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Kapitulation

Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Freundschaft / P16 / Gen
Hawkeye / Clint Barton Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark
23.05.2021
05.12.2021
78
17.085
12
Alle Kapitel
140 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
28.11.2021 1.022
 
A/N: Weil heute der 1. Advent ist, gibt's 5 Kapitelchen auf einmal.

* * *

LXXI


Mitten in der Nacht steht Clint angezogen an seinem Bett und packt eine kleine Tasche.
„Das ist nicht dein Ernst“, kommentiert Tony seine Handlung.
Clint zögert den Bruchteil eines Augenblicks, aber das ist die einzige Reaktion.
„Tu das nicht, Clint“, bittet Tony, denn er ahnt, was sein Freund vorhat.
Clint packt schweigend weiter.
„Laura und die Kinder vermissen dich.“
Clint schüttelt den Kopf.
„Was immer passiert ist - Laura ist bereit, dir alles zu verzeihen.“ Tony greift ins Blaue - und wird persönlich, als er sieht, dass seine Worte einen Einfluss auf Clint haben. „Wirf das nicht weg.“ Er erinnert sich an die vielen, vielen Chancen, die Pepper ihm gegeben hat. Und fühlt nichts als Liebe für sie und Morgan.
Clint hält im Packen inne und setzt sich schwer und mit hängenden Schultern aufs Bett. „Du hast keine Ahnung, was ich getan habe.“
„Nichts, was Laura und die Kinder nicht glücklich sein lässt, dass du da bist.“
„Du hast keine Ahnung“, wiederholt Clint leise und kämpft gegen die Bilder in seiner Erinnerung an.
Tony ahnt zumindest, dass es etwas - in Clints Augen offenbar unverzeihlich - Schlimmes gewesen sein muss. Ahnt, dass er fragen sollte.
Er muss nicht fragen. Clint kann nicht länger schwiegen.

LXXII

Die Worte bluten förmlich aus Clint heraus.
Tony sitzt neben ihm auf dem Bett, berührt ihn nicht. Fühlt seinen Schmerz dennoch, als wäre es sein eigener. Zu gut erinnert er sich an die Zeit, als er von Alpträumen geplagt aus dem Schlaf geschreckt ist und Pepper oft genug mehr als nur erschreckt hat. Eine Zeit, in der er versucht hat, mit dem absolut Nötigsten an Schlaf auszukommen - und das nicht in ihrer Nähe.
An Flucht hat Tony nie gedacht. Zumindest nicht an eine Flucht, die ihn allzu weit von Pepper fortgebracht hätte. Natürlich hat er sich nicht mit der Situation zufrieden gegeben. Sie haben geredet, er hat nach Möglichkeiten gesucht, die Sache in den Griff zu bekommen.
Gemeinsam lautete das Stichwort.
Wenn Tony sich nicht sehr täuscht, dann hätten Worte zwischen Clint und Laura eine Flucht verhindert. Aber das ist Vergangenheit. Für Clint - und auch für Laura und die Kinder - ist wichtig, was jetzt und in der Zukunft geschieht.
Laura hat ihre Entscheidung getroffen. Soviel ist für Tony deutlich geworden.
Auch die Kinder wissen, dass ihre Familie nur vollständig ist, wenn ihr Vater wieder bei ihnen ist.
Nur Clint hat Zweifel. Zweifel, die Tony zwar versteht, aber für unbegründet hält.

LXXIII

Tony gibt Clint Zeit. Nicht zu viel, denn er weiß, dass der andere sich in etwas Unnötiges und Unschönes verrennen wird, wenn er zu viel nachdenkt.
„Laura hat ihre Entscheidung getroffen“, sagt Tony deshalb.
„Und ich meine“, versetzt Clint und will aufstehen - unzweifelhaft, um mit dem Packen fortzufahren. Aber er muss sich wieder auf das Bett zurücksinken lassen. Die emotionale wie körperliche Anstrengung haben ihn erschöpft.
Wieder muss Tony nicht die Verbindung zwischen ihnen bemühen, um zu wissen, was in Clint vorgeht. „Die Kinder vermissen dich und - “
„Ich kann das nicht!“, sagt Clint heftig. „Ich kann ihnen nicht wehtun!“
„Wirst du nicht!“, ist Tony sich absolut sicher.
„Aber -“
„Rede mit ihnen“, unterbricht Tony ihn. „Wenn sie verstehen, was passiert ist, dann -“
„Nate ist fünf!“
„Alt genug, damit er versteht, was passiert“, behauptet Tony und verbietet sich, an Morgan zu denken.
Clint schüttelt schweigend den Kopf.
„Ich würde alles dafür geben, zu Pepper und Morgan zurückkehren zu können“, sagt Tony, bevor er sich zurückhalten kann. Er will Clint kein schlechtes Gewissen für etwas machen, das er nicht ändern kann und an dem er keine Schuld trägt. Aber etwas sagt ihm, dass er dafür sorgen muss, dass Clint zu seiner Familie zurückgeht.

LXXIV

Der Gedanke ist so wahnsinnig verführerisch: Morgen mit Laura und den Kindern zur Farm zurückfahren. Weihnachten. Ruhe. Und das für eine sehr lange Zeit.
Clint weiß, dass er nicht einfach kleinbegeben wird und kann. Er kann nicht einfach aufhören, ein SHIELD-Agent und Avenger zu sein. Vielleicht bessert sich sein Zustand. Vielleicht kommt er wieder in Form. Vielleicht wird er wieder auf Missionen gehen.
Er will nicht daran denken, was mit ihm geschieht, wenn es anders läuft.
Er will auch nicht darüber nachdenken, was Laura gesagt hat. Will sich keine Hoffnung machen. Will nicht an eine Zukunft glauben, deren Nichteintreffen schmerzhafter sein wird, als es die Gegenwart ist.
Tonys Worte - die Sehnsucht und Trauer, die Clint aus ihnen heraushört - wiegen schwer. Clint weiß nicht, wie er reagieren soll. Tony hat seine Entscheidung getroffen, muss mit den Konsequenzen leben.
Dies ist der Punkt, der Clint schließlich seine Entscheidung überdenken lässt.
Tony lebt eben nicht. Tony hat für seinen Entscheidung mit dem Leben bezahlt. Tonys Entscheidung bedeutet, dass Pepper und Morgan ihn nie wieder sehen werden. Morgan wird ohne ihren Vater aufwachsen.
Clint wird erst jetzt wirklich bewusst, dass er das für seine Kinder nicht möchte. Nicht, wenn er es verhindern kann.

LXXV

Tony ist froh, als Clint damit beginnt, die Tasche wieder auszupacken. Nur kurz überlegt er, ob er sich entschuldigen sollte.
„Wie geht es jetzt mit dir weiter?“, fragt Clint.
„Ich weiß nicht“, weicht Tony aus. „Vielleicht kannst du dir ein zweites Standbein als Medium aufbauen und ich helfe dir dabei.“ Seine Worte sind bewusst lapidar dahingesagt. Aber ein wenig fürchtet er doch, was kommt. Denn falls die Familienzusammenführung der Bartons wirklich das Ziel seiner Heimsuchung gewesen sein sollte, dann hat er seinen Auftrag als Engel auf Erden doch erledigt, oder nicht?
„Hast du denn schon andere Geister gesehen?“
Tony erzählt ihm von seiner Begegnung mit Josh.
„Dass du ausgerechnet ihm begegnest -“
„Vielleicht ist er mein nächster Auftrag“, vermutet Tony.
„Ich muss auf jeden Fall Kontakt mit Alice aufnehmen und mich bei ihr bedanken.“
„Entschuldigen sollten wir uns auch“, gibt Tony zu bedenken. „Immerhin haben wir sie in Gefahr gebracht.“
„Das auch“, gibt Clint mit einem leisen Seufzen zu. Er verzichtet darauf, Tony daran zu erinnern, dass sie nicht in Gefahr gewesen wären, wenn Tony Clint und sich selbst nicht unbedingt förmlich vor Alices Auto geworfen hätte.
Aber Danksagen und Entschuldigen hat Zeit bis zum Morgen, denkt Clint und gähnt herzhaft.
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