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Vengeance is an idiot's game

GeschichteLiebesgeschichte, Action / P18 / Het
Arthur Morgan Charles Smith Dutch van der Linde John Marston Mary-Beth Gaskill Sadie Adler
23.05.2021
09.09.2021
24
87.140
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23.05.2021 3.309
 
"Darf ich vorstellen, das ist meine bezaubernde Frau Ava!", hörte ich meinen Ehemann stolz sagen, als er mich zu dem nächsten Pärchen geführt hatte, welches mich von oben bis unten musterte.
Vor allem der kräftige Mann, welcher aufgrund seiner grauen Haare und den vielen Falten im Gesicht schon ziemlich alt sein musste, begaffte mich von oben bis unten.
Ich starrte bloß auf seine weiße Fliege und versuchte mir nicht anmerken zu lassen, wie unwohl ich mich in Wahrheit fühlte.
"Sehr erfreut! Mein Name ist Hobert Crawley und dieses hinreißende Täubchen hier ist meine Ehefrau Brenda."
Er legte seinen Arm um ihre Taille und die unfassbar junge Frau machte einen leichten Knicks, wobei sie ebenfalls so wirkte, als wäre sie nicht sonderlich glücklich.
"Gleichfalls."
Ich zeigte gleichermaßen einen vorzeigbaren Knicks, so wie ich ihn bereits seit meiner Kindheit gelernt hatte.
Es kam mir dennoch komisch vor, dass eine so junge Frau mit so einem alten Mann verheiratet war.
Auch ich war mit vierundzwanzig noch sehr jung und mein Ehemann war auch einige Jahre älter, aber bei weitem nicht so alt, wie dieser Mister Crawley.

Während er und mein Mann in ein Gespräch gerieten und Crawleys Frau immer noch von ihrem Gatten an ihn gepresst wurde, schaute ich mich ein wenig um.
Mein Vater hatte gefühlt ganz Saint-Denis zu seiner Gartenparty im Anwesen des Bürgermeisters eingeladen und überall, wo man hinsah, tummelten sich kleine Grüppchen oder Pärchen, die sich unterhielten, lachten und an ihren Sektgläsern nippten.
Das Gebäude und der bepflanzte Vorgarten waren aber auch gigantisch groß und an jeder Ecke fand man Tische, die vollgestellt mit Köstlichkeiten waren, oder Kellner, die mit überfüllten Tabletts umherschwirrten, um leere Gläser einzusammeln oder volle Gläser zu verteilen, damit auch gar jeder hier bloß nicht verdurstete.

Als ich nach oben blickte, erkannte ich die vielen Lichtergirlanden, welche über den gesamten Gartenbereich verteilt aufgehängt waren.
Außerdem ertönte unweit hinter mir eine melodische Musik, welche von einer Band gespielt wurde, die sich in einem Gazebo aufhielt, an dem ebenfalls Lampen befestigt waren.
Es war wirklich alles eine riesige Aufmachung und sollte die Leute hier wohl beeindrucken.
Mich dagegen widerte es einfach nur an.
Die gespielte Nettigkeit der Menschen und ihre grinsenden Visagen während sie innerlich vermutlich einem die Pest an den Hals wünschten.
Doch mein Vater mochte solche Veranstaltungen und stand gerne im Mittelpunkt.
Ich akzeptierte das, denn ich es gab weitaus schlimmeres als das hier, dessen war ich mir bewusst.
Auch ich hatte am heutigen Abend meine Maske aufgelegt und strahlte über beide Ohren so gut ich nur konnte.

Auf einmal hörte ich, wie es ganz in der Nähe laut wurde und als ich meinen Kopf zur Seite riss, erkannte ich, wie ein fremder Mann, welcher sehr groß und muskulös wirkte, einen anderen packte und von einer Gruppe Männer wegzog, die an einem großen mehrstöckigen Springbrunnen standen.
Ich bemerkte, dass auch der Bürgermeister unter ihnen war.
Da der Muskulöse mit dem Rücken zu mir gewandt war, konnte ich sein Gesicht nicht sehen.
"Sie sind ziemlich betrunken mein Freund. Sie gehen jetzt besser", hörte ich die raue Stimme des Unbekannten zu dem offenbar betrunkenen Gast sagen, als sie aus meinem Blickfeld verschwanden.

"Ava! Hast du nicht gehört?", vernahm ich urplötzlich die unterschwellig gereizte Stimme meines Gatten.
Sofort drehte ich mich wieder herum und blickte in das fragende Gesicht von Crawley.
"Mister Crawley hat dich gefragt, wie es dir hier gefällt."
Augenblicklich entschuldigte ich mich für meine Unaufmerksamkeit und beantwortete seine Frage mit "Es ist wunderschön hier".
Lügen fiel mir unglaublich leicht und das nutzte ich bei jeder freien Gelegenheit, damit niemand sehen konnte, was ich wirklich fühlte oder dachte.

Denn das Leben mit meinem Mann war nicht so rosig, wie es für andere vermutlich den Anschein machte.
Dabei hatte ich ihn vor sechs Monaten aus freien Stückenden geheiratet und bis dahin war er auch sehr nett gewesen.
Doch nach der Hochzeit hatte er angefangen sich zu verändern und mein Leidensweg hatte begonnen.
Geliebt hatte ich ihn nie richtig, aber ich hatte an dem Glauben festgehalten, dass es eines Tages so sein würde.
Der Hauptgrund jedoch, dass ich in die Heirat eingewilligt hatte, war mein Vater gewesen.
Er hielt viel von meinem Ehemann und ich hatte ihn einfach stolz machen wollen.
Das war er jetzt auch, aber ich dagegen löste mich von Tag zu Tag mehr in meine Einzelteile auf und mein Körper glich zunehmend bloß noch einer leblosen Hülle, die für Anlässe wie dies einer war, fein herausgeputzt wurde.
Mein Vater wusste von alldem nichts, denn ich wollte ihn nicht unglücklich sehen oder enttäuschen.

Als ich schließlich meinen Ehemann ansah und sich unsere Blicke trafen, erkannte ich die Wut in seinen Augen und schluckte daraufhin schwer.
Dank meiner kurzen Unaufmerksamkeit konnte ich mir jetzt schon genau ausmalen, was mir heute Abend blühte, wenn wir wieder zu Hause waren.
Gehorsamkeit stand bei meinem Gatten an oberster Stelle und das er mich gerade hatte ermahnen müssen, war in seinen Augen etwas, was bestraft werden musste.
Gedanklich bereitete ich mich also schonmal auf eine unangenehme Nacht vor.
Wir verabschiedeten uns von dem Paar und gingen zu den nächsten Leuten, bei denen ich ebenfalls vorgestellt wurde und das gleiche Prozedere vonstattenging wie bei Crawley und seiner Frau.

Die meisten Menschen hier waren mir fremd.
Das lag daran, dass ich vor meiner Ehe fast ausschließlich zu Hause bei meinem Vater gewesen war und er mich bei Anlässen nur selten mitgenommen hatte.
Seit der Hochzeit jedoch schleifte mich mein Mann ständig mit, um mich allen auf einem Silbertablett zu präsentieren, so als wäre ich irgendeine Trophäe.
Als wenn nicht schon genug Abzeichen und Orden an seinem Anzug angebracht wären.
Ich hatte also mittlerweile schon einige reiche Menschen kennengelernt auf den verschiedensten Anlässen, jedoch überstieg diese Party alles, was ich bisher gesehen hatte.
Doch mir imponierte das alles nicht... ich fand es eher erdrückend und aufgesetzt.
Ich fühlte mich ein wenig, wie in einem goldenen Käfig.

Eigentlich sollte ich dankbar dafür sein, dass ich dieses Leben lebte und das Glück hatte einen reichen mächtigen Mann als Vater zu haben, doch das war ich nicht... nicht seitdem mein Traum zu einem Alptraum geworden war, indem ich einen Mann blind geheiratet hatte.
Doch nun war es zu spät...
Mein Vater hatte immer alles für mich getan und es hatte mir an nichts gefehlt und nun war es meine Pflicht als seine Tochter ihm das irgendwie zurückzugeben und ihn nicht in einem schlechten Licht dastehen zu lassen.
Dazu gehörte eben auch meinem Mann eine gute gehorsame Frau zu sein.

