Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Als mir die Sonne zu nah kam

GeschichteDrama, Romance / P16 / Het
Ami Mizuno / Sailor Merkur Makoto Kino / Sailor Jupiter Mamoru Chiba / Tuxedo Mask / Endymion Minako Aino / Sailor Venus Rei Hino / Sailor Mars Usagi "Bunny" Tsukino / Sailor Moon / Serenity II
02.06.2021
11.06.2021
2
3.553
5
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
11.06.2021 1.542
 
Usagi
„Ich kann aber heute wirklich nicht kommen.“ Ich ging auf und ab und blickte in den Spiegel.
„Aber ich habe heute sturmfrei!“, flehte Minako. Ihre Stimme, welche aus dem Hörer kam, nervte mich im Moment ungemein. Ich musste zur Arbeit und hatte keine Zeit für irgendwelche Abende zum Rumlungern. So gern ich auch wieder in der Mittelstufe wäre, ging es momentan einfach nicht.
„Minako.“, sagte ich nun steif und merkte wie mein Gesicht sich anspannte. Ihr Jammern verstummte.
„Ich würde liebend gerne kommen, aber heute geht es einfach nicht. Habt ihr euren Spaß, wirklich.“
Minako schwieg weiterhin und ich bemerkte, dass sie mein Ton verletzt haben musste. Er war einfach nur abweisend und harsch. Ich nahm mein Gesicht in die Hände und versuchte selbst nun meine aufkommenden Tränen zurückzuhalten. Wieso ich noch immer so ein Problem mit dem Weinen hatte, wusste ich nicht, doch es würde mir noch früh genug zum Verhängnis werden.
So wütend kannte ich mich aber selbst nicht. Ich atmete tief ein und entspannte meinen Kiefer, welchen ich unbemerkt angespannt hatte.
„Um elf kann ich da sein.“, gab ich schließlich nach.
„Ich liebe dich, Usagi! Snacks und Alkohol habe ich schon gekauft, du musst nur deinen Pyjama mitbringen und schon ist es wie damals in unserer Schulzeit.“
Minako trällerte nun wieder glücklich. Ich konnte sie praktisch vor mir stehen sehen. Sie strahlte vermutlich.
Der Gedanke ließ mich selbst schmunzeln, doch meine Laune verbesserte sich nicht unbedingt. Im Spiegel sah ich meine müden Augen und fing parallel zum Gespräch an mich zu schminken, damit ich gleich wacher aussehen würde.
„Also ich habe gedacht, dass wir diese Serie weiterschauen könnten, welche wir das letzte Mal angefangen habe.“
Ich stockte.
„Wir haben die doch vor mehreren Wochen angefangen.“, erinnerte ich sie und verblendete das Makeup schon mittlerweile. Meine Augen wirkten augenblicklich aufgeweckter und meine Stimmung erhellte sich gleich mit. Eine leichte Rötung auf den Wangen, welche sich eben gebildet hatte, blieb zwar noch leicht sichtbar, war aber zu ertragen.
„Ja schon... Hast du eine andere Idee?“
„Romantik!“
Ein Stöhnen war nun zu hören. „Wo ist denn da die Action?“
Minako war zwar genau so vernarrt in die Romantik wie ich, schaute aber auch gerne Actionfilme. Ich teilte diese Vorliebe eigentlich, aber momentan fand ich, dass alles was romantisch war, auch mit sehr viel Hoffnung verbunden war. Ich konnte etwas Hoffnung gebrauchen. Das Licht in der Dunkelheit und die die Dunkelheit in dem Licht. Etwas, was sich brauchte, um zu existieren.
Ich lachte und schlug einen erst kürzlich auf DVD erschienen Film heraus, welcher nun auch auf Streaming Anbietern zu finden war. Rei und Ami würde es egal sein, deswegen hatten wir hier freie Auswahl. Als sie schließlich zustimmte, war das Urteil gefällt und wir redeten noch über Gott und die Welt, bis ich mich für die Arbeit fertiggemacht hatte.

