Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Verbundenheit

von qNicole
GeschichteAllgemein / P16 / Het
Bob Andrews Justus Jonas OC (Own Character) Peter Shaw
28.05.2021
12.06.2021
6
12.976
4
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
10.06.2021 1.287
 

Camira hatte ihren Jumpsuit in den Mülleimer geworfen. Blutige Flecken befanden sich auf ihm. Sie hatte bestimmt 30 Minuten weinend unter der Dusche gestanden.
Ihre Fassade war eingestürzt. Sie hatte die Geschehnisse aus Mallorca verdrängt.
Sie hatte Angst davor und nun hatte sie genau diesen Jungen wiedergetroffen. Wie hoch lag dafür die Wahrscheinlichkeit? Sie hatte erst überlegt zu bleiben, sich dann aber dagegen entschieden und sich gegen 5 Uhr früh aus seinem Zimmer geschlichen. Ihr schien nun alles noch sonderbarer.
Sie betrachtete ihr Tattoo nachdem sie sich abgetrocknet hatte. Ein einzelnes Blatt ihrer Blume war blau. Die restlichen Blätter waren nicht durch eine Farbe gefüllt.
Dieses Getränk, welches sie getrunken hatte, musste eine betäubende Wirkung gehabt haben. Sie hatte von dem Stechen des Tattoos nichts mitbekommen. Sie wischte sich ihre Tränen weg. Weinen half ja auch nichts.
Dieser Junge, er hatte ihr Leben gerettet. Genauso wie sie seins gerettet hatte. Jetzt wusste sie zumindest, dass er wirklich lebte. Dass ihre Tat nicht umsonst war.
Sie fühlte sich gerädert, da sie die Nacht kaum geschlafen hatte und kuschelte sich daher in ihr Bett. Sie stellte ihren Wecker auf 13:00 Uhr. Sieben Stunden Schlaf sollten reichen.

Bob hatte sich nachdem er aufgestanden war, umentschieden. Er wollte zuerst diese Frau finden. Sie musste ihn doch auch wiedererkannt haben. Oder konnte sie sich nicht erinnern? Erging es ihr wie ihm? Wieso hatte sie keine Notiz hinterlassen?
Sein Magen meldete sich knurrend zu Wort.  
Er schrieb in ihren gemeinsamen WhatsApp-Chat, dass er um 12:00 Uhr in dem kleinen französischen Café Le petit frühstücken würde und Neuigkeiten hatte.
Peter hatte die Nachricht bereits gelesen und geantwortet, dass er nach seinem Morgenlauf auch Lust auf Frühstück hätte.
Es dauerte noch gut 20 Minuten, bis auch Justus endlich in dem Café auftauchte.
„Bob ist gestern angegriffen und verletzt worden“, eröffnete Peter ihm sogleich.
Justus sah Bob ins Gesicht.
„Schlimm?“
„Er hat mich mit einem Messer am Bauch verletzt.“
Justus und auch Peter sogen die Luft ein.
„Warst du beim Arzt? Bob? Damit ist nicht zu spaßen. Ich dachte dich hätte lediglich jemand niedergeschlagen“, äußerte sich Peter.
„Ich war nicht beim Arzt.“
„Bob, wirklich. Ich halte es für äußerst fahrlässig von dir die Wunde nicht professionell verarzten zu lassen.“
Bob stutzte und sah den Ersten mit großen Augen an.
„Justus, das ist es. Sie muss Kenntnisse in Medizin haben.“
Er zog sein Handy aus seiner Tasche, verzog dabei kurz das Gesicht, vertiefte sich dann aber komplett in der Recherche.
„Es kommen nur drei Universitäten hier in der Nähe in Frage“, sagte er nach einer gefühlten Ewigkeit.
„Bob, normalerweise ist es Justus, der uns im Unklaren lässt, wenn er etwas herausgefunden hat. Würdest du uns bitte mitteilen, wovon du eigentlich sprichst?“
„Die Frau, die die Wunde versorgt hat, ich denke sie studiert Medizin.“
„Ja, und?“
„Und sie ist die Frau von Mallorca.“
Peter fiel seine Gabel, mit der er gerade noch das Rührei aufgepickt hatte, aus der Hand.
„Bist du dir da ganz sicher Dritter? Das wäre schon sonderbar, dass sie auch Amerikaner sein soll“, sagte Justus skeptisch.
Bob nickte.
„Bob, dir ist schon klar, dass es nahezu unmöglich sein wird sie ausfindig zu machen. Du vermutest also dass sie Medizin studiert? Wer sagt dir denn überhaupt, dass sie auf eine dieser Universitäten geht? Mich interessiert momentan vielmehr die Tatsache, dass du auf deinem Campus tätig angegriffen wurdest. Weißt du wer das war?“
Wieder nickte Bob.
„Hast du es gemeldet?“
„Nein, ich denke er wird mich von jetzt an in Ruhe lassen.“
Er berichtete kurz von Emilia.
„Bob, ich bin der Meinung, dass“, Bob unterbrach Justus.
„Justus. Es geht hierbei um mich. Okay. Ich wollte euch nur darüber in Kenntnis setzen und ich werde jetzt versuchen diese Frau zu finden. Wenn ihr mir dabei nicht helfen wollt, schön. Ich dachte ihr hättet auch ein Interesse daran diesen Fall zu lösen.“
Er hatte sich seine Jacke genommen, einige Dollar auf den Tisch geworfen und das Café verlassen.
Peter und Justus sahen sich verdutzt an.
„Was ist nur mit unserem Dritten los? So kenne ich ihn gar nicht. Er ist sonst immer so besonnen und umsichtig und nun meldet er schon das zweite Mal einen Vorfall nicht bei der Polizei.“
„Justus, wir wissen immer noch nicht, an was genau Bob sich erinnert hat. Was auf Mallorca vorgefallen ist“, warf Peter ein. In seiner Stimme schwang Sorge mit.
Justus nickte. Er war viel zu sehr auf den Angriff auf seinen Freund fokussiert gewesen.
„Peter, ich denke wir sollten heute Abend zu Bob fahren und dann gehen wir alles noch einmal Schritt für Schritt durch. Wenn sie wirklich die Frau ist und auch Amerikanerin, wie Bob, dann sind es schon drei.“
„Drei?“
„Mit Skinny. Drei Amerikaner. Wir sollten herausfinden, welche Nationalität die Toten hatten.“
„Okay. Dann um 20 Uhr bei Bob.“

Enttäuscht kam Bob wieder vor seinem Zimmer an. Justus hatte recht gehabt. So war es nicht möglich sie ausfindig zu machen. Er war irgendwie ziel- & planlos auf dem Campus der Universität herumgelaufen und hatte gehofft ihr zufällig über den Weg zu laufen. Er musste strategischer vorgehen. Vielleicht sollten sie doch die E-Mail Lawine in Gang setzen.
Emilia stand davor und schien auf ihn gewartet zu haben.
„Bob?“
Er sah auf und erblickte sie.
Er wollte gerade etwas sagen, doch sie kam ihm zuvor.
„Mein Bruder hat mir gesagt, was er getan hat. Warst du beim Arzt?“
„Nein, war ich nicht.“
„Gut.“
„Gut?“
„Ja, wenn du nicht beim Arzt warst, wirst du sicherlich auch nicht zur Polizei gehen.“
„Emilia, es tut mir Leid, wenn ich dir ein falsches Gefühl vermittelt haben sollte.“
„Du solltest wirklich daran arbeiten Bob. Ich dachte wirklich, dass du mich magst. Aber da habe ich mich wohl leider geirrt.“ Ihre Stimme klang nun sanfter, als zu Beginn ihres Gespräches.
„Es tut mir leid, ich mag dich wirklich, aber ich habe keine Gefühle in dem Sinne für dich, wie du sie dir vielleicht erhofft hast“, antwortete Bob.
„Das glaube ich dir sogar“, sagte sie noch im Weggehen zu ihm.
Bob schloss die Tür hinter sich. Sie hatte noch nicht einmal gefragt wie es ihm ging. Hatte er sich so in ihr geirrt? Wo war seine Menschenkenntnis geblieben? Sie schien die Tat ihres Bruders nicht einmal zu verurteilen.
Bob öffnete seinen kleinen Kühlschrank und griff nach einer kalten Cola.
Er fühlte sich erschöpft. Sein Hemd hatte er ausgezogen und über seinen Stuhl gehängt. Sein Blick fiel dabei auf das Foto von Justus, Peter und ihm vor dem Wohnwagen.
Das Foto. Ein Foto. Vielleicht hatte er Glück. Er klappte seinen Laptop auf. Fotos, das war es. Er würde sich die Fotos von den herausgesuchten Universitäten anschauen. Es war ein Strohhalm, aber es schien ihm im Moment die beste Möglichkeit zu sein, um nicht untätig herumzusitzen.

In diesem Moment klopfte es an seiner Tür.
„Hi Bob“, begrüßten Justus und Peter ihn und schoben sich bereits an ihm vorbei in sein Reich.
Justus deutete auf Bobs Verband.
„Als du von einem Schnitt sprachst, dachte ich du hättest diesen mit einem etwas größeren Pflaster versorgt. Bob, du solltest wirklich zum Arzt damit gehen“, sagte Justus besorgt.
„Hast du sie gefunden?“, fragte Peter.
„Noch nicht.“
„Bob, wir sind hier um die Fakten einmal durchzugehen. Bitte, du musst uns alles erzählen an was du dich erinnerst. Jede Kleinigkeit könnte von Bedeutung sein. Des Weiteren musst du herausfinden, welche Nationalität die Toten hatten.“
„Welche Nationalität?“, fragte Bob verwundert.
„Skinny, du, die Frau. Ihr alle seid Amerikaner. Bei der Frau nehme ich es derzeit einfach mal an. Ich bin mir nicht sicher, ob es Zufall ist, dass du sie gestern getroffen hast. Ebenso wenig traue ich Skinny in dieser Sache über den Weg. Es sind einfach zu viele Ungereimtheiten.“
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast