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Seen

von Nemona
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
17.05.2021
14.10.2021
12
51.126
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14.10.2021 4.920
 
Kurzer Hinweis: P18 ;)
 .:⌘ Verletzungen ⌘:.

Harald war im Kampf lebensbedrohlich verletzt worden und benötigte deswegen rund um die Uhr Pflege und Zuwendung. Und selbst das garantierte ihm nicht, dass er es überhaupt überleben würde.

Wie von Jördis verlangt, hatte man ihn sofort zu Tinna gebracht und sie tat ihr Bestes, um ihn zu retten.

So kümmerte sie sich tagsüber hauptsächlich um ihn und versuchte nebenbei die anderen Verletzen zu verarzten oder jemanden damit zu beauftragen, es zu tun oder auch diese bei der Behandlung anzuleiten.

Jördis kam Harald regelmäßig besuchen und fragte nach ihm, hielt sich dabei aber immer so im Hintergrund, dass er ihre Besuche nicht bemerkte.

So sehr sie auch an seiner Seite sein wollte, durfte sie diese Grenze nicht überschreiten, da dies weder für ihn noch für Halfdan fair und sicher gewesen wäre.

Halfdan hingegen war fast die ganze Zeit über bei seinem Bruder und übernahm in den ersten Tagen die Nachtschicht an der Seite seines Bruders.

Besonders nachts schien nämlich sein Fieber zu steigen, er brauchte frisches Wasser und eine stetige Pflege sowie Abkühlung.

In den Nächten konnte Halfdan dabei auch auf die heimliche Unterstützung von Jördis zählen, die seinen Bruder dabei stets liebevoll aber auch besorgt musterte.

Während es ihm anfangs aus purer Eifersucht schwergefallen war, ihr dabei zuzusehen, wie sie so zärtlich mit seinem Bruder umging, quälten ihn nun weitaus schlimmere Gedanken.

Denn wenn er sah, wie Jördis sich selbst bestrafte und sich ihre Gefühle für seinen Bruder untersagte, um sein Leben zu schützen. Und er gleichzeitig seinen Bruder dem Tod so nahe sah, da er ihm die Frau genommen hatte, die er wirklich liebte. Da fühlte er eine niederschmetternde und allumfassende Schuld.

Er war verantwortlich für ihr beider Leid und das wusste er.

Er hatte sich auf Haralds Kosten für sein eigenes Leben entschieden und er bereute es nun zutiefst.

Als Halfdan nach ein paar Tagen während seiner Wache über Harald einschlief, schlug Jördis ein drei Schichten System vor.

Damit Harald dabei ihre Anwesenheit nicht registrierte, bot sie an, sich von abends bis früh morgens um ihn zu kümmern, Halfdan würde dann am frühen Morgen bis zum Mittag übernehmen und Tinna für den Rest des Tages.

Halfdan überraschte ihr Angebot nur wenig und er konnte es ihr auch nicht wirklich abschlagen.

Tinna hatte nichts dagegen und erklärte den beiden genau, was sie wann für Harald tun mussten. Durch dieses intensive Teamwork, verbesserte sich zur Freude aller Haralds Gesundheitszustand nach wenigen Tagen.

Trotzdem mahnte Tinna zur Vorsicht, da er noch nicht wirklich über den Berg war. Er schaffte es tagsüber schon über längere Phasen bei Bewusstsein zu bleiben, schlief aber weiterhin den Großteil des Tages.

Für die Nacht gab Tinna ihm weiterhin ein Schmerz- und ein Schlafmittel.

„Sagt mir Tinna, wer kümmert sich eigentlich des nachts um mich?“, fragte Harald nach zwei Wochen an die Heilerin gewandt. Die daraufhin schnell versuchte, sich ihre Hektik bloß nicht anmerken zu lassen.

„Fylla.“, nannte sie den ersten Namen, der ihr in diesem Moment in den Sinn kam und hoffte, dass ihre Kollegin diese Lüge in den nächsten Tagen nicht auffliegen lassen würde.

Fylla kümmerte sich zwar wirklich nachts um die Verletzten, aber ganz bestimmt nicht um Harald, den sie doch so sehr verabscheute.

Harald nickte und schien danach mit sich auszumachen, ob er die nächste Frage stellen sollte oder nicht. Tinna sah ihm deutlich an, dass ihn noch etwas anderes beschäftigte.

„Ich habe von Halfdan gehört, dass es Jördis gut geht…ehm…ich…also…Hat sie sich auch einmal nach mir erkundigt?“, überwand er sich nach etwas Stottern letztendlich und offenbarte somit einer eigentlich Fremden seine Verletzlichkeit.

