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Unter meiner Uniform

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter Severus Snape
20.05.2021
11.09.2021
33
144.159
27
Alle Kapitel
83 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
20.05.2021 1.135
 
Liebe Leser,

willkommen zu meiner neuen Geschichte! Ich werde hier jetzt keine großen Reden schwingen und einfach nur möglichst spoilerfrei darauf hinweisen, dass diese Geschichte fertig auf meinem Rechner vorliegt und daher Dienstags und Freitags upgedated wird.

Weitere Infos:
Prolog + 32 Kapitel, im Schnitt etwa 3800 Wörter. Geht langsam los, steigert sich dann aber in einem schönen Tempo.

Viel Spaß damit ♥

~


»Er ist weg, Harry.«

Unter dem Summen gedämpfter Gespräche und dem Wehklagen aus dem Nebenraum ist Nevilles Stimme kaum zu verstehen. Den Blick fest auf die Stirnseite der Großen Halle gerichtet, die leeren Plätze am Lehrertisch fixierend, ist Harry stehengeblieben. Unentwegt streichen seine Finger über den glatten Lack des soeben reparierten Zauberstabs aus Stechpalme in seiner Hosentasche.

Neville stellt sich neben ihn, ein großer, schmuddeliger Schemen am Rande seines Blickfeldes. »Ich bin zur Heulenden Hütte gegangen, aber sie war verlassen«, präzisiert er. Das leise Dröhnen seiner tiefen Stimme durchschneidet das explosionsartige Weinen einer Hexe, die gebeugt an einem der Tische am Rand der Halle sitzt, in Harrys Ohr. »Snape ist weg.«

Wieder rinnt der warme Strom versichernder Kraft aus dem Zauberstab hinauf in seinen Arm. Ein Blitz aus Zuversicht, der durch die Fingerspitzen in seine Brust schießt. Zum ersten Mal an diesem Tag fragt er sich, ob es die richtige Entscheidung gewesen ist, den Elderstab wieder in Dumbledores Grab zu legen – seine Macht ist eine andere gewesen, wie ein leises, dämmerndes Aufwallen einer Ahnung. Noch vor zwei Stunden hat er sich dagegen gewehrt, doch mittlerweile ist er davon überzeugt, dass das stete Zwicken seiner Macht nach ihm riefe, wo auch immer er hingehen würde.

Todmüde, noch immer angeschlagen, blinzelt Harry in die warmen Strahlen der Morgensonne, die durch die hohen Fenster in die Halle tropfen. Er hat nicht schlafen können, als er sich vorhin von dem Trubel entfernt hat. Kaum, dass sein Hinterkopf das Kissen berührt hat, sind seine schweren Augenlider wieder aufgeschnappt. So sehr er sich auch bemühte, sie zusammenzukneifen, die Gedanken haben ihm keine Ruhe gelassen.

Der Stab in Dumbledores knochigen Fingern, das ist ein Bild, das ihn bis in sein Himmelbett verfolgt hat. Nachdem er sich dazu überwinden konnte, die machtvolle Grabbeigabe nicht bloß in den Sarg fallenzulassen, sondern sie in die Hände des großen Zauberers zu legen, hat er Dumbledores Ruhestätte mit Hermines Hilfe versiegelt.
Allerdings erinnert er sich an den Versiegelungszauber und ist sich darüber im Klaren, dass es einen Gegenzauber gibt. Er könnte sie durchaus wieder öffnen. Unter dem Tarnumhang, im Schutze der Nacht -

»Harry? Bist du okay?«

Nevilles Hand legt sich auf seine Schulter und reißt ihn aus dem fremd klingenden Gedankenstrom. »Ich … ja, alles okay. Ich bin nur müde, nichts weiter«, murmelt Harry mit heiserer Stimme, ohne den Blick von dem Lehrertisch abzuwenden. »Ich konnte nicht schlafen wegen – wegen Snape. Du sagst, er war nicht in der Heulenden Hütte? Hast du in der Kammer nebenan nachgesehen? Vielleicht hat Hermine es jemandem gesagt und dafür gesorgt, dass er abgeholt wird.«

»Schon erledigt. Die meisten Toten sind weg, weil ihre Angehörigen sie bereits mitgenommen haben. Er ist nicht da, Harry.«

Der kurze Stich aus Befremden darüber, dass Neville dermaßen nüchtern von all den Opfern der Schlacht spricht, wird rasch von Harrys Beklommenheit verdrängt. Obwohl auch sie mit einer bleiernen Müdigkeit unterfüttert ist, wird sich die Frage danach, was wohl aus Snapes Überresten geworden ist, höchstwahrscheinlich an ihn klammern. So gut kennt er sich selbst immerhin.

