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Warten [Soulmate]

von Sira-la
Kurzbeschreibung
DrabbleMystery, Übernatürlich / P12 / Gen
Josef Kostan
01.06.2021
01.06.2021
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01.06.2021 526
 
Ein Drabble zum Soulmate-Projekt, Prompt 32: „Man hat den Namen des Seelenverwandten tätowiert, zusammen mit dem Geburtsdatum des Seelenverwandten.“
Viel Spaß beim Lesen
Sira

Warten
Josef stand auf einem der Türme der Tower Bridge und ließ seinen Blick über die Stadt schweifen. Dann sah er erneut auf die Symbole auf seinem Arm. Über 300 Jahre begleiteten sie ihn nun schon, diese Zahlen und Buchstaben. Gelernt, sie zu lesen, hatte er allerdings erst später. Und was sie bedeuteten, das hatte er erst vor einigen Jahrzehnten erfahren. Es war zwar nicht so selten, wie man glauben mochte, dennoch sprach kaum jemand darüber.
„An diesem Tag wird die zweite Hälfte deiner Seele diese Welt betreten“, hatte eine alte Zigeunerin ihm erklärt, dankenswerterweise ohne zu fragen, wie er so lange leben konnte. Ihre rauchige Stimme hatte er immer noch in den Ohren. „Und ihr Körper wird diesen Namen tragen.“
Josef strich sanft über die dunklen Buchstaben. „Mick“, flüsterte er. Es störte ihn nicht, dass es ein männlicher Name war. Das hatte es nie, obgleich die Zigeunerin ihn gewarnt hatte, dass es Menschen geben würde, die damit ein Problem hatten.
Der Glockenklang des Big Bens hallte durch die Stille der Nacht, und Josef lächelte. Mitternacht. Er legte seinen Kopf in den Nacken und ließ sich das Gesicht vom Licht des Vollmondes bescheinen. Es war eine wunderschöne Nacht und wenn heute nicht der Tag wäre, auf den er seit so langer Zeit wartete, wäre er wohl gerade auf der Jagd. Allerdings hoffte er, dass sich im Laufe der nächsten Stunden Wolken bilden würden. Er wollte seinen hervorragenden Beobachtungsposten nicht aufgeben, aber wenn die Sonne herauskam, würde ihm keine andere Wahl bleiben.

***

Als die Glocken erneut Mitternacht schlugen, saß Josef immer noch auf dem Turm. Verwirrt starrte er auf seinen Arm. Die Symbole hatten sich nicht geändert. Er war sich so sicher gewesen, dass etwas passieren würde. Dass er es merken würde, wenn … Er seufzte leise. Das Datum auf seinem Arm war doch eindeutig. Mick St. John sollte gestern geboren werden.
Langsam stand Josef auf und sah hinauf zum Himmel. Der Mond war nicht zu sehen, dicke Wolken hatten sich vor ihn geschoben und beständiger Regen prasselte auf Josef herab. Die Nässe störte ihn nicht. Er sah auf die Themse hinunter. Das dunkle Wasser floss unter ihm hinweg, ein beständiger Strom nach Osten. Er blinzelte und drehte sich langsam um, hob seinen Kopf und sah Richtung Horizont, Richtung Westen. Amerika. Er war bereits dort gewesen, im letzten Jahrhundert. Wie hatte er das vergessen können? Die Tage dort begannen später als hier in London.
Erneut schaute er auf seinen Arm. Er würde weiter warten.
Und dann, endlich, als sich erste Sonnenstrahlen durch die dicke Wolkendecke kämpften, spürte er eine Änderung. Stöhnend umklammerte er einen Arm, als sich von den Symbolen aus eine flammende Hitze in seinem ganzen Körper ausbreitete. Als er erneut auf die Zeichen sah, hatte sich tatsächlich etwas geändert. Micks Name stand noch immer dort, die Buchstaben jetzt kräftiger. Und statt den Zahlen befand sich nun ein blasser Pfeil auf seiner Haut, der nach Westen zeigte. Josef lächelte und kletterte zurück auf die Straße. Er musste sich ein Schiff suchen.
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