Tinna stand in diesem Moment zum Glück von ihm abgewandt, aber hätte er ihren liebevollen Blick gesehen, hätte sie sich die Antwort auf sein Frage sparen können.

Natürlich fragte Jördis nach ihm, sie sah auch täglich nach ihm. Aber das durfte er aus den offensichtlichen Gründen nicht wissen.

„Wenn du wüsstest.“, flüsterte sie resignierend auf Deutsch und wandte sich dann wieder Harald zu, der zwar gehört hatte, dass sie etwas gesagt hatte, es aber nicht verstanden hatte.

„Jeder erkundigt sich nach eurem Wohlbefinden, König Harald.“, blieb Tinna lieber Waage und befolgte dadurch den Wunsch ihrer besten Freundin.

Harald hatte sich von seiner Frage zwar mehr erhofft, nickte dann aber nur und schien weiter darüber nachzudenken.

Auf die Schliche kam er Jördis erst zwei Wochen später.

Er war tagsüber durchgehend bei Bewusstsein und nur noch eine, aber leider seine schwerste und tiefste Wunde – der Schwertstich im Bauch - machte noch Komplikationen.

Er hatte nachts nicht mehr unter dem Fieber und Erschöpfung zu leiden und wachte deshalb manchmal wie in Trance auf, weil ihn jemand berührte, verpflegte und reinigte.

Anfangs hatte er nachts nur eine verschwommene Gestalt wahrgenommen, aber nach und nach hatte er blonde Haare erkannt und bemerkt, dass die Frau ziemlich groß und stark zu sein schien.

Zwei Eigenschaften und ein Merkmal, das ganz und gar nicht auf die kleine zierliche und brünette Fylla zutraf. Und auch ihre Stimme, die er bei einigen Gelegenheiten flüstern gehört hatte, passte nicht zu ihr.

Er fragte Halfdan nach dieser Frau, aber dieser druckste als Antwort nur herum, sprach von einem Ersatz für Fylla und machte sich dann schnell vom Acker.

Als es Harald darauffolgend schon so gut ging, dass der Verzicht auf die Medikamente möglich gewesen wäre, weil sein Körper die Heilung nun selbst bewerkstelligen konnte, Tinna ihm aber trotzdem Schlafmittel für die Nacht geben wollte, war er nun endgültig misstrauisch geworden.

Irgendetwas lief hier doch, wovon er nichts mitbekommen sollte.

Er entschied sich also, nur so zu tun, als ob er die Schlafmedikamente nehmen würde, um herauszufinden, wer nachts zu ihm kam.

Harald war daraufhin nicht wenig erstaunt, als sich seine Pflegerin in der Nacht als Jördis herausstellte, die Tinna bei ihm ablöste und sich mit einer unglaublichen Routine, um ihn kümmerte.

Das hier konnte nicht das erste Mal sein, sie musste dies schon länger tun.

Jördis versorgte Haralds große Narbe am Bauch, wusch seinen Körper und seine Haare und berührte ihn sanft oder sprach ihm in einem sanften Ton ermutigend zu.

Er hätte gerne direkt etwas gesagt, jedoch war er wie erstarrt davon, wie liebevoll sie mit ihm umging.

Sanft legte sie ihre Hand auf seine Wange und strich darüber.

„Ich liebe dich. Bitte werde schnell wieder gesund.“, flüsterte sie traurig und strich ihm dann die Haare aus der Stirn, um sein friedliches und ruhiges Gesicht besser sehen zu können.

Seine attraktiven markanten Gesichtszüge brachten ihr Herz zum Flattern und sie hoffte, bald wieder in seine schönen blauen Augen sehen zu können.

Jördis griff nach einer Heilsalbe und stieg vorsichtig auf den Tisch zu Harald, um seine Narbe zu behandeln.

Am besten war dies nur möglich, wenn sie sich auf ihn setzte und die Salbe von oben auftrug.

Langsam nahm sie sich eine Portion aus dem Schälchen und schmierte die dicke weiße Paste vorsichtig auf seine Narbe.

Sie fuhr vorsichtig an ihr entlang und bedeckte sie mit einer dicken Schicht, versuchte sie gleichmäßig und deckend zu verteilen, bevor sie erneut nach der Salbe griff.

In genau diesem Moment aber, als sie ihren Arm danach ausstreckte, schnellte Haralds Hand hervor und er hielt die ihre in ihrer Bewegung fest.

Erschrocken sah Jördis zu ihm herab und erzitterte.

Er war wach!

Nichts war mehr von seiner Erschöpfung oder seinem Dämmerzustand zu sehen, seine Augen waren klar und sie sprachen Bände.

Jördis schluckte.

Sie hatten Fragen und sein Blick schien dabei gleichzeitig enttäuscht, hoffnungsvoll, verwirrt sowie streng zu sein.

Ihr Herz raste bei diesem Blick in ihrer Brust.

Doch anstatt Jördis all die brennenden Fragen zu stellen, die Harald hatte. Zog er sie im nächsten Moment mit einem Ruck zu sich und küsste sie.

Ihre sanften weichen Lippen trafen die seinen und ein warmes Gefühl zog sich durch seine Brust.

Er konnte nicht anders. Er konnte sich nicht beherrschen und alles mit ihr ausdiskutieren.

Jetzt war er wie ein Ertrinkender gewesen und die Sehnsucht nach ihr übermannte ihn.

Es konnte doch nicht anders sein. Sie musste ihn einfach lieben.

Sie hatte es doch gerade eben noch gesagt und sonst wäre sie jetzt nicht hier und hätte sich nicht wochenlang nachts um ihn gekümmert.

Es musste noch ein Chance für sie beide geben und er würde sie nicht kampflos aufgeben.

Nach einem ersten Schockmoment, erwiderte Jördis seinen leidenschaftlichen Kuss und knabberte an seiner Unterlippe.

Wie hypnotisiert sahen sich die Beiden immer wieder in die Augen und in Jördis Brust explodierte ein Feuerwerk.

Das alles fühlte sich so unglaublich gut an.

Wie sie sich küssten, wie sie sich ansahen, wie er über ihre Wange strich und wie sie hier auf diesem Behandlungstisch auf ihm saß und sich an ihn schmiegte.

Als Jördis sich kurz von ihm lösen wollte, um etwas Luft zu holen, richtete sich Harald sitzend auf und kam ihr einfach nach.

Besorgt musterte sie daraufhin seine Wunden.

„Ich bin wieder gesund, sie werden nicht aufreißen.“, flüsterte Harald daraufhin heiser und zog sie wieder in einen Kuss zurück.

Jördis gefiel das Gefühl, wenn bei ihren Küssen sein Bart über ihre Haut kratzte oder wenn sich ihre Zungen fanden und sein warmer Atem auf den ihren traf.

Harald hatte einen Arm als Stütze nach hinten gestreckt, während er mit dem anderen Jördis Kopf hielt und diese dann in ihren Nacken gleiten ließ.

Jördis Hände wanderten währenddessen über seine starke nackte Brust und fuhren ihm durch die geöffneten Haare.

Überall wo sie seine Haut berührte, war es, als wenn eine elektrische Spannung diese durchfuhr und er erzitterte, als Jördis an seinem Hals zu saugen begann.

Lächelnd arbeitete sie sich an seinem Hals entlang und glitt mit ihrer anderen Hand an seinem Bauch entlang zu seiner Hose.

Leicht strich sie über seine Erregung zwischen ihren Beinen und Harald stöhnte daraufhin genießend.

Er hatte sich etwas nach hinten gelehnt und ließ Jördis Freiraum, um das zu tun, was sie wollte. Und es gefiel ihm sehr gut.

Jördis lehnte sich nun etwas weiter zu ihm vor und lächelte verschmitzt, während sie danach provozierend ihren Unterlieb an seinem Glied rieb.

Harald knurrte daraufhin erregt und wollte sich gerade wieder auf sie zubewegen, als sie ihn mit ihrem ausgestreckten Arm und einem Kopfschütteln zurückhielt.

Während sie sich in Wellenbewegungen immer weiter an ihm rieb und ihn damit schon heiß machte, begann sie nun die Schnürung an ihrem Dekolleté zu öffnen.

Harald sah gebannt dabei zu, wie sie sich den Stoff von den Schultern streifte und lasziv mit ihren Fingern über ihren Brustbereich fuhr, wodurch nach und nach immer mehr Stoff nach unten rutschte und somit immer mehr nackte Haut entblößt wurde.

Jördis erhob ihren Finger zu ihrem Mund und fuhr mit ihm an ihren Lippen entlang.

Harald folgte ihren Bewegungen wie hypnotisiert und brannte innerlich bereits vor Lust.

Sie biss anstößig in ihren Finger und nutzte diesen dann, um den Stoff zwischen ihren Brüsten weiter herunterzuziehen.

Wie gewollt, rutschte der Stoff daraufhin über ihren Busen und ihre erregten Nippel kamen zum Vorschein.

