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Im Sturm der Ereignisse

von Seveny
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
B'Elanna Torres Chakotay Harry Kim Kathryn Janeway Seven of Nine Tom Paris
01.06.2021
22.07.2021
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22.07.2021 2.487
 
Ein Ausdruck von Unbehagen glitt über Kathryns Gesicht. »Du hast Mark eingeladen?«

Gretchen antwortete nicht, sondern rückte das Gedeck gerade. Offenbar hielt sie die Frage für rein rhetorisch. Wieso lud sie ihren Ex-Verlobten zur Familienfeier ein? Der Mann war immerhin seit fünf Jahren verheiratet. Sie fand das befremdlich, zumal Gretchens Gleichmut verblüffend unbeirrbar wirkte, selbst für ihre Maßstäbe.

Dabei gab es nicht grundsätzlich etwas gegen Mark einzuwenden – ganz im Gegenteil. Er war nicht nur ihr Ex-Verlobter, sondern auch einer ihrer ältesten Freunde. Sein Besuch in San Francisco hatte sie gefreut, wirklich. Doch dieses erste Treffen nach Jahren sollte eine kleine Feier innerhalb der Familie bleiben, so hatte sie jedenfalls gehofft.

Gretchen ließ sich derweil nicht beirren und deckte den Platz neben Kathryn ein. Dass es vielleicht etwas geschmacklos wirkte, wenn ausgerechnet die einstigen Verlobten in einträchtiger Verbundenheit das Festmahl einnahmen, kam ihr nicht in den Sinn. In dieser Hinsicht war Gretchen völlig schmerzfrei.

»Kathryn, mach bitte nicht so ein Gesicht. Mark ist ein wirklich netter Mann.«

»Mum ...!« Sie schaffte es, das einsilbige Wort in eine beachtliche Länge zu ziehen, während sie die Hände in die Hüfte stemmte. »Er ist verheiratet. Ich finde es nicht richtig, dass er jetzt mit uns ein Familienfest feiert.«

»Mark ...«, meldete sich ihre Schwester zu Wort.

»Das verschieben wir auf später.«

Gretchens Worte hatten ihre Schwester zum Schweigen gebracht. Nun senkte sie den Kopf, um wie beiläufig das Besteck kerzengerade auszurichten. Ungläubig wanderten Kathryns Blicke zwischen den beiden hin und her. Was sollte diese Geheimniskrämerei? Doch bevor sie nachfragen konnte, klingelte es an der Tür.

Phoebes Gesicht erhellte sich. »Ich gehe schon.«

»Du bist mir eine Erklärung schuldig«, zischte Kathryn ihrer Mutter zu.

»Nicht jetzt«, wehrte Gretchen ab und begab sich ebenfalls in Richtung Flur.
Marks sonorer Bass drang bereits bis ins Esszimmer. Jeder im Hause Janeway schien sich über seinen Besuch zu freuen. Offenbar war der Kontakt zwischen ihnen nie richtig abgebrochen. Sie schnaubte ungehalten. Trotzdem, das änderte nichts. Eine kleine, stille Familienfeier hätte völlig ausgereicht.

Doch um sich zu ärgern, fehlte die Zeit, denn keine zwei Sekunden später galoppierte ein rehbrauner Welpe in den Raum. Die Schlappohren schlugen übermütig über seinem Kopf zusammen. Neugierig stoppte er vor der fremden Frau. Dabei bewegte sich die schnüffelnde Nase nicht weniger aktiv als die Rute, die in maximaler Geschwindigkeit – fast wie zur Bodenpflege – hin und her wedelte. Kathryn verzog die Stirn zu einem weichherzigen Ausdruck. Mein Gott, ist der süß!

»Na … wer bist du denn?«, fragte sie sanft und streckte die Hand nach ihm aus.

Der junge Irish Setter beschnüffelte sie ausgiebig, dann gab er einige kläffende Laute von sich. Sie schätzte ihn auf etwa sechs Monate. Seine tapsigen Bewegungen waren noch die eines Welpen, doch die Hinterläufe hatten bereits einen ersten Wachstumsschub durchlaufen, so dass die Proportionen seltsam schief wirkten.

