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Lockwood und Co. Der heimgesuchte Pier- eine Kurzgeschichte

von Verderben
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Anthony Lockwood George Cubbins Lucy Carlyle
02.06.2021
28.06.2021
5
7.823
3
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3 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
02.06.2021 1.231
 
Hi!

Ich hoffe, das wird nicht zu viel Geschreibsel im Vorlauf. Also, das hier ist die erste FF, die ich je fertig geschrieben und die erste, die ich je veröffentlicht habe.  Ich versuche, ein wenig in Strouds Stil und sehr bei den Charakteren zu bleiben. Ja, Parallelen zu Brighton sind erwünscht, aber nur an den wenigsten Stellen explizit genannt, da ich leider nie da war und niemandes "Sinn für Korrektheit" stören möchte. Allerdings kann es im Lockwood-Universum ja ein biiisschen anders aussehen.  Die Story ist schon fertig, also werde ich sie in der nächsten Zeit auch fertig hochladen, wenn ich nicht wieder meinen Usernamen vergesse...

^^ Viel Spaß.



Zwischen den ganzen denkwürdigen Fällen, die Lockwood und Co. In den Jahren mehr oder weniger erfolgreich abgeschlossen hat, finden sich auch ein paar kürzere, allerdings nicht minder interessante Aufträge. Zum Beispiel der des gemeingefährlichen Apfelbaumes, der Fall im Kindergarten oder der im verlassenen Freibad. Einer dieser Fälle hat eine ganz besondere Bedeutung für mich und er fällt mir heute noch manchmal ein, wenn es in meiner Dachkammer im Morgengrauen mal wieder schon zu hell zum Einschlafen ist. Von diesem Fall will ich euch nun erzählen.



Es war ein wunderschöner Frühlingsnachmittag. Der Himmel war leuchtend blau, sodass er mich an die Buntstifte erinnerte, mit denen meine Schwestern und ich in unserer Kindheit immer wichtige Bücher, blütenweiße Tischtücher und  makellos weiße Wände bemalt hatten.  Ich sehnte mich schon nach dem trüben Grau Londons.

Wir waren über das Wochenende nach Brighton gefahren.  Eine reizende Idee für einen Kurzurlaub. Eine weniger reizende für einen Fall.
George und ich hatten ohne jede Information über unser Vorhaben ein paar Taschen gepackt und uns am Kings Cross eingefunden. Erst, als wir schon auf dem Bahnsteig standen, hatte Lockwood uns offenbart, dass wir uns statt mit Sonne, Eis und Faulenzen mit einem Fall befassen würden. Natürlich waren George und ich angesichts der Aussicht, ein ganzes Wochenende mit nur einem einzigen und dazu mäßig bezahlten Fall zu verbringen, wenig begeistert.

Lockwood zufolge war der Stadtrat von Brighton auf die wohlwollenden Zeitungsartikel der letzen Wochen gestoßen, die uns weit über London hinaus bekannt gemacht hatten. Es handelte sich also um einen "Publikumswirksamen Fall", wie mein Chef zu sagen pflegte. Das war auch alles, was er sagte. Allein diese spärlichen Informationen hatten wir während unserer Zugfahrt erhalten.
Wir hatten in einem kleinen, aber recht noblen Hotel eingecheckt, das dem Sohn irgendeines Ratsmitgliedes gehörte. Lockwood hatte für uns ausgehandelt, dass wir das Wochenende dort kostenlos verbringen konnten. Dafür sollte lediglich innerhalb dieser Zeit unser neuer Fall abgeschlossen werden.

Gleich nach unserer Ankunft hatten wir die zum Platzen mit Ausrüstung gefüllten Taschen achtlos auf die Betten geworfen und uns auf den Weg an den Strand gemacht.  Lockwood spendierte an der Promenade eine Runde Fish and Chips, die wir, wenn auch fröstelnd und nur kurz vor der Dämmerung, noch gleich vor Ort zu uns nahmen. Außer uns wandelten noch einige andere menschliche Gestalten umher, bei denen man nur schlecht sagen konnte, ob es sich um Einwohner oder Touristen handelte. Sie boten einen seltsam ungewohnten Anblick, denn in London klappt man zu dieser Uhrzeit schon längst die Bürgersteige hoch und flüchtet nach Haus.Aber in der Kleinstadt laufen die Uhren anders. Besonders die Küstenstädte hat es nie besonders stark erwischt. Das mag an dem nicht gerade kleinen Vorkommen von fließendem Wasser liegen, das Geister in der Regel meiden, oder aber auch daran, dass viele Orte schlicht zu klein und zu langweilig sind, als dass sie eine bemerkenswerte Anzahl an rachsüchtigen Toten aufweisen könnten.

Eine hochgewachsene Person näherte sich uns. Die Shilouette kündigte einen Mann mittleren Alters in förmlicher Kleidung an. "Mr. Lockwood?" Fragte eine tiefe, aber seriös klingende Stimme. "Guten Abend." Antwortete Lockwood. "Sind sie Mr. Gerald?"
"Ja. Wilson Gerald, Mitglied des Stadtrates und Besitzer der Werften an der Bucht von Whitehawk." Er zeigte in die Ferne, wo ich auf Linie der Küste ein paar einzelne Lichter zu erkennen glaubte. Sein grau meliertes Haar flammte in den orangenen Sonnenstrahlen, als er sich wieder zu uns wand. "Jetzt kommen sie aber erstmal mit, ich habe sie schon überall gesucht. Mr. Abbot erwartet uns schon." Er stiefelte, ohne Rücksicht auf Verluste, schnurstraks voran. Lockwood bemühte sich, aufzuschließen. "Wer ist Mr. Abbot, Sir?" Mr.Gerald plapperte munter weiter. Das hohe Tempo, das er an den Tag legte, schien ihn nicht davon abzuhalten. "Der Vater von Jonas, dem Hotelbesitzer. Ein lieber Kerl. Er hat den Geist zuerst gesehen."
Der Weg führte uns die Promenade hinunter auf die Hauptstraße und keine zehn Minuten später standen wir schon wieder vor...ihr dürft drei Mal raten: unserem Hotel. Schon vor dem Gebäude wurden wir herzlich in Empfang genommen.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwer es ist, Mr Abbot Junior und Abbot Senior zu beschreiben. Der Senior besaß ein Gesicht, das langweiliger und weniger markant nicht hätte sein können. Und offenbar hatte er es vererbt. Das einzige, das am Junior Jonas bemerkenswert war, war eine strahlend blaue, volle Kornblume in seinem Knopfloch.
Und die war das auch nur, weil Kornblumen zu dieser frühen Jahreszeit überhaupt noch gar nicht blühen sollten.
Wir betraten gemeinsam die Lobby und drängten uns zu sechst um ein winziges Schachtischen herum, zu dem einige äußerst bequeme Sessel dazugeholt wurden. Lockwood und co. wurde aufgefordert, sich zu setzen. Wir bestellten ein Runde Tee beim Nachtportier. In den nächsten Minuten spielte sich die übliche langweilige Prozedur ab, mit der unsere Fälle schon tausend Mal begonnen haben. Lockwoods und Jonas Abbots folgende Diskussion förderte die wichtigsten Fakten zu Tage. Bei dem Geist handelte es sich den Augenzeugenberichten nach um eine eiskalte Jungfrau. Sie, so behaupteten Mr. Gerald und die Abbots, war der Geist von einer gewissen Mary Hickens, die vor einigen Jahren an einem bitterkalten Silvesterabend vor dem Feuer einer Rakete erschrak und vom Pier stürzte. Als man sie unter den Eisschollen geborgen hatte, war sie wohl schon lange Zeit tot gewesen. Ein tragischer Unfall.  Seitdem war Marys Erscheinung wohl schon öfters gesichtet worden, aber noch nie hatte sie sich so häufig und lange gezeigt wie zuletzt. Kleine Kinder hatten von ihrem Gemurmel berichtet und schon zum dritten Mal in diesem Monat hatte der Pier in Flammen gestanden. Und mit ihm die Reste des Rummels, der einmal die Hauptattraktion des kleinen Städtchens gewesen war. Bei den Bränden hatte es schon einige Verletzte gegeben, Tote -angeblich- noch keine.
Wir tranken unseren Tee aus, den ein freundlicher, aber übermüdet wirkender Kellner auf einem silbernen Tablett serviert hatte, und verabschieden uns von den drei Herren.  

Danach schwärmten wir aus, um die Taschen von unseren Zimmern zu holen.
Und so wartete ich gerade in der Lobby auf Lockwood und George, als plötzlich das Telefon irgendwo hinten in der Halle schrillte. Der Nachtportier hob ab, murmelte ein paar unverständliche Worte, legte wieder auf und steuerte danach zu meiner Überraschung  direkt auf mich zu. Seine Schritte in den eleganten schwarzen Lederschuhen wurden vom Teppichboden vollständig geschluckt.
"Mrs? Ich wollte sie nur darüber informieren, dass der Geist von Ms.Hickens  schon wieder gesichtet wurde. Ich schlage ihnen dringend vor, sich zu beeilen. Es wäre wahrscheinlich für ihre Arbeit genau so wie auch für uns von Vorteil, wenn der Pier nicht noch weiteren Schäden erleidet."
Da hatte er wohl Recht.
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