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Affairs & Betrayals

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
28.05.2021
08.07.2022
20
77.143
5
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Dieses Kapitel
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11.03.2022 3.429
 
NINE

„Langsam einatmen...und wieder ausatmen.“
Maron tat, wie ihr die Frau im Video anwies. Sie stand auf einem Bein auf ihrer Matte und hatte ihre Hände vor sich zusammengefaltet.
„Und? Hast du schon die Erleuchtung gefunden?“, hörte sie plötzlich die Stimme ihres Mannes.
„Ich mache Yoga. Ich versuche nicht den Sinn des Lebens zu finden“, entgegnete sie trocken, drehte sich dabei nicht zu ihm um und machte die nächste Pose.
Yamato lachte amüsiert. Maron hörte, wie er auf sie zukam und im nächsten Moment drückte er ihr einen Kuss auf die Wange. Sie verkniff es sich zusammenzuzucken.
Ein paar Tage waren seit dem „Doppeldate“ vergangen. Yamato benahm sich so als wäre der Abend nie passiert gewesen. Er kam früh nach Hause. Brachte ihr Blumen und führte sie in teure, französische Restaurants aus. Er war so aufmerksam zu ihr, dass Maron nicht wusste, was das alles zu bedeuten hatte.
Er benahm sich wie derselbe Yamato, den sie schon immer kannte und liebte. Dennoch konnte sie das demütigende Gefühl nicht vergessen, welches sie an jenem Abend verspürt hatte.
„Ich gehe ins Fitness!“, hörte sie seine Stimme plötzlich aus dem Flur rufen
„Oh?“, kam es von ihr überrascht, während sie die nächste Yogapose vollführte. „Ist eine Weile her, oder?“
„Nun, ich muss mich in Form halten“, antwortete Yamato glucksend. „Außerdem habe ich eine Mitgliedschaft. Von daher“, sagte er mit einem Schulterzucken.
Momente später hörte Maron, wie er aus der Wohnung schritt und die Tür zu fiel.
Sie runzelte die Stirn und drehte ihren Kopf in Richtung Tür. Er hätte sich wenigstens ordentlich verabschieden können, dachte sie sich angesäuert.
Maron löste sich von ihrer Pose und streckte sich. Sie nahm sich ihre Wasserflasche, machte den Fernseher aus und ging in die Dusche.
Als sie fertig war, ging sie in ihren begehbaren Kleiderschrank und zog sich um. Gerade als sie sich das T-Shirt überzog, bemerkte sie etwas.
Stirnrunzelnd griff sie nach der Sporttasche aus Yamato’s Fach und holte es heraus.
Sagte er nicht, er geht ins Fitness?, fragte Maron sich. Wieso- Sie konnte den Gedanken nicht zu Ende bringen, als sie die Realisation schon traf.
Sie schnappte sich hastig ihr Handy auf ihrem Schreibtisch und scrollte hastig durch ihre Kontakte, als eine neue Nachricht eintraf. Es war von Chiaki.
Ihr Gesicht verdüsterte sich, als sie die Nachricht las.
„Miyako ist gerade einkaufen gegangen. Sie meinte, wir bräuchten Milch. Wir haben noch fünf Tüten...“
„Yamato ist vorhin ins Fitness gegangen. Ohne Sportsachen.“
„Super...“

Maron tippte verbittert eine Antwort, hielt allerdings kurz inne bevor sie Senden drückte, gab letztlich doch nach: „Ich will ihn hassen.“
„Das würde es einfacher machen“, kam es von Chiaki zurück. Im nächsten Moment tauchten drei Punkte auf und Maron wartete, bis er fertig geschrieben hatte. „Wieso arrangieren wir nicht einen Privatdetektiv? Der würde uns den nötigen Beweis holen.“
Sie biss sich auf die Lippe, dachte kurz darüber nach und schüttelte ihren Kopf. „Besser nicht...Die meisten Privatdetektivkanzleien stehen mit der Minazuki-Group in enger Verbindung. Das heißt durch seinen Vater und Großvater kennt Yamato sie. Man kann ihnen also nicht vertrauen.“ Sie tippte und nach einigen Momenten schickte sie eine weitere Nachricht ab. „Mag wahrscheinlich etwas übertrieben klingen, aber...“ Sie kaute auf ihrer Unterlippe und schrieb nach kurzem Zögern weiter. „Du bist der Einzige, den ich gerade vertrauen kann.“
Es dauerte ein paar lange Sekunden, bis eine Antwort kam. „Geht mir genauso.“
Ein Lächeln huschte über Maron’s Lippen, gefolgt von einem warmen Gefühl in ihrer Brust.