Seufzend wagte ich es über meine Schulter nach oben Richtung Balkon zu schauen, um einen Blick auf meinen Vater zu erhaschen, als mein Gatte uns zu dem nächsten Pärchen führte.
Er unterhielt sich mit einigen seiner Freunde und lachte laut.
Doch dann sah er zu mir und winkte sofort grinsend, als er wohl bemerkte, dass ich ihn anschaute.
Ich musste mich einfach zusammenreißen... für meinen Vater...
Vor allem, weil meine Mutter vor fünf Jahren an einer schweren Krankheit verstorben war und ihn das schwer mitgenommen hatte.
Zu sehen, wie stolz er auf mich war und wie glücklich ich ihn scheinbar machte, bedeutete mir alles und das zählte für mich.
Ein Lächeln umspielte meine Lippen und ich konzentrierte mich daraufhin wieder auf das nächste Paar, welches mich offenbar noch vom Kleinkindalter kannte.
Zwar erinnerte ich mich keineswegs an sie, doch ich ließ mir nichts anmerken und tat so, als freute ich mich riesig die beiden wiederzusehen.

Nach weiteren Aufeinandertreffen mit den unterschiedlichsten Gesichtern, begann es plötzlich laut zu knallen und als ich in den Himmel blickte, begann ein atemberaubend schönes Feuerwerk.
Tatsächlich sah ich dieses Spektakel gerade zum ersten Mal mit eigenen Augen.
Die verschiedensten Lichter entstanden in der Schwärze des Nachthimmels in satten Farben und erleuchteten die Atmosphäre.
Die Farben glitzerten, schimmerten und vermischten sich miteinander, da immerzu mehrere Feuerwerkskörper gleichzeitig abgeschossen wurden.
Mit großen Augen beobachtete ich dieses faszinierende Lichterschauspiel, während mein Gatte seinen Schnauzbart zwirbelte und sich mit einem Mann unterhielt, den ich nicht kannte.
Wenigstens einen kleinen Moment an diesem Abend konnte ich genießen.

Plötzlich erkannte ich, wie ein Mann mit Schwarzen Haaren und Zylinder einem anderen mit dunkelblonden Haaren etwas zuflüsterte.
Beide standen zusammen ein paar Meter vor mir und ich konnte bloß ihre Rückseiten sehen.
Dann drehte sich der Dunkelblonde um und kam direkt in meine Richtung.
Es war der Fremde, der vorhin den Betrunkenen von der Gruppe weggezogen zum Ausgang gebracht hatte.
Nun sah ich das erste Mal sein markantes Gesicht und vernahm stechend blaue Augen, die mich ernst musterten und dann von mir hinüber zu meinem Ehemann wanderten.
Als er mich passiert hatte, widmete ich mich wieder dem Feuerwerk und dachte darüber nach, dass dieser Kerl gar nicht so aussah, wie die anderen hier.

Klar, er hatte einen Anzug an, aber er sah eben... nicht so schmierig und schnöselig aus.
Er hatte fast eher so auf mich gewirkt, als wäre er gar nicht steinreich, sondern hätte sich den Anzug irgendwo geklaut und sich heimlich unter diese Leute hier gemischt.
Was für eine absurde Vorstellung...
Ich verwarf den Gedanken wieder, als die Lichter am Himmel langsam verschwanden und ein lauter Applaus meine Gehörgänge vibrieren lies.
Nun war ein geeigneter Augenblick, um auf die Toilette zu gehen, denn ich hatte bereits seit einer gefühlten Ewigkeit eine volle Blase.

"Alberto? Liebling, würdest du mich bitte einen Moment entschuldigen, ich werde mal kurz das Badezimmer aufsuchen und mich frisch machen", sagte ich künstlich nett und blinzelte ihn fragend an.
Er wandte sich mir mit kritischem Blick zu und nickte bloß stumm, woraufhin ich mich dezent vom Geschehen entfernte.
An seiner Art mir gegenüber konnte ich genau feststellen, dass er nach wie vor erbost war.
Wieder graute es mir vor dem Moment, wenn wir nachher zu Hause ankommen würden.
Man mochte es kaum glauben, aber manchmal hatte er auch seine guten Seiten.
Wenn ich ihm gehorchte und mich richtig verhielt, konnte er auch wirklich nett sein.