Harald lehnte sich wieder auf sie zu und begann nun ihre Brüste zu massieren, während er an ihrem Hals entlang küsste.

Jördis warf erregt ihren Kopf in den Nacken und stöhnte willig, als er damit begann ihre Nippel zwischen seinen Fingern zu zwirbeln.

Sie rieb sich weiter an seinem Penis und begehrte jetzt nichts mehr, als endlich mit ihm vereint zu sein.

Harald selbst fuhr nun, während er mit der anderen Hand weiter ihre Brust verwöhnte, mit der anderen Hand unter ihren Rock und begann zwischen ihren Schenkeln auf und ab zu fahren, bevor er seine Finger auf ihre Klitoris legte und diese zu massieren  begann.

Die Lust in Jördis stieg weiter an und Harald spürte wie feucht und bereits sie für ihn war.

Er löste seine Hand von ihrer Brust und öffnete mit Jördis Hilfe die Schnüre an seiner Hose. Genüsslich zog Jördis den Stoff herunter und griff nach seinem Glied, um es aus der Hose zu ziehen.

Sie rutschte noch weiter in seinem Schoss nach vorne, positionierte sich über seinem Penis und ließ ihn dann quälend langsam in sich eindringen.

Beide hielten sie für einen kurzen Moment die Luft an, bevor Jördis sich auf Harald zu bewegen begann und sie sich leidenschaftlich und verlangend küssten.

Mit schnellen und intensiven Stößen bewegte sich Jördis auf ihm und krallte sich dabei laut stöhnend in seine Schultern.

Harald hatte sich derweil ihren Po geschnappt und drückte diesen bei ihren Bewegungen noch näher an sich, wodurch das befriedigende Gefühl noch gesteigert wurde.

Sie schwitzten beide sehr und Haralds große Wunde hatte zu stechen begonnen, aber das war ihm gerade völlig egal.

Er genoss diesem Moment, ihre Vertrautheit und Nähe.

Jördis Anblick machte ihn fast wahnsinnig und er wusste, dass er kurz vor seinem Höhepunkt stand. Sie war selbst inzwischen lauter geworden und schien sich mit geschlossenen Augen ganz auf ihre Empfindungen zu konzentrieren.

Als sie sich daraufhin erregt auf die Lippe biss, lief ein Schauer über seinen Rücken.

Jördis lehnte ihre Stirn an Haralds und schenkte ihm einen verliebten und benebelten Blick.

Er stieß sich ihr noch einmal fest entgegen und brachte sie damit über die Klippe.

Sie stöhnte tief und ekstatisch ihren Höhepunkt heraus und das, sowie ihr Anblick und ihre pulsierende und zitternde Schammuskulatur brachten auch Harald zum Orgasmus, der sich mit einem befreiten Stöhnen in Jördis ergoss.

Erschöpft schmiegten sich die beiden danach aneinander und versuchten erst einmal ihre Atmung zu beruhigen, bevor sich ihre Lippen wieder fanden und sie verliebt rumknutschten.

Harald hielt nach einigen Minuten in seiner Bewegung inne und als Jördis daraufhin ihre Augen öffnete, um die Ursache ausfindig zu machen, begegnete sie seinem aufgewühlten und verletzlichen Blick.

„Ich liebe dich, Jördis.“, gestand er ihr seine Liebe und fuhr ihr daraufhin sanft durch die Haare.

„Ich liebe dich auch.“, erwiderte sie und küsste ihn zärtlich, aber Harald war noch nicht fertig gewesen und löste sich noch einmal von ihr.

„Ich möchte, dass wir ehrlich und offen miteinander sprechen und alles klären, was noch zwischen uns steht.“, betonte er.

„Ich will, dass unserer Liebe nichts mehr im Weg steht. Und dafür werde ich wirklich alles tun!“, sagte er und Jördis Herz setzte für einen Moment aus.

Ihr begann zu dämmern, was sie mit ihrem Tun gerade angerichtet und damit höchst wahrscheinlich ausgelöst hatte. Noch mehr Probleme zwischen Harald und ihr und womöglich und das war noch gravierender, die Prophezeiung des Sehers.

Die andere Prophetin selbst hatte gerade auch viel zum Nachdenken.

Vala war nach strengen und klaren Regeln erzogen worden, an die sie sich auch bis jetzt immer strikt gehalten hatte.

Sie war eine gute und verlässliche Tochter gewesen, auf die ihre Eltern und die gesamte Familie sehr stolz sein konnten und es auch wirklich waren.

In ihrem Heimatdorf war sie als die gute Seele bekannt, die zwar schusselig aber vor allen Dingen erfolgreich durch ihr Leben ging.

Mann, Haus, Kind – dieser Plan war die Vorgabe und wurde eins zu eins befolgt. Und trotzdem war sie aber auch ihr ganz eigener Mensch geblieben mit den eigenen Vorlieben und Träumen.

Doch für den einen Mann in ihrem Leben, ließ sie diese Dinge natürlich sofort links liegen, so wie es nun einmal von ihr verlangt wurde.

Freundlich sein, lächeln und sich vorbildlich und so verhalten, wie es alle anderen von einen erwarten, das war immer schon die Prämisse gewesen.

Etwas das zumindest so lange auch super lief, solange sich Vala in einem Zeitalter und einer Kultur befand, in welcher diese Lebensform ausgezeichnet funktionierte und akzeptiert wurde.

Sie war wohl behütet aufgewachsen und gänzlich ohne Probleme durch das Leben gegangen.
Es gab keine Grund für sie, sich zu verändern, sich zu hinterfragen und nie einen Anlass, um sich außerhalb der ihr vorgegebenen Norm weiterzuentwickeln.

So war es zumindest, bis sie in die Vergangenheit reiste. Bis sie in diese bedrohliche und vollkommen andere Zeit kam und mit einer Gabe gesegnet wurde, die eine unglaubliche Verantwortung bedeutete.
Sie wusste, sie sah, sie fühlte und sie verstand alles.

Gefühle und Zustände, die ihr bis dato gänzlich unbekannt gewesen waren, hatte sie nun gesehen, selbst gespürt und deren Motivation analysiert.

Unfreiwillig hatte sie sich dadurch einer neuen Welt und vielen anderen Sichtweisen öffnen müssen.
Dadurch konnte sie nicht verhindern, dass es auch sie veränderte.

Vala wurde vorsichtiger. Sie beobachtete andere genauer und versuchte nun herauszufinden, welche Beweggründe sie hatten, denn sie konnte traurigerweise eigentlich niemandem mehr wirklich vertrauen.
Ihre Gabe machte sie begehrt und jeder wollte sie ausnutzen.

Hinzu kam die Macht, die ihre Gabe inne hatte.

Sie entschied über Leben und Tod oder Macht und den Verlust dieser sowie vieles mehr. Sie war ein mächtiges Werkzeug, wodurch auch Vala von einem Menschen zum Werkzeug geworden war.

Manchmal fühlte sie sich einfach nur benutzt und das von ihren Mitmenschen und den Göttern. Und an anderen Tagen fühlte sie sich einfach nur schuldig, weil die aus ihrer Gabe erwachsenden Konsequenzen Leben und auch Seelen kosteten.

Aus der naiven und meistens unreflektierten Vala ohne Blatt vor dem Mund, war in den letzten Monaten eine zurückhaltende, analytische und von Grund auf misstrauische Frau geworden, die ihre eigenen Grundsätze und Träume in Frage stellte.

Was war ihr von anderen auf diktiert worden?

Was wollte sie wirklich selber?

Das wollte sie nun herausfinden.

Ein weiterer Knackpunkt für sie war, wie die Götter all ihr Tun beeinflussten und steuerten.

Sie fühlte sich wie ihr Spielball und das missfiel ihr sehr. Wollte sie sich von ihnen instrumentalisieren lassen? Musste sie das für ihre Rückkehr tun oder gab es auch noch einen anderen Weg? Wieso durften sie über sie entscheiden?

Sie hatte nicht hierher gewollt und um ihre Gabe hatte sie die Götter auch nicht gebeten.

Am Ende, so wusste Vala, wollte sie entscheiden, was sie tat. Denn nur sie allein musste mit diesen Entscheidungen am Ende klar kommen.

Genauso war es auch bei Jarn, der nun die Entscheidung getroffen hatte, endlich ehrlich zu sein.
Jördis Blick aus ihren sanften grünen Augen war dabei fassungslos.

Jarn konnte nicht sagen, was gerade in ihrem Kopf vorging, aber für ihn sah es so aus, als wäre wegen seines Geständnisses gerade bei ihr eine Leitung durchgebrannt.

„Jördis?“, fragte er besorgt nach.

Einerseits machte er sich langsam Sorgen, dass es ihr nicht gut ging und andererseits befürchtete er, dass sie gerade überlegte, wie sie ihm Schmerzen zufügen könnte.

Tinna war ihre beste Freundin und Jördis hatte für sie schon unzählige ihrer arschigen Liebschaften durch klare und direkte sowie manchmal auch brutal ehrliche Ansagen in die Flucht geschlagen.

