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a guide to fake dating

von das-ellie
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Lando Norris Max Verstappen
29.05.2021
14.12.2021
9
42.441
29
Alle Kapitel
52 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
29.05.2021 3.312
 
Hallöchen

Es freut mich, dass ihr herein schnuppert in diese (lange) Geschichte. Vielleicht kann ich euch ja länger davon begeistern.

Dieses gute Stück hier ist meine erste Formel 1 Geschichte. Ich weiß jetzt schon, dass ich Corona auf jeden Fall dafür dankbar bin, denn diese (blöde) Pandemie hat mich zu diesem Sport gebracht und jetzt komme ich nicht mehr davon los. (Monaco war definitiv nicht gut für mein Herz!)

Ich bin ehrlich: Ich fand den Sport früher immer blöd, weil meine frühste Erinnerung daran ist, dass mein Großvater und Vater jeden Sonntag drei Stunden vor dem Fernseher gehockt haben und sauer waren, wenn man sie gestört hat. Und jetzt halten mich alle für völlig gestört, weil ich seit Anfang März von nichts anderem mehr rede. Aber who cares, ist ja nicht so, dass sie davor eine besonders hohe Meinung von mir gehabt hätten … egal, das gehört hier nicht her. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich (und meine Geschichten) noch einen Platz in diesem Fandom finden und (gut) aufgenommen werden :)

Ich habe in den letzten Monaten bevorzugt die englischen FanFiction Archive durch gewälzt und irgendwann ist mir dabei die Idee zu dieser netten Alternate Universe Story gekommen, die ich irgendwie lieber schreibe als Canon Storys. (AU’s sind im englischsprachigen Raum generell beliebter, kann das sein?)

Ich habe gegrübelt und geplottet und geändert und geweint und geträumt und meine Schwester und beste Freundin damit genervt. Jetzt kann ich euch hier das erste Kapitel präsentieren und bin stolz darauf.

Das hier wird eine NorStappen Story. Ich zähle das Pairing zu den Rare-Pairs, weil ich nicht wirklich viele Storys dazu gefunden habe. Aber ich finde das Setting und alles drum herum passt am besten zu den beiden. Geplant sind 19 Kapitel mit circa 50.000 bis 60.000 Wörtern. Ich behalte mir vor, beides nach Bedarf zu kürzen - länger wird es auf keinen Fall. Und bitte seht es mir nach, falls die Charaktere etwas OOC sind.

Ich hoffe (und freue mich) auf Feedback. Konstruktiv, positiv, negativ, kurz, lang - wonach immer euch der Sinn steht.

Mein Chef sagt immer: Fragen? Fragen! (Ich beantworte fast alles)

Mehr habe ich zu dem Bumms hier erstmal nicht zu sagen, denke ich. Deswegen viel Spaß beim Lesen.