Was allerdings die Erlebnisse im Ehebett betraf, musste ich zugeben, dass er nahezu immer sehr grob und nur auf seine Befriedigung bedacht war.
Als ich ihn am Anfang einmal vorsichtig darauf angesprochen hatte, war er sofort laut geworden, hatte seine Hand gegen mich erhoben und gemeint, das wäre eine unglaublich dumme Frage.
Dass ich ja wohl wissen müsste, dass der Beischlaf nicht zur Befriedigung oder Lust diene, sondern nur dazu, um Kinder zu zeugen.
Dabei hatte ich bei ihm jedes Mal das Gefühl, dass er sehr wohl Befriedigung empfand, wenn er nach meist nur ein oder zwei Minuten mit einem krächzenden Stöhnen kam und sein Gesicht zu einer bescheuerten Grimasse verzog.

Ich schmunzelte bei dem Gedanken, denn auch, wenn ich bis dato Geschlechtsverkehr nur als unangenehm empfunden hatte, so sah seine Visage bei seinem Höhepunkt immer unglaublich komisch aus.
Dabei war das Ganze alles andere als witzig und ich wünschte mir jeden Tag, ich hätte die Entscheidung niemals getroffen ihn zu heiraten, aber es war nicht mehr änderbar.
Doch gleichwohl erfreute ich mich an diesem Anblick... Vielleicht war es eben meine Art damit umzugehen.
Außerdem ging es anderen Frauen mit Sicherheit noch viel schlechter als mir... ich hatte also keinen Grund mich zu beschweren.

Als ich nach dem Toilettengang meine Hände wusch, betrachtete ich mich in dem überdimensional großen Spiegel.
Meine braunen leicht lockigen Haare waren in einer komplizierten Hochsteckfrisur verpackt.
Einige Haarsträhnen hatten sich jedoch bereits herausgelöst und hingen an meinen Wangen hinunter.
Ich liebte meine Haare.
Dagegen sahen meine smaragdgrünen Iriden leblos aus und als ich lächelte, konnte ich sehen, dass es nicht meine Augen erreichte.
Würde es mit Alberto jemals besser werden?
Oder musste ich diesen Leidensweg bis an mein Lebensende ertragen?
Wieder ermahnte ich mich, mich selbst nicht so zu bemitleiden, denn mir ging es im Vergleich zu anderen wirklich gut.

Schwer die Luft ausatmend drehte ich den vergoldeten Wasserhahn zu, trocknete meine Hände und strich daraufhin mein mit Perlen besetztes saphirblaues langes schulterfreies Kleid glatt, welches von der Hüfte abwärts sehr ausfallend war.
Dann zog ich mir das schimmernd weiße Seidentuch nochmal enger über die Schultern, sodass meine Haut dort vollständig bedeckt war.
Als ich mir zu guter Letzt nochmal einen Blick in den Spiegel erlaubte, blieben meine Augen an der weißen Perlenkette um meinen Hals haften, welche mir meine Mutter ein Jahr vor ihrem Tod geschenkt hatte.
Sie bedeutete mir sehr viel und irgendwie verband sie mich mit ihr.
Mit meinem schlanken Zeigefinger fuhr ich über die einzelnen Perlen und musste einen Kloß im Hals hinunterschlucken.
'Und weiter geht der Kampf', dachte ich mir und verließ geradewegs den Raum.

Ich war keine zwei Schritte gelaufen, da tauchte aus dem Nichts dieser Hobert Crawley vor mir auf und grinste mich gierig an.
Angewidert wich ich einen Schritt zurück, versuchte dabei aber dennoch meine freundlich aufgesetzte Miene aufrechtzuerhalten.
"Oh entschuldigen Sie, ich habe Sie nicht kommen sehen, mein Fehler!", witzelte ich gespielt und machte eine beiläufige Handbewegung.
"Nein, aber ich wollte sowieso zu Ihnen!".
Das Unterschwellige in seiner Stimme jagte mir ein Schauer über den Rücken.
"Zu mir? Ich war mich nur frisch machen und wollte gerade zu meinem Mann zurück. Wie kann ich Ihnen denn behilflich sein?"
"Ich werds Ihnen zeigen meine Liebe", raunte Crawley nun und in seinen Augen konnte ich erkennen, dass er nichts Anständiges im Sinn hatte.

