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Broken Home - Die fünf Sekunden meines Sommers

von Carolin-K
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Het
Ashton Irwin Calum Hood Luke Hemmings Michael Clifford OC (Own Character)
22.05.2021
22.05.2022
8
13.888
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Dieses Kapitel
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22.05.2021 2.133
 
Mitte April 2015
Mein dreimonatiges Praktikum bei dem Musiklabel Interscope Records begann hektisch. Mein Wecker hatte in der Früh nicht geklingelt, ich war in der Dusche auf dem festen Stück Seife meiner Mitbewohnerin ausgerutscht - dabei bin ich mit dem Fußgelenk umgeknickt und zu guter Letzt war ich zu spät dran.
Mit quietschenden Bremsen fuhr ich mit meinem Mountainbike um die nächste Ecke. Eine Passantin mit ihrem Hund konnte noch gerade so auf die Seite springen. Ihre Schimpftirade hörte ich noch zehn Meter weiter, doch es interessierte mich nicht. Ich durfte um keinen Preis der Welt heute an meinem ersten Arbeitstag zu spät kommen. Das würde sich nicht gut auf mein Praktikum und mich auswirken.
Etwa fünf Minuten später fuhr ich in die Colorado Avenue in Santa Monica. Die Sonne schien mir von vorne direkt ins Gesicht und blendete mich. Halb blind lenkte ich mein Fahrrad quer über die Straße zu meinem Ziel, ein sechs Stockwerke hoher Gebäudekomplex, in einem verwaschenen Rot und Beige gestrichen.
Ich hörte das Quietschen von stark bremsenden Reifen und ein Auto, dass mehrmals hintereinander hupte. Erschrocken zuckte ich zusammen. Es ertönte ein Knall, als die Motorhaube eines dunklen SUVs mein Fahrrad streifte. Ein schmerzhafter Ruck durchzog meinen Körper und ich wurde zu Boden geschleudert. Panisch schloss ich die Augen, sah das Leben vor meinem inneren Auge vorbeiziehen.      Jetzt war es vorbei! Das war meine Strafe, dass ich alles kaputt machte! Ich schluckte. Betete still zu Gott, obwohl ich nicht gläubig war. ICH WOLLTE HEUTE NICHT STERBEN!!!
Ein Schmerz durchzog mein ohnehin schon verletztes Fußgelenk. Ich spürte, wie ich anfänglich nach links auf die Seite zu kippen drohte. Meine Handinnenflächen rissen beim Aufprall auf den Asphalt auf. Stechender Schmerz breitete sich aus. Ich hatte in aller Eile heute Morgen meinen Helm vergessen, sodass mein ungeschützter Kopf Bekanntschaft mit der Fahrbahn machen musste.
Für einen Moment sah ich nichts außer Schwärze und Punkten, die vor meinen Augen herum tanzten. Ich versuchte, mich aufzurappeln, doch mein linkes Bein klemmte unter meinem Fahrrad fest. Etwas Warmes lief an meiner Schläfe hinab. Als ich dorthin fasste, färbten sich meine Fingerspitzen rot. Ich blutete. Verdammt! Das durfte doch nicht wahr sein! Konnte der dämliche Idiot nicht aufpassen? Jetzt kam ich auch noch zu spät! Leise vor mich hin fluchend versuchte ich meinen Fuß unter dem Mountainbike zu befreien. Tränen der Wut stiegen mir in die Augen.
„Ist sie tot?“ - „Lebt sie noch?“ - „Oh Gott! Ist sie verletzt?“ - „Ich wollte das nicht!“ - Fragen über Fragen prasselten auf mich ein. Kopfschmerzen setzten ein.
„Hallo? Kannst du mich verstehen?“ Ein schwarz gefärbter Haarschopf schob sich vor mein Gesicht, dessen Sicht sich von Sekunde zu Sekunde verbesserte. Die  Punkte begannen nicht mehr vor meinen Augen zu tanzen. Grüne Augen musterten mich besorgt. Ein silbernes Piercing in der rechten Augenbraue reflektierte im Sonnenlicht.
„Hey!“, flüsterte der Junge in meinem Alter, vielleicht war er auch zwei Jahre älter. Genau konnte ich es nicht einschätzen.