Ich sah auf die Uhr und konnte feststellen, dass ich doch noch eine Stunde hätte, bis ich losgehen müsste. Kurzerhand packte ich also meine Sachen für die Uni aus und fing an zu tippen und meine Recherche für die Essays fortzuführen. Ich hatte noch eigentlich ein paar Wochen dafür Zeit, aber wer wusste schon, was noch alles passieren könnte und wo mir der Kopf stehen würde. Ich war sehr leicht abzulenken, deswegen wollte ich für wichtige Dinge kein Risiko eingehen. Meine Schulaufgaben hatte ich damals nur ungern gemacht, doch nun, da ich endlich lernte, was mich interessierte, konnte ich mit mehr Elan an die Projekte gehen. Natürlich waren viele Sachen noch immer nervig und anstrengend, doch um ehrlich zu sein, freute ich mich jedes Mal, wenn eine Aufgabe fertig war.

Ich hatte nach einer Stunde zwei Seiten schreiben können und hatte ebenfalls noch Stoff aus der Recherche übrig, welche ich einfach das nächste Mal verwenden würde. Dass ich so effizient war, war nicht immer selbstverständlich gewesen, also war ich sehr stolz auf mich.
Mein Rucksack war auch schnell gepackt und ich verließ meine Wohnung schließlich, ihn mit meinen Schlüsseln, einem Regenschirm und einer Flasche Wasser gefüllt. Schnell stieg ich in den Aufzug.
Mein Handy vibrierte und ich zog es aus meiner Hosentasche. In der Sekunde, in der ich den Namen las, verkrampfte sich mein ganzer Körper. Ein Schauer überkam mich. Der Höhenflug, welchen ich eben hatte, hatte sich aufgelöst. Wie ein Hirsch, welcher in den Lichtkegel eines heranfahrenden Autos sah, starrte ich auf nun mein Display.
Ich war nicht in der Lage mich zu bewegen. Als der Name schließlich verschwand und das Vibrieren aufhörte, bemerkte ich, dass ich schon unten angekommen war.
Ich schritt aus dem Aufzug und verließ den Wohnkomplex. Mein Handy stopfte ich sauer in meinen Rucksack. Keiner würde mir meinen heutigen Tag vermiesen.
Schon gar nicht er. Trotzdem raste mein Herz den ganzen Weg bis zur Bushaltestelle. Ich müsste nur noch diese kurze Schicht von drei Stunden überstehen und schon könnte ich bei meinen Freundinnen sein.
Im Bus endlich sitzend packte ich schon fast panisch meine Kopfhörer aus, um etwas Musik zu hören. Ich hatte keine Lust auf schlechte Laune während der Arbeit.

