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Like chalk and cheese

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
OC (Own Character)
23.05.2021
20.09.2021
18
46.676
4
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30.05.2021 1.894
 
Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss nur alles verstehen. (Marie Curie)

Als mich meine Mutter an einem kühlen Frühlingsmorgen weckte, war ich hellwach. Obwohl Marder eigentlich nachtaktiv sind, wachte unsere Familie trotzdem jeden Morgen, nach Aufgang der Sonne auf. Die Strahlen der Sonne blendeten mich, das Gezwitscher der Vögel jedoch, war eine reine Wohltat für meine Sinne.

Wir gehen jetzt auf Futtersuche. Ihr bleibt hier. Alle!

Meine Mutter blickte uns erwartend an. Seit ich vor einigen Jahren beim Zwergkaninchen fangen fast von einem Menschen erwischt worden wäre, war sie, was dieses Thema anging, noch härter geworden.
Klar antworteten wir vier im Chor. Kaum waren die zwei außer Hörweite, stupste Poppy mich an.

Hey, hast du Lust auf einen Spaziergang? Thompson und ich haben letztens eine Stelle gefunden, an der wir diese Langbeinigen Wesen beobachten können.

Natürlich wusste ich, dass es keine Langbeinigen Wesen waren, die Poppy und Thompson beobachtet hatte. Menschen. Sie waren nur gefährlich, wenn man ihnen zu nahe kam, oder ihr Eigentum stahl. Auf Distanz konnten sie uns so gut, wie nichts antun.

Ich rief Ja, klar, ohne weiter darüber nachzudenken, doch Alfie- die Älteste von uns- kam mir zuvor.

Ihr habt ja wohl gehört was Mum gesagt hat, oder?

Sie hatte als Älteste einen besonders ausgeprägten Beschützerinstinkt und war noch nie besonders abenteuerlustig gewesen. Das lag wohl daran, dass wir anderen ihr zu oft mit unserem übermütigen Gekämpfe, dem Gespiele und der übertriebenen Lebensart ziemlich auf die Nerven gingen. Gemeinsam trommelten Poppy und ich demonstrativ mit unseren Pfoten auf den Boden. Das taten wir immer, um Alfie zu ärgern. Das Geräusch machte sie wahnsinnig.

Ja und? Wir sind doch nicht allein, außerdem würde es dir bestimmt mal ganz gut tun, wenn du von hier weg kämst. Sich immer nur an Regeln zu halten ist doch auch irgendwann langweilig, oder?

Sie schnaubte verächtlich und zog unter unverständlichem Gemurmel ab. Ich kam nicht drumherum noch ein: Spielverderberin! Hinter meiner Schwester herzurufen, bevor wir zu dritt aus dem Bau flitzten. Ich liebte das Gefühl der lockeren Erde unter meinen Krallen und sog jauchzend Luft ein. Hier war alles so vertraut und die verbotenen Ausflüge machten umso mehr Spaß. Unsere Eltern würden ohnehin erst in einigen Stunden zurückkehren und wenn wir Glück hatten würde Alfie nicht petzen.

Meine älteren Geschwister führten mich durch den Wald, bis er immer lichter wurde. Die Bäume um uns herum wurden weniger und ich hörte fast keine mehr Vögel zwitschern. Nach einiger Zeit wurde die Luft stickiger und ich hörte brummende Geräusche. Sie wurden lauter und plötzlich raste etwas Schnelles an uns vorbei. Es sah aus, wie ein Käfer auf Rollen. Ich hatte schon öfter solche teile gesehen, aber nicht gewusst, dass sie so schnell sein konnten. Leicht fauchend sprang ich zurück. In diesem Teil unseres Territoriums war ich noch nie gewesen und ich wollte es auch gar nicht sein! Viel lieber wäre ich jetzt an den uralten Stämmen und bekannten Felspalten herumgetollt. Instinktiv wollte ich flüchten, doch mein Bruder hielt mich fest.

Schau mal! Die tun uns doch gar nichts.

Ich hatte nicht das Vertrauen in die Blechteile wie mein Bruder, allerdings wagte ich mich doch noch etwas näher ran. Die goldene Lackierung an einem blendete mich beinahe. Und die hupenden, brummenden und quietschenden Geräusche waren laut und die Abgase stanken fürchterlich.

Meinen Bruder schien das nicht zu interessieren, denn er wuselte um ein Stehendes herum. Gerade wollte ich Poppy fragen, was sie davon hielt, als ein großes schwarzes Blechding an uns vorbei raste.

Yeah, das macht Spaß! JUHU!Ich wunderte mich, dass das Teil mit mir sprach, allerdings hatte mein Bruder schon viel schneller begriffen, dass dem nicht so war.

