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Unter meiner Uniform

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter Severus Snape
20.05.2021
30.07.2021
22
94.456
14
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08.06.2021 4.848
 
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Den restlichen Tag hat Draco damit verbracht, durch das Haus zu stampfen und sämtliche magischen Gegenstände, deren Nutzen mindestens dubios ist, in ein Laken zu werfen, welches er hinter sich herzieht. Es ist beinahe lächerlich; kein einziges Zimmer kann er betreten, ohne gleich auf irgendetwas zu stoßen, vollkommen unverborgen, das sie zweifellos in Schwierigkeiten bringen würde.

Es ist wie eine anrüchige Reise in die finstere Gedankenwelt eines Wahnsinnigen gewesen. Ausgestellt in Vitrinen, lose zwischen ein paar Büchern auf Regalbrettern, sind sie ihm sofort aufgefallen: Verfluchte Alltagsgegenstände, manche sogar fein säuberlich mit Plaketten versehen.

Draco hat mehrere menschliche Schädel, das Teilstück irgendeines Darms, einen blutsaugenden Kamm und die geschnitzte Knochenflöte, an die er sich mit Schrecken erinnert, in den provisorischen Sack schweben lassen. Die meisten Objekte sind dabei wahrscheinlich nur für einen dunklen Magier von Wert und werden sich äußerst schwer verkaufen lassen, doch sicherlich ist das ein oder andere Artefakt dabei, das einen guten Preis erzielen könnte.

Der letzte Raum, der ihm zu durchsuchen bleibt, ist der Dachboden, der nur vom Dienstbotentrakt aus betreten werden kann. Eine schmale, nicht besonders vertrauenerweckende Holzstiege führt aus der stillen Küche hinauf.

Draco hat die Küche selten betreten, der Geschichte seiner Mutter zum Trotz – die Hauselfen sind stets zu ihm gekommen, um ihm das Gebäck aufzuschwatzen, doch er muss zugeben, dass er sich keine Mühe gegeben hat, jemals etwas davon abzulehnen.

Die Oberflächen glänzen in dem Licht seines Zauberstabs sauber vor sich hin, als er an mehreren Öfen vorbeischlendert und sich der Treppe mit einem skeptischen Ausdruck auf dem Gesicht nähert. Er kann sich nicht vorstellen, dass sich dort oben etwas finden lässt. Was könnten Menschen, die ihre illegalen Besitztümer dermaßen offenherzig ausstellen, schon verstecken wollen? Doch Draco, der seine Zukunft keinen Wahrscheinlichkeiten anvertrauen will, krallt die Enden des Lakens fest aneinander und macht sich vorsichtig an den Aufstieg.

Wenig später erstreckt sich der Dachboden in all seiner staubigen, weitläufigen und enttäuschend leerstehenden Pracht vor ihm. Ein paar alte Schränke und Kommoden, deren Schnitzereien unter einer dicken Staubschicht verborgen liegen, stehen aufgereiht an den Wänden, zusammengerollte Läufer sind danebengelehnt und eine einzelne, traurige Kiste ist unter das schräge Dachfenster geschoben worden.

Der Staub kribbelt in seiner Nase, als Draco sich ihr nähert, das Laken durch den Dreck ziehend. Das goldene Schloss der Truhe sieht aus, als wäre es geschmolzen worden, doch eine leichte Berührung seiner Fingerspitzen reicht aus, um es aufschnappen zu lassen. Blutmagie – nicht verboten, allgemein jedoch mit Misstrauen betrachtet. Er würde die Kiste schrumpfen und ebenfalls zu all dem anderen Krempel werfen müssen.

Ein nachlässiger Blick ins Innere offenbart ihm ein paar handgeschriebene Journale und ein bemerkenswert gut erhaltenes, goldenes Fernglas, das im Lichtkegel aus Dracos Zauberstab verlockend schimmert. Nun, es ist sicherlich ein schönes Stück, was einen darin verwobenen dunklen Zauber ausgesprochen unwahrscheinlich macht. Dracos Erfahrung nach erwecken die meisten schwarzmagischen Gegenstände einen zumindest unbehaglichen Eindruck beim Betrachter, doch sicher sein kann man sich nie.

Er will die Kiste gerade wieder verschließen, als er die Treppe leise knarren hört. Sein schreckhaftes Herz pocht schneller, während er sich umwendet und mit erhobenem Zauberstab in das verwunderte Gesicht seiner Mutter blickt, das sich gerade durch die Öffnung im Boden schiebt.

