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Freunde!

von Selket
OneshotRomance, Schmerz/Trost / P12 / Het
Christian Lind Marie Hofer Michael "Michi" Mohr
23.05.2021
23.05.2021
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Hey ihr Lieben,

Hier eine kleine Fortsetzung zu "Date Night!"
Die eine Zeile in bayrischem Dialekt, die Michi hier aufsagen darf, habe ich durch ein Online-Übersetzer gejagt. Ich hoffe das passt so. Leider bin ich des Bayrischen nicht mächtig und kann es nicht selbst überprüfen.
Ich hoffe, ihr habt Spaß damit.

Liebe Grüße
Selket
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  Christian lag auf seinem Bett, die Decke nur etwa Hüfthoch hochgezogen, den rechten Arm resignierend über die Stirn geworfen und starrte an die Decke seines Schlafzimmers – und seufzte. Er sah Marie schon gar nicht mehr dabei zu, wie sie ihre Sachen zusammenkramte und dann zur Tür tippelte, von wo aus sie ihm noch einen Luftkuss zu warf, bevor sie hinaus in die Nacht verschwand. Er seufzte erneut, als er draußen den Motor ihres Smarts anspringen hörte.
  Am Anfang hatte es ihm nichts ausgemacht das ganze geheim zu halten, schließlich war es nicht unüblich Beziehungen nicht gleich heraus zu posaunen noch bevor sich alles gefunden hatte. Aber jetzt nach fast drei Monaten hatte sich alles mehr als gefunden und wenn Christian ehrlich war, war er schon nach zwei Wochen bereit gewesen, offen mit der Sache umzugehen. Das hatte er Marie damals auch so gesagt, aber es war ihr egal gewesen. Gut, nicht direkt egal, sie hatte sich nur sehr viele Sorgen gemacht, was ihr Bruder davon halten würde, war er doch wahrhaft überfürsorglich, wenn es um das Liebesleben seiner kleinen Schwester ging. Und so hatten sie es erst einmal geheim gehalten.
  Zunächst hatten sie sich meist im Times Square getroffen, als sie jedoch einmal fast Frau Stockl und ein weiteres Mal Herrn Dr. Heppt  in die Arme gelaufen wären, änderten sie ihre Routine und trafen sich meistens direkt bei Christian, kochten dort gemeinsam, ließen sich etwas kommen oder übersprangen das essen komplett. Wenn man das hörte, klangen ihre Dates – wenn man sie überhaupt wirklich so nennen konnte – ganz romantisch, doch das waren sie nicht. Und je mehr Zeit verging, desto mehr kam sich Christian vor wie eine billige Affäre und das hatte er ihr gesagt – letzten Monat – doch keine Chance. Korbinian - als würde der sich nicht auch irgendwann wieder einkriegen – Vincent – der war ja eigentlich alt genug – der Stadtrat – Christian hatte nie erfahren, was das überhaupt damit zu tun hatte – und was noch alles für Gründe kamen, von denen er bei der Hälfte nicht einmal einen Zusammenhang sehen konnte. Aber, dachte Christian, während er sich aus seinem Bett schälte und ins Bad taperte, so kann das definitiv nicht weiter gehen.



  Christian schaute zum gefühlt hundertsten Mal auf das Deckblatt der Akte, die er gerade las. KTU-Bericht, ach ja. Heute war er überhaupt nicht bei der Sache. Herr Mohr hatte ihn auch schon mindestens fünf Mal an den Namen des aktuellen Mordopfers erinnern müssen und wenn er so darüber nachdachte, war er ihm schon wieder entfallen. Mit einem Seufzen ließ er seinen Kopf auf den Obduktionsbericht fallen. Vielleicht war es auch der KTU-Bericht…
  „Heid san se aba ned bei da Sach“, sprach ihn da eine Stimme von hinten an. Erschrocken fuhr Christian hoch und brachte dabei den Karton mit den Habseligkeiten des Toten, der neben ihm Stand, ins Wanken. Hätte Herr Mohr, der ihn eben von hinten angesprochen hatte, nicht so schnell reagiert, hätte er auch gleich den gesamten Inhalt auf dem Boden des Büros verteilt.
  „Wie bitte?“, fragte er schließlich, nachdem alles wieder sicher Stand.
  „Heute sind sie nicht bei der Sache“, wiederholte der Polizeiobermeister. Daraufhin gab Christian nur ein unbestimmtes Brummen von sich, was seinem Gegenüber jede Muse für ein Gespräch raubte, sodass dieser wieder im benachbarten Büro verschwand und Frau Stockl bei irgendeiner Aufgabe half, die sie den beiden gegeben hatten. Tagungsteilnehmer anrufen vielleicht…
  Christian ließ den Kopf wieder auf seinen Schreibtisch fallen. Mohr hatte Recht. Er war definitiv nicht bei der Sache. Und er wusste jetzt auch, was er tun würde. Zügig fischte er sein Handy aus seiner Sakkotasche und schrieb Marie eine Nachricht: „19 Uhr, bei mir.“
  Gerade wollte er das Handy wieder einstecken, da piepste es auch schon „Freue mich!“ Na diese Freude würde ihr sicher schnell vergehen.



  Pünktlich um 19 Uhr klingelte es. Christian hatte den restlichen Tag damit verbracht zu überlegen wie er Marie gegenüber ansprechen sollte, was ihm schon seit einiger Zeit auf dem Herzen lag. Notdürftig hatte er ein paar Gemüsestreifen und einige Dips zusammengestellt und dann gewartet. Als er nun die Tür öffnete, blickte ihm eine freudig lächelnde Marie entgegen. Sie wollte ihn gleich umarmen, er wich ihr jedoch mit einigen ungelenken Bewegungen aus und schob sie dann in Richtung seines Wohnzimmers, wo sie sich auf das Sofa setzte und ihn irritiert ansah.
  „Wir müssen reden“, eröffnete er schließlich, während er auf dem Hocker auf der anderen Seite des Couchtischchens Platz nahm. Sie sah ihn weiterhin erwartungsvoll an, während sie nach einem Karottenstift griff und diesen in den Sauerrahm tunkte. „Marie, das kann so nicht weiter gehen.“ Die angesprochene ließ die Karotte, von der sie gerade abbeißen wollte, wieder sinken.
  „Was meinst du?“, fragte sie ihn und sah ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an.
  „Naja das alles“, Christian seufzte und sammelte sich kurz, bevor er weiter sprach, „Marie, das alles hat doch so wie es Momentan läuft keinen Zweck. Wir müssen irgendwie den nächsten Schritt wagen oder es ganz lassen. Mit angezogener Handbremse zu fahren, funktioniert auf Dauer nicht!“ Während er gesprochen hatte, hatte Marie von der Karotte abgebissen. Für eine Weile herrschte, von ihrem Kauen einmal abgesehen, Stille. Christian versuchte sich nicht nervös auf die Unterlippe zu beißen, während er darauf wartete, dass sein Gegenüber irgendwie auf das Gesagte reagierte.
  „Und ich dachte, wir hätten den nächsten Schritt schon gemacht“, erwiderte sie schließlich mit ernster Miene. Er warf den Kopf in die Hände.
  „Marie, du weißt, dass ich das nicht gemeint habe.“ Wieder herrschte einige Zeit, in der er auf ihre Reaktion wartete, Stille. Als sie jedoch nichts sagte, sprach er weiter: „Diese Geheimhalterei, Marie, ich komme mir langsam wirklich vor, wie dein schmutziges kleines Geheimnis. So können doch keine Gefühle entstehen!“ Er drehte sich auf seinem Hocker um und atmete laut aus. Für einige Zeit war wieder nur Maries Kauen zu hören, während sie das nächste Karottenstiftchen bearbeitete. Auf einmal kehrte Stille ein. Absolute, allumfassende Stille.
  „Du hast ja Recht“, brach Marie diese schließlich. Christian drehte sich wieder zu ihr um und sah sie überrascht an. Damit hatte er nicht gerechnet. Mit erneuten Begründungen hatte er gerechnet, mit allem, nur nicht damit. „Was machen wir jetzt?“, fragte sie schließlich weiter. Er zuckte mit den Schultern. Für alles nach seiner Rede hatte er sich keinen Plan zu Recht gelegt, hatte er ja nicht damit gerechnet, dass sie ihm zustimmen würde. Für einige Augenblicke sahen sie einander an – sahen sich richtig an – sahen einander in die Augen, zum ersten Mal an diesem Abend, in dieser Woche. „Freunde?“, fragte sie schließlich mit einem unsicheren Lächeln und streckte ihm über den Tisch hinweg die Hand entgegen. Einige Male sah er zwischen ihr und ihrer Hand entgegen, bevor er letztere ergriff.
  „Freunde!“
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