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Wahre Freunde

von romi
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley Severus Snape
20.05.2021
22.01.2022
31
68.074
18
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Dieses Kapitel
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15.01.2022 1.543
 
Draco hatte nicht sonderlich gut geschlafen in den letzten Nächten. Dabei hatten die Ferien so gut angefangen. Sein gelungener Abstecher zu Hermines Abteil im Hogwarts-Express, ihr Geschenk, welches ihn mehr als angenehm überrascht hatte und nicht zu vergessen der herrliche Strandurlaub in ihrem Ferienhaus oberhalb von Nizza. Jedenfalls war es so lange herrlich gewesen, bis seine Eltern beschlossen hatten, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und während des Familienurlaubs Geschäftspartner und alte Bekannte aufzusuchen. Und die Krönung des Ganzen war dann Hermines Botschaft gewesen, dass sie nun doch Sankt Potter zu sich eingeladen hatte.
Eigentlich hatte er gehofft, der preisgekrönte, edle Ritter möge keine Zeit für sie haben, wo er doch während des Schuljahres ständig entweder von seinem Fanclub oder von von dem rothaarigen Idioten Weasley belagert worden war. Hatten die inzwischen so viele Kinder, dass kein Platz mehr für einen Gast war? Jedenfalls hatte Draco nicht das Bedürfnis gehabt, sich erzählen zu lassen, was Hermine mit Potter alles unternommen hatte – oder sich irgendwelche Lobeshymnen über den Helden der Zaubererwelt aufhalsen zu lassen. Das konnte sie getrost für sich behalten!
Aber Draco hatte bereits eine Idee, wie er dem jüngsten Sucher des Jahrhunderts den Goldstaub vom Besen klopfen könnte. Er würde einfach seinen Vater bitten, für die Hausmannschaft von Slytherin neue Besen zu stiften. Das würde Draco einen Platz im Team sichern, und er könnte Potter den Schnatz vor der Nase wegschnappen. Allerdings musste er damit warten, bis Lucius Malfoy wieder ansprechbar war, denn derzeit war er mit anderen Dingen beschäftigt.
Kurz nach Hermines glorreicher Verkündung waren sie ins Manor zurückgekehrt, und seither war sein Vater dabei, das gesamte Anwesen nach eventuell verdächtigen Gegenständen zu durchsuchen. Schwarzmagische Artefakte, wie er es nannte. Erbstücke seines Großvaters, der schwarzmagische Objekte gesammelt und gehortet hatte, wie andere Leute Galleonen. Nicht dass es den Malfoys an Galleonen mangelte.
Bisher hatte sein Vater noch nichts gefunden, was kein Wunder war, denn der Landsitz war schon vor Jahren auf die gleiche Weise inspiziert und alle Fundstücke in ihrem geheimen Verlies bei Gringotts sicher verwahrt worden. Selbst das Ministerium würde sich dort keinen Zutritt verschaffen können, denn die Malfoys gehörten zu den ältesten Kunden der Zaubererbank und die Kobolde würden das Geheim-Verlies von so einflussreichen Leuten niemals preisgeben, geschweige denn verraten, dass es solche Verliese überhaupt gab.
Dracos Vater hatte wohl bei der Geschäftsbesprechung in Nizza erfahren, dass das Ministerium gerade bei einigen Zaubererfamilien Hausdurchsuchungen machte. Daher hatten sie auch ihren Urlaub abgebrochen und waren ein paar Tage früher als geplant nach England zurück gereist.
Am folgenden Morgen tauchten zwei Männer vom Ministerium auf, von denen ihm einer vage bekannt vorkam, doch er konnte das teigige Gesicht nicht wirklich einem Namen zuordnen, zumal der Beamte einen seltsamen Hut trug, den er garantiert nicht in einem magischen Geschäft gekauft hatte und der die obere Hälfte seines Kopfes verdeckte, denn Draco war direkt nach dem Frühstück in sein Zimmer geschickt worden, mit der strikten Anweisung, es nicht zu verlassen, bis Dobby ihm Bescheid geben würde. Und daher sah Draco die Männer nur kurz von oben, als sie vor dem Eingang warteten, bis Lawyer die Tür geöffnet und die beiden ins Foyer geführt hatte.
