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Thinking of them

von Quagga
Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Thriller / P16 / MaleSlash
05.06.2021
18.04.2022
8
15.679
2
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30.06.2021 1.776
 
Gerade, als George aufstehen wollte, um ebenfalls seinen Teller abzuräumen, stieß er um ein Haar mit Fundy zusammen. Der rothaarige Junge packte George an den Schultern und fragte atemlos: "Hast du Nikki gesehen?"

Perplex sah George den Rothaarigen an, dann schüttelte er langsam den Kopf: "Nein, ich habe sie nicht gesehen. Soll ich ihr ausrichten, dass du sie suchst, falls ich sie sehe?"
"Bitte."
"Wie lange ist sie denn schon weg?"
"Sie war nicht im Unterricht, aber morgens war sie noch zusammen mit Puffy im Speisesaal. Irgendwann dazwischen ist sie verschwunden", erklärte Fundy und Sorge schwang in seiner Stimme mit.
"Habt ihr schon in der Krankenstation nachgesehen?", wollte George wissen und erhielt ein patziges: "Was glaubst du denn? Wir haben jeden Stein umgedreht."
"Vielleicht weiß Schlatt wo sie ist", warf Sapnap ein, der das Gespräch mitbekommen hatte. "Er weiß doch sonst auch immer alles."
"Bad hat ihn schon gefragt. Angeblich sei Nikki auf dem Weg zum Unterricht zusammengeklappt und von den Wissenschaftlern mitgenommen worden."
Sapnap hob verwundert eine Augenbraue: "Dann ist doch alles gut. Warum veranstaltet ihr dann so einen Aufruhr?"
"Es gab keinen Grund für sie, einfach umzukippen. Nikki ist kerngesund gewesen. Da stimmt etwas nicht."
"Meint ihr, sie hat sich infiziert?", klinkte Karl sich in das Gespräch ein.
"Mal nicht gleich den Teufel an die Wand, Karl!", rief Fundy aufgebracht, räusperte sich dann, als er die Blicke der anderen Kinder auf sich spürte. Leise sprach er weiter: "Irgendwas ist geschehen und wir werden herausfinden, was." Mit diesen Worten wandte er sich ab und steuerte auf Skeppy zu, der ebenfalls in Nikkis Klasse ging, um ihn nach dem Mädchen zu fragen. Nikki war eine aufgeschlossene, aber auch ruhige Bewohnerin des Labor Z. Sie besuchte Klasse 1, zusammen mit Skeppy, Karl, Schlatt und Bad.
Sapnap gähnte ungehalten und Karl boxte ihm leicht in die Seite, sodass der Schwarzhaarige zusammenzuckte. "Wegen Fundy ist mir irgendwie der Hunger vergangen", stellte der Geboxte fest und verzog bedauernd sein Gesicht.
George nickte zustimmend, dann wandte er sich Karl zu, der soeben aufgestanden war, um seinen Teller abzuräumen. "Hat sich Nikki die letzten Tage seltsam verhalten?", fragte er. Jetzt, wo Fundy seinen Verdacht geäußert hatte, erschien es auch ihm merkwürdig, dass Nikki einfach so verschwand. Einfach so, ohne jemandem Bescheid zu sagen. Das war gar nicht ihre Art. Entweder war sie wirklich infiziert oder etwas ganz anderes ging vor sich.
Karl blickte überlegend in Richtung Decke. Nach einer Weile schüttelte er seinen Kopf: "Nein, sie war wie immer. Aber viel haben wir ohnehin nie miteinander geredet."
"Sie taucht schon wieder auf", meinte Sapnap, stand auf und räumte seinen Teller ab.

Doch am nächsten Tag tauchte Nikki nicht wieder auf. Auch am darauffolgenden Tag fehlte noch immer jede Spur von ihr. Schlatt hatte von den Wissenschaftlern keine Informationen über ihren Verbleib erhalten und Gerüchte, dass sie tatsächlich infiziert sei, machten die Runde. Fundy hörte schließlich auf, nach Nikki zu fragen. Bad und Puffy wollten die Suche nach der Blonden jedoch noch nicht aufgeben.