»Draco!«, ruft sie aus und ächzt, dann erklimmt sie naserümpfend die restlichen Stufen. »Was machst du denn hier oben?«

Das ist mal wieder typisch. Den ganzen Tag lang ist er herumgelaufen und hat im gesamten Haus jedes verdächtige Objekt eingesammelt, ohne, dass sich irgendwer darum geschert hätte. Beim allerletzten Artefakt aber kommt ihm seine Mutter auf die Schliche und will ihn, ihrem argwöhnischen Blick nach zu urteilen, daran hindern, sie alle zu retten. Er verzieht die Lippen zu einem schmalen Strich, ein Ausdruck, den sie normalerweise für ihn reserviert hat.

»Ich bin dabei, uns vor Askaban zu bewahren, Mutter. Wie du selbst bereits festgestellt hast, werden uns die Auroren nicht übergehen. Was suchst du hier?«

Nach einem weiteren angewiderten Blick auf die staubige Umgebung rafft Narzissa den glänzenden, nachtblauen Umhang fester um sich und strafft die Schultern. »Du hast nichts zu befürchten, Draco. Was ich zu deinem Vater gesagt habe, ist für dich nicht von Belang – doch trotzdem möchte ich dich um Verzeihung für die Sorge bitten, die wir dir bereitet haben, denn ich weiß, dass Lucius es nicht tun wird.«

Betreten schaut Draco zu Boden. Der Tag außerhalb seines trostlosen Trotts hat ihm gutgetan, und außerdem glaubt er nicht daran, dass seine Mutter der Grund für ihre Schwierigkeiten ist. Vermutlich besitzt sie genug Grips, um die Füße still zu halten, während sie unter restriktiven Bewährungsauflagen steht.

»Dabei ist er doch derjenige, der uns die ganzen Probleme aufgebürdet hat«, erwidert er dunkel, bevor er sich auf die Zunge beißen kann.

Narzissa seufzt bloß leise. Anders als sonst scheint sie ihm seine Respektlosigkeit nicht vorwerfen zu wollen. »Darf ich erfahren, was du mit deiner ... Beute vorhast?«, fragt sie schließlich trocken. Draco hebt das Kinn und blickt milde überrascht auf das feine Lächeln, zu dem ihre Lippen sich verzogen haben.

»Im Moor versenken«, antwortet er rasch. Seine Mutter schiebt skeptisch die Unterlippe ein Stückchen vor, was seine Hoffnung, nicht bei der offensichtlichen Lüge ertappt zu werden, gleich im Keim erstickt.

»Ich hoffe, du bist dir im Klaren darüber, dass ich dir nicht erlauben kann, auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen, solange du illegale Gegenstände mit dir trägst«, sagt sie leise.

Ihre Miene glättet sich, noch während sie spricht, was ihr einen irgendwie müden, wächsernen Eindruck verleiht. So steinern ihr Gesicht auch ist, der angespannte Blick aus ihren blauen Augen flattert hektisch zwischen dem Fenster und Draco hin und her.

Beklommen wendet er sich um und starrt ebenfalls aus dem Dachfenster, doch mit Ausnahme hellgrauer Wolken, die sich von dem tintenschwarzen Nachthimmel abheben wie Leichentücher, kann er nichts Besonderes erkennen.

»Ich kann dir nicht gestatten, das Haus mit diesem Sack zu verlassen«, wiederholt sie drängend. »Obwohl ich dir dankbar dafür bin, dass du die Objekte zusammengesucht hast, muss ich darauf bestehen, dass du sie mir auf der Stelle aushändigst.«

Draco fährt herum. Inzwischen ist die Ruhelosigkeit aus Narzissas Blick geschwunden; unverwandt schaut sie ihn an, die Stirn gerunzelt. Er fühlt eine taube Frustration in sich aufsteigen. Seine Mutter ist eine talentierte Hexe – selbst, wenn er sich unter Aufbietung all seiner Verächtlichkeit dazu durchringen könnte, seinen Zauberstab gegen die Frau zu erheben, die ihn auf die Welt gebracht hat, hätte er nicht den Hauch einer Chance gegen sie. Es bleibt ihm keine Wahl, er würde seine Beute aufgeben müssen.

Ihm ist nicht ganz klar gewesen, wo und wie er die Sachen hätte verkaufen sollen, doch wenn er es irgendwie geschafft hätte, wäre das zweifellos der einzige Weg in die Freiheit gewesen, der ihm geblieben wäre. Er würde wieder von vorn anfangen müssen, denn die Vasen und das Tafelsilber zu stehlen, käme sicher nicht infrage. So tief würde er nicht sinken, bloß, um sich von seinen Eltern zu lösen.

