Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Circle (1) - afraid of what’s inside

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Hermine Granger Lucius Malfoy
04.06.2021
11.06.2021
3
11.126
11
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
11.06.2021 3.930
 
Die gute Nachricht ist, ich habe die Geschichte fertig. Sie wird ca 30k Wörter umfassen. Die schlechte Nachricht ist, sie hat sich derart selbstständig gemacht, wie ich es selten beim Schreiben erlebe. Es war, als hätten Hermione und Lucius ein Eigenleben entwickelt, was extrem stark ist. Nun, ich habe in der KB drei tags ergänzt, eins davon #mindfuck. Ich denke, wenn ihr am Ende angekommen seid, wisst ihr, was ich meine ^^ Fakt ist, die Story wollte weitergeschrieben werden und inzwischen arbeite ich an einem weiteren Teil. Allerdings will ich festhalten: dass es nicht sicher ist, ob ich ihn posten werde. Es kommt wirklich viel auf die Rückmeldungen, Empfehlungen, Sterne, Favoriteneinträge, Klicks usw. an. Der zweite Teil wäre nämlich derart schräg, dass ich mir nicht so sicher bin, wie der ankommen wird (und ob ich mir besser die Mühe ersparen soll, was schwer ist, wenn mich die Beiden zum Schreiben drängen!). Wie auch immer, lasst mir gern eure Meinung da , das würde mir schon viel helfen.

Ach so: und ich werde wohl ab sofort freitags posten (Wochenende ist immer schwierig).

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------




„Granger …“, sagte Draco tonlos. Hermione erschrak ein bisschen. Einmal hatte sie Draco nicht hier erwartet, zum Anderen sah er schrecklich aus. Er konnte vor Müdigkeit kaum aus den Augen schauen, war bleich wie ein Bettlaken und seine Hand zitterte ein bisschen, als er sich damit durch die Haare fuhr.

„Lass mich raten, du willst etwas gegen nervöse Zustände?“

„Du liegst in der letzten Zeit ganz schön daneben. Ich bin nur hier, um etwas für meinen Vater abzuholen.“

„Oh“, sagte sie nur und beeilte sich nach hinten zu kommen, um die Bestellung zu suchen. Draco Malfoy, sie verabscheute ihn noch immer. Niemals hatte er sich bei ihr entschuldigt, auch wenn sie zugeben musste, dass er seit der Endschlacht nie wieder gemein zu ihr gewesen war. Freundlich aber auch nicht. Sie fand die Bestellung. Es war ein Mittel, gemacht aus Zikadenspeichel, einer Somniawurzel und Belladonna, gemischt mit drei unterschiedlichen Zaubern. Ein Schmerz- und Beruhigungsmittel, soweit sie sich in der magisch-pharmazeutischen Materie auskannte.

„Wie geht es deinem Vater?“, fragte sie scheinheilig, als sie Draco die Arznei in eine Papiertüte packte.

„Als ob dich das interessiert, Granger“, flüsterte er und erwiderte ihren Blick nicht. Hermione musterte ihn ungeniert und musste zugeben, dass sie seinen elenden Zustand genießen konnte. Sie alle hatten Probleme der unterschiedlichsten Art. Manche psychisch, wie sie. Bei anderen sah man die Folgen des Krieges am Leib, wie bei Draco. Er war noch nie kräftig gewesen, doch gerade wirkte er dünn und krank. Mitleid gab es in ihr nicht.

„Doch, das tut es. Weil ich wissen muss, ob wir die Menge der Zutaten anpassen müssen.“ Lauernd beobachtete sie Draco. Draco war wie ein Fluchttier, was panisch die Ohren anlegte. Er zögerte, schluckte schwer und mehrmals, wobei sein Adamsapfel deutlich hüpfte, und erwiderte pampig mit kraftloser Stimme:

„Beschissen. Was glaubst du, wie es einem nach Azkaban geht? Er leidet! Zufrieden?“ Interessant, dachte sie und versuchte seine Information mit dem Lucius Malfoy abzugleichen, der sie des Nachts durch den Wald jagte. Was passte da nicht zusammen?

Und wieder bekam sie den Eindruck, dass ihr Verstand ihr etwas vorgaukelte, dass mit ihr etwas nicht stimmte und sie Malfoy niemals im Wald getroffen hatte.

