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Unter meiner Uniform

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter Severus Snape
20.05.2021
11.09.2021
33
144.159
26
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11.06.2021 5.371
 
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Wann immer Harry über den Friedhof von Godrics Hollow schlendert, erinnert er sich an den Heiligabend vor zwei Jahren. Er ist mit Hermine hiergewesen und hat die Gräber seiner Eltern besucht, bebend vor Furcht, als hätte erst der Anblick ihrer letzten Ruhestätte die Erkenntnis gebracht, dass er ganz allein auf der Welt ist.

Er hat sich oft gefragt, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn seine Eltern ihn großgezogen hätten, und nun weiß er es. Vordergründig harmonisch - James Potter hätte ihm begeistert das Fliegen beigebracht, stolz auf seinen Sohn, der ihm so wahnsinnig ähnelt, dass er nie auf einen krummen Gedanken gekommen wäre. Und dann, wenn er aus den Ferien abgeholt worden wäre und von Professor Snapes unverhohlener Abscheu erzählt hätte, wäre seine Mutter sichtlich zusammengezuckt.

In Wahrheit nur eine polierte Fassade, die den enttäuschenden Haufen aus Lügen darunter versteckt hätte, aufgestapelt von seiner allseits geliebten, ach so freundlichen und fürsorglichen Mutter. Sie hätte ihn angeschaut, mit den gleichen Augen, die sie ihm vererbt hat, und vielleicht hätte er manchmal einen Schatten der Reue in ihrem Blick wahrgenommen. Hätte sie es ihm je gesagt?

Nein, natürlich nicht. Niemand unternimmt derartige Anstrengungen, einen Schein zu erzeugen, um ihn dann mit der Wahrheit aufzulösen.

Noch ist es dunkel, und eine dünne Schicht Frost bedeckt den Boden. Es riecht nach Kälte und Schnee. Harry nimmt einen tiefen Atemzug und stapft an dem Grab von Dumbledores Mutter vorbei. Sein Ziel liegt weiter hinten, an den Rändern des Wäldchens, das kahl und verlassen den schmiedeeisernen Zaun des Friedhofs säumt.

Dieses Jahr lässt sich der Frühling überraschend viel Zeit.

Für die anderen Gräber hat er keine Aufmerksamkeit übrig; Lily Potter, die Frau, der er all das Drama zu verdanken hat, und James Potter, der Mann, mit dem ihn nichts verbindet - abgesehen von ihrem Namen und dem gemeinsamen Schicksal, sträflich getäuscht zu worden zu sein.

Er hat den Friedhofswärter bestochen, zwei Gräber zu verlegen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Neben James liegt nun Sirius’ leerer Sarg und verrottet tief in der Erde. Es ist bezeichnend, dass Ginny es nicht für nötig gehalten hat, sich in diese Angelegenheit einzumischen.

Oh, aber Harry, du darfst ihn nicht hier beisetzen, immerhin bin ich auf jeden eifersüchtig, den du neben mir überhaupt gemocht hast!

Er bleibt vor Snapes Grab stehen. Es ist ein Scherz gewesen, den er sich nicht erlaubt hätte, wenn er nicht vollkommen davon überzeugt gewesen wäre, dass er noch lebt; ihn direkt neben Sirius zu bestatten, wäre der Gipfel seines kurzen, von Leid und Misstrauen durchdrungenen Lebens gewesen. Seufzend blickt er auf den Grabstein, eine einfache Marmorplatte ohne all die alchemistischen Prägungen, die Harry ursprünglich vorgesehen hat.

Severus Snape, 09.01.1960 - 02.05.1998. Kriegsheld.

Das ist alles - und es versetzt Harry selbst heute noch in Rage. Seine Frau hat ihm nicht zugestanden, dem Mann, der alles für den Krieg und auch ihn geopfert hat, mehr Respekt zu erweisen als diesen kahlen Stein neben einem seiner größten Widersacher, bar jeder Emotion und Hingabe.

Dabei hätte er so viel mehr verdient! Der Gedanke allein, dass er irgendwann im Schutze der Nacht hergekommen sein könnte, um sein eigenes Grab zu besuchen, und diesen lächerlichen Hauch von Nichts zu Gesicht bekommen hat, ist schlicht und ergreifend empörend.

Zitternd, ebenso vor Kälte wie vor Wut, schüttelt Harry seinen linken Ärmel und fängt den Elderstab mit der Faust auf, bevor er vor Snapes Grab in die Knie geht. Auch die Spitze des Zauberstabs zittert, als er sie auf die Buchstaben richtet.

Er hat Ginnys Änderung des Auftrags geschluckt, weil er nicht wusste, was sie dazu getrieben hat. Wäre es eine Ahnung gewesen, die sie irgendwann in die richtige Richtung geführt hätte, so hätte er seine gesamte Tarnung gefährdet, wenn er weiter auf diesem Grabstein herumgeritten wäre.

Aber ihre Fantasien von Harry, der sich von Snape vögeln lässt - die einzige Gefahr, die diese Idee mit sich bringt, ist jene, dass er ihr irgendwann angewidert vor die Füße kotzt.

Feine Linien kerben sich in den Stein wie Risse, direkt unter dem Datum. Das Wort Kriegsheld wird zerteilt und verändert, dann erweitert. Während er ein Unrecht wiedergutmacht, das ihm seit langer Zeit wie ein Stein im Magen liegt, dringt klamme Feuchtigkeit durch die Jeans und lässt seine Knie vor Kälte schmerzen. Aber Harry ist es recht, dass es wehtut, denn das sollte es. Er wird sich nie mehr davon abhalten lassen, das Richtige zu tun, nur, weil es irgendjemandem nicht gefällt.

Als er seine eigene Inschrift in den Grabstein geprägt hat, bleibt er dort hocken. Inzwischen sind seine Knie taub. Ein frischer Wind braust herauf, der die entlaubten Kronen der Bäume über ihm knarren lässt. Ein Kloß in seinem Hals drückt ihm die Luft ab, während er den Blick über seine eigenen Worte gleiten lässt.

Severus Snape, Halbblutprinz und Doppelspion. Der einzig wahre Held in einem Krieg zwischen hell und dunkel.

Er hätte mehr gesagt, wenn er es hätte riskieren können, ohne seine Maske abzulegen. Das Grab anstarrend, spielt er für kurze Zeit mit dem Gedanken, dieses ganze erbärmliche Schauspiel bleibenzulassen. Nun, da er bereits mit der Zerstörung des Rufes von Harry Potter begonnen hat, was würde er verlieren?

Ohne Snape hätte Harry niemals an der Formel gearbeitet, die sein altes Aussehen wiederherstellt. Da der einzige Mensch, den es tatsächlich etwas angeht, nein, der es verdient hat, als einer der ersten überhaupt davon zu erfahren, nicht mehr am Leben gewesen wäre, hätte er einen feuchten Kehricht auf die Untersuchungen im dritten Stockwerk des Ministeriums gegeben. Wenn er, wie Ginny es so sehnlich gehofft hat, seinen eigenen Augen getraut hätte, die ohne jeden Zweifel wahrgenommen haben, wie damals in der Heulenden Hütte der Blick in den schwarzen Augen starr geworden ist.

Aber es sind eben nicht seine eigenen Augen gewesen. Es ist nicht sein eigenes Hirn gewesen, das diese Informationen verarbeitet hat, sonst wäre ihm gleich eingefallen, dass das Schlangengift lediglich damit begonnen hat, Snape zu lähmen. Zur Hölle, er hätte den Mann auf der Suche nach einer Phiole eines Gegengiftes abtasten sollen, das er garantiert stets bei sich getragen hat, um es ihm persönlich zu verabreichen!

Ein einziges Mal hat er versucht, mit seinen Freunden über seinen Verdacht zu sprechen. Er erinnert sich ungern daran; zu dieser Zeit hat er gerade erst damit begonnen, die Lüge seines Lebens zu durchleuchten. Verwirrung und das anstrengende Aufrechterhalten der Verwandlungsformel haben ihren Tribut gefordert, und er hat es für eine gute Idee gehalten, sie in eine seiner Angelegenheiten einzuweihen.

Es ist ein heißer Tag Mitte September gewesen, und der ganze Fuchsbau ist von dem Geruch der Reinigungsmittel durchzogen worden, mit denen Molly ihn blitzblank poliert hat.

Die Hochzeit von Ron und Hermine hat kurz bevorgestanden, und beide sind so nervös gewesen, dass sie sich gewünscht haben, jemand möge sie ablenken. Harry ist nur zu gern von Rons altem Bett aufgesprungen und durch die Hitze gewankt, während er mit den Händen gestikuliert und seine Gedanken in eine leicht verständliche Form gebracht hat.

»Wie kann denn ein Tränkemeister wie er, der schon von der Existenz des Gegengifts gewusst hat, an etwas derart Vermeidbarem sterben? Ich meine, immerhin ist es die gleiche Schlange gewesen, die Arthur angegriffen hat, und der hat es auch überlebt. Snape war die ganze Zeit in der Nähe dieser Schlange, und Dumbledore hatte ihm diesen wichtigen Auftrag erteilt - wenn ich nicht zufällig in der Nähe gewesen wäre, wäre er gestorben, bevor er mit mir hätte reden können!«

Während Ron nach seinem Ausbruch bedröppelt zu Boden gestarrt hat, ist Hermines Lächeln ein wenig zu nachsichtig gewesen. Sie ist aufgesprungen, um den Arm um ihn zu legen, was ihn wahrscheinlich hat trösten sollen, in Wahrheit allerdings den gegenteiligen Effekt gehabt hat.

»Wie du schon gesagt hast, Harry, es war reiner Zufall, dass du in der Heulenden Hütte gewesen bist und alles mitangesehen hast. Ein glücklicher Zufall, ja, aber ... Hast du ... je darüber nachgedacht, dass Professor Snape vielleicht sterben wollte? So viel, wie er durchgemacht hat, könnte der Tod eine Erlösung gewesen sein.«

Harry hat ihr ungläubig ins Gesicht gelacht, was sie mit einem missmutigen Stöhnen quittiert hat. »Gerade deswegen glaube ich einfach nicht, dass er mal eben so den Löffel abgegeben hat, Hermine! Wenn er Erlösung und Ruhe wollte, hätte er sich auch einfach auf dem Nordpol absetzen können, um uns alle endlich loszuwerden!«

Obwohl er gewusst hat, dass Hermine das zum Anlass nehmen würde, sich nur umso heftiger an ihrer Meinung festzubeißen, hat er ihren Arm abgeschüttelt. Es hat ihn unglaublich enttäuscht, dass gerade sie keineswegs auf seine logischen Argumente eingegangen ist und allein damit argumentiert hat, Snape seie lebensmüde gewesen - wofür sie nicht einmal den Ansatz eines Beweises geliefert hat.