»Aber ... Wie schaffen wir es sonst, uns aus der Hausdurchsuchung herauszuwinden?«, fragt er mutlos. »Wieso – wieso zerstören wir die Artefakte nicht einfach? Ich meine, was hindert uns daran, uns später wieder Neue zu besorgen?«

Ohne ihn aus den Augen zu lassen, tritt Narzissa an ihn heran und legt ihm eine zittrige Hand auf die Schulter. Dann stellt sie sich auf die Zehenspitzen und schmiegt ihre Wange an seine. Vor Überraschung stößt Draco ein leises, peinliches Schniefen aus, doch natürlich sucht sie nicht nach körperlicher Nähe und einer Schulter zum Anlehnen.

»Hör zu, Draco. Was du dir auch ausgedacht hast, wir werden einen anderen Weg finden müssen«, raunt sie in sein Ohr. Er muss sich anstrengen, sie überhaupt zu verstehen. »Als ich versucht habe, Astoria heute Morgen im Garten herumzuführen, ist es mir aufgefallen. Die Hecken haben sich wie von selbst bewegt. Unser Haus wird überwacht.«

Das Entsetzen sickert schwer in Dracos Brust. Nun zittert nicht nur die Hand seiner Mutter, auch in seinen Gliedern breitet es sich aus wie eine ansteckende Krankheit.

»Wenn du dich mit den Artefakten von ihnen erwischen lässt, ist alles aus.«

So endet einer der innigsten Momente, die er je mit dieser Frau geteilt hat. Sie lässt sich wieder auf die Hacken sinken, zieht die Hand von seiner Schulter und bedenkt ihn mit einem strengen Blick, der nach ihren Worten aufgesetzt und falsch auf Draco wirkt. »Wir vernichten sie nicht, weil die wenigsten dieser Stücke uns gehören.«

»Aber –« Draco spürt, wie sein Gesicht sich verzerrt und das Entsetzen spiegelt, das längst durch seine Adern rauscht. »Aber wenn sie nicht uns gehören, ist es doch noch einfacher!« Als würde sie ihn nicht hören können, fixiert Narzissa das Laken, bevor sie es aus seinem Griff windet. »Wer auch immer der Besitzer ist, kann nicht wollen, dass wir uns dafür verhaften lassen! Und selbst wenn – was ist dir wichtiger?«

Er hat eigentlich fragen wollen, ob sie wirklich bereit wäre, ihren eigenen Sohn der Strafverfolgung zu überantworten, für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, nur, um irgendeinen Tand für ihre Kontakte aufzubewahren, doch er bringt es nicht über die Lippen. Vermutlich würde sein Argument ohnehin ungehört zwischen ihnen verklingen. Nun bückt seine Mutter sich, um abschätzig in den gesammelten Schätzen zu kramen.

»Das ist doch sinnlos! Wenn die Auroren das Zeug finden, wandert es ohnehin in irgendeine Beweismittelkiste«, versucht er es noch einmal.

Diesmal presst sie ihre Lippen zu einem schmalen Strich zusammen, bevor sie sich aufrichtet, in der rechten Hand einen Schädel, in der linken die Knochenflöte. Draco bemüht sich, sie nicht anzusehen. »Dein Vater hat einen Unbrechbaren Schwur abgelegt, diese beiden Gegenstände mit seinem Leben zu schützen, Draco. Verstehst du nun, wieso wir einen anderen Weg finden werden?«

»Wirklich? Ein – ein Schädel und eine Flöte? Wieso sollte er – für einen solchen Tand ...?«

Seine Stimme klingt schrill, doch im Augenblick kann Draco sich nicht auch noch darum sorgen, wie peinlich er klingt. Er hat das Gefühl, alles würde von ihm wegbrechen, seine Zukunft ebenso wie die Kontrolle über sein Leben.

Sie werden etwas finden, denn dumm sind diese Auroren nicht, im Gegenteil. Wenn das Sondereinsatzkommando des Ministeriums sie durchsucht, müsste schon ein Wunder geschehen, damit sie verschont blieben.

»Beide Objekte gehören deinem Patenonkel.« Narzissa kräuselt die Lippen. »Dein Vater hat sich dazu entschlossen, seine Schulden bei ihm auf diese Weise zu begleichen; soweit ich weiß, handelt es sich bei der Flöte um ein inoffizielles Erbstück von Albus Dumbledore. Der Schädel ist ein antiker schwarzmagischer Helfer, der älteste, der jemals dazu bewegt werden konnte, einen neuen Herren zu akzeptieren. Du wirst in diesem Haus nichts finden, das weniger berechtigt als Tand bezeichnet werden könnte.«

Draco blinzelt die Gegenstände an und kann sich doch nicht dazu durchringen, sie wichtiger zu finden als seine Freiheit. Auch wenn sie Severus gehören – der einzige, für den er etwas aus uneigennützigen Gründen tun würde –, das wäre es ihm niemals wert. Doch sein Vater, sein dummer, voreiliger Vater, hat ohnehin für ihn entschieden.

