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Herz über Kopf

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Div
Jakob Lundt Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf Thomas Schmitt
01.06.2021
19.10.2021
40
114.253
46
Alle Kapitel
129 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
14.10.2021 3.639
 
Dieses Kapitel widme ich der schlechtesten Laudatio seit Langem. If you know, you know ;)


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Kapitel 39: the bath tub

-Ich war ja auch mal 10 Jahre mit einem zusammen, der aussieht wie Florian Silbereisen. Zwar deutlich weniger Talent aber ein schöner Mann.-


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2019 – K.

„Können wir ein Foto mit dir machen?“, es klopfte an die Scheibe von Klaas‘ Porsche. Zwei junge Mädchen standen draußen. Klaas seufzte. „Klar.“

Er kurbelte das Fenster hinunter und lehnte sich ein wenig raus, sodass er in die Handykamera grinsen konnte. „Danke“, sie lächelten glücklich und gingen wieder. Gleich darauf kam auch bereits Timmy aus dem Kindergarten gelaufen und kam auf den Wagen zu. Er öffnete seinem Sohn die Beifahrertür und dieser sprang ins Auto.

„Na?“

„Hi, Papa“, begrüßte der Braunhaarige ihn und ließ sich anschnallen.

„Wie war der Kindergarten?“

„Gut. Es gab Fischstäbchen“, er grinste breit.

Klaas nickte nur amüsiert. Wie einfach man seinen eigenen Sohn beeindrucken konnte, war ja unheimlich. Kids will be kids.

„Ich würde jetzt mit dir zum Haus fahren und wir können bisschen die Schule angucken, wo du nächstes Jahr hingehen kannst.“

„Au ja!“, rief Tim begeistert.

Also lenkte Klaas sein Auto durch Berlin nach Marienfelde, parkte am Feldweg und stieg dann mit seinem Sohn aus. Gemeinsam, er nahm Timmy an die Hand, gingen sie zur Grundschule, in der Klaas ihn bereits vor einigen Monaten angemeldet hatte und sahen sich um.

„Gefällt sie dir?“, fragte er und sah runter zu dem kleinen Jungen.

Der nickte. „Können wir reingehen?“, bat er.

„Heute nicht.“ Klaas schüttelte den Kopf. „Da ist Unterricht heute. Die müssen da heute lernen, so wie du dann im Herbst. Aber ich habe mich erkundigt und die haben im April einen Tag der offenen Tür und dann kannst du dir alles angucken.“

„Dann ist da den ganzen Tag die Tür offen?“, wunderte sich sein Sohn.

„Sozusagen, ja“, der Braunhaarige lachte, „Man sagt das so, wenn Schulen Kinder einladen, um sich die Schule mal anzusehen.“

Ein paar Minuten lang guckten sie sich noch am Gelände um, dann nahm Klaas Tim wieder an die Hand und sie gingen zu Fuß zum Haus, welches Klaas vor mehreren Monaten gekauft hatte. Mittlerweile waren die Böden geschliffen, die Wände neu gestrichen, abgenutzte Stellen korrigiert, die Fenster waren nachgebessert worden und der Rasen war vom Gärtner gemäht worden.

Drinnen standen viele Kartons und es roch immer noch nach Farbe, als der Moderator die Haustür aufschloss. Die Küche hatte er ein bisschen modernisieren lassen, der Gasherd war gegen Induktion ausgetauscht und die Dunstabzugshaube war erneuert worden. Klaas hatte einen großen Kühlschrank mit Eiswürfelspender gekauft, weil er so einen schon immer hatte haben wollen.

Die Bäder waren noch in Arbeit, aber die Zimmer waren so weit eigentlich fertig.

Im Wohnzimmer stand eine, noch in Luftpolsterfolie verpackte, Couch, zwei bereits aufgebaute Schränke und schon einige Umzugskisten. Das Schlafzimmer unten war noch leer, aber Klaas hatte bereits ein größeres Bett gekauft. Das Bett, das in seiner Wohnung in Friedrichshain stand, war okay und es war ihnen immer genug gewesen, aber diesmal hatte er sich etwas spezielles überlegt. Er hatte ein richtig großes Boxspringbett bestellt. Sowas hatte er sich nie gegönnt. Früher nicht, weil es einfach unnötig teuer gewesen war, mit Doris hatte er nie dran gedacht, dann war er allein gewesen, aber jetzt mit Joko nahm er es sich heraus und verschwendete das Geld mit Vergnügen.

Tim hüpfte in seinen hellblauen Sneakers die Treppen hinauf, woraufhin Klaas ihm folgte.

„Das Zimmer wolltest du, oder?“, er schob die Tür zum Zimmer am Ende des Ganges auf. Sein Sohn ging in den Raum hinein und nickte. Klaas hatte ihn schon ein paar Mal mit hierhergenommen und ihm erklärt, dass sie umziehen würden. Es hieß für den Kleinen, dass er in eine andere Grundschule gehen würde als seine Freunde aus dem Kindergarten. Das hatte Timmy erstmal nicht gefallen, aber als er das Haus und den Garten gesehen hatte, hatte er sich mit dem Gedanken anfreunden können.

Klaas hatte ihm die Zimmer im ersten Stock gezeigt und ihm versichert, dass er sich eins aussuchen durfte, außerdem hatte er ihm versprochen, dass er neue Möbel bekommen würde. Zwar hatte der Moderator es als „Zuspruch“ getarnt, um seinen Sohn zu besänftigen, aber eigentlich brauchte der eh neue Sachen. Tims Bett und sein Schrank waren gekauft worden, als sie in die Wohnung in Friedrichshain gezogen waren, da war der Kleine gerade drei Jahre alt gewesen. Dementsprechend war er gewachsen und konnte ein neues Bett, einen neuen Kleiderschrank und einen Schreibtisch sowieso gebrauchen.

„Das ist größer als mein Zimmer jetzt, oder? Kann ich meine Eisenbahnschienen dann auch mitnehmen?“

Klaas nickte, „Natürlich.“ Er ging zu seinem Sohn und wuschelte ihm durch das braune Haar. „Wir gucken was du alles mitnehmen willst und kaufen dann ein paar neue Sachen dazu. In Ordnung?“

„Schick“, grinste der kleine Junge.

Sie guckten noch ein wenig herum, Klaas sah sich ein paar Dinge an, die ihm der Architekt und auch seine Maklerin aufgeschrieben hatten und dann gingen sie zurück zum Auto.

Neben Timmys Zimmer im ersten Stock waren noch zwei recht große Zimmer. Eines könnte er als Büro einrichten, zwei Schreibtische würden locker hineinpassen und bestimmt auch einige Bücherregale, so eine eigene Bibliothek hatte er eh schon immer mal haben wollen.

Das andere würden sie vermutlich in eine Art Gästezimmer wandeln, und wenn Joko seine Tochter mit nach Berlin nahm, dann konnte sie das Zimmer nehmen. Richtig viel Sinn es als ihr permanentes Zimmer umzufunktionieren hatte es nicht, denn so oft würde Mila nicht kommen können. Außerdem hatte Joko ja noch sein Haus in Würzburg, dort hatte seine Tochter ihr eigenes Reich und Klaas hatte weiterhin vor seinen Freund dort besuchen zu kommen, wenn Joko länger in Bayern zu tun hatte. Das Gästezimmer war natürlich auch für Janne oder für seine Mutter, wenn die vorbeikommen wollten.

Zurück in seiner Wohnung in Friedrichshain machte er die Reste vom gestrigen Auflauf für Tim warm und ließ ihn dann bisschen Möbel auf seinem MacBook gucken. Gemeinsam saßen sie auf der Couch, sein Sohn bereits geduscht und im Pyjama und Klaas selbst in einer grauen Jogginghose, die er beim Anziehen hatte am Bund zubinden müssen, er war sich ziemlich sicher, dass Joko die öfter angehabt und ausgeleiert hatte. Gelinde gesagt störte ihn das nicht einmal, er hatte lediglich gegrinst, als er sie vor dem Spiegel zugeschnürt hatte und den Kopf geschüttelt.

„Hier das ist cool“, Timmy deutete auf den Bildschirm, wo Klaas gerade durch einige Betten eines Online-Shops scrollte.

„Das?“, fragte er. Der Kleine nickte. Also merkte Klaas es vor, indem er das Modell in einem neuen Tab öffnete. Er guckte noch mehr Betten und auch Schreibtische mit Tim durch, bevor er ihn ins Bett brachte. Eigentlich ging der Sechsjährige schon recht selbstständig zu Bett, aber des Öfteren ließ er es sich nicht nehmen seinen Sohn noch richtig zuzudecken.

„Gute Nacht“, er strich dem Jungen durchs Haar, als er unter die Decke geklettert war und zog ihm diese bis zum Kinn.

„Nacht, Papa“, er grinste. „Ich freu mich schon auf das neue Haus.“

„Ich auch, Timmy“, er lächelte ihn weich an. „Schlaf jetzt, ja? Träum schön.“

„Ist gut.“ Tim kuschelte sich in die Decke und Klaas stand von der Bettkante auf, um das Licht zu löschen, dann ging er leise aus dem Zimmer und zog die Tür hinter sich zu. Früher hatte er sie nur angelehnt, weil sein Sohn das gewollt hatte, aber jetzt schien Tim okay zu sein, bei geschlossener Tür zu schlafen. Der Kleine wusste, dass wenn etwas nicht in Ordnung war, dass er dann immer zu seinem Papa kommen konnte. Klaas hatte ihm das einmal ganz deutlich gesagt und seitdem schien Tim lockerer. Es schien als hätte er genau das gebraucht. Jemanden, der ihm versicherte, dass er hier war und nicht wegging.

Der Moderator fläzte sich zurück auf die Couch und zog den geöffneten Laptop wieder auf seinen Schoß. Es warteten einige E-Mails noch auf ihn, genauso wie Moderationstexte, die er durchgehen sollte, Kathas Vorschläge für Gastauftritte für LNB im April und auch das PR-Zeugs für Joko & Klaas gegen Prosieben.

Aber er befand sich immer noch auf der Website des Online-Shops. Nach einem kurzen Zögern navigierte er den Cursor in den Bereich der Sanitäranlagen und klickte sich durch einige Angebote.

Erst zwanzig Minuten später fragte er sich schließlich was er da tat.

Naja, eigentlich wusste er es.

Er guckte sich seit… viel zu langer Zeit jetzt Badewannen an und das obwohl er gar nicht gerne baden ging. Aber beide Bäder im Haus verfügten über keine Badewanne. Das Bad im oberen Stockwerk hatte zwei große, moderne Waschbecken, eine ebenerdige Dusche, in die Klaas eine Regenwaldbrause einbauen lassen wollte und natürlich eine Toilette und er würde auch noch Schränke für das Bad kaufen.

Das Gästebad hatte Toilette und Waschbecken, wie jedes Gästebad und das Bad, welches ausschließlich vom Schlafzimmer im Erdgeschoss zu betreten war, verfügte über eine große Dusche, Regenwaldbrause war dafür ebenfalls bestellt, ebenfalls zwei Waschbecken und war auch sonst ähnlich aufgebaut wie das Bad im ersten Stock. Und Klaas brauchte wirklich keine Badewanne, auch Tim nicht. Sein Sohn ging schon lang nicht mehr Baden, sondern duschte selbstständig.

Aber Joko mochte das Baden.

Klaas seufzte über sich selbst.

Nein, Joko mochte es nicht, er liebte es. Klaas wusste, dass der Größere sehr häufig badete und in Würzburg auch eine schicke Badewanne hatte. Im Urlaub waren sie gemeinsam im Pool gewesen und in dem Wellnesshotel damals hatten sie auch eine Wanne im Bad gehabt mit Whirlpoolgadget und Blubberblasen und solch einem Schnickschnack, aber Klaas hatte sich geweigert.

Baden war wirklich nicht sein Ding. Schön und gut, er akzeptierte es, wenn Joko es mochte. Mittlerweile akzeptierte er es ja auch, dass sein Kollege weitaus mehr barfuß rumlief als notwendig, aber das hieß ja nicht, dass er mit ihm in die Wanne steigen musste.

Ein paar Mal hatte der Blonde Andeutungen gemacht, mal im Spaß, wenn sie im Begriff waren Sex zu haben, mal unter der Dusche, wenn sie gemeinsam unter dem warmen Wasserstrahl standen, aber er hatte Klaas nie explizit gebeten mit ihm Baden zu gehen.

Dem Himmel sei Dank.

Der Jüngere wusste, dass er natürlich einfach Nein sagen konnte, aber irgendwie wollte er das auch nicht. Klaas wollte definitiv nicht mit Joko baden, aber wenn Joko das echt wollte… dann. Klaas verdrehte frustriert die Augen, konnte aber auch nicht aufhören weiter durch die Badewannenmodelle zu scrollen.

So lächerlich er sich selbst in diesem Moment fand, er hatte ja eh schon längst entschieden. Er würde eine Badewanne in das Bad im Erdgeschoss reinbauen lassen. Nichts Extravagantes, oder etwas das zu groß war, aber Joko sollte auch in Berlin sein blödes Hobby haben dürfen.

Er saß nicht wirklich seit einer halben Stunde hier, um für Joko eine Badewanne auszusuchen.

Klaas konnte nur über sich selbst den Kopf schütteln.

So weit war es bereits gekommen.

***


„Hey“, begrüßte Klaas seinen Freund, der bereits an seinem Auto lehnend innerhalb der Garage auf ihn wartete. Joko kam direkt auf ihn zu und hatte sich, noch bevor der Jüngere den Motor hatte abstellen können, einfach frech bei seinem geöffneten Fenster hineingelehnt und drückte ihm kurz die Lippen auf.

„Hey Friend“, er grinste und sein Kopf verschwand wieder aus dem Wagen. Klaas konnte ihm nur kopfschüttelnd hinterhersehen und doch schaffte er es nicht ganz sich das Grinsen zu verkneifen.

Er stieg aus seinem Porsche und zückte neben dem Autoschlüssel, welchen er klickte, um das Auto zu verriegeln, auch den Haustürschlüssel. Joko öffnete nun auf Knopfdruck den Kofferraum seines grauen SUVs und holte etwas Langes heraus. Erst als er es sich auf die Arme hievte und mit unförmigen Bewegungen den Kofferraum wieder schloss, erkannte der Braunhaarige es als einen Teppich.

„Was haste da mitangeschleppt?“, fragte Klaas amüsiert und wartete an der Tür, dass Joko dazukam und sie gemeinsam hineingehen konnten.

„Ist voll schick, wirst schon sehen“, Joko keuchte offensichtlich ein wenig unter dem Gewicht.

Der Kleinere nickte und hielt ihm die Tür auf.

Joko hatte recht und bewies Geschmack. Um ehrlich zu sein, hatte Klaas ihm ja auch bewusst einiges überlassen was die Einrichtung des Hauses betraf. Der gebürtige Norddeutsche hatte das Haus bezahlt und von Joko kein Geld dafür gewollt, auch wenn dieser es mehrmals ernsthaft angeboten hatte. Klaas hatte abgelehnt. Er kannte Jokos Kontostand nicht und doch wusste er, dass sie beide sich nicht die geringsten Sorgen über Geld zu machen brauchten. Schließlich hatte er seinem Freund vorgeschlagen, dass er ja einfach einige Möbel kaufen und so seinen Teil beitragen konnte. Nach ein paar Diskussionen hatte er zugestimmt.

Seit Joko und Klaas beide alleine wohnten, hatten sich die Stile ihrer Wohnungen verändert. Lisa und Doris waren damals die treibenden Kräfte in Sachen Deko, Pflanzen und geschmackvoller Einrichtung gewesen. In Jokos Fall hatte dieser mit seinem Umzug nach Bayern viel dazugelernt. Klaas mochte das Haus in Würzburg sehr gerne, es war eine Mischung aus modern, vintage und gemütlich, ziemlich typisch Joko, seiner Meinung nach. Er selbst hatte die Wohnung in Friedrichshain sehr einfach eingerichtet, basic and classy. Nicht zu viel Schnickschnack, nur Pflanzen, die nicht gleich eingingen, wenn man sie mal vergaß zu gießen, ein paar Fotos, die ihm viel bedeuteten, sowie ein paar Bilder, die er aus Galerien oder von Auktionen bekommen hatte.

Demnach überließ er es dem Älteren gerne einige Möbel auszusuchen und das Haus einzurichten. Eigentlich war das Einzige was Klaas bisher gekauft hatte, das Boxspringbett gewesen. Die marineblaue Couch, der Esstisch aus Massivholz mit Glasplatte obendrauf und die passenden Stühle dazu, die Nachtkästchen im Schlafzimmer, die Ausstattung im Gästezimmer und die Fernsehwand, hatte alles Joko ausgesucht, von Klaas abnicken lassen und bezahlt.

Im Wohnzimmer ließ der Blonde die Rolle vor die Couch fallen und riss das Plastik ein wenig herunter, um Klaas die Musterung zu zeigen. Der Teppich war flauschig weiß mit einem Muster in einem Marineblau, welches herrlich gut zur Couch passte.

„Gut, oder?“, Joko lächelte „Und“, redete er weiter ohne Klaas‘ Antwort abzuwarten, „Und das hier“, er hievte sich vom Boden hoch, „Der passt auch dann gut hier rein“. Er scrollte durch sein Handy. „Warte ich hab nen Screenshot gemacht, hier“, er hielt seinem Kollegen das Telefon hin, welches einen Glastisch zeigte. Der Braunhaarige nickte. „Ja sieht gut aus.“

Klaas ließ sich auf die blaue Couch sinken und strich angetan über den Stoff. Joko war seinen Bewegungen mit den Augen gefolgt und setzte sich nun neben ihn.

„Hab ich gut ausgesucht, ne?“, er grinste den Kleineren verschmitzt an.

Ein klein Wenig rollte er mit den Augen, weil er Joko die forcierte Genugtuung nicht geben wollte und zuckte dann halb nickend mit den Schultern. Vermutlich sah er komisch aus in dieser unkoordinierten Bewegung.

Aber der Blonde ließ sich nicht durch Klaas‘ Gleichgültigkeit aus der Ruhe bringen und lächelte weiterhin durch die Gegend, als könnte nichts seine Stimmung trüben.

„Was grinst du denn so …grenzdebil?“

Joko lachte bei der Frage. „Ich weiß auch nicht“, er schloss die Augen kurz und öffnete sie wieder, aber seine Mundwinkel blieben nach oben gekrümmt. Kurz sahen sie sich schweigend in die Augen, bis der Ältere nach Klaas‘ Hand tastete und ihre Finger sich fanden, dann beugte er sich näher zu ihm hin. Joko ließ ihn nicht aus den Augen, kam ihm in gefühlter Zeitlupe näher, sodass Klaas zwei Atemzüge lang, Jokos warmen Atem an seinen Lippen spüren konnte, bis dieser sich schließlich ganz zu ihm hinüberlehnte und sachte seinen Mund streifte. Klaas flatterten die Augen zu.

Aus Reflex erwiderte er den Kuss und drückte seine Lippen warm an Jokos. Sie hatten sich über eine Woche nicht gesehen, weil Klaas jetzt Ende März viel mit LNB zu tun gehabt und Joko Termine in München ausgemacht hatte. Feucht drängte sich eine Zungenspitze zwischen Klaas‘ Lippen und in einem leisen Seufzen öffnete er den Mund für Joko, der langsam und auskostend eindrang und ihre Zungen aneinanderdrückte. Sanft und doch bestimmt, sodass es Klaas die Gedanken zerschoss.

Wenn Joko ihn küsste und besonders wenn er ihn so küsste, dann fehlte ihm die Konzentration für irgendwas anderes. Sein Kopf wurde vollends von diesem warmen Gefühl eingenommen. Jokos weiche Lippen an seinen eigenen, seine Hand in Klaas‘ Hand und sein angenehmer Geruch, der ihm geradezu berauschend in die Nase stieg.

Der Blonde drückte ihn in einer fließenden Bewegung in die Couchkissen und gerade hatte Klaas die freie Hand in Jokos Nacken schieben wollen, um ihm näher zu sein und ihn festhalten zu können, da löste sich dieser von ihm.

Klaas konnte den unzufriedenen Laut, der ihm in die Kehle stieg, gerade noch unterdrücken und öffnete lediglich verwirrt die Augen. Braun traf auf Blau. Geradezu liebevoll guckte Joko ihn an.

„Also hab ich gut ausgesucht, oder nicht? Guck was man alles machen kann“, er grinste schief und lehnte sich noch tiefer über ihn und stützte sich rechts von Klaas auf dem marineblauen Stoff auf.

„Ach halts doch zam, Winti“, murmelte er nur frustriert, schob nun doch die Hand in den Nacken seines Freunds und küsste ihn wieder. Sanft biss er ihm in die Unterlippe und strich dann entschuldigend mit der Zunge darüber, bis er daran saugte und ein wohliges Brummen seines Gegenübers vernehmen konnte. Joko schien sich nun wieder auf die Zärtlichkeit einzulassen, nahm Klaas fest in den Arm und schließlich rückte die Frage, die er zweimal mit Nachdruck gestellt hatte in den Hintergrund.

Einige Minuten später, nachdem sie die ausgiebige Knutscherei auf der Couch beendet und sich zufrieden angelächelt hatten, hatte Joko mit einer Hand auf Klaas‘ Po gefragt, ob denn das Bett schon da war.

Der Braunhaarige hob die Augenbrauen. „Bist du müde?“

Joko leckte sich über die Lippen, was Klaas nicht entging, und schüttelte den Kopf.

„Ich hätte es mir nur gern mal angesehen.“

„Okay“, der Jüngere erhob sich und zog seinen Freund ebenfalls von der Couch hoch. „Aber schauen tut man mit den Augen, ne Joko?“

Angesprochener grinste nun noch breiter und ließ sich bereitwillig von ihm führen.

Im Schlafzimmer angekommen blieb der Blonde allerdings abrupt stehen, denn es war leer. Nicht ganz leer. Einige Kisten standen in der rechten Ecke, etwas abseits vom Fenster, eine Gardinenstange lehnte daneben und zwei verpackte Bretterstapel fanden sich an der Wand ihnen gegenüber.

„Ist noch nicht da“, bestätigte Klaas.

„Du bist ein Biest“, schimpfte Joko.

„Wieso?“, lachte er, „Ich hab nie gesagt, dass das Bett schon hier ist. Nur, dass man mit den Augen schaut und sonst nichts.“

Wirbelnd drehte sein Kollege sich zu ihm und hatte ihn so flink zwischen sich und der Zimmerwand eingeschlossen, so schnell hatte Klaas gar nicht gucken können.

„Aber letztens“, murmelte Joko nun leise an seinem Ohr, sodass der Kleinere die Vibration seiner Lippen spürte, die ihm direkt eine Gänsehaut bescherte. „Letztens meintest du doch noch zu mir ich solle dich lieber richtig ausziehen und nicht nur mit den Augen.“ Lasziv spürte er Jokos Lippen zwischen Schläfe und Ohr.