»Ich weiß nicht, Mann«, hat Ron eingeworfen, offenbar hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, Hermine zu unterstützen und Harry zu besänftigen. »Warum regst du dich denn überhaupt so darüber auf? Ich kapier das nicht - es sind so viele gestorben, aber Snape ist der Einzige, bei dem du es absolut nicht verkraftest. Außerdem - ist er nicht verblutet oder so? Was soll das mit dem Gegengift?«

Harry hat entgegnen wollen, wie bescheuert Ron ist, doch Hermine hat ihm das abgenommen. Genervt mit den Augen rollend, hat sie ihn angefaucht: »Nagini war eine Giftschlange, Ron! Was für einen Sinn hätte das, ihr Opfer so zu perforieren, dass das Gift automatisch mit dem Blut wieder aus der Wunde strömt?«

»Ist ja schon gut!« Ron hat die Hände gehoben, als könne ihn das vor ihren scharfen Worten schützen. »Ich mein ja nur ...«

»Es ist einfach unlogisch, Hermine.« In der Hoffnung, seine Freundin dazu zu bringen, sich auf seine Argumente einzulassen, hat Harry sie absichtlich noch einmal darauf gestoßen. »Mich darüber zu informieren, dass ich mich opfern muss, um den Horkrux in mir zu beseitigen, war Snapes wichtigste Aufgabe! Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass er das Gegengift nicht andauernd vorsorglich eingenommen hätte - oder war er auch noch ein Seher, der genau gewusst hat, dass ich im entscheidenden Moment da sein würde? Er hat also im Schulleiterbüro gehockt und sich gesagt, ah, so ist das, ich denke mal, dann entscheide ich mich einfach dazu, doch lieber zu sterben.«

Ron ist in lautes Gelächter ausgebrochen, doch Hermines Wangen sind rot angelaufen. Sie hat den Mund geöffnet, die Arme vor der Brust verschränkt, eindeutig darauf aus, sich so lange an ihm aufzureiben, bis er nachgibt. Rasch hat Harry die Hände zu Fäusten geballt und ist ihr zuvorgekommen.

»Schau, er hat doch gar nicht wissen können, dass ich ihn in seinen letzten Momenten finde, um ihm seine Erinnerung abzunehmen, und genau deshalb hat er sich geschützt, klar? Alles andere wäre für einen so erfahrenen Spion doch Schwachsinn gewesen. Viel wahrscheinlicher ist, dass er irgendwo in einer einsamen Hütte hockt und froh ist, uns nie wieder sehen zu müssen!«

»Solltest du ihn dann nicht lieber in Frieden lassen?«, hat Ginny gefaucht. Zuvor hat sie sich überhaupt nicht zu dem Thema geäußert und in irgendeiner Zeitschrift geblättert.

Im ersten Moment hat es Harry geärgert, dass sie sich überhaupt eingemischt hat. Doch heute weiß er, dass dieser Moment sehr wahrscheinlich den Grundstein für ihren nicht zerstreubaren Verdacht gelegt hat - dass er in den Mann verliebt ist. Gedankenverloren fährt er mit dem Finger über den Vornamen auf dem Grabstein.

Er kann sich vorstellen, dass Ginny gerade ebenfalls an exakt diesen Moment zurückdenkt. Sie wird sich vorkommen wie eine ganz tolle Detektivin, die endlich den Schlüssel zu einem widerspenstigen Fall aufgetan hat; das ist er, der Beweis dafür, dass Harry Snape während ihrer Flitterwochen in Kanada entdeckt hat. Immerhin hat er es beinahe zugegeben, nicht wahr, als er behauptet hat, Snape würde froh und zufrieden in seiner Hütte in der Einsamkeit hocken.

Seine Mundwinkel kräuseln sich. Es ist schlicht und ergreifend widerlich, was sie sich vorstellt, doch gleichzeitig wünscht er sich, Snape tatsächlich bereits gefunden zu haben. Dann könnte er sich einen Teil dieses Theaters sparen.

»Ich hätte mir gleich denken können, dass du hier bist. Ginny war eben bei uns und hat uns alles erzählt.«

Die Fingerspitzen auf dem kleinen S festgefroren, erstarrt Harry. Verdammt! Er hat nicht damit gerechnet, dass Ron ihn suchen und dann auch noch finden würde. Rasch versteckt er den Elderstab in dem Ärmel seines Pullovers, bevor er sich umdreht.

Ron hat sich hinter ihm aufgestellt, die Arme betont lässig neben der Hüfte baumelnd. Seine Haltung wirkt nicht bedrohlich, eher ein wenig angespannt. Ein leidender Ausdruck liegt auf seinem Gesicht.

