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Affairs & Betrayals

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
28.05.2021
08.07.2022
20
77.143
5
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Dieses Kapitel
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27.05.2022 4.267
 
FOURTEEN

Man sagt, dass jeder mit dem Tod auf seine eigene Art und Weise klarkam. Maron war sich nicht sicher, ob sie überhaupt klarkam.
Wie konnte das real sein? So sollte es nicht enden.
Das konnte doch nur ein schlechter Traum sein...Aber so sehr sie sich dies auch wünschte, jeden Tag wachte sie auf und blickte der Realität ins Auge.
Yamato war tot. Bei Ankunft der Rettungskräfte war es schon zu spät gewesen. Er hatte anscheinend einen schnellen Tod erlitten.
Vier Tage waren seit dem Unfall vergangen.
Vier Tage, in der sie auch nichts mehr von Chiaki gehört hatte. Er musste nach Yamamoto ins örtliche Krankenhaus fahren. Miyako lag nämlich im Koma.
Das war das Letzte, was er Maron noch gesagt hatte, bevor er ging. Seitdem hatte sie weder etwas von ihm gehört oder sich bei ihm gemeldet.
Schließlich musste sie eine Beerdigung organisieren. Die heute stattfand.
Regungslos stand Maron vor dem Grab, während Familie, Freunde und Trauergäste um sie herum weinten. Trauerreden wurden gehalten und der Sarg wurde in die Erde gelassen.
Kein einziges Mal hatte Maron während der Bestattungszeremonie eine Träne vergossen. Oder überhaupt in den letzten vier Tagen. Das manche Gäste ihr deswegen argwöhnische Blicke zuwarfen, war ihr egal. Sie kam sich wie ein emotionsloser Zombie vor.
Am liebsten wollte sie den Tag so schnell wie möglich hinter sich bringen und sich zu Hause zurückziehen. Allerdings wird Fuyuta, der Notar, noch kommen, um Yamato’s Testament zu lesen. Maron war nicht bereit dafür.

Mit ihren Eltern saß sie den Minazukis gegenüber. Derweil las Fuyuta das Testament vor.
Sie vermied deren Blicke, konnte die Trauer in den Ausdrücken seiner Eltern nicht ertragen. Schuldgefühle machten sich wie eine schwere Last auf ihren Schultern breit und sorgten dafür, dass ihr das Atmen schwerfiel. Sie wusste, dass es irrsinnig war, dass sie sich schuldig für einen Unfall fühlte, den sich nicht einmal verursacht hatte. Aber sie konnte nicht anders...
„Ms. Maron? Haben Sie mich gehört?“ Fuyuta’s Stimme brach ihre trüben Gedankengänge ab und riss sie ins Hier und Jetzt zurück
„Wie bitte?“, fragte sie perplex.
„Er hat Ihnen alles hinterlassen.“
Maron blinzelte ihn mit großen Augen an. „W-Was?“
„‚Meiner großen Liebe vermache ich alles‘“, las er vor.
Sie war immer verwirrt noch. „So steht das wirklich da?“
„Ja. Rechtlich gesehen steht es Ihnen als seine Ehefrau somit zu, alles zu erben.“
Ihr Mund fiel auf. „Alles?“
„Geld, Wohnung...alles, was ihm gehörte.“
„Yamato muss dich wirklich geliebt haben, Maron“, sagte Asako weinend, rieb sich mit einem Taschentuch die Augen. Ihr Mann, Seijiro, strich ihr beruhigend über den Rücken.
„Ich...Ich kann unmöglich alles behalten...“, erwiderte Maron leise, den Blick zu Boden gerichtet. „Ich-…werde euch seine Habseligkeiten überlassen. Der…Anblick von den Sachen tut einfach nur weh...“, sagte sie ausweichend und biss sich auf die Lippe.
Yamato’s Eltern nickten. „Danke, Maron“, schluchzte Asako. „Danke. Du hast ein gutes Herz.“
Maron nickte geistesabwesend. Sie konnte ihnen nicht in die Augen schauen. Sie konnte sich nicht vorstellen, was die beiden als Eltern durchmachen mussten. Schließlich haben sie ihr einziges Kind verloren. Maron würde ihnen niemals von Yamato’s Affäre erzählen. Sie sollten ihren geliebten Sohn in guten Erinnerungen behalten.
„Wir sind stolz auf dich, Liebes“, flüsterte ihre Mutter ihr zu, die ihre Hand hielt.
Fuyuta räusperte sich und alle wandten sich ihm wieder zu.
„Demnach werden all seine Konten auf Ihren Namen umgeändert“, sagte er zu Maron. „Bis auf eines.“
Maron runzelte leicht verwundert die Stirn und nickte verstehend, nicht wissend, wie sie noch weiter darauf reagieren sollte.
Damit waren sie fertig mit dem Testament. Die Minazuki’s verabschiedeten sich und würden Bescheid geben, wenn sie Yamato’s Sachen abholen würden. Seijiro warf ihr dabei noch einen kurzen undurchsichtigen Blick zu. Maron wusste seinen Blick nicht zu deuten und sah beschämt weg.
Ihre Eltern gingen schon mal voraus, als Maron sich noch einmal an Fuyuta wandte.
„Welches Konto wird nicht umgeändert?“, fragte sie.
„Oh. Das College-Sparkonto“, antwortete er ihr, als wäre es verständlich.
Ihr Augen weiteten sich. „Oh“, flüsterte sie.
Yamato hatte ein College-Sparkonto eröffnen? Wann das?
Ihr Inneres zog sich zusammen.
„Ach ja. Fast hätte ich es vergessen.“ Fuyuta griff in seine Aktentasche und holte eine hübsche Geschenkbox heraus. „Als man sein Büro in der Firma ausgeräumt hat, hatte man das hier gefunden. Ich denke, dass ist für Sie.“ Maron nahm die Box an und blickte ausdruckslos darauf.
Mit einem Danke verabschiedete sie sich von Fuyuta und begab sich nach Hause.
Da sie mit Yamato’s Testament fertig waren, sollten ihre anfänglichen Sorgen ums Geld vorüber sein. Doch obwohl Maron alles erbte, was er hinterließ, fühlte sie sich im Moment nicht viel besser. Was auch immer sie in ihrem Inneren zusammengehalten hatte, brach jetzt in sich zusammen.
Weinend lehnte sie sich bei der Rückfahrt an ihre Mutter an. Die Tränen, die zuerst nicht fließen wollten, liefen ihr nun unkontrolliert herunter und hörten nicht auf.
***

[einige Tage später]

„Wie fühlst du dich?“
Mit einer Tasse Kaffee hatte Natsuki sich neben sie auf die Couch gesetzt. Ihre Freundin war zu Besuch wieder da. Das tat sie seit Yamato’s Tod so gut wie jeden Tag, übernachtete manchmal sogar, um Maron Gesellschaft zu leisten.
„Ganz gut“, sagte Maron trank von ihrer Tasse. Wie oft hatte man sie in den letzten Tagen gefragt, wie es ihr ginge? Oft genug, dass es auf jeden Fall nervte. Meistens setzte sie zu ihrer Antwort noch ein Lächeln auf und dann hatte es sich für die meisten Leute erledigt.
Natsuki bemerkte ihre Lüge natürlich und seufzte. „Maron…“
Sie wich ihrem Blick aus. „Mir geht es gut.“
„Du lügst.“
Knallend stellte Maron ihren Kaffee ab. „Ach wirklich?!“, fuhr sie ihre Freundin an. „Was erwartest du denn, wie ich es mir geht, ha? Wenn ständig jemand hier ist und mich mit Fragen durchlöchert. Es nervt, Natsuki! Solltest du mich nicht gut genug kennen, um zu wissen, dass du dir diese Frage sparen kannst?! Wie wäre es, wenn du mich für einen Tag doch einfach mal in Ruhe lässt??“
Erschrocken und zugleich verletzt blickte Natsuki sie mit großen Augen an.
Maron schnappte bei der Realisation ihren Mund zu und senkte beschämt ihr Gesicht. „Entschuldige, so habe ich das nicht gemeint. Verzeih mir, Natsu“, entschuldigte sie sich direkt. Natsuki’s Anwesenheit nervte sie nicht. Im Gegenteil. Vielmehr war Maron ihr unendlich dankbar dafür.
Sie sah zu Natsuki auf, ließ ihren Blick wieder sinken und seufzte schwer. Sie war geistig völlig ausgelaugt.
„Ich weiß nicht, wie ich mich fühle“, flüsterte sie. „Yamato ist seit einer Woche tot. Wie kann es sein, dass ich vor einer Woche noch absoluten Zorn und Schmerz wegen ihm verspürt habe und jetzt um seinen Tod trauere?“
Natsuki legte einen Arm um sie. „Maron. Jemand der dir über sehr, sehr viele Jahre mal sehr viel bedeutet hat, ist gestorben. Himmel nochmal, er war dein Ehemann! Ich wäre besorgt, wenn du nicht trauern würdest“, sagte sie ihr. „Du musst das alles noch verarbeiten. Da ist es verständlich, dass die Emotionen erstmal drunter und drüber gehen. Das Beste wäre zu versuchen dich abzulenken. Du könntest beispielsweise jederzeit in meinem Shop aushelfen, wenn du magst.“
Seufzend bückte Maron sich nach vorne und fuhr sich die Hände zuerst über das Gesicht und dann über die Haare, verharrte für einige Sekunden in der Pose. Sie spürte Natsuki’s besorgten Blick auf sich.
„Hast du von Chiaki gehört?“, fragte ihre Freundin leise.
Maron schüttelte ihren Kopf. „Die ganze Woche schon nicht...“ Mit einem traurigen Gesichtsausdruck richtete sie sich gerade und seufzte deprimiert.
„Vermisst du ihn?“, hörte sie Natsuki fragen.
Sekunden vergingen, ehe Maron zur Antwort nickte.
Natürlich vermisste sie ihn. Chiaki war vom ersten Tag an, seit dieses ganze Drama angefangen hatte, für sie da gewesen. Umso mehr machte sie diese Funkstille zu schaffen. Was ist, wenn es Miyako wieder gut geht und er bei ihr blieb? Die Vorstellung allein war schmerzhaft in ihrer Brust. Das durfte auf keinen Fall passieren. Sie wollte ihn nicht verlieren.
Maron schüttelte ihren Kopf. Sie konnte nicht glauben, dass sie in einer solchen Zeit solch egoistischen Gedanken hatte. Wichtig war erstmal für ihn zu hoffen, dass Miyako okay war.
„Hey“, sagte Natsuki sanft. Sie hatte eine Hand auf Maron’s Schulter gelegte und drehte sie zu sich. „Ruf ihn an.“ Sie schenkte ihr ein aufbauendes Lächeln.
Maron presste sich zögernd die Lippen zusammen und nickte schwach. „Werde ich...Bald“, murmelte sie.
Sie würde ihn womöglich anrufen müssen. Auch wenn sie nicht wusste, was sie ihm sagen konnte – oder sollte. Aber gerade jetzt brauchten sie einander wahrscheinlich mehr denn je zuvor.

Am Abend war Maron schon früh schlafen gegangen. Das tat sie in den letzten Tagen häufig. Meistens gegen acht oder neun. Sie war schon fest am Schlafen gewesen, als sie etwas unerwartet weckte. Zitternd erhob sie sich von Sofa und sah sich irritiert in ihrem Arbeitszimmer um. Im Schlafzimmer schlafen konnte sie nicht. Auch wenn Yamato weg war, so sträubte sich alles in ihr in diesem Zimmer -in diesem Bett dort- zu schlafen. Das Bett welches sie einst mit ihm geteilt hatte...
Ein Klopfen an der Wohnungstür, ließ sie aufschrecken. Maron realisierte, dass dies sie geweckt haben musste. Stirnrunzelnd sah sie zur Uhr. Es war fast elf. Wer zum Teufel würde jetzt noch vorbeikommen wollen?
Verunsichert stand sie auf und suchte in der Dunkelheit blind nach ihrem Morgenmantel, da sie nur ein einfaches Schlaf-T-Shirt trug. Anschließend machte sie sich die kleine Nachtlampe, die auf dem Wohnzimmerboden stand, an und ging in den Flur.
Sie spähte durch das Guckloch. Ihr Herz machte einen Sprung, als sie Chiaki erblickte.
Sie öffnete sofort die Tür und sah ihn mit großen Augen an. Er war wirklich hier! Sie bildete ihn sich nicht ein.
Er trug einen schwarzen Anzug, das Jackett war auf, die schwarze Krawatte hing ihm locker um den Hals und der Kragen seines Hemdes war aufgestellt. Er hatte einen müden, erschöpften Ausdruck im Gesicht.
Sie schluckte. „Bist du okay?“, fragte Maron ihn leise, als sie ihn in ihre Wohnung rein ließ.
Er antwortete nicht, ging schweigend durch die Wohnung und setzte sich im Wohnzimmer auf die Couch hin. Die Ellenbögen waren auf den Knien abgestützt und die Hände hatte er vor verschränkt. Sein Gesicht war zu Boden gesenkt.
Ihre bereits vorhandene Sorge um ihn verstärkte sich mit einmal mehr. „Ist-Ist Miyako-“
„Sie erlag vor drei Tagen ihren Verletzungen“, sprach er in einem emotionslosen Ton.
„Du meine Güte…“ Geschockt sowie bestürzt hielt Maron sich eine Hand vor dem Mund. „Chiaki...das tut mir so leid-“
„Heute war die Beerdigung gewesen.“ Noch immer war keinerlei Regung in seiner Stimme. „In Hokkaido. Ihrem Zuhause.“
Sekunden vergingen in der es vollkommen still zwischen ihnen war.
„W-Wieso bist du dann jetzt hier?“, fragte Maron verwirrt.
Bei der Frage hob Chiaki seinen Kopf. Er sah erschöpfter aus als vorher. „Ich bin sofort gegangen, als die Zeremonie zu Ende war. Ich musste weg. Die letzten Tage waren die Hölle gewesen, Maron.“
Sie nickte verstehend. Sie sah Chiaki mit einem mitfühlenden Ausdruck an, setzte sich neben ihn hin und schlang ihre Arme um seinen Nacken, zog ihn sachte zu sich. Er erwiderte die Umarmung, legte dabei seinen Kopf auf ihre dünne Schulter ab. Als seine Wärme sie umhüllte, nahm sie einen tiefen, nahezu erleichterten Atemzug.
Maron wusste selbst nicht, was sie gerade fühlen sollte. Ein Teil von ihr war froh ihn zu sehen. Ein anderer Teil jedoch litt mit ihm. Seine Trauer erinnerte sie an ihre eigenen Trauer. Ohne die Umarmung zu lösen, blickte sie zu Chiaki auf und sah ihm in die Augen. Er erwiderte mit Zögern ihren Blick. Trotz des schwachen Lichts der Nachtlampe konnte sie erkennen, dass seine leuchtendblauen Augen feucht waren.
Sanft legte sie eine Hand auf sein Gesicht und strich ihm mit dem Daumen über die Wange. „Es tut mir so leid“, flüsterte sie erstickt. Ihr waren selbst die Tränen wieder hochgestiegen, die vereinzelt ihren Augen entkamen. Sie fühlte seinen Kummer, genauso wie ihre eigene.
„Maron...“ Mehr sagte er nicht. In dem Moment wusste sie, dass sie glücklich war ihn zu sehen. Und dass sie ihm den Schmerz abnehmen wollte.

Mit dem Entschluss platzierte sie ihre Hände sachte um seinen Nacken und zog ihn zu sich runter, lehnte dabei seine Stirn an ihrer an. Er ließ es wortlos geschehen, schlang dabei seine Arme fester um sie. Sie nahm seinen markanten Duft jetzt noch deutlich wahr, welcher in ihrem Inneren diese prickelnde Wärme verursachte. Sein warmer Atem auf ihrem Gesicht brachte Empfindungen in ihr hoch, die ihre tauben Sinne zu wecken schienen.
Sie erkannte diese Empfindungen wieder. Dieses elektrisierende Gefühl, was ihren ganzen Körper durchfuhr und sie zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit wieder gut fühlen ließ.
Und ehe sie zweimal darüber nachdenken konnte, beschloss sie nach diesen Gefühl zu handeln. Sie schloss die Distanz zwischen ihnen und legte ihre Lippen auf seinen.
Fordernd und mit intensivem Verlangen küsste sie ihn.
Als hätte er darauf gewartet erlöst zu werden, erwiderte Chiaki den Kuss direkt. Ihre Lippen bewegten sich grob und gehetzt aufeinander. Es gab keine Zärtlichkeit in den Küssen. Nur das instinktive Bedürfnis nach dem anderen. Angetrieben von Lust und Verlangen.
Ein Seufzen war von ihr zu hören, als er den Kuss vertiefte. Als sich ihre Zungen berührten und einander jagten, wurde das Seufzen lauter. Es war wild, leidenschaftlich und heiß.
Ohne den Kuss abzubrechen, manövrierte Maron sich auf seinen Schoß, sodass ihre nackten Beine jeweils links und rechts an seiner Seite sich befanden. Anschließend fing sie an seinen Hals und Nacken zu liebkosen. Er erschauderte unter ihr, als ihre Lippen seine Haut berührten und sie an seinen empfindlichen Stellen zu knabbern begann.
Seine Hände wanderten ihren Rücken auf und ab, pressten sie eng an sich. Mit wenigen Handgriffen hatte er ihr den Morgenmantel ausgezogen. Seine Hände schlüpften unter ihr T-Shirt und sie konnte sofort das brennende Kribbeln seiner Berührungen auf ihrer Haut spüren.
Anschließend trafen ihre Lippen wieder zu einem lustvollen Kuss aufeinander. Sie spürte durch den dünnen Stoff ihres Slips seine Erregung unter sich, die sich in seiner Hose abzeichnete. Ein Keuchen entkam ihr, als sie sich an ihm rieb und er noch härter wurde.
Fluchend löste Chiaki den Kuss, riss sich die Krawatte vom Hals und entledigte sich seinem Jackett, warf beides achtlos zu Boden. Anschließend knöpfte er sich das Hemd auf.
Ihre Hände, die sich vorher noch in seinen Haaren festgekrallt haben, drückten seinen Oberkörper herunter und wanderten seine Muskeln weiter herab. Dann begannen sie ihm die Hose aufzumachen. Maron ging von seinem Schoß runter und kniete sich vor ihm auf dem Boden. Mit einem Ruck zog sie ihm sowohl Hose als auch Boxershorts aus.
Kurz sah sie zu ihm auf, die Augen dunkel vor Begierde. Ihre Blicke begegneten sich und er lehnte sich mit den Unterarmen auf die Couch zurück. Ihre zarten Hände glitten über seine Beine und fanden direkt ihr Ziel. Ohne den Blick von ihm abzuwenden, umfasste sie ihn und beobachtete jede seiner Reaktionen. Scharf zog er die Luft ein und schloss seine Augen.
Als sie ihn schließlich in den Mund nahm und ihre Zunge spüren ließ, warf er fluchend den Kopf nach hinten. Zufrieden grinste sie innerlich in sich hinein, befriedigte ihn weiter. Raue Flüche und tiefes Stöhnen waren von ihm zu hören. Seine Hand fand sich in ihren Haaren wieder und animierte sie dazu schneller zu werden. Mit Elan bewegte sie stöhnend ihren Kopf auf und ab, brachte gleichzeitig ihre Zunge zum Einsatz. Dabei stieg ihre eigene Erregung immens an und sie rieb sich die Beine zusammen.
Sie spürte nach einer Weile, wie er seinem Höhepunkt nahe war. Doch ehe sie ihn dazu bringen konnte zu kommen, zog er sie zu sich nach oben und küsste sie wie ein Heißhungriger.
Inmitten des feurigen Kusses zog Chiaki ihr T-Shirt und Slip aus und drehte sie so, dass Maron nun mit dem Rücken auf der Couch lag. Schwer atmend sah sie zu ihm auf und öffnete, soweit es ging, ihre Beine.
Sie brauchte ihn. Sie wollte ihn so sehr, es war unerträglich. Sie konnte in seinen dunklen Augen sehen, dass es ihm genauso erging.
Er küsste angeregt ihre Lippen, ihren Hals und ihr Dekolleté. Atemlos keuchte sie auf, drückte ihn eng an ihre Brust, während er sie mit seiner Zunge und seinen Händen verwöhnte. Ihre Atmung beschleunigte sich immer mehr. Sie hob ihr Becken an und rieb ungeduldig ihr Unterleib gegen seines. Er fluchte, als er spürte, wie bereit sie für ihn war. Ein ersticktes Stöhnen entkam ihr, als er ihre Beine auf seinen Schultern ablegte und ohne Weiteres vollkommen in sie eindrang.
Unter Küssen bewegte er sich in einem schnellen Tempo in ihr. Maron stöhnte laut auf und hielt sich bestmöglich an ihm fest. Sie konnte immer noch nicht fassen, wie gut er sich anfühlte.
Immer wieder fiel sein Name ihr über die Lippen. Knurrend stieß Chiaki härter zu, was sie förmlich zu schreien brachte. Ehe sie es registrieren konnte, traf der Orgasmus wie eine Welle auf sie ein. Laute und Worte entkamen ihr, die völlig unverständlich waren. Die ihn wiederum dazu brachten noch schneller zu werden. Es dauerte nicht lange, dann kam sie erneut.
Ihre Beine zitterten. Eines hielt er an Ort und Stelle fest, während das andere seine Schulter runterrutschte und sich um seine Hüfte schlang. Der Winkel in der er sie traf, brachte sie völlig um den Verstand. Sie wimmerte und keuchte. Sie gab sich ihm voll und ganz hin und ließ sich fallen. Die Instinkte nahmen bei beiden überhand. Nichts anderes zählte im Moment als die Lust, die der Körper des anderen in ihnen verursachte. Ihre innerlichen Triebe und die Ekstase zwischen ihnen.
Chiaki raunte mit tiefer Stimme ihren Namen, als sie sich küssten und gemeinsam den Höhepunkt erreichten. Maron war unter ihm völlig außer Atem und glaubte Sterne zu sehen. Schweiß klebte ihnen auf der Stirn.
Langsam ließ Chiaki sich auf die Couch sinken, nahm sie dabei in seine Arme und sorgte dafür, dass sie auf ihm lag. Er schnappte sich noch die dünne Decke, die über der Lehne hing und deckte sie beide zu. Erschöpft schmiegte Maron sich an ihn. Sein Brustkorb hob sich unter ihr stark auf und ab. Beide mussten für einige lange Momente durchatmen. Sie schloss kurz ihre Augen und legte ihren Kopf auf seine Halsbeuge ab. Sie spürte, wie Chiaki ihr einen zarten Kuss auf die Haare drückte. Ihre Lippen zogen sich zu einem Lächeln hoch.
***

„Hat man nichts dazu gesagt, dass du nach der Beerdigung direkt gegangen bist und den ersten Flug hierher zurückgenommen hast?“, frage Maron, nach einer ruhigen Weile und schaute neugierig zu ihm auf.
Er strich sich ein paar Strähnen aus dem Gesicht, verweilte mit der Hand auf der Stirn, sodass sein Gesicht teilweise verdeckt war und starrte zur Decke hoch. „Ich habe all meine Pflichten getan und meinen Respekt erwiesen.“ Gleichgültig zuckte er mit den Schultern. Geistesabwesend streichelte er mit den Fingern über ihre Haut. „Ich habe dich vermisst“, fügte er hinzu, die Stimme rau und tief. „Ich musste dich unbedingt sehen.“
Ihre Wangen glühten vor Röte. „Ich habe dich auch vermisst“, erwiderte sie sanft.
Der Hauch eines Lächelns huschte ihm bei den Worten über die Lippen, ehe es wieder verschwand. Mit einer nachdenklichen Miene starrte Chiaki unverwandt nach oben.
Besorgt blickte Maron ihn an. Seit sie ihn in ihre Wohnung reingelassen hatte, hatte Maron das Gefühl, dass es mehr gab, was ihn beschäftigte als nur Miyako’s Tod.
„Ist noch etwas in den letzten Tagen passiert?“, fragte sie zaghaft.
Sein Gesicht gab erstmal nichts Preis. Er warf ihr einen undurchdringlichen Seitenblick zu und begann sich seufzend aufzusetzen. Maron war gezwungen sich ebenfalls zu erheben. Kniend saß sie Chiaki auf der Couch gegenüber. Seine Augen waren nach unten gerichtet, fixierten einen unsichtbaren Punkt zwischen ihnen.
Gerade als sie ihn erneute fragen wollte, was los war-
„Miyako war schwanger“, brachte er auf einmal hervor.
Maron erstarrte. Hatte sie gerade richtig gehört?
„Was?“, wisperte sie kaum hörbar. Wie eingefroren starrte sie ihn fassungslos an.
„Die Ärzte haben mir das mitgeteilt, als man ihr Blut testete. Sie war ungefähr in der sechsten oder siebten Woche gewesen.“
Ihr Atem stockte. Der vertraute Schmerz in ihrer Brust kehrte zurück und drohte sie zu ersticken.
„Es war nicht meins.“ Mit einem tiefen, langen Seufzen fuhr Chiaki sich eine Hand durch die Haare. „Offensichtlich.“
Maron war sich nicht sicher, ob sie glücklich oder bestürzt darüber sein sollte. Es gab letztendlich nur einen Mann, von dem das Baby hätte sein können und-
Sie hielt sich die Hand vor die Brust, als sie ein Gedanke traf. „Das Konto…!“
Er runzelte verwirrt die Stirn. „…Was für ein Konto?“
„Yamato hatte ein Bankkonto, von dem ich nichts wusste“, erklärte sie. „Ein College-Sparkonto.“
Sein Stirnrunzeln vertiefte sich.
„Ich dachte zunächst, das wäre noch von der Zeit, als wir geplant hatten Kinder zu bekommen. Aber-“ Sie brach abrupt ab. Ihre Augen wurden riesig und sie sprang von der Couch runter. Hastig zog sie sich ihren Morgenmantel an und ging in Yamato’s altes Arbeitszimmer. Dort hatte sie alles abgestellt, was ihm gehörte. Seine Eltern hatten noch nichts davon abgeholt.
Sie nahm sich die immer noch verschlossene Box, welche Fuyuta ihr gegeben hatte und kehrte damit ins Wohnzimmer zurück. Chiaki hatte sich inzwischen seine Hose wieder angezogen und war dabei sich sein Hemd überzuziehen.
„Was ist das?“, fragte er, als Maron neben ihm Platz nahm.
Sie öffnete die Box, löste davon die Schleife. Ihr Herz klopfte ihr dabei laut in den Ohren. Der Deckel war ab und sie fand drinnen einen Plüschhasen vor.
Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. Sie legte den Hasen auf die Couch ab und holte eine Karte raus, die sich zusätzlich in der Box befand.
„Sieht hochwertig aus“, merkte Chiaki an, als er den Hasen begutachtete. „Der ist wahrscheinlich dreimal so viel wert wie Yuki’s gesamte Spielzeugsammlung.“
Maron war so sehr auf den Inhalt der Karte fixiert, dass sie seine Worte nicht mitbekam. Ihre Hand begann zu zittern.
„Dieser Bastard“, knirschte sie.
Chiaki nahm sich die Karte und las. Sein Gesicht war wie versteinert. Blank von Emotionen. Aber sie konnte in seinem lodernden Blick sehen, dass auch er wütend war.
Was anderes konnte man nach diesen Worten nicht empfinden…

„Du und unser Baby bedeuten mir die Welt.
Ich kann unseren Neuanfang kaum erwarten.
Ich liebe dich.
-Yamato“


Maron stand von der Couch auf. „Das erklärt alles!“, platzte es aus ihr heraus.
Sie riss ihm die Karte aus den Fingern und zerknitterte sie in ihrer Faust. „Der Ring, das Konto, dieser Hase...Alles!“ Sie schlug sich die Handfläche gegen die Stirn. „Die Bemerkung, die er seiner Mutter damals gemacht hatte. Dass sie sich bald ‚stolze Oma‘ nennen kann! Ich kann nicht glauben, dass er das ernst gemeint hat. Was für ein verfluchtes Arschloch!“ Sie lachte humorlos auf. „Und das Testament! Das Testament war wahrscheinlich noch nicht mal an mich gerichtet. ‚Meine große Liebe‘…Ich hatte schon meine Zweifel gehabt, ob damit wirklich ich gemeint bin.“ Ihr Körper bebte und ihre Hände ballten sich vor Wut zusammen.
„Ich komme mir so dumm vor. Ich kann nicht glauben, dass ich mich so mies über deren Tod gefühlt habe! Sie haben meine Trauer nicht verdient! Am liebsten würde ich sie aus dem Jenseits holen und ihnen beide eine kräftig aufs Maul hauen! Was für ein Recht nehmen die beiden sich so einfach zu sterben?!“ Maron hatte sich mit jedem Satz noch mehr hineingesteigert und war lauter geworden.
Doch damit war es mit ihrem Gefühlsausbruchs zu Ende, denn sie ließ sich plumpsend auf den Boden fallen. „Hört der Verrat jemals auf?“ Ihre Stimme brach und sie vergrub ihr Gesicht in beide Hände.
Chiaki kniete sich zu ihr runter. „Es wird aufhören. Es wird jetzt aufhören. Ein für alle Male. Sie sind jetzt weg. Mehr kann nicht mehr kommen“, sagte er gepresst.
Sie schüttelte ihren Kopf
„Du sagtest, dass sie deine Trauer nicht verdient haben. Sie haben auch deine Wut nicht verdient, Maron. Sie haben nichts von allem verdient.“ Er packte sie an er Schulter. „Scheiß auf die beiden. Weißt du noch?“ Als Chiaki merkte, dass sie sich keinen Millimeter rührte und nicht zu ihm aufsah, ließ er sie los. „Für den Moment werden ihre Taten uns noch heimsuchen. Aber eines Tages werden sie nichts weiter sein als ein bedeutungsloser Abschnitt unserer Vergangenheit“, sagte er. Mit Nachdruck fügte er hinzu: „Lass die beiden nicht unsere Zukunft ruinieren.“
Momente vergingen in der Maron nichts darauf antwortete und schwieg.
„Lässt du mich bitte allein...?“, durchbrach sie plötzlich die Stille. Die Stimme so leise, dass man sie kaum zu hören konnte.
„Maron...“ Sie spürte, wie er nach ihr reichte. Sie berühren wollte.
„Chiaki...Bitte...“ Seine Hand hielt in der Luft inne. Dann ließ er sie sinken.
Seufzend erhob er sich. Sie hörte, wie er seine restlichen Klamotten aufhob und mit langsamen Schritten sich von ihr entfernte. Im nächsten Augenblick fiel die Tür zu und Maron war in ihrer Wohnung allein.
Eigentlich wollte sie ihn nicht so abzuweisen…Alles in ihr hatte danach geschrien, ihn nicht gehen zu lassen.
Aber der Schmerz, die die neusten Erkenntnisse über ihre Ehepartner mit sich brachten überwog.
Sie hatte gedacht, dass alles bereits gebrochen war, was hätte gebrochen werden können…aber da hatte sie sich wohl geirrt. Wie konnte es sein, dass diese beiden Menschen sie über den Tod hinaus immer noch brechen konnten?
Weinend brach Maron zusammen, als sie realisierte, dass eine Zukunft mit Chiaki unmöglich für sie war, solange sie nicht mit der Vergangenheit abschließen konnte. Und im Moment sah es für sie so aus, als könnte sie sich nie von dem Verrat erholen. Sie fühlte sich in dem Loch gefangen und sah keinen Ausweg nach draußen.
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