Wenige Augenblicke später hatte das Tier Vertrauen gefasst. Große Hundeaugen blickten ihr entgegen, die sich zu einem treuherzigen Blick zusammenzogen. Er gab einige quietschende Geräusche ab und nach anfänglichem Zögern legte er sich auf die Seite. Sie kraulte ihm am Ohr, was er schwanzwedelnd begrüßte. Der Anblick ließ sie lächeln. Ich habe den Umgang mit Hunden wirklich vermisst.

»Hallo Kathryn …«

Mark lehnte lässig im Türrahmen. Sie hatte sein Kommen gar nicht bemerkt. Ob ihm der Welpe gehörte? Sie nahm das Fellknäul auf den Arm und vergrub ihr Gesicht darin.

»Oh Mark ... ich wusste gar nicht, dass du einen Welpen zuhause hast. Wie heißt er?«

»Es ist eine Sie. Ihr Name ist Sandy und sie gehört dir.«

Sie schüttelte den Kopf. »Mark, sie ist wirklich lieb, aber ich kann sie nicht nach San Francisco mitnehmen.«

»Dann lässt du Sandy unter der Woche bei Gretchen. Es ist bereits alles mit deiner Mutter abgesprochen. Sie ist einverstanden.«

Gretchen trat heran. »Wenn du endgültig nach Bloomington ziehst, kannst du Mollys Tochter mitnehmen. Ansonsten besuchst du sie am Wochenende hier.«

»Das ist Mollys Tochter?«

Kathryn hielt den Welpen auf Armlänge. Erst jetzt fiel ihr auf, dass Sandy das gleiche herzförmige Abzeichen auf der Brust trug, wie ihre Lieblingshündin damals. Es war tatsächlich Mollys Tochter. Der Gedanke rührte sie.

»Was ist aus Molly geworden?«

»Ich konnte sie nicht behalten. Sie lebt jetzt bei einer Familie in Indianapolis. Als ich hörte, dass sie nochmal geworfen hat, habe ich diesen kleinen Racker für dich ausgesucht. Gefällt sie dir?«

»Mark – du weißt, dass sie entzückend ist, aber ...«

»Dann nimm sie«, fiel er ihr ins Wort. »Sandy braucht ein gutes Zuhause.«

»Das wäre der Kleinen gegenüber nicht fair. Ich habe so wenig Zeit, die Arbeit im Büro und die vielen Sitzungen im Hauptquartier ...«

Sie merkte selbst, dass ihre Abwehr schwächer wurde. Sandys Meinung dazu war eindeutig. Schwanzwedelnd schaute der Welpe nach oben.

»Wir haben immer Hunde gehalten«, erklärte Gretchen. »Außerdem ist alles vorbereitet. Sandy ist bei mir in guten Händen und du kannst sie jederzeit besuchen.«

Kathryn warf erst Mark, dann Gretchen einen tadelnden Blick zu. Es war klar, was sie damit bezweckten. Natürlich würde sie öfters nachhause kommen, wenn ein Welpe durchs Haus tollte.

»Das ist ein ganz hinterhältiges Komplott.«

»Das bestreitet niemand«, gab Gretchen ungerührt zurück.

Kathryn runzelte die Stirn, versuchte, verärgert auszusehen, doch ihre Mundwinkel hoben sich. Verdammt ...

»Na schön, ihr habt gewonnen, ich kann nicht widerstehen.«

»Dann ist unsere Überraschung ja gelungen«, sagte Mark und ging lächelnd auf Kathryn zu. »Komm in meine Arme, ich habe dich noch gar nicht richtig begrüßt.«

Ohne jede Befangenheit zog er sie heran. Sein Kuss streifte ihre Wange. Fast zu intim für einen verheirateten Mann, befand sie, trotzdem wehrte sie sich nicht. Zahlreiche Erinnerungen stiegen in ihr hoch. Sie kannte alles an ihm. Seinen Geruch, die kleinen borstigen Haare im Nacken und den Leberfleck, der hinter dem Ohr hervorlugte. Ob ihre Ehe glücklich geworden wäre? Die Frage stellte sich ja nun nicht mehr. Sie atmete tief ein. Warum hatte er Carla nicht mitgebracht?

