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Karins Vergangenheit

von Lady0409
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Dr. Karin Thaler
23.05.2021
22.07.2021
13
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22.07.2021 1.432
 
Kapitel 13:
Lilly kommt zur Welt


Flashback:
„Ich mache mir riesige Sorgen um meine kleine Enkeltochter. Meine Tochter Karin ist hochschwanger und steht kurz vor der Entbindung; sie hat in den letzten Wochen so große Schmerzen gehabt. Manchmal kam sie gar nicht mehr aus dem Haus.“, log die Mutter von Karins (Ex-) Lebensgefährten Johannes und blickte mit bösem Blick zu Karin, die von den Sanitätern versorgt wurde.
„Sie brauchen sich keine Sorgen um ihre Tochter zu machen, Frau…“ „von Schönbaum, Inge von Schönbaum. Meine Tochter trägt den Namen meines Mannes; deswegen heißt sie Thaler.“, erklärte die werdende Großmutter, die auf Karin blickte und hämisch grinste, bevor sie weitersprach: „Ich will meine Tochter jetzt bitte einfach nicht im Stich lassen müssen. Bitte, lassen sie mich bei ihr bleiben; meine arme Karin braucht jetzt die Unterstützung ihrer Mutter… Besonders bei der Geburt. Sie hat mich gebeten, bei der Entbindung dabei zu sein und ihre Hand zu halten.“, bettelte Karins Schwiegermutter mit einem gespielt besorgten Blick auf die Ärztin, die von zwei Sanitätern bereits zum RTW gebracht wurden war.

„Sie können natürlich in die Klinik mitfahren… Aber verhalten sie sich ruhig. Auch, wenn es bei ihrer Tochter oder ihrer Enkelin zu Komplikationen kommen sollte.“, bat der Sanitäter die Frau, deren brünett gefärbtes Haar in einem schulterlangen Pferdeschwanz zusammengebunden war, und ließ sie mit einsteigen.

„Ich bin da… Ich passe jetzt auf euch beide auf.“, versprach Inge mit einem argwöhnischen Grinsen auf den Lippen ihrer Schwiegertochter und gab vor, Karin einen vorsichtigen Kuss auf die Stirn zu drücken. „Ich lasse dich jetzt nicht im Stich.“

Die Ärztin, die von den Wehen bereits sehr erschöpft war und sichtbar unter großen Schmerzen litt, konnte kaum noch etwas sagen, weswegen sich der Rettungswagen mit ihr und ihrer argwöhnischen Schwiegermutter an ihrer Seite in Richtung Klinik in Fahrt setzte.

„Wir kriegen dein Baby schon durch; mach dir keine Sorgen um das Kleine, Karin. Du wirst das süße Mäuschen bald in deinen Armen halten… Es wird alles gut, Karin. Das verspreche ich dir. Mein tapferes, großes Mädchen. Der Arzt wird sich darum kümmern, dass dein Baby in die richtigen Hände kommt…“, beruhigte Karins Schwiegermutter die in den Wehen liegende Schwangere und betonte dabei besonders das „dein Baby“ mit einem schadenfrohen Grinsen.

„Sie ist mein Kind… Ich werde sie behalten, Inge.“, stöhnte Karin in einer kurzen Wehenpause und hielt sich anschließend wieder laut schreiend den Bauch. „Es- Es tut so weh. AAUU…“, brüllte die werdende Mutter und der Notarzt, der sie betreute, stellte die Infusion ein wenig höher.
„Machen sie sich bitte um ihr Baby keine Sorgen, Frau Thaler. Ihr kleines Mäuschen in ihrem Bauch wird sie nicht mehr lange quälen. Wir fahren sie jetzt sofort ins nächste Krankenhaus, dort werden sie ihr Kind bekommen und dann können sie in ein paar Minuten auch schon ihre gesunde, kleine Tochter in ihrem Arm halten. Sie brauchen keine Angst zu haben, Frau Dr. Thaler. … Oder bekommen sie vielleicht doch einen kleinen Sohn?“, erkundigte sich Karins Kollege, um seine krampfende Patientin ein wenig von den starken Schmerzen, die sie hatte, abzulenken.

„Ich bekomme- eine kleine Tochter. Sie soll Lilly heißen. Lilly… Nach meiner jüngsten Schwester.“, erklärte Karin und hielt sich ihren Bauch. „Ich will, dass es endlich aufhört.“

„Machen sie sich keine Sorgen, Frau Kollegin. Wir fahren sie in die nächste Klinik und dort bekommen sie ihre kleine Tochter.“, beruhigte der Notarzt seine Kollegin und legte ihr eine Hand auf den Bauch, der Karin durch die Wehen immer stärkere Schmerzen bereitete.

„Es- Meine Kleine ist doch noch gar nicht bereit für eine Geburt… Ich bin erst seit vorgestern in der 36. Schwangerschaftswoche. Meine Kleine wird die Entbindung nicht überleben. Ich kann sie jetzt noch nicht auf die Welt bringen.“, keuchte Karin, doch der Arzt, der vorsichtig sein Stethoskop über Karins Bauch bewegte, beruhigte sie schnell wieder.
„Wenn sich ihr Baby schon für eine Geburt bereit fühlt, dann sagt es ihrem Körper, dass es soweit ist. Sie können mir vertrauen, Frau Kollegin. Ich bin Gynäkologe. Sie brauchen keine Angst haben; ich passe auf sie auf.“

In Karins Ohren klang das wie eine Drohung, obwohl ihr Kollege ihr ganz freundlich zulächelte. Aber was, wenn ihre Schwiegermutter den Notarzt gebeten hatte, das Baby in Karins Bauch einfach noch vor der Einlieferung in die Klinik sterben zu lassen; der werdenden Mutter ein Medikament zu spritzen, was das kleine Baby tötete.

Was war, wenn sie gerade jetzt, so kurz vor der Entbindung, ihr Baby, auf das sich die Ärztin so sehr freute, doch noch verlor?

Karin wollte sich nicht ausmalen müssen, wie es sein würde, wenn sie in der Klinik lag, ihr Baby auf die Welt brachte und der erste Schrei der Kleinen nach der Geburt ausblieb. Wie würde Johannes darauf reagieren, wenn sie ihm erzählte, dass ihr gemeinsames Baby vielleicht bei der Geburt starb und sie daran Schuld wäre?
Sie? Die Ärztin, die bereits in ihrer (Not)-Arztkarriere mehrere Geburten begleitet hatte? Und dann vielleicht bei ihrer eigenen Entbindung komplett versagte?

„Frau Thaler, beruhigen sie sich bitte. Es wird für sie anstrengend genug, wenn ihr Baby auf die Welt kommen wird. Sie werden dafür sehr viel Kraft brauchen. Ich möchte sie nur einmal kurz untersuchen… Ganz still liegen bleiben… Das machen sie ganz wunderbar. In Ordnung. Sie haben ja auch schon 4,5 cm geschafft. Ihr Muttermund ist viereinhalb Zentimeter geöffnet… Das ist sehr gut, Frau Kollegin… Ihr Baby liegt- auch schon für die Geburt in der richtigen Lage…"
Der Notarzt hatte ganz vorsichtig die Lage des Babys in Karins dicken Schwangerschaftsbauch ertastet und gab der ängstlichen, werdenden Mutter anschließend über den Venenzugang eine Spritze, um die Wehen noch etwas anzukurbeln.
„Sie werden gleich spüren, dass eine Wehe nach der anderen viel kräftiger wird. Wir sind in fünf Minuten im Krankenhaus und dann werden sie sofort auf die Gynäkologie in den Kreißsaal gefahren. … Die Kollegen im Krankenhaus wissen schon Bescheid. Sie müssen einfach ruhig weiter mit uns mitarbeiten, Frau Dr. Thaler. Sie brauchen keine Angst zu haben. Es wird bei ihrer Entbindung alles gut ausgehen…"

„Mein Baby! Sie ist doch mein… Aaaua. Was… Was soll das denn? Aua, es wird ja- immer schlimmer."
Von den heftigen Wehen stark gebeutelt, lag Karin auf der Trage des Rettungswagens und musste es sich gefallen lassen, dass ihre Wehen, die eigentlich nach und nach schon wieder aufhören wollten, nun ganz plötzlich kräftiger und Immer kräftiger wurden.

„Die Wehen waren am Abflauen. Das musste ich verhindern; ihr Baby wäre sonst in Gefahr gewesen, wenn die Geburt vorzeitig beendet werden würde. Sie brauchen jetzt gar keine Angst zu haben. Es ist alles gut. Wir kriegen ihr Baby durch, Frau Kollegin. … Sie müssen wirklich keine Angst haben; ich bin jetzt die ganze Zeit über bei ihnen… Und ihre Mutter ist ja auch da."
Der Blick des Notarztes, der Karin eine große Decke auf die Beine legte, ging zu deren Schwiegermutter, die die Hand der Ärztin in ihrer hatte und insgeheim hoffte, dass der noch ungeborene Säugling in Karins Bauch während der Geburt starb.

„Es wird ihnen und ihrer Kleinen nicht wehtun, wenn sie das Baby auf die Welt bringen… Machen sie sich um ihre Entbindung bitte keine Gedanken. Die starken Schmerzen sind ganz schnell wieder vergessen, wenn ihr Baby in ihren Armen liegt… Frau Thaler, sie müssen jetzt noch einmal ganz tapfer sein."
Der Notarzt, der an Karins Herzschlag und den erschöpften Augen seiner Kollegin bemerkte, dass etwas nicht in Ordnung zu sein schien, schlug noch einmal kurz die Decke von Karins Beinen zurück und untersuchte die Kollegin erneut ganz vorsichtig.
„5,3 Zentimeter… Es geht schon sehr schön voran, Frau Kollegin. Das ist sehr schön. Sie machen das auch schon ganz tapfer. Machen sie sich bitte keine Sorgen, Frau Kollegin; ihrem Baby geht es gut. Sie brauchen keine Angst zu haben, Frau Thaler. Sie können sich sicher sein, dass wir uns um ihr kleines Baby kümmern…"

„Ich will mein Baby nicht- nicht verlieren müssen. Bitte, ich will mein kleines Mädchen auf die Welt bringen und- im Arm halten dürfen. Die Kleine muss überleben…“, weinte Karin und legte ihre blasse Hand auf ihren Bauch.
Die riesen große Angst, die sie um ihr noch ungeborenes Baby hatte, wurde immer stärker und Karin stellte sich mit jeder Wehe vor, wie es wäre, wenn ihr kleines Mädchen vielleicht doch starb. Wie sollte sie dann weiterleben – getrennt von Johannes und ohne ihrem Baby, das ihr Leben komplett verändern würde?

„Ich liebe dich doch jetzt schon, mein kleines Mädchen. Bleib bitte bei mir. Ich will dich nicht in den letzten Minuten auch noch verlieren müssen…“, weinte Karin und fasste sich an den Bauch.
 
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