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Days in the dark

GeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P16 / Het
Alecto Carrow Amycus Carrow Minerva McGonagall OC (Own Character) Poppy Pomfrey Severus Snape
31.05.2021
22.07.2021
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9.346
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22.07.2021 2.150
 
3. Dienstag, 16.09.1997



Schummriges Kerzenlicht erhellte das Hinterzimmer des Krankenflügels, in dem drei Frauen um einen runden Tisch saßen und in ihren Teetassen rührten. „Poppy, war Longbottom noch einmal hier, nach dem gestrigen Tag? Ich hatte ihm das Versprechen abgenommen, dass er die Wunde noch einmal untersuchen lässt“, fragte Minerva McGonagall und sah ihre Freundin abwartend an. Poppy Pomfrey nickte langsam, während sie in ihre Tasse starrte. „Noch ein wenig tiefer und Carrow hätte ihm das Auge ausgestochen. Ich bin nur froh, dass er rechtzeitig zu mir gekommen ist!“, meinte die Heilerin dann und sah zu Elenora, die ebenfalls missmutig auf die Tischplatte starrte. „Was hat Neville überhaupt angestellt, dass Alecto ihm so das Gesicht zerschnitten hat?“ „Ich habe mir sagen lassen, er hätte die Carrows gefragt, wie viel Muggelblut in ihren Adern fließt.“, antwortete die junge Frau und Minerva schüttelte den Kopf. „Törichter Junge… die Carrows haben ihn sowieso schon im Visier, weil sie vermuten, dass er Teil von ‚Dumbledores Armee‘ ist. Wenn sie herausfinden sollten, dass er die Gruppe auch noch anführt…“ Minerva brach ab, aber Elenora konnte sich denken, worauf sie hinauswollte. ‚Dumbledores Armee‘, kurz DA; so nannte sich eine Gruppe von Schülern, die konstanten Widerstand gegen die brutale Vorherrschaft der Carrows in Hogwarts leisteten. Sie bestand aus zumeist älteren Schülern und Freunden von Harry Potter, der diese Gemeinschaft schon während seines fünften Schuljahres mit einigen Mitschülern gegründet hatte. Angeführt wurde der Widerstand von Neville Longbottom, Luna Lovegood und Ginny Weasley, die sich immer neue Wege ausdachten, den Carrows eins auszuwischen. Anfangs hatten sich die Gruppenmitglieder aktiv gegen die Todesser gewehrt, aber nachdem die DA durch den wiedereingesetzten Ausbildungserlass 24 verboten wurde, schlugen die Carrows mit brutalen Strafen zurück. Jetzt reduzierten sich die Aktivitäten der Gruppe hauptsächlich darauf, nachts rebellische Botschaften an die Schulmauern zu malen und haufenweise Flugblätter zu verteilen. Natürlich unterstützen die meisten Professoren die DA heimlich, aber angesichts der grausamen Brutalität der stellvertretenden Schulleiter wurde es sowohl für Schüler als auch für Lehrer von Tag zu Tag riskanter, auf der Seite des Widerstands zu stehen. Obwohl das Schuljahr erst vor 15 Tagen begonnen hatte, war Hogwarts schon ein ganz anderer Ort geworden. In den sonst gut gefüllten Gängen und Höfen war jegliches Kinderlachen verstorben, und in jedem Gesicht konnte man die Spuren der letzten Tage bereits deutlich erkennen. Die Carrow-Geschwister hatten schnell klargestellt, was für bestialische Persönlichkeiten sie waren, denn Folter und dunkle Magie stand bei beiden an der Tagesordnung. Alecto Carrow, die Muggelkunde-Lehrerin, hatte das Fach zu einem Pflichtunterricht ausrufen lassen und verbreitete immerzu üble Gerüchte über nichtmagische Wesen. Ihr fester Grundsatz „Muggel sind weit weniger wert als Zauberer“ wurde den Schülern täglich gepredigt, und jeder, der etwas anderes behauptete, hatte mit schlimmer Bestrafung zu rechnen. Amycus stand seiner Schwester in grausamen Unterrichtsmethoden in nichts nach, hatte er doch sein Fach `Verteidiung gegen die dunklen Künste` in ein schlichtes `Dunkle Künste` umbenannt. Erst vor ein paar Tagen hatte er seine Sechstklässler den Cruciatus-Fluch an jüngeren Schülern üben lassen, was zu erheblichem Stau im Krankenflügel geführt hatte. Noch dazu nahm er gefährliche dunkle Magie wie das Dämonenfeuer in den Lehrplan mit auf und machte auch vor dem Todesfluch keinen Halt. Minerva faltete ihre Hände und auf ihrem Gesicht wurde tiefe Sorgenfalten sichtbar. „Die Strafen der Carrows werden immer brutaler, und ihre Unterrichtsmethoden immer grausamer. Wenn das so weitergeht, brauchen wir mehr Betten für den Krankenflügel!“ Poppy fasste ihre Freundin warnend am Arm, und sah durch die offene Tür zu den Krankenbetten. Auch Elenora linste an ihrer Tante vorbei und erblickte Ginny Weasley, die sich unruhig auf ihrer Liege hin und her wälzte. „Wir sollten Ms. Weasley nicht aufwecken, sie hat die letzte Nacht sowieso zu wenig Schlaf abbekommen.“ Elenora durchfuhr ein kalter Schauer, wenn sie an den Zwischenfall vor ein paar Tagen dachte. Die Carrows hatten auf irgendeine Weise herausgefunden, dass Ginny Weasley und Harry Potter bis vor kurzem noch ein Paar gewesen waren, und hatten somit den Schluss gezogen, dass die junge Weasley Information über den Aufenthaltsort ihres Exfreundes haben musste. Minerva hatte Ginny erst gefunden nachdem die Carrows sie schon für einige Zeit gefoltert hatten, und musste die junge Schülerin regelrecht in den Krankenflügel tragen. „Das arme Mädchen“, murmelte Elenora und ihr Hass auf die Todesser-Geschwister wallte wieder einmal in ihr auf. „Was die Carrows ihr angetan haben, ist mehr als nur grausam. Die Schnittwunden auf ihrem Rücken werden eine ganze Weile brauchen, bis sie vollständig verheilt sein werden… und von ihren Armen will ich gar nicht erst anfangen.“, gab Poppy hinzu und trank ihren letzten Schluck Tee aus. Unruhig rutschte Elenora auf ihrem Stuhl hin und her, bis aus ihr herausbrach: „So kann es doch nicht weitergehen! Diesen elenden Krähen muss Einhalt geboten werden, sonst gibt es bald wirklich noch Tote! Warum unternimmt Snape nichts? Sieht er denn nicht, was diese Aasfresser mit unserer Schule anstellen? Wieso sollte er wollen, dass Schüler dieser ganzen Folter ausgesetzt sind?“ „Snape? Pff, auf den ist kein Verlass. Hast du ihn in den letzten Tagen überhaupt gesehen? Er sitzt den ganzen Tag nur in seinem Büro und tüftelt an weiß Merlin was für Plänen!“, schnaubte die ehemalige Direktorin und räumte auch ihre Tasse zur Seite. Hinter der verachtenden Grimasse konnte Elenora allerdings erkennen, dass ihre Tante ähnlich verletzt war wie sie selbst. Severus Snape hatte zu seinen Lehrzeiten auch ein relativ gutes Verhältnis zu der Hauslehrerin gehabt, von den Streitereien um Quidditch und den Hauspokal mal abgesehen. Minerva versuchte es zwar zu verbergen, aber Elenora wusste, dass ihre Tante die alte Persönlichkeit des Slytherin ebenfalls vermisste, obwohl er vor nicht allzu langer Zeit Dumbledore, den besten Freund der Verwandlungsprofessorin, kaltblütig ermordet hatte. „Ja, es ist wirklich seltsam, dass er sich kaum zeigt… es scheint mir, als ob er vor seiner neuen Verantwortung davonlaufen würde“, meinte Poppy nachdenklich und Minerva spie aus: „Dann hätte er Albus vielleicht nicht umbringen sollen!“ Ihr plötzlicher Wutausbruch legte sich sofort wieder und die Hexe seufzte schwer. Elenora schob ihre leere Tasse zur Seite und legte ihrer Tante tröstend eine Hand auf die Schulter. „Wir sollten in die Große Halle gehen, schließlich haben wir bald Aufsicht.“ Mit einem müden Nicken erhob sich Minerva und nachdem sich die Professorinnen von Poppy verabschiedet hatten, verließen sie auf leisen Sohlen den Krankenflügel. Schweigsam liefen die beiden Frauen in Richtung der Großen Halle und passierten dabei die beiden Innenhöfe. Trotz des sonnigen Herbsttages war nirgendwo ein Schüler zu sehen und es herrschte Totenstille, sodass die Schritte der beiden laut in den steinernen Gängen widerhallten. Elenora hatte sich mittlerweile an die triste Atmosphäre gewöhnt, wie sie sich bitter eingestehen musste. Sogar die Portraits, so schien es ihr, waren nun noch schweigsamer als sonst und von den meisten Geistern war seit Schulbeginn nichts mehr zu sehen gewesen. Die beiden Frauen bogen um die Ecke zur Eingangshalle und traten durch die große Doppeltür der Großen Halle, die einen Spalt breit offenstand. Trotz der zwei Dutzend Schüler, die an den Langbänken saßen und vor sich hinarbeiteten, war es absolut still in der mächtigen Halle. Einzig das Geräusch vom Kratzen der Federkiele auf Papier und das Rascheln von Buchseiten war zu hören, und alle Anwesenden saßen mit gebeugtem Kopf über ihren Pergamentrollen. Die Einzige, die sich in dieser Atmosphäre wohl zu fühlen schien, war Alecto Carrow, die mit überheblicher Miene wie ein Hippogreif zwischen den Häusertischen herumstolzierte. Plötzlich erstarrte sie und richtete ihren stechenden Blick auf einen Schüler am Gryffindor-Tisch, der diesem trotzig standhielt. „Was glotzt du so, Longbottom? War dir deine gestrige Strafe nicht hart genug oder soll ich dir dein Auge dieses Mal wirklich ausstechen?“, keifte Alecto und Neville, der sie fest im Blick behielt, öffnete den Mund. „Sie machen mir keine Angst!“ Wie von einer Natter gebissen zuckte Alecto zusammen und war dann mit drei großen Schritten bei dem Gryffindor, um ihn mit einer Hand auf dem Nacken auf die Tischplatte zu drücken. Während sie ihren krummen Zauberstab gegen seine Wange presste, zischte sie: „Spielst immer noch den Mutigen, was? Nun, diese Einstellung wird sich sicher gleich ändern…“ „Halt, nicht!“ Ehe Elenora realisiert hatte, dass sie ihren Mund geöffnet hatte, waren ihr die Worte auch schon entwichen. Langsam, und ohne den Zauberstab aus Nevilles Gesicht zu nehmen, richtete sich Alecto auf und starrte die junge Frau feindselig an. „Na sieh einer an, beide McGonagalls auf einen Schlag. Heute ist wohl mein Glückstag!“ „Lassen Sie Longbottom in Ruhe, Carrow.“, forderte Elenora mit verschränkten Armen, was die Todesserin laut auflachen ließ. „Und wieso sollte ich das tun?“, fragte sie mit vor Verachtung triefender Stimme. Die Gryffindor warf Neville einen kurzen Blick zu, der mit zusammengepressten Zähnen in der unbequemen Position ausharrte, und sagte dann bestimmt: „Er hat keine Schulregeln verletzt, also hat er auch keine Bestrafung zu erwarten.“ „Oh, natürlich, wie ungerecht von mir!“, höhnte Carrow und ließ erneut ihr gackerndes Lachen ertönen. Dann drückte sie ihre Zauberstabspitze
noch tiefer in Nevilles Wange, der kurz gequält die Augen zusammenkniff, und sah Elenora herausfordernd an. „Dann hindern Sie mich doch daran, Professor.“ Elenora wappnete sich für den Eingriff, denn sie würde auf keinen Fall zulassen, dass Alecto dem armen Jungen eine weitere Narbe verpasste, da ertönte Minervas kalte Stimme hinter ihr. „Das würde ich an Ihrer Stelle unterlassen, Professor Carrow. Ihre Aufsichtszeit ist ohnehin vorüber, ab jetzt übernehmen Professor McGonagall und ich diese Aufgabe.“ Sowohl Elenoras als auch Alectos Kopf fuhren herum, als die Hauslehrerin sich zu Wort meldete. „Oh, wenn Sie glauben, dass ich mir von Ihnen irgendetwas sagen ließe, dann haben Sie sich geschnitten, alte Schachtel!“, giftete Alecto Carrow mit blitzenden Augen. Elenora knurrte leise, doch Minerva warf ihr einen warnenden Blick zu und schritt mit erhobenem Kopf auf die Muggelkunde-Professorin zu. „Das sollten Sie aber. Und falls Ihnen meine Anweisung nicht genügt: Ich bin mir sicher, sollte der Schulleiter von Ihren unnötigen und voreiligen Strafvergaben erfahren, wird er Sie ebenso in Ihre Schranken weisen.“, sagte Minerva, und ihrer ruhigen Stimmlage schwang nun ein gefährlicher Unterton mit. Alecto starrte die Professorin für Verwandlung weiterhin hasserfüllt an, aber ihr Handgriff um Nevilles Nacken schien sich zu lockern. Elenora war sich nicht sicher, aber sie könnte schwören, einen kurzen Funken der Angst in den Augen der Todesserin erkannt zu haben. Kein Wunder; niemand der noch halbwegs bei Verstand war, würde sich ohne Rückendeckung mit Minerva McGonagall anlegen. Mit einem unwilligen Schnauben ließ Alecto jetzt von Neville ab und wandte sich zum Gehen, als sie sich noch ein letztes Mal an Elenora wandte. „Ihr Blutsverräter macht es eh nicht mehr lange! Sobald der dunkle Lord seine vollständige Kraft wiedererlangt hat, werdet ihr ihn alle auf Knien anflehen, euer erbärmliches Leben zu verschonen! Insbesondere solche, die Muggelsympathisanten unterstützen!“, rief die Todesserin und fixierte Elenora mit ihren kleinen Schweinsaugen. Die junge Professorin war drauf und dran, einen Konter zurückzufeuern, klappte bei einem erneuten Warnblick ihrer Tante jedoch ihren Mund wieder zu und beobachtete nur, wie Alecto Carrow gackernd von dannen zog. Erst, als die Todesserin in dem Türspalt verschwunden war, lockerte die Gryffindor ihre geballten Fäuste und verkrampften Schultern. „Eines Tages bringe ich sie um“, murmelte Elenora nun leise, nachdem Minerva sich zu ihr gestellt und den Abgang der Professorin mitbeobachtet hatte. „Ich kann deinen Hass sehr gut nachvollziehen, aber wir dürfen den Carrows auf keinen Fall einen Anlass geben, gegen einen von uns handgreiflich zu werden.“, erklärte die Gryffindor mit leiser Stimme und sah ihre Nichte eindringlich an. Seufzend drehte sich Elenora um und ließ einen kurzen Blick über die Halle schweifen. Alle anwesenden Schüler hatten die Auseinandersetzung mit angehaltenem Atem verfolgt und starrten die McGonagalls jetzt mit großen Augen an. Minerva ignorierte das leise Geflüster gekonnt und schritt nach vorne in Richtung des Lehrertisches. Als sie Nevilles Platz passierte, räusperte sich der junge Mann und sah verlegen zu seiner Hauslehrerin hoch. „Tut mir leid, dass Sie sich meinetwegen mit Carrow anlegen mussten, Professor… aber trotzdem danke.“ Minerva blickte streng mit hochgezogenen Augenbrauen auf ihren Schüler herab, doch Elenora konnte auch eine Spur Sorge in ihren Augen erkennen. „Mr. Longbottom, wie oft muss ich Ihnen noch erklären, dass mit den neuen Professoren nicht zu spaßen ist? Wollen Sie wirklich noch ein Auge verlieren?“ „Nein, Professor.“ „Dann verhalten Sie sich auch dementsprechend.“, kommandierte die ehemalige Schulleiterin und setzte ihren Weg zum Rednerpult fort. Neville senkte den Kopf, nickte aber auch Elenora noch dankbar zu, als sie zu seinem Platz kam. „Hat Professor Carrow Ihnen wehgetan?“, murmelte Elenora leise und besah sich mit wachsender Sorge die roten Schrammen an Nevilles Wange, die Alectos Zauberstab hinterlassen hatten. Der Gryffindor lächelte nur leicht und fuhr mit seinen Fingern vorsichtig über seine Backe, dann gab er leise zurück: „Es geht schon. Danke, Professor.“ Die junge Frau blinzelte ihm noch einmal zu, dann richtete auch sie sich auf, um ihren Rundgang durch die Halle fortzusetzen.


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Ich melde mich mal wieder mit einem kurzen Lebenszeichen in Form eines neuen Kapitels  o/
Danke für die neuen Reviews und Favos <3
 
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