„Du bist so widerlich, Granger. Und da tut ihr alle immer so auf menschlich und freundlich …“, ätzte Draco, weil sie ihm nichts antwortete.

„Eh, ich …“

„Vergiss es. Hier!“ Er warf ihr die Sickel so entgegen, dass sie nach unten fielen und sie sich bücken musste, um sie aufzusammeln. Als sie wieder hochkam, war Draco weg.





„Das ist gut, Hermione. Du wirst merken, du wirst bald wieder zu dir zurück finden. Alleinsein kann Wunder bewirken.“ Lula war begeistert über ihre Entscheidung aus dem Fuchsbau auszuziehen und sich von Ron zu trennen. Was Lula nicht erfuhr, war die Tatsache, dass sie nicht allein war. Zumindest nicht Gedanken. Denn da verfolgte sie Lucius Malfoy nach wie vor. Hermione nickte nur.

„Hast … fühlst du dich erleichtert, Hermione? So, als wenn viel Druck von dir genommen wurde?“

„Nein, eigentlich nicht.“

Druck war ihr Antrieb, ihre Motivation ihr Bestes zu geben. Aber war das auch in Beziehungen so? Wohl eher nicht. Lula wirkte enttäuscht. Anfangs hatten sie einen echten Draht zueinander und Hermione war es nicht schwer gefallen mit der netten Lula auch über intimere Dinge zu sprechen, wie ihre kriselnde Beziehung zu Ron. Doch jetzt war irgendwie die Luft raus. Hermione hatte nicht mehr das Bedürfnis über sich zu sprechen. Es gab nichts. Nur ein kleines Zimmer, ein leeres Herz und die ständigen Gedanken an Malfoy und wie sie ihn besiegen könnte, ohne, dass sie ihn töten müsste. Müsste sie sich nicht haltlos schlecht fühlen? Aber außer dieser unbestimmten Angst, war nichts in ihr.

Kein Bedauern ihren Freunden gegenüber, kein Mitleid mit Kreaturen wie Draco, keine Sehnsucht nach ihrer Beziehung mit Ron, nicht der Wunsch nach der Gemütlichkeit des Fuchsbaus und auch nicht nach dem Halt, den eine große Familie und ein Freundeskreis geben konnte. Ihre eigenen Eltern waren noch in Australien und wenn es nach Hermione ging, würden sie dort bleiben. Aus dem schäbigen Grund, weil sie ihnen keine Rechenschaft ablegen und keine Verpflichtungen haben wollte. Aber nicht mal für diese nüchternen Gedanken schämte sie sich.

„Gib dir Zeit und sei ganz du selbst. Niemand schreibt dir vor, wie du zu sein hast. Wenn du herausfindest, wer du bist, kommen die Gefühle von ganz allein zurück.“

Mit einem angestrengten Lächeln auf den Lippen verabschiedete Hermione sich von der Therapeutin.





Als sie nach ein paar Besorgungen zurück in ihr kleines Zimmer kam, glaubte sie ihren Augen nicht zu trauen.

Auf ihrem Bett lag eine Todessermaske und daneben ein Zettel:

„Ich leihe sie dir. Sie wird dir helfen!“

Bei was wird sie mir helfen? Dachte sie mit schnell klopfendem Herzen und warf die Maske erbost durchs Zimmer. Nicht nur, dass er scheinbar wusste, wo sie wohnte, er war auch noch spurlos (denn der Türzauber war intakt gewesen) eingebrochen! Es wäre ja wohl das Allerletzte, wenn sie nun eine Todessermaske tragen würde, wo sie vor noch nicht allzu langer Zeit genau die bekämpft hatte, die sie trugen.

Malfoy war ja wohl nicht mehr bei Sinnen, wenn er glaubte, dass sie sich diesem perversen neuen Spielzug beugte! Seinen Brief ließ sie in Flammen aufgehen. Immer wieder fiel ihr Blick nun im Laufe des Abends auf die Maske, die halb unter das Bett gefallen war.

Hermione begriff nicht, was Lucius beabsichtigte. Er wollte sie jagen, um sich zu regenerieren, oder seine erlangte Gesundheit nicht wieder zu verlieren? Aber warum machte er aller Welt weiterhin den kranken, gebrochenen Mann vor? Weil es schäbig war, woher er seine neue Lebenskraft hatte? Sicherlich. Aber vielleicht war es nicht nur moralisch verwerflich und verboten, sondern einfach ein spektakuläres Geheimnis, was er unbedingt für sich behalten wollte. Verständlich, wenn es das war, was Hermione glaubte. Ein Jungbrunnen. Aber ebenso unmöglich.