Leider bestätigte sich meine Befürchtung, als dieser alte Sack anfing mich zu betatschen und mich gegen die Toilettentüre drückte, welche sich hinter mir befand.
"Mister Crawley, lassen Sie das bitte. Sie sind verheiratet, genauso wie ich!", versuchte ich es auf die ruhige höfliche Art, obwohl ich innerlich vor Panik, aber auch Wut kochte.
Sollte ich nach Hilfe schreien?
Aber dann würden es vermutlich zu viele Menschen mitkriegen und am Ende würde ich Gesprächsthema Nummer eins sein.
Das würde Alberto bestimmt nicht gefallen und wer weiß, vielleicht würde er mir nicht glauben und denken, ich hätte diesen Typen verführen wollen.
Was würde er wohl dann mit mir anstellen?
Nein, ich musste hier irgendwie selbst rauskommen!

Crawley, welcher einige Zentimeter kleiner war als ich, grabschte mir nun rabiat an die Brust und hinterließ sabbrige Küsse an meinem Hals.
Ich versuchte ihn von mir zu drücken, doch so dick und schwer wie er war, hatte ich mit meinem Fliegengewicht gegen ihn keine Chance.
Mein Geduldsfaden riss jedoch, als er versuchte mit seiner Hand unter mein Kleid zu kommen.
"Mister Crawley, lassen Sie mich verdammt nochmal in Ruhe, Sie mieses Schwein!", brüllte ich nun und presste ihn mit einem Ruck von mir, was mir unerwarteterweise nun auch gelang.
Kurz blickte er verwirrt drein, doch im nächsten Wimpernschlag schlug er mir mit der flachen Hand ins Gesicht, sodass mein Kopf zur Seite flog und ich meine brennende Wange festhielt.

"So redest du nicht mit mir Weibsstück, hast du mich verstanden!?"
Er war also auch einer, der Frauen schlug.
War etwa wirklich jeder Mann so auf dieser Erde?
Es reichte mir!
"Sie mieses Arschloch!", brachte ich bloß zornig heraus.
Verdammt, wo blieben meine Manieren?
So hatte mich mein Vater nicht erzogen, aber dieser Kerl brachte mich einfach dazu diese Wörter laut auszusprechen.
Erneut erhob der alte Mann die Hand und ich zuckte schreckhaft zusammen, doch ehe ich mich versah, tauchte ein weiterer Mann vor meinen Augen auf, griff grob nach Crawleys Handgelenk und riss ihn gewaltsam zu sich herum.

"Was auch immer Sie da gerade vorhatten Freundchen... Vergessen Sie es ganz schnell wieder und verschwinden Sie oder Sie bekommen heute Nacht Besuch!", ertönte aus heiterem Himmel die tief drohende Stimme des Mannes und ich erkannte, dass es er Fremde mit den stechend blauen Augen war.
Mein Retter schubste den Fiesling von mir weg und stellte sich dann schützend vor mich.
Dadurch, dass er ein ganzes Stück größer war als ich, lugte ich mit dem Kopf an ihm vorbei, um Crawleys Reaktion zu erhaschen.
Er schien Anstalten zu machen noch etwas zu sagen, hielt aber dann inne, als sein Blick zu der Hand des Fremden wanderte, welche sich fest zur Faust ballte.
"Worauf wartest du noch!? Ich sags nicht nochmal und denk nicht mal dran das irgendjemandem zu erzählen Crawley!!!"
Diesmal knurrte der mir Unbekannte seine Worte bloß noch und sein ganzer Körper schien sich zu versteifen.
Ohne mich nochmal eines Blickes zu würdigen, drehte sich der Dicke rasch um und lief, so schnell ihn seine kurzen Beine tragen konnten, Richtung der großen Halle, über die man nach draußen in den Garten gelangte.

Als der Spuk vorbei war, wandte sich mir der Fremde zu und unsere Blicke trafen sich.
Dass er mich so anstarrte, bereitete mir Unbehagen und ich schaute schnell zur Seite.
"Geht's Ihnen gut Miss? Hat er Ihnen weh getan?"
Plötzlich legte mir der Mann unerwartet seinen Daumen und Zeigefinger um mein Kinn und drückte es sanft zur Seite, sodass meine vermutlich gerötete Wange ihm zugewandt war.
Wollte er etwa ernsthaft nachsehen, ob ich verletzt war?
Diese Ohrfeige war nun wirklich mein kleinstes Problem, aber das konnte er natürlich nicht wissen.
Perplex wich ich einen Schritt zur Seite und blinzelte ein paar Mal verwirrt, ehe ich ihn ansah.
Ich wusste, er meinte es gut und das schmeichelte mir auch, aber ich kannte diesen Mann überhaupt nicht und ich war verheiratet.
Und warum in Gottes Namen interessierte ihn mein Wohlergehen überhaupt so?
"Danke... ich... mir geht es gut...", murmelte ich und war immer noch dabei, mich wieder zu sammeln.
Durch den Abstand, der nun zwischen uns lag, konnte ich sehen, wie er mich musterte und auf einmal weiteten sich seine Pupillen, wobei er entsetzt wirkte.

Ich fragte mich, was dieses Verhalten jetzt wohl sollte.
"War er das etwa auch? Hat er Ihnen das angetan?", wollte der blauäugige Kerl ernst wissen und machte eine Handbewegung zu meinem Oberkörper.
Als ich an mir hinunterblickte, bemerkte ich, dass mir das Seidentuch von den Schultern gerutscht war und an meiner linken Schulter sowie an meinem rechten Oberarm die blau-grünen Flecken nun deutlich sichtbar waren.
So ein Mist, ich hatte für einen Moment vergessen darauf zu achten, dass dieses Tuch immer über meinen Schultern sein musste.
Zumindest hatte Alberto mir das immer wieder eingetrichtert.

Reflexartig zog ich den weißen Stoff wieder über meine Blessuren und blickte den Fremden danach an.
"Woher kennen Sie Mister Crawley eigentlich?", stellte ich ihm einfach eine Gegenfrage.
Der Mann schien seinen Kiefer anzuspannen und blinzelte kurz zur Seite.
"Na ja, ich kenn ihn nicht persönlich, wissen Sie. Hab seinen Namen hier heute Abend aufgeschnappt."
Ich realisierte, dass er Crawley also eben nur mit seinem Vornamen angesprochen hatte, um ihm Angst einzujagen und ihm das Gefühl zu geben er würde ihn kennen.
Interessante Vorgehensweise...

"Sie müssen sich so etwas nicht gefallen lassen, das wissen Sie doch Miss, oder?"
"Mrs.", erwiderte ich knapp und kurz runzelte der Unbekannte die Stirn.
"Ich bin verheiratet... und deswegen Mrs. Haben Sie vielmals Dank, aber ich muss jetzt wirklich gehen. Mein Mann fragt sich bestimmt schon, wo ich bleibe!", sagte ich in höflichem Ton und machte auf dem Absatz kehrt.
Ich musste aus dieser merkwürdigen Situation raus und Alberto würde mich bestimmt schon suchen.
Sollte er mich hier mit diesem Mann entdecken, wollte ich gar nicht wissen, was mir bevorstand.

"Warten Sie doch mal kurz. Verraten Sie mir wenigstens noch Ihren Namen?", rief mir der Fremde hinterher und ich drehte mich nochmal halb zu ihm um.
"Mein Name ist... Arthur Morgan", sagte er freundlich, als ich ihm nicht antwortete.
Er nickte leicht und seine Mundwinkel zuckten nach oben.

"Auf Wiedersehen Mister Morgan!", gab ich bloß von mir ehe ich ihm wieder meinen Rücken zuwandte und ohne mich nochmal umzudrehen davonstolzierte.
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