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Wahre Freunde

von romi
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
20.05.2021
12.08.2022
48
105.584
27
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05.08.2022 2.805
 
Hermine hatte Draco, da sie nun seit Beginn der Ferien wieder über das Notizbuch Kontakt hatten, geschrieben, dass ihr ein Kniesel zugelaufen war und ihm ein Bild von Leo geschickt, worauf er mit einem – eigentlich für ihn typischen – sparsamen Kommentar geantwortet hatte. Allerdings hatte sie sich zuerst trotzdem gewundert, weil die Unterhaltung kurz zuvor noch recht entspannt und ausgelassen gewesen war. Doch dann war ihr eingefallen, dass Draco, als sie in Gestalt von Millicent Bullstrodes Katze bei ihm gewesen war, erwähnt hatte, dass er gerne selbst eine Katze gehabt hätte, sein Vater es aber nicht erlaubte. Unter diesem Licht betrachtet war es wohl nicht undenkbar, dass seine verhaltene Reaktion ein Ausdruck von Neid gewesen war.
Es war gar nicht Hermines Absicht gewesen, so etwas bei ihm hervorzurufen. Vielmehr hatte sie sich nichts dabei gedacht. Also hatte sie das Thema schnell wieder auf etwas anderes gelenkt und ihn nach seiner Kurswahl gefragt, denn im dritten Jahr gab es einige interessante zusätzliche Fächer, die man freiwillig belegen konnte. Zu ihrem Glück war er gleich darauf angesprungen, und sie waren in eine angeregte Debatte darüber verfallen, welches die besten Kurse waren und was darin wohl an Inhalten dran kommen würde. Mit Ausnahme von Alte Runen hatte Draco exakt dieselbe Auswahl wie Hermine getroffen. Über seine leicht angeberische Bemerkung, dass er keinen Runenunterricht bräuchte, da ihn seine Mutter bereits bestens darin unterwiesen hätte, waren Hermines Augen ganz von selbst in eine Rollbewegung geraten und ein amüsiertes Schnauben war ihr entwichen. Er hatte sich allerdings darüber gewundert, wie sie das alles unter einen Spitzhut bekommen wollte, aber Hermine hatte ihm erklärt, dass Professor McGonagall ihr persönlich zugesagt hätte, dass das kein Problem sein würde.
Hermine hatte nämlich, einen Tag bevor ihr Leo zugelaufen war, mit ihrer Verwandlungslehrerin über Floh gesprochen. Das Gesicht der strengen Professorin war plötzlich im Kamin ihres Zimmers inmitten von grünen Flammen erschienen, was Hermine beinahe zu Tode erschreckt hatte. Doch dann hatte sie sich daran erinnert, dass diese ihr bei ihrer Einführung erklärt hatte, wie Zauberer und Hexen miteinander kommunizierten, und hatte sich ebenfalls dem Kamin genähert. Ihre Lehrerin hatte – nicht ohne einen gewissen Stolz – verkündet, dass Hermine die einzige mit einem solch umfangreichen Stundenplan sei und es aufgrund dessen aber leider zu einigen Überschneidungen käme, weil die Schüler von Hogwarts seit Jahren nie alle Fächer belegt hatten und sowohl Gryffindors als auch Hufflepuffs seit Jahrzehnten Arithmantik total zu meiden schienen. Vermutlich, weil Gryffindors meist eher praktisch orientiert waren und Hufflepuffs sich nicht so gerne mit komplizierten Lerninhalten befassten. Was genau das bedeutete, hatte sie nicht näher ausgeführt. Nur, dass Hermine sich keine Sorgen machen sollte, und sie würde das schon regeln. Das hatte sie Draco so natürlich nicht gesagt, denn es hatte so geklungen, als ob diese Regelung inoffiziell sein würde und Hermine es nicht an die große Glocke hängen sollte.
