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I Want Your Bad Romance

GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Haruka Nanase Sousuke Yamazaki
04.06.2021
22.07.2021
13
38.707
16
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22.07.2021 3.711
 
Kapitel 13: You touch me like a razor blade


Sie wechselten kein Wort mehr miteinander, während sie zurück zum Camp gingen und erst auf die letzten Meter holte Sousuke zu ihm auf, sodass sie nebeneinander schweigend die Baumgrenze hinter sich ließen.

Die ganze Zeit ging Haruka durch den Kopf, wie eigenartig die Kommunikation zwischen ihnen war. Wie eigenartig alles war, was sie derzeit taten. Und wie viel Selbstbewusstsein er für seinen letzten Satz hatte aufbringen müssen. Selbstbewusstsein, das er gegenüber dem größeren Schwimmer derzeit nicht empfand.

Haruka hatte fest damit gerechnet, irgendeine spöttische Antwort zu erhalten. Doch der stumme, finstere Blick des Größeren war alles gewesen, was Haru als Reaktion bekommen hatte. Wo war Sousukes Schlagfertigkeit hin gewesen? Andererseits hatte Haruka auch schon erlebt, dass Yamazaki manchmal bloß keine Lust hatte zu antworten. Da waren sie sich wohl ähnlicher, als ihm lieb war.

Dennoch war die Stimmung zwischen ihnen mal wieder zum Zerreißen gespannt und obwohl Harukas Miene kühl und ruhig wirkte, schlug ihm das Herz bis zum Hals. Er konnte bloß an die Nähe denken, die sie gerade geteilt hatten. Und bereits jetzt fragte er sich, ob Sousuke in der Nacht wirklich in sein Zelt kommen würde…

„Da seid ihr ja endlich! Wir wollen mit dem Stockbrot anfangen!“, rief Nagisa begeistert und tatsächlich hatten ihre Freunde bereits begonnen ein paar Flämmchen auf der dafür vorgesehenen Feuerstelle zu entfachen.

Während sie nun das Holz ablegten, versuchte Haruka den leicht besorgten Blick von Makoto zu ignorieren, der ihn streifte. Sein bester Freund war wieder der Einzige, der witterte, dass etwas in der Luft lag. Allerdings war es auch wahrscheinlich, dass er sich bloß grundsätzlich um die Harmonie sorgte, weil Sousuke und Haruka alles andere als gut miteinander auskamen.

Inmitten der Gruppe fühlte sich Haruka jedoch wieder etwas entspannter und je später es wurde, umso besser gefiel es ihm an diesem Ort. Das Rauschen des Wasserfalls, das spiegelnde Mondlicht im Wasser und die allmählich auf angenehme Temperaturen abkühlende Luft. Glühwürmchen schwebten plötzlich am Ufer über dem Schilfgras, was Rei als Erster bemerkte und beeindruckt beobachteten die Freunde den Tanz der leuchtenden Insekten.

Sie grillten Stockbrot, Gemüse und Marshmallows und bald schon konnten sie auch die ersten Getränke aus dem Wasser holen, die mittlerweile kühl genug zum Genießen waren. Haruka vermisste ein wenig die gegrillte Makrele, doch bei den Temperaturen hatten sie auf schnell verderbliche Lebensmittel verzichten müssen.

Der Schwarzhaarige lehnte sich im Gras zurück und betrachtete die Runde. Alle waren in Gespräche vertieft und beiläufig fiel ihm auf, dass Chigusa neben Sousuke saß und die beiden sich unterhielten. Chigusas Wangen waren leicht von den ersten alkoholischen Getränken gerötet, die Seijuro für die Gruppe besorgt hatte und ihre Augen klebten wieder an Sousuke. Ob sie wirklich heimlich auf Rins besten Freund stand? Ob Gou und Chigusa darüber vor der Party getuschelt hatten? Andererseits konnte sich Haruka nicht vorstellen, dass Gou ihre beste Freundin ermutigen würde, ihr Glück bei Sousuke zu versuchen, wenn dieser vergeben war.

Harukas Blick wanderte weiter über die Gruppe und beinahe etwas belustigt stellte er fest, dass Gou, Nagisa und Rei zusammensaßen und der Brillenträger Gou gerade begeistert etwas erzählte, während der blonde Wirbelwind das Kinn in die Hand gestützt hatte und genervt wirkte. Bestimmt bemerkte Rei gar nicht, dass Nagisa heimlich Zweisamkeit mit Gou suchte.