Harry hebt eine Augenbraue. »Alles? Das heißt?«

»Zwingst du mich wirklich, es auszusprechen? Bitte, Harry.« Ron kneift die Augen zusammen. »Sie hat gesagt, dass du mit Snape ... schläfst«, flüstert er.

Rasch springt Harry auf die Füße, während die Übelkeit seinen Magen zusammenzieht. Wenn Ginny seinen Freunden diese Lüge aufgetischt hat, wird er mindestens ein Mal noch mit den ekelhaften Gedankenbildern konfrontiert werden, sobald Hermine ihn ihrerseits darauf anspricht - und er wird sie irgendwie davon überzeugen müssen, dass seine Frau sich irrt.

»Oh nein«, stöhnt er, als er sicher vor Ron auf festem Boden steht. Seine tauben Beine beginnen zu kribbeln. »Hör mal, Ron, das - ich weiß, dass sie sich darauf eingeschossen hat, weil sie denkt, dass ich auf ihn stehe, obwohl ich ihn einfach nur respektiere, aber ... Ich habe ihn noch nicht einmal gefunden! Und wenn, dann würde ich bestimmt nicht -«

Wie erwartet, ist Ron dermaßen schockiert von Ginnys Idee, dass er Harrys Worte mit hektischem Nicken unterstreicht. »Mann!«, stößt er hervor und fährt sich mit zitternden Fingern durch das rote, kurze Haar. »Ich hatte solche Panik, dass es wahr ist - einfach irre. Ich meine, Hermine denkt zwar, dass du wirklich -« Er verzieht den Mund. »Echt, ich kann es nicht einmal aussprechen.«

»Hermine denkt, dass ich was? Mit Snape -?«

Betreten die Augen abwendend, nickt Ron. Obwohl er immer noch blass ist, scheint Harrys Vehemenz ihn zu erleichtern.

»Ich würde niemals mit ihm ins Bett gehen! Das ist widerlich«, sagt Harry, das letzte Wort ein heftiges Aufwallen.

Ron lächelt schwach, schaut ihn jedoch immer noch nicht an. Harry nutzt seine Unaufmerksamkeit, um den Zauberstab aus Stechpalme in seine rechte Hand zu schütteln, denn er vermutet, dass sein Freund ihn möglicherweise angreifen könnte, sobald er ihm alles gesagt hat.

»Ich habe die ganze Zeit versucht, ihr zu erklären, dass ich vielleicht mal für Snape geschwärmt habe, aber dass das Jahre her ist! Nur, Ron ... In einem Punkt hat sie recht. Ich bin wirklich schwul. Und deswegen lassen wir uns scheiden.«

Das Lächeln verblasst merklich, was Rons Wangen scheinbar schlaff herabhängen lässt.

»Also, ich wusste nicht, wo ich dich abholen soll, weil Ginny gemeint hat, dass du in vorletzte Nacht ausgezogen bist«, murmelt er verhastet, während er mit der Spitze seines Turnschuhs auf den Bodenfrost einhackt. »Aber ich dachte mir, ich versuche es einfach mal hier. Immerhin bist du oft auf dem Friedhof, wenn irgendwas los ist. Ähm. Mann, ich will ja kein beschissener Freund sein oder so, aber was du abgezogen hast, ist wirklich -«

Verunsichert blinzelt Harry Ron an. Harry erinnert sich daran, wie er am Montag noch herumgetönt hat, Ginny als seine Schwester habe eine höhere Priorität für ihn als er und er solle sie bloß nicht verletzen. Dass er sie nun verletzt hat, ist offensichtlich, aber Ron steht nur da, plappert vor sich hin und hegt offenbar keineswegs die Absicht, ihn zu attackieren.

Ohne sich darum zu scheren, den Zauberstab vor Rons vorsichtigem Blick zu verbergen, sieht er auf seine Armbanduhr. Es ist fünf nach acht, was bedeutet, dass er seit einer verdammten Stunde auf diesem Friedhof herumlungert und sich an dem bisher wichtigsten Tag seiner Karriere verspäten wird.

Wenn die Gedanken an Snape ihn derartig ablenken, sollte er sein Grab nie wieder vor der Arbeit besuchen, so viel ist klar. Er blickt auf. Ron starrt leidend auf Harrys Zauberstabhand.

»Ich will dich nicht angreifen, weißt du? Ich will einfach nur - ich weiß auch nicht. Aber du kannst nichts dafür, oder? Kannst nichts daran ändern.« Er zuckt mit den Schultern. Das kummervoll verzogene Gesicht scheint Harry derart übertrieben, dass ein Lachen in seiner Kehle kribbelt.

»Immerhin hast du es versucht, und das ist doch auch was. Deswegen wollte ich dich einfach wie versprochen abholen und -« Wieder hebt er die Schultern an. Diesmal sieht er Harry direkt in die Augen, wendet den Blick jedoch eine Sekunde später unbehaglich ab.

Es ist seltsam, dass Ron sich jetzt, da Harry keine Probleme damit hätte, von ihm verraten zu werden, als wahrer Freund erweist.

»Sag mal, kannst du etwa damit leben, dass ich auf Schwänze stehe, Ron?«, fragt Harry in einem unschuldigen Ton und lässt zu, dass seine Lippen sich zu einem Grinsen verziehen, als sein Freund zusammenzuckt.

Doch Ron fängt sich rasch, blickt auf und lächelt schwach. »Vielleicht nicht unbedingt, wenn du es so ausdrückst.«

Die Heiterkeit, die aus Harry hervorblubbert, ist nicht vorgetäuscht, was er erstaunt zur Kenntnis nimmt. Er schiebt den Zauberstab wieder in sein Halfter und streckt die Hand nach Ron aus. »Gut, dann schwöre ich dir, dass ich nie wieder mit dir über Schwänze rede - von diesem einen Mal abgesehen. Aber ich bin schon seit ein paar Minuten zu spät, also sollten wir wirklich abhauen. Danke fürs Abholen, übrigens.«

»Siehst du, was die alte Fledermaus dir nach all der Zeit immer noch antut?«, brummt Ron grinsend und nimmt Harrys Hand. »Jetzt wird Robards dir ein zweites Arschloch verpassen, was ... in deinem Fall ja nur nützlich sein kann.«

Harry bläst empört die Wangen auf. »Jetzt fang du nicht damit an, wenn ich schon nicht drüber reden darf.«

~


Nach einer überhasteten Verabschiedung von Ron sprintet Harry aus dem Aufzug, die labyrinthartigen Gänge entlang zu seinem Büro. Er atmet schwer, und als er die Tür aufreißt, findet er Alistair mit grimmiger Miene an seinem Schreibtisch vor. Er hält den Arm hoch und tippt auf seine Armbanduhr, sagt jedoch nichts.

Harry hält sich keuchend die Seite, wo ein scharfer Schmerz aufpulst, presst eine Entschuldigung hervor und tritt die Tür mit dem Fuß ins Schloss, was seinen Partner missbilligend schnaufen lässt.

»Nun, da du mich endlich mit deiner Anwesenheit beehrst, hast du also nichts Besseres zu tun, als das Eigentum des Staates zu beschädigen - deines Arbeitgebers«, murrt er und schürzt die Lippen.

Fehlt nur noch, dass er ein empörtes »Also wirklich!« hinzufügt. Der Gedanke lässt Harry rasch den Kopf senken, damit er sein Lächeln vor Alistair verstecken kann.

»Ich habe mir Folgendes überlegt.« Übergangslos beginnt er damit, seinen Plan zu erklären, wobei er sich von seinem Stuhl hochwuchtet, vermutlich, um ein beeindruckenderes Bild abzugeben, was ihm zweifellos gelingt; er ist dermaßen massiv, dass Harry sich vor ihm wie eine halbe Portion vorkommt. Die Hände in seine stechenden Seiten gekrampft, richtet Harry sich auf.

»Das Herrenhaus der Familie besteht aus zwei Teilen, einem ... nennen wir es Wohnkomplex. Daneben gibt es noch die Stallungen, ein Bau, der ebenso protzig ist, zumindest aus der Vogelperspektive. Wir sollten jedoch davon ausgehen, dass uns vor allem das Hauptanwesen interessiert. Wir haben es mit drei Stockwerken zu tun. Da wir lediglich zu zweit sind, stellt uns das vor ein Problem. Wir könnten Hilfe von der Magischen Strafverfolgungspatrouille anfordern, aber wir sollten größer denken. Du willst dich nach dem Misserfolg mit Harper sicher ebenso beweisen wie ich, nicht wahr?«

Obwohl Milner nicht den Eindruck erweckt, eine Antwort zu erwarten, nickt Harry hastig. »Natürlich, Al. Aber du hast doch selbst gehört, dass es dem Abteilungsleiter nicht darum geht, die Sache ordentlich über die Bühne zu bringen.« Jede Regung seines Partners beobachtend, krallt Harry aufgeregt die Fingernägel in seine Handfläche. »Ich denke, es wäre mehr wert, sich vor den richtigen Personen zu beweisen«, fügt er in einem zögerlichen Ton hinzu, als wäre er sich nicht ganz sicher, ob er Alistair trauen kann.

Jetzt würde sich entscheiden, wie er vorgehen muss.

Zu Harrys Entzücken verdüstert Alistairs Miene sich, als er den Köder bereitwillig schluckt und seine Haltung in der Angelegenheit durchsickern lässt. »Eben deswegen sollten wir allein gehen. Je mehr Männer wir einschleusen, desto eher haben wir einen dabei, der sich profilieren möchte und zu einer ... zweifelhaften Moral neigt. Daher schlage ich vor, dass einer von uns die Familie bewacht, während der andere das Anwesen mittels Aufspürzaubern untersucht. Das sollte uns relativ schnell auf die richtige Spur bringen.«

Harry versucht, den Anschein zu erwecken, intensiv über den Vorschlag seines Partners nachzudenken. Dazu legt er die Hand an sein Kinn und schürzt die Lippen.

»Vielleicht, wenn ... Also, ich bin mir sicher, dass sie einen Kerl wie dich mehr fürchten als einen Jungen, der sich bereits mit ihrem Sohn in der Schulzeit in den Haaren hatte, Bezwinger Voldemorts oder nicht«, murmelt er, wobei er das Zusammenzucken Alistairs aufgrund des Namens wohlwollend ignoriert. »Wenn ich sie allein bewache, würden sie vielleicht irgendetwas versuchen, aber ... Gerade weil ich noch lerne, könnte ich genau so gut etwas übersehen, das vielleicht wichtig ist.«

»Was soll das heißen, einen Kerl wie mich?«, fragt Alistair, dem Ton nach milde empört.