Prompt schoss ihm die Röte in die Wangen. So sehr, dass Joko die Hitze spüren musste, wenn er die Verfärbung nicht ohnehin sah.

„Ich ähm“, Klaas musste sich räuspern und meinte ein leises Lachen zu hören. „Ich-“, begann er nun nochmal mit festerer Stimme. „Ich muss noch was ausmessen, kannst du das Maßband aus dem Bad holen?“

Joko atmete ihm demonstrativ gegen den Hals und drückte seine Nase fest in seine Halsbeuge, löste sich dann aber und nickte. Klaas biss sich fest auf die Lippen, als sein Freund ihm den Rücken zuwandte und das Zimmer verließ.

„Klausi?!“, kam es schließlich schockiert aus dem Bad. Und Klaas wusste natürlich auch warum. Das Bett war zwar immer noch nicht gekommen, weil er ein bestimmtes Modell bestellt hatte, welches sie nicht auf Lager gehabt hatten und sich nun die Lieferung verzögerte. Aber die Badewanne schon. Er hatte vor knapp drei Wochen den Auftrag gegeben, eine Badewanne in das Eck zwischen den zwei Waschbecken und einer freien Wand zu bauen. Und da war sie nun. Klaas trat hinter den Blonden.

Die Wanne war weiß und für eine herkömmliche Badewanne recht groß.

„Was ist das?“, Joko hatte sich zu ihm umgedreht und deutete ungläubig in die Ecke.

„Das ist eine Badewanne“, erwiderte der Jüngere.

„Hast du die extra für mich…?“, er beendete die Frage nicht und ließ sie offen im Raum stehen.

Langsam und zäh kam die Hitze in Klaas‘ Wangen zurück.

„Naja die war im Angebot und jetzt ist sie halt da“, murmelte er und zeigte unbestimmt durch das Badezimmer.

Ein Scheiß war im Angebot gewesen. Er hatte die extra einbauen lassen.

„Ach bist du süß“, mit den Worten Jokos fand sich Klaas auf einmal in dessen Armen wieder. Sanft wurde er an den größeren Körper gedrückt. Joko hatte ihm eine Hand vertraut auf den Hinterkopf gelegt und er konnte seine Lippen sachte an seiner Stirn fühlen.

Klaas brummte unzufrieden. Süß war jetzt nicht unbedingt das Kompliment, was er hören wollte.

„Du gehst dann schon auch mal mit rein, oder?“, geflüstert drangen die Worte an Klaas‘ Ohren.

„Boah zwing mich nicht“, stöhnte Klaas, „Jetzt hab ich sie dir schon gekauft, was willst du noch?“

Leise lachte Joko und der Braunhaarige konnte den Atem an seinem Hals spüren. Leicht breitete sich eine Gänsehaut auf seinem Nacken aus.

„Vielleicht krieg ich dich noch überredet“, murmelte der Ältere und senkte seine Lippen auf die Haut hinter Klaas‘ Ohr, von der er genau wusste wie Klaas reagierte. Innerlich kopfschüttelnd und doch angetan seufzte der Kleinere und gab sich der Nähe hin. Er umarmte seinen Freund und ließ sich den Hals küssen.

Wenn Joko so weitermachte, dann kriegte er ihn möglicherweise wirklich irgendwann überredet.

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Bussis an Jasminzetta1, Papierflamingo und Jure, ihr versüßt mir das Schreiberlebnis <3

Kleine Anmerkung in eigener Sache: ich überlege, ob ich vielleicht eine/n Betaleser/in suche. Nicht wirklich wegen Grammatik, sondern eher so plotmäßig jemand mit dem ich mich austauschen kann? Bin mir nicht sicher, aber wenn ihr sowas schon mal gemacht habt, euch bisschen mit Joko und Klaas auskennt und Lust habt, dann schreibt mir gern eine Nachricht.
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