Mit schmerzenden Füßen trat ich aus dem Laden. Wir hatten heute viel zu viele Kunden gehabt und bis ich alle bedient hatte, hatte es schon zu lange gedauert. Die Menschen um mich herum wurden sauer und waren dementsprechend auch geizig, was das Trinkgeld anging. Danke dafür.
Wir waren einfach unterbesetzt gewesen und mein Chef hatte die Menge an Menschen, die heute kamen,  einfach unterschätzt. Ich starrte in die Leere und lehnte mich noch kurz an das Gebäude.
Heute hatte ich mir etwas verdient. Nichts Großes, aber etwas so einfaches und geniales, dass mein Herz bei dem Gedanken daran einen Satz machte. Ich würde mir meinen heißgeliebten Milchshake holen. Ich lächelte und machte mich glücklich auf den Weg ins Crown. Ich hatte noch Zeit bevor ich zu Minako musste, wieso diese Zeit dann nicht sinnvoll nutzen. Am liebsten hätte ich allen etwas mitgebracht, aber es wäre zu teuer.
Angekommen ging ich zum Tresen und setzte mich auf einen Hocker. Der schwarzhaarige Kellner kam zu mir rüber, um meine Bestellung aufzunehmen.
„Heute alleine hier?“, begrüßte er mich. So nett wie eh und je. Ich schenkte ihm ein leichtes Lächeln, konnte aber spüren, dass meine Augen einfach nur müde dreinschauten.
„Leider ja. Aber ich treffe sie alle gleich. Ich bin nur hier, weil ich mir einen Milchshake verdient habe.“, ich senkte meine Stimme, „Die Kunden im Restaurant waren die größte Plage, die ich je erlebt habe.“ Ich schaute ihn ernst an, während seine Mundwinkel sich nach oben zogen.
„Auch mal in den Genuss gekommen quietschende Mädchen und vom Regen nass gewordene Kunden zu bedienen?“, erwiderte er spöttisch. Ich verzog geschockt meine Miene und sah beleidigt weg.
„Ich wette, dass ich trotzdem mehr Trinkgeld verdiene als du. Kein Mann kann meinem Charme widerstehen.“, sagte ich mit meiner zuckersüßen Stimme und klimperte mit meinen Wimpern.
„Du bist keine Konkurrenz für mich.“
„Ach ja?“
„Wollen wir wetten?“
„Um was?“, fragte ich misstrauisch und kniff meine Augen zusammen. Er sah mich herausfordernd an. Mein Puls beschleunigte sich und ich wusste nicht, worauf ich mich eingelassen hatte.
„Wenn du gewinnst, bezahle ich dir jeden einzelnen Milchshake, den du hier trinkst.“
„Für immer?“
„Für immer.“
„Und wenn du gewinnst?“ Es gab immer einen Haken, doch die unendlichen Milchshakes gaben mir Hoffnung. Ich liebte sie und das hatte er anscheinend schon beobachten können.
„Du gehst mit mir aus.“, sagte er und sah mich selbstbewusst an. Ich schüttelte mit dem Kopf. „Nein.“
Auch, wenn ich oft hier gewesen war, hatte ich diesen Kellner bis jetzt nie genau betrachtet. Seine schwarzen Haare fielen luftig locker zur Seite. Seine Augen waren dunkel, doch ich konnte auch kleine Details, wie bernsteinfarbene Sprenkel, ausfindig machen. Das markante Gesicht war eines der Dinge, von denen Rei immer schwärmte. Er war auch groß und sportlich gebaut, was mich etwas neidisch werden ließ. Eine sportliche Figur war immer etwas, was ich gerne selbst gehabt hätte, doch dafür fehlte mir in Punkto Sport einfach die Disziplin. Jetzt wo ich ihn aber genauer betrachten konnte, musste ich zugeben, dass er wirklich attraktiv war.
Ein Date an sich klang nicht schlecht, aber das konnte ich Rei nicht antun.
Er beäugte mich, ging dann aber schließlich ohne weitere Worte weg. Ich sah ihm hinterher und war enttäuscht.
Mein Milchshake verschwand mit ihm. Ich sah weg und wartet auf einen anderen Kellner, welchen ich zu mir rufen könnte, aber da war keiner.
Ich scrollte gedankenlos auf meinem Handy rum, als plötzlich ein Erdberremilchshake vor mir stand.
„Er geht aufs Haus.“, sagte er mit einem Grinsen. Er ließ einfach nicht locker.
„Den hier nehme ich gerne, aber bei der Wette mache ich nicht mit.“, ich las den Namen auf seinem Namensschild.
„Mamoru.“, fügte ich noch hinzu.
„Ist schon okay. Du kannst es dir ja noch überlegen.“
Er hatte sich schon zum Gehen abgewendet, drehte sich aber noch um.
„Bis später. Mondhäschen.“, raunte er mir nun hinzu und zwinkerte. Perplex und überfordert ließ er mich dort sitzen. Mein Gesicht wurde rosa und ähnelte dem Milchshake. Auch wenn seine Worte mindestens genau so süß und unwiderstehlich waren, wäre das Ergebnis, wenn ich Ja sagen würde, so bitter, wie ein schwarzer Kaffee.
Ich wusste nicht, wie bitter er sein würde, doch eins wusste ich: Ich hasste schwarzen Kaffee über alles.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast