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In Vain

von nymphae
OneshotRomance, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Osamu Dazai Sakunosuke Oda
24.05.2021
24.05.2021
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1.515
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24.05.2021 1.515
 
CW: angedeutete Selbstverletzung
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Dazai sah sein Spiegelbild unverwandt an. Es war schwer zu sehen, was andere in ihm sahen. Nein, das war es nicht -- es war schwer zu sehen was Odasaku in ihm gesehen hatte. Hatte. Wie in Trance griff er sich an seinen verbundenen Arm. Es tat weh.
Was war so bezaubernd an seinem Gesicht? Was war okay an seinen zerschnittenen Armen?

Ein Mann wie Sakunosuke Oda war selten in der Hafenmafia. Er war ein Pazifist, der nicht im Stande war andere zu verletzten. Geschweige denn zu töten und nur seine Waffe zog, wenn das Leben eines anderen in Gefahr war. Er selbst hatte kaum etwas von seinem Handel, es mochte ehrenvoll sein, aber setzte ihn auch dem Schmach der anderen aus.
Dazai aber lebte von Unruhe, die in seinem Gemüt herrschte und von seinen Gedanken Besitz ergriffen hatte. Die Unruhe, die ihm das Blut sowohl in seinen Adern gefrieren ließ als auch in einem hässlichen, Durcheinander in das Abflussrohr floss. Sein zu Hause war die Unruhe, ein kleines Chaos aus unruhigen Gedanke. Aber Odasaku war scharfsinnig und raffiniert auf allen Ebenen. Er durchschaute Dazai immer wieder aufs Neue.



„Wieder eine dieser Nächte?“ Dazai drehte sich erschrocken um. Odasaku lehnte mit verschränkten Armen im Türrahmen. Mit ihm drang warmes Licht in das kalte Badezimmer und er fröstelte kaum merklich. Die Luft war klirrend kalt. Dazai blinzelte, blickte auf den verschmierten Badewannenboden und verzog sein Gesicht. Ekelhaft.
„Also doch.“, als Dazai aufblickte, sah er keine Enttäuschung in Odasakus Augen, nur ein müdes Lächeln. Sein Herz schmolz. Wie konnte es sein, dass dieser Mann alles war, das er in einem Menschen wollte? Wie konnte es sein, dass-„Darf ich sehen?“ Oh. Odasaku deutet geduldig auf seine Arme. Und Dazai wollte- er wollte wirklich, aber er konnte nicht. Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht er. Also schüttelte er den Kopf. Odasakus Lächeln zuckte in seinem Mundwinkel und die Müdigkeit in seinen Augen war unübersehbar. Eines Tages würde er noch sein Tod sein, dachte Dazai bei sich.
„Ist okay, Dazai, es ist alles gut...“, murmelte der Rothaarige sanft und suchte stattdessen den Blick des Mannes. Also Dazai nicht antwortet, lachte er rau. Dazai rann ein warmer Schauer über den Rücken. Die Stimme dieses Mannes war so beruhigend, dass man ihr sofort Glauben schenken wollte.
„...Komm das Bett ist noch warm, wenn wir uns beeilen schaffen wir es noch bevor es auskühlt.“, er wackelte mit den Augenbrauen, aber Dazai lächelte nur schwach und streckte fordernd seine Arme aus. Er bemerkte wie Odasaku Blick  von seinem Gesicht über seine Armen wanderte. Der braunhaarige Mann legte lächelnd den Kopf zur Seite.
"Mein Gesicht ist hier oben, O~da~saku."
„Dazai, ich-„ seine unvollkommene Bitte wurde von Dazai unterbrochen, der seine Arme weiterhin fordernd ausstreckte. Odasaku runzelte die Stirn, bevor er ihn sachte hochhob und aus der Badewanne zog. Als seine Haut die des Braunhaarigen berührte, zuckte er zusammen und fluchte:
„Du bist ja arschkalt--.“ Seine Lippen bewegten sich weiter und er erzählte etwas mit einem Lächeln im Gesicht, während er ihn zärtlich aus dem Zimmer trug. Aber Dazai dachte nur bei sich, wie sehr er diese Nächte hasste. Er fühlte sich schwach, in der Obhut dieses Mannes, der ihn wie ein Kind ins Bett trug. Er klammerte sich an ihn und beschmierte sein T-Shirt mit Blut, wie ein kleines Kind, das sich den mit Ketchup verschmierten Mund am Kittel seiner Mutter abwischte.
Erbärmlich.

Odasaku jedoch behandelte ihn mit schrecklicher Normalität und kratzte sich am Nacken.
„Du kannst bei mir schlafen…“, er seufzte und setzte den braunhaarigen Mann ab
„...bleib einfach hier. Ich erledige den Rest.“, mit einem letzten Blick auf Dazais Arme verschwand er im Badezimmer und der Mann hörte, wie er die letzten Reste seines Blutbades den Abfluss hinunterwusch, dabei entfloh ihm ein Schwall aus Schimpfwörter, von denen Dazai nicht einmal wusste, dass sie überhaupt existierten. Er legte den Kopf in die Hände und beobachtet wie ein dünner Blutfaden auf das Bett tropfte und vom Bettlaken aufgesogen wurde.

Als Odasaku zurückkam trug er einen Verband und ein Handtuch bei sich. Etwas verlegen kniete er sich vor Dazai hin.
„Das Handtuch ist nicht frisch gewaschen, aber es sollte reichen, hab' mich damit nur abgetrocknet.“, murmelte er. Dazai konnte es nicht weniger egal sein. Mit halbgeöffneten Augen sah er sich in der Wohnung um. Sie war so vertraut. Odasakus Wohnung war billig, kalt und ein einziges Chaos. Aber ein warmes, schönes Chaos aus Erinnerungen und er nahm in gieriger Manier alles was er von Odasaku kriegen konnte. Er bemerkte nicht wie der rothaarige Mann begonnnen hatte seine Hände abzutrocknen, ganz ohne dabei Blickkontakt mit ihm zu brechen. Dazai zitterte, fasste sich aber schnell und beugte sich mit üblich laszivem Blick vor:
„Bist du also auch schon meinem Charm und meinem hübschen Gesicht verfallen~?“, er verdammte sich dafür, dass seine Stimme zitterte. Sein kniender Gegenüber bedachte ihn mit einem irritierten Blick.  
„Dazai du musst nicht—“, der Mann rieb sich über die Schläfe, auf der verzweifelten Suche nach den passenden Worten. Dazai verabscheute es. Er war kein kleines Kind mit zerbrechlichen Gliedmaßen und einem Willen aus Glas. Aber dennoch – dennoch ließ er es zu.

Ah--. Endlich.
„Du musst dich nicht dazu zwingen. Dazai. Ich bin müde, aber das heißt nicht, dass ich genug von dir habe. Du musst es nicht erzwingen.“ Seine Brust fiel schwer nach jedem Atemzug und er riskierte einen Blick auf Dazais Arm. Blutig, aber die Schnitte schienen oberflächlich zu sein. Erleichtert atmete er auf und lockerte seine angespannten Muskeln. Als er seinen Blick bemerkte, entzog Dazai ihm die Arme augenblicklich.
Der Mann musste denken Dazai sei schwach. Unfähig. Hässlich. Ein Lügner. Aber Odasakus Blick blieb sanft und er wisperte, ganz als ob er Dazais Gedanken gelesen hätte:
„Du bist so hübsch...“ Raue Hände umfassten seine dünnen Handgelenke und weiche Lippen pressten gegen seinen Handrücken. Die ruppigen Bartstoppeln piksten seine Schnitte, aber fühlte sich zu gut an, als dass er ihn darauf hinweisen wollte. Vorsichtig küsste Odasaku jeden einzelnen Schnitt, jede Prellwunde und jede Narbe und Dazai spürte wie er in seinem Griff erschlaffte. Im Stillen fragte er sich, wie er so jemanden wie Odasaku verdient hatte. Aber auch diesmal schien der Mann seine Gedanken spielend leicht zu erraten.
„...Du verdienst so viel besser“, murmelte er gegen Dazais Handgelenke und der Braunhaarige schluckte. Odasaku verdiente besseres. Nicht ihn. Nicht einen Mörder der sich Nachts im Badezimmer einsperrte und seine Arme aufschlitze. Nicht jemanden der mit tropfenden Armen nach seiner Aufmerksamkeit gierte und ihn doch aus seinem Herzen aussperrte.

Ein letzter Verband und es war fertig. Ächzend stand Odasaku auf und bog sein Kreuz durch.
„Irgendwann bringst du mich noch ins Grab....“, stöhnte er bevor sein Blick weicher wurde.
„...Passt es? Nicht zu fest?“, er blickte auf Dazais Arme und dieser hob den Kopf.
„Per~fekt~“, schnurrte der Mann.
„Dazai du musst nicht- ach was“, der Rothaarige winkte ab und stellte die Verbandsrolle auf den kläglichen Nachttisch. Der Nachttisch hatte nur drei Beine und Dazai beschwerte sich regelmäßig darüber. Nicht, dass Odasaku auch nur einen Gedanken daran verschwenden würde dieses Familienstück zu beseitigen. Dazai lächelte bei dem Gedanken und er bemerkte wie auch Odasaku müde lächelte, während er sich über seine Augen fuhr. Als er sich zu ihm an die Bettkante setzte, drehte er seinen Kopf zu dem Mann. Dieser lachte auf:
„Du hättest es mir früher sagen sollen.“
Dazai legte seinen Kopf zur Seite und versuchte seinen Arm zu heben. Nutzlos.
„Du warst müde, alter Mann“, murmelte er leise im Versuch die Situation zu retten
„Ach was...“ Odasaku lachte rau, aber ohne Humor in der Stimme. Fehlschlag. „...So alt bin dann doch noch nicht“, er drückte seine Stirn gegen Dazais und rieb ihre Nasen liebevoll aneinander.
„Du weißt ich bin da.“
Dazai nickte langsam. Er wusste es. Auch wenn er es nicht zuließ und Odasakus zarten Worten nicht glaubte, so gierte er dennoch nach seiner Aufmerksamkeit. Und vielleicht war es okay sich in diesen Nächten einfach auf Odasaku zu verlassen. Als er aus dem Fenster blickte, sah er den Morgen bereits anbrechen.




Inzwischen waren die Wunden verheilt und die Verbände nur noch ein Scheinbild. Es schien lächerlich den Verband zu behalten, ganz ohne Wunden, aber Dazai behielt sie als Erinnerungsstück.
Es war schwer ohne ihn. Odasaku hatte ihn getragen, wenn seine Beine nächtlich versagt hatte und ihm liebevolle Worte in den Mund gelegt, wenn er an nichts anderes, außer an die Unruhe in seinem Herzen denken konnte. Aber nun musste er sich auf eigenen Beinen halten. Es war nicht fair. Nicht fair. Nicht fair. Nicht fair.

Aber er blickte erneut in den Spiegel und sah das Abbild seiner und auch wenn er nicht erkannte, was Odasaku ihn ihm gesehen hatte, war es okay. Es war nicht vergeblich. Der Morgen brach bereits an und er sah die feinen Staubkörner in der Morgensonne tanzen. Es war okay, Odasaku würde am Ende des Tunnels auf ihn warten.







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Anmerkung:

Ich habe den Dark Era Arc geliebt. Die zwei hätten sich perfekt ergänzt. Natürlich würde Dazai zu vielen passen, aber mit Odasaku zusammen wäre er mwah- einfach perfekt gewesen. :( ♡

Danke fürs lesen. ♡
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