xoxo das-ellie




* * *



E I N S




Max hat seine Schlafzimmertür extra nur angelehnt, damit er Landos Ankunft auf keinen Fall verpasst. Er wirft einen fragenden Blick in Richtung Uhr über der Tür. Der Schlüssel seines besten Freundes müsste sich jetzt jederzeit im Schloss drehen, immerhin ist er vor etwas mehr als vier Stunden losgefahren. Und von Bristol bis nach London braucht man im Durchschnitt drei Stunden – behauptet zu mindestens Google.
Abwartend starrt er den Startbildschirm von Call of Duty an. Max startet keine neue Runde, weil er spürt, dass sich das nicht lohnt.
Kurz darauf hört er Lando schon im Hausflur poltern und sich selbst beschimpfen, als ihm vor der Tür der Schlüssel runterfällt. Max grinst über Landos Schusseligkeit.
Lando zieht sich im Flur die Schuhe aus und kickt sie quer durch den Raum, wirft seine Jacke achtlos auf den Boden, wie immer. In ihrer WG gibt es weder eine Garderobe noch ein Schuhregal. Der Flur ist ohnehin viel zu schmal dafür und deswegen auch komplett leer - bis auf den Wäscheständer, der neben der Tür an der Wand lehnt, aber jetzt eher selten genutzt wird, weil es im Waschkeller seit neustem Trockner gibt.
Lando stößt die Tür zu Max‘ Schlafzimmer mit dem Fuß auf.
Max grinst ihn an. »Na, hast du mich vermisst?«
Lando schnaubt und fährt sich mit gespreizten Fingern durch die braunen Locken. »Ich konnte an nichts anderes denken. Vor allem, weil du alle zwei Minuten eine neue nervige Nachricht geschickt hast! Ich bin mir ziemlich sicher keinen Newsletter deines Lebens abonniert zu haben, bevor ich gefahren bin.«
Max lacht und Lando grinst jetzt auch, dann wird seine Miene wieder ernst. »Hast du gekocht? Ich hab‘ scheiße Hunger. Scheiß Stau und scheiß Londoner Verkehr!«
Sie haben beide einen ziemlich unstetigen Essensrhythmus. Lando trifft man selten ohne etwas zu Essen in der Hand an und Max reicht meistens eine Mahlzeit am Tag. Die restliche Energie zieht er aus seiner ungesunden Koffeinsucht, die er mit Red Bull und schwarzem Kaffee deckt.
»Es ist noch Pizza von gestern da, steht auf dem Herd.«
»Thunfisch?«, erkundigt sich Lando und verzieht Performer das Gesicht.
Max weiß, dass Lando Fisch und alles anderes was aus dem Meer kommt, nicht auf seinem Teller haben will. Manchmal, wenn er ihn wirklich ärgern will, bestellt Max deswegen Thunfischpizza oder Nudeln mit Meeresfrüchten.
»Nein, Hawaii.«
Landos angeekelter Gesichtsausdruck bleibt. »Obst gehört nicht auf Pizza!«
Und Max verdreht die Augen. »Dann sammel‘ sie runter oder bestell‘ dir dein eigenes Essen.«
Lando macht auf dem Absatz kehrt ohne Max zu antworten und taucht ein paar Sekunden später mit einem Stück Pizza wieder im Türrahmen auf.
Max wirft ihm einen warnenden Blick zu. »Wehe du kleckerst, ich hab‘ gestern erst gesaugt und gewischt!«
Lando beeindruckt das nicht ansatzweise. »Ach, deswegen hast du gestern mal zwei Stunden Ruhe gegeben?! Dieses Mal hast du es ja bloß drei Wochen aufgeschoben, kein neuer Rekord, oder?«
Am liebsten würde er eins von seinen Kissen nach Lando schmeißen, aber er wollte seinen Erfolg von gestern nicht gleich wieder damit versauen, dass Pizza auf dem Laminat landet. Deswegen unterdrückt er das Verlangen.
Lando und Max hassen putzen und aufräumen mehr als alles andere. Der Putzplan am Kühlschrank ist auch mehr eine provisorische Empfehlung und wird von beiden entweder als Drohmittel oder Erpressungsmaterial genutzt. Er ist auch erst wieder ein Problem, seitdem Max mit seiner Freundin schlussgemacht hat. Denn für sie war es eine Lebensaufgabe, dass Chaos der Jungs zu beseitigen. Seit sie nicht mehr da ist, machen Lando und er einen Wettkampf daraus, wer seine Aufgaben am längsten hinausschieben kann, bis der andere einen darauf aufmerksam macht. Gewinnen tut der, der den Rekord vom letzten Mal bricht. Verlieren tut der, der seine Aufgabe zu früh erledigt und wenn ein Besucher auf Dreck aufmerksam macht, gibt es unentschieden und sie legen peinlich berührt einen Putzmarathon ein.
Lando knabbert sich in Lichtgeschwindigkeit bis zum Rand, dann geht er auf Max zu, der ihm die Hand schon hinhält. Lando mag den Pizzarand nicht und Max isst immer seine Reste.
Lando klettert über Max auf die andere Seite des Bettes und angelt sich seinen eigenen Playstation-Controller vom Nachttisch, der nur dort liegt, weil sie kein Wohnzimmer haben und meistens in Max‘ Zimmer spielen, weil der Fernseher und das Bett hier größer sind.
»Spielen wir Fifa? Ich warte noch auf meine Revanche von letzter Woche!«, fordert der Brite, obwohl ihm klar sein muss, dass er eh wieder verliert.
Max nickt, während er das letzte Stück Pizzarand runterschluckt, seinen Controller von der Bettdecke aufsammelt und das Spiel wechselt.

