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Der Kuss des Kjer – Epilog

Kurzbeschreibung
OneshotFantasy, Liebesgeschichte / P12 / Het
Lijanas Mordan
04.06.2021
04.06.2021
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Epilog


Kurz zuckte Lijanas zusammen, als die Tür mit einem Knall ins Schloss fiel. Schweren Schrittes kam Mordan, ein Tablett mit Früchten auf der rechten Hand balancierend, auf sie zu. Seine zusammengezogenen Augenbrauen drückten seinen Unmut über die Situation aus. Mit einer übertriebenen Verneigung stellte er das Tablett elegant neben sie. „Darf es sonst noch etwas sein – Herrin?“ Die Art, wie er das letzte Wort übertrieben hervorhob, ließ Lijanas kichern. „Nein, ich denke, ich bin fürs Erste versorgt. Vielen Dank – mein Diener.“
Mordan ließ ein leichtes Schnauben hören, als er Richtung Tür stapfte.
„Ach, Mordan?“ – Er stockte in seiner Bewegung, die Hand bereits an der Türklinge, und wandte sich um. Abwartend schaute er sie an. Sie erwiderte seinen leicht genervten Gesichtsausdruck mit dem unschuldigsten Blick, den sie aufsetzen konnte. „Würdest du noch so gut sein und mir das Messer reichen?“
Das ist pure Provokation von ihr. Eindeutig! Na warte … „Natürlich, Elljén!“ Mit nur mäßig unterdrücktem Zorn ob seiner Machtlosigkeit kam er zurück. Machtlos deshalb, da er wusste, dass Brachan mit seinen Rabenaugen an diesem Tag genau verfolgte, ob er seine Wettschuld ihr gegenüber auch fair einlöste. Jede andere Wettschuld – es hätte ihm nicht viel abverlangt. Nicht im Geringsten. Aber einen Tag ein Diener einer Frau zu sein? Er – der erste Heerführer unter König Haf… nein! Nicht mehr. Dafür Sohn einer Königin. Ein Prinz! Noch viel höheren Rangs, als er es sich jemals hätte vorstellen können. Und doch musste er sich diese Demütigung gefallen lassen und zum Gespött seiner Männer werden. Sicherlich würden sie ihn noch lange damit aufziehen. Dass sie auch unbedingt seine Wettschuld einfordern musste. Diese verflixte Wette …

Er hatte Lijanas damals unterschätzt. Hatte noch nicht gewusst, aus welchem Holz sie geschnitzt ist. Jetzt wusste er es, dachte er, während er in ihr schönes Gesicht blickte. In dieses engelsgleiche Gesicht. Die Narbe an ihrer Schläfe bemerkte er kaum noch – und selbst wenn doch, hätte es ihren Anmut oder gar seine Gefühle für sie nicht geschmälert. Wut stieg in ihm hoch, als er daran dachte, wie Ahmeer auf ihre Narbe und die wunderschön funkelnden Schuppen auf ihren Armen reagiert, wie er sie behandelt hatte. Er ballte seine Fäuste. Unter seinem Schutz würde ihr niemand mehr etwas zu leide tun! Er konnte sein Glück immer noch nicht recht fassen, dass sie seine Gefühle erwiderte und empfand sich als den glücklichsten Mann, sie an seiner Seite zu wissen. Also konnte er ihr wohl diesen Triumph über ihn, diesen kleinen Spaß gönnen – aber auch nur diesen einen Tag, Cogén hin oder her!

Als er bei ihr ankam, war sein Zorn bereits verflogen, so schnell, wie er gekommen war. Er griff das Messer, das nur unweit neben Lijanas auf der Kommode lag, und reichte es ihr, seine Mundwinkel zu einem zynischen Lächeln verzogen. „Kann ich denn sonst noch etwas für Eure Majestät tun, wenn ich schon einmal hier stehe? Euch füttern vielleicht? Eure Füße massieren? Ich habe heute noch nichts Besseres vor, als mich von Euch herumkommandieren zu lassen …“ Seine sturmgrauen Augen fixierten Lijanas. Das zweite Auge war inzwischen fast vollständig verheilt. In seiner Miene veränderte sich etwas, Schalk blitze auf. „Vielleicht sollte ich dich auch einfach in den Kerker sperren lassen, aufgrund demütigenden Verhaltens dem Prinzen gegenüber? Oder dich doch lieber selbst züchtigen? Schließlich bist du bald mein Eheweib und ich bin ein ungehobelter Kjer, erinnerst du dich?“

Zu früheren Zeiten hätten seine Worte Unwohlsein oder vielleicht sogar Angst in ihr ausgelöst, wo sie doch nie recht gewusst hatte, welche seiner Drohungen er in die Tat umsetzen würde. Doch nun … „Vielleicht sollte ich mir dann doch einen anderen Prinzen suchen, der seiner Verlobten nicht mit leeren Drohungen daherkommt und sich vor seinen Wettschulden zu drücken versucht? Was meinst du?“ Süffisant hatte sie seinen leicht drohenden Unterton erwidert, während sie beobachtete, wie sich seine gelassene Miene verdüsterte.
„So viel zum Thema Liebe!“
„Du hast angefangen“, grinste sie neckisch.
„Pah!“, stieß er aus, als er sich unvermittelt auf sie stürzte und ihren überraschten Aufschrei in einem wilden Kuss erstickte. Nach kurzer Zeit wurde der Kuss sanfter, inniger. Nur langsam löste sich Mordan von Lijanas und schaute in ihre Emeraldaugen. „Ich liebe dich. Habe ich dir das eigentlich schon einmal gesagt?“ Ernst war in seine Stimme gekehrt.
„Ja, das hast du.“ Unwillkürlich musste sie an seine geflüsterten Worte an ihrem Ohr denken, als sie ihn damals im Lager, brutal von Ahmeer und seinen Männern zugerichtet, aufzufangen versucht hatte. Ein Schauer lief über ihren Rücken. Es war mir eine Ehre, dich zu lieben. Es war diese Endgültigkeit in seinen Worten gewesen, die sie so erschüttert hatte. Das Bewusstsein, dass dies vermutlich die letzten Worte sein würden, die er aussprechen oder sie von ihm vernehmen würde. Und in diesem Moment hatte sie es geglaubt. Dass sie ihn nie wiedersehen würde, um ihm zu sagen, dass sie seine Gefühle erwiderte. Dass sie insgeheim seit langem gewusst hatte, dass sie Ahmeer nicht mehr liebte, oder vielleicht nie wirklich geliebt hatte. In diesem einen Moment hatte die grausame Ausweglosigkeit der Situation mit ihren Krallen nach ihr gegriffen und sie glauben lassen, dass nichts je wieder so sein würde, wie es einst war.

Noch nicht einmal zwei Mondläufe waren seitdem vergangen – und in der Tat hatte sich alles geändert. Würde nie wieder so sein, wie zuvor. Verträumt schaute sie zu ihm hoch.
„Und?“, fragte er. „Müsstest du jetzt nicht so etwas sagen wie: ‚Ich liebe dich auch – du machst mich zur glücklichsten Frau dieser Welt‘ – oder so etwas?“
Dieser Arrogante … „Glücklich würdest du mich machen, wenn du nicht mit solch billigen Manövern versuchen würdest, von deiner Wettschuld abzulenken!“ Mit einem belustigten Blick gab sie ihm einen neckischen Schubser. „Es hat noch nicht einmal zum Mittag geschlagen und der Tag als mein Leibeigener dauert noch ein wenig an!“
Mit einem Grummeln löste er sich aus seiner perplexen Starre und stand auf.
„Nie wieder eine Wette mit einer Frau! So viel steht fest!“, murmelte er vor sich hin, als er sich erneut Richtung Tür wandte.

„Ach, Mordan?“
Unwirsch drehte er sich zu ihr um.
„Ich liebe dich auch – und du machst mich zur glücklichsten Frau der Welt!“
Sie wartete ab, bis sich sein Gesicht erhellte, und setzte wieder ihre süffisante Miene auf. „Würdest du mir jetzt vielleicht noch Wein zum Obst bringen?“
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