Los komm darunter, Poppy! Wir kriegen sonst Ärger!
Verdattert erhaschte ich einen Blick auf ein Marderweibchen, welches sich von Blechteil zu Blechteil schwang. Poppy hatte sich auf den Dingern festgekrallt und fuhr immer ein kleines Stück mit. Es musste sicher spaßig sein dort oben zu hangeln. Allerdings hatte jetzt einer der Fahrer sie bemerkt und begann zu schimpfen.

Er hielt abrupt an und stieg aus. Um ein Haar wäre Poppy die durchsichtige Scheibe heruntergerutscht, konnte sich jedoch gerade noch festkrallen. Gefährlich langsam und mit einem unangenehmen Quietschen rutschte sie das Blechding hinab. Das Geräusch war fast so grässlich wie das Brummen der Menschenteile. Die anderen Dinger waren mittlerweile auch gestoppt und manche kurbelten die Fenster- mein Bruder hatte schon öfter heimliche Ausflüge gemacht und mir dadurch ein bisschen erklärt was die Menschen für Sachen benutzten- herunter.

,,Was tut dieses Tier da?“ Ein Mann war ausgestiegen, er trug einen Anzug und blickte meine Schwester vorwurfsvoll an.

Er war wohl nicht besonders schlau, der männliche Mensch, denn er schien nicht zu verstehen, was das für einen Spaß machen musste. Was wollte er denn sonst mit seiner Blechraupe anfangen? Aus diesem hin und her Gesause wurde ich jedenfalls nicht schlau. Diese Menschen waren schon immer seltsam gewesen. Das war jetzt allerdings unser kleinstes Problem.

Hilflos beobachtete ich, wie noch mehr Leute ausstiegen und Poppy halb interessiert und halb ärgerlich anstarrten. Zum Glück sahen sie uns nicht, ich hatte keine Lust auf eine weitere Begegnung mit einem wütenden Menschen. Poppy hatte in zwischen aufgehört sich an den Kisten festzukrallen und war nun durch eines der Fenster hineingeklettert. Ich wollte ihr gerade zurufen, dass das sicherlich keine gute Idee sei, da war es auch schon so spät. Aus dem inneren ertönten ein so gellender Schrei, dass ich mir am liebsten die Pfoten auf die Ohren gepresst hätte, und die Türen schwangen auf. Eine Familie mit drei Kindern sprang aus dem Blechteil.

Wie nennt man diese Dinger?

Fragte ich meinen Bruder halb fasziniert, halb entsetzt. Er stand mit einer Gewittermiene am Straßenrand und blickte mich seltsam abwesend an.

Autos. Die Menschen nennen sie Autos.

Ich wollte noch mehr fragen, doch der Mann, der Poppy als erster entdeckt hatte rief:

,,Also, ich rufe jetzt die Polizei. Das kann doch nicht sein, dass so ein blöder Otter mir möglicher Weise einen Verweis von meinem Chef einbringt.“

(Bei dem Wort Otter hörte man Poppy von innen beleidigt Quieken und ich stimmte ihr da voll und ganz zu. Das war ja fast schon eine Beleidigung!) Er hatte sich wieder in sein Auto gesetzt und war mit so einem glatten schmalen Teil am Ohr losgefahren.

Obwohl ich nicht wusste, was die Polizei war, ahnte ich nichts Gutes. Poppy war inzwischen zum Glück zu uns zurückgekehrt und hatte die Backen voller klebrigem Zeug.

,,Mama! Der Otter hat mir meine Cracker geklaut!“

Ein besonders kleiner weiblicher Mensch hastete zu seinen Eltern und zeigte mit anklagender Miene auf unser Gebüsch. Bei dieser Bezeichnung sah Poppy aus, als hätte sie ihr die Cracker am liebsten durchgekaut ins Gesicht gespuckt.

Mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Vergnügen starrte ich den winzigen Menschen an, aus dessen Augen nun Wasser lief. Sowas, was war das denn? Wollte es einen See verursachen? Noch ehe ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte, verspürte ich ein Kribbeln.

Ein ganz seltsames Gefühl, wie als wenn eine Millionen Ameisen in meinem Pelz herum krabbeln würden. Ich hatte sowas noch nie gespürt und als ich mich an meinen Bruder wenden wollte, sprang dieser in hohem Bogen zur Seite. Ich wollte fragen wieso, doch irgendetwas an dem Ausdruck in seinen Augen ließ mich verstummen.

Ich sah Angst und Neugier, verstand aber nicht warum. Hatte ich mich plötzlich in ein Monster verwandelt? Seine kleinen Pfoten zitterten und seine Nase zuckte wild umher. Gleich würde sein Fluchtinstinkt die Vernunft übertrumpfen und er würde mich hier stehen lassen. Aber wieso?

Du… Du… stotterte er Du, deine Nase!

Verwirrung machte sich in mir breit. Meine Nase? Was war damit? Ich faste mir mit einer Pfote ins Gesicht, das jetzt von beiden meiner Geschwister fassungslos angestarrt wurde. Die Menschen waren vergessen. Zwischen meinem weichen Fell war etwas, das sich rau und glatt anfühlte, ganz anders als Marderpelz.

Es hatte eine längliche Form, war spitz und wies zwei Löcher an der Unterseite auf. Das war alles andere, aber nicht normal. Es blieb mir keine Zeit über meine Nase zu reden, da auf einmal ein lautes heulendes Geräusch erklang. Es dröhnte in meinen Ohren und erinnerte mich schmerzlich an die Nacht vor einigen Jahren. Ich überlegte einfach wegzurennen, aber das wäre feige gewesen und ich blieb dort wo ich war.

Meine Geschwister und ich waren zurückgewichen und beobachteten das Ganze jetzt aus der Ferne. Sicher versteckt zwischen Blättern und Gestrüpp. Für einen kurzen Moment dachten wir nicht mehr das komische Ding in meinem Gesicht, was ich einfach nicht erklären konnte. Da war ein neues Auto und es stiegen Leute mit blauen Sachen aus. Mein Bruder japste:

Polizei!

Und ich fragte mich, warum wir nicht einfach zurück zu Alfie liefen. Wie mein Bruder dieses Wort aussprach, hörte es sich gar nicht gut an. Allerdings fanden meine Geschwister es wohl spannend, wie die Leute mit der Polizei redeten. Ich dagegen hibbelte ein wenig nervös herum, obwohl ich versuchte, keine Geräusche zu verursachen. ,,Wo haben sie denn diesen Otter zuletzt gesehen?“, fragte einer und Poppy schnappte empört nach Luft.

Jetzt reicht es aber! Ich bin kein Otter, verdammt noch Mal. Dieser Pailizist bekommt gleich richtig Ärger! Und zwar von einem MARDER!

Ich unterdrückte den Drang sie zu korrigieren. Sie sah richtig kampflustig aus, doch mein Bruder hielt sie zurück, als sie sich auf den Polizisten stürzen wollte. Leider einen Moment zu spät, denn schon hatte eine der blauen Typen uns entdeckt.

,,Da! Das sind keine Otter, sondern Marder. Los, hol die Sachen aus dem Auto!“

Der Polizist, oder wie auch immer er hieß, warf seinem Kumpel einen schnellen Blick zu und der hetzte los. Ich fand, dass das jetzt ein guter Zeitpunkt zum Flüchten wäre und meine Geschwister hatten endlich eingesehen, dass es hier wohl doch nicht so toll war. Der Polizist aber hastete uns hinterher und versuchte mich mit so einem komischen Stiel, an dem ein Netz hing, einzufangen.
Ich raste weiter, so schnell mich meine Pfoten trugen und der Polizist hinter mir her. Warum hatte der aber auch so lange Beine? Langsam ging mir wirklich die Puste aus. Als ich mich in einen weiteren Busch retten wollte, sprang mit einem großen Satz auf mich zu und landete bäuchlings im seichten Gras. Er versuchte mich zu packen, doch ich entglitt ihm und lief weiter meinen Geschwistern nach.

Wow, das war echt super. Wie du vor diesem Puleizisten weggelaufen bist. Richtig toll!

Poppy strahlte mich an, als wir wieder in unserem Revier waren und langsam auf unseren Stein zu liefen. Ich war noch immer zu verdattert von dem merkwürdigen Erlebnis, um zu antworten, jedoch grinste ich in mich hinein, als sie den Namen der blauen Leute erneut falsch aussprach.

Die Sonne strahlte mir warm auf mein Fell und ließ diesen Tag schon viel besser aussehen. Das leichte Pfeifen des Windes, die Geräusche von Vögeln beruhigten mich und der Geruch von Frühling war ein Genuss für meine Nase. Wir kamen an unserem Stein an und Alfie blickte uns neugierig entgegen. Vielleicht hatte sie Mum und Dad erzählt was passiert war, vielleicht waren sie uns suchen gegangen, oder waren den Polizisten in die Arme gelaufen.

Ich machte mir riesige Sorgen um sie, doch wie sich herausstellte waren sie noch nicht zurück von ihrer Futtersuche.
Ich betete- auch wenn ich nicht wusste, was genau das war-, dass unser Ausflug unbemerkt geblieben war. Allerdings würde sich bald herausstellen, dass ich mich irrte.
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