Draco war durchaus ein neugieriger und nicht immer gänzlich folgsamer Junge, aber wenn sein Vater sein strenges Gesicht aufsetzte, wusste er, dass es großen Ärger gab, sollte er sich dessen Willen widersetzen. Also blieb Draco artig in seinem eigenen, durchaus nicht gerade kleinen Reich, das ihm dennoch durch den auferlegten Arrest im Moment eine Beengtheit vermittelte, von der es sich abzulenken galt.
Von den Hauselfen konnte er keinen beanspruchen, denn die standen für die Dauer der Hausdurchsuchung voll und ganz unter der Order des Hausherrn und hatten die Aufgabe, die beiden Beamten unter dem Deckmantel der Unsichtbarkeit heimlich zu beaufsichtigen, bei eventuellen Unregelmäßigkeiten einzugreifen und Lucius Malfoy dann umgehend darüber zu berichten.
Nachdem Draco eine halbe Stunde seinen Teppich abgewetzt und mehrfach aus dem Fenster gestarrt hatte, war er zu dem Geheimfach in seinem Schreibtisch getigert und hatte es mit dem >Alohomora< geöffnet, um Hermines Weihnachtsgeschenk zu entnehmen und sich damit auf seiner Sitzecke niederzulassen. Zunächst hatte er ihre gesamte Konversation mehrfach durchgelesen, während er die ganze Zeit mit sich gehadert hatte, ob er ihr nicht doch schreiben sollte. Aber er brachte es einfach nicht über sich.
Er würde noch ein oder zwei Wochen warten. Potter konnte ja nicht ewig bei den Grangers gastieren. Irgendwann würde er doch wohl hoffentlich wieder nach Hause müssen. Draco wusste aus den Geschichtsbüchern, dass Potters Eltern vom dunklen Lord getötet worden waren, als Potter noch ein Kleinkind gewesen war. Also wohnte er vermutlich bei Verwandten, denn ein Aufenthalt des glorreichen Helden in einem Waisenhaus hätte sich doch garantiert herumgesprochen.
Nachdem er einen schweren Atemstoß getätigt hatte, schlug er die letzte Seite auf, wo sich noch immer das magische Foto befand, welches sie ihm geschickt hatte. Er hatte es noch nicht in das Bilder-Archiv überführt. Aber das würde er jetzt gleich nachholen.
Ein Fingerdruck an der linken unteren Ecke würde es löschen, was er natürlich nicht zu tun gedachte. Daher hatte er extra vorher nochmal die Anleitung studiert, um nicht aus Versehen etwas falsch zu machen, und drückte nun auf den Kreis an der Ecke rechts unten. Das Bild verschwand, woraufhin Draco hastig das Bilder-Archiv aufschlug und mit angehaltener Luft darauf wartete, dass es wieder erschien. Erst als sich das Foto tatsächlich erneut manifestierte, erlaubte er es sich, mit einem tiefen Seufzer weiter zu atmen.
Es war ein schönes Bild. Das olivgrüne Strandkleid passte wunderbar zu Hermines braunen Locken, die im Licht der Sonne glänzten und zusammen mit dem Kleid im Wind flatterten. Ganz unbewusst schlich sich ein Lächeln auf Dracos Gesicht, das er selbst nicht einmal bemerkte, war er doch viel zu sehr damit beschäftigt, jedes Detail zu studieren und sich in seiner Phantasie auszumalen, er hätte auch dort sein können...
Dobbys Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. War die Hausdurchsuchung schon zu Ende? Eilig verschloss er das Buch und verbarg es wieder in seinem Versteck, durchquerte das Zimmer und spähte aus dem Fenster. Die beiden Männer vom Ministerium waren jedoch nirgends zu sehen.