Widerwillig wendet er sich ab und blickt zu Neville auf. Dass auch er von tiefer Müdigkeit verzehrt wird, ist offenkundig. Schatten unter seinen ausdruckslosen Augen, eine tiefe Blässe – im starken Kontrast zu dem Lächeln, das seine ausgezehrten Wangen spannt.

»Geht es dir gut, Neville?«

Augenblicklich scheint das Lächeln zu verrutschen und gewinnt größere Ähnlichkeit zu einer angestrengten Grimasse. Neville zuckt mit den Schultern. »Ach, ich glaube, ich muss mich bloß hinlegen. Das solltest du auch. Du kannst Professor Snape in diesem Zustand wahrscheinlich ohnehin nicht helfen.«

Wenn er tot ist, kann ihm niemand mehr helfen, schießt es Harry unvermittelt durch den Kopf.

»Okay, also, ich werd dann meine Oma einsammeln und von hier verschwinden«, murmelt Neville, begleitet von einem weiteren unentschlossenen Schulterzucken. »Mach’s gut, Harry.«

»Du auch, Neville.«

Er schaut Neville hinterher, der sich langsam an ein paar Menschengruppen vorbeischleicht. Am Ravenclaw-Tisch angekommen, wo Augusta Longbottom gerade damit beschäftigt ist, das Schwert Godric Gryffindors zu bewundern, neigt er den Kopf zu ihr herab und wird in einem unerwarteten Sturm aus Zuneigung von ihr geküsst und geherzt.

Die Augenbrauen zusammengezogen, dreht Harry sich abrupt von der seltsam schmerzhaften Szene weg. Die wenigen Überlebenden, die noch auf Hogwarts geblieben sind, haben ihre Aufmerksamkeit auf ihre Familien gerichtet, ihren Kummer, ihre Erleichterung. Sie scheinen ihn vergessen zu haben, zumindest in diesem Augenblick, und Harry kann das nur recht sein.

Er wird die Sehnsucht nach dem Elderstab irgendwie unterdrücken können und sich endlich, endlich hinlegen. Das Rätsel um Snapes Verschwinden hat durchaus noch Zeit – zumindest hofft er das.

Jetzt, nach Voldemorts Fall, ist Zeit generell nicht mehr länger von Bedeutung. Es gibt eine scharfe Trennlinie zwischen Harrys erstem und dem zweiten Leben, und Letzteres hat gerade erst begonnen.

~


Am Anfang ist da nur die Hitze. Im ersten Moment steht er vor einem Schaufenster, starrt in die Auslage und lässt seine Gedanken wandern. Glücklich, das ist er, furchtbar glücklich, dazu noch erbärmlich unwissend. Nur eine Sekunde später tritt der Schweiß aus seinen Poren. Es ist ein Abend im Juli, zwei Wochen vor seinem achtzehnten Geburtstag, daher verwundert es ihn nicht. Aber er beugt sich langsam dem Schaufenster entgegen, um seine Stirn gegen das Glas zu pressen, als wäre es so viel kühler.

Obwohl die Sonne auf die Scheibe knallt, fühlt sie sich tatsächlich kälter an als seine Haut. In dem Moment weiß er, dass etwas nicht stimmt. Seine Zehen krümmen sich zusammen. Er kann nicht atmen. Die Hitze verklebt die Flimmerhärchen in seiner Lunge, verbrennt ihn innerlich.

In der Spiegelung des Schaufensters sieht er, dass lediglich zwei Muggel auf der anderen Straßenseite vorbeischlendern. Es ist ungewöhnlich still. Vielleicht ist es eine instinktive Handlung, vielleicht auch nicht – das kann er nicht wissen, denn seine Gedanken stehen in Flammen. Er weiß nur, dass seine Hand um seinen Zauberstab zittert und er wenig später auf einen staubigen Läufer im Grimmauldplatz sinkt.

Der Druck der Apparation verlässt sein Fleisch nie ganz. Er fragt sich, was los ist. Er ist zerschmetternd hilflos. Die Tränen scheinen auf seiner Haut zu zischen, bevor sie verdampfen.

Und dann beginnt es. Seine Knochen brechen unter einer plötzlichen Wucht, die seinen Körper umherschleudert. Er verliert die Orientierung, weiß nicht mehr, ob er liegt oder sitzt, wo oben und unten ist. Der Schmerz durchschneidet seine Gedanken und seine Schreie.

Es fühlt sich an wie sterben.


~


Fortsetzung folgt ...

... morgen. Da der Prolog doch recht kurz ist, folgt das nächste Kapitel gleich morgen :)
 
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