Es ist eine Reaktion, auf die Harry nur hat hoffen können. »Einen Mann, der die Autorität von zwanzig Dienstjahren ausstrahlt.« Zerstreut rupft Harry sich die Brille von der Nase, blinzelt ein wenig, als wäre er so kurzsichtig wie früher, und beginnt, sie an seinem Ärmel zu säubern. »Es ist eine schwierige Entscheidung. Mich könnten sie überrumpeln.« Er blinzelt noch ein wenig mehr. »Es wird anders sein als auf dem Schlachtfeld, oder?«

»Sicher ist es nicht ganz so instinktiv - vor allem geht es darum, sich erst einmal um die Einhaltung der Protokolle zu kümmern, aber gleichzeitig gewappnet zu sein. Das sind tatsächlich Dinge, die sich mit ausreichend Erfahrung einstellen.« Nachdem er die Brille wieder auf seine Nase geschoben hat, fixiert Harry seinen Partner durch die falschen Gläser. Der Mann stößt gerade ein tiefes Seufzen aus. »Eine absolute Schnapsidee, pro Haushalt nur ein einzelnes Team loszuschicken, wenn du mich fragst.«

»Besonders bei so weitläufigen Haushalten. Woher weißt du eigentlich, wie das Haus aufgebaut ist?«, fragt Harry neugierig, eine Prise gespielter Bewunderung unter seine Worte gemischt. Der Effekt ist unübersehbar; die Wangen Milners röten sich leicht.

»Nun, ich war gestern Abend in der Stadthalle von Thirsk, wo man mich freundlicherweise mit einem Plan des Hauses ausgestattet hat.« Alistair lacht und winkt ab. »Persönliches Engagement - auch eine der Sachen, die man als Auror lernen sollte, wenn man so lange im Amt bleiben will wie ich.« Er greift nach einer großen Pergamentrolle und breitet sie auf dem Tisch auf. »Sieh her. Präg dir den Aufbau der Stockwerke und die Lage der Treppenaufgänge gut ein.«

Mit einem mulmigen Gefühl im Magen tritt Harry auf den Schreibtisch zu und starrt auf den Plan. Die Grundrisse dreier Stockwerke sind nebeneinander abgebildet. Ebenso die Stallungen, doch auf denen stützt sich Alistairs Pranke gerade ab, sodass Harry sie nicht erkennen kann. Da er mit seinem Partner übereinstimmt, dass sie sich zunächst auf das Haupthaus konzentrieren sollten, schaut er daran vorbei auf die feinen Linien des Plans. Soweit er feststellen kann, unterscheiden sich die einzelnen Stockwerke kaum voneinander.

Mit der anderen Hand fährt Alistair die Flure entlang. »Bedenke, dass das Haus im Inneren aufgebaut ist wie eine Rotunde um den Eingangsbereich herum. Du kannst also, sobald du auf den Fluren im ersten und zweiten Stockwerk bist, jederzeit in die Eingangshalle runterschauen. Ich werde die Familie genau dort festhalten, und sobald du auch nur ein kleines Fitzelchen eines dunklen Zaubers gefunden hast, wirst du mir Bescheid geben.«

»Heißt das«, murmelt Harry, die Stimme vor Spannung angeraut, »dass ich das ganze Haus filzen soll?«

»So haben wir die besten Chancen. Ich halte sie in Schach, du nutzt einen Aufspürzauber und folgst ihm.« Alistair mustert ihn aufmerksam. »Nun mach dir keine Gedanken. Sobald du mit deiner Suche fertig bist, werde ich die Familie um eine vollständige Führung bitten. Uns wird nichts entgehen, aber wir schieben ihnen auch nichts unter. Klar?«

»Das hatte ich ganz sicher nicht vor.«

»Gut. Eine Sache noch - sollten wir tatsächlich etwas finden, wirst du mich brauchen, um alle drei festzunehmen. Andernfalls musst du dich allein mit der Presse herumschlagen. Robards Anweisung. Das schaffst du doch, oder?«

»Ich glaube schon.« Mit seiner vor Aufregung trockenen Zunge wischt Harry über seine Lippen. Er nickt, scheinbar beklommen, während in Wahrheit sein Herz in einem aufgeregten Stakkato in seinem Brustkorb hämmert. »Nein. Ich werde es schaffen.«

»Das wollte ich hören. Wir sehen uns in fünf Minuten auf dem Apparierplatz, Auror Potter. Komm dieses Mal nicht zu spät, sonst gehe ich allein.« Milner rollt den Plan wieder zusammen und steckt ihn sich unter die Achsel, bevor er an Harry vorbei aus dem Büro watschelt, offenbar, um ihm die Gelegenheit zu geben, sich unbeobachtet anzuziehen.

Kaum fällt die Tür hinter ihm ins Schloss, atmet Harry laut aus. Das Abflauen der Anspannung lässt seine Finger zucken, und ein erleichtertes Grinsen legt sich auf seine Lippen. Er hat es geschafft, die erste Hürde auf seinem Weg. Sein Partner, besänftigt durch Harrys scheinbaren Respekt vor seinen Erfolgen, wird ihm freie Hand lassen.

Lediglich ein klein wenig Stolz hat es ihn gekostet, sich mit all dem Blinzeln und Zögern sichtlich wehrlos hinzustellen, doch angesichts dessen, was ihm diese kleine Manipulation einbringen könnte, wird er sich bestimmt nicht darüber ärgern.

Er kann gar nicht fassen, dass er vor ein paar Minuten noch entmutigt darüber nachgegrübelt hat, ob er seine Pläne nicht lieber fallenlassen sollte. Bebend vor Aufregung zieht er den Umhang aus der Hosentasche, vergrößert ihn wieder und zerrt ihn über den Kopf. Er kann es kaum erwarten, das Haus zu durchsuchen, natürlich absolut nichts zu finden und vielleicht ein paar Minuten mit Draco allein zu sein.

~


Alistair und Harry kommen in einem kleinen Wäldchen neben dem Haupthaus an, dem Apparierplatz des Grundstücks, und treten schweigend auf einen weitläufigen Landschaftsgarten hinaus. Gemurmel erhebt sich, hin und wieder blitzt ein helles Licht auf; um einen prachtvollen Springbrunnen herum steht eine Traube von Reportern versammelt. Harry spürt Missmut in seinem Magen aufwirbeln, durchzogen von dem kurzen Aufblitzen eines Triumphgefühls. Robards hat nicht zu viel versprochen.

Er sieht aus den Augenwinkeln, wie Alistair seinen Zauberstab zieht und routiniert im Vorbeigehen den Barrierezauber um den Brunnen herum errichtet. Ein milchig-nebliges Schutzschild sprotzt aus der Spitze. Ein Bild, das eine unangenehme Assoziation in Harry aufwirbelt, obwohl er diesen Zauber hunderte Male selbst angewendet hat.

Er mustert die Gesichter der Männer und Frauen, die ihn ebenso unverhohlen anstarren. Rufe werden laut.

»Mr Potter, sehen Sie hier herüber!«, kreischt eine Frau, die ihn, kaum, dass er ihrer Aufforderung nachkommt, mit einem Blitzlicht blendet.

»Reizend«, brummt Alistair. »Die sind viel zu früh dran - am Ende haben sie die Malfoys vorgewarnt. Lass dich jetzt bloß nicht von denen ablenken. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, so zweifelhaft es auch ist.«

Dann eilt er die Freitreppe hoch, Harry mit einer Schrittlänge Abstand hintendrein. Trotz der mahnenden Worte hat er den Eindruck, dass der Mann den Bauch einzieht und die Brust vorstreckt, um ein imposanteres Bild abzugeben. Die Kameras blitzen ein weiteres Mal, als er den schlangenförmigen Türklopfer packt und dreimal laut gegen die Tür hämmert.

Es dauert lange, bis sich etwas rührt. Die ganze Welt scheint kollektiv den Atem anzuhalten, ehe sich die Tür einen Spaltbreit öffnet und Lucius Malfoy den Kopf herausstreckt. Das lange, blonde Haar hängt schlaff herab, und seine grauen Augen weiten sich, als er Harry und Alistair in ihren offiziellen Aurorenroben erkennt. Sein Blick ruckt stockend über die versammelten Reporter hinter der Barriere, dann zurück zu Harry, den er langsam, von der Blitznarbe bis zu seinen ausgelatschten Kampfstiefeln, mustert.

»Guten Morgen«, sagt Alistair freundlich und nestelt an seiner Brusttasche, um den offiziellen Durchsuchungsbefehl hervorzuziehen und ihn Malfoy feierlich unter die Nase zu halten. »Wie ich höre, haben Sie eine Hausdurchsuchung bestellt.« Er gluckst leise über seinen lahmen Scherz. »Aber selbst wenn nicht, haben Sie keine Wahl. Aus dem Weg.«

Es klingt wie ein gut gemeinter Ratschlag, doch Malfoy, sichtlich bemüht, das Entsetzen auf seinem Gesicht zu glätten, öffnet die Tür weit und tritt beiseite, um sie einzulassen. Eine Gelegenheit, die Alistair ergreift, ohne zu zögern. Harry dreht sich noch einmal zu den Reportern um und lächelt zaghaft. Weitere Fotos werden geschossen - er weiß, dass er ihnen gerade ein wunderbares Bild für die Titelseite geliefert hat.

Nur, dass es in jenem Artikel es ganz sicher nicht um die Hausdurchsuchung gehen wird.

Als er das Haus betritt und Malfoy die Tür hinter ihm zuknallt, wischt Harry sich die vor Nervosität feuchten Handflächen an seinem Umhang ab. Da sein einziger Besuch unerfreulicher Natur gewesen ist und ohnehin vor der Neuerrichtung des Hauses in den nördlichen Mooren Englands stattgefunden hat, hält er inne und blickt sich um.