Drei weitere Jungs beugten sich mit besorgten Gesichtsausdrücken über mich. Ein Dunkelblonder, dessen Locken bis zu den Schultern reichten, ein weiterer Dunkelblonder, der seine Haare in einer gewissen Out-of-Bed Frisur gestylt hatte, und ein Kerl, mit schwarzen oder dunkelbraunen Haaren sowie einigen blonden Strähnen.
Grimmig funkelte ich die vier nacheinander an. Wahrscheinlich sah man meine Wutfalte zwischen den Augenbrauen, die jedes Mal zu sehen war, wenn ich wütend war. Also eigentlich recht oft.
„Habt ihr keine Augen im Kopf? Seid ihr blind gefahren? Ihr habt mich fast umgebracht!“, fauchte ich die vier Unfallverursacher an.
„Na hör mal, du bist uns doch vor das Auto gefahren! Du hattest Glück, dass Ashton noch rechtzeitig bremsen konnte!“, sprach das Augenbrauenpiercing. Der Lockenkopf, der anscheinend Ashton hieß, sah mich abschätzig an. Dennoch zerrten die vier mein Mountainbike von mir herunter.
„Rechtzeitig?“ Ich lachte einmal laut auf. „Ihr habt mein Bike und mich volle Kanne erwischt!“ Ich versuchte aufzustehen und zuckte schmerzerfüllt zusammen, als ich mein rechtes Fußgelenk belasten wollte.
„Sollen wir einen Krankenwagen rufen?“ Der dunkelblonde Lockenkopf, der sich als Fahrer des Unfallwagens entpuppt hatte, fasste mir besorgt an die Schulter.
„Nein danke!“, knurrte ich und bückte mich nach meinem Rucksack, der bei dem Aufprall von meinen Schultern gerutscht war, als mir ein stechender Schmerz, die Luft zum Atmen nahm.
„Sicher?“ Der Junge mit der Out-of-Bed Frisur hob misstrauisch eine Augenbraue. Er kaute nachdenklich auf seinem schwarzen Piercing herum, das in seiner Unterlippe steckte.
„Nein!“ Ich schulterte meinen Rucksack und nahm dem schwarz gefärbten Justin Bieber Verschnitt mit dem Augenbrauenpiercing mein zerkratztes, aber unbeschädigtes Rad ab.
„Und auf Wiedersehen!“ Ohne ein weiteres Wort ließ ich die vier vollkommen verwirrt und mit großen Augen zurück. Sollten sie doch da stehen, bis sie schwarz werden! Ich hatte einen Job zu erledigen. Ich erreichte den Eingangsbereich des Labels und schob das Bike in den Fahrradständer. Mit einem Schloss sicherte ich es vor Dieben, bevor ich leicht humpelnd und mit schmerzverzerrter Miene das Gebäude betrat.
Bevor mich jemand in diesem Moment und Aufzug sah, musste ich mich unbedingt frisch machen. Ich grüßte die Empfangsdame, die mich besorgt nach meinem Gesundheitszustand fragte.
„Mir geht es gut!“ Ich versuchte ein Lächeln. „Ich bin Josephine Walkers, die neue Praktikantin!“, stellte ich mich vor.
„Ach, herzlich willkommen!“ Die Dame lächelte erfreut.
„Sie können sich gerne eben mal frisch machen. In der Zeit sage in der Abteilung Bescheid, dass Sie da sind, okay?“ Sie deutete in einen Gang, neben ihrem Empfangsbereich.
„Dritte Tür links!“, erklärte sie noch und griff nach dem Telefonhörer. Ich dankte ihr und lief rasch in den Gang, wo ich die besagte Tür aufdrückte.
Kaum stand ich im Vorraum der Damentoilette, als ich es schaffte, meinem Spiegelbild einen Blick zu zuwerfen. Mir entkam ein entsetzter Ausruf, als ich mich im Spiegel musterte.
Aus einer Platzwunde an der Schläfe lief Blut, das langsam trocknete. Dreck zierte meine Wangen. Meine schwarze Jeans war am linken Knie aufgerissen und gab dem Begriff used eine ganz neue Bedeutung. Ich zuckte mit den Achseln. Die kaputte Hose war mein geringstes Problem. Da hatte ich mir die Aktion mit der Schere gespart.
Meine brennenden Handflächen brachten mich wieder zurück ins Hier und Jetzt. Ich bediente den Wasserhahn und ließ kaltes Wasser über die Handflächen laufen, damit Schmutz und Blut verschwanden.
Eine Toilettenspülung rauschte, dann trat eine Frau mit dunkellila gefärbten Haaren, einer an den Knien zerrissenen Jeans und einem einfachen weißen T-Shirt den Vorraum der Toilette. Sie sah mich überrascht an, doch schnell mischte sich Besorgnis in ihre Miene.
„Oh Gott! Was ist denn mit dir passiert?“ Sie wusch sich die Hände und musterte mich durch den Spiegel.
„Ich bin gestürzt!“ Ich sah sie achselzuckend an. Sie zupfte etwas Papier von der Toilettenpapierrolle und befeuchtete es. Sie ergriff meinen Arm. Ich wollte mich losreißen, da hob sie beschwichtigend ihre freie Hand.
„Hey! Ich will dir nur helfen, okay?“ Sie wartete mein Okay ab und tupfte die Wunde an der Schläfe sauber.
„Die muss zum Glück nicht genäht werden! Es ist nicht so tief! Aber ein Pflaster wäre nicht schlecht!“ Sie drehte sich einmal um sich selbst und kramte unter dem Waschtisch einen Verbandskasten hervor.
Vorsichtig klebte sie mir ein Pflaster an die Stirnseite.
„Die Schürfwunden an Händen und Knie-...“ Sie deutete auf mein aufgerissenes Knie. „-...sollten besser an der Luft abheilen! Hast du die Wunde am Knie sauber gemacht?“ Sie sah mir ins Gesicht, woraufhin ich den Kopf schüttelte.
Erneut machte sie ein Stück Papier nass, um sich vor mir hinzuknien und das Knie zu reinigen.
„So! Alles sauber!“ Sie warf alles in den Müll und verstaute den Verbandskasten wieder sorgfältig.
„Was machst du hier eigentlich?“, fragte sie nebenbei neugierig.
„Ich bin die neue Praktikantin!“, erwiderte ich.  
„Dann bist du Josephine?“ Ihre Miene erhellte sich.
„Ja, ich bin Josy“, antwortete ich ihr und fuhr mir mit einer Hand durch die dunkelblonden Haare, die mir über die Schulter fielen.
„Ich bin Crystal und die nächsten drei Monate für dich verantwortlich.“ Sie reichte mir ihre Hand.
Wir verließen den Waschraum. Crystal warf einen Blick auf ihre Armbanduhr.
„Komm, wir sind spät dran. Eigentlich solltest du zuerst zu den Chefs, jedoch wurde kurzfristig ein wichtiges Meeting einberufen, dass wir nicht verpassen sollten“, erklärte Crystal. Sie winkte der Empfangsdame zu.
„Ach perfekt Crystal, dass ihr euch schon getroffen habt!“, meinte diese aufatmend.
Wir fuhren mit dem Aufzug in den zweiten Stock. Dabei erklärte Crystal mir einiges zum Label.
„Also im ersten Stock findest du die Kantine, im zweiten die Abteilung für Recht und Wirtschaft, im dritten weitere Büros, im vierten gibt es einige Aufnahmestudios, die jedoch eher selten genutzt werden. Wir fahren in den fünften Stock zu den Konferenzräumen, die Chefetage arbeitet im sechsten Stockwerk!“ Wir erreichten den fünften Stock und stiegen aus. Crystal grüßte einige wichtig aussehende Herrschaften, die uns entgegenkamen. Wir erreichten eine angelehnte Tür auf der linken Seite, sie öffnete diese und trat ein. Ich folgte ihr, mehr oder minder begeistert. Wir ließen uns auf die beiden letzten Plätze in der hinteren Reihe fallen.
„Da nun auch Miss Leigh samt Begleitung anwesend ist-...“, erklärte ein groß gewachsener Mann, Anfang 30, mit dunkelbraunen kurzen Haaren. Seine Augen musterten mich neugierig, bevor er mir mit einem angedeuteten Lächeln zu nickte. „...-können wir ja jetzt loslegen!“ Er zog sein Jackett aus, sodass ein dunkelblaues Hemd zum Vorschein kam und ließ einen Laptop hinauffahren.
„Das ist John Janick, der Geschäftsführer, du wirst ihn später kennenlernen“, flüsterte Crystal mir leise zu.
Es saßen etwa 15 Personen um den Tisch herum verteilt.