Dennoch hatte Hermine sich in der letzten Phase ihrer Ferien den Kopf darüber zerbrochen, wie die Professorin das Problem lösen würde und ob Hermine nun die praktischen Stunden, bei denen die Klasse aufgeteilt war, mit anderen Häusern teilen musste, oder ob sie gar – was sie nicht hoffte – einige Stunden im Einzelunterricht nachholen musste. Sollte das der Fall sein und jemand von den anderen Schülern es mitbekommen, wäre ein Spießrutenlauf vorprogrammiert. Sie konnte bereits vor ihrem inneren Auge Weasleys gehässige Visage sehen, wenn er sie als Oberstreberin betitelte, die als Liebling der Lehrer Vorteile zugestanden bekam, welche anderen Schülern verwehrt blieben. Auch wenn sie sich ziemlich sicher war, dass Weasley es für sich selbst kaum als Privileg empfinden würde, extra Unterricht zu erhalten. Das würde er gewiss eher mit Nachsitzen gleichsetzen. Wenn überhaupt, hatte er garantiert nur solche Kurse genommen, bei denen man seiner Meinung nach nicht viel zu lernen brauchte. Bestimmt hatte er vorher die Zwillinge gefragt, in welchen Fächern man sich am leichtesten durchmogeln konnte.
Auf Hermines Zettel in der Menagerie hin hatte sich naturgemäß niemand gemeldet. Und wenn Hermine ehrlich war, empfand sie das nicht im Geringsten als Last oder gar als Unglück. Es war eher so, als hätte sie einen neuen Freund gefunden. Ihr Dad war mehr als glücklich über den Familienzuwachs, verwöhnte >seinen< Leo über die Maßen, und sogar Hermines Mum hatte den etwas verschrobenen Stubentiger bereits nach wenigen Tagen in ihr Herz geschlossen.
Hermines Dad hatte ihr auch wieder die Buchserie über das Schulwissen ihres Jahrgangs besorgt, aber sie war damit bei dem ganzen Trubel noch nicht allzu weit gekommen. Und da die Ferien nun schon wieder vorbei waren, würde sie die Bücher einfach mit nach Hogwarts nehmen und dort weiterlesen, wenn sie Zeit dazu hatte. Zeit...
Der erste September war ein Mittwoch, und wie bereits in den vergangenen beiden Schuljahren war Hermine eine der ersten am Bahnsteig. Sie hatte ihren Dad mit durch die Barriere genommen. Und da er ja immer noch nicht wusste, dass es in der Familie ihrer Mum magische Wurzeln gab und seine Frau daher eigentlich ohne Hilfe die Wand durchdringen konnte, hatte Hermine sie alibimäßig ebenfalls bei der Hand gefasst, während die beiden Hermines Gepäck getragen hatten. Ihr Dad hatte den großen Rollkoffer, den sie noch kurz vor Ferienende in der Winkelgasse erstanden hatten und der schwerelos gehext sowie mit einem Ausdehnungszauber versehen war, übernommen, während ihre Mum ihren Rucksack und die magische Transportbox, in der Leo mit reiste, trug. Heute war kaltes, düsteres Wetter, und Hermine vermutete, dass es später noch regnen würde. Trotzdem war Hermine guter Dinge, als sie den Zug bestiegen, den großen Koffer im Gepäckwagen abgaben und sich dann auf die Suche nach einem ruhigen, abgelegenen Abteil machten, wo Leo nicht allzu großem Lärm und zu vielen neugierigen Blicken ausgesetzt sein würde. In ihrem Rucksack hatte sie auch etwas Trockenfutter, eine kleine Flasche stilles Wasser und das Buch für Knieselfreunde dabei.
Auf dem Weg zum hinteren Teil des Wagons passierten sie ein Abteil, in dem bereits ein Mann saß, der offenkundig schlief. Hermine erspähte ein Schild an seinem Koffer, das ihn als R.J. Lupin identifizierte. Sie wusste, dass manchmal auch Leute aus Südengland mit dem Hogwarts-Express nach Schottland und speziell nach Hogsmeade reisten. Aber ausgerechnet zum Schulanfang taten sich das meist nur Zauberer oder Hexen an, die aus gesundheitlichen oder rechtlichen Gründen nicht anders reisen konnten. Der Mann schien noch nicht allzu alt, hatte dunkelblondes Haar und ziemlich dunkle Augenringe. Seine Kleidung wirkte etwas abgerissen, und auch der Koffer sah recht mitgenommen aus. Am Fenster hatte er seinen Umhang aufgehängt, in dem sich sein schlafender Kopf zur Hälfte vergraben hatte. Ob er wohl auch nach Hogwarts wollte?