Die Eingangshalle ist riesig; sein Haus in Godrics Hollow hätte wahrscheinlich zweimal hineingepasst, wobei der Wert der hier versammelten Kunstgegenstände den der Häuser immer noch überstiegen hätte. Von den offenen Fluren der oberen Stockwerke aus muss man einen sagenhaften Blick auf all den Plunder haben.

Er zählt zehn Marmorbüsten auf weißen Sockeln, bis Lucius Malfoy die Nerven verliert.

»Hören Sie, was auch immer Sie während Ihrer Durchsuchung in meinem Haus zu finden erhoffen, keiner der hier Lebenden hat irgendetwas verbrochen!«, keift er. Seine wütende Stimme scheint anzuschwellen und wird von den Wänden zurückgeworfen. »Sie haben kein Recht -«

»Dieses vom Minister persönlich unterzeichnete Dokument gibt uns das unanfechtbare Recht, jeden einzelnen Stein hier umzudrehen, Malfoy«, erwidert Alistair unbeeindruckt, bevor er Lucius den Durchsuchungsbefehl ins Gesicht drückt. »Versammeln Sie ihre Angehörigen hier in der Eingangshalle. Zusätzlich hätte ich gern jeden einzelnen Ihrer Hauselfen in meiner Nähe. Außerdem rate ich Ihnen, nicht zu versuchen, irgendein krummes Ding abzuziehen. Wir sind da mittlerweile sehr empfindlich.«

Malfoys Wangen färben sich allmählich rosa. Mit bebenden Händen reißt er Milner den Durchsuchungsbefehl aus der Hand, um ihn angewidert anzustarren, als habe er ihn persönlich beleidigt. »Sie wissen sehr gut, dass all unsere Hauselfen vom Ministerium eingezogen wurden.«

Ein schmales Lächeln breitet sich auf Alistairs Gesicht aus. »Ach ja. Muss mir glatt entfallen sein.«

»Zissy! Komm sofort her!«, ruft Mr Malfoy laut. Eine Tür links von Harry öffnet sich unvermittelt, als hätte Mrs Malfoy, von dem Geschrei angelockt, lediglich auf die Aufforderung ihres Mannes gewartet. Elegant schreitet sie in einem kostbaren Seidenkleid auf sie zu und stellt sich neben ihm auf. »Mein Sohn ist gegenwärtig außer Haus. Sonst ist niemand hier.«

»Sie haben sicher nichts dagegen, wenn wir die Abwesenheit anderer Personen überprüfen«, brummt Alistair nach einem kritischen Blick auf das Paar. Die Malfoys flüstern sich leise zischend unverständliche Worte zu. Er stößt Harry seinen Ellbogen in die Seite. »Na los.«

Eine Sekunde lang zittern seine Mundwinkel, doch Harry schafft es, sich rasch unter Kontrolle zu bringen. Dass Draco nicht zuhause ist, ist ungemein enttäuschend. Seit er von dem Auftrag erfahren hat, denkt er an ihn, an ihr Wiedersehen, daran, wie er in dem Entsetzen seines ehemaligen Rivalen schwelgen wird, ehe er ihm einen einmaligen Ausweg bietet ...

Aber seine Anwesenheit während der Durchsuchung ist dazu nicht zwingend erforderlich. Hat er die Malfoys erst einmal vor den Folgen seines Besuchs bewahrt, kann er jederzeit zurückkehren, um seinen Preis einzufordern.

Er atmet tief ein, um sich zu wappnen, dann hebt er seinen Zauberstab aus Stechpalme und murmelt: »Homenum Revelio

Zunächst geschieht nichts. Harry sieht sich um und hebt den Kopf, um in die oberen Stockwerke zu sehen. Sein Magen macht einen kleinen, freudigen Hüpfer, als er einen rötlichen Schatten wahrnimmt, der sich zitternd in einem der Zimmer im ersten Stock herumdrückt. Er verbeißt sich ein spöttisches Lächeln. Wer hätte denn auch erwartet, dass die Malfoys fair spielen?

Er dreht sich zu den Versammelten um. Die beiden Malfoys mustern ihn, Narzissa offen besorgt, Lucius mit undeutbarer Miene, während Alistair auffordernd eine Augenbraue hebt. »Alles sauber«, sagt er schwach lächelnd.

Harry kann nur hoffen, dass sein Partner ihm traut und die Abwesenheit anderer Menschen nicht selbst überprüft - wie peinlich wäre es, sich damit herausreden zu müssen, dass der Zauber ihm wohl misslungen sei?

»Prima«, sagt Alistair und beschwört locker aus dem Handgelenk drei ungemütlich aussehende Klappstühle herauf. »Dürfte ich Sie also einladen, Platz zu nehmen? Das wird nicht allzu lange dauern.«

Harry schaut dabei zu, wie die Malfoys der Aufforderung nachkommen, wobei Milner eine zufriedene Miene aufsetzt, als wäre es ihm den ganzen Morgen bloß darum gegangen, sich in der Eingangshalle des Gutshauses auf einem Stuhl zu entspannen. Tatsächlich zieht er eine Muggel-Thermoskanne hervor und gießt sich einen Schluck dampfenden Tees ein, bevor er Harry ein breites Grinsen zuwirft.

»Na dann, auf ans Werk, Auror Potter.«

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Dienstag geht es dann weiter mit der Hausdurchsuchung :)
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