Max und Lando haben sich vor ein paar Jahren beim Onlinespielen kennengelernt. Max kennt den Namen des Spiels nicht mehr. Es war irgendein Ego-Shooter. Aber er weiß noch ganz genau, dass sie zusammen in einem Team waren und irgendwann mehr Spaß daran hatten sich gegenseitig abzuknallen, statt die Gegner zu eliminieren. Sie haben Verstecken auf der interaktiven Karte gespielt, stundenlang, und sich durch Ihre Headsets gegenseitig angeschrien, wenn einer den anderen gefunden hatte.
Max ist zwei Jahre älter als Lando und könnte mit seinem Studium schon fast fertig sein. Aber bei ihm hat es etwas länger gedauert, bis er sich überhaupt zum Studieren durchringen konnte. Die Mentalität in den Niederlanden, seiner Heimat, ist eben eine andere. Außerdem wollte er nicht länger als nötig an den gleichen Ort gefesselt sein, in dem auch sein Vater lebt. Als Lando ihm geschrieben hat, dass er im Herbst ein Studium in London anfängt, hat Max nicht lange überlegt, sich angemeldet und seine sieben Sachen gepackt.
Sich bei Lando einzunisten sollte nur eine Übergangslösung sein, aber London und bezahlbarer Wohnraum passen genauso wenig in einen Satz, wie richtiger Sommer am Nordpol. Das Lando, ohne zu zögern, sein Wohnzimmer für ihn aufgegeben hatte, war eine Geste wahrer Freundschaft. Das letzte Andenken daran steht in Form eines ziemlich unbequemen, braunen Sofas in der Küche.
   
