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GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
Ariella Tularyn Ashallayn "Ash" Darkmyr Tallyn Ethan Chase Meghan Chase OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
24.05.2021
09.10.2021
18
38.805
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Dieses Kapitel
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24.05.2021 1.979
 
Erstes Kapitel

Es begab sich zu einer Zeit, als eine Familie, fernab von all dem Trubel in der Welt, in einer kleinen Stadt ihr leben lebte. Von außen erschienen sie wie eine derer, die so auch in jeden zweiten Werbefilm nicht anders repräsentiert hätte werden können. Herzlich unaufgeregt, vielleicht nicht ganz so schrill aber unbedingt ziemlich langweilig. Eine Mutter, ein Vater, ein Sohn, eine Tochter. Die Mutter hatte einen Job im Büro, der Vater schrieb, der Sohn, der lernte, die Tochter, die ihren Platz auf der Welt suchte.
Doch die Fassade bröselte, wenn man nur etwas zu sehr an der Oberfläche kratzte. Der Vater hatte Geheimnisse! Er verhielt sich seltsam, war paranoisch. Die Mutter wusste dies gekonnt zu ignorieren. Der Sohn schloss sich eh im Zimmer ein und die Tochter dachte a) ihre Eltern wären geisteskrank und b) konnte noch immer nicht verstehen, warum alle Mädchen ihrer Klasse noch einige Jahre zuvor an Halloween mit ihren Feenkostümen um die Straßen ziehen durften. Nur sie nicht. Genau genommen, durfte sie diese nicht einmal in einem anderen Kostüm begleiten.

Woher ich das alles weiß? Das war mein Leben. Mein Leben mit allen Ecken und Kanten. Und ehrlich, ich wünsche es mir zurück. Mag sein, dass ich unzufrieden war. Mag sein, dass ich es seltsam fand, dass wir einen übermäßigen Verbrauch an Salz hatten, um angebliche Geisteswesen von uns fernzuhalten. Heute verstehe ich den Sinn dahinter und wünsche mir, dieses Leben mehr zu würdigen gewusst zu haben. Nun ja, man will immer das, was man nicht hat. Damals war es ein wenig Aufregung in meinem sonst so faden Leben, heute wünsche ich mir doch bitte ein wenig Ruhe. Doch die werde ich nimmer mehr bekommen, denn angeblich hat Nimmernie meine Familie bereits vor Jahrzehnten erwählt und mich damit auch zu einem seiner Ehrengäste gemacht.

Es war einst ein Freitagabend. Es schüttete wie aus Kübeln – ich war mir sicher, dass es gewitterte, denn es blitze. Einmal, zweimal, dreimal und das unmittelbar um unsere Stadt herum. Der Donner musste dafür umso leiser sein, denn sogar meine Kopfhörer waren in der Lage, diese zu übertönen. Ich erinnere mich noch gut, denn ich saß bei meiner Mom in der Küche und trank Tee. Zusammen hofften wir, dass doch mein Vater heil aus der kleinen Kampfsportschule heimkehrte, in der er nebenberuflich arbeitete. Er kehrte heim, wir zündeten den Kamin an und aßen. Aber es war komisch. Dad verhielt sich komisch und Mom, die die Ruhe selbst normalerweise war, verhielt sich zappelig. Jetzt im Nachhinein frage ich mich, ob sie eine Vorahnung hatten, dass sich mein Leben am heutigen Tage vollständig ändern würde.
Mit noch halbvollen Mund murmelte eine Abschiedsphrase und verkündete auf mein Zimmer zu gehen. Ich hatte noch Dinge für die Schule zu erledigen, doch eigentlich wollte ich der seltsamen Stimmung entschwinden, bevor sie auch mich packen konnte. Sie ließen mich gewähren, was ich per se ebenso nicht verstehen konnte, da sonst doch immer auf ein gemeinsames Essen bestanden wurde. Aber ich nahm es hin. Mir doch egal. Ich hockte mich auf mein Sofa, verband mich mit meiner Anlage, ließ Musik im Hintergrund dudeln, öffnete YouTube und schaltete das erstbeste Video an, dass mir vorgeschlagen wurde. Ich klappte mein Notebook auf und begann halbherzig zu Googlen. Ich merkte überhaupt nicht wie die Zeit verging. Sie musste gerast sein – so als ob der Stunden mit dem Minutenzeiger fangen gespielt hätte. Es war Freitag, es störte mich also nicht. Was mich aber störte war, dass es den Anschein machte, als ob ein Blitz das gesamte WLAN lahmgelegt haben musste.  
Vielleicht erregte aber auch darum, oder gerade darum, unser Flur meine Aufmerksamkeit. Es schien unruhig zu sein, Stimmen wuselten in Gesprächen. Moment, zu viele Stimmen. Das waren keine zwei und die Dritte gehörte bestimmt nicht zu meinem Bruder. Insbesondere aus dem Grund, da dieser ebenso neugierig das Treppenhaus nach unten blickte, wie ich es ihm gegenüber tat. Es klang bestimmt, streng und es schien keine Widerworte zuzulassen. Die mein Vater jedoch ohne Rücksicht auf Verluste dennoch tätigte. Und das um einiges lauter, als dass es der Gesprächslautstärke angemessen gewesen wäre. Ich verstand nur Bruchstücke: „Reise“, „Vergiss es“, „Das könnt ihr nicht machen“, „ich weigere mich“. Meine Mutter hingegen versuchte Vater zu beschwichtigen und seinen Geräuschpegel zu senken – ohne Erfolg.
„Ethan, es kümmert mich reichlich wenig, was du von dem Vorhaben halten möchtest. Ich handele im Auftrag Ihrer Majestät und es gibt keinen mir übermittelten Grund, der euch genehmigen würde, hier zu bleiben. Warum kommen deine kleinen Nachkommen nicht gleich die Treppe herunter und hören auf unsere Gespräche zu belauschen!“ Die letzten Worte versetzten mir einen Satz in die Magengrube. Es schien wie eine Person, die mir diese Worte bewusst und ganz nahe ins Ohr flüstern würde. Doch da war keiner. Wie um Himmels Willen konnte die Frau gewusst haben, dass Laurent und ich horchten. Entweder war es meiner Neugierde geschuldet oder doch aber einer höheren Macht, die mich und meinen Bruder die Treppe hinunterzerrte. Da stand Mom, neben ihr Dad, der etwas in der Hand umklammert hielt. Von meinem Sichtwinkel konnte ich es nicht sehen, doch er hielt eines seiner Schwerter in der Hand und stellte sich schützend vor meine Mutter. Als seine Augen uns erblickten, weiteten sie sich und ich konnte einen kleinen Funken Angst darin blitzen sehen. Ich registrierte es nur nebensächlich, denn mein  Interesse wecktet jemand anders. Sie strahlte eine ganz besondere Aura aus, die einem jedem klar werden ließ, dass dies kein angemessener Ort für sie war. Dieser Frau musste man zwingend einen Thron stiften und sie in einem Tempel verehren. Sie war kurzum einer Göttin gleich. Vielleicht war sie auch eine – gänzlich verneinen konnte ich es schlussendlich doch nicht. Ich wollte mich verbeugen und ihre Befehle entgegennehmen. Nur eine kleine Stimme schrie in mir Halt und veranlasste mich zu warten.

„Ich darf doch wohl sehr bitten!“. Ihre Stimme klang wie scharf schneidendes Eis, welches im Versuch war, sich in mein Fleisch zu bohren. „Ein angemessenes Benehmen oder gar eine gewisse Etikette war allen Anschein nach nicht Bestandteil derer Erziehung“. Missachtung lag in Ihrem Blick, doch sie vermied es uns nur eines Blickes zu würdigen. Ich sah, wie mein Vater sich versuchte zu sammeln, um nicht im nächsten Moment vor Wut zu explodieren, doch es gelang ihm sichtlich schwer. „Mäßige dich Ethan Chase! Wir werden euch mitnehmen. Entweder ihr geht freiwillig und bereitet mit keinen unnötigen Anstrengungen oder wir werden euch anderweitig aus dem Haus schaffen. Ich bekam den Befehl euch zu begleiten – Eure Majestät vergaß lediglich zu erwähnen, dies ohne Gewalt zu tun". Die Unbekannte lächelte teuflisch und verzehrte damit ihr sonst, dass musste ich ihr lassen, wunderschönes Gesicht. In der Haltung meines Vaters sah ich einen Bruch. Es schien mir, als ob er schon eine geraume Zeit darüber diskutierte aber keine Chance gegen seine Gegenspielerin hatte. Ihr Worte schienen von ungestümer Macht zu sein, die deutlich machten, dass ihr das letzte Wort gebührte. „Fünf Minuten", flüsterte Vater. „ Sie werden euch holen kommen. Wir müssen gehen!“ „ FÜNF MINUTEN“, nun ließ er keine Gegenworte mehr zu.  Zu unser aller überraschen ließ sie uns gewähren und zog sich zurück. Wir hingegen folgten in das Wohnzimmer.

„Dad, was soll das?! Wer ist das und wo sollen die uns hinbringen?“. Es mag sein, dass dies der falsche Zeitpunkt für solche Fragen war. Jedoch hatte ich das Gefühl in hundert Einzelteile zu zerspringen, würden sie mir jetzt nicht beantwortet werden. Er und Mom schauten sich an – und schwiegen. Sie wussten mehr als sie zugeben wollten und wollten nicht mit der Sprache herausrücken. Es kam mir wie eine Ewigkeit als endlich mein Vater das Wort erhob. „Wir müssen fort. Jetzt.“ Ich wartete ob er noch mehr sagen wollte, doch es machte nicht den Anschein, als dass er es für nötig befund. „Warum müssen wir fort?! Wohin? Warum jetzt?“. Wieder keine Antwort. Ich verstand nicht warum. Entweder sie wussten es selbst nicht so genau – doch warum sollten sie sich dann beugen? Weder meinem Vater noch meiner Mutter kam die Charaktereigenschaft zueigne, sich vor jemandem zu beugen. Stattdessen erzogen sie uns zu möglichst eigenständigen Menschen, die sich nicht davor scheuten zu sagen, wenn sie etwas störte. Nein, sie wollten uns nichts erzählen. Sehr wohl waren sie sich dem bewusste, was geschah, und sie hielten es nicht für nötig auch nur mehr als einen Satz darüber zu verlieren. Das verletzte mich, das tat weh. Ich hatte das Gefühl, als ob in mir etwas sauer aufstieß und mir nun langsam meine Kehle zuschnürte. Ich fühlte  mich verraten und enttäuscht. „Schatz“, meine Mutter erhob das Wort und legte eine Hand auf meine Schulter. „Ich weiß, dass das gerade schwer zu verstehen ist. Glaub mir, wenn wir könnten, dann würden wir euch alles zu erklären. Du musst uns jetzt einfach vertrauen.“ Das war eine ihrer Maschen, wenn sie sich zu einem Thema nicht äußern wollte. Sie machte es dann, wenn wieder seltsame Dinge von Gange waren und wir bloß nicht misstrauisch werden sollten. All die Jahre sagte sie das, immer wenn ich sie fragte, warum sie sich panisch auf dem Weg nach Hause umschauten und Salz auf unsere Türpforten verstreuten. Sie sagte es immer, wenn die Schwerter an unserer Wand im Flur angeschliffen wurden, obwohl sie doch eh nie verwendet wurden. ‚Mach dir keine Sorgen! Wir haben alles im Griff! Ihr werdet das schon noch verstehen!‘ – Ein Scheiß werden wir verstehen. Vielleicht fiel darum meine Antwort schnippischer als gewollt aus. „Behandele mich nicht wie ein Kleinkind. Ich bin 17 Jahre alt. Ihr werdet mir jetzt und hier erklären, was passieren soll. Andernfalls weigere ich mich überhaupt nur einen Zentimeter zu bewegen!“
„Ich fürchte, kleine Prinzessin, dass dies Entscheidung außerhalb deiner Macht steht.“ Da war sie wieder. Die kalte Stimme dieser Frau, die so Klang, als ob sie direkt in mein Ohr gefaucht werden wäre. Doch als ich mich umdrehte, sah ich sie an dem Türrahmen am anderen Ende des Zimmers gelehnt.
„Diana“, mein Vater versteifte sich wieder zunehmend. Er umgriff sein Schwert, dass ich schon fast vergessen hatte, fester.
„Eure fünf Minuten sind vorbei, liebster Onkel!“, erwiderte sie sichtlich desinteressiert. Moment, aber was hatte sie da gerade über meinen Vater gesagt? Onkel. Was sollte das bedeuten? „Ethan, entweder ihr bewegt euch jetzt aus diesen Räumen hinaus und kommt mit uns oder meine Soldaten, die rund um dieses Haus positioniert sind, werden euch nach draußen bewegen. Und ich muss dich warnen, sie sind bestimmt nicht zimperlich.“
Wären nicht alle Vorhänge zugezogen, würde ich nun mit Sicherheit nach draußen linsen. Ich war mir sicher, dass sie nur bluffte. Woher auch immer sollte sie Soldaten haben. Und wenn sie uns hinauszerren wollen würden, so würde doch jemand aus der Nachbarschaft etwas mitbekommen. Ich konnte sichtlich spüren, wie zwischen den beiden Funken flogen. Ohne erbarmen starrten sie sich an – wer einknickte, der demonstrierte Schwäche. Eigentlich wäre es zum Lachen gewesen, wenn es keinen todernsten Eindruck machen würde.  
Vater war der erste, der wegschaute. Ich konnte es ihm nicht einmal übelnehmen. In seinem Stolz verletzt begab er sich aus dem Raum, Mom folgte. Nur Laurent und ich schauten uns, uneinig was nun zu tun wäre an, und blieben.

„Und ihr?“, die Frau stand noch immer an der Türfront. Sie bewegte sich kein Stück  auf uns zu, doch die alleinige Präsenz tat bereits das seinige. Ich versteifte mich und Laurent, der bisher noch kein einziges Wort von sich gab, richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Das tat sein Übriges, da er eine gewisse Körpergröße mit sich brachte. „Wer bist du ?“, seine Stimme war fest und doch konnte ich auch in dieser ein kleines Zittern hören.
„Das tut nichts zur Sache, kleiner Prinz. Überflüssig. ich bin mir sicher, ihr erfahrt es noch früh genug.“ Und sobald sie das sagte, war sie schon verschwunden.
Laurent, ganz der große Bruder, bedeutete mir, dass wir wohl doch keine andere Wahl hatten, als ebenfalls zu folgen.
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