Ihre Schwester unterbrach den innigen Augenblick. »Wir können essen. Schmust später weiter.«

Sie warf Phoebe einen ungehaltenen Blick zu, dann setzten sie sich an den Esszimmertisch. Genau wie vor sieben Jahren saß Mark neben ihr – eine etwas skurrile Situation.

»Hat Mark dir von seiner Professur für Philosophie an der Universität San Francisco erzählt?«, fragte Gretchen und in ihrer Stimme schwang unverhohlen Stolz.

Kathryn wandte sich ihm höflich zu. »Tatsächlich? Mir hast du nur erzählt, dass du einmal die Woche für einige Tage in der Stadt bist.«

»Immer dienstags und mittwochs. Es ist nur eine vorübergehende Gastprofessur – nichts Wichtiges«, wehrte Mark bescheiden ab.

»Letztes Mal hast du mich am Donnerstag besucht.«

»Mein Vorlesungsplan ändert sich öfters«, sagte er. »Nächste Woche bin ich übrigens schon ab Montag in San Francisco und übernachte sogar im Hotel.«

»Ihr könntet ruhig mal das Festessen loben.« Gretchen reichte Kathryn den gefüllten Teller, dann warf sie einen vorwurfsvollen Blick in die Runde. »Immerhin ist alles frisch zubereitet.«

»Truthahn, Süßkartoffeln und Cranberrysauce – ich muss zugeben, dass sich das Kochen gelohnt hat«, erwiderte Kathryn kauend, um Gretchens Lieblingsthema gesunde Ernährung etwas Raum zu geben, wandte sich dann aber erneut Mark zu.

»Warum hast du eigentlich Carla nicht mitgebracht? Ich hätte mich gefreut, sie endlich kennenzulernen.«

»Sie ist noch in New York«, erklärte Phoebe beiläufig, bevor Mark den Mund öffnete. »Sie ist oft weg.«

»Ja, leider«, fügte er an.

Ein Moment der Stille beendete das Gespräch, bis Phoebe sich einschaltete. »Mark, hast du die Bilder vom ersten Interview im ‚Daily News‘ gesehen?«

»Sicher.«

»Der Mann mit dem Tattoo war Kathryns Erster Offizier. Ziemlich heißer Typ. An ihrer Stelle hätte ich mir den nicht entgehen lassen.«

»Phoebe!« Gretchen runzelte die Stirn. »Wie kannst du so etwas sagen? Er ist ein gesuchter Widerstandskämpfer.«

»Na und? Was ist daran so schlimm?«, entgegnete sie ungerührt. »Der sieht auf jeden Fall besser aus, als dieser bierernste Kerl, mit dem sie abgeflogen ist.«

Mark schüttelte den Kopf. »Er mag harmlos und sogar sympathisch wirken, aber er gehört zu den Widerständlern, die viele Bluttaten auf dem Gewissen haben. Ich würde mich nicht wundern, wenn er seinen Widerstandskampf einfach fortführt.«

»Das ist doch Unsinn, Mark«, sagte Kathryn. »Den Maquis gibt es schon seit Jahren nicht mehr.«

»Ich kenne solche Menschen. Die ändern sich nicht.«

Gretchen berührte sie am Arm. »Kathryn ... wann sind eigentlich die Nachbesprechungen zu Ende?«

Die Anwesenden wandten sich aufmerksam Kathryn zu. Selbst Sandy, die sich zu ihren Füßen niedergelassen hatte, hob die schnüffelnde Hundenase in ihre Richtung, offenbar ein Thema von allgemeinem Interesse.

»Sie beginnen am 28. Februar. Die Sternenflotte hat sieben Tage dafür veranschlagt.«

»So spät?« Gretchen schüttelte missmutig den Kopf. »Warum dauert das diesmal so lange?«

»Weil es danach einen Ausschuss gibt, der die ehemaligen Maquis befragt. Deshalb muss die Kommission aus den Admirälen bestehen, die maßgeblich an den damaligen Anklagen beteiligt waren. Einer von ihnen – William Ross – befindet sich zurzeit mit der USS Sao Paulo auf einer Tiefenmission im Beta-Quadranten und kommt erst Mitte Februar zurück.«

Gretchen lächelte hintergründig. »Wie gut, dass du Sandy regelmäßig besuchst, sonst bekäme ich dich gar nicht zu Gesicht.«

»Ja, das hast du clever eingefädelt«, knurrte sie gespielt abfällig.

Mark und Gretchen tauschten einige Blicke aus, sie nahm es aus den Augenwinkeln wahr. Irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass alle unter einer Decke steckten; ein Gedanke, der sie verärgerte. Doch was sollte sie tun? Weder Folter noch Psychoterror hätten ihre Mutter jemals dazu bewogen, vertrauliche Angelegenheiten auszuplaudern – da war sie absolut resistent.

Kathryn seufzte. Im Moment gab es keine andere Möglichkeit, sie musste diese interne Verschwörung akzeptieren. Trotzdem war das Wiedersehen mit der Familie wunderbar und legte sich wie Balsam auf ihre Seele. Als der Welpe sie erneut treuherzig ansah, wich ihr Unmut endgültig einem langvermissten Glücksgefühl. Sie strich lächelnd über das rehbraune Fell.

Zusammen mit Sandy habe ich mein altes Leben fast zurück und das fühlt sich unendlich gut an.






~~~*~~~


Montag, der 16. Januar, Punkt 9:00 Uhr





Chakotays Anspannung stieg, als er mit hastigen Schritten in Kathryns Büro strebte. Er ahnte bereits, dass es um die manipulierten Bestandslisten ging. Vielleicht gab es ja vom Geheimdienst neue – erfreuliche – Nachrichten? Er stieß gedrückt die Luft aus. Wie hieß es so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Vor ihrem Schreibtisch blieb er stehen und straffte sich. Obwohl sie sein Eintreten zweifelsohne bemerkt hatte, starrte sie regungslos auf das Computerdisplay – ein sicheres Zeichen, dass sie verärgert oder wenigstens verstimmt war. Er wartete einige Augenblicke, dann sprach er sie an.

»Du wolltest mich sprechen?«

Bedächtig wandte sie sich ihm zu. »Weißt du, warum ich dich einbestellt habe?«

»Vermutlich geht es um die Waffen-Logbücher.«

»Richtig.« Sie erhob sich. Mit beherrschten Schritten trat sie heran, bis sie direkt vor ihm stehenblieb. »Admiral Hayes war gerade eben bei mir.«

»Er ist wenig begeistert, vermute ich ...?«

»Sagen wir mal so: Er hat jede Sekunde genutzt, um mir den Kopf zu waschen, was die Sorgfaltspflicht meiner Führungsoffiziere angeht.«

»Es gab keinen Grund, die Bestandslisten anzuzweifeln.«

Sie hob die Brauen zu einem durchdringenden Blick. »Hayes vermutet, dass jemand mit hoher Sicherheitsfreigabe die Waffenlogbücher manipuliert hat. Er verlangt, dass ich abkläre, wer dafür infrage kommt.«

»Wir sollten keine vorschnellen Schlüsse ziehen. Noch ist nicht mal sicher, ob etwas fehlt.«

»Glaubst du tatsächlich, dass trotz der manipulierten Listen der Waffenbestand vollständig ist?«

Er atmete tief ein, bevor er zugab: »Nein, wahrscheinlich nicht. Aber die Werktechniker der Utopia-Planitia-Werft kommen für einen Diebstahl ebenso infrage.«

»Hayes ist überzeugt davon, dass einer der Führungskräfte dafür verantwortlich ist.«

»Kommt darauf an, was fehlt. Die Schränke mit den Handphasern können von jedem einfachen Crewmen oder Fremden geöffnet worden sein. Die Sicherheitsvorkehrungen sind nicht allzu schwer zu überwinden.«

»Hast du dich schon in der Mannschaft umgehört?«

Er nickte. »Niemandem ist etwas Besonderes aufgefallen. Heute Nachmittag spreche ich gezielt mit einigen ehemaligen Maquis.«

»Was glaubst du, steckt dahinter? Ob jemand die alte Widerstandszelle aufleben lassen will?«

»Das macht wenig Sinn, nachdem Cardassia keine Expansionspolitik mehr betreibt.«

Sie fixierte ihn. »Womöglich gibt es ja neue ... ganz andere Ziele?«

