von Magnus verwoben zu sein schien. Vielleicht etwas, das ihnen zusammen gehörte?
„Toby? Oh, mein Kleiner, bitte fass das nicht an“, sagte Magnus, der auf der Suche nach ihm das Wohnzimmer betreten hatte und ihn mit dem Kästchen sah.
Immer noch spürte Toby Alec in dieser Box, schwach aber deutlich.

Wie konnte Magnus das nicht fühlen?

Madzie hatte absolut Recht, etwas hier war falsch.

„Magnus“, sagte Toby und lief auf den Hexenmeister zu, die Box dabei mit beiden kleinen Händen umklammert.
Magnus ging in die Hocke, als Toby vor ihm stehen blieb. „Komm, gib mir das, dann…“
„Magnus“, wiederholte Toby und blickte aus seinen großen Kinderaugen so entschlossen und erwachsen drein, dass Magnus unwillkürlich schwieg.
„Ich habe dich sehr gern und ich will gerne hier wohnen. Ich wünsche mir eine Familie.“
„Wirklich?“ Magnus‘ Miene erhellte sich. „Toby, das ist wunderbar! Ich bin so froh, dass du…“
„Aber jetzt geht das noch nicht“, traute sich das Kind, weiter zu sprechen. Toby wollte Magnus wirklich nicht enttäuschen, aber das war wichtig. Er hatte es Madzie versprochen.
„Wieso nicht?“, fragte Magnus bedrückt.
„Weil du erst wieder vollständig werden musst.“
„Vollständig?“ Jetzt war Magnus vollends verwirrt, fühlte sich aber auf unerklärliche Weise ertappt.
Das Gefühl, etwas würde fehlen, hatte ihn seit Wochen nicht losgelassen, doch er hatte gehofft, es würde sich bessern, wenn er wieder arbeitete, seine Freunde traf und Toby als Familienmitglied aufnahm. Es jedoch so aus dem Mund des Kindes zu hören, ließ Magnus das Gefühl haben, er wäre darüber im Irrtum.

Das Türklopfen riss ihn aus seinen Gedanken.

„Oh, sie ist schon da. Augenblick, bitte!“, rief er gegen die Tür, doch Toby schüttelte den Kopf.
In einer fast salbungsvollen Geste reichte er Magnus die Box. „Wenn du wieder vollständig bist, freue ich mich, dass wir eine Familie werden. Wir alle.“
„…?“ Magnus war immer verwirrter, vor allem, als Toby ihn umarmte und kurz fest drückte.
„Du bist viel stärker als ich, du kannst ihn sicher finden“, raunte er ihm zu, ehe er sich lächelnd löste. „Bitte, finde ihn.“
„Finden? Wen?“ Magnus folgte Toby zur Tür, die sich von selbst öffnete.
„Das wirst du wissen“, sagte Toby überzeugt und deutete auf die Box, ehe er bei der wartenden Hexe an die Hand ging.
Beide verabschiedeten sich von Magnus, der es nur halbherzig erwiderte.

Noch immer hatte er das Gefühl, er hätte etwas ungemein Wichtiges verpasst.

Nachdenklich kehrte er in das Wohnzimmer zurück und wollte die Schatulle mit all den Erinnerungen an seine verlorenen Lieben schon in das Regal zurückschieben, doch etwas hielt ihn davon ab.
,Ihn finden…‘
Der Hexenmeister lief zum Esstisch, ließ Tobys und seine Tasse mit einem Fingerschnippen verschwinden und entschied, dass Alkohol jetzt passender war als Kaffee.
Als der Drink in seiner Hand erschien, nahm er einen Schluck und widmete sich dann der Box. Er öffnete sie nur alle paar Jahre, meist, wenn die Einsamkeit übermächtig wurde oder er viel zu viel getrunken hatte und ihm nach einem Bad in Erinnerungen und/ oder Selbstmitleid war.

Kurz strich er über die braun-roten Ornamente, ehe er den Deckel hob.

