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Mordreds Herz und Merlins Mitleid

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
Merlin Mordred
29.05.2021
14.06.2021
4
4.188
2
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Dieses Kapitel
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10.06.2021 1.071
 
Der schwarze Vogel flog durch die Luft und die morgendlichen Strahlen der Sonne verfingen sich in seinem Gefieder.
Als er das Schloß erreichte begann er kreisend zu sinken. Lautlos landete die Krähe auf dem Sims eines kleinen Fensters.

Das Kreischen des schwarzen Boten ließ Merlin aus den Schlaf fahren. Benommen blinzelte er zu dem Störenfried.
"Verdammter Vogel" dachte der junge Zauberer. Warum traf es eigentlich immer ihn? Da fand er eh schon schlecht ins Land der Träume und nun das.
Grummelnd versuchte er das lästige Etwas zu vertreiben aber das Federvieh war sogar so unverschämt sich in sein Haar zu verkrallen. Merlin reichte es. Er setzte gerade dazu an die Federn dieses Plagegeists zu versengen als er das zusammengerollte Pergament entdeckte das an dessen Bein befestigt war.
Er stutzte. War das etwa eine Nachricht?
Von wem war sie wohl und warum an ihn? Stirnrunzelnd befreite er den nun still sitzenden Vogel von seinem Anhängsel.

Mit zittrigen Fingern öffnete er die Rolle und überflog die ersten Zeilen. Seine Pupillen weiteten sich. Das war eine Botschaft von Mordred, er schrieb das er und Kara bei Morgana gelandet waren und das diese plante Emrys hervorzulocken. Wie wusste der Druide noch nicht aber er hatte einige Informationen gesammelt die dem Zauberer helfen könnten, er erwähnte auch einen verstümmelt Drachen.

"Aithusa" hauchte Merlin verzweifelt. Er erinnerte sich an sein Drachenmädchen. Als er sie das letzte Mal in Ismyr sah hatte ihr Anblick sein Herz zerrissen. Statt weiß und hell strahlend, war sie grau und verkrümmt gewesen, ein kümmerlicher Abklatsch dessen was sie eigentlich sein sollte.
Er fragte sich immer noch was ihr passiert war, aber sie hatte nicht sprechen können und dann musste er sie wegschicken damit Arthur sie nicht töten konnte.

Nach all der Aufregung um Morgana und Mordred hatte er schlicht vergessen nach ihr zu suchen. Beschämt vergrub er das Gesicht in seine Hände.
Warum hatte er sie nicht zu sich gerufen? Warum hatte er aus den Augen verloren das sein Mädchen seine Hilfe brauchte?
Was war er bloß für ein Drachenmeister wenn er sich nicht um ein Wesen kümmerte das er auf die Welt geholt hatte?
Das musste er ändern. Sofort. Er glaubte auch schon zu wissen wie.

So verfasste er ebenfalls eine Nachricht.
Kurz zögerte er. Sollte er unterzeichnen? Und wenn dann mit welchem Namen? Er entschied sich lieber nur 'Von einem Freund' zu schreiben.
Sollte der Brief abgefangen werden oder dem falschen Empfänger unterkommen, war garantiert das niemand erriet von wem er war.
Zufrieden rollte er den Zettel um noch eine Kleinigkeit, befestigte alles am Bein der Krähe und schickte sie dann los.
Aithusa würde die Hilfe bekommen die er ihr bisher nicht geben konnte und der Druide war genau der richtige um das zu gewährleisten.
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Mordred war besorgt. So viele Sachsen hatte er noch nie gesehen. Wo kamen die nur alle her?
Auch Kara gab ihm Rätsel auf. Einerseits war sie zärtlich und anschmiegsam, andererseits aber auch kalt und grausam und sobald er über seine Zeit in Camelot erzählte, schien sie nur noch aus Haß zu bestehen.