Die Tür zum Klassenzimmer öffnete sich einen Spaltbreit. George hörte das leise Quietschen der Scharniere und im nächsten Moment traf etwas seinen Kopf und fiel zu Boden. "Autsch", murmelte er und scannte den Boden nach dem Geschoss. Es war ein zusammengeknüllter Papierfetzen. Schnell hob George ihn auf, ehe der Lehrer darauf aufmerksam werden konnte. Er blickte zur Tür, doch die Person, die den Zettel geworfen hatte, war bereits verschwunden. Mit einem kurzen Blick zum Lehrer, der noch immer zur Tafel zugewandt stand, entfaltete er das Papier. George entzifferte drei Worte. Drei Worte, die ihm das Blut in den Adern gefrieren ließen. Aufgebracht stieß er Sapnap mit seinem Ellbogen an und schob ihm unauffällig den Zettel zu, als dieser ihn irritiert ansah. George beobachtete, wie sich Schock in dem Gesicht seines Kumpels abzeichnete, als er die Worte laß: "Skeppy ist verschwunden." Das war ganz eindeutig Karls Schrift. Der Junge musste sich mit einer Ausrede aus seinem Klassenzimmer gemogelt haben, um ihnen diese Nachricht zukommen zu lassen. In Anbetracht der Tatsache, dass gerade Schüler verschwanden, schien es George nicht gerade sicher, sich alleine in den Fluren aufzuhalten. Karl hätte auch einfach bis zum Abendessen warten können.
Sapnap beugte sich zu George und sagte leise: "Wir sollten es den Anderen sagen."
George schüttelte sofort den Kopf: "Und was dann? Vielleicht ist Skeppy auch gar nicht verschwunden, sondern schwänzt nur den Unterricht. Das hat er schon mal getan und–"
"George", ermahnte ihn der Lehrer mit strengem Blick, ehe er sich wieder der Tafel zuwandte.
"Huch", Sapnap knüllte den Zettel grinsend zusammen und warf ihn nach hinten ins Klassenzimmer. Jack Manifold klaubte den Zettel aus der Luft, entfaltete und las ihn. George stöhnte innerlich genervt auf. Wenn Jack Bescheid wusste, würden bald alle Bewohner wissen, dass Skeppy verschwunden war.
George durchbohrte den Schwarzhaarigen mit wütenden Blicken, der sich jedoch, keiner Schuld bewusst, wieder nach vorne zur Tafel drehte. Der Brünette konnte sich in Etwa ausmalen, was in den nächsten Stunden passieren würde. Jack würde, zusammen mit den Schülern aus Klasse 1 die Nachricht von Skeppys Verschwinden verbreiten. Bad und Fundy würden mit ihrem Rumgefrage alle verrückt machen und Quackity mit Verschwörungstheorien noch einen drauf setzen. Wenn die Wissenschaftler nicht wollten, dass ihre Schützlinge rumliefen wie kopflose Hühner, sollte Skeppy lieber schnell wieder auftauchen.

Auch zum Abendessen tauchte Skeppy nicht wieder auf. Sein blauer Pullover, ohne den er sein Zimmer so gut wie nie verließ, war verschwunden.
"Habt ihr Skeppy gesehen?" Kaum hatte das Trio sich an einen Tisch gesetzt, stieß Fundy zu ihnen und fragte sie nach dem Wirrkopf. Der Rothaarige wirkte gestresst und sein Blick zuckte zwischen den drei Jungen hin und her.
"Nope", antwortete Sapnap, griff nach dem Löffel und schlürfte seine Suppe.
George schüttelte ebenfalls verneinend seinen Kopf. Er hatte mit Skeppy noch nie viel zu tun gehabt. Mit Ausnahme von Karl, hatte er sich ohnehim nie mit den Schülern aus Klasse 1 befasst. "Er taucht schon wieder auf." Fundy gab ihm einen Blick, der aussagte, dass er stark an der Rückkehr des Hoodieträgers zweifelte. Dann machte er sich davon.
Keine drei Minuten später tauchte Bad an ihrem Tisch auf und sagte: "Bitte sagt mir, ihr habt Skeppy gesehen."
Sapnap rollte mit den Augen und antwortete: "Nein, Bad. Wir haben deinen Lover nicht gesehen."
"Was?", Bad lief rot an.
Karl und George schüttelten ebenfalls verneinend ihre Köpfe. "Er taucht schon wieder auf", wiederholte George, was er zuvor auch schon Fundy gesagt hatte. Und wie auch beim Rothaarigen zuvor, verriet Bads Miene Zweifel an Skeppys Rückkehr.
"Wehe euch, wenn Quackity sich auch noch an unseren Tisch setzt...", stöhnte George genervt.