Er lächelte, als er das weiße Taschentuch von Madeline sah, seiner ersten großen Liebe, die er bis ins hohe Alter und in ihren Tod begleitet hatte.* Was eine wunderbare Zeit sie gemeinsam gehabt hatten.
Daneben das Foto von George, seinem geliebten Soldaten, die Schreibfeder…
Magnus‘ melancholisches Lächeln wurde zu einem nachdenklichen Lippenspitzen, als seine Finger über einem Ring schweben blieben. Ein verschnörkeltes L war darauf zu sehen.

Er erinnerte sich nicht an diesen Ring.

Das war unmöglich, denn er erinnerte sich an alles in dieser Box und an jedes Wesen, das er so sehr geliebt und verloren hatte.

Der Hexenmeister stellte sein Glas weg und bekam plötzlich heftiges Herzklopfen.

Obwohl er keine seiner Lieben jemals miteinander verglich, alle waren auf ihre Weise einzigartig und wunderbar gewesen, durchfuhr ihn eine merkwürdige und doch unerschütterliche Gewissheit:

Dieser Ring war wichtiger als jeder andere Gegenstand.

Er war besonders.

Mit trockener Kehle berührte Magnus ihn und hob ihn aus der Box – und sog scharf die Luft ein, als ihn Erinnerungen mit der Vehemenz einer Tsunamiwelle überrollten.
Fest hielt er den Ring umklammert, während er sich mit der anderen Hand gegen die Stirn fasste und keuchend versuchte, den rasenden Schmerz unter Kontrolle zu bekommen, der dahinter pulsierte.
Sein Zauberglanz fiel, ebenso wie ein Teil der Barriere.

Ein kleiner Teil, aber er genügte.

Der Schatten, der seit Wochen in Magnus‘ Träumen vor ihm davonlief, blieb endlich stehen.

Und drehte sich herum.
Geschickt warf er ein Schwert in die Luft und fing es wieder auf, während bunte Lichter über seinen attraktiven Körper tanzten.
Eindrucksvoll.
„Wer bist du?“

Ein rettender Pfeil aus dem Hintergrund. Ein blöder Witz über Gargrade, als er feststellen musste, dass er ihn gerettet hat.
Das waren seine ersten Worte an diesen Traum von einem Mann?!
Kein guter Einstieg für einen gelungenen Flirt, aber ein Magnus Bane konnte auf so etwas reagieren.

Einladend-charmante Miene. Schwungvoller Schritt. Verheißungsvoller Blick.
„Ich bin Magnus. Ich glaube, wir wurden uns noch nicht offiziell vorgestellt.
Er
musste den Namen von diesem entzückenden jungen Mann erfahren.
Ein schüchternes Lächeln zum Niederknien. „Alec…“ Verlegenes Blinzeln.
Schon beim dritten Stottern war Magnus verliebt.

Verliebt in seinen Alexander.


