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Affairs & Betrayals

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
28.05.2021
08.07.2022
20
77.143
5
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Dieses Kapitel
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11.06.2021 2.873
 
THREE

Maron brach in der Nacht auf dem Sofa in ihrem Büro zusammen. Sie wollte nicht auf dem Bett schlafen. Dasselbe Bett, welches sie mit Yamato teilte.
Nachdem sie sich in den Schlaf geweint hatte, wachte sie am späten Morgen auf. Es war fast elf Uhr vormittags.
Die Erinnerungen von ihrer gestrigen Erkenntnis kamen wieder und sie stöhnte laut auf, wünschte sich, es wäre wieder Nacht, damit sie sich den Schmerz in ihrer Brust wieder wegschlafen konnte. Sie wünschte, es wäre ein Traum gewesen.
Vielleicht war es auch nur ein Tippfehler gewesen?
„An das Ehepaar Y. & M. Minazuki“
Nein. Die Realität stand schwarz auf weiß da.
Ihre Augen brannten von all den vergossenen Tränen. Ihr Gesicht fühlte sich aufgedunsen an.
Langsam setzte Maron sich auf und strich sich durch die wilden Haare.
Was nun?
Eine Frage, die ihr ununterbrochen durch den Kopf ging.
Seit langem hatte sie eine Vorahnung gehab, die sich seit letzter Nacht wie Stein nun verfestigt hatte. Es war nicht zu verleugnen. Sie konnte nicht mehr wegsehen.
Wie lange lief das schon so?
Die Nagoyas waren vor vier Monaten eingezogen. War die Affäre schon so lange im Gange?
Mit jeder weiteren Frage drehte sich ihr Kopf noch mehr und sie wusste nicht, wo noch oben oder unten war. Ihre Welt war vollkommen auf den Kopf gestellt und zusammengebrochen.
Wann hat es angefangen? Wo hat es angefangen? Wie hatte es angefangen?
Plötzlich fiel ihr das eine Telefonat mit Yamato von vor einigen Monaten ein, als sie eine weibliche Stimme im Hintergrund wahrgenommen hatte. War das schon Miyako gewesen?
Damals hatte Maron keine großen Gedanken dazu verschwendet, aber jetzt könnte sie sich für ihre Naivität in den Hintern treten.
Lief es denn schon so lange? Und warum Miyako?
Die neue, junge, attraktive Nachbarin von gegenüber... zugegeben, wäre Maron ein Mann, da konnte sie durchaus den Reiz in Miyako sehen.
Aber diese Frau war verheiratet! Was war mit ihrem Mann?
Ihre Augen weiteten sich bei dieser Frage und sie dachte an den gutaussehenden Mann mit den schönen, blauen Augen zurück. Sie dachte an all die Male, in der sie ihn allein antraf.
Ob er auch was ahnte? Oder war der Arme vollkommen ahnungslos?
Was machte sie jetzt?
Erschrocken schreckte Maron auf, als sie ein lautes Klingeln vernahm. Sie stolperte vom Sofa runter und schnappte sich ihr Handy vom Schreibtisch.
„Ha-Hallo?“, nahm sie ab.
„Wo bist du?! Treffen wir uns immer noch zum Mittagessen?“, kam es von ihrer besten Freundin am anderen Ende.
Ihre Augen weiteten sich und sie sah erschrocken zur Uhr. Fast halb eins!?
„Oh, shit! Sorry, Natsu! Ich habe die Zeit komplett vergessen. Bin in fünfzehn Minuten da“, sagte sie, eilte zu ihrem begehbaren Kleiderschrank und zog sich schnellstmöglich an. Natsuki lachte und legte auf.
Mit ihrer Tasche eilte Maron nach unten, stieg in ihr Auto ein und fuhr zur Innenstadt.

Nachdenklich blickte Chiaki auf das Foto, was Miyako ihm soeben geschickt hatte.
Es war sie selbst mit der Skyline von New York und im Hintergrund war in weiter Ferne sogar die Freiheitsstatue zu sehen. Dazu schrieb sie ihm: „Living the american dream ;)“
Strahlend lächelnd stand seine Frau mit beiden Händen ausgestreckt posierend da, die Augen hinter einer Sonnenbrille verborgen. Sie sah hübsch und glücklich aus. Trug ein schönes Sommerkleid, was ihre Figur zur Geltung brachte sowie ihre Lieblingshandtasche, die um ihren Körper hing.
Hmm… Eine Weile starrte Chiaki das Bild noch etwas länger an, war auf einen bestimmten Punkt fixiert.
Dieses irritierende Gefühl in seiner Brust begleitete ihn schon seit einigen Tagen.
Nein – länger sogar. Vielleicht sogar Wochen…
Gedankenverloren strich er sich über die Haare, lehnte sich in seinem Bürostuhl zurück. Seine Gedanken schweiften immer wieder von seiner Frau ab und wieder zurück. Drehten sich im Kreis.
Nach einigen Minuten piepte es in seiner Tasche. Die Arbeit ruft. Seufzend stand Chiaki auf, richtete sich seine Krawatte und verließ sein Büro.
***

Maron war in wenigen Minuten an dem Restaurant angekommen, wo sie und Natsuki sich jeden Samstag zum Mittagessen immer trafen.
Die beiden hatten sich vor ein paar Jahren über einen Freund von Yamato kennengelernt und waren seitdem Freundinnen. Natsuki besaß eine kleine Boutique und kam gut über die Runden.
Maron betrat das Restaurant und saß Natsuki schon an ihrem Stammtisch. Zum ersten Mal an diesem Tag bildete sich ein Lächeln auf Maron’s Lippen, als sie zu Natsuki rüberging. Natsuki drehte ihren Kopf, begegnete ihren Blick und sie erwiderte das Lächeln.
„Endlich!“, sagte Natsuki, stand auf und umarmte Maron zur Begrüßung.
Maron setzte sich ihr gegenüber hin. „Ja, ja“, rollte sie mit den Augen. „Tu nicht so, als ob ich jedes Mal zu spät wär’.“
„Es ist untypisch, dass du spät bist“, entgegnete Natsuki. „Was hast du gemacht?“
Maron sah von der Menu-Karte auf, schluckte schwer. Glücklicherweise kam die Kellnerin.
„Eine Limonade und das Hähnchenschnitzel mit Pommes“, bestellte Natsuki.
Sie bestellte sich immer sowas deftiges und für gewöhnlich tat Maron es ihr nach, aber heute war ihr nicht danach.
„Ein Wasser und einen kleinen Caesar-Salat, bitte“, sagte sie der Kellnerin. Diese schrieb sich die Bestellungen auf und ging.
„Iss ja nicht zu viel“, neckte Natsuki sie.
„Hab nicht so viel Hunger...“, murmelte Maron. „Also, wie ist die Arbeit?“
Natsuki verdrehte ihre Augen. „Da ist diese Neue, die gar keine Ahnung von Mode hat. Stell dir vor, Maron, sie kam in diesen riesigen, pinken Mantel, der weißen Cargo-Hose und diesem Gardinen-Top rein und sah aus, als wäre sie eine Hausfrau in ihren Vierzigern.“
Sie kicherte leise. „Vielleicht ist das ihr Stil? Vielleicht will sie den ‚Hausfrauen in ihren Vierzigern‘-Trend durchsetzen?“
„Über meine Leiche“, schnaubte Natsuki, worauf Maron lachte. Ihre Freundin schaffte es irgendwie immer sie zum Lachen zu bringen.
Die Kellnerin kam mit ihren Bestellungen. Sie bedankten sich und Maron nahm einen Schluck von ihrem Glas.
„Also?“, kam es von Natsuki mit hochgezogener Augenbraue.
„Was also?“
„Was hast du heute Morgen gemacht, dass du die Zeit vergessen hast?“
„Oh.“ Maron hustete. „Ehm...“
„Geschrieben? Oh, kommst du jetzt voran?“, fragte Natsuki interessiert.
Ihre Schultern sackten ein. Wie sehr sie sich wünschte, dass dem so gewesen wäre.
Maron senkte beschämt ihren Kopf. „Nein, das war’s nicht.“
„Oh, sorry.“ Natsuki bemerkte ihren Blick. „Hey, keine Sorge. Das wird schon. Du bist eine gute Schriftstellerin.“
„Danke.“ Mit einem kleinen Lächeln sah sie zu ihr auf. „Aber...ehm, das meinte ich gar nicht. Nein, ich bin heute Morgen spät aufgewacht und war in Gedanken versunken gewesen...“, versuchte Maron zu erklären.
Natsuki runzelte die Stirn. „Wegen was?“
Zögernd schob Maron mit der Gabel ihren Salat hin und her und blickte aus dem Fenster nach draußen. Menschen liefen von allen Seiten vorbei, lachten glücklich und genossen den sonnigen Tag. Die Sonne blendete ihre empfindlichen Augen.
Sie sah zu Natsuki, die ein erwartungsvolles und sogar leicht besorgtes Gesicht machte.
Wenn sie es ihrer besten Freundin nicht sagen konnte, wem dann?

Maron nahm einen tiefen Atemzug.
„Yamato geht mir mit unserer Nachbarin fremd“, offenbarte sie leise, sprach so ruhig wie möglich, obwohl sie das Gegenteil empfand. Es tat weh, diese Worte laut auszusprechen.
Natsuki verschluckte sich so stark an ihrem Getränk, dass es durch ihre Nase ging. Maron konnte sich ein schadenfrohes Lachen nicht verkneifen.
Ihre Freundin schnappte sich eine Serviette, wischte sich das Gesicht ab und starrte sie ungläubig an. „Yamato? Dieser prüde Typ? Wirklich? Hast du ihn erwischt?“
„Nein, ich habe in seinem Büro rumgeschnüffelt, nachdem er gestern für zwei Wochen nach Amerika abreiste.“ Maron senkte ihre Stimme und lehnte sich etwas zu Natsuki vor. „Ich habe eine ein Monat alte Hotelrechnung aus Thailand gefunden, die ‚an das Ehepaar Y. und M. Minazuki‘ gerichtet war.“
Natsuki’s Stirnrunzeln vertiefte sich. „Aber…du warst noch nie in Thailand.“
„War ich auch nicht. Ich wüsste auch keinen Grund, wieso man uns beide adressieren würde, wenn er eigentlich allein dort gewesen sein sollte. Weshalb ich glaube, dass jemand sich mit Yamato als seine Ehefrau einchecken ließ.“
Mit riesengroßen Augen und offenen Mund starrte ihre Freundin sie an.
„Und ich glaube ganz stark, dass dieser jemand Miyako ist. Unsere neue Nachbarin“, vollendete Maron kaum hörbar.
„Nein!“, brachte Natsuki entgegen, war vollkommen geschockt. „Das ist abgefuckt! Warte- Welche Nachbarin ist das?“
„Die, die gegenüber eingezogen sind. Die Nagoyas.“
„Die Neuen?“
Wieder nickte Maron. „Sie ist Flugbegleiterin. Ich hatte seit einer Weile schon so ein ungutes Gefühl...“
„Du meine Güte. Süße, dass tut mir so leid.“ Mitfühlend sah Natsuki sie an, ehe ihr Gesicht sich veränderte. „Warte, erzähltest du nicht, dass das ein Ehepaar ist? Die Alte ist verheiratet?! Das ist noch abgefuckter!“ Sie steigerte sich mit jedem Satz noch mehr rein, zeigte die Wut, die Maron in ihrem Inneren verspüren sollte. Sie konnte sich das jedoch nicht leisten, ohne in der Öffentlichkeit in Tränen auszubrechen.
„Was ist mit ihrem Mann?“, fragte Natsuki. „Wie heißt er nochmal...?“
„Chiaki.“ Maron presste sich schulterzuckend die Lippen zusammen. „Keine Ahnung...“
„Was heißt denn ‚keine Ahnung‘?“ Verständnislos sah Natsuki sie an. „Du wirst es ihm doch sagen, oder?“
Sichtlich überfordert mit der Frage, begann sie zu stottern.
„Uh...uhm...W-Wie soll ich das machen? Ich kenne ihn kaum.“ In all der Zeit hatte sie wahrscheinlich maximal fünf Sätze mit ihm gewechselt. „Soll ich einfach zu ihm hingehen und sagen ‚Hey, Nachbar. Wusstest du, dass deine Frau meinen Mann fickt?‘...Wie kommt das rüber?“
„Wenn die Situation umgekehrt wäre, würdest du nicht wollen, dass er es dir sagt?“
Wortlos zuckte sie nur mit den Schultern, vermied Natsuki’s wissenden Blick.
Für einige Momente war es still zwischen den beiden Freundinnen. Maron knabberte an ihrem Salat, hatte jedoch jeglichen Appetit verloren.
„Du wirst ihn doch verlassen, oder?“, fragte Natsuki schließlich.
Darüber hatte sie noch gar nicht nachgedacht.
Maron schwieg.
Ihr Gegenüber seufzte. „Du sollst mit diesem Chiaki reden.“
„Ja...werde ich“, murmelte sie lautlos.
***

Am selben Abend ging Maron ihre Wohnung auf und ab, nicht wissend, was sie machen soll. Soll sie es Chiaki sagen, oder nicht?
Was ist, wenn er ihr nicht glaubte? Das war ihre größte Angst.
Die Rechnung, die sich in ihrer Tasche befand, war schließlich kein handfestes Beweismittel. Man konnte es immer noch als Tippfehler abtun.
Maron dachte daran zurück, wie oft er allein war. Genauso, wie sie oft allein war.
Was machte sie für einen Aufstand? Sie waren doch im selben Team!
Innerlich fluchend stieß sie einen frustrierten Laut aus.
Plötzlich klingelte es an der Tür und sie erschrak. Sie machte auf und war mehr als überrascht Chiaki vor sich zu sehen. Er stand in dunkler Anzughose und Hemd mit Krawatte vor ihr, das Jackett über den Arm hängend.
Einerseits war Maron froh, dass er ihr die Entscheidung gerade abnahm zu ihm zu gehen, andererseits stimmte sein Anblick sie traurig, bei den Gedanken, dass der Mann vor ihr womöglich nichts über die außerehelichen Aktivitäten ihrer Ehepartner wusste.
Chiaki lächelte ein freundliches Lächeln. „Hi.“
Ihr Atem stockte bei dem Lächeln. Es war nicht zu verleugnen, dass Chiaki ein sehr gutaussehender Mann war und womöglich das umwerfendste Lächeln hatte, welches sie je gesehen hat. Und diese blauen Augen-
Maron gab sich eine innere Ohrfeige. Er ist verheiratet!, mahnte sie sich. DU bist verheiratet!
Und eure Ehepartner gehen euch miteinander fremd!, sagte eine andere Stimme, was sie in die Realität wieder zurückwarf.
„Hi“, atmete sie aus.
„Ich wollte dich fragen, ob ich zu einem Drink einladen kann.“
Maron blinzelte ihn verdutzt an. „Oh, eh, klar. Wieso nicht.“
„Ich wollte dich sprechen“, gestand Chiaki, immer noch lächelnd.
„Oh, okay.“ In ihrem Kopf herrscht völliges Chaos und sie spürte, wie die Nervosität und Anspannung sich in ihr steigerte. „Ich hole noch schnell meine Tasche.“

Eine halbe Stunde später saßen sie sich in der Gaststätte, in der sie sich schon oft begegnet waren, gegenüber.
„Worüber wolltest du mit mir sprechen?“, fragte Maron, nachdem der Kellner ihnen ihre Getränke gebracht hatte.
Chiaki wirkte, als wäre er in Gedanken verloren gewesen und sah sie an.
„Ich wollte dich fragen-“ Seine Lippen formten sich zu eine Art Lächeln, welches sie nicht deuten konnte. „Die Handtasche, mit der ich dich das letzte Mal gesehen habe - wo hast du sie gekauft?“
Sie zog ihre Brauen etwas perplex zusammen, versuchte sich zu erinnern, welche Tasche sie hatte, als sie ihn das letzte Mal sah. „Die hier?“ Fragend hob sie ihre Handtasche hoch.
Er nickte.
„Warum fragst du?“
„Ich will meiner Frau ein Geschenk machen.“
Maron legte ihren Kopf schief, sah ihn für drei Sekunden an. „Wäre es nicht komisch, wenn wir dieselben Taschen haben?“
Für einen Moment blinzelte er sie an und lachte verlegen auf. „Stimmt, daran habe ich nicht gedacht. Gibt es sie in unterschiedlichen Farben?“
„Das weiß ich leider nicht“, antwortete sie ehrlich. „Mein Mann hatte mir meine geschenkt. Er hatte sie bei einer seinen Geschäftsreisen im Ausland geholt.“
„Ah... verstehe“, sagte Chiaki nur. „Da kann man wohl nichts machen.“
Für einige Sekunden wurde es still. Schweigend musterte Maron ihn und ihr Blick war seit einer Weile auf etwas bestimmtem fixiert. „Kann ich dich auch was fragen?“
„Ja.“
„Wo hast du die Krawatte gekauft?“ Sie setzte ein Lächeln auf. „Ich überlege meinem Mann dieselbe zu holen.“
Chiaki sah auf seiner Krawatte herab. „Meine Frau hatte sie mir gekauft, als sie auf Reisen war. Sie kauft mir all meine Krawatten“, lächelte er.
„Ah... was für ein lustiger Zufall.“
„Ja...“
Maron sah Chiaki an und ihr Lächeln löste sich. „Eigentlich...Mein Mann hat genau dieselbe, nur in einer anderen Farbe. Und sagte, dass sie von seinem Vater geschenkt sei. Weshalb er sie jeden Tag trägt.“
Er nickte verstehend, auch sein Lächeln war vollkommen weg. „Und meine Frau hat eine Tasche, die deiner sehr ähnlich ist.“
„Ich weiß. Ich hab’s gesehen.“
Ihre Gesichter verdüsterten sich.
Schwer seufzend legte Chiaki seine Ellenbögen auf den Tisch ab, verschränkte seine Finger. Maron sah den Ring an seinem Finger und spielte selbst geistesabwesend mit ihrem eigenen.
Momente vergingen, in der völliges Schweigen am Tisch herrschte, jeder in seinen eigenen Gedanken versunken.
Er hatte was geahnt!, ging es Maron fassungslos und erleichtert zugleich durch den Kopf.
Ihr Blick fiel auf ihre Tasche, als sie an dessen Inhalt dachte. Sie war mehr als froh darüber, dass sie dieses beklemmende Thema nicht mehr ansprechen musste und er es für sie mehr oder weniger übernommen hatte. Das gab ihr ein wenig mehr Mut.
„Ich...“ Sie räusperte sich. „Ich habe etwas gefunden. Und... ich weiß nicht, ob das als Beweis wirklich zählt...“
Mit angehaltenem Atem holte Maron die Rechnung raus und schob sie auf dem Tisch Chiaki hin. Er reichte danach. Dabei streiften seine Fingerspitzen flüchtig die ihrer und ein elektrisierender Funken war bei der Berührung zu spüren.
Ihre Blicke trafen sich und Maron spürte, wie ihr Herz erneut aufklopfte.
Sie konnte nicht einschätzen, ob Chiaki auch was gespürt hatte, denn er nahm mit einer unveränderten Miene sich die Rechnung.
Er entfaltete es und las.
„Ich war noch nie in Thailand“, merke sie tonlos an.
Sein Gesicht war eine ausdruckslose Maske.
Nach einigen Momenten faltete er es wieder zusammen und schob es ihr zu. „Als Beweismittel reicht es wirklich nicht aus...“ Ihre Augen weiteten sich bei den Worten schockiert. „Für einen Anwalt“, fügte Chiaki hinzu.
Maron biss sich auf die Zähne, erwiderte darauf nichts.
„Wir sollten nach Hause gehen“, sagte er, ohne Regung in der Stimme, blickte auf die Getränke und dann zu ihr. „Das geht auf mich.“
Leise bedankte sie sich.

Schweigend liefen die beiden nach Hause. Keiner sprach ein Wort, bis sie im Orléans angekommen waren.
„Ich dachte, ich wäre der Einzige, der etwas ahnte“, durchbrach Chiaki im Fahrstuhl die Stille. Es klang allerdings nicht so, als hätte er das wirklich gedacht.
Maron seufzte lautlos. „Ich frage mich, wie das angefangen hat...“ Und wieso.
„Wozu? Schlimmer ist es doch, dass es überhaupt passiert ist. Da ist es egal, wie oder wer es angefangen hat.“
Er hatte recht. Dennoch konnte sie nicht anders, als sich zu fragen warum. Was war falsch gelaufen, dass sie sich jetzt in dieser Situation befand. War sie ihm nicht genug? War ihre Liebe nicht genug? Wieso war es nicht genug gewesen?
Sie hatte ihm alles gegeben.
Der Fahrstuhl kam oben an und sie stiegen aus. Gerade als Maron in ihre Wohnung gehen wollte-
„Maron.“ Es war wahrscheinlich das erste Mal, dass sie Chiaki ihren Namen sagen hörte. „Es wäre unfair zu solchen Zeiten allein zu sein. Wir könnten morgen Abend vielleicht zusammen etwas essen.“
Perplex blinzelte Maron ihn an.
„Sieben Uhr?“, fragte Chiaki.
Sie zögerte. „Und…wo?“
Seine Mundwinkel zuckten nach oben. „Du weißt wo.“
Ihr Hals schnürte sich zusammen und sie schluckte schwer. Ohne ihm eine klare Antwort zu geben, wandte Maron sich ihrer Tür zu und drehte sich kurz wieder zu ihm um. „Gute Nacht“, wisperte sie.
„Gute Nacht“, kam es von Chiaki sachte zurück, sagte nichts dazu, ob er sie morgen sehen würde. Gab ihr die Wahl.  
Maron schloss ihre Wohnung auf und ging rein.
Mit dem Rücken lehnte sie sich kraftlos an die Tür an, rutschte zu Boden runter und begann zu schluchzen. Die Emotionen, die sie den ganzen Tag zurückgehalten hatte, schlugen wie Tsunamiwellen auf sie ein.
Ihr Herz schmerzte. Alles in ihr schmerzte.
Jeder Atemzug. Jeder Herzschlag.
Sie kam sich vor, als würde ein Laster auf ihrer Brust stehen und ihr jegliche Atemwege wegnehmen.
Hemmungslos rannten ihr die Tränen über das Gesicht.
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