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Kapitulation

Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Freundschaft / P16 / Gen
Hawkeye / Clint Barton Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark
23.05.2021
05.12.2021
78
17.085
12
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Dieses Kapitel
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05.12.2021 630
 
LXXXII

Warum quälen ihn die Ewigen Mächte nur so? Denn für Tony ist die Zeit auf der Farm nichts anderes als pure Folter.
Das Letzte, was Pepper ihm versprochen hat, war Ruhe. Für einen winzigen Moment und ein Jahr hat er tatsächlich Ruhe gehabt. Zumindest ist er sich nichts anderem bewusst gewesen. Bis zu dem Augenblick, als er irgendwo im Nirgendwo aufgetaucht ist.
Er will sich für Clint freuen, wenn dieser mit seinen Kindern spielt. Will dankbar dafür sein, dass Laura Clint zurückhat. Will erleichtert sein, dass sie alle noch hier sind.
Aber er kann nicht. Er kann einfach nicht.
Und das liegt nicht daran, dass er auch den Weg sieht, der noch vor Clint und seiner Familie liegt. Tony sieht, dass Clint sich noch nicht traut, bei Laura oder in der Nähe der Kinder einzuschlafen; er schließt sich jede Nacht in einem eigenen Zimmer ein.
Clint braucht Zeit. Das versteht Tony. Was er nicht versteht: Was soll er tun? Er will Clint nicht sagen, dass er sich nicht so anstellen soll. Denn er versteht, warum Clint tut, was er tut.
Tony würde nicht anders handeln, wenn er an seiner Stelle wäre.
Aber solche Gedanken sind sinnlos. Denn Tony ist tot.

LXXXIII

Am sechsten oder siebten Tag spricht er mit Clint, als dieser sich - entgegen dem ausdrücklichen ärztlichen Rat - körperlich betätigt, indem er eine Reparatur am Traktor vornimmt.
„Ich kann dich ganz gut ausblenden“, sagt Clint unter dem Traktor her.
„Na, da danke ich“, frotzelt Tony.
„Soll ich dir die Hand auflegen?“, feixt Clint, und Tony kann nicht anders, als froh und erleichtert darüber zu sein, dass Clint wieder mehr Ähnlichkeit mit dem Clint Barton hat, an den Tony sich aus der Zeit vor Thanos erinnert.
Als Tony nicht antwortet, rappelt Clint sich auf. „Was schlägst du vor?“, fragt er und wischt sich die Hände an einem bereits ölbefleckten Lappen ab.
„Ich hab keine Ahnung“, gesteht Tony und hasst das Eingeständnis. Er hat sich zu seinen Lebzeiten nie mit dem Übersinnlichen beschäftigt. Geister und Co. waren nie von Interesse für ihn. Er hat sich um greifbarere Dinge gekümmert.
Clint sieht nachdenklich dorthin, wo er Tony vermutet. Und wo Tony nicht ist - bis er sich genau dahin stellt.
Und dann sieht Tony förmlich die Glühbirne über Clints Kopf aufgehen.
„Was hast du vor?“
Clint lächelt. „Warte ab! Wenn das klappt, dann hab ich das perfekte Weihnachtsgeschenk für einen Geist.“
Tony verdreht seufzend die Augen.

LXXXIV

Zwei Tage später sitzt Clint vor dem Laptop in der Küche. Laura und die Kinder sind letzte Besorgungen für Weihnachten erledigen.
„Tony, bist du hier?“
„Wo soll ich denn sonst sein?“, grantelt Tony.
Clint beantwortet die Gegenfrage nicht. „Komm mal her und sei leise.“
„Du bist der einzige, der mich hört“, erinnert Tony ihn, tritt jedoch neben ihn.
„Ja, aber ich will meine Gesprächspartnerinnen gleich nicht irritieren“, sagt Clint kryptisch. „Und du willst das auch nicht.“
„Was -“ Weiter kommt Tony nicht, denn auf dem Bildschirm baut sich ein Videoanruf auf.
Pepper und Morgans fröhliche Gesichter erscheinen auf dem Bildschirm.
Selbst wenn Tony wollte, er bekommt keinen Ton heraus. Er kann nur zuhören, wie Clint nach Morgans Schule und ihren Weihnachtswünschen fragt. Wie er mit Pepper kurz über Gott und die Welt redet, bevor Morgan unbedingt ein Bild zeigen will.
Ein Bild für den Weihnachtsmann.
Ein Bild, das ihre Mama und ihren Papa und natürlich sie selbst - und Gerald, das Alpaka zeigt.
Tony merkt nicht, wie er immer ruhiger wird. Wieder ruhig wird.
Clint bemerkt nicht, wann er schließlich allein ist.
Als er den Laptop ausschaltet, hört er Laura und die Kinder ins Haus zurückkehren.
Clint lächelt. „Danke“, sagt er leise. „Mach’s gut, Tony.“

ENDE

+ + +
A/N: Vielen Dank fürs Lesen. Ich hoffe, euch hat die Geschichte gefallen. Wir sehen uns! :D
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