»Wie war‘s eigentlich bei deinen Eltern?«, fragt Max neugierig, während sie ihre Mannschaften auswählen.
»Ganz okay«, antwortet Lando kurz angebunden.
Max wirft ihm einen fragenden Seitenblick zu. Normalerweise redet Lando nach einem Familienwochenende bis mindestens Montagabend von nichts anderem. Damit versucht er sein Heimweh zu überspielen. Max hört die Geschichten gerne und beneidet Lando um die enge Bindung zu seiner Familie. Manchmal stellt er sich dann auch vor, wie seine Kindheit wohl gewesen wäre, wenn seine Eltern nicht so streng und unterkühlt wären. Vielleicht hätte er sich dann nicht in die heile Welt seiner Videospiele geflüchtet oder wäre zum Studieren nicht abgehauen, um möglichst viel Abstand zu gewinnen.
Max startet die Partie, ohne weiter nachzufragen. Er denkt sich, Lando wird schon von sich aus erzählen, wenn etwas vorgefallen ist.
Aber Lando sagt gar nichts und spielt noch schlechter Fifa als sonst. Als wäre er mit seinen Gedanken ganz woanders.
Max guckt sich das genau zwei Runden an, die er beide haushoch gewinnt, bevor er das Spiel pausiert und seinen Controller aufs Bett fallen lässt.
»Du bist komisch! Was ist passiert? Hast du dich mit deinen Eltern gestritten? Oder deinen Geschwistern?«, fragt er, während er sich seitlich hinsetzt, sodass er Lando richtig ansehen kann.
»Es ist alles in Ordnung«, entgegnet sein bester Freund, aber man hört sofort, dass das nicht stimmt. Dafür muss man kein Experte in Landoanisch sein. Manchmal eine ziemlich komplizierte Sprache, findet Max. Denn Lando hat das Talent dazu, erst mit der Sprache herauszurücken, wenn Max kurz vor einem Tobsuchtsanfall steht.
»Liegt es dann an mir? Habe ich irgendetwas gemacht?«, fragt Max verwirrt.
Lando wirft ihm einen kurzen Blick zu und Max denkt, er hätte mit seiner Vermutung voll ins Schwarze getroffen.
Der Niederländer seufzt. »Okay, was habe ich gemacht? Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass ich seit Semesterbeginn absolut obernett zu dir war und gar nicht so sarkastisch wie sonst immer. Aber wenn ich es mit irgendetwas übertrieben hab‘, dann tut’s mir jetzt schon leid, okay?!«
Lando sieht ihn an, als hätte er nicht mehr alle Tassen im Schrank. »Du entschuldigst dich freiwillig für etwas, ohne zu wissen für was? Bist du krank?«
Lando hat recht, dieses Verhalten ist ziemlich untypisch für Max. Wenn man ihn für gewöhnlich auf einen Fehler aufmerksam macht und ihm sagt, dass eine Entschuldigung angebracht wäre, kann man froh sein, wenn Max einem dafür nicht noch einen blöden Spruch drückt. Charles, ein Freund und Kommilitone von Lando, kann Lieder davon singen. Max und er geraten ständig aneinander.
Max schnaubt. »Ich hab‘ beschlossen sozialer zu werden. Immerhin studiere ich Sozialpädagogik. Ich kann die Kinder später ja nicht ständig beleidigen, wenn sie irgendetwas falsch machen.« - als wäre das eine gute Begründung.
Lando verdreht die Augen. »Ich sag‘ dir seit Jahren, dass du dich nicht wundern brauchst, dass alle Angst vor dir haben, so wie du mit ihnen umgehst. Schön, dass du auch mal auf mich hörst!«
Max schnalzt selbstgefällig mit der Zunge. »Tja, mit dem Alter kommt die Weisheit.«
Lando schmeißt ihm ein Kissen ins Gesicht. »Du bist so bescheuert!«
»Hab‘ ich mir alles von dir abgeschaut«, entgegnet Max und grinst.
Lando schnappt sich das Kissen von Max’ Schoß nochmal und schmeißt ihn wieder damit ab. Dann fangen sie beide an zu lachen. Aber nur kurz, bevor Max wieder ernst wird.
»Sagst du mir jetzt, warum du so komisch drauf bist?« - Er rutscht ein Stück näher an Lando heran.
Lando rümpft nachdenklich die Nase. Das macht er immer, wenn er nicht weiß, wie er sich ausdrücken soll. »Mir ist vielleicht etwas rausgerutscht, was ich nicht hätte sagen sollen!«
Max ahnt schlimmes. Im Streit hat er zu seinen Eltern oder seiner Schwester auch schon manchmal Dinge gesagt, die er danach lieber ungesagt gemacht hätte. Vor allem, weil das Echo unerträglich gewesen war.
Max legt Lando freundschaftliche eine Hand auf die Schulter. »Was ist passiert?«
Lando atmet tief ein. »Keine Ahnung, es ging alles so schnell gestern Abend. Oliver war auch da und Mum und er haben die ganze Zeit über seine Freundin gesprochen. Dann hat Flo von diesem Jungen angefangen, mit dem sie nächste Woche ausgeht und Cisca hat von einem ihrer Klassenkameraden geschwärmt und dann hat Dad gesagt ‘dann müssen wir jetzt ja nur noch Lando unter die Haube kriegen‘ und alle haben gelacht und mich gefragt, ob ich überhaupt schon mal einen Freund hatte und Oliver hat gemeint, ich würde alleine mit 20 Katzen sterben. Dann hat Dad von seiner Zeit an der Uni erzählt und, dass er damals nichts hat anbrennen lassen und ich war so sauer, weil sie sich die ganze Zeit über mich lustig gemacht haben, da ist es mir einfach rausgerutscht!«
Max blickt nicht ganz durch. Er zieht verwirrt die Augenbrauen zusammen. »Dir ist was rausgerutscht?«
Lando wird feuerrot im Gesicht, als würde ihm jetzt erst richtig bewusstwerden, was er zu seiner Familie gesagt hat. Max ist sich plötzlich nicht mehr sicher, ob er überhaupt wissen will, was passiert ist.
Lando schweigt beharrlich. Max macht das verrückt. Er zieht die Hand von Landos Schulter weg und sieht ihn eindringlich an, als er langsam fragt: »Was hast du zu deiner Familie gesagt?«
Lando versucht sich an einem schiefen Grinsen, was Max normalerweise immer besänftigt, aber heute macht das alles nur noch schlimmer.
»Ganz vielleicht hab‘ ich ihnen gesagt, dass du mein fester Freund bist!«, gesteht Lando schüchtern.
Max klappt die Kinnlade runter. Für einen Moment glaubt er sich verhört zu haben. Aber dann macht es Klick und dieses Mal ist er es der ein Kissen schmeißt. Jedoch mit deutlich mehr Wucht als Lando.
»Hast du nicht mehr alle Latten am Zaun?« - mehr fällt dem Niederländer dazu im Moment nicht ein.
Lando versucht sich an einem entschuldigenden Lächeln und hebt beschwichtigend die Hände. »Tut mir leid, es ist mir rausgerutscht und mir ist auf die Schnelle niemand anderes eingefallen! Ich wollte doch nur, dass sie einmal die Klappe halten und mich nicht so ansehen, als wäre ich im Kloster besser aufgehoben!«
»Warum hast du dir dann nicht einfach irgendjemanden ausgedacht?«
Lando lacht und klingt beinahe hysterisch. »Das hätten die mir niemals geglaubt und spätestens zu meinem Geburtstag wäre das aufgeflogen. Die würden mir das ewig vorhalten! Wenn ich irgendwann heirate, wäre das Teil von Olivers Rede und Obergesprächsthema bei jeder Familienfeier bis ich sterbe! Nur über meine Leiche, eher wandere ich aus!«
Bei der Erwähnung von Landos Geburtstag, wird Max hellhörig. Der ist erst in fünf Wochen. Kein Grund sich darüber jetzt schon Gedanken zu machen, findet Max. Es sei denn –
»Was ist dir noch so rausgerutscht?«, hakt Max nach und blinzelt mordlustig.
Lando schweigt, aber seine Wangen werden noch ein paar Nuancen röter und Max überlegt bereits, wo er Lando am besten verbuddeln kann, damit ihn niemand jemals wiederfindet.
»Lando, ich schwöre bei Gott, wenn du nicht sofort redest, erlebst du den morgigen Tag nicht!«
Lando senkt den Blick. »Meine Familie erwartet, dass du mich an meinem Geburtstag begleitest, weil sie denken, dass wir schon ein halbes Jahr zusammen sind!«
Max starrt seinen besten Freund fassungslos an. »Was kommt als nächstes? Willst du an deinem Geburtstag unsere Verlobung bekannt geben oder denken deine Eltern, wir hätten schon heimlich in Las Vegas geheiratet?«
»Es tut mir leid, ich hab‘ nicht nachgedacht!«
Max schnaubt. »Tust du das überhaupt jemals? Manchmal frag‘ ich mich wofür du ein Gehirn hast beziehungsweise, ob du überhaupt eins hast!«
Lando verzieht angegriffen das Gesicht. »Wolltest du nicht netter zu anderen werden?«
Max bemüht sich um einen schuldbewussten Blick und den dazu passenden Ton als er sagt: »Oh, sorry, war meine Ausdrucksweise zu hart?«
Lando zögert und nickt dann verunsichert. »Ein wenig.«
Max‘ Gesicht wird sofort wieder ernst. »Tja, Pech gehabt! Du kannst froh sein, dass ich dich nicht mit deinem Controller erschlagen hab‘ für deine filmreife Dummheit!«, keift er bissig und verschränkt trotzig die Arme vor der Brust.