Hermines Eltern waren bereits am Ende des Ganges, und daher riss sie ihren Blick von dem Mann los und beeilte sich, ihnen zu folgen. Nachdem die beiden sich verabschiedet hatten und Hermine aus dem Fenster auf den noch beinahe leeren Bahnsteig sah, entdeckte sie Draco, der gerade mit seiner Mutter ankam. Sein Vater schien nicht dabei zu sein. Draco ließ seinen Blick kurz über den Zug schweifen, und als er sie erkannte, nickte er kaum merklich, was sie lächelnd erwiderte, und wandte sich dann wieder seiner Mutter zu, die ihm liebevoll durch die Haare fuhr und ihm noch etwas zusteckte, was Hermine nicht erkennen konnte. Dann küsste sie ihn auf die Wange, was ihm merklich unangenehm zu sein schien, denn er beschwerte sich bei ihr darüber und sah sich anschließend verstohlen und mit für ihn ungewöhnlich roten Wangen um; wohl um festzustellen, ob jemand die Szene beobachtet hatte. Hermine senkte schmunzelnd den Blick in ihr Buch und fuhr mit der anderen Hand über Leos Kopf. Dem Kater war es nicht peinlich, gekrault zu werden. Im Gegenteil: er genoss jede Streicheleinheit höchst profitlich.
„Das ist er also.“, schreckte sie knapp eine Minute später aus ihrer Lektüre auf. Draco betrat das Abteil und ging vor Leo in die Hocke.
„Ja. Ich wollte ihn nicht zurücklassen. Er fühlt sich sehr wohl bei uns zuhause, aber als er gemerkt hat, dass ich gepackt habe, hat er sich auf meine Sachen gesetzt und erst Ruhe gegeben, als ich seine Transportbox geholt und neben den Koffer gestellt habe.“
Das entlockte Draco ein leises Lachen, während er nun ebenfalls begann, Leo über das Fell zu streichen, was der Kater zunächst argwöhnisch beäugte, es sich aber dann doch offensichtlich gern gefallen ließ. Hermine überlegte gerade, ob Draco heute bei ihr bleiben würde, als Geräusche weiterer einsteigender Schüler ihn veranlassten, sich rasch zu erheben und nahezu fluchtartig das Abteil zu verlassen.
„Wir sehen uns.“, flüsterte er beim Hinausgehen, und Hermine fragte sich, woher er eigentlich so genau wissen wollte, dass sie sich nochmal sahen. Aber er hatte ja auch nicht definiert, wann, und sie nahm an, dass sie sich früher oder später wieder über den Weg laufen würden. Im Laufe des Schuljahres. Er hatte auch ihre Antwort nicht abgewartet, und so wandte sie sich kopfschüttelnd wieder ihrem Buch zu.
Wie sie bereits vermutet hatte, begann es kurz nach der Abfahrt des Zuges zu regnen. Es war kalt und ungemütlich, und es schien beinahe so, als ob es am frühen Nachmittag schon wieder Nacht werden wollte.
Hermine hatte sich mittlerweile in ihren Umhang gekuschelt, und Leos Kopf lag auf ihrem linken Oberschenkel, während sie unablässig über sein Fell strich und sich dabei mit Susan, die sich zehn Minuten nach Dracos Verschwinden zu ihr gesellt hatte, unterhielt. Natürlich erwähnte sie nichts von Dracos Besuch, dafür aber erzählte sie, wie Leo ihr zugelaufen war und lauschte Susans Urlaubsanekdoten.
Auch Harry war zwischendurch auf einen Abstecher in ihr Abteil gekommen – mit Weasley im Schlepptau, der verächtlich die Nase über Leo gerümpft und sofort seine verwahrloste Ratte mit seinem Umhang bedeckt hatte. Als ob Leo sich an diesem Stinktier vergreifen würde! Harry hingegen hatte den Kniesel ausgiebig gekrault und ihm einen Keks aus der Dose gegeben, welche Hermine ihm voriges Jahr zum Geburtstag geschenkt hatte, und von der er behauptete, dass sie ihm in diesen Sommerferien ein paar mal das Leben gerettet hatte.
