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Die Bindung zwischen Brüdern ~ Liebe oder doch Ausnutzung?

GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / MaleSlash
Ben Decker Erik Stein Marc Westerhoven Moritz Breuer Peter Rothmayer Stephan Sindera
04.06.2021
14.09.2021
18
35.864
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14.09.2021 2.292
 
Seine Beine zitterten, ein kalter Schauer jagte ihm über den Rücken und seine Atmung war flach und schnell. Moritz schluckte schwer, versuchte sich zu beruhigen, was allerdings schwer war, wenn man eine Schusswaffe gegen den Kopf gehalten bekam.
"Die Waffe runter Stephan! Was soll das Ganze?", kam es von Klaus. Stephan lachte kurz auf.
"Es läuft alles nach einem Plan… es zieht sich zwar gerade, hat paar Probleme, aber wir kommen unserem Ziel näher", erklärte Sindera.
"Was heißt das?", fragte Wiebel.
"Wenn ich es verrate, dann ist es doch nicht mehr witzig. Aber ich werde euch jetzt erklären wie es ablaufen wird", grinste Stephan.
"Du wirst die Waffe runter nehmen und Moritz freilassen, ansonsten schieße ich!", drohte Klaus. Erneut lachte Sindera auf.
"Das würde ich unterlassen, wenn dir das Leben von Decker und das von Schulz wichtig ist", lachte der Spanier. Klaus' Augen weiteten sich kurz vor Schreck, dann verengten sie sich.
"Was soll das heißen Stephan? Hast du etwa damit etwas zu tun?", fragte er misstrauisch. Sindera grinste breit, dann beugte er sich zu Moritz' Ohr runter.
"Mein Handy ist in meiner linken Beintasche. Hol es mir doch bitte mal hervor Mo", lächelte er. Breuer schluckte erneut, aber leistete keinen Widerstand. Er beugte sich etwas seitlich runter, griff ihm in die Tasche und holte das Handy hervor.
"Mein Code ist 646566", hauchte Sindera ihm ins Ohr. Moritz tippte den Code ein, ging dann auf die Fotos als Stephan dies forderte und ihm stockte der Atem als er auf ein Bild klickte. Völlig sprachlos musterte er Ben, der auf dem Bild mehr tot als lebendig aussah.
"Zeig es doch mal Klausi-Mausi", grinste Stephan. Moritz drehte das Handy, hielt es Klaus hin, der nun ebenfalls geschockt auf das Bild sah. Mit völligem Unglaube sah er dann Sindera an.

"Oh ja… da täuschst du dich nicht! Das auf dem Bild ist wirklich Benny. Und ich sage dir eins Klausi-Mausi und auch euch beiden Schlampen etwas", lachte Sindera und schaute kurz zu Tobias und Ilka.
"Sollte der Kontakt zwischen mir und meinen Komplizen abbrechen, dann wird Benny auf qualvolle Weise sterben. Und er wird nicht der Einzige sein. Ihr werdet jetzt mich und den Kleinen hier aus der Wache lassen. Davor wirst du, Klausi-Mausi, den beiden hier Handschellen verpassen, sie sollen ja nichts Dummes anstellen. Obwohl, wenn ihr etwas Dummes anstellt, dann wird Benny sterben", erklärte Stephan lächelnd. Klaus sah ihn finster an, überlegte wohl, ob er irgendwas machen konnte.
"Geh auf die Kontakte und ruf doch bitte mal Fernandez an Mo", flüsterte Sindera und Breuer hatte keine andere Wahl. Das Handy tutete, dann wurde abgenommen.
"Si?", erklang es.
"Hier Fernandez, ich hab hier gerade etwas zu tun. Hab nen Bullen als Geisel, werde von anderen bedroht... wenn der Kontakt abbricht, dann töte Benny auf qualvolle Weise", sprach Stephan ins Telefon. Die Person auf der anderen Seite der Leitung lachte auf.
"Ist verstanden", kam es bloß. Sindera grinste nun wieder in Wiebels Richtung.
"Los, jetzt leg ihnen Handschellen an", brummte Stephan. Klaus zögerte, sodass der Spanier mit den Zähnen knirschte.
"Bist du bei Benny, Fernandez? Die Bullen wollen nicht hören", zischte er ins Telefon.
"Moment", kam es nur. Sindera beobachtete Klaus aus verengten Augen, der dann zusammenzuckte als aus dem Handy ein schmerzerfüllter Schrei ertönte.
"In Ordnung", gab sich Wiebel geschlagen und legte erst Ilka Handschellen an, anschließend Tobi. Die beiden Beamten leisteten keinen Widerstand. Stephan grinste, drückte nun die Schusswaffe Moritz in den Rücken.
"Du legst ihm jetzt Handschellen an, Mo", flüsterte er. Breuer schluckte, dann näherte er sich seinem Chef und legte ihm mit zittrigen Händen die Handschellen an bevor er von Sindera zurückgezogen wurde. Wieder spürte er den Lauf der Waffe an seinem Kopf.

"Gut gemacht und jetzt komm", murmelte Stephan und zog ihn zum Ausgang. Ängstlich schaute Moritz nochmal zu Klaus und Tobi bevor Sindera ihn ins Treppenhaus zog.
"Keine Tricks. Du weißt ja, was dann passiert", zischte Stephan und zog ihn die Treppen hinunter, drückte ihm einen Autoschlüssel in die Hand.
"Den Streifenwagen dort hinten nehmen wir", knurrte er und sie stiegen in den Wagen. Zittrig startete Breuer das Auto, dann fuhr er vom Parkplatz der Wache runter. Sie hielten an der Straße als sich ein weiterer Streifenwagen näherte, blinkte.
"Wag es… ", drohte Stephan. Breuer schluckte, hob nur wie gewohnt die Hand. Martin am Steuer winkte lächelnd, dann fuhr der Wagen an ihnen vorbei.
//Martin//, dachte sich Moritz bloß als er aufgefordert wurde weiterzufahren. Er lenkte das Auto auf die Straße und folgte den Anweisungen seines Kollegens.
"Warum?", traute sich Moritz nach einer Weile zu fragen. Stephan blickte ihn von der Seite an.
"Was?", stellte er die Gegenfrage.
"Warum tust du das Stephan?", fragte Breuer erneut, spürte, wie ihm die Tränen hochkommen wollten. Schließlich begann sein Kollege gerade einen ziemlichen Verrat. Steckte er ebenfalls hinter all diesen schrecklichen Dingen?
"Ich bin nicht Stephan", kam es trocken.
"Wie?", fragte Moritz irritiert.
"Ich bin nicht Stephan. Mein Name lautet Romeo Sindera und mein Zwillingsbruder liegt in seiner Wohnung, in einem tiefen Schlaf", erklärte Sindera seelenruhig.
Breuer blinzelte, war völlig verwirrt und brauchte einen Moment bis er die Worte wirklich verstanden hatte.
"St-Stephan hat…", fing er an.
"Einen Zwillingsbruder? Ja, hat er. Allerdings führen wir keine gute Beziehung zueinander, deswegen hat er wohl nie von mir erzählt", sprach Romeo. Erneut blinzelte Moritz, dann schluckte er. Seit wann spielte Romeo schon seinen Zwillingsbruder? Seit Tagen oder schon seit Wochen? Schließlich waren sie alle auf den Mann reingefallen, der eigentlich ein Fremder war. Und wie ging es Stephan? Was meinte er damit, dass Stephan in einem tiefen Schlaf lag?

"Wieso schläft Stephan?", fragte Moritz vorsichtig, bekam erstmal ein leichtes Lachen als Antwort. Etwas frustriert krallte er sich ins Lenkrad. Wie hatte dieser Kerl sie alle täuschen können?
"Ich pumpe ihn mit Betäubungsmittel voll. Schließlich sollte er mir nicht in die Quere kommen", grinste Romeo. Breuer schluckte seinen Ärger hinunter, er konnte sowieso nichts anrichten im Moment. Außerdem fühlte er sich ziemlich müde und nach einiger Zeit bemerkte er auch, dass sein Blick hin und wieder verschwamm. Sie hatten die Stadt bereits hinter sich gelassen, fuhren über eine Landstraße als sich bei Moritz nun langsam alles drehte, er nicht mal mehr gerade aus fahren konnte.
"Stop den Wagen!", kam es harsch von der Seite, sodass Breuer direkt in die Eisen ging. Der Wagen hinterlegte eine Vollbremsung. Romeo fluchte etwas, zog die Handbremse an und stieg aus. Moritz lehnte seinen Kopf ans Lenkrad, stöhnte leise. Alles drehte sich, er fühlte sich generell schlecht als würde sich sein Kreislauf gleich verabschieden. Seine Tür wurde geöffnet.
"Hätte ich das gewusst…", brummelte er und packte Moritz am Arm. Er zog den Polizisten aus dem Wagen und zum Kofferraum hinüber. Breuer bekam das alles nur noch am Rande mit. Romeo hievte ihn in den Kofferraum, knallte die Hecktür zu und setzte sich dann selbst hinters Steuer. Die letzten Kilometer zum Unterschlupf brachte er schnell hinter sich und am Anwesen angekommen schleppte er den nun bewusstlosen Polizisten hinter sich her.

***

"Wohl viel Arbeit, hmm?", kam es von Michael als sein Streifenpartner den Wagen auf dem Parkplatz abstellte.
"Anscheinend, aber kam ein Funkspruch?", fragte Fuchs und stieg aus dem Auto.
"Nichts mitbekommen. Vielleicht auch ein Sonderauftrag?", entgegnete Michael.
"Obwohl Stephan und Moritz zurzeit nicht die besten Freunde sind?", murmelte Martin nachdenklich und schloss den Wagen ab, sie betraten das Gebäude und schritten die Treppen zu ihrer Abteilung hoch. Sie stellten sich vor die Tür und warteten.
"Vielleicht hat Klaus sie dazu verdonnert?", kam es von Weber. Schließlich mochte es ihr Chef so gar nicht, wenn es Konflikte auf der Arbeit gibt.
"Womöglich", murmelte Martin und klopfte an der Tür als ihnen niemand öffnete. Kurz darauf hörten sie ein Rufen.
"Was?", sagte Michael irritiert. Fuchs hob die Hand, dann griff er nach seiner Schusswaffe und blickte zu seinem Streifenpartner, der sofort verstand und ebenfalls seine Waffe zog. Martin gab seinen Pin in das Gerät neben der Tür ein, der Summer ertönte. Vorsichtig drückte Michael die Tür auf während sein Partner mit der Waffe hinein zielte.
"Hier ist keine Gefahr! Stephan ist bereits weg, er hat Moritz in seiner Gewalt", erklang die Stimme ihres DGLs. Michael und Martin tauschten einen irritierten Blick miteinander bevor sie ihre Abteilung betraten. Weber begab sich sofort zu Tobias als er diesen entdeckte. Mit den Händen hinter dem Rücken saß er an der Wand gelehnt.
Martin entdeckte Klaus und Ilka als er an den Tresen schritt, er kniete sich zu seinem Chef runter um ihn zu befreien.
"W-Wie meinst du das, dass Stephan Moritz in seiner Gewalt habe?", fragte Martin. Sie hatten die beiden doch eben gesehen. Ihnen war nichts ungewöhnliches aufgefallen.
"Stephan… er hat uns alle getäuscht… Er hat Paul die Treppe hinunter gestoßen. Er weiß, wo sich Ben befindet… und jetzt hat er Moritz… ", erklärte Klaus und wollte es selbst nicht glauben. Er hatte das nie von Stephan erwartet, sowas erwartete er bei keinem Kollegen. Was hatte sein Mann veranlasst, dass er sie so hintergang?

"Sollen wir ihnen folgen? Wir haben den Wagen gerade noch gesehen?", fragte Martin und begab sich zu Ilka um sie von den Handschellen zu befreien.
"Nein, wir orten den Wagen. Das geht schneller als ohne Spuren durch die Stadt zu fahren. Die sind schon lange weg", sagte Klaus und lief auch schon zu einem Computer.
"Ich will, dass eine Streife zu Stephans Wohnung fährt und auch eine zu Fabians! Ich befürchte, dass Fabi doch nicht krank ist", rief Wiebel. Michael schritt direkt zum Funk um zwei Streifen zu informieren. Die restlichen Beamten begaben sich zu ihrem Chef, welcher versuchte den Wagen zu orten. Doch selbst nach einigen Minuten hatte er keinen Erfolg.
"Er wird die Kamera zerstört haben" , brummelte Klaus. Die Kameras in den Streifenwagen waren nämlich mit GPS ausgestattet. Stephan musste natürlich mitdenken.
"Und was jetzt?", fragte Tobias.
"Ich werde hoch zur Kripo gehen und ihr wartet auf die Antwort der Streifenwagen. Vielleicht finden wir in Stephans Wohnung etwas", meinte Klaus und verschwand auch schon aus der Wache.
Ilka ging zu Michael herüber, wartete mit ihm auf eine Antwort der Streifenteams, welche gerade losgeschickt wurden.

"Ich will das nicht glauben. Warum tut Stephan sowas? Hat er uns von Anfang an nur angelogen?", fragte sich Hübner, hatte die Arme verschränkt.
"Ich weiß nicht… so eine lange Zeit? Vielleicht steht er unter Druck?", murmelte Martin. Tobias blitzte ihn sauer an.
"Er hat uns Ben gezeigt! Ben sah furchtbar aus… als würde er am Rande des Todes stehen und Stephan hat sich nur darüber amüsiert. Dieser verdammte Dreckskerl", knurrte Tobi und spuckte die letzten Worte wortwörtlich aus.
"Was?", kam es ungläubig von Fuchs.
"Er hat uns ein Bild von Ben gezeigt! Ben war… er sah so schrecklich aus… seine Augen… sein kompletter Anblick", sagte Hübner und schluckte schwer, schaute zu Boden. Es war schrecklich. Was hatten diese Leute ihrem Kollegen angetan? Eine Hand legte sich auf seine Schulter.
"Wir werden Ben finden, lebend. Und auch Moritz werden wir retten und Stephan wird sich warm anziehen können", meinte Martin mit rauem Unterton. Tobias nickte nur, rieb sich kurz mit dem Ärmel über die Augen. Fuchs blinzelte, dann drückte er den zitternden Körper leicht an sich.
"Wir kriegen das schon hin", war er sich sicher. Sie würden ihre Kollegen retten können. Sie würden die Beiden niemals im Stich lassen und Stephan würde sich wünschen nie geboren worden zu sein, sollten sie ihn erwischen.

***

"Na dann, schauen wir mal", murmelte Dennis und öffnete die Wohnungstür ehe er mit gezogener Waffe eintrat. Jule blieb dicht hinter ihm.
Leise schlichen sie den Flur entlang, schauten hinter einige Türen. Doch es war alles save.
"Ich höre ein Piepen", murmelte Jule. Dennis nickte nur, dann näherten sie sich auf leisen Sohlen dem Geräusch. Mann stutzte etwas. Das Piepen kam ihm sehr bekannt vor, nur wusste er gerade nicht von wo. Ein merkwürdiges Gefühl beschlich ihn und er musste schlucken.
Schließlich hatten sie die Tür erreicht und öffneten sie langsam, traten in den Raum und blieben wie angewurzelt stehen.
"W-Was hat das zu bedeuten?", hauchte Jule, hatte den Blick auf das Bett gerichtet genauso wie ihr Partner.
"Ich dachte… Stephan hat doch Moritz entführt… warum liegt er dann hier?", murmelte Dennis, war gerade völlig überfordert mit der Situation. Polanski schritt vorsichtig zum Bett, musterte den schlafenden Mann und schaute dann zur Infusion hoch.
"Keine Ahnung, was das ist. Aber wir brauchen den Rettungsdienst hier und Klaus gleich mit", meinte Jule zu ihrem Kollegen. Dennis nickte bloß, dann griff er an sein Funkgerät um die Neuigkeiten Arnold zu melden. Polanski schaute wieder zu Stephan runter. Seine Gesichtszüge waren entspannt, sein Atem langsam und regelmäßig. Der Herzmonitor zeigte die ruhigen Herzschläge an. Jule verengte die Augen, konnte es nicht verstehen. Wie konnte Stephan hier liegen? Er hatte doch Moritz entführt oder war das gar nicht Stephan? Und wenn es so war, wer war es dann und wie konnte er sich so gut in ihren Kollegen hineinversetzen? Sie so täuschen, dass sie ihm ihr Leben anvertraut hatten?
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