Jördis Mund klappte wieder zu, bevor sie erschöpft zu lachen begann und sich dabei kopfschüttelnd die Hand vor die Augen hielt.

„Manchmal wünschte ich, dass ich nicht immer Recht behalten würde.“, sagte sie daraufhin und sah Jarn wieder an.

„Das war, kurz nachdem ich euch einander vorgestellt habe, oder?“, fragte sie ihn.

Jarn sah sie nun mehr als nur erstaunt an.

Was meinte sie damit und woher wusste sie das?

„Tinna hat es dir erzählt?“, wollte er verblüfft von ihr wissen, doch Jördis machte eine abwinkende Geste.

„Nein, so etwas muss man ihr immer aus der Nase ziehen. Wenn man Glück hat, platzt es irgendwann aus ihr heraus, aber meistens ist sie sehr verschlossen.“, meinte Jördis grübelnd.

„Aber ich liege richtig, oder?“, fragte sie dann noch einmal nach und Jarn nickte.

„Ja, irgendwie hat es auf diesem einem Spieleabend zwischen uns gefunkt und danach habe ich sie nicht mehr aus meinem Kopf bekommen.“, erklärte er.

„Egal, wie sehr ich es versucht habe. Ich habe sie also bei unserem nächsten Treffen nach ihrer Nummer gefragt und dann hat es seinen Lauf genommen. Näher will ich da aber jetzt nicht drauf eingehen.“, erzählte er und fühlte sich dabei richtig schlecht.

Rückblickend sah er ein, dass so zu handeln, einfach nur egoistisch von ihm gewesen war und er dadurch seine Beziehung mit Katla gefährdet hatte.

Aber später war man ja immer klüger.

„Ich habe nach dem Abend noch zu Sjur gesagt, dass ich euch voneinander fernhalten muss. Die Spannung zwischen euch beiden hat man klar gespürt. Tinna hat eine unfassbare Wirkung auf Männer. Ich hätte es ernster nehmen müssen.“, schallt sich nun Jördis, was Jarn ihr aber sofort untersagte.

„Das hat nichts mit dir zu tun!“, widersprach er ihr.

„Dich trifft keine Schuld. Ich habe mir ihre Nummer geholt, ich habe weiter mit ihr geschrieben und ich habe letzten Endes mit ihr geschlafen, obwohl ich eine Freundin hatte.“, sagte er.

„Und sie wusste das!“

„Oh Tinna.“, meinte Jördis kopfschüttelnd.

Ihre Freundin war kein schlechter Mensch, aber sie hatte damals eine lange Phase gehabt, in der sie viele schlechte Entscheidungen getroffen hatte.

„Verstehst du jetzt, warum ich unbedingt mit Tinna reden muss?“, fragte Jarn.

„Ich möchte sie darum bitten, es weiter für sich zu behalten. Gestern in ihrem betrunkenen Zustand hat sie es fast dem ganzen Lager erzählt. Ich möchte derjenige sein, der es meiner Frau sagt. Nicht, um einer Strafe zu entgehen, sondern weil alles andere Katla nur noch mehr verletzen würde.“, erklärte er sich.

„Du hättest es ihr schon viel früher sagen müssen.“, war Jördis kritisch.

Sie selbst wollte sich nicht davon freisprechen, dass man Fehler machte, aber wäre er früher ehrlich gewesen, hätte er sich jetzt nicht in diese Lage manövriert.

Jarn seufzte.

„Ich weiß!“, rief er resignierend auf und sah Jördis daraufhin so aufgewühlt an, dass ihr ihre Aussage auch schon wieder leid tat.

„Aber das habe ich nicht. Und das Schlimmste ist, das ich jetzt weiß, dass ich es nicht getan habe, weil ich es gar nicht bereut habe. Sondern ich habe damals einfach nur total egoistisch gehandelt und habe es danach als etwas abgehakt, was ich in diesem Moment gebraucht habe. Ich habe dabei kein bisschen an Katla gedacht. Ansonsten wäre es nämlich nicht passiert.“, stellte er fest.

Jördis trat auf ihn zu und legte ihm tröstend eine Hand auf den Oberarm.

„Jarn, du hast einen Fehler gemacht, aber hör dich jetzt doch bitte selbst einmal an. Der Jarn von vor zwei Jahren wäre nie zu diesen Erkenntnissen gekommen. Aber hier das, das bist jetzt du.“, sagte sie und tippte ihm gegen seine Brust.

„Jetzt bist du der Mann geworden, der Katla wirklich glücklich machen kann. Weil du jetzt auch ihre Gefühle und Bedürfnisse siehst. Aber jetzt musst du erst einmal ehrlich zu ihr sein. Und ehrlich, vielleicht wird das alles zwischen euch zerstören. Aber das ist noch tausend mal besser, als wenn du deine Schuld für immer mit dir trägst. So würde eure Beziehung nämlich nie ehrlich und frei sein können.“, gab sie ihm zu bedenken.

Jördis konnte mit Katla zwar nicht wirklich viel anfangen und das beruhte, soweit sie das zumindest beurteilen konnte, auch auf Gegenseitigkeit. Aber sie wusste, dass Jarn sie liebte und das war Grund genug, um ihren Freund zu unterstützen.

Gleichzeitig wurde ihr aber auch wieder einmal klar, dass ebenfalls ihre Liebe zu Harald durch die Geheimnisse und Lügen auf ewig zum Scheitern verurteilt sein würde.

Sie schluckte kurz und konzentrierte sich dann wieder auf Jarn.

„Ich werde es ihr sagen, wenn wir wieder in Kattegat zurück sind und dann werde ich um sie kämpfen.“, sagte Jarn plötzlich entschieden und Jördis musste daraufhin warm lächeln.

Auch wenn er sich einen großen unverzeihlichen Fehler geleistet hatte, war es wunderschön zu sehen, wie sehr er seine Frau liebte und dass er alles für sie tun würde.

„Und ich rede für dich mit Tinna.“, sagte Jördis entschlossen.

Sie hatte sowieso noch ein Hühnchen mit ihrer besten Freundin zu rupfen. Oder war es nicht eher schon ein ganzer ausgewachsener Vogelstrauß.

Tinna ahnte in diesem Moment nicht, was ihr von Jördis Seite her drohte.

Sie saß mutterseelenallein im Regen am Fluss und sah den Tropfen dabei zu, wie sie auf das Wasser trafen und dann damit verschmolzen.

Sie war körperlich und geistig vollkommen fertig von den Anstrengungen der letzten vier Wochen, in denen sie viele Krieger gerettet, gepflegt und oft auch trotz ihrer großen Anstrengungen verloren hatte.

Mit dem Tod hatte sie schon früh in ihrer Ausbildung umzugehen gelernt, aber trotzdem legte so ein Krieg noch eine Schüppe auf das ihr bereits Bekannte drauf.

Hier in dieser Zeit war der Tod im Allgemeinen allgegenwärtig und in ihrer Situation gehörte er sogar zum Alltag dazu und war für die meisten hier schon etwas Gewohntes.

Neben ihrer körperlichen Erschöpfung aufgrund von der harten Arbeit und der geistigen Erschöpfung wegen der daraus hervorgehenden emotionalen Belastung lag ihr auch die Situation mit Ivar schwer im Magen.

Zwar hatte er sich in seinem Verhalten um 180 Grad gedreht und zeigte sich zu ihrer Freunde nun auch in der Öffentlichkeit mit ihr. Aber dadurch hatte sie auch mehr Zeit mit ihm verbringen können und das, worüber sie sich anfangs so gefreut hatte, machte sie nach und nach immer nachdenklicher.

Sie bekam jetzt immer mehr Einblicke in Ivars Leben, seinen Charakter und seine Ansichten. Und einerseits war sie sehr dankbar dafür, aber andererseits wurde ihr auch immer mehr klar, was für ein komplizierter Mann Ivar war.

Sie liebte ihn, aber ihr wurde gleichzeitig auch immer mehr bewusst, worauf sie sich mit ihm einließ.
Ihre gemeinsame Liebe war keine einfach Liebe.

Es würde wahrscheinlich nie leicht zwischen ihnen werden. Denn Ivar hatte durch sein Aufwachsen und die Gesellschaft sowie Zeit, in welche er hineingeboren worden war, Ansichten, die sie mit ihm nicht teilen wollte und konnte.

Sie wusste, dass sie deswegen in Zukunft aneinander geraten würden und es auch Zeiten und Themen geben würde, zu denen sie sich nicht einig werden konnten.

Aber trotzdem und obwohl es höchst unvernünftig von ihr war, wollte sie es.

Allen bevorstehenden Problemen zum Trotz.

Denn für sie war Ivar das wert.

Außerdem stand ihm mit ihr das selbe bevor und auch er hatte sich für sie entschieden. Zeigte ihr jeden Tag, was sie ihm bedeutete und versuchte, sich für sie zu ändern.

Und sie wusste ebenfalls, dass sie auch in keiner Weise perfekt war.

Sie hatte gelogen, betrogen, verheimlicht und verleugnet.