Neugierig sah ich mich um und erkannte die vier Jungs wieder, die mich umgefahren hatten. Sie saßen nebeneinander an der Fensterseite des im Hufeisen aufgebauten Konferenztisches. Mr. Augenbrauenpiercing starrte in unsere Richtung, erkannte mich und traf seinen Kumpel Mr. Out-oF-Bed mit dem Ellenbogen in den Rippen. Dieser zuckte zusammen, warf seinem Kollegen einen Blick zu, der jedoch mit dem Kopf zu Crystal und mir nickte.
Mr. Out-of-Bed stellte sich so auffällig an, dass auch die beiden anderen ihre Aufmerksamkeit auf uns lenkten. Crystal schien die Blicke zu spüren und hob eine Hand.
Mr. Augenbraue zwinkerte ihr zu, woraufhin sie rosa Wangen bekam. Ich verfolgte das Ganze mit großen Augen .
„Und wer ist das?“, flüsterte ich nun meinerseits in ihr Ohr.
„Sag bloß, du kennst 5 Seconds of Summer nicht?“ Crystal sah mich überrascht an. Ich schüttelte den Kopf, weil mir der Name nichts sagte.
„Amnesia? She looks so perfect? Sagen dir die Songs etwas?“ Erneut schüttelte ich den Kopf. Ich interessierte mich nicht wirklich für Musik.
Normalerweise hätte ich in einem Verlag mein Praktikum abgehalten, doch dieser Platz wurde aus Versehen doppelt besetzt. In letzter Sekunde konnte mir Mr. Stayton, mein Dozent für Medienwissenschaft, das Praktikum bei Interscope besorgen. Er ist ein Freund von Mr. John Janick, dem Geschäftsführer.
Wo war ich hier nur gelandet? Ich warf den vieren einen bösen Blick zu und sah wieder nach vorne, wo der Mann im Anzug stand und um Aufmerksamkeit bat.
In den nächsten zwei Stunden wurde von Zahlen und Fakten berichtet. Einige Dokumente wurden über einen Projektor an die Wand projiziert. Mit einem Laserpointer wichtige Punkte durchgegangen. Ich unterdrückte ein Gähnen. Was war das hier für eine lahme Gesellschaft? Am liebsten hätte ich die Augen geschlossen und geschlafen. Ich hätte das Buch gestern früher beenden müssen, dann hätte ich eventuell mehr schlafen können. Aber es war einfach viel zu spannend gewesen.
Ein Blick zu Crystal zeigte mir, dass es nicht nur mir so ging. Auch sie versuchte, so gut, wie es ging, die Augen offen zu halten. Doch im Gegensatz zu mir, arbeitete sie hier.
„So-... das wäre es von meiner Seite!“, sprach John Janick abschließend und wandte sich an die vier.
„Ihr habt um 11:30 ein Interviewtermin, Raum K4.“ Die Gruppe nickte ergeben. Begeisterung sah anders aus.  
„Allen anderen wünsche ich einen guten Start in die Woche!“ Er nickte aufmunternd in die Runde, packte seine Sachen zusammen und verließ mit zwei weiteren Männern in Anzügen den Konferenzraum. Der Raum leerte sich, auch Crystal stand auf.
Doch bevor wir den Raum verlassen konnte, hielten uns die vier Jungs auf, die Crystal zur Begrüßung innig umarmten.
„Magst du uns deine Begleitung nicht vorstellen?“, fragte Mr. Augenbrauenpiercing, woraufhin Crystal erneut rot anlief.
„Jungs, darf ich euch Jo-...“, sprach sie, doch ich unterbrach sie. „Crystal, wolltest du mir nicht alles zeigen?“ Ich zog sie energisch mit mir mit. „Was ist denn mit dir los?“ Verwirrung und Überraschung lag in ihrem Blick.
„Die vier sind an meinem Aussehen Schuld. Sie haben mich angefahren!“, erklärte ich ihr aufgebracht.
„Was? Das kann nicht sein! Die vier sind super nett!“, entgegnete Crystal und sah über ihre Schulter zurück.
„War aber so!“ Ich wandte mich ab und lief ohne auf sie zu warten weiter.
„Jetzt warte mal!“ Crystal eilte mir hinterher. „Wir müssen nach oben!“, hielt sie mich zurück.
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