Träge nahm Haruka einen Schluck von seinem Mischbier. Bier mit Limonade. Weniger Umdrehungen und zumindest ein wenig erfrischend, denn dem jungen Athleten war auch heute nicht danach, viel Alkohol zu trinken.

Sein Blick fiel nun auf Makoto und Akiko, die nebeneinander am Ufer hockten und ziemlich süß zusammen aussahen. Anders konnte man es nicht beschreiben. Alles an diesem Anblick wirkte romantisch, als ob er einem Katalog entstammte. Die Art, wie Makoto seine Freundin anlächelte und sie schließlich sachte ihren Kopf an seiner breiten Schulter anlehnte, stimmte Haruka sofort friedlich, weil er sich für Makoto freute.

Ein leichtes Lächeln umspielte die Lippen des Schwarzhaarigen. Wenn Makoto zufrieden war, dann strahlte er das auf jeden in seiner Umgebung aus und es hatte Haruka schon immer beruhigt, seinen besten Freund glücklich zu sehen. Es war dasselbe, wenn Makoto Kindern Schwimmtraining gab und so völlig darin aufging. Sein bester Freund war genauso für das hier geboren – das Führen einer aufrichtigen, liebevollen Beziehung.

Unbeabsichtigt wurde Haruka wieder ernst. Im Moment hatte er selbst nicht wirklich das Bedürfnis, mit jemandem eine Beziehung zu führen, doch was, wenn sich das änderte? Irgendwie sah es schön aus, wie Makoto und Akiko dort vor dem Wasserfall saßen und auf einmal fragte sich Haruka, ob er das auch irgendwann mit jemandem haben würde.

Ob es irgendwann einen Jungen in seinem Leben geben würde, der auch mit ihm so dasaß. Jemand, der sich wirklich für ihn interessierte. Jemand, aus dem er vor seinen Freunden kein Geheimnis machen musste…

Leise seufzend senkte Haru den Blick. Mit Sousuke Yamazaki war so etwas unvorstellbar. Nicht, dass er es mit Sousuke gewollt hätte! Doch grundsätzlich war es womöglich schon etwas, das er schön finden könnte. Mit irgendjemand anderem selbstverständlich!

Vielleicht war es in Ordnung, wenn er nur eine Weile mit Sousuke „herumexperimentierte“. Um zu üben. Solange, bis er sich selbstsicher genug auf diesem Gebiet fühlte. Bis er sich vielleicht mehr öffnen könnte. Bis er möglicherweise ein Radar entwickelte, wer da überhaupt in Frage käme…

Es erschien Haru so furchtbar schwer, jemanden zu finden, ohne sich outen zu müssen. Und Letzteres machte ihm so große Angst, dass er diesen Gedanken augenblicklich von sich schob.

„Hey! Lasst uns was spielen!“, rief auf einmal Momo, dem es zunehmend zu langweilig wurde, sich mit seinem großen Bruder und Aiichiro unterhalten zu müssen. Die ganze Zeit schon versuchte er einen Vorwand zu finden, irgendwie im Gespräch von Gou, Rei und Nagisa mitzumischen, doch vergeblich.

„Was spielen?“, runzelte Aiichiro kritisch die Stirn.

„Jaa! So macht man das doch bei Ausflügen!“, rief Momo begeistert und sein Blick fiel auf die leere Flasche in seinen Händen. „Wie wär’s mit Flaschendrehen?“

„Oh Gott, nicht das! Das ist so ein Kinderspiel!“, stöhnte Aiichiro.

„Glaubst du, so bekommst du Gou rum?“, lachte Seijuro schallend und erntete einen bösen Blick von seinem kleinen Bruder.

„Hey, eigentlich keine schlechte Idee mit dem Flaschendrehen!“, mischte sich daraufhin Nagisa ein und rieb sich kichernd die Hände, weil er so vielleicht Reis langatmigen Vortrag unterbrechen konnte.

„Sowas Lächerliches spiele ich nicht.“, schüttelte Rei jedoch den Kopf.

„Och, Rei-chan, sei doch keine Spaßbremse.“, jammerte Nagisa und rüttelte am Arm seines besten Freundes.

„Also ich fände das auch ganz witzig, glaube ich.“, wagte sich nun ausgerechnet Chigusa vor und kicherte verhalten.

„Aber dann müssen auch alle mitspielen.“, überlegte nun Gou. „Auch die Turteltäubchen da hinten.“ Sie nickte schmunzelnd in Richtung Makoto und Akiko.

„Hey, Turteltäubchen! Habt ihr gehört?“, rief Momo sofort aufgeregt, weil Gou somit indirekt zugestimmt hatte.

„Die hören nicht.“, kicherte Nagisa. „Mako-chaaan!“

„Hm, was?“ Makoto sah überrascht über die Schulter und auch Akiko drehte sich zur Gruppe.

„Das hier sind keine Flitterwochen, das hier ist ein Sommercamp! Und wir spielen jetzt alle Flaschendrehen!“, bestimmte Nagisa grinsend.

„Och nö, Nagisa.“, seufzte Makoto.

„Hey, ist doch lustig.“, schmunzelte Akiko und kraulte beiläufig den breiten Rücken ihres Freundes. „Na komm, lass uns mitspielen.“

Und nach einigem Hin und Her hatten Nagisa und Momo die ganze Gruppe dazu gebracht, es sich im Kreis bequem zu machen und sofort war die Stimmung bei allen eine Spur wacher und aufgeregter. Haruka sagte die ganze Zeit über nichts, sondern musterte die Gesichter der anderen. Sie hatten früher schon als Kinder Flaschendrehen gespielt, doch sein Gefühl sagte ihm, dass es diesmal um andere Mutproben gehen würde, als einen Löffel Schokopudding mit Peperoni herunterwürgen zu müssen oder dem Nachbarn einen Telefonstreich zu spielen.

Es fing harmlos an. Die Wahl aus Wahrheit und Pflicht war ausgewogen, einige peinliche Wahrheiten wurden enthüllt, lustige Aufgaben erfüllt und es wurde fleißig gelacht. Irgendwann kam Nagisa auf die Idee, bei „Pflicht“ die Flasche ein zweites Mal zu drehen, sodass man die Aufgabe mit einer weiteren Person bewerkstelligen musste. Und nur eine Runde später zeigte der Flaschenhals auf Sousuke.

„Wahrheit oder Pflicht?“, fragte Akiko, die gerade gedreht hatte.

„Pflicht.“, antwortete Sousuke ruhig und Haruka hätte am liebsten kurz die Augen verdrehte. Typisch, dass Yamazaki die Wahrheit lieber verschwieg…

„Pflicht also. Das heißt, ich muss mir jetzt etwas ausdenken, was zwei Personen machen können?“, fragte Akiko an Makoto gewandt, der brav nickte.

„Hm, dann…zehn Liegestütze.“, bestimmte sie. „Aber mit einer Person auf dem Rücken.“

„Aber…Sousukes Schulter!“, erinnerte Makoto sie schnell.

„Oh, das habe ich ganz vergessen!“ Akiko schlug die Hand vor den Mund. „Tut mir leid, dann…“

„Kein Thema.“, unterbrach sie Sousuke jedoch. „Das ist ein Kinderspiel. Macht euch keinen Kopf. Dreh ruhig die Flasche.“

Ein wenig besorgt wechselten Makoto und Akiko Blicke, doch dann drehte sie und hoffte, dass die Flasche nicht ausgerechnet auf ihren Freund zeigen würde – das wäre eine ziemlich schwere Last für Sousuke…

Erleichtert seufzte Akiko auf, als die Flasche bloß bei der zierlichen Chigusa zum Stehen kam, die sofort errötete.

Sousuke schmunzelte nur träge. „Na, da habe ich ja Glück gehabt.“, sagte er ruhig und als sein Blick die jüngere Oberschülerin traf, errötete Chigusa noch mehr.

Gelassen beobachtete Haruka, wie Sousuke sich in Position brachte und Chigusa ziemlich peinlich berührt und auch etwas unbeholfen auf seinem breiten Rücken Platz nahm. Tatsächlich meisterte Sousuke die Aufgabe mühelos und beiläufig betrachtete Haruka das Spiel der ausgeprägten Muskeln, während er ohne eine Miene zu verziehen an seinem Getränk nippte. Geflissentlich ignorierte Haruka dabei Nagisas alarmierten Blick. Der Blonde machte sich offenbar Sorgen, Haruka könne gegenüber Sousuke in der Konkurrenz um Chigusa den Kürzeren ziehen. Wie falsch er lag...

„Geht es?“, fragte Chigusa vorsichtig, nachdem sie unmittelbar nach der letzten Liegestütz aufgestanden war.

„Keine Sorge. Ich habe keinen Unterschied zu sonst bemerkt.“, antwortete Sousuke fast schon gutmütig und erneut musste Haruka sich beherrschen, nicht die Augen zu verdrehen. Er hasste es, wenn Sousuke so war. So „nett“, so zuvorkommend, fast ein bisschen wie Makoto, wenn er sich Mühe gab. Dabei war das alles nur gespielt, redete sich Haruka schlechtgelaunt ein.

„Toll gemacht, Sousuke!“, staunte derweil Aiichiro und sah seinen älteren Teamkameraden bewundernd an.

„Langsam wird es interessant. Akiko hat gut vorgelegt.“, sagte Nagisa nun und grinste. Wenn Sousuke mit Flaschendrehen dran war, dann konnte der Samezuka-Schüler selbst an der nächsten Aufgabe nicht teilnehmen. Vielleicht hatte Haruka ja Glück und wurde zusammen mit Chigusa gewählt, hoffte der blonde Wirbelwind. „Sou-chan, bin gespannt, wie du das toppst.“, fügte er daher hinzu und wackelte mit den Augenbrauen.

„Verstehe schon. Ihr wollt wohl mehr Pfeffer, hm?“, erkannte Sousuke und sein leises, dunkles Lachen löste einen angenehmen Schauer in Haruka aus. „Wie wäre es, wenn wir die Regeln ändern?“

Moment. Angenehm?! Seit wann bekam er keine eisige Gänsehaut mehr, wenn Sousuke auf diese Weise lachte?! Strenggenommen bekam er noch eine Gänsehaut, aber die war alles andere als kalt, stellte der Iwatobi-Schwimmer ziemlich genervt fest.

„Uhh, inwiefern?“, fragte Momo derweil und alle beugten sich neugierig vor.

„Es gibt nur noch Pflicht. Die Aufgabe wird am Anfang genannt und die Flasche zweimal gedreht. Wer sich nicht traut, kann verzichten, aber das muss eine Konsequenz haben.“, schlug Sousuke vor und Momo riss begeistert die Augen auf.

„Oh ja! Gute Idee! Wer verzichtet, muss…“, begann Momo, wurde jedoch von seinem Bruder unterbrochen.

„…wer sich weigert, muss morgen den ganzen Tag mit Momos Beetle-Guide durch den Wald laufen und Hirschkäfer für meinen kleinen Bruder suchen!“, lachte Seijuro.

„Hey, das ist doch keine Strafe!“, protestierte Momo empört, während der Rest der Gruppe lachte.

„Einverstanden.“, lächelte Sousuke, während Momo schmollend das Gesicht verzog. „Also die nächste Aufgabe ist, einen Schnaps zu trinken, den Mikoshiba uns besorgt hat.“ Dabei nickte er in Seijuros Richtung.

„Das ist ja einfach.“ Nagisa ließ enttäuscht die Schultern hängen.

„…aus dem Bauchnabel der zweiten Person.“, schmunzelte Sousuke. „Du wolltest schließlich mehr Pfeffer.“

Sofort wurde das blonde Plappermaul ein bisschen rot, kicherte dann aber angetrunken. „Woah, Sou-chan macht jetzt ernst!“

„Na schön, wollen wir mal.“ Der Samezuka-Schwimmer drehte die Flasche, während alle Beteiligten nun ziemlich nervös wurden und auf das rotierende Glasgefäß starrten. Es versprach interessant zu werden, aber keiner wollte selbst derjenige sein, der sich zuerst blamierte.

Die Flasche wurde langsamer und hielt bei Makoto.

„Oh Gott…“ Der Brünette wurde schlagartig blass und sah zu Akiko. „Ich geh Hirschkäfer sammeln!“, sagte er schnell.

