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GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
Ariella Tularyn Ashallayn "Ash" Darkmyr Tallyn Ethan Chase Meghan Chase OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
24.05.2021
23.10.2021
19
40.809
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Dieses Kapitel
1 Review
 
26.06.2021 2.104
 
Sechstes Kapitel


Ruppig wurde ich durch die Tür geschoben. Mein Herz pochte, war Meghan hier? Meine Eltern? Mein Bruder? Wie sehr wünschte ich es mir doch. Und wie würden unsere Gespräche aussehen, so als Familie zusammen, die zueinander findet. Ich wusste immer, dass Dad mal eine Schwester hatte - Achtung, die Betonung lag 'Hatte'. Ihn sich vorzustellen, als Bruder einer großen Schwester, stellte für mich eine ganz andere Dimension dar.  

Ein Hauch von Macht streifte meine Haut. Es war komisch zu beschreiben, doch vielleicht ließ es sich am besten mit dem starken, aber schönen Geruch von Blumen beschreiben, der dich streifte. Seine Existenz war spürbar, auch wenn er nicht zu fühlen oder zu sehen war. Diese Art von Gefühl streifte mich unmittelbar nach dem wir den Türbogen passierten. Der Soldat wurde langsamer, fast hätte ich auch sanfter gesagt - aber nur fast! Er schob mich  tiefer in den Raum, ehe er selbst salutierte und sich tief verbeugte. Mein Blick hingegen wanderte nach oben. Ich wusste nicht, was ich erwartet hatte aber ein Diner mit einer Königin, die ganz kitschig in einem Palast lebte, hatte ich mir etwas…. förmlicher (?) vorgestellt. Stattdessen  stand da eine kleinere Tafel in einem ebenso nicht all so großen Raum. Im Vergleich, mein Krankenzimmer konnte von der Größe her perfekt mithalten. Und an der Tafel saßen, zu meiner großen Erleichterung, Mom, Dad und Laurent. Sie sahen gut aus, sie hatten sich umgezogen. Und auf irgendeine seltsame und unerklärbare Weise schienen sie zu glänzen. Nicht so wie Vampire aus Twilight, sondern sie strahlten etwas Frisches aus -  etwas Gesundes.

Ich hörte es räuspern und damit blickte ich nun an die Spitze des Tisches. Der Stuhl war ein wenig größer als die zu der linken und rechten Seite. Und sie, die darauf saß, sah umwerfend aus; trotz ihrem unscheinbaren Outfit, dass sie nicht mehr gewechselt hatte, versprühte sie alleinig durch ihre Präsenz etwas Wunderschönes, Majestätisches. Es war Meghan, die mich angrinste. Doch, ehe sie zu mir sprach, richtete sie sich an den, jetzt doch nicht mehr so aufgeblasenen, Soldaten, der noch immer auf dem Boden kniete und seine Hand an die Brust presste. „Phanos, ihr könnt wegtreten“ Ich hörte nur ein „Eure Majestät“ nuscheln uns schon war er weg.

Der Platz neben meinem Bruder war noch frei und ich bewegte mich neben ihn. „Schön dich zu sehen Schwesterchen“, hörte ich ihn neben mir flüstern. „Du hättest mich ruhig mal besuchen können“, antworte ich keck. „Du siehst schlimm aus.“ „Danke“.

Bevor es in eine Diskussion entarten konnte, ergriff Meghan das Wort und erhob das Glas. „Nun, auf die Familie, nicht wahr“. Sie lächelte, nervös, und schaute unsicher zu meinem Vater. Und er starrte zurück, böse. „Auf die Familie“, murmelte er. Mom legte vorsichtig die Hand auf seinen Arm und war sichtlich bemüht ihn so unauffällig wie möglich zu zähmen. „Wir müssen reden, Meghan.“

„Jetzt?“, sie klang unsicher.
„Ja, hier und jetzt“
„Ethan, ich halte es für kei…“

„Meghan, keine Ausreden mehr. Du musst es uns erklären“, Dad klang bestimmt. Kein Widerwort schien Erfolg zu haben. Ich schmunzelte innerlich, ich wusste schon immer, dass ich in diesem Aspekt nach ihm kommen musste. „Warum mussten wir kommen. Diana sprach von jemanden der uns holen würde. Und warte mal“, jetzt sah er richtig vorwurfsvoll aus. „Wie zur Hölle kommst du auf die bescheuerte Idee ausgerechnet sie zu senden?“. Richtig, Diana. Sie sprach von ihrer Königin, doch Meghan schien wie niemand, der mit einer solchen Kategorie an Menschen einen Umgang pflegte. Und wenn doch? Mein Vertrauen in sie schwand unmerklich.

Sie seufzte. „Ethan, ich fürchte, ich muss mich erklären.“ Auffordernd blickte er sie an fortzufahren.

„Wir haben Nachricht erhalten, dass“, sie fing  von neuem an. „Ethan, da draußen ist etwas. Und es hat es auf euch abgesehen. Sie glauben, wenn sie euch etwas antun, dann können sie mich schwächen.“

„Eine neue Feenart – schon wieder?“, er verschränkte die Arme vor der Brust. Von uns sagte keiner etwas. Wir verfolgten das Gespräch, auch wenn zu mindestens mein Bruder und ich nur einen Bruchteil verstanden.

„Nein, ja. Es ist anders. Die Eisernen Feen unterscheiden sich gar nicht so sehr von den Altblütern. Und sie haben einen zuordenbaren Ursprung. Die Neuen, sie sind anders. Und sie sind mächtig. Sie können überall sein und auch nirgendwo. Sie funktionieren im Kollektiv, doch als Individuum sind sie fast nicht zu identifizieren.“ Ich vernahm ein leichtes Zittern in ihrer Stimme. Mein Vater schaute sie fragend an. „Lucian und Diana haben es selbst gesehen. Wie sie vorgehen, wie sie sich formatieren. Die beiden haben versucht sie zu studieren. Nur, sie machen keinen Sinn und handeln Widersprüchlich. Es ist, als wäre das reine Chaos ihre Strategie.  Ethan, Diana weiß nicht, ob sie und Lucian gegen sie ankommen können.“
Zum ersten Mal wich die fordernde Strenge aus den Augen meines Vaters und Panik machte sich in ihnen breit. „Meghan, wenn du Scherze  machen möchtest, um die Stimmung aufzulockern, dann fahr zur Hölle. Du weißt was das bedeutet.“ Streng schaute Meghan ihn an. „Natürlich, weiß ich, was das bedeutet.“

„Hey“, unterbrach Laurent die Unterhaltung. „Diana, also die Diana?“ Meghan schaute uns  entschuldigend an und wurde weicher.

„Ich gebe zu, es war wohl nicht meine beste Entscheidung, sie zu euch zu senden. Sie ist, naja, manchmal ein bisschen gewöhnungsbedürftig.“ „Allerdings , warf ich ein. Mein Schmatzen verschluckte Buchstaben meines Wortes – wir hatten angefangen zu essen und ich konnte gar nicht beschreiben, wie gut es tat, meinen Magen zu füllen. Meine Mutter schaute mich tadelnd angesichts meiner Tischmanieren an. Als würde sie sagen wollen: du bist hier bei einer Königin!

„Es blieb uns keine Zeit, jemand anderen zu senden, dem ich vertrauen kann“, fuhr Meghan fort und blickte zu Vater "Es war dringend. Die Wesen rücken immer näher an den Wilden Wald. Und es scheint, dass sie gegen Eisen immun sind.“ Ein Klirren verriet den Zeitpunkt, als meinem Vater die Gabel aus der Hand fiel und auf den Tisch traf.

Das restliche Essen verlief unaufgeregter. Das diese Wesen immun gegen Eisen waren, war anscheinend die Nachricht des Tages gewesen. Ich verstand nicht, warum oder wieso es von Relevanz war, aber es war wichtig. Ich hatte nur eines verstanden: Das es verdammt schlecht war. Andere Feenrassen – darf man so etwas überhaupt sagen, oder war es in dem Kontext rassistisch? Gab es überhaupt etwas wie Feenrassismus? – dieses nicht sonderlich vertragen würden. Es war wie eine ultimative Geheimwaffe.

Wir unterhielten uns über unwichtige Themen, schwafelnden herum. Meghan erkundigte sich, versuchend die Stimmung wieder zu erheben über unsere Interessen. Sichtlich bemüht den neuen Teil ihrer Familie kennenzulernen. Der dunkle Schatten hing die ganze über uns und Dad beteiligte sich an keinem der Gespräche mehr. Irgendwann nahm eine peinliche Stille überhand. Man wollte sprechen, aber über was? Darüber, dass das Wetter ach so schön war oder überhaupt, wie interessant es doch sein musste, eine Königin zu sein? Nein, selbst mir, der Meisterin der unpassenden Zeitpunkte, war bewusst, dass die neuen Informationen sacken mussten.
Ein Gähnen durchbrach die Stille. Es war nicht von mir, sondern es kam von Laurent. Zeitgleich merkte ich, wie auch meine Lider schwer wurden. Ich hatte völlig vergessen, dass Laurents Tag wahrscheinlich genauso wenig schön verlief wie der meine. Und auch, wenn er größer und älter war, ich fühlte, dass ihn das alles genauso belasten musste, wie es auch mich tat.

An den restlichen Tag, das muss ich ehrlich gestehen erinnere ich mich nicht mehr. Es schien mir fast, als ob die deutlichen Müdigkeitserscheinungen unsererseits eine willkommene Entschuldigung und Begründung für das Beenden des Essens war. Man musste Phanos, den aufgeblasenen Soldaten, gerufen haben, der mich in ein neues und wahrlich gemütlicheres Zimmer geleitete. Das Bett war groß und weich. Eigentlich das Bett meiner Träume, dass niemals in mein eigenes Zimmer passen würde. Meine Müdigkeit war wie eine Ohnmacht, die an mir zerrte und versuchte mich zu ihr zu ziehen. Schlussendlich gab ich mich ihr hin und versank in Träume. Tiefe, schöne Träume. Vielleicht lassen wir auch das schön weg. Es waren tiefe Träume.

- - -

„Lange wird es nicht mehr dauern, bis wir gänzlich bereit sind“
„Ja Meister, bald sind wir bereit.“
„Wie steht es um unsere Armee?“
„Bereitet sich vor für den Tag.“

Ich befand mich in einem schwarzen Loch. Nichts konnte ich sehen außer einem kleinen grünen flackernden Licht. Es sah aus, als ob man dem skandinavischen Himmel ein kleines Stück Polarlicht herausgestanzt hätte. In der Luft surrte es und ein metallener Geschmack lag mir im Mund. Manchmal ließ das Surren ein wenig nach und formte sich in zwei klar zu identifizierende Stimmen. Gerne hätte auch ich etwas gesagt, doch mein Mund war wie zusammengeklebt. Es schmerzte förmlich zu versuchen ihn zu öffnen.

„Meister, ich glaube sie schläft nicht mehr. Was soll ich tun?“, surrte eine der Stimmen. Wen meinte er wohl? Aus dem Surren wurde ein Tapsen, und das Tapsen wurde immer lauter und lauter. Ich hörte eisernes scheppern, als würde Metall aneinander krachen. Und dann spürte ich etwas am Arm. Es zog und zupfte an mir und wollte mich wegbewegen. Nur doof, dass ich nicht wegwollte. Umso stärker an meinem Arm gezogen wurde, umso mehr wehrte ich mich. Ich schlug schlussendlich meine Arme um mich herum, versuchte mich in meinem Stand zu befestigen – ohne Erfolg. Ich rutschte einfach so weg. Weg von dem Tapsen, dass einst auf mich zukam und von den surrenden Geräuschen.

Es herrschte Stille. Überall, als wäre ich in einem großen Nichts. Die Dunkelheit umarmte mich und kühle Luftzüge durstreiften die Nacht. Ich versuchte die neuen Gefühle und Eindrücke zu ordnen. Als mich eine sanfte Stimme am Ohr streifte. „Nicht erschrecken“, flüsterte sie. Und das tat ich nicht. Es schien mir, als ob die Stimme gänzlich zu dieser Umgebung gehören musste. Ein Licht erstrahlte in der Schwärze. Es war größer als das, was ich zuvor gesehen hatte. Es war weißer und versprühte eine angenehme Kühle. In dem Licht formte sich etwas zusammen. Beim genaueren Hinsehen erkannte ich eine Person, die langsam auf mich zutrat. Sie war groß, schlank und schön. Sie besaß eine unglaubliche Aura, die eine liebevolle und schmeichelnde Kühle ausstrahlte und sich in den feinen silbernen Haaren reflektierte. Sie blickte mich an. „Marleen.“ Irrte ich mich, oder hatte sie ihren Mund nicht um einen Millimeter geöffnet? Trotz dessen vibrierte mein ganzer Körper vor ihrer Stimme. „Ja“, hörte ich meine Stimme zittern. Woher kannte sie mich bloß?

„Marleen, unsere Zeit ist knapp bemessen. Sie werden euch holen kommen, wenn ihr nicht schnell handelt. Du musst die Herrscher überzeugen, dass sie sie sich bereit machen müssen. Du musst sie warnen!“, eindringlich, fast flehentlich blickte sie mich an.

„Warum ich? Vor was soll ich warnen?“, fragte ich kleinlaut. „Vor dem Untergang, Marleen. Du bist ein Kind der Erwählten. Nimmernie hat dich als seinen Champion erwählt.“ „Warum?“

„Deine Zeit ist knapp, du musst gehen“, die silberne Gestalt zog sich schon wieder zurück, als ich sie am Arm packte. Kälte durchschoss meinen Körper. „Vor was genau soll ich sie warnen. Du kannst nicht gehen, wenn ich nicht weiß, um was es geht.“ Sanft blickte sie mich an: „Sie dürfen keinem mehr trauen. Verräter befinden sich unter ihnen. Überall. Sie werden Feinde der Krone sein, die ersten, die euch zu Schaden kommen werden.“ Sie stockte kurz und übernahm wieder das Wort. „Sag den Zwillingen, dass es so weit ist.“ Dann kehrte sie mir den Rücken zu und Schritt ins Licht. Bevor sie gänzlich verschwand, drehte sie sich noch einmal um, schaute mir tief in die Augen und sprach in meinem Kopf „Sag Ash, dass die Prinzessin der Gläsernen Hügel dich sandte.“ Sie schritt ins weiße Licht hinein und es verschwand. Dabei hatte ich noch so viele Fragen. Ich hörte mich hinterherrufen, wer die Zwillinge seien und wie ich Ash finden sollte. Nicht nur das schwirrte mir im Kopf herum. Ich fragte mich, wer sie sein mochte, ich fragte mich, warum ich gesendet werden sollte. Ich kannte nicht einmalmal die Adressaten, abgesehen von Meghan. Doch die Frage, die alles dominierte, war, ob ich mir dies alles eingebildet hatte. Es schien mir so real, aber die Umgebung war komisch, sie surrte wieder. Und weit hinten hörte ich das Tapsen und Knirschen wieder. Ich rannte, weit in die Schwärze hinein und noch weiter.

Und dann war es weg – und ich auch.


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Ich lasse das einfach mal so stehen. Was denkt ihr, hat das ganze zu bedeuten? Was wird Mary machen?
Lasst gerne eine Review da  und schreibt von euren Gedanken. Lasst mich auch gerne Wissen, wie ihr die Geschichte bisher so findet :)

Danke im Übrigen auch an meine Leser, die ja doch recht regelmäßig vorbeischauen. Darüber freue ich mich natürlich sehr.

Bis nächsten Samstag

Eure BunteWelten
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