"Gute Nacht", wünschte Karl.
"Nacht", antwortete George und zog sich die schwarze Trainingshose und dazu ein weites Shirt an. Sapnap antwortete nicht, der Schwarzhaarige schlief bereits und so schnell könnte ihn nun nichts mehr wecken. George kletterte in das obere Etagenbett und zog sich die Decke bis zu den Schultern. Pünktlich um 21 Uhr schaltete sich das automatische Licht des kleinen Zimmers aus und auch George schloss seine Augen. Er fiel in einen unruhigen Schlaf, in dem er erneut von seinen Eltern träumte. Aus den Augen seines jüngeren Selbst sah er, wie der Kopf seines Vaters in einer roten Wolke zerbarst, als ihn die Schrotmunition durch den Kopf traf. Der Schrei seiner Mutter hallte in seinen Ohren wieder, wenige Sekunden später riss er seine Augen auf.

Schweiß rann ihm in Strömen das Gesicht hinunter, trotzdem war seine Kehle trocken wie die Wüste. Mit einer fahrigen Handbewegung wischte er den Schweiß mit seinem Ärmel ab, dann kraxelte er aus seinem Bett, stolperte durch das Zimmer und flüchtete auf den Flur. In dem Speisesaal nahm er sich eines der Gläser und füllte es hinter dem Tresen der Essenausgabe mit Wasser. Gierig stürzte George die Flüssigkeit hinunter und setzte ein weiteres Glas an seine Lippen, als er auf dem Flur ein dumpfes Geräusch hörte.

"Hallo?", rief der Brünette und schritt langsam auf den Flur zu. Vielleicht hatte er Karl oder Sapnap geweckt, als er so überstürzt das Zimmer verlassen hatte und einer von den beiden war ihm gefolgt. George erhielt keine Antwort, vernahm stattdessen nur das dumpfe Geräusch. Es erklang aus einem der Lüftungsschächte über ihm. Verwirrt legte George seinen Kopf in den Nacken und folgte dem Geräusch. Er vermutete, dass sich ein Tier, vielleicht ein Eichhörnchen, – einmal hatte sich sogar ein Goldwaldsänger in dem Metallkonstrukt verirrt–, aus dem Sektor der Tiere, wieder einmal durch die dünnen Gitterstäbe gequetscht und eine kleine Wanderung unternommen hatte. In diesem Fall würde er das Tier einfangen und direkt bei Fundy abliefern, da sich dieser, zusammen mit Callahan, gelegentlich um die Tiere in Labor Z kümmerte.

Das Poltern stoppte. George sah sich um und erkannte, dass er sich inzwischen kurz vor dem Sektor mit dem großen Tor, das sie von der Außenwelt trennte, befand. Es roch nach Maschinenöl und Metall und er meinte das Grunzen der Infizierten zu hören, aber vielleicht ging auch seine Fantasie mit ihm durch. So nah an dem Tor spürte er Nervosität in sich aufkeimen, denn kaum einer der Bewohner hatte es jeh gewagt sich dem Tor auf zehn Metern zu nähern. Eine unbeschreibliche Angst, durch einen Sog plötzlich nach draußen gezogen werden zu können, hatte sich längst in den Köpfen der Jugendlichen manifestiert.
Schnell richtete George seine Aufmerksamkeit wieder auf den Lüftungsschacht. Verwundert, dass die Geräusche verstummt und noch kein Eichhörnchen zum Vorschein gekommen war, sah er prüfend zu dem Gitter. Die Stäbe waren breit genug, als dass ein so kleines und wendiges Tier ohne Probleme hindurch huschen könnte. George zuckte zurück, stolperte und fiel zu Boden, als plötzlich eine Hand die Stäbe umklammerte.
Das war kein Eichhörnchen!
Das war ein Infizierter!, schoss es ihm durch den Kopf. Natürlich! Ein Eichhörnchen könnte unmöglich so laute Geräusche verursachen, auch nicht in einem Lüftungsschacht, der alles in seinem Inneren immer leicht hallend wiedergab!
George wollte losrennen und Alarm schlagen, doch kein Muskel in seinem Körper rührte sich. Er schrie sich innerlich an, endlich aufzustehen und sich in Sicherheit zu bringen, doch er schien die Macht über seinen Körper verloren zu haben.
Mit einem scheppernden Geräusch fiel schließlich das Gitter zu Boden. Aus vor Schreck geweiteten Augen, beobachtete er, wie ein Körper aus dem Schacht zum Vorschein kam und dumpf zu Boden fiel.
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