Er erwartet, dass Lando sich entschuldigt und verspricht, seinen Eltern gleich morgen früh die Wahrheit zu erzählen. Denn Max mag Landos Eltern. Er will nicht irgendwann als Vollidiot dastehen, weil Lando sie beide noch tiefer in die Scheiße zieht. Am Ende reiten sie hier ein, mit Fackeln und Mistgabeln und werfen ihn aus Landos Wohnung, weil sie denken, Max hat ihrem Sohn das Herz gebrochen.
»Es ist doch nur für ein Wochenende, bitte! Nur an meinem Geburtstag und danach sage ich ihnen sofort die Wahrheit!«
»Versuchst du gerade ernsthaft mich zu überzeugen, bei diesem Schwachsinn mitzumachen?« - es ist eine rhetorische Frage, dass weiß Max. Lando hat ihm die Antwort darauf bereits gegeben.
Weil Lando weiß, dass er Max verbal kilometerweit unterlegen ist, setzt er den Hundeblick auf. Max hasst diese Taktik, weil er nicht weiß, wie er sich gegen die vorgeschobene Unterlippe und die rausgeschraubten blaugrauen Augen wehren soll.
»Hör auch mich so anzuschauen, das zieht nicht!«, sagt Max ernst und drückt mit der flachen Hand Landos Kopf in eine andere Richtung, damit er den bettelnden Augen nicht länger schutzlos ausgeliefert ist.
»Bitte?«, versucht Lando es nochmal.
Max schüttelt den Kopf.
Lando seufzt schwer. Ein Seufzen, dass Max direkt ins Herz geht und an seiner Entschlossenheit nagt. Er war noch nie gut darin, Lando Dinge abzuschlagen.
»Sage ihnen doch einfach, dass sie aufhören sollen dich aufzuziehen! Wir reden hier von deiner Familie, sie werden bestimmt aufhören, wenn du ihnen sagst, dass sie dich damit verletzen!«, versucht Max es aus die pädagogische Art.
Lando stöhnt genervt. »Die Blicke sind noch viel schlimmer als das Gerede! Dad sieht mich immer so an, als würde etwas nicht mit mir stimmen. Und Mum… Ich glaube, wenn sie könnte, würde sie mich bei irgendeiner Dating-Show oder so anmelden! Du weißt nicht, wie das ist, wenn alle um dich herum glücklich vergeben sind und dich immer als drittes Rad am Wagen mitschleifen.«
Entgegen Landos Vermutung, kennt Max dieses Gefühl sehr wohl. In seinem Freundeskreis in den Niederlanden, war er immer der Typ ohne Freundin gewesen. Dafür wurde er belächelt oder offen ausgelacht. Dabei hat er es nur gut gemeint, denn kein Mädchen wäre den Erwartungen seiner Familie gerecht geworden und er wollte niemanden dieser Feindseligkeit aussetzen. Mittlerweile ist es Max egal, was seine Eltern von seinen Freundinnen halten.
Und die Mädchen in England sind ziemlich leicht zu beeindrucken. Max hat schon unzählige Dates damit zugebracht, den Mädchen Komplimente auf niederländisch zuzuflüstern, damit sie kichernd versuchen zu erraten, was er gesagt hat. So ist Max in einem Jahr zu vier Freundinnen gekommen. Aber keine Beziehung hat lange gehalten. Sobald von Liebe die Rede war, hat Max kalte Füße bekommen und sich getrennt. Manchmal denkt er, er hat ein ernsthaftes Bindungsproblem. Bis die nächste Freundin daher kommt und er wieder denkt, dieses Mal könnte es etwas wirklich Ernstes werden.
Lando seufzt. »Ich will sie einmal überraschen, mit etwas, dass sie nicht erwartet haben. Und ich will, dass Flo, Cisca und Oli vor Neid erblassen, weil mein Freund besser aussieht, als deren Partner!« - er wackelt anzüglich mit den Augenbrauen.
Um ehrlich zu sein, ist Max schon seit dem Hundeblick geschlagen. Jetzt geht es nur noch darum, dass Beste aus ihrem Deal herauszuholen.
»Wenn ich mitspiele, machst du drei Monate den Putzdienst! Ohne Wettkampf, ohne aufschieben und ohne, dass ich dich daran erinnern muss!«
Landos Augen glänzen aufgeregt und er will Max schon dankbar um den Hals fallen, aber der Niederländer hebt die Hand und hält den Briten zurück.
»Nur für deinen Geburtstag, keinen Tag länger! Du sagst deinen Eltern am Sonntagabend, bevor wir abhauen die Wahrheit! Und wehe du bittest mich danach jemals wieder um so einen Schwachsinn!«
Dann lässt er zu, dass Lando ihm um den Hals fällt und ihm ins Ohr flüstert: »Danke Max, du bist der Beste!«
Max brummt zustimmend und ahnt, dass er sich gerade sein eigenes Grab geschaufelt hat.





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