In ihren Worten schwang eine unausgesprochene Anschuldigung. Allmählich wurde ihm bewusst, weshalb er wirklich in ihrem Büro stand. Die Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag.

»Was soll das, Kathryn? Verdächtigst du mich etwa?«

»Für dich wäre es ein Leichtes gewesen, einige Phaser aus dem Waffenschrank zu nehmen.«

»Ich würde mich nie an einem derartigen Vertrauensbruch beteiligen - das weißt du!«

Sie zog die Brauen hoch. »Bist du sicher?«

»Was ist bloß los mit dir?«

»Du hast dich in letzter Zeit verändert, Chakotay.« Sie zuckte abschätzig mit den Schultern. »Womöglich brauchst du die Waffen für den Wiederaufbau von Dorvan?«

»Was soll die Anschuldigung? Du kennst meine Prinzipien.«

»Die können sich mitunter schnell ändern.«

»Ah, ich verstehe ... es geht gar nicht um die Bestandslisten oder um meine Sorgfaltspflicht, richtig?« Seine Stimme gewann allmählich an Schärfe. Er stützte die Hände auf dem Becken ab und gab ihren durchdringenden Blick zurück. Na schön, reden wir Klartext.  

»Ist es meine Heirat mit Annika, die dein Vertrauen erschüttert? Weil du dir nicht vorstellen kannst, dass jemand sein Glück außerhalb der Sternenflotte sucht?«

Ihre Miene verfinsterte sich und auf ihre Wangen trat eine leichte Röte, die nur dem Zorn geschuldet sein konnte. Sie schmälte die Augen zu einem erbosten Blick. »Nimm dich nicht zu wichtig. Du warst mein Erster Offizier – nichts weiter!«

Als sie sich abrupt abwenden wollte, hielt er sie an den Schultern fest. »Das ist nicht ganz richtig. Wir sind zwar kein Paar, dafür aber seit Jahren miteinander befreundet. Glaubst du tatsächlich, dass ich hinter deinem Rücken Bestandslisten fälsche? Das ist doch Unfug!«

»Spar dir die Vertraulichkeiten.« Mit einem abfälligen Schnauben befreite sie sich aus seinem Griff. Ihre Augen blitzten vor Wut. »Als Captain darf ich keine Möglichkeit außer Acht lassen – das sollte dir klarsein.«

»Wir kennen uns jetzt sieben Jahre, Kathryn. Du konntest immer auf mich zählen – auch in schwierigen Situationen. Ich hätte jederzeit mein Leben für dich gegeben. Schade, dass du das alles nicht mehr siehst.«

»In erster Linie sehe ich die Waffenlisten, die von irgendjemanden manipuliert wurden. Du hattest die Möglichkeit, das Wissen und die Sicherheitsfreigabe dazu.«

»Und das alleine reicht schon aus?« Er ließ die Frage einige Zeit im Raum stehen, um ihre Reaktion abzuwarten, aber Kathryn blieb ungerührt. Sie verdächtigt mich tatsächlich. Die Erkenntnis tat mit ungeahnter Härte weh.

»Ich bin enttäuscht von dir. Offenbar kennst du mich wirklich nicht.«

Kathryn wandte sich ab. Sie trat ans Fenster, umfasste dort den Rahmen und antwortete nicht. Sein Unmut stieg. Er kannte ihre Taktik, um einer Diskussion aus dem Wege zu gehen. Es hatte etwas von Den-Anderen-Gegen-die-Wand-Laufen-Lassen und war eine Strategie, die sie oft erfolgreich anwendete. Aber nicht bei mir, Kathryn, knurrte er innerlich. Mit ausholenden Schritten verließ er das Büro, doch als er im Türrahmen stand, drehte er sich abermals zu ihr um. Noch immer starrte sie regungslos aus dem Fenster. Er zögerte einige unbestimmte Augenblicke, dann platzte ihm endgültig der Kragen.

»Du tust mir leid, Kathryn. Egal, wer sich um deine Freundschaft bemüht – du lässt niemanden an dich heran. Du befürchtest immer, enttäuscht zu werden. Das ist der Tod einer jeden Beziehung.«
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