Aber warum ausgerechnet sie? Harry Potter war es gewesen, der allem ein Ende gemacht hatte. Sie war nur ein Drittel des Teams gewesen. Warum nahm sich Malfoy nicht Ron oder Harry vor? Weil sie nicht weiblich waren – wie arrogant? Warum nicht Ginny, die durchaus auch ein Teil des Erfolges gewesen war? Hinter dieses Geheimnis kam Hermione nicht.

Sie wusste nur, dass Malfoy sich an ihr rächen wollte, indem er sie jagte und sich damit lebendig machte. Nur warum ging sie zu ihm? Weil er sie lebendig machte, dachte sie die Antwort und nahm die Maske wieder in die Hand. Sie drehte sie, untersuchte sie, aber es war und blieb ein abscheuliches Stück Geschichte, tot und doch gerade sehr lebendig in ihrer Hand. Eigentlich ein Stück Magie und nur mehr, wenn man sie materialisierte. Das hatte er getan. Für sie? Es war in der Tat Lucius‘ eigene Maske, das fühlte sie deutlich. So kalt wie sie in ihren Händen war, konnte sie nur ihm gehören. Kalt wie seine Finger, nicht seine Lippen.

„Nettes Geschenk, Arschloch!“, sprach sie laut, um sich daran zu erinnern, wie verabscheuungswürdig er war und dass sie nichts mit ihm zu tun haben wollte. Da würde sie ja noch eher mit Draco essen gehen, dachte sie zynisch. Vor ihrem geistigen Auge sah sie Draco und versuchte wirklich ein paar Momente verzweifelt Mitleid zu empfinden. Nichts.

Es war nur Draco Malfoy, der gemeine Kerl, der sie aufs übelste beschimpft und beleidigt hatte. Er hatte sie tyrannisiert und mehrmals fast den Tod einer ihrer Freunde verursacht. Nur war Draco dabei nie so anziehend wie sein Vater gewesen. Dachte sie das gerade wirklich? Hermione drehte sich auf den Bauch und brüllte in ihr Kissen.

Nicht mal Tränen kamen und die Wut war nur gespielt. Etwa eine Stunde konnte sie sich im Bett halten, dann stand sie auf und zog sich um. Wieder ganz in Schwarz, griff sie nach der Maske.

Malfoy wollte spielen? Er bekam sein Spiel. Und sie würde Informationen bekommen. Etwas in Hermione sagte, dass die Lösung aller Rätsel und vielleicht auch das ihrer eigenen Gefühlskälte im Wissen um Malfoys „Jungbrunnen“ lag. So nannte sie seine geheim gehaltenen Absichten. Kurz dachte sie daran zu Harry zu gehen, mit ihm über alles zu sprechen, doch die Idee ließ sie fallen, als sie begriff, dass sie nicht drum herum kommen würde, allen zu sagen, dass ihr alles und jeder gleichgültig, ihre Gefühle nur geheuchelt waren, und sie nur fühlte, wenn Malfoy sie wie ein Tier durch den Wald jagte. Das brachte Hermione einfach nicht über sich.

Mit der Maske zusammen, verließ sie ihr Zimmer und begab sich in den schicksalhaften Wald.



Es war wärmer als das letzte Mal. Der Mond war sichtbar, war zwar nur die Hälfte, aber leuchtete in einem dunklen Gelb. Wie das letzte Mal, apparierte sich Hermione zur Eiche und dort wäre es fast zu einem Drama gekommen. Zum Glück hatte sie den Ort, an dem sie materialisieren würde, nicht direkt an den gigantischen Wurzeln des Baumes gewählt, sondern leicht nördlich, in einer Bodenabsenkung. Noch als sie einen schnellen Blick zum Mond warf, hörte sie es. Geflüster, Stöhnen. Menschliche Geräusche, vermutlich beim Sex. Schon als sie loslief, neugierig, ob es Malfoy war, verstummten die Geräusche. Auch sie blieb stehen, lauschte und wurde plötzlich von hinten zu Boden gerissen. Ein Zauberstab bohrte sich in ihren Hals und eine männliche Stimme zischte:

„Spionierst du?“ Hermione war kurz verdutzt, erkannte aber auch gleich Zabinis Stimme.

„Blaise? Ich bin es, Hermione Granger!“, flüsterte sie rau, was Zabini nicht mehr als ein kaltes Schnauben abforderte.

„Deswegen meine Frage: Spionierst du uns etwa nach?“

„Was? Nein! Ich weiß gar nicht, was du meinst! Nimm die Waffe runter und …“

„Verschwinde, ich halte Granger auf!“, rief er laut, nicht zu ihr. Hermione sah allerdings nicht, wem er es zurief und hörte leider auch keine Antwort. Jetzt war sie doch sehr interessiert am zweiten Part des Duos. Es schien eine prekäre Angelegenheit zu sein, wenn man sie der Spionage verdächtigte. Verboten.

„Ist das jetzt Standard, Granger? Spionieren die Guten jetzt etwa die Verlierer aus? Um uns unter Kontrolle zu halten?“

„Uns? Du warst ein Kind, wie wir alle, Zabini!“, knurrte sie, „Kein Todesser, nur auf der falschen Seite, geblendet, fehlgeleitet und missbraucht.“

„Ach blablabla, hör dir doch zu. Spar dir dein Getue und sag mir, was du hier willst. Ist das der neue Treffpunkt für alle Gescheiterten?“ Hermione begriff einfach nicht, was ihr Blaise unterstellen wollte. Immerhin nahm er den Zauberstab weg. Sein Oberkörper war nackt, der Gürtel seiner Hose noch offen.

„Obwohl ich dir sicherlich keine Rechenschaft schuldig bin, ich komme oft her, um zu wandern.“

„Nachts?“, fragte er zurecht misstrauisch.

„Na und? Ich habe Licht, es gibt gut begehbare Wanderpfade und ich bin hier normalerweise allein“, log sie, ohne schlechtes Gewissen. In diesem Moment war Hermione heilfroh, dass sie die Maske unter ihre Jacke gesteckt hatte. Zabini würde definitiv Fragen stellen, wenn sie eine Todessermaske in der Hand hätte.

Argwöhnisch musterte er sie im Licht seines Zauberstabs.

„Binde dir eine Glocke um, Granger!“, sagte er dann nur garstig, griff sich seine Klamotten und disapparierte, ohne, dass sie ihm eine schnippische Antwort gegeben hatte, die sich in etwa so angehört hätte:

Und du verhütest hoffentlich. Niemand braucht mehr von deiner Sorte!

Laut sagte sie: „Verflucht!“

Gab es hier im Wald neuerdings etwas umsonst, oder warum zog es die Magiebegabten, die Hexen und Zauberer hierher? Und mit wem hatte hier Zabini sein Unwesen getrieben? Ihre Neugier war noch da. Im Geiste ging sie alle möglichen Ex-Freundinnen Zabinis durch, mögliche neue oder auch welche, die noch nicht in Frage kamen. Während sie das tat, lief sie los, instinktiv in die übliche Richtung. Sie holte die Maske aus der Jacke, drehte sie in den Händen, spürte die Kälte, die von ihr ausging und hielt sie sich probeweise vors Gesicht.

Das war ein Fehler. Augenblicklich presste sich die Maske gegen ihr Gesicht, als wären es zwei Magnete, die sich dringend vereinigen müssten. Die Maske passte sich ihrem Gesicht an und sorgte dafür, dass Hermione zu Tode erschrocken auf die Knie fiel. Sie bekam keine Luft, japste, hatte Panik und versuchte die Maske mit ihren Händen vom Gesicht zu reißen. Erfolglos. Sie war fest und magisch mit ihrem Gesicht verbunden. Hermione heulte auf, schrie und kam wieder hoch.





Weil es ungewohnt war, ihre Sicht durch die Augenlöcher verändert war, taumelte sie. Arme hielten sie fest und seine Stimme war vergnügt.

„Atmen! Los, atme, Mädchen!“ Sie tat es und beruhigte sich innerhalb weniger Atemzüge so weit, dass sie sich aus seinen Armen winden konnte.