„Bist du irre? Damit ich morgen den ganzen Tag auf dich verzichten muss?“ Sie stupste ihn schmunzelnd in die Seite. „Auf keinen Fall gehst du Hirschkäfer sammeln.“

„A-aber…“, stammelte Makoto und es sah aus, als ob dem Schwimmkapitän gleich schlecht wurde. „Ich kann doch nicht…“

„Schon gut. Ich hab kein Problem damit. Außerdem sind hier fast nur Jungs.“, winkte Akiko locker ab und hoffte dennoch insgeheim, dass nicht ausgerechnet Gou oder Chigusa als Gegenpart enden würden…

„Sorry, Tachibana.“, murmelte Sousuke entschuldigend, weil die Flasche ausgerechnet auf den einzig anderen Vergebenen in dieser Runde gezeigt hatte. Makoto sah ihn unglücklich, aber gleichzeitig verzeihend an und erinnerte Sousuke daran, dass Harukas bester Freund immer freundlich zu ihm gewesen war. Dennoch kam ihm Makoto manchmal zu glatt, zu perfekt vor und Sousuke schien nicht der einzige der Runde zu sein, der auf einmal neugierig wurde, Makoto aus der Reserve zu locken.

„Na gut.“, seufzte Makoto und gab sich geschlagen, während seine Ohren jedoch rekordverdächtig glühten.

Haruka beobachtete seinen besten Freund neugierig von der Seite und hatte Mitleid mit ihm. Vor allem, als der Rückenschwimmer sich noch schnell zu Akiko vorbeugte und ihr ins Ohr flüsterte, dass er sie liebte. Es war wirklich herzerwärmend, wie Makoto sich absichern wollte und sie ihm daraufhin einen kurzen Kuss gab.

Ängstlich sah Makoto dann zu, wie Sousuke die Flasche wieder drehte und seine Augen wurden groß, als sie ausgerechnet bei Aiichiro zum Stehen kam.

„Oh, tut mir leid, Aiichi.“, sagte Sousuke sofort etwas schuldbewusst, musste aber dennoch ein wenig lachen, weil diese Kombination ziemlich absurd war.

Während Nagisa und Momo deutlich lauter lachen und prusten mussten, setzte sich Aiichiro kerzengerade auf und wurde noch röter als Makotos Ohren. Er war vorher kein einziges Mal dran gewesen und sichtlich nervös sah der kleine Samezuka-Schwimmer zu Sousuke und dann zu Makoto.

„Äh…“, machte der Grauhaarige gerade, während Seijuro bereits grinsend aufstand.

„Ich hole mal den Schnaps!“, verkündete der älteste Mikoshiba, während weder in Makoto noch in Aiichiro Bewegung kam.

Ratlos sah Makoto in die schockiert geweiteten Augen des kleineren Schwimmers und schluckte schwer, als Seijuro ihm wenig später die Flasche mit Reisschnaps in die Hand drückte. „Prost, Tachibana!“, lachte der Rothaarige.

Eine Weile noch saß Makoto unschlüssig herum und konnte sich nicht so recht aufraffen.

„Los, Makoto! Immer weiter vorwärts, Makoto!“, feuerten dann plötzlich ausgerechnet Nagisa und Gou ihn an, als ob er kurz davor stand 100 Meter Rücken zu schwimmen. Beim Gewinnspiel während des Sommerfests hatten die Zwei ihn noch mit fragwürdigen Wetteinsätzen verschont, weil er schließlich eine Freundin hatte. Doch offenbar waren Nagisa und Gou im betrunkenen Zustand für weitaus verrücktere Ideen zu begeistern…

„Leute…“, stöhnte Makoto leidend, stand dann aber ergeben seufzend auf, da Aiichiro noch immer wie ein schockstarres Kaninchen an Ort und Stelle saß, und fügte sich seinem Schicksal.

„Ehm, ich glaube, du musst dich hinlegen.“, sagte Makoto dann leise zu Aiichiro und der Kleinere presste verlegen die Lippen aufeinander.

„O-o-ok…“, stammelte Aiichiro total nervös und legte sich auf den Rücken, ehe er mit zitternden Händen sein T-Shirt etwas lüftete.

Makoto, dem das Ganze zuerst noch zutiefst peinlich gewesen war, bemerkte nun, dass sich Aiichiro fast noch mehr schämte und sofort kämpfte sich sein Beschützerinstinkt an die Oberfläche.

„Hey, keine Sorge.“, sagte Makoto also möglichst lieb zu dem kleinen Nervenbündel und versuchte Ruhe auszustrahlen. „Ich meine, ist halb so wild, oder?“, ergänzte er dann tapfer lächelnd.

„Ja…ja, halb so wild.“, stammelte Aiichiro und lächelte ebenfalls etwas gezwungen.