Vielleicht waren sie ja bereits fort. Also begab er sich zur Tür, zog sie auf und wollte schon Dobby fragen, ob er nun endlich raus durfte, als plötzlich sein Vater in den Flur trat und Draco sofort nahezu panisch die Tür bis auf einen winzigen Spalt wieder zu zog. Nicht dass er sich vor seinem Vater fürchtete, aber wenn man sich seinen strikten Anweisungen widersetzte, konnte Lucius Malfoy doch recht ungemütlich werden. Deswegen konnte Draco die Tür auch nicht ganz zumachen, denn das Geräusch hätte ihn verraten. Und natürlich hätte er dann auch nicht mitbekommen, worüber die beiden sprachen.
„Hast du etwas beobachtet, Dobby?“, erkundigte sein Vater sich streng. Dobby trat nervös von einem Bein auf das andere.
„Ja, Master Lucius. Dobby hat gut aufgepasst, wie es ihm aufgetragen wurde. Der rothaarige Mann hat ein Buch in der Bibliothek versteckt. Und dann ist er zu dem schwarzhaarigen Mann gegangen und hat ihm gesagt, dass er die Bibliothek durchsuchen soll. Aber Dobby hat das Buch vorher an sich genommen, und als der Schwarzhaarige nichts Verdächtiges gefunden hat, ist der Rothaarige wütend geworden und hat selber nochmal die Bibliothek  durchsucht. Als er das Buch auch nicht mehr gefunden hat, ist er sehr böse geworden. Er hat dem Schwarzhaarigen gedroht, dass er dafür sorgen wird, dass er seine Stelle verliert, wenn sie hier im Haus nichts finden.“
„Und haben sie etwas gefunden?“, hakte sein Vater mit angepannter Stimme nach.
„Nein, Master Lucius. Die anderen Elfen haben auch sehr gut aufgepasst, aber außer dem Buch hatte der Rothaarige keine bösen Sachen mehr dabei.“
Lucius nickte zufrieden.
„Und hast du das Buch bei dir?“
Der Elf schüttelte so eifrig den Kopf, das seine langen Ohren hin und her flogen wie zwei Taubenflügel.
„Nein, Master Lucius. Dobby hat das Buch, wie befohlen, sofort aus dem Haus geschafft.“
„Was hast du damit gemacht?“
„Dobby hat es in der Kutsche versteckt, mit der die beiden Männer gekommen sind.“
„Kutsche? Was für eine... - ach, du meinst das blaue Fahrzeug mit den Gummireifen?“ Dobby nickte beflissen. „Das ist etwas von den Muggeln und wird als Auto bezeichnet. Und dort hast du das Buch versteckt?“ Wieder nickte der Elf. „Gut gemacht, Dobby.“, lobte Lucius, und Dobby verneigte sich mehrmals so tief, dass seine Nase beinahe den Boden berührte. „Dann sag jetzt meinem Sohn Bescheid, dass er sein Zimmer wieder verlassen kann!“
„Sehr wohl, Master Lucius.“
Abermals verneigte Dobby sich tief, und Draco bemühte sich nun, so leise und zügig es ging doch noch die Tür zu schließen und sich schleunigst wieder auf seine Sitzecke zu begeben, wo er sich als Alibi eines der Schulbücher nahm, damit er so tun konnte, als würde er lernen.
Als es kurz darauf klopfte und Dobby nach einem betont gelangweilten  „Herein“  eintrat, um zu melden, dass der Arrest nun beendet war, verkniff sich Draco ein Schmunzeln, während er den Elf mit einem knappen Nicken aus seinen Diensten entließ.


***
Hallo, ihr Lieben,
leider geht es erst im nächsten Kapitel in die Winkelgasse, denn es passt inhaltlich mit diesem hier nicht so ganz zusammen, weshalb ich mich entschlossen habe, zwei Kapitel draus zu machen.

<3 romi
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