„Ich wusste, du würdest nicht widerstehen können, Granger. Sehr durchschaubar. Wie gefällt dir die Maske?!“

„Sie ist abscheulich! Mach sie weg!“, fauchte sie, hörte sich selbst aber wie in einer Blechdose an, nicht ernst zu nehmen. Lucius stand vor ihr, das weiche Licht des Mondes erhellt vage seine Gestalt. Groß, schwarz und … mächtig. Das war absurd, rief sich Hermione zur Vernunft! Vielleicht war Malfoy wieder wie durch Wunderhand gesundet, mächtig war er deswegen noch längst nicht.

„Nein! Tue ich nicht. Aber du kannst selbst dafür sorgen.“

„Wie?“ Hermione wich einen Schritt zurück, stolperte über eine Erdanhäufung und strauchelte. Sie fiel auf ihren Hintern und Malfoy war sofort über ihr.

„Indem du wegläufst, dich versteckst und versuchst zu gewinnen. Mach es mir doch mal ein wenig schwerer. Ich habe das Gefühl, ich spiele mit einem Kind, dabei sollst du mächtig sein …“ Sein Gesicht war nah vor der Maske. Diesmal spürte sie die Hitze seiner Aggression nicht so gut, geschützt durch die Kühle der Maske. Das wiederum machte es ihr leichter sich zu wehren.

„Ich spiele nicht mit! Das hier, ist lächerlich. Sag mir lieber, wie das funktioniert. Wie kann dieser Jagdunsinn dich … lebendig machen?“ Lucius lachte. Nicht laut, nicht leise, tief und erheitert. Sein Lachton vibrierte in ihrem Magen, verursachte ihr Übelkeit und eine Region tiefer, ungestüme Lust. Vollkommen gegensätzliche Empfindungen.

„Glaubst du ernsthaft, ich verrate dir das Geheimnis? Vielleicht findest du es raus, wenn …“ Lucius hielt ihr seine Hand hin, um ihr hochzuhelfen. Nach einem kurzen Zögern, griff sie danach. Wieder war seine Hand kühl, eher tot als lebendig. Ruckartig zog er sie zu sich heran, packte ihre Hüften und presste ihren Körper gegen seinen. Er war in der Mitte hart, nicht zu überfühlen.

„… du tust, was ich will. Renn! Habe Angst, verstecke dich, weine und versuche zu gewinnen.“ Hermione war verwirrt. Sie gefiel sich in seinen Armen, begann sich wohlzufühlen, da stieß er sie schon wieder weg.

„Los!“, befahl er harsch und warf einen Zauber auf sie, den sie gerade noch so blocken konnte.

„Nein! Reden wir! Ich …“ Aber Lucius hörte nicht mehr zu. Im Gegenteil, er deckte sie derart mit gar nicht so harmlosen Zaubern ein, dass sie irgendwann keine Wahl hatte. Hermione drehte sich und rannte los. Ihr Herz jagte dabei wie das eines Hasen, welcher von Jagdhunden gejagt wird. Ebenso schlug sie Haken, wie besagter Hase. Malfoys Zauber verstummten nach einer Weile. Schockiert merkte sie, dass er sie an der Schulter getroffen hatte. Blut war an ihrer Hand, als sie danach griff.

Der leichte Schmerz hielt sie nicht davon ab, weiterzulaufen. Ihre einzige Chance war, ihn zu überrumpeln. Wenn er sie mit Zaubern attackierte, könnte sie ihn töten, dann wäre es Notwehr. Die Todessermaske hatte durchaus einige gute Eigenschaften. Einmal kühlte sie ihr erhitztes Gesicht, sie hielt die Zweige ab, die ihr sonst ins Gesicht geschlagen wären und sie machten sie kaltblütig genug, um zu denken.

Als ihre Beine überanstrengt zitterten, blieb sie stehen und lauschte.

„Granger … ich finde dich!“, hörte sie ihn. Seine Stimme kam von überall. Wie sie sein Spiel hasste, wie sehr sie ihn dafür verachtete, wie lebendig es sie machte. Kurzentschlossen, kletterte sie auf einen Baum und wartete auf ihn. Es war schwer, ihren Atem zu beruhigen. An die Maske hatte sie sich noch immer nicht gewöhnt. Sie war wie ein Gefängnis und noch dazu war sie irritiert, weil sie immer der Meinung war, dass diese Masken nur im Zusammenhang mit Voldemorts Magie funktionierten. Offensichtlich nicht.