~*~


Als die kleine Gruppe rund um Simon wieder im New Yorker Institut ankam, könnten ihre Mienen keine unterschiedlichere Sprache sprechen;
Jace wirkte freudig-euphorisch und eilte mit einer Box voll mit Varyas zu einer kurzen Überprüfung in ihr Labor. Elben konnten zwar nicht lügen, aber ehe sie einfach etwas von dort kauten und hofften, dass es sie in einer Höllendimension am Leben erhielt, wollte Jace zumindest einen Hauch von Vernunft beweisen und sehen, ob er Dineths Worte wenigstens teilweise verifizieren konnte.
Simon beschloss, dass er Izzy lange genug aus dem Weg gegangen war und machte sich mit entschlossenem Gesicht auf die Suche nach ihr.
Lorenzos Miene wirkte nachdenklich, geradezu versteinert, so dass Andrew erst beim zweiten Anlauf den Mut fand, ihn anzusprechen.
„Lorenzo? Danke für alles.“
„Wollen wir hoffen, dass es das wert ist.“ Die Stimme des Hexers klang so frostig, dass es Andrew bedrückte.
„Das wird es sicherlich. Wir…“
„Andrew!“
Andrew drehte den Kopf, als John auf sie zueilte.
Kurz musterte dieser ihn, ehe er scheinbar erleichtert lächelte. „Da bist du ja, als deine Nachricht kam, du wärst auf einer Mission, auch noch ohne mich, war ich total verwirrt, weil in den Protokollen…“
„Sie war außerplanmäßig, John.“
„Ach so, verstehe. Hauptsache, es geht dir gut. Ich meine, ich bin immer ein wenig in Sorge, seit…damals.“ John hatte sich damals Vorwürfe gemacht, dass er nicht mitbekommen hatte, dass sein Patrouillenpartner entführt worden war – Andrew hatte seine Entschuldigung jedoch abgeschmettert. Niemand hatte mit so etwas rechnen können und Andrew war immerhin außer Dienst gewesen.
„Mister Rey“, wandte John sich nun an Lorenzo. „Sie waren lange nicht hier.“
„Man geht nirgends hin, wo man nicht willkommen ist“, gab Lorenzo zurück und wandte sich einfach ab.
„Hm, ich fürchte, er mag mich nicht“, sagte John, woraufhin Andrew den Kopf schüttelte.
„Entschuldige, wir hatten einen langen Tag“, sagte Andrew gen John und eilte seinem Verlobten hinterher. „Lorenzo, warte. Wohin gehst du?“
„Mich frischmachen. Die Energie des Elbenreiches bekommt mir nicht so gut, das war schon immer so.“ Wobei Lorenzo das flaue Gefühl in seinem Magen eher auf das zurückführte, was dort gerade passiert war.
Unwissentlich teilte Andrew dieses Gefühl. Selten hatte er sich in Lorenzos Nähe so unsicher gefühlt, daher ergriff er seine Hand und strich zärtlich mit dem Daumen darüber.
Das irritierte den Hexenmeister. „Was ist? Dachtest du, ich würde einfach verschwinden?“

Jetzt war Lorenzo so weit gegangen, er konnte auch den Rest des Weges gehen.

Wie auch immer das Ziel aussehen würde – Alec Lightwood-Bane aus Occid befreien oder seine Leiche bergen – er würde seine Rolle bei all dem als ebenso abgeschlossen betrachten wie seine Schuld.
„Natürlich nicht.“ Andrew schüttelte den Kopf. „Ich frage mich nur...ob alles in Ordnung ist.“
„Ich habe kaum Magie verbraucht, insofern…“
„Nein, ich meine, ob alles in Ordnung ist…mit uns.“
Der Blick des Hexenmeisters traf Andrews wunderschöne blaue Augen, über deren exakten Farbton er schon mehr als einmal gegrübelt hatte. Er hob die Hand und strich Andrew sanft über die Wange, woraufhin der Shadowhunter sich dagegen schmiegte und lächelte.
„Natürlich ist es das, mi estrella.“

Ein Portal, das mitten in der Kommandozentrale geöffnet wurde, lenkte sie alle ab.

„Clary!“, rief Simon, der gerade wieder dazu stieß und mit großen Augen beobachtete, wie Izzy und Clary durch das Portal sprangen. „Wie kannst du…hast du…aber du darfst doch nicht…!“
„Das erkläre ich später, wenn Jace auch hier ist, sonst fange ich zu oft an“, unterbrach Clary ihren besten Freund lächelnd und sah sich suchend um. „Wo steckt er, weißt du das?“
„Als würde er mit mir darüber reden…“
„Er ging Richtung Labor“, teilte Andrew mit, während Lorenzo ihn los ließ und Izzy zu ihnen trat.
Clary wiederum eilte los, um Jace zu suchen.
„Lorenzo, schön, Sie einmal wieder hier zu sehen“, sagte sie zu dem Hexenmeister, der sie mit einem müden Lächeln bedachte, ehe er sich leicht verbeugte.
„Sie zu sehen ist immer eine Freude, Miss Lightwood. Wenn Sie mich entschuldigen würden. Ruf mich, wenn ihr soweit seid“, sagte er zu Andrew, ehe er sich entfernte, den fürsorglichen Blick seines Verlobten im Nacken.
„Womit?“, fragte Izzy Simon und merkte ebenso wie er, dass es komisch zwischen ihnen war.

Überhaupt schien eine merkwürdige Anspannung in der Luft zu liegen, die einigen hier im Moment nicht zu behagen schien.

„Wir haben gute Neuigkeiten, aber das erkläre ich besser später“, sagte Simon und sah Izzy verlegen an. Besser, sie klärten das Andere, solange sie unter sich waren. „Izzy…wegen neulich, ich wollte sagen, dass ich…“
„Nein, bitte. Du musst gar nichts sagen. Ich habe mich furchtbar benommen und hätte das nie von dir verlangen dürfen…“ Sie zu beißen, noch dazu, um high zu werden, das war auf so vielen Ebenen verabscheuungswürdig gewesen. „Lass es uns einfach vergessen.“
„So wie bei unserem zweiten offiziellen Date, als ich meine Bluttasse ausversehen über dein Kleid geschüttet habe?“ Er grinste schief.
„Ja, genau so“, sagte sie und lächelte erleichtert, weil Simon ihr nicht böse zu sein schien, obwohl sie ihn in diese unmögliche Lage gebracht hatte.
Sie trat auf ihn zu und küsste ihn sanft, woraufhin er die Arme um sie legte und den Kuss erwiderte.
Es kam ihm vor, als wäre ihr letzter Kuss eine Ewigkeit her und er genoss ihn in vollen Zügen.
„Hm, was machen wir, während wir auf den Rest warten?“, fragte Izzy, lehnte sich dabei gegen Simons Brust. Sie war erleichtert, dass Simon ihr so schnell zu vergeben schien, was sie ihm angetan hatte. Vielleicht war das nicht gut, aber im Moment war sie sehr dankbar dafür.
Kurz war Simon versucht, etwas Zweisamkeit vorzuschlagen, als ihm Raphaels Zettel wieder einfiel. Er hatte geklungen, als wäre die Notiz wichtig und hilfreich, also wollte Simon vernünftig sein.
„Ich müsste mal eure Datenbank benutzen – die hat doch auch Google, oder nicht?“
„…?“


~*~


War es erst nur eine Vermutung gewesen, wurde Alec sich, je mehr Zeit verstrich, immer sicherer, dass Asmodeus mit Beunruhigung dem Kommenden entgegensah.
„Azazel hat also nicht geblufft?“, fragte er beim Essen, während der Dämon Nachrichten aufsetzte und sie reihenweise in den Flammen einer Kerze verbrannte. Offenbar eine Art Feuernachricht der Hölle. „Es gibt einen Krieg?“
„Azazel ist sehr kreativ, wenn er etwas will“, gab Asmodeus zurück und wieder schlich sich ein Lächeln auf seine dünnen Lippen. „Und Sie haben das geradezu beeindruckende Talent unsereins bis aufs Blut zu reizen.“
„Hätte er nicht Magnus‘ und Valentines Körper vertauscht, wäre er wohl nicht von mir vernichtet worden.“
Nicht, dass Alec es nicht versucht hätte, aber unter anderen Umständen wäre es wohl eher Jace gewesen, der Azazel ausgeschaltet hätte, so, wie er immer die stärksten Gegner getötet hatte.
„Mit einem einzigen Schuss einen höheren Dämon töten, durchaus erstaunlich – und verständlich, dass er sich gedemütigt fühlt.“
„Er hat Magnus angegriffen.“ Zumindest hatte Alec dies damals gedacht.
„Ich stimme Ihnen zu, seine Vernichtung war verdient, aber Rache ist ein wichtiger Teil unserer Existenz“, fuhr Asmodeus fort und warf Alec einen Blick zu, der zeigte, dass sie beide an ihre Auseinandersetzung im Kloster zurückdachten.**
„Er hat ein Recht darauf – so wie ich das Recht habe, ihn auszumerzen, sollte er es wagen, sich an meinem Besitz zu vergreifen.“
„Und da sprechen Sie wohl von mir“, sagte Alec düster, erhob sich und umrundete den Tisch, um sich zu Asmodeus hinunter zu beugen und ihn beschwörend anzusehen. „Ich bin kein Haustier und auch kein Dekorationsgegenstand. Ich bin ein Shadowhunter, ich kann kämpfen!“
„Ihre Runen sind hier unten nutzlos.“
„Mit einer Waffe brauche ich keine Runen.“
Keine Frage, ohne Runen, die ihn stärker, schneller, geschickter und ausdauernder machten, hatte er gegen Dämonen viel schlechtere Chancen als ohnehin schon, doch Alec war überzeugt, dass er dennoch einige mit in den Tod nehmen konnte.
„Geben Sie mir die Chance, mich selbst zu verteidigen, wenn Azazel mit seiner Armee hier aufmarschiert.“
„Es ist nicht nur Azazel, den Sie fürchten sollten.“
„Lamia? Oder dieser Supay?“
„Sie beide. Und noch ein Fürst will diesen dreisten Aufstand gegen mich unterstützen.“ Hasserfüllt glühten Asmodeus‘ Augen auf, schwarz wie Teer. „Belial. Herr der Lügen. Weiß Luzifer, wieso er meint, sich aus dem achten Kreis zu entfernen und sein Glück erneut gegen mich zu versuchen. Sie alle habe ich schon einmal besiegt. Sie werden erneut scheitern.“
„Offenbar sind Sie ebenso gut darin, sich Feinde zu machen wie ich“, stellte Alec nüchtern fest und beugte sich noch etwas mehr zu dem Dämon. „Einzeln haben Sie diese Fürsten vielleicht besiegt, aber jetzt verbünden sie sich gegen Sie und wenn Sie keine ähnlich starke Allianz schmieden können, werden Sie verlieren.“

Selbst, wenn Asmodeus einer der stärksten Fürsten war, war für Alec die Rechnung drei samt Azazel gegen einen relativ eindeutig.

„Mit mir verbessern Sie ihre Chancen wenigstens ein wenig, vor allem, weil Sie dann nicht ständig auf mich aufpassen müssen. Geben Sie mir eine Waffe.“
„Ist nicht eher zu fürchten, dass Sie mir die Waffe ins Herz stoßen, sobald ich Sie aus den Augen lasse?“, fragte Asmodeus, erneut über Alecs Vehemenz amüsiert.
„Liegt denn dort Ihr dämonischer Kern?“
Als Asmodeus ihn nur weiter belustigt ansah, schnaubte Alec.
„Wie Sie sagten, all diese Wesen wollen meinen Tod und wenn Sie sterben, erlischt die Rune und ich sterbe ebenfalls.“ Wenn er nicht vorher von diesen Dämonen in Stücke gerissen wurde. „Ob ich will oder nicht, Ihr Fortleben liegt in meinem Interesse.“

Und vermutlich in dem von Magnus, obwohl Alec das dem Dämon gegenüber niemals aussprechen würde. Doch es hatte sicher Gründe, dass Magnus seinen Vater bereits drei Mal verbannt hatte, statt ihn zu töten.
Was Eltern einem auch antaten oder wie verkommen sie waren, die Bindung zu ihnen konnte man wohl in keiner Dimension jemals ganz lösen.

Wieder kroch Asmodeus‘ Blick über ihn wie eine Schlange, doch Alec hielt ihm stand.
Schließlich zuckte der Dämon mit den Schultern und schnippte mit den Fingern.
Vor Alec auf dem Tisch erschienen, von kurzen Flammen umgeben, ein Köcher mit Pfeilen und ein Bogen; anders als sein Bogen im Institut war dieser pechschwarz und mit scharfen Enden. In dem Feuer daneben erschien ein Schwert mit blutroter Klinge.
Alec nahm beides an sich. Das Gewicht eines Bogens in der Hand und eines Köchers auf dem Rücken war angenehm vertraut in dieser finsteren Fremde.
„Nicht so hastig“, sagte Asmodeus und machte eine auffordernde Geste.
Alecs Augenbrauen zuckten empor. „Sie wollen ein Kunststück sehen?“
„Ich möchte einen Beweis Ihrer eben gerühmten Fähigkeiten“, korrigierte Asmodeus, fasziniert davon, dass der Nephilim ihn inzwischen so gut verstand.
Erst wollte Alec sich verweigern, doch sicher würde Asmodeus ihm die Waffen wieder wegnehmen.
Also blickte er sich auf dem Tisch um, nahm einen der leeren Kelche und trat zurück.