Das war nicht leicht zuzugeben, aber das konnte sie gleichzeitig auch nicht verleugnen. Vielleicht hatte sie nicht ganz so schlimme Dinge getan wie Ivar, nie würde jemand sie boshaft nennen oder ihr einen Mord zutrauen, aber es war ja schließlich kein Wettbewerb und ein Unrecht blieb ein Unrecht, egal ob es ein besonders schweres war oder nicht.

Auch sie war genau wie Ivar mit sichtbaren und unsichtbaren Narben von Wunden überseht, die ihr ihre eigene Entscheidungen und die Entscheidungen sowie Taten anderer zugefügt hatten.

Sie würde beobachten müssen, ob ihre Liebe und Beziehung diese Vorbelastungen und deren Auswirkungen aushalten würde.

Sie hoffte es jedenfalls sehr, denn die Gefühle, die sie für Ivar entwickelt hatte und die sie verspürte, wenn immer sie beim ihm war oder an ihn dachte, waren so intensiv, wie sie es vorher noch nicht erlebt hatte.

Wenn sie allein daran dachte, wie es sich anfühlte, wenn er sie berührte, wurde ihr sofort wohlig warm und sie sehnte sich nach seiner Nähe.

Einer Nähe, die sie inzwischen jede Nacht miteinander teilten, weswegen Helga ihr auch schnell ein Mittel gegeben hatte, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Nicht, dass Tinna keine Kinder wollte, aber jetzt war nicht die Zeit, um über so etwas nachzudenken oder zu reden.

Sie befanden sich gerade im Krieg in einem fernen Land und eigentlich war es von Anfang an ihr Plan gewesen, nach der Erfüllung des Auftrags wieder in ihre Zeit zurückzukehren.

Zwar hatte sie zwischendurch Gefallen an dem Leben in dieser Zeit gefunden und wirklich schon darüber nachgedacht, hier zu bleiben, aber seitdem sie Ivar näher gekommen war, wollte sie nun gar nicht mehr über eine Rückreise nachdenken.

„Warum sitzt du allein im Regen?“, fragte Ivar plötzlich kritisch hinter ihr.

Er stand auf seine Krücken gelehnt und musterte ihre zusammengesunkene Gestalt.

Tinna blickte über ihre Schulter zu ihm und merkte im nächsten Moment, wie kalt ihr eigentlich geworden war. Schnell stand sie auf.

„Ich habe ganz die Zeit vergessen!“, sagte sie und stapfte auf ihn zu.

„Hallo.“, begrüßte sie ihn und gab ihm einen sanften Kuss, den Ivar mit einem Lächeln quittierte, als sie sich wieder von ihm löste.

„Ich habe dich gesucht, warum sitzt du hier allein am Fluss?“, fragte er neugierig und betrachtete die Tropfen, die sich an ihren Haarspitzen gesammelt hatten.

„Ich hatte viel, um darüber nachzudenken und hier habe ich die Ruhe gefunden, die ich dafür brauchte.“, erklärte sie und wandte sich nun um, um zu ihrem Zelt zurückzugehen und sich etwas trockenes und warmes anzuziehen. Sie würde sich ansonsten noch den Tod holen.

Ivar lief neben ihr her.

„Was beschäftigt dich denn?“, wollte er es genauer wissen.

Es interessierte ihn bei vielen anderen Menschen nicht, was sie dachten, aber bei Tinna wollte er es immer gerne und ganz genau wissen.

Es fiel ihm nämlich manchmal schwer, sie zu verstehen und nachzuvollziehen, was sie wollte und wie er ihr das geben konnte.

Sie waren sehr unterschiedlich und gleichzeitig hatte er auch noch nie jemanden getroffen, der ihm wirklich ähnlich war.

„Die letzten Wochen haben mich sehr mitgenommen, da muss ich viel verarbeiten. Und gleichzeitig beschäftigt mich, dass wir so unterschiedlich sind und wie wir es trotzdem hinbekommen können.“, war sie ganz ehrlich und Ivar liebte sie in diesem Moment nur noch mehr dafür.

Natürlich bedrückte es ihn, dass sie zu denken schien, dass ihre Beziehung deswegen nicht einfach werden würde, aber er würde lügen, wenn er behaupten würde, dass ihm das nicht auch von Anfang an klar gewesen wäre. Und so gefühlsdusselig es sich für ihn selbst nun auch anhörte und anfühlte, aber für ihn zählte jetzt nur, dass sie sich liebten und er glaubte ganz naiv und für ihn gänzlich unüblich inzwischen fest daran, dass sie den Rest dann auch noch irgendwie hinbekommen würden.
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