Er wusste immer noch nicht warum das so war. Klar hatte sie erzählt das ihre Familie umgekommen war, aber das war doch nicht Arthurs Schuld. Der Blonde war zwar anscheinend früher ein Mitläufer seines Vaters gewesen aber seit er König war hatte er keine Druiden mehr jagen lassen und auch sonst schienen sich einige Dinge geändert zu haben.
Alleine das er Nicht- Adelige als Ritter aufnahm war schon ein gewaltiger Sprung und das er eine Dienstmagd geehelicht hatte war außergewöhnlich.
Er musste nur noch begreifen das Magie nicht das pure Böse war und Emrys bzw. Merlin war genau der richtige um dies zu tun.

Seine früheren Kollegen (vor allem Leon) hatten ihm erzählt das, seit der schwarzhaarige Diener bei dem damals arroganten Prinzen war, dieser sich zu einem mehr als akzeptabelen Herrscher gemausert hatte.
Hatte der Druide damals nicht verstehen können warum ausgerechnet der größte aller Zauberer sich so unter den Scheffel stellte glaubte er jetzt zu ahnen warum dem so war.

Wenn jemand der so mächtig war sich jemanden unterordnete der über eine andere Art Macht gebot, könnte es wirklich dazu führen das dieser erkannte das Magie nicht gierig oder machthungrig machte, sondern das nur die Werte eines Menschen den Gebrauch selbiger steuerte.

Ja seit Merlin ihm gezeigt hatte warum er ihm gegenüber immer abweisend gewesen war, verstand Mordred einiges besser.
Merlin war Arthur treu ergeben, er würde sogar soweit gehen das der Magier den König als Familie ansah und darum wusste er das diese Vision von ihm, den Schwarzhaarigen zu solcher Art Verhalten angeregt hatte.

Natürlich wusste er als Druide das solche Vorhersagen meist eintrafen aber würde er soweit gehen? Würde er den König töten bzw. sein Zögern ausnutzen?
Mordred wurde rot als er erkannte das er ALLES getan hätte wenn der Blonde sein Urteil vollstreckt hätte.
Er war ja schon vorher so wütend gewesen. Er hätte wahrscheinlich Emrys verraten und Arthur voller Genuss durchbohrt.

Der Druide schämte sich. Das war nicht das was ihm gelehrt worden war. Seinesgleichen würde nie so weit gehen.
Aber er war blind vor Liebe gewesen, gefangen in einer Vorstellung die der Realität nicht standhielt. Langsam begann er sich einzugestehen das er seine damalige Kara verloren hatte. Doch noch war er nicht gewillt sie aufzugeben.
Es musste doch eine Möglichkeit geben ihr zu zeigen das die Hexe nur ihre eigenen Interessen verfolgte und Arthur somit ihre bessere Wahl war.
So schnell würde er nicht aufgeben. Sagte man nicht Liebe könne Berge versetzen? Es galt das zu beweisen.

So in Gedanken versunken bemerkte er zuerst nicht das sein Botenvogel zurückgekehrt war. Das Kreischen ließ ihn Aufsehen.
Er lächelte. Offenbar hatte er eine Antwort bekommen.
Er hob überrascht die Augenbrauen als er die fein geschwungenen Zeilen laß. Er betrachtete den kleinen Stein den Emrys geschickt hatte. Solche Macht und er durfte sie in Händen halten. Er war gerührt. Merlin vertraute ihm, daß hatte er sich schon immer gewünscht.
Er würde tun was ihm sein Mentor auftrug und sich seine Worte zu Herzen nehmen.
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Die Gestalt im Schatten beobachtete den Druiden eindringlich. Hatte sie sich doch nicht getäuscht. Mordred war ein Verräter.
Grimmig schnaubte sie. Sie hatte ihn einmal sehr gemocht aber er war schon immer ein Weichei gewesen und jetzt hatte er sich mit den Falschen eingelassen, das würde er büßen.
Kara lächelte hinterhältig. Morgana würde SEHR zufrieden mit ihr sein.
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