Mit einer kräftigen Bewegung schleuderte er den Kelch in die Luft.

In rasanter Geschwindigkeit zog er drei Pfeile auf einmal aus seinem Köcher und legte sie nacheinander an.
Er widerstand dem Impuls, in Asmodeus‘ erwartungsvolles Gesicht zu schießen, und zielte stattdessen auf den bereits fallenden Kelch. Der Pfeil traf ihn mit einem Klong und katapultierte ihn mit Schwung wieder in die Luft. Der zweite Pfeil traf ihn am Stiel und beförderte ihn noch ein Stück höher.
Der Dritte schlug am Bauch des Kelchs ein und versetzte ihm so den letzten Stoß, um zielsicher auf dem von Alec anvisierten Bücherstapel einige Meter neben Asmodeus‘ Thron zu landen. Dort wackelte der Kelch kurz, ehe er stehen blieb.***
„Beeindruckend“, gab Asmodeus zu und klatschte betont langsam in die Hände, während Alec seine Pfeile aufsammeln ging. „Sie haben ein wirklich gutes Auge und verfügen über eiserne Konzentration. Schon im Kloster hat mir imponiert, wie lange Sie meine Folter ausgehalten haben, doch offenbar haben Sie sich seither noch weiter entwickelt, Alec.“

Wortlos steckte Alec seine Pfeile in den Köcher und drehte sich zu dem Dämon herum.

„Etwas ist anders mit mir, seit ich hier bin. Ich glaube, es liegt an der Rune.“
Der Ausdruck in Asmodeus‘ Gesicht wurde lauernd. „Inwiefern?“
„Ich weiß es nicht. Doch ich glaube, dass Sie es nicht geplant haben.“ Er trat wieder näher und legte den Kopf schräg. „Unsere Runen funktionieren, weil sie Engelsenergie in sich tragen. Doch diese Rune…“, Alec fuhr sich abwesend über die Brust, „von wessen Energie zehre ich mit ihr?“
„Ich denke, Sie kennen die Antwort darauf sehr genau“, gab der Dämon leise zurück.
Alec nickte. „Verstehe ich deswegen plötzlich die Sprache von Dämonen?“
„Ein interessanter, wenn tatsächlich unerwarteter Nebeneffekt. Niemals zuvor hat ein Dämon sich über so lange Zeit mit einem Nephilim verbunden. Wir Fürsten sind einst Engel gewesen, unsere Energien unterscheiden sich nicht so sehr von den ihren oder der Schattenjäger, wie ihr es euch gerne einredet.“
„Aber Sie spüren es auch, nicht wahr?“, verlangte Alec zu wissen und trat wieder näher. „Die Verbindung.“ Ein paar Mal schon hatte Alec ein ähnliches Gefühl gehabt, wie bei seiner Parabatairune. Doch wenn das stimmte, musste Asmodeus dies ebenso fühlen.
Vielleicht benahm er sich deswegen inzwischen zeitweise so…menschlich.
„Das existiert lediglich in Ihrem Kopf, Alec“, widersprach Asmodeus und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ich habe Ihnen meine Beweggründe erklärt. Wären Sie nicht der Ehemann meines geliebten Sohnes, würde ich Ihnen auf der Stelle das Genick brechen und danach in aller Seelenruhe über Ihrer Leiche speisen. Doch noch ist es nicht so weit und Sie könnten mir noch von Nutzen sein. Solange bleiben Sie am Leben.“ Asmodeus wandte sich wieder seiner Kerze zu.
„Jetzt machen Sie sich bereit – der Kampf naht.“

~*~


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* Siehe MellieBanes "Nachts im Hause Lightwood-Bane" und danke, dass ich mir diese Gegebenheit ausleihen durfte^^
** Siehe "Alle Legenden sind wahr...noch immer
*** Inspiriert durch eine lustige Szene in "The Great Wall"^^

So, wie ihr seit Kapitel 1 hofft, hat Magnus endlich den Ring gefunden und sich zumindest ein bisschen erinnert. Ich hoffe, ihr freut euch xD
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