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Affairs & Betrayals

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
28.05.2021
08.07.2022
20
77.143
5
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10.06.2022 4.159
 
SIXTEEN

„Ich liebe Chiaki. So sehr, dass es wehtut von ihm weg zu sein“, sagte Maron. „Ich muss dauernd an ihn denken. Egal wohin ich gehe, ich finde immer etwas was mich an ihn erinnert. Sei es an etwas, was er mal gesagt hatte oder seinen Charakter. Und dann hellt sich automatisch meine Stimmung auf.“ Ein leises Lachen entkam ihr. „In vielerlei Hinsicht hat er mein Leben aufgehellt und erleuchtet. So schnulzig es auch klingen mag. Er ist die zweite Hälfte meines Herzens geworden.“ Für eine Weile sagte sie nichts mehr und sah traurig zu Boden. „Nur weißt er das nicht...“, sagte sie betreten. „Weil ich es vermasselt habe.“
Sie legte ihre Arme auf ihren Knien ab und hielt sich seufzend mit einer Hand den Kopf. „Weißt du, Yamato, dass ist wahrscheinlich das erste Mal, wo du mir mal richtig zuhörst. Eine andere Wahl hast du schließlich auch nicht. Hier kannst du nicht vor mir abhauen.“
„Wenn du willst, dass dein Ex sich im Grabe umdreht, da bin ich mir sicher, dass du das mit Erfolg geschafft hast.“
Erschrocken zuckte Maron zusammen, drehte sich um und schaute hoch. „Chiaki?!“, rief sie und stand abrupt auf.
Da war er. Am Metallgeländer angelehnt und grinste schief auf sie herab. Wie lange stand er schon da? Hatte er alles gehört, was sie eben gesagt hatte?
Als hätte er ihre Gedanken gehört, sagte er: „Alles, was du dem Grab jetzt gestanden hast, hättest du mir ruhig auch persönlich sagen können.“
Beschämt versteckte sie ihr glühendes Gesicht hinter ihrer Hand.
Sie hörte, wie etwas auf dem Boden aufkam und Schritte sich ihr näherten. Als Maron ihre Hand senkte und aufsah, stand Chiaki direkt vor ihr. Er musste zu ihr runtergesprungen sein.
„Hast du das ernst gemeint?“, fragte er mit tiefer Stimme, den Blick eindringlich auf sie fixiert. „Was du alles gesagt hast.“
Ihr Gesicht wurde noch roter und sie schaute verlegen weg. „Jedes einzelne Wort.“
„Wirklich?“ Er war ihr näher gekommen und sie spürte die Hitze seines Körpers.
„Wirklich.“ Maron blickte zu Chiaki auf und ihre Blicke trafen sich.
Sie standen dicht beieinander und ihre Gesichter waren nur Zentimeter voneinander entfernt.
„Würdest du ein paar der Sachen, die du gesagt hast, für mich wiederholen?“, fragte er.
Sie erschauderte beim Klang seiner Stimme. „W-Was willst du denn hören?“
„Das weißt du ganz genau.“ Sanft umfasste er mit einer Hand ihr Gesicht.
Sofort schmiegte sie sich in seiner Hand an, genoss die Wärme seiner Berührung. Sein Daumen strich ihr sanft über die Wange, wischte ihr die einzelne Träne weg, die sich nach draußen verirrt hatte.
Kurz schloss Maron ihre Augen, nahm all ihren Mut zusammen und atmete tief durch. Ihre Lider öffneten sich wieder und sie blickte ihm fest in die Augen.
„Ich- Ich liebe dich“, sagte sie mit erstickter Stimme. „Ich liebe dich, Chiaki. Ich liebe dich so sehr, dass ich ohne dich nicht leben kann. Du besitzt mein Herz.“
Er tiefes, amüsiertes Lachen war aus seiner Kehle zu hören. „Das war aber nicht eins-zu-eins das, was du eben noch gesagt hast.“
„Der Kontext ist derselbe“, erwiderte sie augenrollend und schaute mit hochrotem Kopf zur Seite.