Die ganze Gruppe hielt den Atem an, als Makoto die Flasche öffnete. Sein Gesicht wirkte nun konzentriert und ernst und flüchtig huschten die grünen Augen noch einmal zu Aiichiros Gesicht.

„Nicht erschrecken, okay?“, bat Makoto ihn leise. „Das ist jetzt vielleicht etwas kalt.“

Aiichiro nickte eilig und zuckte dennoch zusammen, als der Reisschnaps sich in die kleine Senke seines Bauchnabels ergoss.

Makoto zögerte anschließend, räusperte sich noch einmal und warf Akiko einen entschuldigenden Hundeblick zu, woraufhin sie lachend und peinlich berührt die Hände vors Gesicht schlug. Das konnte ja etwas werden…

Bevor Nagisa und Gou wieder auf die Idee kamen, ihn anzufeuern, wollte Makoto es lieber schnell hinter sich bringen und beugte sich herab. Flüchtig strich er sich die braunen Haarsträhnen aus dem Gesicht, doch sie fielen direkt wieder nach vorn und kitzelten Aiichiros nackten Bauch. Aus riesigen Augen sah Aiichiro zu, wie sich die Lippen des Schwimmkapitäns der Iwatobi High auf seinen Bauchnabel legten und saugend die durchsichtig schimmernde Flüssigkeit aufnahmen.

Ein paar der Jungs verzogen angewidert das Gesicht, während die Mädchen ziemlich heftig kichern mussten. So oder so schienen alle kurz fasziniert davon, ausgerechnet Makoto Tachibana bei einer Handlung zu beobachten, die so gar nicht zu dem sonst immer vorbildlichen und vernünftigen Kapitän passte.

Auch Haruka war kurz irritiert darüber. Im Gegensatz zu Momo und Nagisa, die so taten, als ob das eklig und eine pure Überwindung wäre, empfand Haruka es eher als aufregend, Intimität zwischen zwei Männern zu beobachten.

Zugegebenermaßen war es eigenartig, dass einer der beiden ausgerechnet Makoto war. Nach wie vor hatte Haruka Mitleid mit seinem besten Freund, der das vor den Augen seiner festen Freundin machen musste. Rein objektiv betrachtet machte Makoto dabei aber eine derart gute Figur, dass man sich fast nicht traute hinzusehen, aus Sorge, es könne einem gefallen. Der Kontrast zwischen Makotos und Aiichiros Körperbau, der entblößte nackte Bauch und das gedämpfte Geräusch von saugenden Lippen besaß eine sehr erotische Ausstrahlung und Haruka spürte, wie sein Blut rauschte.

Mehr aus Reflex tauchte Makoto seine Zunge flüchtig in den Nabel, erschrak jedoch im gleichen Moment wie Aiichiro darüber und hob den Kopf.

„Tut mir leid, d-da war noch ein bisschen…“, entschuldigte er sich sofort, während Aiichiro schnell mit beiden Händen wedelte.

„Sch-schon gut!“, stammelte der Grauhaarige nervös und zog das T-Shirt schleunigst herab.

Haruka trank beiläufig ein Schluck, um die eigene Kehle zu befeuchten und versuchte das Ziehen in seiner Lendengegend zu ignorieren, als er sich vorstellte, Sousuke würde dasselbe bei ihm tun. Dennoch konnte er nicht verhindern, dass seine blauen Augen kurz zu dem Samezuka-Schwimmer huschten. Es dauerte nicht lange und Sousuke drehte den Kopf minimal, um ihn ebenfalls anzusehen.

Es war, als ob sie beide dasselbe dachten und musternd wanderte Sousukes Blick über Harukas zurückgelehnten Körper. Ehe es zu auffällig wurde, sahen sie jedoch beide rasch zurück zu Makoto, der nun schwer seufzend und mit rotem Kopf wieder neben Akiko Platz nahm.

„Geschafft!“, seufzte Makoto, während seine Freundin ihm kurz einen Kuss auf die Wange gab.

„Puhh, zehn Grad heißer hier, was?“, murmelte Gou leise kichernd zu Chigusa, während Nagisa und Rei sich nur verständnislos anblickten, weil die Mädchen so aus dem Häuschen waren.

„Tachibana, wenigstens musst du keine Hirschkäfer sammeln.“, lachte Seijuro. „Du bist als Nächster dran.“

„O-okay.“ Makoto räusperte sich und griff nach der Flasche.

„Halt! Neue Regeln, Mako-chan! Erst die Aufgabe, dann drehen.“, erinnerte ihn Nagisa.

„Ach ja. Also…hmm…“, dachte der Rückenschwimmer nach.

„Nichts Langweiliges. Denk an den Pfeffer!“, kicherte der Blondschopf.

„Ehm…sowas wie ein Kuss?“, schlug Makoto vor, da er beim Drehen wenigstens aus dem Schneider war. Er musste bloß aufpassen, dass die Flasche nicht auf seine Freundin zeigte.

„Warum klingt das trotzdem langweilig, wenn Mako-chan das sagt?“, amüsierte sich Nagisa an Rei gewandt, der sogar auch ein bisschen darüber schmunzeln musste. Als ein strenger Blick aus grünen Augen sie beide traf, senkten die jüngeren Schüler schnell die Köpfe und pressten schuldbewusst die Lippen aufeinander. Es gab einen gewissen Punkt bei ihrem Schwimmkapitän, den man lieber nicht ausreizte…

Und dieser Punkt war bei Makoto erreicht.

„Ihr denkt also, ich bin zu langweilig für dieses Spiel?“, fragte Makoto nun mit seltsam lauernder Stimme und verdutzt sahen alle in seine Richtung.

„Die nächsten beiden müssen sich küssen. Aber ich will hier einen filmreifen französischen Kuss mit Zunge sehen. 60 Sekunden – ich stoppe die Zeit. Wer sich weigert oder früher aufgibt, muss Käfer sammeln gehen.“, erklärte Makoto mit einem gefährlichen Lächeln und die grünen Iriden funkelten wie süßes Gift unter seinen tiefen Augenlidern.

„Mako-chan ist mir unheimlich.“, flüsterte Nagisa und Rei musste ebenfalls schwer schlucken, während Momo wieder schmollte, weil seine geliebten Käfer als Strafe herhalten mussten.

„Na wartet.“ Beherzt drehte Makoto nun die Flasche, die ausgerechnet bei Haruka stoppte.

Sofort verschwand die Rachelust wieder aus Makotos Augen, die sich nun erschrocken weiteten und er schlug die Hand vor den Mund.

„Oh nein, Haru! Tut mir so leid, ich…“, begann der Brünette sofort, während Haruka ihn finster ansah.

„Ernsthaft?“, zischte Haruka leise und mit todesgenervtem Blick, während Makoto nervös lächelte und ein wenig unter dem Killerblick seines besten Freundes schrumpfte.

„Ich, äh…naja, die Spielregeln, der Zufall, du weißt schon…“, stammelte Makoto, der es natürlich auf keinen Fall Haru heimzahlen wollte, der bloß still im Kreis gesessen und als Einziger nicht gelacht hatte.

„Dreh schon die Flasche.“, seufzte Haruka leise und rollte trotzdem mit den Augen. Diesmal sah der Schwarzhaarige jedoch absichtlich nicht in Yamazakis Richtung.

Seltsamerweise stellte Haruka fest, dass er nicht ganz so nervös vor einem drohenden Kuss mit einer anderen Person war, wie noch am Sommerfest, als er absoluter Neuling auf diesem Gebiet gewesen war. Jetzt wusste er wenigstens, wie das ging. Jetzt wusste er wenigstens, dass er sich nicht blamieren würde. Sogar mehr als das – er wusste, dank Yamazaki, dass er das Küssen offenbar ganz gut beherrschte, sonst würde Rins bester Freund ihm nicht ständig wieder Küsse abringen.

Dennoch schlug sein Herz schneller, je länger die Flasche rotierte und eine Sekunde lang fragte sich der Freistilschwimmer, ob er sich heimlich wünschte, dass sie auf Sousuke zeigen würde oder ob er genau das fürchtete. Schlussendlich wollte er nicht, dass die anderen bemerken könnten, wie sehr ihm das gefiel…

Und 60 Sekunden waren eine verdammt lange Zeit. Was, wenn sein Körper dann auffällig reagierte?! Sobald Haruka das dachte, betete er nur noch, dass die Flasche nicht auf Yamazaki zeigen möge.

Seine Gebete wurden glücklicherweise erhört.


To be continued...

PS: Fieser Cliffhanger, I know ;] Naa, was glaubt ihr? Wen muss Haruka küssen?
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