Hermine fand es einen verdammten Skandal, dass der Schulleiter als Harrys magischer Vormund anscheinend immer noch auf dessen alljährlichen Aufenthalt bei den schrecklichen Dursleys bestand und sich offenkundig keinen Deut darum scherte, welchen Qualen Harry dort ausgesetzt war. Dieses Mal war es offenbar so eskaliert, dass er seine Tante aufgeblasen hatte, bis sie wie ein Heißluftballon hochgegangen war, und er anschließend Reißaus in den Tropfenden Kessel genommen hatte. Aber zum Glück hatte er dafür keinen größeren Ärger bekommen.
Sie hatte sogar schon mit ihren Eltern zusammen überlegt, ob sie Harry nicht bei sich aufnehmen sollten. Allerdings befürchtete Hermine, dass Dumbledore dies zu verhindern wissen würde. Vielleicht sollte sie das Thema einmal mit ihrer Hauslehrerin besprechen. Professor McGonagall war zwar sehr streng, aber auch wirklich fair und verantwortungsbewusst. Und Hermine war sich ziemlich sicher, dass sie bei ihr einen Stein im Brett hatte.
Professor Snape schätzte sie ebenfalls, aber bei ihm wagte sie es nicht, um Rat zu fragen, da er doch auch sehr barsch sein konnte, und vor allem ganz besonders, wenn es um Harry ging. Harry war nach wie vor ein Reizthema für den großen, schwarzen Mann; beinahe so, als ob Harry eine Art von Beschützerinstinkt bei ihm weckte, über den er sich aber selbst zu ärgern schien.
Gegen vier hatte Hermine sich auf die Suche nach der Hexe mit dem Servierwagen gemacht, weil sie für Susan, Leo und sich je eine Kürbispastete holen wollte, als der Zug plötzlich stoppte, alle Lichter ausgingen und ein Ruck die Waggons erschütterte. Sie sah gerade noch, wie eine unwirkliche, schaurige Gestalt herein schwebte, als sie plötzlich durch eine Tür gezogen wurde. Hermine stieß einen spitzen Schrei aus, der jedoch abgewürgt wurde von einer Hand, die ihr den Mund zu hielt. Für eine Schocksekunde befürchtete sie, von einem der gruseligen Wesen mit den zerfledderten Umhängen und den halb verwesten Gliedern in einen Hinterhalt gelockt worden zu sein, und ihr Herz schlug wild vor Panik. Doch dann wurde ihr bewusst, dass die Hand, die sich nun wieder von ihrem Gesicht löste, eine menschliche war, und als ihr gleich darauf ein leises >Schhh< eindringlich Stillschweigen gebot, wusste sie auch, wem sie gehörte. Es war Dracos Hand, der nun mit einem Lumos für spärliche Beleuchtung sorgte.
„Was zur Hölle...?!“, zischte sie lautlos.
„Es ist besser, wenn wir hier drin bleiben, bis die weg sind.“
„Was sind das für Wesen?“
„Dementoren. Wachen aus Askaban.“
„Askaban? Dem Zauberergefängnis?“ Draco nickte. „Was haben die hier zu suchen?“
„Sirius Black, vermutlich.“
„Ah ja... der entflohene Sträfling.“ Hermine hatte letzte Woche davon gelesen. Mittlerweile hatte sie den Tagespropheten abonniert, um sich über die Geschehnisse der magischen Welt auf dem Laufenden zu halten. Abermals nickte Draco. „Woher weißt du eigentlich von den Dementen?“
„Dementoren.“, korrigierte er, und Hermine nickte ungeduldig. „Ich habe sie schon das eine oder andere Mal gesehen.“
„Du hast sie gesehen?“, wiederholte sie verblüfft. „Gibt es Dementoren noch an anderen Orten?“
„So viel ich weiß in den karibischen Sumpfgebieten.“
Hermine legte nachdenklich ihren Daumen ans Kinn. Und dann machte es bei ihr klick.
„Du warst schon mal in Askaban?“, erkundigte sie sich ungläubig. Zu ihrem Entsetzen nickte er. Ihr Schock musste sich deutlich auf ihrem Gesicht abzeichnen, denn er hob unverzüglich abwehrend beide Hände.
„Nein, nicht so! Ich war dort... nur zu Besuch.“
„Zu Besuch?“
„Ja. Mit meiner Mutter.“
„Ihr habt jemanden in Askaban besucht?“
Mittlerweile schien ihm das Thema reichlich unangenehm zu sein, denn er verzog gequält den Mund.