Kichernd nahm er ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie. Ihr angespannter Körper entspannte sich direkt, als sein Mund den ihrer berührte. Die schöne, vertraute Wärme breitete sich in ihrer Brust aus und sie hieß es ohne Zweifel und Bedenken willkommen. Sie spürte, wie seine Lippen sich zu einem Lächeln hochzogen, als sie ihre Hände um seinen Nacken legte und ihn sanft zurückküsste.
„Ich liebe dich auch“, sagte er mit einem überglücklichen Lächeln und sie konnte nicht anders, als ebenfalls zu lächeln. Ihr Herz sprang vor Freude. „Mein Herz gehört voll und ganz dir, Maron.“

Hand in Hand verließen sie den Friedhof und grinsten wie verliebte Teenager bis über beide Ohren.
Als sie aus dem Tor traten, sah Chiaki, dass sein Vater noch beim Wagen stand, der neugierig zu ihnen rüberschaute und winkte. Innerlich kniff Chiaki sich zwischen die Augen. Er hatte glatt vergessen, dass sein alter Herr auf ihn wartete.
„Das ist mein Vater“, sagte er zu Maron. „Wir sind zusammen hierhergefahren.“
„Oh. Willst du mit ihm heimfahren?“, fragte sie. „Ich kann auch allein nach Hause fahren und wir-“
„Ich will mit dir zusammen nach Hause fahren“, fiel er ihr dazwischen.
Sie lächelte sanft und nickte. „Okay.“
Chiaki drückte ihre Hand und zusammen gingen sie auf das Auto seines Vaters zu. Dieser starrte auffällig auf ihre verbundenen Hände.
„Das ist Maron“, sagte Chiaki und warf Kaiki einen vielsagenden Blick zu. „Sie und ich fahren mit ihrem Auto jetzt nach Hause“, verkündete er.
Kaiki sah kurz zwischen ihnen hin und her und schenkte Maron schließlich ein warmes Lächeln. „Kaiki Nagoya“, stellte er sich vor und streckte ihr eine Hand aus. „Aber sag ruhig Kaiki zu mir. Ich bin Chiaki’s Vater.“
Maron schüttelte seine Hand. „Freut mich dich kennenzulernen“, sagte sie mit rosa gefärbten Wangen. Chiaki konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als er sie beobachtete.
„Ich hatte gehofft, dass wir noch zusammen essen würden“, sagte sein Vater zu ihm gewandt, mit leichter Enttäuschung in der Stimme.
„Vielleicht ein anderes Mal“, erwiderte er, war schon drauf und dran zu gehen. „Wo ist dein Auto?“, flüsterte er Maron zu.
„Dort hinten“, antwortete sie und zeigte die Straße entlang.
Kaiki lachte. „Nun, ich will euch nicht länger aufhalten. Es wäre mir eine Freude, dich zu einem späteren Zeitpunkt besser kennenlernen zu dürfen, Maron“, sagte er.
Sie nickte zustimmend. „Mir auch.“
Damit verabschiedeten sich und gingen.
„Weiß dein Vater von mir?“, fragte Maron leise, nachdem sie außer Hörweite waren.
„Nur ganz flüchtig“, antwortete Chiaki grinsend und drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe. Er legte seinen Arm um sie, die Hand auf ihrer Taille ruhend und zog sie zu sich. Sie lachte ein engelsgleiches Lachen.

Die gesamte Fahrt über ließ Chiaki ihre Hand nicht los, selbst wenn sie schalten musste. Genauso wenig konnte er seinen Blick von ihr abwenden.
Maron hatte sich beim Fahren beeilt, denn auch sie wollte schnellstmöglich nach Hause. Im Orléans eilten sie in den Fahrstuhl und als die Türen sich schlossen, hatte Chiaki sie zu sich gezogen und ihre Lippen zu einem hitzigen Kuss versiegelt.