Er murrt unwillig. »Was für Schulden –?«

»Das reicht jetzt, Draco. Du wirst mir in dem einen Punkt vertrauen müssen. Dir wird nichts zustoßen. Keine Diskussion wird etwas an der misslichen Lage ändern können, in die dein Vater uns hineinmanövriert hat.«

Natürlich nicht. Während er, noch immer bestürzt von der Ungeheuerlichkeit, die seine Mutter ihm soeben eröffnet hat, dabei zusieht, wie sie Schädel und Flöte sanft an den Rand des Haufens auf dem Laken ablegt, versucht er sich daran zu erinnern, wann seine Stimme jemals etwas bewirkt hätte. Und ob überhaupt. Und was all das an einem Unbrechbaren Schwur ändern sollte. In diesem Punkt hat sie zweifelsohne recht.

Ein irgendwie trauriges Lächeln auf den Lippen, tritt sie hinter ihn und beugt sich über die Kiste, deren goldene Scharniere im Licht glänzen.

»Oh, sieh mal«, sagt sie leise, streicht sich eine Strähne ihres blonden Haars hinter das Ohr und holt das Fernglas hervor. »Ich hatte vergessen, dass wir es damals hier in Sicherheit gebracht haben, als deine Tante sich im Haus einquartiert hat. Es ist ein Einzelstück – ich war besorgt, sie würde einen Weg finden, es zu zerstören. Das ... war ihre Spezialität, seit wir Kinder waren. Weißt du, zu was dieses Fernglas imstande ist?«

Die Nase beleidigt gerunzelt, verschränkt Draco die Arme vor der Brust. Wie sie versucht, ihn vom Thema abzulenken, als wäre er noch immer zehn Jahre alt und ließe sich stets und ständig von ihrer geheuchelten Begeisterung anstecken!

»Nein, Mutter. Ich weiß nicht, was dieses Fernglas kann, und es ist mir auch vollkommen –«

»Ah, aber es ist etwas ganz Besonderes«, unterbricht sie ihn. Draco, der das alles bereits kennt, öffnet den Mund, um etwas lauter weiterzureden, hält jedoch inne, als er feststellt, dass ein feuchter Glanz auf ihren Augen liegt.

»Dein Vater hat es mir damals während unserer Flitterwochen in Venedig geschenkt. Der Vorbesitzer wollte sich nur äußerst ungern davon trennen, und als ich zum ersten Mal hindurchgeschaut habe, wusste ich, warum. Es zeigt dir zu jeder Zeit denjenigen Menschen, der dir am meisten bedeutet. Es ist wie ein Spiegel, der deine Sicht in die Lage versetzt, innerhalb von Sekunden hunderte Meilen zu reisen, um diese Person zu sehen.«

Narzissa hält sich tapfer, das muss Draco ihr zugestehen. Während sie noch um die Kontrolle kämpft und nur das Zittern ihrer Lippen darauf hinweist, wie aufgebracht sie ist, wickelt sich das Bedauern wie eine eherne Kette um sein Herz. Er beißt die Zähne aufeinander, denn er spürt ein Schluchzen aus seiner Brust aufsteigen.

Es ist das erste Mal, an dem sie ihre Flitterwochen überhaupt erwähnt, und sie tut es auf eine Weise, als würde es zu allgemein erwartetem Wissen gehören, dass sie nach Venedig gereist sind, obwohl ihm niemand jemals davon erzählt hat.

Dennoch lässt irgendetwas daran einen Stich in seinen Bauch fahren.

»Am Anfang habe ich es benutzt, um über deinen Vater zu wachen, wenn er sich in wenig vertrauenerweckende Gesellschaft begeben hat«, fügt sie rau hinzu. »Als du dann jedoch geboren wurdest, konnte ich ihn nicht mehr sehen. Es war«, wieder lächelt sie zittrig, »allerdings ziemlich nützlich, um herauszufinden, wie viele Süßigkeiten du ergattert hast. Und als du in Hogwarts warst ... nun. Ich habe keines deiner Quidditchspiele verpasst.«

So geschieht es, dass Draco seine Mutter, von Dreck und Staub und Erinnerungen umgeben, in eine feste Umarmung zieht. Sie reicht ihm bis zum Kinn, und er kann sich nicht entsinnen, wann er so groß geworden ist, gleichzeitig fragt er sich, warum ihm das im Augenblick so wichtig ist. Seine Brust bebt von unterdrückten Schluchzern, und der Umstand verwundert ihn kein bisschen.

Narzissa hat ihm noch nie gesagt, dass sie ihn liebt. Er hat es gewusst, irgendwie, doch gehört hat er es heute Abend zum ersten Mal, wenn es auch nicht in deutlichen Worten ausgesprochen worden ist. Er spürt an seiner Brust und unter seinen Händen, dass sie zittert, und sucht nach Worten, die ausdrücken könnten, was er empfindet. Doch es ist wie ein Sturm in seinem Kopf – wie soll er etwas aussprechen, was er nicht einmal benennen kann?

Und dann ist alles plötzlich vorbei. Seine Mutter lehnt sich ein Stück nach hinten, und Draco lässt los, damit sie sich mit ihrer gruselig geglätteten Miene einen Schritt von ihm entfernen kann – die gesellschaftlich akzeptable Distanz zwischen Mutter und erwachsenem Sohn. Sie hält ihm das Fernglas hin.

»Nimm es, Draco.«

Sie sehen sich an. Für die Dauer eines Wimpernschlags hat Draco das Gefühl, eine versichernde Wärme in ihrem Blick zu erkennen, doch als er genauer hinschauen will, sieht er nichts als taubes Blau. Weil er nicht weiß, was er sonst tun soll, streckt er die Hand aus und nimmt das Fernglas entgegen. Obwohl sie es während seiner Umarmung an die Brust gepresst gehalten hat, fühlt die glatte Oberfläche sich kühl an.

»Wenn du mich jetzt entschuldigst«, sagt sie tonlos, »ich werde mich um diese Artefakte kümmern. Leg dich bald ins Bett, Draco. Es ist spät.«

Nachdem sie, den Sack schwerelos neben sich schwebend, in die Dunkelheit der Küche hinabgestiegen ist, steht Draco ein paar Minuten lang unbeweglich im Staub vergangener Jahrzehnte, das Fernglas nun an seine Brust gedrückt, und blickt dorthin, wo seine Mutter eben noch gestanden hat.

Es fällt ihm schwer, das Gefühl abzuschütteln, dass sie sich nicht um die Artefakte kümmern wird – was soll sie auch tun? Sie kann versuchen, sie zu verstecken, was seinem Vater nur bloße Minuten erkaufen wird.

Auch er kann nichts tun. Wenn es stimmt, dass Beamte des Ministeriums in ihren Hecken hocken und jeden ihrer Schritte überwachen, sind sie vollkommen handlungsunfähig.

~


Als Draco sein Zimmer betritt, wirft er wie von selbst einen Blick auf die Wanduhr. Nun bemerkt er erst, wie verwirrt Mutter gewesen ist – dass es spät sei, hat sie behauptet, und dass er sich ins Bett legen soll, doch in Wahrheit ist es erst neun Uhr am Abend. Er kann nicht behaupten, irgendjemanden zu kennen, der dermaßen früh zu Bett geht; er selbst jedenfalls mit Sicherheit nicht.

Die Augen verdrehend, wendet er sich nach rechts, wo strategisch wirksam seine Couch vor dem Regal aufgebaut ist. Alles nur, um neben dem Kamin an der Wand - frieren soll er dabei schließlich nicht – abends herumzusitzen und in vergangenen Ruhmestaten zu schwelgen, denn in dem Regal hat Mutter seine Mannschaftsrobe, gerahmte Prüfungsergebnisse und Auszeichnungen von irgendwelchen Wettbewerben, zu denen Vater ihn in den Ferien gezwungen hat, einsortiert.

Er kann sich nicht daran erinnern, dass er jemals mit etwas so Dümmlichem seine Zeit verschwendet hätte, und auch heute hat er keinen weiteren Blick für die Dekoration übrig. Obwohl er weiß, was er sehen wird, wenn er durch das Fernglas schaut, fürchtet er sich gleichzeitig auch davor.

Es wird demaskierend und demotivierend sein und er kann es trotzdem nicht lassen, denn die dröge Langeweile hat ihn bereits wieder umschlossen wie einen Kokon, sobald er sein Zimmer betreten hat.

Zögernd dreht er das Fernglas in den Händen, zuckt mit den Schultern. Während er es an sein Gesicht führt, breitet sich eine schwer zu ertragende Nervosität in ihm aus, eine von der Sorte, die seine Hände zittern und seinen Atem stocken lässt, als würde ein Felsbrocken auf seiner Brust ruhen.

Als er die Augenmuscheln gegen seine Augen presst, verdunkeln sich zunächst lediglich die Ränder seines Blickfeldes. Ein stetes Rauschen scheint ihn zu umgeben. Gleichzeitig hat Draco das Gefühl, von der Couch weggerissen und in einen beengten Raum gesogen zu werden. Es beunruhigt ihn, obwohl er sich natürlich noch immer in seinem Zimmer befindet. Sein Rücken ist gegen die Lehne des Sofas gedrückt. Er hat, wie Mutter ihm erklärt hat, lediglich seine Sicht auf eine Reise geschickt.

Langsam baut sich ein Bild auf. Helles Licht und saubere, gekachelte Wände umgeben ihn. Mittig scheint sich ein beschlagener Standspiegel zu materialisieren. Er besitzt eine ebensolche goldene Umrahmung wie sein Eigener; ein feines, teures Stück. Das Rauschen ist nicht abgeklungen. Dracos Magen krampft sich vor Aufregung zusammen.

Das Bild stabilisiert sich vollends. Der Raum stellt sich, wie der Spiegel bereits vermuten lässt, als Badezimmer heraus, und das bedeutet … Das Fernglas auf die Augen gepresst, dreht Draco begierig den Kopf. Sein Herz hämmerte in seiner Brust, als wolle es aus seinem Fleisch schießen. Der Rand einer Badewanne schiebt sich in sein Blickfeld.

Nur noch ein kleines Stückchen – Dracos Wange drückt sich inzwischen schmerzhaft gegen die hölzerne Zierleiste der Rückenlehne, doch wie krampfig er auch daliegen muss, es lohnt sich gewiss; sein Mund wird trocken, als er die Gestalt in der Wanne erkennt.

Ein Blitz scheint durch seinen Körper zu fahren und lässt ihn zusammenzucken, wodurch er ärgerlicherweise kurz den Fokus verliert. Zitternd bohrt Draco den Kopf erneut in harte Holzschnitzereien, schwenkt das Fernglas ein wenig, bis er Potter wieder im Blick hat.

Da steht er, den Rücken gegen die Wand gelehnt, die Augen geschlossen. Seine für gewöhnlich blasse Haut ist von dem heißen Wasser auf eine unwiderstehliche Art gerötet worden. Das dichte, schwarze Haar klebt an seiner Wange. Beschämt von seinem Drang, nach unten zu schauen, nimmt Draco sich zumindest vorher noch die Zeit, die kleinen ovalen Druckstellen der Brille an Potters schmaler Nase zu bewundern, die er noch nie von Nahem und in Ruhe hat betrachten können.

Er folgt den Tropfen, die über Potters nackte Haut gleiten, hinab, an Narben und Brusthaar vorbei, über den flachen Bauch hinweg, und dann ist er am Ziel, obwohl er es eigentlich noch etwas länger hinauszögern wollte. Doch er kann sich seine Gier nicht vorwerfen, nicht jetzt.

Lieber richtet er all seine Aufmerksamkeit auf Potters Intimbereich, auf dieses Nest aus aufregend dunklem Haar, in dem noch ein Schaumrest hängt, und diesen hübschen, niedlichen Penis, der daraus hervorragt. Er ist kleiner, als Draco angenommen hätte, und trotzdem leckt er sich unwillkürlich über die Lippen. Er nimmt kaum wahr, dass er dabei ein paar seiner Haare in seinen Mund zieht.

Draco liebt es, dass die Haut, die Potters Penis bedeckt, dunkler ist als seine eigene. Dass ein Wasserstrahl von dem kleinen Zipfel Vorhaut aus stetig nach unten rinnt. Dass eine dicke Ader sich gut sichtbar von der Wurzel bis zur Spitze zieht. Dann bewegt Potter seine Hüfte, als er sich zur Seite lehnt, um nach einer Shampooflasche zu greifen, und sein Glied hüpft leicht, was Draco nur noch mehr liebt.

Nie zuvor hat er das Glück gehabt, Potter nackt sehen zu können. Sein einziger Versuch vor diesem glücklichen Abend hat nach einem verlorenen Quidditchspiel im sechsten Jahr in Hogwarts stattgefunden und ist schließlich daran gescheitert, dass Potter damals offenbar gern in Shorts geduscht hat.

Im Nachhinein, das muss Draco zugeben, ist auch das ein glücklicher Zufall gewesen. Hätte er gesehen, was er an diesem Abend sieht, wäre er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erwischt worden, womöglich noch mit heruntergelassenen Hosen, versunken in dem Anblick – es wäre sein gesellschaftlicher Selbstmord gewesen.

Draco, der nicht darauf geachtet hat, was Potter weiter oben mit seinen Händen tut, keucht überrascht auf, als der nach seinem Penis greift und beginnt, ihn mit einer großzügigen Portion Duschgel einzuschmieren. Dabei streicht er die Vorhaut zurück und gibt den Blick auf seine Eichel frei. Er reibt ihn sauber, dann ein wenig länger -

Draco rutscht unruhig auf dem weichen Sitzpolster herum, während Potter die Augen öffnet und an sich herabblickt. Er starrt auf seinen Penis und beginnt, tatsächlich daran herumzuspielen.

Das Bild zittert, als Draco das Fernglas unwillkürlich in die andere Hand nimmt. Er ist sich bewusst, dass er mitten in seinem Zimmer sitzt, es erst neun Uhr abends ist, und dass er es eigentlich nicht riskieren kann. Jederzeit könnte Vater reinkommen und ihn entdecken. Wahrscheinlich würde er es nicht einmal bemerken.

Andererseits bleibt ihm wirklich keine andere Wahl. Obwohl Potter natürlich keine Ahnung hat, dass Draco ihn ausspioniert, wäre es beinahe so, als würden sie es zusammen tun. Näher wird er ihm niemals kommen.

Als Potter die Unterlippe zwischen die Zähne saugt, tut Draco es ihm gleich. Während er hektisch an dem Knopf seiner Hose zerrt, beobachtet er entrückt, wie der Penis sich allmählich aufrichtet und dick und schwer und noch dunkler wird. Der Blick in Potters grünen Augen verschwimmt.

Endlich hat Draco es geschafft, sich unelegant aus seinen Hosen zu winden, das Fernglas an seine Augen pressend. Er erschaudert, als die kühle Nachtluft von der offenen Terrassentür aus über seinen Unterleib streicht. Seine eigene Eichel hat sich bereits aus der Vorhaut geschoben, feucht und pochend.

Vermutlich hätte er sich nicht einmal ausziehen müssen; Potter schließt die Hand um seine Erektion und beginnt unvermittelt, in seine Faust zu stoßen. Die bestimmende Art, mit der er seine Hüfte nach vorn hämmert, das Spiel seiner Muskeln unter seiner Haut und das sichtbare Pochen seiner prallen Eichel allein reichen aus, um die heiße, unwiderstehliche Anspannung in Dracos Hüften auflodern zu lassen.

Es ist abzusehen, dass Draco, der durch das aufreizende Bildmaterial und die allgemeine Verdorbenheit der Situation ohnehin schon erregt ist, noch vor Potter kommen würde. Als er nach seinem eigenen Glied greift, spürt er das hektische Puckern bereits. Bemüht, es noch ein wenig hinauszuzögern, streichelt er über seine Länge und hält dann inne. Verreibt seine Lusttropfen auf seiner zum Bersten gespannten Eichel. Zupft ein wenig an seinem Frenulum herum.

Potter, der dessen eigene Bemühungen konzentriert beobachtet, beginnt, leise zu keuchen, und Draco, der noch nie etwas Heißeres gehört hat, zieht rasch die Hand von seinem Penis weg. Doch es ist bereits zu spät – Potters Hüftbewegungen steigern sich zu einem geradezu brutalen Tempo, was mehr und mehr Keuchlaute erzeugt, die Dracos Puls antreiben. Hastig schiebt er die Hand wieder herab, umschließt seinen Penis keine Sekunde zu früh.

Wie eine rauschende Meereswelle reißt der bislang heftigste Höhepunkt seines Lebens ihn weg. Er kommt so brutal, dass sein ganzer Körper im Takt seines Pulses pocht, von den Zehen bis zum Zahnfleisch. Die Augenmuscheln des Fernglases drücken schmerzhaft in seine Haut, doch er nimmt es nur am Rande wahr, denn plötzlich erstarrt Potter, die Augen halbgeschlossen.

Draco hält den Atem an, als ein Beben durch Potters Unterleib geht und sein Penis in mehreren Stößen dicke, weiße Samenstränge in die Luft schießt. Obwohl er sich das bereits die ganzen Zeit lang gedacht hat, bei jeder neuen Grenzüberschreitung, ist Draco sich nun sicher, dass er noch nie etwas Schöneres und gleichzeitig Erregenderes gesehen hat.

Vor Anstrengung zitternd, entblößt und von seinem rasch abkühlenden Samen befleckt, blieb Draco noch ein wenig sitzen, vollkommen reglos.

Mit einem Gefühl schamerfüllter Befriedigung sieht er dabei zu, wie Potter sich gelassen abspült und die Dusche abstellt. Danach schüttelt er das Wasser aus seinem Haar und schlüpft rasch in ein schwarzes Set aus verlotterter Stoffhose und zerlumptem Shirt. Draco fällt auf, dass er sich nicht damit aufhält, sich abzutrocknen – wie schauderhaft es sich anfühlen muss, wenn die Kleidung am ganzen Körper auf der nassen Haut klebt!

Doch so großartig das Fernglas auch ist, hat es allem Anschein nach einen unverzeihlichen Makel: Wenn die zu beobachtende Person sich rasch bewegt, fängt das Bild an, sich stockend andauernd neu aufzubauen. Potter scheint durch das ganze (sonderbar düstere, altertümlich wirkende) Haus zu laufen und nie stillzustehen, was für Draco frustrierend ist.

Offenbar ist es an der Zeit, den ... Potter-Porno zu beenden. Er hält es noch ein wenig aus, während seine Gedanken abschweifen und sich der Unverschämtheit zuwenden, die er gerade begangen hat.

Nüchtern betrachtet, schadet er damit niemandem außer vielleicht sich selbst – und, falls er dabei erwischt würde, wie er sich auf der Couch herumlümmelnd befummelt, vielleicht noch seinen Eltern.

Natürlich ist es zu allererst fürchterlich entlarvend, dass das Fernglas sich überhaupt auf Potter ausgerichtet hat. Doch den Worten seiner Mutter entsprechend hat er damit gerechnet.

Es zeigt dir zu jeder Zeit denjenigen Menschen, der dir am meisten bedeutet. Wer hätte das bitte sonst sein sollen?

Draco mag ein voyeuristischer Bastard sein, aber blöde ist er nicht. Seit Potter seine Hand ausgeschlagen und damit seine Obsession für all jenes, was er will und nicht bekommen kann, genährt hat, ist es bereits zu befürchten gewesen. Selbst Vater hat ihn darauf angesprochen, in seiner ihm eigenen, liebevollen Weise.

So oft, wie du von Potter sprichst, könnte man glatt auf falsche Gedanken kommen, Draco. Und du weißt, was mit Menschen passiert, die falsche Gedanken wecken.

Es ist nicht das erste Mal, dass er sich selbst befriedigt hat, während Potter in seinem Kopf steckt. Bei weitem nicht.

Doch es geht eindeutig tiefer. Er hat sich während des Kriegs danach gesehnt, von Potter gerettet zu werden, gleichzeitig hätte die Angst um ihn Draco beinahe umgebracht. Er braucht gar nicht erst über den Schmerz nachzudenken, den er empfunden hat, als die Hochzeitsfotos von ihm und Weasley veröffentlicht worden waren.

Was für ein zum Erbrechen glückliches Paar, hat er damals gedacht und das Hochglanzmagazin, welches ihm das Herz gebrochen hat, in den Kamin geworfen. Draco weiß beim besten Willen nicht mehr, wie er einen ganzen Vormittag vor den Flammen hat stehen können, ohne sich zu rühren oder mitzubekommen, wie die Zeit vorangeschritten ist. Als sein Vater am Nachmittag an seinem Schreibtisch Platz genommen und Draco gefragt hat, wo denn sein Magieblut-Journal abgeblieben ist, hat er bloß wortlos auf den Kamin gezeigt.

Er hat nicht bedacht, dass Lucius sich einfach eine weitere Ausgabe besorgen konnte, doch wahrscheinlich hätte es ihn nicht einmal gekümmert. Etwas später ist eine Hauselfe mit einem frischen Journal aufgetaucht, Vater hat es mit einem schockierten Ausdruck im Gesicht gemustert und dann teuren Feuerwhiskey in zwei Gläser gekippt.

Ob er Mutter je davon erzählt hat? Die Vorstellung allein bringt ihn zum Lächeln, doch nach dem heutigen Abend ist er sich nicht mehr so sicher, ob sie ihn tatsächlich darauf angesprochen hätte.

Das Nachglühen seines Orgasmus ist bereits abgeklungen, als Potter zum Stehen kommt. Das Bild baut sich auf und zeigt irritierenderweise ein Zimmer im typischen Reinblut-Flair der gehobenen Klasse. Die Vorhänge vor dem Fenster und dem Bett sind dunkelgrün und werden von silbernen Bändern zusammengehalten, während die Möbel vergangene Pracht ausatmen. Potter, in seiner zerlumpten Kleidung, wirft sich tatsächlich auf das Bett, knautscht das ebenso grün bezogene Kissen zusammen und drückt die Wange hinein.

Er hätte gern noch ein wenig ausgeharrt und ihn beim Schlafen beobachtet, aber nach einer Minute fährt Potter wieder vom Kissen auf, zerrt etwas aus seiner Hosentasche – seinen Zauberstab – und löscht das Licht.

~


Ich hätte auch gern so ein Fernglas, obwohl es ein wenig creepy ist, wenn der Beobachtete nichts davon weiß. ;)
Wie hat es euch gefallen? Freitag gehts dann wieder mit Harry weiter!
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