„Meine Tante. Die Schwester meiner Mutter. Ich mag sie nicht besonders, aber es ist nun mal Verwandtschaft.“ Hermine nickte verständnisvoll, was ihn wieder ein wenig zu besänftigen schien.
„Ja, das kann ein Problem sein. Verwandte kann man sich nun mal nicht aussuchen.“, ergänzte sie und dachte dabei an Harry. „Dann wollen die Dementoren also Sirius Black einfangen und ihn wieder nach Askaban bringen?“
„Vermutlich.“
„Wieso hast du gesagt, dass es besser wäre, wenn wir hier drin bleiben, bis sie weg sind? Ich meine, außer dass sie ziemlich gruselig aussehen.“
„Sie sehen nicht nur so aus. Dementoren gehören mit zu den gefährlichsten und bösesten Kreaturen der magischen Welt. Meine Mutter hat mich immer sehr eindringlich vor ihnen gewarnt. Sie können einen angreifen, wenn man ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie ernähren sich von glücklichen Erinnerungen und guten Gefühlen und lassen nur das Schlechte übrig.“
„Das klingt grauenhaft.“
„Ist es auch. Meine Mutter kannte jemanden, der von den Dementoren geküsst wurde.“ Hermine runzelte begriffsstutzig die Stirn. „Das ist die schlimmste Strafe, die das Zaubergamot ausspricht. Man wird in eine Zelle gebracht, und die Dementoren saugen die Seele aus einem raus. Zurück bleibt nur noch ein Körper, der zwar noch so aussieht wie vorher, der aber auf nichts mehr reagiert und nur noch vor sich hin vegetiert.“
„Wie ein Zombie...“
„Ein was?“
„Nicht so wichtig. Danke, dass du mich vor denen in Sicherheit gebracht hast.“ Der Blonde tat es mit einer abwinkenden Geste ab, aber sein dezent zuckender Mundwinkel verriet, dass er sich vielleicht doch mehr geschmeichelt fühlte als er zugeben mochte. Erst jetzt wurde ihr bewusst, auf welch engem Raum sie hier eigentlich zusammen standen, und während ihr Herzschlag, ohne dass sie es hätte beeinflussen können, an Fahrt aufnahm, verfing sich ihr Blick in seinen schönen grauen Augen und beschwor in ihrem Inneren Bilder einer Szene aus den Ferien hervor, als sie sich gegenseitig im Pool bespritzt, sich ins Wasser geschubst und vor lachen den Bauch gehalten hatten. Und dann hatte sich ihr Blick in seinem verfangen – so wie jetzt. Seine Haut war überzogen gewesen von Wasserperlen, die in der Sonne geglitzert hatten, ein Hauch von Bräune hatte seinen Teint gesünder und weniger blass wirken lassen als es sonst manchmal der Fall war, und der Ausdruck auf seinem Gesicht hatte ebenso verträumt gewirkt wie in diesem Augenblick. Etwas, das ihr für einige Momente völlig den Boden unter den Füßen weg zog.
Ein plötzlicher Ruck, von dem der gesamte Zug erneut erschüttert wurde, holte sie schließlich in die Realität zurück und ließ sie kurz blinzeln, ehe sie sich ertappt abwandte und vorsichtig die Tür einen winzigen Spalt öffnete.
„Ich glaube, sie sind weg.“, murmelte sie, immer noch leicht verwirrt.
„Wirklich?“
Draco lehnte sich von hinten an sie. Vermutlich, um sich über das Verschwinden der Dementoren zu vergewissern. Aber das machte es nicht besser.
„Ja.“, japste sie lediglich und schlüpfte flugs zur Tür hinaus, um schleunigst zu ihrem Abteil zurück zu flüchten. Sie vergaß, sich zu verabschieden. Und sie vergaß sogar, die Kürbispasteten zu kaufen. Aber das registrierte sie gar nicht. Und Susan sprach sie auch nicht mehr darauf an. Für den Rest der Fahrt kraulte sie durch Leos Fell und las zwei Stunden lang dieselbe Seite in ihrem Buch. Sie bekam nicht einmal etwas von dem Aufruhr mit, den es in Harrys Abteil gegeben hatte. Erst als sie ausstieg, hörte sie, wie Weasley Dean erzählte, dass Harry offenbar von einem Dementor angegriffen worden war und der Mann, der bei ihnen gesessen war, das Wesen in die Flucht geschlagen hatte.
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