Maron verlor sich in dem Kuss und dass jederzeit jemand in den Fahrstuhl einsteigen könnte, war ihr im Moment egal.
„Zu mir oder zu dir?“, fragte er inmitten von Küssen.
„Zu dir“, hauchte sie.
Im siebten Stock stiegen die beiden aus. Dann nahm er ihre Hand und führte sie zu seiner Wohnung. Er schloss im Handumdrehen die Wohnungstür auf und ging mit ihr rein. Kaum waren sie drinnen, drückte er Maron gegen die Tür und küsste sie mit einer Intensität, die sie aufkeuchen ließ.
Ehe sie sich versah, waren ihre Jacken auf dem Boden und Chiaki begann heiße Küsse auf ihrem freien Hals zu verteilen.
Seufzend klammerte sie sich an ihm fest, hauchte immer und immer wieder seinen Namen. „Ich liebe dich“, wisperte sie ihm ins Ohr.
Er löste sich von ihrem Hals, legte seine Finger unter ihr Kinn und drehte ihr Gesicht zu sich. Sie blickte in seine blauen Augen, die dunkel vor Begierde waren und verlor sich in ihnen. Ihre Lippen trafen wieder aufeinander und sie küssten sich lange und innig. Ihre Hände fanden sich auf seiner Brust wieder und ihre Finger begannen sein Hemd aufzuknöpfen.
Das brennende Verlangen in ihr wurde mit jedem Kuss stärker. Sein Körper presste sich an ihres und sie konnte nur zu deutlich seine Erregung gegen ihr Bein spüren. Sie stöhnte, als seine Zunge sich Einlass gewährte.
„Ich liebe dich auch“, wisperte er und blickte ihr tief in die Augen. Seine Hände glitten ihre Kurven entlang und sie hielt angeregt den Atem. Trotz der vielen Schichten an Kleidung entfachten seine Berührungen ein Feuer auf ihrer Haut. „Lass mich dir zeigen, wie sehr ich dich liebe.“
Maron blickte ihn mit dunklen, lustvollen Augen und rot geschwollenen Lippen an, ehe sie wortlos nickte und ihn mit Hingabe küsste.
Im nächsten Moment hatte Chiaki sie hochgenommen. Er schlang ihre Beine um seine Hüfte und trug sie, ohne seine Lippen von ihr abzuwenden, ins Schlafzimmer.
Dort platzierte er sie mittig aufs Bett und zog ihr die Klamotten aus. Als sie vollkommen nackt vor ihm lag, entledigte er sich selbst von seinen Kleidungstücken, ohne seinen Blick von ihr loszulassen. Anschließend küsste er sie fordernd und leidenschaftlich.
Ihre Zungen spielten miteinander und entlockten ihr ein tiefes Seufzen.
Seine Lippen glitten daraufhin über ihre Lippen, über ihre Wange und dann den Hals herab. Er drückte ihr heiße, gefühlvolle Küsse auf der Haut, wanderte immer weiter abwärts. Stöhnend fuhr Maron zusammen, als Chiaki sie dort küsste, wo sie ihn am meisten wollte. Mit den Händen hielt er ihre Beine auseinander. Zärtlich und sanft liebkostete er sie mit seinen Lippen und seiner Zunge. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, aber gleichzeitig auch eine Folter.
„Chiaki…Bitte…“ Sie wimmerte und stöhnte als er ein wenig mehr Druck mit seiner Zunge ausübte. „Oh Gott…“
„Entspann dich“, raunte er, die Stimme so tief, dass sie erschauderte.
Mit den Worten verwöhnte er sie für eine lange Weile weiter, solange bis sie sich fest in seinen Haaren festkrallte und laut stöhnend kam. Ihr Körper zuckte und rekelte sich, doch er hielt sie eisern auf der Matratze fest und hörte mit seinen Liebkosungen nicht auf. Vielmehr nahm er an Leidenschaft zu und fügte seine Finger hinzu. Sie schnappte laut nach Luft.
„Ahh…Fuck“, fluchte Maron atemlos. „Chiaki…ahh…Bitte.“
Er beugte sich über sie, küsste mit seinen feuchten Lippen die ihren. „Bitte was?“, fragte er.
„Ich will dich“, wisperte sie.
„Du hast mich.“ Mit der freien Hand nahm er ihre Hand legte sie auf seine Brust, direkt über sein schnellschlagendes Herz.
„Ich will dich… in mir spüren.“ Ihr wurde noch heißer als zuvor.
Grinsend blickte Chiaki auf sie herab. „Tust du doch“, sagte er und seine Finger stießen schneller in sie zu. Sie glaubte wahnsinnig zu werden.
Maron hielt sich stöhnend an seinen Schultern fest und warf ihren Kopf nach hinten. Der Kerl brachte sie noch um. Mit dem Daumen strich er über ihre empfindlichste Stelle und der Orgasmus überkam sie erneut.
Nach Atem ringend sah sie, wie Chiaki seine Hand von ihr nahm, seine Arme um sie schlang und sie zu sich hochzog. Er ließ sich mit ihr auf dem Bett nieder, sodass sie auf seinem Schoß saß.
Ihre Lippen fanden sich und vereinigten sich zu einem langen, hitzigen Kuss. Maron hatte ihre Arme fest um seinen Nacken gelegt. Ein raues Seufzen war von ihm zu hören, als sie den Kuss löste und an sein Ohrläppchen knabberte. Dabei rieb sie ihr Unterleib an seinem. Sie konnte nicht mehr länger warten.
Sie schauten einander fest in die Augen, als Maron ohne weiteres ihn in die Hand nahm und ihn in sich einführte.  
Fluchend stöhnte Chiaki auf und legte seine Stirn auf ihre Schulter ab, als sie sich auf ihm setzte. Maron keuchte, als sie sich bewegte und ihn noch tiefer in sich spürte. Es dauerte nicht lange, da hatte sie den idealen Rhythmus gefunden. Sein Kopf rutschte von ihrer Schulter zu ihrer Brust runter und mit der Zunge fuhr er über ihre erregte Spitze, zuerst die eine und dann die andere. Sie stöhnte laut, als er sachte zubiss.
„Fuck, du fühlst dich so gut an“, wisperte er ihr ins Ohr. Seine Hände legten sich auf ihrer Hüfte ab und er hob knurrend sein Becken leicht an.
Die Euphorie, die sie dabei traf, machte sich in ihrer Stimme bemerkbar. Maron spürte, wie sie mit jedem Moment dem Höhepunkt näherkam.
Alles in ihr zog sich zusammen, als sie laut aufstöhnte und sie spürte, dass auch er sich verkrampfte. Seine Arme hielten sie eisern fest, als er stöhnend kam.
Für eine lange Weile rührte sich niemand. Nur die schwere Atmung war von ihnen im Raum zu hören. Sie verharrten in ihrer Position, hielten sich in den Armen. Keiner von beiden hatte das Bedürfnis den anderen loszulassen, sei es auch nur für einen kurzen Moment. Ihre Herzen schlugen Burst an Brust, schnell und im selben Rhythmus.
Maron spürte, wie Chiaki ihr liebevoll durch die Haare strich. Ihre Finger taten es ihm nach, kraulten ihm über die Haare am Nacken.
„Ich liebe dich“, hörte sie ihn flüstern.
Sie legte lächelnd ihre Wange auf seiner Schulter ab. „Ich liebe dich auch“, sagte sie und verstärkte ihren Griff um ihn.
Sie würde ihn nie wieder loslassen.
***

[Vier Wochen später]

„Ich bin sehr zufrieden mit unseren Sessions, Maron.“ Dr. Kirishima schenkte Maron ein zufriedenes Lächeln. „Wie immer möchte ich, dass du bis zum nächsten Termin dein Tagebuch dafür nutzt all deine negativen Gedanken und all deine Sorgen, die bis dahin aufkommen, aufzuschreiben. Ganz gleich ob sie in irgendeinem Bezug zu Yamato stehen oder nicht. In der nächsten Session werden wir darüber reden. Okay?“
„Okay“, nickte sie und verließ kurze Zeit später die Praxis. Anfangs hatte Maron noch ihre Zweifel hinsichtlich der Therapie gehabt, aber mit jeder Session fühlte sie sich wohler in den Gesprächen und begann zu sehen, was für einen Mehrwert es für sie hatte.
Sie begann mehr und mehr zu verstehen, dass manche Dinge außerhalb ihrer Kontrolle waren und dass sie akzeptieren muss, dass nichts von dem ihre Schuld sei. Es war immer noch schwierig für Maron über ihre Gefühle zu reden, aber es besserte sich mit jedem Termin. Das Dr. Kirishima geduldig mit ihr war half auf jeden Fall. Ebenso auch der Fakt, dass Chiaki ihr die Kraft dafür gab. Sie würde heilen, dem war sie sich sicher.
Mit einem guten Gefühl begab Maron sich Richtung Krankenhaus. Chiaki würde bald Feierabend haben und sie würden zusammen Heim fahren. Er hielt sein Versprechen ein, arbeitete seine Schichten, mied es Überstunden zu machen und kam früh nach Hause, um genügend Zeit mit ihr zu verbringen.
Die Praxis war nicht weit vom Krankenhaus entfernt, weshalb sie den Weg zu Fuß ging. Es war ein schöner Tag und die Sonne schien auf sie herab.
Auf dem Weg klingelte ihr Handy. Kurz schaute sie auf das Display und nahm ab. „Hallo Mama.“
„Hallo Schatz“, sagte Korron am anderen Ende. „Störe ich gerade?“
„Nein. Ich bin gerade mit meiner Therapie fertig.“
„Oh, und wie wars?“
„Gut.“
„Das freut mich, Liebling.“
Maron stoppte, kniff sich kurz die Augen zusammen und hielt sich den Kopf. Ein leichtes Schwindelgefühl überkam sie, welches sich jedoch schnell wieder legte.
„Maron? Bist du noch da?“, hörte sie den besorgten Ton ihrer Mutter.
„Ja, alles gut. Mein Körper sagt mir, dass ich mehr Wasser trinken muss“, beschwichtigte sie ihr. „Weshalb rufst du an?“
„Ach, ich wollte fragen, ob du und Chiaki Lust habt am Wochenende zum Mittagessen zu kommen?“
„Ich treffe ihn gleich. Da werde ich ihn fragen, aber ich denke nicht, dass da irgendetwas dagegenspricht.“
„Perfekt. Sag Chiaki, dass dein Vater gespannt darauf ist das Gespräch von letztem Mal fortzusetzen.“
Maron lachte, als sie daran zurückdachte, wie beide sich intensiv über etwas Sozialpolitischem unterhalten haben und alles andere drumherum völlig vergessen hatten.
Sie war froh, dass ihre Eltern Chiaki zu mögen schienen. Erst vor ein paar Wochen hatte sie ihnen erzählt, dass sie einen neuen Freund hatte.
Kurz danach arrangierten sie ein Kennenlernessen und es verlief besser ab, als Maron befürchtet hatte - auch wenn ihr Vater Chiaki mächtig ins Verhör genommen hatte. Er und ihre Mutter waren zunächst mal skeptisch gewesen. Man konnte es ihren Eltern nicht verübeln, schließlich kam es für sie auch ziemlich plötzlich, dass ihre Tochter in einer neuen Beziehung schon ist. Des Weiteren war Chiaki ihr erster richtiger Freund, den Maron ihnen vorstellte, da sie Yamato von klein auf schon kannten.
Es war für die meisten der Beteiligten eine neue Erfahrung. Aber nachdem ihre Eltern merkten, wie glücklich Maron war und wie fürsorglich Chiaki sich um sie kümmerte, verflog ihre Skepsis direkt und sie freuten sich für ihre Tochter.
Auf die Frage hin, wie Maron und Chiaki sich kennengelernt haben, haben sie ihren Eltern nur gesagt, dass Chiaki vor einiger Zeit neu eingezogen war. Die Details und das Drama über die Affäre ihrer verstorbenen Ehepartner ersparten sie sich. Es reichte, wenn nur eine Handvoll von Leuten davon wussten.  Ihre Eltern brauchten sich nicht auch noch darüber aufregen.

Maron telefonierte noch mit ihrer Mutter, unterhielt sich mit ihr über ihr Buch, welches endlich fertig war, bis sie im Krankenhaus angekommen war und legte anschließend auf. Sie begrüßte die Schwestern an der Rezeption und fuhr den Aufzug hoch. Für das Krankenhauspersonal war Maron inzwischen ein bekanntes Gesicht. Im richtigen Stockwerk angekommen, ging sie den Korridor entlang und steuerte auf Chiaki's Büro zu. Weniger Meter davon entfernt, ging die Tür auf und Chiaki kam raus. Nachdem er sein Büro abgeschlossen hatte, schaute er auf und erblickte sie. Ein riesiges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
Das Lächeln spiegelte sich auch auf ihrem Gesicht wider. Sie ging mit schnelleren Schritten auf ihm zu und fiel ihm in die Arme. Liebevoll küsste Maron ihn, ganz gleich, ob sie sich mitten in der Öffentlichkeit befanden. Sie scheute sich nicht mehr davor ihre Gefühle für diesen Mann zu zeigen.
„Wie war’s heute?“, fragte Chiaki, als sie sich lösten. Er fragte sie immer nach ihren Therapie-Sessions. Was süß war.
„Ganz gut. Dr. Kirishima ist zufrieden. Ich bin zufrieden. Wir sind alle zufrieden“, kicherte Maron.
Er grinste und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Ich bin stolz auf dich.“ Das sagte er auch jedes Mal, was ihr eine verlegene Röte verursachte. „Wollen wir gehen?“
Sie nickte. Seine Hand fand die ihre und ihre Finger verschränkten sich fest ineinander.
Gerade als sie gehen wollten, tauchte Kagura um die Ecke auf.  „Ah, Chiaki! Gott sei Dank bist du noch hier“, sagte er, als er auf die beiden zukam. „Hallo Maron“, begrüßte er sie freundlich. Sie hob grüßend ihre freie Hand.
„Wir wollten gerade gehen“, sagte Chiaki. „Ich dachte, du wärst auch schon fertig?“
„Ich habe noch einige wichtige Angelegenheiten zu erledigen, die nicht bis morgen warten können. Ich sollte Yuki längst vom Kindergarten abholen...Wärst du so gut und machst das für mich? Ich gebe dir meinen Zweitschlüssel und dann könnt ihr sie heimbringen. Ich versuche schnellstmöglich hier fertig zu werden und nach Hause zu kommen.“
„Oh, eh, ja klar. Wäre kein Problem. Oder?“ Fragend sah Chiaki zu Maron.
Sie zuckte unbeschwert mit den Schultern. „Habe nichts dagegen. Sie ist deine Tochter, richtig?“ Kagura nickte verlegen.
„Dann kann sie dich heute mal kennenlernen“, merkte Chiaki grinsend an.
„Danke ihr beiden“, sagte Kagura. „Ihr habt was gut bei mir.“

Damit fuhren sie zum Kindergarten und holten das Mädchen ab.
Als Yuki Chiaki erblickte, war sie direkt auf ihm zu gerannt und hatte ihre Arme um seine Beine geschlungen.
„Onkel!“
„Na, Prinzessin“, lachte er und raufte ihr die Haare.
Als Yuki bemerkte, dass er nicht allein war, versteckte sie sich ein wenig hinter seinem Bein. Maron schmunzelte etwas.
„Das ist Maron“, stellte er sie der Kleinen vor. „Sie ist meine Freundin.“
„Hallo, Yuki“, hockte Maron sich runter und schenkte ihr ein warmes Lächeln.
„Hallo“, begrüßte Yuki sie schüchtern und sah sie mit großen Augen genauer an. „Du bist schön“, platzte es auf einmal aus ihr heraus.
„Ehm, danke“, brachte Maron entgegen und lachte peinlich berührt.
Chiaki lachte ebenfalls. „Recht hat sie.“
Ihr Wangen liefen rosarot an.
Daraufhin beugte Chiaki sich zu dem Mädchen runter. „So, da dein Papa noch arbeiten muss, bringen wir dich jetzt nach Hause, okay?“, sagte er.
Yuki grinste erfreut und nickte eifrig mit dem Kopf.
Sie gingen somit zum Auto. Maron beschloss sich zu Yuki auf der Rückbank dazuzusetzen. Das Mädchen schien das zu mögen. Sie plapperte freudig los, durchlöcherte Maron mit willkürlichen Fragen und zeigte ihr anschließend ihre Spielzeuge, die sie in ihrem Rucksack hatte.
Immer mal schaute Chiaki in den Rückspiegel und schmunzelte amüsiert.
Bei Kagura zu Hause spielten die beiden mit der Kleinen und sie schien eine Menge Spaß zu haben. Besonders begeistert war Yuki von Maron’s langen Haaren, die in kürzester Zeit Opfer ihrer unzähligen Spangen und Schleifen wurden.
Nach ungefähr einer Stunde kam Kagura schließlich nach Hause und löste das Paar ab.
Zu Abschied umarmte Yuki nicht nur Chiaki, sondern auch Maron.
„Ich mag dich“, verkündete das kleine Mädchen und lächelte sie an. „Spielen wir bald nochmal zusammen, Mara?“
Maron konnte nicht anders als verzückt zu lächeln und zu nicken. „Versprochen.“
Zufrieden sah Chiaki zwischen den beiden hin und her.

„Sie ist süß“, sagte Maron, als sie sich ins Auto wieder reingesetzt haben.
Chiaki kicherte. „Kann dem nichts entgegenbringen“, entgegnete er und schnallte sich an.
„Du bist gut mit Kindern“, merkte Maron mit Bewunderung an.
„Gut mit Kindern zu sein, ist mein Job“, erwiderte er. „Schließlich muss ich nahezu jeden Tag mit ihnen arbeiten.“
Während sie mit Yuki gespielt haben, konnte Maron ihren Blick nicht von Chiaki und dem Mädchen abwenden. Die Art und Weise, wie er mit der Kleinen umging war sehr herzerwärmend gewesen. Ihr Lächeln wurde ein wenig traurig und ein bedrückendes Gefühl überkam sie.
„Worüber denkst du nach?“ Seine Stimme riss sie aus ihrer Gedankenwelt.
Neugierig aber auch mit leichter Sorge sah ihr Freund sie an. Noch immer standen sie mit dem Auto in der Parklücke, waren noch nicht losgefahren.
Maron drehte ihren Kopf zu Chiaki und lächelte ihn unbesorgt an. „Nichts wichtiges.“
„Sicher?“, fragte er vorsichtig nach.
„Ja.“ Sie legte ihre Hand auf seine, beugte sich über der Konsole zu ihm hin und küsste ihn zärtlich. „Ich bin vollends glücklich“, wisperte sie.
Es war wahr. Ihre Beziehung mit Chiaki war perfekt. Glücklicher konnte sie im Augenblick nicht sein. Sie liebte ihn. Er liebte sie. Mehr brauchte sie sich nicht zu wünschen.
***

Zwei weitere Wochen vergingen und besser konnte das Leben nicht laufen.
Ihr Buch hatte endlich ein Cover sowie auch ein Veröffentlichungsdatum, welches sie in nahestehender Zukunft auch bekannt geben würde.
Die Freude war groß und die Aufregung über ihr baldiges Debut umso mehr.
Bald würde der Verlag ihr ein paar Exemplare zuschicken und Maron konnte es kaum erwarten es ihren Freunden und Familie zu geben.
Gerade schrieb sie ihrem Redakteur noch eine E-Mail, ehe sie ihr Laptop zuklappte und sich im Sitzen streckte. Den ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen, hatte auch ihre Tücken. An manchen Tagen kam sie sich vor, als wäre sie schon 60 - so verspannt war ihr Rücken.
Maron beschloss für zwanzig Minuten noch Yoga zu machen. Sie zog sich in ihre Sportklamotten um und ging anschließend in Yamato’s ehemaliges Arbeitszimmer, welches sie zu einem Sportzimmer umfunktioniert hatte. Ab und an tanzte sie auch da drin. Generell diente der Raum nun dazu Dampf ablassen zu können.
Nach dem Sport fühlte Maron sich um einiges besser. Sie ging schnell duschen und zog sich um. Gegen Mittag aß Maron noch eine Kleinigkeit, ehe sie schließlich raus musste.
Sie musste noch zum Arzt. Nach dem Arztbesuch würde sie zu Chiaki gehen, der bis dahin schon zu Hause sein sollte. Seit sie zusammen waren, aßen und schliefen sie immer bei ihm. Das hatte sich so ergeben. Und Maron musste innerlich gestehen, sie fühlte sich in seiner Wohnung irgendwie wohler als in ihrer. Miyako’s Habseligkeiten waren sowieso nicht mehr da und in den letzten Wochen hatte er alles umgeräumt und renoviert, sodass die Wohnung einen komplett neuen Flair hatte. Es gefiel ihr persönlich mehr und spiegelte im gewisser Weise seinen Charme wider. Der Gedanke an Chiaki brachte ihr ein Grinsen auf das Gesicht, was sie nicht so leicht verbergen konnte.

Beim Gynäkologen meldete sie sich an der Rezeption an und wartete anschließen im Wartezimmer. Eine ganz normale Kontrolluntersuchung stand an, die ihrer Erfahrung nur wenige Minuten dauern würde, wenn man die Wartezeit nicht dazuzählte.
Es dauerte eine Weile, bis Maron ins Untersuchungszimmer gerufen wurde.
„Hallo, Maron.“ Dr. Shinobu begrüßte sie mit einem herzlichen Lächeln. Seit sie ein Teenager war, ging sie zu ihr.
Die Ärztin bat sie sich untenrum freizumachen und dann auf dem Untersuchungsstuhl Platz zu nehmen.
„Wann hatten Sie Ihre letzte Blutung?“, fragte Dr. Shinobu, während sie die Ultraschalluntersuchung durchführte und auf dem Bildschildschirm schaute.
„Ich bin mir ehrlich gesagt nicht so sicher...ist auf jeden Fall eine Weile her“, antwortete Maron. Ihre Tage waren schon immer sehr unregelmäßig gewesen. Mal hatte sie ihre Tage zweimal im Monat, mal hatte sie sie für zwei Monate gar nicht. Mal dauerten sie nur drei Tage an, mal knapp zwei Wochen. Maron hatte es lange aufgegeben, da den Überblick zu behalten.
„Hatten Sie in letzter Zeit irgendwelche Beschwerden?“
Sie überlegte. „Nein, ich glaube nicht.“
„Okay. Sind Sie sexuell aktiv?“
Maron wurde bei der Frage rot. Ihr Verstand wanderte zu Chiaki und all ihre gemeinsame Nächte zurück. Die Röte auf ihren Gesicht verstärkte sich um ein paar Nuancen. „Ehm, ja...“, antwortete sie langsam und langgezogen.
Diese Fragen begannen sie zu verunsichern. Genauso wie der Fakt, dass die Ärztin Gel auf ihrem Bauch geschmierte und weiterhin das Ultraschall fixierte.
Es dauerte einige Momente bis Dr. Shinobu weitersprach und sich mit einem Lächeln zu ihr wandte:
„Es sieht so aus als wären Sie in der achten Woche ungefähr schwanger, Maron.“
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