Sie setzte sich auf ihre Couch hin und ließ ihr Handy darauf fallen. Mit einem langen, seufzenden Atemzug schloss sie ihre Augen.
Das war’s. Mehr Indizien für diese Affäre konnte man nicht haben...Wenn sie es wollte, konnte sie es beenden...
Nur wollte sie es noch nicht beenden.
War sie zu schwach, dass sie der Realität immer noch nicht gegenübertreten konnte? Dass sie es nicht über sich bringen konnte, Yamato damit zu konfrontieren?
Sie hatte Angst vor den Dingen, die sie einander sagen werden und nie wieder zurücknehmen konnten. Dinge, die Maron womöglich noch mehr zerstören würden.
Dabei war sie das Opfer. Sie sollte stark sein.
Sie wollte stark sein. So stark wie Chiaki.
Doch stattdessen saß sie hier, vergrub ihren Kopf in den Sand und hoffte, dass die ganze Sache von allein wegging. Yamato und sie hatten ein Leben das funktionierte – so unvollkommen es auch war. Sie hoffte, dass er sich so bald wie möglich daran erinnern würde und alles wieder normal werden konnte.

Als Yamato nach Hause kam, saß Maron vor dem Fernseher und hatte versucht sich mit einer langweiligen Comedy-Show abzulenken.
„Du hattest deine Sportsachen nicht mit“, rief sie ihm direkt Richtung Flur zu, hatte sich den Satz unendliche Male in Gedanken aufgesagt.
„Oh, ehm, ja“, kam es matt zurück. „Ja...hatte ich dann bei der Ankunft auch gemerkt.“
Maron runzelte die Stirn. Er versuchte es nicht zu leugnen. „Du warst aber trotzdem zwei Stunden weg“, erwiderte sie.
„Ich musste sowieso noch einen Abstecher ins Einkaufszentrum machen“, sagte Yamato, als er ins Wohnzimmer kam. Sie schnellte ihren Kopf in seine Richtung. „Mom hat morgen schließlich Geburtstag und wir hatten noch kein Geschenk.“
Maron blinzelte leicht überrascht und sie starrte auf die Geschenktüte in seiner Hand herab. Dass seine Mutter ihren Geburtstag morgen feierte, hatte sie komplett vergessen. Für gewöhnlich besorgte sie Geschenke früh im Voraus.
„Und du- du bist allein shoppen gegangen?“
Er zuckte unbekümmert mit den Schultern. „Wieso nicht?“, sagte er. Sie verengte ihre Augen. „Ich weiß schließlich, was ihr Lieblingsparfüm ist.“ Yamato legte die Tüte auf dem Tresen ab. „Morgen holen wir auf dem Weg noch ein paar Blumen, damit du auch was in der Hand hast.“ Mit den Worten trat er aus dem Wohnzimmer und ging ins Bad.
Maron hatte den Mund aufgemacht, um noch etwas zu sagen, zu fragen - brachte jedoch keinen Ton mehr heraus.
Frustriert fuhr sie sich über die langen Haare. Verdammter Feigling!, verfluchte sie sich selbst.
Selbst wenn sie es schaffen sollte, ihn zu konfrontieren – wie sollte sie ihm klarmachen, wie sie fühlte?
Yamato hatte dieses Talent jede Diskussion für sich zu gewinnen. Er war intelligent und sehr überzeugend, weshalb sie oft den Überblick darüber verlor, warum sie wütend war, wenn sie mit ihm diskutieren wollte.
Egal in welche Richtung diese Sache führte, Maron würde nicht eher mit ihm darüber reden, bis sie verstand, was sie genau sagen will.
Was offensichtlich sehr kompliziert war.
***

„Maron, Liebes, du siehst so wunderschön wie immer aus!“
Verlegen lächelnd erwiderte Maron die Umarmung ihrer Schwiegermutter, die soeben schon ihren Sohn herzlich begrüßt hatte.
Nachdem die Frauen sich lösten, bemerkte Asako auch direkt den schönen Strauß, den Maron in der Hand hielt. „Sind die für mich? Ach, Liebes, das wäre doch nicht nötig gewesen.“
„Doch, doch“, erwiderte Maron und setzte ein breites Lächeln auf. Wie gestern besprochen, hatten sie den Strauß wirklich auf dem Weg zur Villa geholt. „Alles Gute zum Geburtstag.“
„Von mir auch alles Gute, Mom“, kam es von Yamato, der seiner Mutter die Geschenktüte hinhielt. Seine andere Hand ruhte auf Maron’s Rücken, was ihr einen unangenehmen Schauer bereitete.
„Ach, wie schön. Danke vielmals, Kinder“, freute sich Asako. „Nun kommt. Alle anderen warten schon auf euch. Deine Eltern sind auch schon da, Maron.“
Damit führte Asako das Ehepaar nach draußen in den großen Garten. Sie wurden direkt von den anderen Gästen begrüßt und mit Komplimenten überschüttet.
„Gut siehst du aus, Maron.“
„Maron, dein Kleid ist so hübsch.“
„Das Traumpaar lässt sich endlich blicken.“
All dies ließ bei Maron einen bitteren Nachgeschmack zurück, dennoch behielt sie ihre freundliche Maske aufrecht.
„Maron, Liebling.“ Als ihre Mutter sie in eine warme Umarmung einhüllte, senkten sich ihre angespannten Schultern direkt.
„Hallo Mama.“ Maron hatte ihr Kinn auf Korron’s Schulter abgelegt und erblickte hinter ihrer Mutter ihren Vater. „Papa“, lächelte sie ihn an.
„Korron. Takumi“, hörte sie Yamato begrüßend sagen. „Wie geht es euch? Was macht das Büro? Ich habe von Dad gehört, dass ein großes Bauprojekt ansteht.“
Takumi lachte auf. „Müsstest du dann nicht auch wissen, worum es bei dem Bauprojekt handelt? ...“
„Während die beiden Männer sich unterhalten, können wir uns noch ein wenig den Garten anschauen, bevor der Kuchen angeschnitten wird. Asako hatte seit eurem letzten Besuch wieder mal ein paar neue Bäume angepflanzt“, sagte Korron kichernd. Maron lachte mit.
Arm in Arm ging das Mutter-Tochter-Gespann ein wenig um das Grundstück. Korron’s Hand strich dabei immer mal über Maron’s Rücken.
„Du bist dünner geworden, Liebling“, merkte Korron mit deutlicher Sorge an. „Isst du auch genug? Ich hoffe, du nimmst dir auch Pausen neben dem Schreiben. Ich weiß, dass du dazu tendierst das Essen zu vergessen, wenn du hochfokussiert bist.“
„Mir geht es gut, Mama“, beschwichtigte Maron ihre Mutter.
Korron wirkte nicht überzeugt und zog skeptisch eine Augenbraue hoch. Sie blieb stehen und blickte ihre Tochter an, die Arme vor der Brust verschränkt.
„Ist zwischen dir und Yamato alles gut?“, fragte sie interessiert und dennoch ernst.
Maron wich seufzend ihren Blick aus.
Sie kannte ihre Mutter. Bevor sie heirateten, hatte Korron mit ihr ein offenes Gespräch geführt. Dass Maron noch so jung war, noch so viele Optionen offen hatte und dass sie nicht wollte, dass ihre Tochter ein eintöniges Leben führte. Doch dieser Aspekt war etwas, was Maron an Yamato geliebt hatte. Er war eine sichere Wahl gewesen.
Ihre Eltern dachten, dass so eine Jugendliebe nicht ewig halten würde und dass Maron danach versuchen würde ihren eigenen Weg zu gehen. Sie wusste, dass ihre Eltern sich Gedanken um sie machten, und dies schätzte sie auch wert.
Man solle ihre Eltern nicht falsch verstehen. Sie mochten Yamato. Schließlich war er der Sohn eines langjährigen Familienfreundes - nur hatten sie ihre Bedenken bezüglich der Beziehung ihrer Tochter. Wer hätte gedacht, dass sie da an etwas dran waren...
Maron lächelte Korron an. „Was Yamato und ich derzeit durchmachen... das wird sich schon bald regeln“, sagte sie ihr.
Korron behielt ihren skeptischen Blick bei, ging jedoch nicht mehr weiter auf das Thema ein. „Okay. Wenn dein Vater und ich irgendwas für dich tun können, dann sag Bescheid.“
Maron nickte wortlos. Ihre Mutter legte ihr fürsorglich einen Arm um die Schultern und strich ihr sachte über den Oberarm.
Nach einer kurzen Weile kehrten die beiden Frauen zu der Geburtstagsfeier zurück.

„Wisst ihr, ihr Lieben-“, fing Asako plötzlich an, richtete sich dabei an Yamato und Maron. Alle saßen am Tisch zusammen, aßen und unterhielten. „Ich möchte nicht ungehobelt klingen, aber ich hatte insgeheim gehofft, dass ihr heute mit einer kleinen -oder großen- Überraschung als Geschenk ankommen würdet-“ Sie deutete mit einem Blick auf Maron’s Bauch und zwinkerte. „Wenn ihr wisst, was ich meine.“
„Mo-Mom!“, kam es von Yamato entrüstet.
Maron’s Lächeln zuckte leicht. Sie nahm einen großen Schluck von ihrem Champagner. Das konnte noch ein langer Abend werden…
„Ich möchte nur in Erfahrung bringen, wie es mit eurer Kinderplanung aussieht. Irgendwann seid ihr nicht mehr so jung, wie ihr jetzt seid. Dein Cousin hat mit 26 schon bald sein drittes Kind.“ Maron und Yamato sahen zu dem besagten Cousin rüber, der damit beschäftigt war mit seiner schwangeren Frau und zwei kleinen Kindern im Gras zu spielen. Maron schmunzelte ein wenig bei dem süßen Anblick. „Dein Vater und ich würden uns über Enkelkinder freuen“, sprach Asako weiter. „Ich bin mir sicher Takumi und Korron geht es genauso.“
Maron sah zu ihren Eltern. Takumi musste sich räuspern, während Korron sich mit einem Lächeln zu Asako drehte. „Natürlich wären Enkelkinder eine wunderbare Bereicherung, aber ich denke, dass wir unseren Kindern keinen Druck machen sollen“, sagte sie in einem vernünftigen Ton. „Sowas ergibt sich schon auf natürlichem Wege“, fügte sie lachend hinzu und Asako stimmte in ihr Lachen mit ein.
„Keine Sorge, Mom“, sagte Yamato. „Früher oder später kannst du dich ‚stolze Oma‘ nennen.“
„Ooh, ich kann es kaum erwarten!“, lächelte Asako verzückt.
Mit einem schrägen Blick sah Maron ihren Mann an. Womöglich hatte er das nur gesagt, um Asako für den Moment zufrieden zu stellen. Auf Enkelkinder konnten ihre Schwiegereltern schließlich lange warten. Angesichts der Tatsache, dass ihr Sohn kein Interesse hatte ihnen Enkelkinder zu bringen. Nur müsste jemand ihnen das noch beibringen. Und abgesehen davon…
Maron seufzte innerlich. Unter anderen Umständen hätte sie ihnen allen womöglich die Wahrheit gesagt, aber jetzt...jetzt wusste sie gar nicht, was sie sagen sollte.
Die Stimmen um Maron herum gerieten in den Hintergrund, während sich weiter unterhalten wurde und sie sich in Gedanken verlor. Sie saß inmitten von bekannten Gesichtern und fühlte sich einsamer als je zuvor.
Im Moment verspürte sie das starke Bedürfnis mit Chiaki reden zu wollen. Seine Stimme zu hören und seine Gesellschaft bei sich zu haben.
Was er wohl gerade macht?, fragte sie sich, blickte zum Himmel hinauf und hoffte gleichzeitig, dass der Tag schnell vorbeiging.
***

„Ich habe gekocht. Kommst du heute zum Essen nach Hause?“, fragte Miyako nahezu lustlos.
„Hmm“, Chiaki drehte sich in seinem Bürostuhl und schaute teilnahmslos auf die Uhr. „Wahrscheinlich nicht.“
„Überrascht mich nicht.“
„Lass das Essen einfach auf dem Herd. Ich mach’s mir dann warm.“
„Gut. Ich hatte um ehrlich zu sein keine Lust gehabt, die halbe Nacht aufzubleiben, um auf dich zu warten.“
Tust du doch sowieso nicht, dachte Chiaki sich. „War’s das?“, fragte er fast genervt.
„Jupp.“
„Okay. Tschüss.“
„Tschüss.“
Ohne weitere Worte legten sie auf. Früher hatten sie ewig lang miteinander geredet und gequatscht bis Chiaki aus dem Büro musste. Jetzt war er froh über die fünf Sätze, die sie sich am Tag austauschten.
Seit Miyako zurück war, schlief er auch jede Nacht auf der Couch, konnte es nicht über sich bringen an ihrer Seite zu schlafen. Ihr fiel das natürlich auf. Er nahm meist die Arbeit als Vorwand: dass er spät nach Hause kam, vor dem Fernseher sich entspannte und zu erledigt war, um sich ins Schlafzimmer zu manövrieren. Nach einigen Nächten hatte sie auch nichts mehr dazu gesagt. Nach Möglichkeit vermied er es auch mit ihr gemeinsam zu Essen. Im Grunde lebten sie nahezu wie eine Wohngemeinschaft statt einer Ehe oder Partnerschaft.
Er wusste nicht, wie lange er noch diese Lüge leben konnte. Wie lange konnte er das noch für sich behalten? Am liebsten würde Chiaki das Ende dieser Ehe auch offiziell machen. Wäre da nur nicht sein Versprechen zu Maron...
Er seufzte frustriert.
Wie lange konnten sie diese Scharade noch aufrechterhalten? Wenn das so weitergeht, machten sie sich noch unglücklicher als sie schon sind.
Chiaki fuhr sich durch die Haare. Dies machte ihm in der ganzen Situation am meisten Sorgen.
Jeden Morgen wachte er mit dem Gedanken an Maron auf und mit der Hoffnung, dass es ihr gut ginge. Nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Es gab kaum einen Moment, in der er nicht an diese schöne, junge Frau dachte. Oft sehnte er sich nach ihr und ihrer Gesellschaft oder verspürte das Bedürfnis sie in seinen Armen halten zu können.
Sein Kopf lief bei den Gedanken rot an. Erneut stieß Chiaki einen lauten Seufzer aus, die Ellenbögen auf den Schreibtisch abgestützt und das Gesicht in beide Hände vergraben.
„Wow. Was auch immer dir den Kopf zerbricht, es muss eine ganz große Sache sein.“
Überrascht blickte Chiaki auf und sah seinen Vater, der in seiner Bürotür stand und verwundert sowie besorgt ihn anschaute.
„Wie lange stehst du schon hier?“, fragte Chiaki leicht verdutzt.
„Lange genug, um zu sehen, dass dich etwas beschäftigt.“ Kaiki ging um den Schreibtisch rum und lehnte sich neben seinen Sohn an dessen Kante an. „Ist zwischen dir und Miyako was vorgefallen?“
Chiaki zuckte mit den Schultern. „Es gab mal bessere Tage“, brachte er als Antwort nur entgegen.
Kaiki nickte, als würde er verstehen, worum es ging. „Weißt du, eine Ehe ist nie leicht. Du bist da wahrscheinlich etwas von deinen Erlebnissen mit Yashiro gezeichnet. Aber Miyako ist eine wundervolle Frau und es wird immer Aufs und Abs geben. Es gibt Tage in der du den Partner weniger liebst und Tage in der du ihn mehr liebst.“ Schweigend ließ Chiaki seinen Vater einfach reden, hatte keine Lust irgendwelche Einwände zu machen. Das würde nur zu unnötigen Erklärungen am Ende führen.
„Deine Mutter und ich hatten auch unsere Phasen gehabt. Es gab oft Momente, wo wir vor dem Aus waren.“ Kaiki stieß einen langen Seufzer aus, in Erinnerung schwelgend. „Erstaunlicherweise wurde vieles besser, als du dann auf die Welt kamst.“ Er schaute Chiaki an. „Vielleicht würde ein Kind euch auch helfen.“
Chiaki konnte sich ein entgeistertes Gesicht nicht verkneifen. „W-Was??“
„Bei vielen Paaren hatte ein Kind die Beziehung gerettet“, sagte Kaiki in einem sachlichen Ton. „Haben du und Miyako schon mal über Familienplanung nachgedacht?“
Mit einer Grimasse sah Chiaki seinen Vater an. „Dad, ein Kind ist gerade das Geringste, was wir brauchen. Glaub mir“, sagte Chiaki mit Nachdruck. Auf keinen Fall könnte er Miyako wieder so anfassen.
Sein Vater sah ihn mit Sorge an. „Okay...Kannst du mir sagen, worum es geht?“
Nach kurzem Zögern schüttelte Chiaki den Kopf. „Irgendwann...eines Tages.“
Enttäuscht, aber dennoch mit Verständnis nickte Kaiki. Kurz klopfte er ihm noch auf die Schultern. „Schau zu, dass du hier fertig wirst und aus diesem stickigen Büro rauskommst.“
„Ay ay, Sir“, entgegnete Chiaki mit einer salutierenden Handbewegung, worauf beide amüsiert lachen mussten.

Gerade als Chiaki den Parkplatz überquerte und in sein Auto einsteigen wollte, klingelte sein Handy. Ein warmes Lächeln bildete sich automatisch auf seinen Lippen, als er den Namen auf dem Display las.
„Hey, Maron“, nahm er ab und lehnte sich an sein Auto an, das Gesicht zum Nachthimmel gerichtet. In dem Moment war er froh, nicht in der Tiefgarage des Krankenhauses geparkt zu haben.
„Hi“, ertönte die sanfte Stimme am anderen Ende.
Chiaki stieß einen langen, nahezu befreiten Atemzug aus. Egal, ob sie bei ihm war oder ob es nur das Hören ihrer Stimme war, mit ihr hatte er das Gefühl frei atmen zu können. Und dabei war er schon an der frischen Luft.
„Ich hoffe, es ist okay, dass ich einfach so anrufe“, sagte Maron in einem entschuldigenden Ton, „Ich hätte dir vielleicht vorher eine Nachricht schreiben sollen. Schließlich ist es nicht selbst verständlich, um diese Uhrzeit noch wach zu sein.“
Er lachte. „Es ist wirklich nicht selbstverständlich, in dieser unchristlichen Stunde wach zu sein.“ Es war fast 1 Uhr. „Ich war gerade mit meiner Schicht fertig und wollte nach Hause fahren. Wieso schläfst du nicht?“
„Kann nicht schlafen“, kam es als Antwort und er konnte nahezu hören, wie sie mit den Schultern zuckte. „Wir waren heute bei Yamato’s Eltern. Haben den Geburtstag seiner Mutter gefeiert.“
„Hört sich nett an.“
„Mh-Hmm. Er hat ein bisschen zu tief ins Glas geschaut und schläft jetzt wie ein Stein.“
„Klingt nicht so, als hättest du Spaß gehabt.“
Sie schnaubte. „Wie könnte ich? Während alle ihren Spaß hatten, habe ich mich gefühlt, als müsste ich losschreien.“
Chiaki konnte sich das ganz gut vorstellen.
„Maron…“, fing er nach einigen, langen Momenten an. „Hast du es nicht satt, so zu leiden? Warum nicht endlich alles beenden?“, fragte er, „Tagtäglich frage ich mich, was wir überhaupt machen. Ob wir vollkommen bekloppt geworden sind. Wieso wir uns diesen Schmerz ergehen lassen...“ Er schüttelte ermüdet den Kopf. „Es ist das Warten nicht wert.“
„Ich...Ich weiß immer noch nicht, ob ich ihn verlassen kann. Ich weiß, ich bin ein Feigling“, antwortete sie. „Ich hatte gehofft, dass Yamato zu mir zurückkommen würde.“ Ihre Stimme begann zu zittern. Er spürte, wie sein Inneres sich bei der Veränderung ihrer Tonlage zusammenzog. „Ja, ich bin es leid zu leiden. Wenn ich nachts neben Yamato liege und nicht schlafen kann, fühle ich mich hoffnungslos allein, ungeliebt und erbärmlich.“ Kurz stoppte sie, um tief Luft zu holen. „Aber dass du da bist und wir das zusammen durchmachen...das macht das alles einfacher.“ Ein Lächeln war in ihrer Stimme nun zu vernehmen. „Danke, dass du mir das Gefühl gibst, dass alles gut wird.“
Chiaki nahm sich einen Moment, ehe er darauf antwortete: „...Es wird aber alles nicht gut.“
„Wa-“
„Insbesondere nicht, wenn du ständig versuchst dir die Situation besser zu reden“, sagte er spitz. „Das ist in der Tat feige.“
Scharf zog sie die Luft ein. „Chiaki-“
Er seufzte. „Du solltest versuchen schlafen zu gehen. Ich muss auch Heim. Gute Nacht, Maron.“
„Warte!“
Doch er hatte schon aufgelegt. Chiaki stieg in seinen Wagen ein, blieb für einige Augenblicke jedoch reglos sitzen. Den Blick starr nach vorne gerichtet.
Ihre Worte hatte ihn mehr frustriert, als er sie spüren lassen wollte. Weshalb er das Gespräch schnellstens beendet hatte, um nicht etwas zu sagen, was sie am Ende noch mehr verletzen würde.
Fluchend fuhr er sich durch die Haare, ehe er schließlich losfuhr.
Auf ewig konnte das wirklich nicht mehr weitergehen.
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