Endlich kam er. Wie aus dem Nichts. Hermione hatte noch nicht herausgefunden, wie Lucius Malfoy das machte. Plötzlich stand er unter dem Baum, den Zauberstab in seiner rechten Hand, wartend.

„Granger? Eine Träne, wenn ich bitten darf!“, forderte er leise. Der magische Hall warf seine perverse Forderung tausendfach durch den Wald. Hermione beobachtete, wie er sich kurz zwischen die Beine griff.

„Verdammt!“, knurrte er, leise, nicht magisch verstärkt. Hermione musste grinsen und sprang ihm direkt vor die Füße, in der Hoffnung, er würde sie aus Schreck angreifen und ihr die Berechtigung geben ihn zu töten. Aber Malfoy hob auf der Stelle seine Arme und ließ seinen Zauberstab fallen. Hermione schaffte es in der letzten Sekunde an ihm vorbei zu zielen.

„Wunderbar“, kommentierte er trocken.

„Du elender Mistkerl!“, heulte sie empört auf.

„Netter Versuch, aber daneben. Du hast nicht geweint, also lauf weiter!“, forderte er kalt.

„Erst will ich Antworten!“, verkündete sie tapfer. Lucius hob seinen Zauberstab nicht mal auf. Er kam auf sie zu, packte sie grob an den Oberarmen und zischte sie an.

„Du bekommst, was du verdienst, Granger. Zu wollen, hast du hier gar nichts. Wegen dir ist meine Familie kaputt!“ Zum ersten Mal klang Malfoy nicht kaltblütig und vergnügungssüchtig, sondern ehrlich rachsüchtig und verletzt.

„Das ist Unsinn. Es war Krieg. Wir alle haben getan, was getan werden musste!“

„Manche wohl mehr als notwendig. Meine letzte Aufforderung! Renn um dein Leben!“ Etwas in seiner Stimme, glitt wie ein Eiszapfen durch sie hindurch. Schmerzhaft und unmissverständlich.

Ihr Herzschlag im Hals, floh sie. Kopflos diesmal, hoffnungslos und doch mit der perfiden Freude an der aussichtslosen Lage. Jetzt kamen auch die Tränen, aufgrund Malfoys Hartherzigkeit. Wie hatte sie glauben können, mit diesem unnachgiebigen Mann reden zu können? Er wollte jagen, nicht mehr. Nicht reden, nichts anderes, wenn sie sein verärgertes Verdammt richtig interpretierte.

Es musste so kommen. Hermione blieb mit dem Fuß zwischen bösartigen Wurzeln hängen und knallte so hart mit dem Kopf gegen einen Baum, dass sie das Bewusstsein verlor.





Zu sich kam sie in Lucius‘ Armen. Er saß und hatte ihren Kopf und Oberkörper auf sich gezogen. Die Maske war weg und anfangs holte Hermione hektisch Luft, obwohl sie durch die Maske auch gut atmen konnte.

„Was ist …“, begann sie krächzend und tastete ihren Kopf ab. Die Wunde, wenn es eine gab, war geheilt und der fehlende Schmerz an ihrer Schulter, sagte ihr, dass Malfoy auch die geheilt hatte.

„Verloren, Granger. Vorhersehbar. Ich wusste immer, dass du zu Unrecht hochgelobt wirst. Bist halt doch nicht mehr, als ein Schlammblut. Mit Ambitionen zwar, aber dem Herzen eines Hasen.“ Hermione war noch zu konfus, um sich gerecht über seine gemeinen Worte zu empören.

Mühselig befreite sie sich von ihm, kam aber nicht weiter, als bis auf die Knie. Man konnte zwar offene, blutende Wunden heilen, nicht aber eine leichte Gehirnerschütterung. Hermione schwindelte und ihr war übel, deswegen blieb sie knien. Malfoy beobachtete sie und warf ihr plötzlich die Maske zu.

„Behalte sie. Du hast sie dir verdient.“ Ich will sie nicht, dachte sie, steckte sie aber unter die Jacke. Ihr Kopf und ihr Herz waren schon längst nicht mehr im Einklang.

„Ich will das nicht mehr“, wimmerte sie jäh und schluchzte. Malfoy stand auf und zerrte sie nicht gerade sanft nach oben.

„Heul zu Hause, hörst du!? Dahin schaffst du es doch, oder Granger?“

Sie nickte, schüttelte den Kopf und schluchzte, bis seine Hände sie grob packten und ihn zwangen sie im uringelben Licht des Mondes anzusehen. Heute reflektierten seine Augen nur wenig, erst später würde Hermione begreifen, dass es an seinen geweiteten Pupillen lag.

Sein Mund brachte sie aus dem Rest ihres Konzeptes zu siegen und ihn zu vernichten.

Erst war sein Kuss kühl und zurückhaltend, für etwa zwei Sekunden. Dann klammerte sie sich an ihm fest, zog ihn näher, saugte sich an seinem Mund fest. Gierig, weil sie endlich mal wieder was spürte. Verlangen, dunkel und heiß durchzuckte es sie.

Lucius stöhnte finster auf, zog sie näher, drückte seinen Unterleib gegen sie und verschlang ihren erschrockenen Aufschrei. Heiße Hitze ergoss sich zwischen ihren Schenkeln, machte sie atemlos und dumm. Hermione umfasste sein Gesicht. Es war warm, wärmer als sie dachte. Geh nicht, lass mich nicht gehen!

Dachte sie und schwieg. Was gerade geschah, ging über ihren Horizont und entgegen jeglicher Vorstellung von Selbstrespekt. Malfoy küsste sie hungrig wie ein Wolf und sie animierte ihn, weil es der einzige Moment ihres Lebens war, in dem sie fühlte.

Dass es ausgerechnet auch der Wolf war, der sie grob von sich stieß und auf sein Essen verzichtete, war denkwürdig.

„Nein, Granger! Darum geht es nicht. Verschwinde, oder ich vergesse mich!“



Um Atem ringend, machte sie ein paar Schritte und disapparierte, ehe sie noch Dummheiten machen würde. Was war nur mit ihr los? Die Maske warf sie gleich beim Eintreffen in ihrem Zimmer unters Bett. Nie wieder wollte sie das Abbild ihres inneren Monsters sehen! Malfoy hatte sie gezwungen, sich selbst zu begegnen. Nur ihm hatte sie ihre abgrundtiefe Verwirrung zu verdanken.

Wenn sie wenigstens weinen könnte.

Jetzt nicht mehr. Hier war nicht der Wald, hier war kein Wolf hinter ihr her, um sie zu zerfleischen. Hier war sie Hermione, die sich nun ihre Hand in den Slip schob, um sich zu berühren. Dort war es noch empfindlich und feucht. Mit einem ungewohnt hemmungslosen Stöhnen, kam sie nur wenige Fingerbewegungen später, seine Lippen auf ihrem Mund.

Und selbst die Scham blieb aus.





Nur andere fühlten sie, unbemerkt von Hermione, die inzwischen in ihrer eigenen Welt lebte.

Ginny traf sie am Morgen, bei einigen Besorgungen in der Winkelgasse. Ginny lächelte ihr zu, hielt ihr ein Croissant hin und sie setzten sich auf eine Bank.

„Wie lebt es sich so allein?“, fragte Ginny neugierig.

„Es ist in Ordnung und ja auch nicht für immer“, erwiderte sie emotionslos. Ginny seufzte recht unerwartet tief. Interessiert drehte sie sich ihrer Freundin zu.

„Ist … etwas passiert, Ginny? Geht es Ron … nicht gut?“ Sollte sie ein schlechtes Gewissen haben? Fühlte sich nicht so an.

„Doch, doch, ihm geht es gut, soweit ich weiß. Aber diese dumme Therapie … verwirrt mich nur.“

„Ach ja?“, erwiderte Hermione, schon wieder desinteressierter.

„Ich habe das Gefühl, mich gar nicht mehr zu kennen.“

„Hm.“

„Wanderst du noch?“ Die Frage kam überraschend.

„Ja, wieso? Willst du mal mit?“ Ginny errötete und schaute auf ihre Hände.

„Ich denke drüber nach. Sagst du mir Bescheid, wenn du das nächste Mal gehst?“ Hermione fühlte spontane Abscheu, nicht nur vor Ginnys Wunsch, sondern auch vor ihrer Freundin.

„Klar“, sagte sie so leichthin, nicht gewillt Ginny je mitzunehmen. Schon gar nicht nachts, zur Jagd.

Hermione errötete heftig, als sie an Malfoys Erektion dachte, die ihr und ihm sagte, wie unberechenbar Folgen waren. Kriegstrauma, Erektionen, Monster unter dem Bett.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast