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Affairs & Betrayals

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Het
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe Miyako Toudaiji Yamato Minazuki
28.05.2021
08.07.2022
20
77.143
5
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25.03.2022 4.846
 
ELEVEN

„Es war ein Fehler hierherzukommen.“ Schniefend wischte Maron sich mit der Hand über die feuchten Augen. Stampfend lief sie zum Auto zurück. Chiaki war ihr direkt auf den Fersen.
„Sag das nicht“, sagte er, hatte zu ihr aufgeholt. „Ich habe ein Video gemacht.“
Maron riss die Beifahrertür weit auf, hielt inne und drehte sich zu ihm.
Er hielt sein Handy hoch, zeigte ihr die Szene, in der sich Miyako und Yamato küssten. Das nochmal vor Augen zu haben, war ein erneuter Stich ins Herz.
„Jetzt, wo wir einen Beweis haben, können wir uns problemlos scheiden lassen“, hörte sie ihn sagen.
Ihre Augen verengten sich. „Problemlos scheiden lassen?!“, wiederholte sie aufgebracht.
Chiaki runzelte verwirrt die Stirn und nickte.
Maron schüttelte irritiert den Kopf, riss sich die Mütze runter und warf sie in den Wagen.
„Unser verdammter Ehevertrag wird ein riesiges Problem sein, Chiaki!“, fuhr sie ihn an. „Es gibt so viel, was für mich auf dem Spiel steht! Während für ihn eine Scheidung nichts anrichten wird!“ Sie war schließlich jung gewesen und hatte sich damals nicht viele Gedanken darüber gemacht, was sie da unterschrieb.
„Ernsthaft?“ Er rieb sich entnervt das Gesicht, klang dabei angesäuert. „Machst du dir jetzt ernsthaft Sorgen ums Geld? Mit dem richtigen Anwalt wird das schon. Da kann ich dir helfen.“
Sie schnaubte und warf ihre Hände in die Höhe. „Natürlich! Für dich ist das natürlich kein Thema! Ihr seid schließlich alle aus reichem Hause. Ich wünschte, ich hätte es so einfach wie du.“
Chiaki stieß einen abfälligen Laut aus und sein Gesicht verhärtete sich. „Einfach? Du denkst, ich habe es einfach?!“, knurrte er. „Das ist meine zweite Ehe innerhalb von zehn Jahren, Maron. Ich bin verfickte 28 und jede Frau, die ich heirate, bevorzugt es lieber andere Männer zu vögeln!“
Sie zuckte zusammen. Wie eine Welle erfasste sein Schmerz sie und brachten ihr die Tränen aufs Neue hoch. Beschämt sah Maron zu Boden und hielt sich zitternd eine Hand über die Augen.
Jetzt schafften ihre Ehepartner es noch, sie und ihn auseinanderzureißen, obwohl sie im selben Team waren.
Yamato zu verlieren war eine Sache, aber Chiaki auch noch zu verlieren? Das wäre zu viel.
Schweratmend standen sich beide für einige lange Momente gegenüber.
„Entschuldige“, wisperte sie mit erstickter Stimme und lehnte sich am Auto neben der offenen Beifahrertür an. „Du weißt, dass ich das so nicht gemeint habe.“ Sie wischte sich wieder über die Augen und sah zu ihm auf.
Er riss sich die Kapuze vom Kopf und stemmte beide Hände an die Hüfte. „Was meinst du dann?“
„Ich wünschte, ich wäre so stark wie du, aber ich bin schwach, Chiaki. Ich bin schwach und erbärmlich.“ Sie schluchzte. „Und müde. Ich weiß gar nicht mehr, was ich tun soll. Das ist alles einfach zu viel auf einmal für mich. Da werde ich panisch...“
Seine Züge besänftigten sich, wurden weicher.
Kaum hörbar sprach Maron weiter: „Womöglich ist das der Grund. Es liegt an mir, dass Yamato sich von mir abwandte und wir jetzt in dieser Situation sind.“
Kopfschüttelnd kam Chiaki auf sie zu. „Du kannst nicht ständig die Schuld auf dich nehmen, für eine Entscheidung, die er getroffen hat!“, sprach er eindringlich auf sie ein.
„Aber, wenn ich ihn zu dieser Entscheidung gedrängt habe?“, brachte Maron entgegen.
„Was soll ich dann sagen?“, konterte er. „Ich bin ein Workaholic. Ich gebe offen zu, dass ich Miyako ab und an vernachlässigt habe. Bevor ich von der Affäre mitbekam, kam es nicht selten vor, dass wir monatelang keinen Sex hatten. Sie ist nichtsdestotrotz diejenige, die die Entscheidung getroffen hat mit deinem Mann zu schlafen.“
„Du- Du verstehst das nicht...Es gibt so viel, was du nicht verstehst.“
„Dann mach, dass ich es verstehe!“
„Ich...Ich kann nicht...“, stammelte sie und schüttelte vergebens den Kopf. Verzweifelt fuhr sie mit beiden Händen durch die wirren Haare.
Chiaki konnte sehen, dass es ihr schwerfiel, über das, was auch immer sie noch zusätzlich belastete, zu sprechen. Er atmete einmal kräftig durch.
„Was auch immer es ist-“, fing er an zu sagen und legte ihr beide Hände auf die Schultern, worauf sie zusammenzuckte, „Nichts hiervon hast du verdient. Ob schwach oder stark - du bist eine wundervolle Frau, der es an nichts fehlt und die alles im Leben erreichen kann.“ Er legte ihr seine Finger unter das Kinn und hob ihr Gesicht hoch, zwang sie ihm in die Augen zu schauen.
„Du bist alles was ein Mann an einer Frau wollen würde“, sagte er aufmunternd, zwinkerte mit den Augen und lächelte schief. „Glaub mir. Wenn Yamato das nicht sehen und wertschätzen kann, dann ist er der größte Vollidiot auf Erden.“
Chiaki zog Maron zu sich heran und umarmte sie. Sie ließ es zunächst wortlos mit sich geschehen, umarmte ihn jedoch im nächsten Augenblick zurück.
Sie drückte sich an ihm, hörte dabei sein schneller werdendes Herz in seiner Brust.
„Miyako ist die größte Vollidiotin auf Erden“, murmelte sie.
Maron spürte, wie sein Körper vibrierte und ein tiefes, raues Lachen ihm entkam.
***

„Das sieht nicht so schlecht aus.“
Chiaki parkte vor einem schlicht aussehenden Hotel, in dem sie übernachten konnten. Sie waren zur anderen Seite der Stadt gefahren, so weit weg wie möglich vom Saryo Hotel, wo sich ihre Ehepartner aufhielten.
Maron schaute teilnahmslos zum Gebäude hin und ließ ihren Blick schweifen.
„Ich will dorthin“, sagte sie und zeigte auf einem Club, welches in Neon-Farben hell leuchtete und ein paar Häuserblöcke nebenan war.
Chiaki hob fragend eine Augenbraue, was sie mit einem Schulterzucken abtat. „Dampf ablassen und so“, brachte sie als Erklärung nur entgegen und stieg aus.
Seufzend folgte er ihr. Zumindest konnten sie danach ganz einfach zum Hotel zurücklaufen, wenn sie hier fertig waren.
Als sie in den Club eintraten, blieben beide für einen Moment kurz stehen, um ihre neue Umgebung genaustens unter die Lupe zu nehmen. Es war ein kleiner Club. Nicht sehr voll, aber dennoch belebt. Musik dröhnte aus den Lautsprechern und Menschen tanzten ausgelassen auf der Tanzfläche. Genauso viele Menschen hingen bei den kleinen Tischen ab, die im äußeren Bereich verteilt waren. Chiaki hatte eine Hand auf Maron’s unteren Rücken gelegt und führte sie zu einem freien Tisch.
Eine Kellnerin erschien mit einem Flyer. „Was kann ich euch bringen?“, fragte sie lächelnd.
Chiaki sah zu Maron. „Caipirinha“, sagte sie.
Dann sah er auf die Getränkeliste. „Ein Cuba Libre“, sagte er.
Ein neuer Song fing an. Hörte sich nach Skrillex an, gemixt mit irgendetwas anderem, was er nicht genau zuordnen konnte. Sowas hört sich die heutige Jugend an? Die Musik wechselte an unerwarteten Stellen den Beat, aber es hörte sich dennoch gut an. Beide sahen den Leuten auf der Tanzfläche zu, wie wild miteinander getanzt wurde.
„Interessante Bude hier“, kommentierte Chiaki.
„Sehr alternativ“, sagte Maron, „Mir gefällt’s.“
Die Kellnerin kehrte mit den Getränken zurück. Sie stießen an. Maron exte ihren Cocktail fast weg. Er schmunzelte. Sie bemerkte seinen amüsierten Gesichtsausdruck und lief rot an.
„Ich bräuchte noch einen Drink“, sagte sie verlegen.
Chiaki kicherte grinsend und holte mit einem Handzeichen die Kellnerin wieder her.

Ein paar Getränke später war ihr Tisch gefüllt mit leeren Gläsern.
Nicht nur Maron, aber auch Chiaki hatte sich Nachschub geholt. Mit einem euphorischen Schrei stellte sie ihr letztes Glas Schnaps ab, beide Arme in die Höhe gestreckt. Lachend senkte Chiaki sein eigenes Glas. Die Stimmung von beiden hatte sich deutlich gelockert.
Ein neues Lied wurde gespielt und plötzlich fand Chiaki sich mit Maron auf der Tanzfläche wieder. Sie grinste ihn breit an, während sie vor ihm stand und zum Beat mittanzte. Ihre sinnlichen Bewegungen zogen ihn in den Bann. Er erwiderte ihr Grinsen mit einem schiefen Lächeln.
Anschließend legte sie tanzend ihre Arme auf seinen Schultern ab. Er umfasste daraufhin ihre Hüfte, zog sie dabei näher zu sich heran. Sofort spürte er, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Jedes Mal, wenn sie sich zu nah waren, wenn sie sich berührten oder allein, wenn sie ihn anlächelte, hatte Maron diesen starken Effekt auf ihn.
Die Menschen um die beiden herum, wurden ausgeblendet, während sie in ihrem eigenen Rhythmus zur Musik tanzten. Er spürte ihren Atem auf seinem Schlüsselbein, was ihm gleichzeitig eine Gänsehaut auf der Haut verursachte.
Chiaki drückte Maron noch näher an sich heran, presste ihre Körper aneinander. Er neigte seinen Kopf und nahm einen tiefen Atemzug, als er den süßen Duft ihrer Haare wahrnahm. Einen Duft, den er niemals missen wollte.
Sie hob ihren Kopf und sah zu ihm auf. Ihre Blicke trafen sich.
Sekunden verstrichen, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten, in der er sich in ihren schönen Augen verlor.
Er war sich nicht sicher, ob es an dem Alkohol lag oder ob es sein eigener Mut war - jedenfalls wurden jegliche Hemmungen aus dem Fenster geworfen, als er dieses Verlangen in ihrem Blick sah. Ein Verlangen, welches seinem glich.
Chiaki beugte sich zu ihr vor, kam ihrem Gesicht immer näher. Er merkte, wie ihr Körper sich versteifte. In genau dem Moment, als ihre Lippen nur eine Haaresbreite voneinander entfernt waren und er ihren warmen Atem spüren konnte, stoppte Maron ihn mit einer Hand auf seiner Schulter. Langsam und doch bestimmte schob sie ihn von sich weg, den Kopf zu Boden gerichtet.
Sein Verlangen wandelte sich in Verwirrung um und dann in Bedauern. Chiaki ließ sie los, den Blick weiterhin auf sie fixiert. Die Stimmung war gekippt und hatte sich um 180 Grad gedreht. Maron schlang ihre Arme um sich, das Gesicht noch immer ausdruckslos nach unten gesenkt. Mit einem Mal drehte sie sich um und steuerte auf den Ausgang zu. Eilig lief er ihr nach.

Als Chiaki aus dem Club trat, sah er Maron einige Meter entfernt vom Eingang stehen, die Arme immer noch zitternd um sich geschlungen. Der Alkoholrausch war bei beiden komplett verflogen.
Er zog sich seine Sweatjacke aus und legte sie ihr um die Schultern. „Tut mir leid, Maron...“, sagte er, während er das tat, „Ich wollte mich dir nicht aufzwingen. Ich habe mich zu sehr vom Moment hinreißen lassen.“
Schweigend drehte Maron sich zu ihm um, das Gesicht eine steinerne Maske. „Was ist das nur zwischen uns, Chiaki?“, fragte sie leise. „Geht es darum, es ihnen heimzuzahlen?“
„Nein“, antwortete er bestimmt und ehrlich, „Ich konnte mir einfach nicht helfen.“
Sie wandte sich von ihm etwas ab. „Du bist immer noch mit Miyako verheiratet.“
„Noch. Bald nicht mehr.“
„Solange du offiziell noch verheiratet bist, kannst du sie nicht betrügen.“
Er stieß ein abfälliges Schnauben aus. „Sie hat mich zuerst betrogen. Also macht es keinen Unterschied.“
Noch einmal schüttelte Maron den Kopf, lehnte sich mit dem Rücken an die Wand hinter sich an. „Es geht hier um Moral. Es ist einfach nicht richtig.“
„Maron.“ Chiaki stützte sich mit einer Hand neben ihren Kopf ab und hielt sie mit seinem Blick fest. „Ich liebe Miyako nicht mehr. Schon eine Weile nicht mehr.“ Für einige Sekunden verstummte er, ehe er schließlich sagte: „Jemand anderes hat ihren Platz in meinem Herzen eingenommen.“
Er sprach die Worte aus, ohne ihren Blickkontakt abzubrechen.
Wie eingefroren sah Maron zu ihm auf, war völlig sprachlos. Realisation breitete sich in ihrem Gesicht aus, gefolgt von einer zarten Röte in den Wangen. Ihr Mund öffneten sich, doch es kam nichts heraus.
Letztendlich spannten sich ihre Kiefer an und ihre Lippen pressten sich zu einem dünnen Strich zusammen. „Wie kannst du das sagen? Du kennst mich doch gar nicht. D-Das macht keinen Sinn.“
Seine Schultern hoben sich achselzuckend auf und ab. „Ich kenne dich lange und gut genug, um zu wissen, dass du Besseres verdient hast.“ Er seufzte und lehnte seine Stirn an ihre Schultern an. „Und dass ich dir dies geben will“, wisperte er.
Er wusste, was er fühlte. Er wusste, dass es anders war als bei Miyako oder jeder anderen Frau, der er in seinem Leben begegnet war. Die Gefühle, die Chiaki für Maron empfand waren besonders. Stärker und intensiver, als er es je zuvor erlebt hatte. Er wusste, dass er diese Frau glücklich sehen wollte. Und er wusste, dass diese Anziehung zwischen ihnen nicht nur von seiner Seite kam. Es bestand eine Verbindung zwischen ihnen, die sie auch fühlen musste. Sonst hätte sie ihn vorhin im Club nicht so angesehen…
„Ich- Ich...will nicht so sein wie sie.“ Maron’s Körper zitterte leicht. „...Ich hätte nicht gedacht, dass du dich in mich verliebst“, flüsterte sie.
„Ich auch nicht.“ Chiaki hob seinen Kopf und sah sie an. Er nahm seine Hand von der Wand und ließ den Arm seufzend neben sich fallen. Sie erwiderte seinen Blick nicht, starrte reglos gerade aus. „Gefühle kommen und gehen. Einfach so.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich dachte, ich hätte mich unter Kontrolle.“ Erneut seufze er tief und lange aus, strich sich mit der Hand über den Hinterkopf. „Aber da lag ich falsch.“
Maron erwiderte nichts, wich weiterhin seinen Blick aus.
„Liebst du ihn noch?“, fragte er schließlich.
Kurz biss sie sich auf die Lippe. „Ich will ihn nicht lieben“, antwortete sie.
„Das beantwortet meine Frage nicht.“
Viele Augenblicke vergingen, ehe sie schließlich gestand: „Ich weiß es nicht. Es tut alles immer noch weh.“ Sie sah ihn mit Tränen in den Augen an. „Es tut mir leid, Chiaki“, wisperte sie, „Es ist gerade wirklich alles zu viel.“
Auch wenn er die Abweisung verstehen konnte, so tat es dennoch weh. Innerlich fluchend strich er sich die Hand durch die Haare. Gottverdammt, er war auch ein Idiot!
Keine zwei Stunden zuvor hatten sie ihre Ehepartner dabei zugesehen, wie sie miteinander flirteten und rummachten - und jetzt kam er noch an, versuchte sie zu küssen und gestand ihr seine Gefühle. Da würde womöglich jeder erstmal nicht wissen wo oben und unten war.
„Komm. Lass uns ins Hotel gehen“, schlug er vor, worauf sie nichts einzuwenden hatte.
***

Es war nur noch ein Zimmer mit einem Bett übrig.
Als wolle Gott sie auf eine Probe stellen.
Maron hätte den Herrn am liebsten verflucht, aber dafür hatte sie aktuell keine Kraft mehr. Sie war geistig und emotional komplett ausgeschöpft.
Schweigend fuhren sie und Chiaki den Fahrstuhl zum zweiten Stock hoch. Im Zimmer angekommen hatte Chiaki direkt angekündigt, dass er auf dem Boden schlafen würde – was sie wortlos zur Kenntnis nahm.
Maron ist daraufhin duschen gegangen, hatte sich somit ins Bad geflüchtet. Das heiße Wasser tat gut und die Dusche selbst gab ihr ein bisschen Energie wieder. Sie zog sich um und machte sich bettfertig.
Als sie ins Zimmer zurückkehrte, stellte sie fest, dass Chiaki den Fernseher angemacht hatte. Sie setzte sich aufs Bett, während er sich bereit machte, ebenfalls duschen zu gehen.
Nachdem er im Bad verschwunden war, musste Maron etwas aufatmen. Die Atmosphäre zwischen ihnen war mehr als merkwürdig. Nahezu beklemmend.
Noch immer musste Maron an sein Geständnis denken. Spielte seine Worte dabei immer und immer wieder in ihrem Kopf ab. Ihr Herz spielte verrückt und sie konnte spüren wie sich die Röte auf ihrem Gesicht ausbreitete. Kopfschüttelnd schlug sie sich die Hände auf die Backen. Himmel nochmal. Was mache ich nur?, fragte sie sich verzweifelt.
„Bist du nicht müde?“
Erschrocken zuckte Maron zusammen und blickte zu Chiaki, der aus dem Bad kam. Er trug eine dunkle Pyjamahose mit weißem T-Shirt, dass etwas eng anlag. Erneut stieg die Hitze in ihrem Gesicht hoch und sie sah schnell zum Fernseher weg.
„Nein, ich bin nicht müde“, sagte sie wahrheitsgemäß. Es war zwar spät, aber schlafen wollte sie noch nicht.
Er nickte verstehend, rieb sich den Nacken und stand etwas unbeholfen im Raum rum.
Maron sah nochmal zu ihm hin und schmunzelte etwas. Sie rückte zur Seite und klopfte auf den freien Platz neben sich. „Gerade läuft ein Film, den ich schon immer mal sehen wollte. Wir können ihn uns gemeinsam angucken.“
Seine Mundwinkel hoben sich. „Okay“, sagte er, machte das Zimmerlicht aus und stieg aufs Bett.
Da das Zimmer eigentlich ein Einzelzimmer war, war das Bett auch dementsprechend nicht besonders groß. Schulter an Schulter saßen beide mit dem Rücken am Kopfende angelehnt nebeneinander da und blickten zum Bildschirm.
Maron konnte die Wärme seines Körpers neben sich spüren. Den vertrauten Duft, den er ausströmte, vernehmen. Ihr eigener Körper fühlte sich heiß und kribbelig an und sie hatte bis jetzt noch gar nichts vom Film mitbekommen. So sehr lenkte seine Nähe sie ab und brachte sie aus der Fassung.
Nichtsdestotrotz konnte sie nicht gegen diese Geborgenheit, die er gleichzeitig in ihr auslöste, anzukämpfen. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass sie sich so nah waren. Wie oft hatten er sie schon umarmt und in seinen Armen gehalten, während sie sich seiner Wärme hingab?
Es betäubte den Schmerz und das war’s was sie letztendlich wollte. Weg von dieser Pain.
Ohne weiter darüber nachzudenken, lehnte Maron ihren Kopf an seine Schulter an, den Blick weiterhin zum Fernseher nach vorne gerichtet. Chiaki erstarrte für einen Moment und sah verwundert auf sie herab. Als sie mit ihrer bandagierten Hand seine nahm und sanft drückte, entspannte sein Körper sich. Langsam und zögernd verschränkte er ihre Finger miteinander.
Er drehte seinen Kopf und sie spürte in der nächsten Sekunde seinen heißen Atem auf ihren Haaren. Das Kribbeln in ihrem Inneren verstärkte sich von Minute zu Minute.
Sie blickte auf ihre Hände herab, die frei von ihren Eheringen waren. Zum Schlafen hatten sie die Ringe abgelegt.
Als sie ihren Kopf leicht hob und ihm in die Augen sah, verlor sie sich in dem Blau in ihnen. Wie hypnotisiert sahen sie sich an und Maron konnte diese Anziehung zwischen ihnen nicht länger leugnen. Sie war da und löste in ihr dieses Gefühl -dieses Bedürfnis- aus, welches sie nicht mehr aufhalten konnte. Nicht mehr widerstehen konnte.
Ihre Augen schlossen sich und sie lehnte sich zu ihm hin. Bevor beide es registrieren konnten, lagen ihre Lippen auf seinen und sie küsste ihn.
Trotz des minimalen Schockmoments, fasste Chiaki sich schnell wieder und küsste sie mit Hingabe zurück.

In der Sekunde als ihre Lippen aufeinandertrafen, fühlte es sich so an, als würde alles in ihr -jeder Nerv und jede Zelle- zum Leben erwecken. Als wäre ein unkontrollierbares Feuer entfacht worden, welches sich nach ihm verzehrte.
Ein Seufzen entkam ihr, als Chiaki eine Hand auf ihrem Nacken legte und den Kuss vertiefte. Sie selbst umfasste sein Gesicht mit beiden Händen und genoss den Geschmack seiner Lippen in vollen Zügen.
Ihre Sorgen waren mit einmal weggeblasen. Jeglicher Gedanke an Yamato, Miyako, die Affäre wurde gelöschte. Nichts davon war aktuell von Bedeutung. Alles was sie wollte war jetzt und dieser Augenblick.
Nur sie beide in dieser fremden Stadt.
Es war falsch. Es war eine Sünde. Es machte sie nicht besser als ihre Ehepartner. Es wird alles nur noch komplizierter machen. Aber sie brauchten es.
Besonders Maron. Sie brauchte den Trost, den Komfort.
Sie brauchte diese Wärme. Seine Wärme.
Sie brauchte ihn.
Sie wollte ihn.
Jetzt.
Ihre Hände begannen über seine Brust zu fahren und fanden sich anschließend unter seinem T-Shirt wieder. Er erschauderte unter ihrer Berührung, unterbrach den Kuss jedoch nicht. Als wolle er nicht riskieren, dass dieser Moment zu Ende ging, sobald sie sich voneinander im Entferntesten lösten.
Seine Hände begannen ihren Pyjama aufzuknöpfen und schob ihn ihr von den Schultern. Ihr BH wurde daraufhin ebenfalls mit einem Handgriff entfernt. Zeitgleich zog sie ihm das T-Shirt aus. Dies zwang die beiden sich für ein paare Sekunden zu lösen und atemlos nach Luft zu schnappen. Sie zogen sich die Hosen aus, sodass beide nur noch mit ihrem letztes Stück Unterwäsche bekleidet waren.
Maron’s Wangen liefen beim Anblick seiner gutgebauten, durchtrainierten Statur rot an. Er war einfach umwerfend. Noch roter wurde sie, als sie bemerkte, wie ehrfürchtig Chiaki sie ansah. Er rückte zu ihr ran und drückte sie sachte aufs Bett runter. Als sie zu ihm aufsah, begegneten sich ihre Blicke. Seine Augen waren dunkler geworden und sie konnte die Begierde in ihnen sehen. Dieselbe Begierde, wie sie spürte. Gleichzeitig waren aber noch mehr Gefühle in ihnen zu sehen. Gefühle, über die sie nicht weiter nachdenken konnte, denn seine Lippen fanden wieder die ihre und sie verloren sich in einem langen, intensiven Kuss.
Ihre Zungen berührten sich und ein unterdrücktes Seufzen entkam ihr. Ihre Arme schlangen sich um ihn, während er mit einer Hand ihr Gesicht hielt und zärtlich mit dem Daumen über ihre Wange strich. Diese kleine, sanfte Geste allein brannte wie feurige Seide auf ihrer Haut.
Plötzlich beendete er den Kuss und strich mit seinen Lippen ihren Kiefer entlang. Kleine Küsse wurden darauf verteilt und langsam wanderte er ihren Hals hinab. Laut seufzte sie auf, als Chiaki ihre Halsbeuge liebkostete, küsste und an einer empfindlichen Stelle leicht knabberte.
Unterdessen befanden sich seine Hände ebenfalls auf Wanderschaft. Heiße Spuren wurden hinterlassen, während er federleicht über ihre Seiten strich. Ihre Atmung beschleunigte sich, genauso wie ihr Herz. Eine Gänsehaut überkam ihren ganzen Körper und ihr war heiß. Empfindungen stiegen in ihr hoch, die sie seit langem nicht mehr so verspürt hatte.
Als er die andere Seite ihres Halses küsste und verwöhnte, hielten seine Hände schließlich bei ihren Brüsten inne. Er umfasste ihre Wölbungen, begann sie langsam zu massieren. Zunächst leicht und dann mit mehr Druck.
Maron keuchte. Unter Küssen wanderte er ihren Hals herab, zu ihrem Dekolleté, den Pfad zwischen ihren Brüsten entlang. Anschließend legte er seine Lippen auf eines ihrer Brüste, fuhr mit der Zunge mehrmals drüber und saugte dran, während die andere mit der Hand weiter massiert wurde. Nach einer langen Weile wechselte er die Seiten.
Sie wölbte sich leise stöhnend unter ihm, die Hände verworren sich in seinen Haaren und drückten ihn enger zu sich. Ihr Unterleib rieb angeregt gegen seines und die Lust zwischen ihnen stieg.
Als Chiaki allmählich sich von ihrer Brust erhob, nahm er ihr Gesicht und küsste sie leidenschaftlich. Ihre Hände strichen ihm über den Oberkörper, glitten über jeden einzelnen Muskel. Er seufzte inmitten des Kusses, als sie seine Brust auf und ab fuhr. Seine Stimme wurde rauer und tiefer, als sie mit einer Hand weiter herabwanderte und über seine bedeckte Erregung strich. Sie spürte, wie er mit seiner eigenen Hand über ihren Bauch glitt und dann weiter runter zum Bund ihres Slips. Es kribbelte auf der Haut, als er mit den Fingerspitzen sachte den Rand des Stoffes nachfuhr. Anschließend zupfte er daran und zog es ihr aus.

Als ihre Lippen sich voneinander trennten, manövrierte er sich zwischen ihre Beine und sah auf ihre nackte Erscheinung herab. Ihr Herz sprang bei dem intensiven Blick, den er ihr schenkte, in die Höhe.
„Du bist atemberaubend schön“, wisperte er.
Ihr Gesicht brannte vor Röte. Sie konnte nicht von ihm wegsehen. War dieser Mann vor ihr real?
Ohne sie von den Augen zu lassen, begann Chiaki zarte Küsse auf ihren Bauch zu verteilen. Es kitzelte, aber gleichzeitig erregte es sie noch mehr. Eine Hand strich über ihre Kehrseite und streichelte zärtlich ihren Oberschenkel, während die andere gelassen auf ihrer Brust ruhte.
Ein Keuchen entkam ihr, als Maron seinen warmen Atem über ihre heiße Mitte spürte. Sie blickte herunter, sah den hungrigen Ausdruck in seinen Augen. Himmel, diese Augen allein konnten ihr schon den Rest geben!
Entgegen all ihren Erwartungen neigte Chiaki seinen Kopf und küsste ihre Beine. Zunächst ihre Knie, dann die Innenseiten ihrer Schenkel. Was eine Tortur war.
Langsam und fast quälerisch begab er sich abwärts. Zuerst die eine Seite und dann die andere. Mit jedem Kuss stieg ihre Erregung weiter an und jedes Mal, wenn er ihrer intimsten Zone nahe war, hob sie ungeduldig ihr Becken an.
Sie wollte Erlösung. Sie wollte ihn.
Als würde er ihr Gedanken hören, drückte er ihr Becken aufs Bett herunter, schob ihre Beine schulterbreit weiter auseinander und küsste sie dort, wo sie es am meisten wollte.
Erleichtert, befriedigend und gleichzeitig erregt musste Maron aufstöhnen.
Ein genüsslicher Laut war aus seiner Kehle zu hören. Seine Zunge begann ihre heiße Mitte zu necken, worauf sie scharf Luft einzog und ihre Hände sich in seinen Haaren festkrallten.
Ihre Atmung wurde immer schneller. Sie spürte sofort, wie der Höhepunkt sich in ihr aufbaute. Er verzehrte sich förmlich an ihr und das machte sie fast wahnsinnig. Es fühlte sich so unglaublich gut an.
Es dauerte nicht lange, bis ihre Beine sich krampfhaft um seinen Kopf schlossen und der erste Orgasmus sie überkam. Doch er hörte nicht auf, brachte ihre Beine wieder auseinander und liebkostet sie weiter. Fluchend warf Maron stöhnend ihren Kopf zur Seite.
Überrascht schnappte sie nach Luft, als er seine Zunge mit seinen Fingern ersetze. Dennoch ließ er mit seinem Mund nicht von ihr ab, befriedigte mit Leidenschaft ihr empfindliches Bündel an Nerven.
Es war alles zu viel. Seine Berührungen. Seine Lippen auf ihr. Seine Finger tief in ihr.
Seine Spielereien brachten sie erneut über den Rand und entlockten ihr ein paar spitze Lustschreie, als sie ein weiteres Mal kam. So heftig, wie schon lange nicht mehr.
Langsam erhob sich Chiaki, nachdem sie sich ein paar Atemzüge davon erholt hatte. Er strich sich mit der Zunge über die feuchten Lippen und küsste sie gefühlvoll.
Maron legte ihre Arme um ihn und öffnete ihre Beine, als er sich zwischen ihnen positionierte. Dass er sich irgendwann seiner Boxershorts entledigt hat, hatte sie gar nicht mitbekommen. Für einen Moment hielt Chiaki in seinen Bewegungen inne, seine Stirn auf ihre gelegt und sah sie fragend an.
„Ich will dich“, flüsterte Maron atemlos, beantwortete somit seine unausgesprochene Frage um Erlaubnis. „Ich brauche dich, Chiaki.“
Es war nicht gelogen. Alles in ihr schrie nach ihm.
Sie küsste ihn fordernd und mit ungehemmtem Verlangen.
„Ich will dich auch“, hauchte er gegen ihre Lippen, die Stimme tief vor Begierde. Er hielt sie fest und stieß anschließend mit der Hüfte nach vorne.
Beiden entkam ein erfülltes Stöhnen.
„Oh Gott! Du bist so- Ahh!“ Sie stöhnte ein weiteres Mal auf, als er vollkommen in ihr war und sie bis aufs Ganze ausfüllte. Es war ein überwältigendes, unvergleichbares Gefühl, wie sie es noch nie zuvor erlebt hat. Worte konnten nicht beschreiben, wie es war ihn in sich zu spüren. Sie kam sich vor, als würde man sie entzwei teilen.
Langsam begann Chiaki sich zu bewegen. Zunächst vorsichtig und dann doch mit mehr Präzision.
„Oh!“, keuchte sie. „Chi-Chiaki…ah…fuck!“ Ihre Hände knallten sich an ihm fest. Die Nägel hinterließen rosa Spuren auf seinem Rücken.
„Shit. Maron“, raunte er und hob ihr Becken noch etwas mehr an. „Du fühlst dich so gut an.“
Sie antwortete nicht, war zu überwältigt von dem ausgiebigen Gefühl seines Körpers in ihr. Allmählich fand sie ihren Rhythmus, bewegte sich mit ihm mit.
Momente später hatte er jedoch an Tempo zugenommen, was sie völlig um den Verstand brachte. Er traf dabei Stellen, die sie noch nie so in dem Maße gespürt hatte. Die Empfindungen in ihr auslösten, die unbeschreiblich intensiv waren. Sie schlang ihre Beine fest um seine Hüfte, gab sich diesen Empfindungen vollkommen hin und stöhnte vor Lust unkontrolliert seinen Namen.
Nach einer langen Weile wurde er schneller und ihre Stimme wurde lauter, als er eines ihrer Beine auf Schulterhöhe anhob und immer härter zustieß.
„Oh, fuck…“, fluchte er, die Brauen konzentriert zusammengezogen. Er schien seinem Höhepunkt nahe zu sein.
Chiaki beugte sich zu Maron runter, um ihr einen hitzigen Kuss zu geben. Ihre Zungen dominierten miteinander, während er an Geschwindigkeit zunahm.
Gleichzeitig schlich sich seine Hand zwischen ihnen und streichelte sie knapp oberhalb der Stelle, wo beide miteinander verbunden waren.
Damit war es um sie geschehen. Erneut schlug der Orgasmus mit voller Wucht auf Maron ein. Wie eine Explosion. Ihr Körper verkrafte sich, alles zog sich in ihr zusammen und sie sah Sterne vor Augen. Ihr Schrei wurde inmitten des Kusses weggeschluckt.
Mit einem letzten Stoß stöhnte auch Chiaki laut auf, als er seinen Höhepunkt erreichte. Sie spürte, wie seine Muskeln zuckten, während er in ihr verharrte.
Vorsichtig löste er sich langsam von ihr und legte sich erschöpft neben sie hin. Schweratmend nahm Chiaki sie in seine Arme. Maron schmiegte sich automatisch an ihn, rang selbst noch nach Atem. Eng umschlungen hielten sie einander fest. Ihr Kopf war an seiner Brust gelehnt und sie konnte hören, wie sein Herz raste. So schnell wie ihr eigenes. Nahezu synchron.
Eine Hand befand sich auf ihrem Hinterkopf, strich ihr sachte über die langen Haare. Zärtlich drückte Chiaki ihr einen Kuss auf die Haarkrone.
„Ich liebe dich“, flüsterte er sanft und dennoch liebevoll.
Maron erstarrte, nicht wissend, wie sie auf diese drei Worte reagieren sollte.
Noch immer konnte sie nicht glauben, dass er sich in sie verliebt hatte. Dass er sie liebte.
Doch konnte sie ihn zurücklieben?
Konnte sie ihn auf die Weise lieben, wie er es verdient hat?
Konnte sie nach all dem Schmerz ihr Herz ihm öffnen und sich ihm wirklich anvertrauen?
Was gab ihr die Sicherheit, dass er auch nicht gehen würde? Sie verlassen würde?
Was ist, wenn sie ihn genauso wenig glücklich machen konnte wie-
Als der Gedanke an Yamato in ihr wieder hochkam, verspürte sie ein dumpfes, erdrückendes Gefühl in der Brust. Es war allerdings nicht das schlechte Gewissen, wie sie sich ursprünglich ausgemalt hatte. Nein, es war etwas anderes…
„Maron...?“, hörte sie Chiaki besorgt fragen. „Entschuldige. Du musst darauf nichts sagen“, fügte er schnell hinzu.
Sie schüttelte ihren Kopf. Ihre Arme schlangen sich fester um ihn, als wolle sie nicht riskieren, dass er in irgendeiner Weise wegging.
„Danke...dass du mich liebst“, wisperte sie mit kaum hörbarer Stimme in seine Brust.
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