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Winterbreak

von Lea
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
Falcon / Samuel "Sam" Wilson OC (Own Character) Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
17.05.2021
23.09.2022
28
69.875
27
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23.09.2022 3.643
 
Hallo ihr Lieben!

Bitte entschuldigt die lange Wartezeit - ich hatte ziemlich viel Trubel in letzter Zeit und bin gar nicht zum Schreiben gekommen. Ich hoffe, dieses Kapitel ist das lange Warten wert? :c)



[Kapitel 22]

„Lara?!“, kam es ungläubig von Bucky und er zog die Augenbrauen zusammen, nachdem er sich umgedreht und den Neuankömmling entdeckt hatte. Da stand tatsächlich seine Freundin zwischen den Autos, die ihnen offensichtlich irgendwie unbemerkt in die Werkstatt gefolgt war und eigentlich mehrere tausend Meilen weit weg sein sollte. Und sie war wütend. Sie hatte beide Hände in die Seiten gestemmt, ihre Nasenflügel bebten und sie funkelte die beiden Männer zornig an. Unbewusst machte Sam einen Schritt zurück.

„Man kann dich keine fünf Minuten alleine lassen, Barnes!“, fauchte Lara ärgerlich und lief mit strammen Schritten auf ihn zu. Sie verpasste ihm einen kräftigen Schubser, doch er wankte nicht mal – was sie nur noch wütender machte. Ihre Handgelenke taten davon weh, doch das wollte sie unter keinen Umständen zeigen. Sie bebte vor Wut, das konnte er ihr deutlich ansehen. Sie hatte die Kiefer zusammengepresst und die Hände zu Fäusten geballt. „Ich kann nicht mal zwei Tage auf Dienstreise gehen, ohne dass du dich umdrehst und direkt die nächste Scheiße baust!“
„Lara, ich… lass es mich erklären!“, setzte Bucky an, doch sie unterbrach ihn sofort.
„Hast du eigentlich völlig einen an der Waffel, diesen Typen zu besuchen, der meinen Vater getötet und dich als Sündenbock missbraucht hat – nur um die Avengers zu zerstören?!“, schimpfte Lara weiter und hielt ihm ihren anklagenden Zeigefinger unter die Nase.

Es beunruhigte Sam ziemlich, dass sie davon ausging, dass Bucky Zemo nur besucht hatte. Er ahnte allerdings schon, dass dieser seine hypothetische Betrachtung, ihn als Hilfsmittel für ihr Vorhaben zu gebrauchen, bereits in die Tat umgesetzt hatte.
„Und du…!“, riss Lara ihn aus den Gedanken, als sie sich an ihn wandte. Sam hob sofort abwehrend die Hände und zog unschuldig die Augenbrauen hoch.
„Ich hab nichts gemacht!“
„Ja, eben! Ich dachte, du bist der Vernünftige von euch beiden.“
„Ey!“, murrte Bucky von hinten beleidigt.
„Ist doch so!“ Lara fuhr wieder zu ihm herum und funkelte ihn an. „Hatte ich dich nicht drum gebeten, Zuhause zu sein und die Katze zu füttern?“
Buckys Augen weiteten sich. „Scheiße, die Katze…“, murmelte er und seufzte schuldbewusst.
„Um die Katze geht’s nicht, du Idiot!“, erwiderte die Blondine genervt, „Wie kommt es, dass Shuri mich anruft und fragt, was du auf einem anderen Kontinent machst – und das gleich zwei Mal?!“
Buckys Stirnfalten wurden tiefer.
„Warte, wie…?“ Er warf einen hilfesuchenden Blick zu Sam. „Woher konnte Shuri das wissen?“
„Du trägst ‘ne scheiß teure Vibraniumprothese mit dir herum, die sich orten lässt. Hab ich vorher auch nicht gewusst, aber gerade bin ich irgendwie froh, dass es so ist“, antwortete sie und bemerkte seinen überraschten Ausdruck im Gesicht. Sie hatten keine Zeit mehr, das weiter auszuführen, da plötzlich Schritte zu hören waren.

Die Drei wandten sich dem Vorhang aus breiten Plastiklamellen zu ihrer Linken zu, hinter dem sich eine Silhouette abzeichnete. Lara ahnte nichts Gutes und als die Person sich durch den Vorhang schob, zog es ihr den Boden unter den Füßen weg. Eine unglaubliche Wut packte sie und es war als setzten sich ihre Beine von allein in Bewegung, um sie direkt auf Zemo zulaufen zu lassen. Sam warf Bucky einen fassungslosen Blick zu – er hatte den Schwerverbrecher doch tatsächlich aus dem Gefängnis befreit.

„Guten Tag“, grüßte Zemo, nachdem er durch den Vorhang getreten war und faltete die Hände vor dem Oberkörper. Neugierig sah er Lara an, da er sie natürlich nicht zuordnen konnte und auch nicht damit rechnete, was als nächstes passierte. Die Blondine lief mit strammen Schritten auf ihn zu, nutzte die von Natasha erlernte Technik der Beinschere und pinnte Zemo schwungvoll und schmerzhaft auf den Boden. Keine Sekunde später war sie über ihm und ließ ihre Faust ein paar Mal auf sein Gesicht niedersausen.
„Das ist für meinen Vater T‘Chaka, du mieses Schwein!“, fauchte sie ihm entgegen und stellte mit Genugtuung fest, dass seine Nase zu bluten begann. Bevor sie ein weiteres Mal zuschlagen konnte, spürte sie, wie Bucky sie von hinten ergriff und von ihm runterzog.
„Lara…“, setzte er beschwichtigend an, doch sie schüttelte seine Hände wutentbrannt ab.
„Ich hätte nicht gedacht, dass Sie wakandische Verbindungen haben, Fräulein.“ Zemo versuchte sich nichts anmerken zu lassen, zog ein Taschentuch aus seiner Hosentasche und drückte es sich unter die blutende Nase.
„Halt bloß deine Fr…!“
„Lara!“

Bucky fasste sie an beide Schultern und musste sie davon abhalten, sich erneut auf Zemo zu stürzen. Dieser rappelte sich wieder auf und wurde von Sam so abgedrängt, dass er weder flüchten noch Lara zu nahe kommen konnte.
Bucky festigte seinen Griff um ihre Schultern und dirigierte sie mit sanfter Gewalt in die andere Richtung, weg von Zemo. Lara schüttelte seine Hände erneut ab und lief ein paar Schritte weg von Bucky, ehe sie sich zu ihm umdrehte. Sie bebte noch immer vor Wut, ihre Nasenflügel zitterten, sie hatte die Augenbrauen unschön zusammengezogen. Ihre Hand, mit der Zemo geschlagen hatte, pochte unentwegt im Takt ihres Pulses und schmerzte.

„Wie kannst du mir das antun, den Mörder meines Vaters freizulassen?“, fragte sie leise und konnte dabei weder verhindern, dass ihre Stimme zitterte, noch dass ihr Tränen in die Augen schossen. Vor Wut. Und Enttäuschung. Sie war verletzt, das konnte Bucky ihr ansehen.
„Ich… Lara, es tut mir Leid, aber wir brauchen ihn“, erwiderte er vorsichtig, „Diese Typen da draußen, die Flag Smasher, die haben uns ziemlich den Arsch aufgerissen. Wir glauben, sie haben das Serum reproduziert und könnten noch mehr Supersoldaten erschaffen, die sich radikalisieren. Ich wünschte, ich hätte das nicht tun müssen, aber er kann hilfreich sein, sie zu stoppen…“ Er gestikulierte etwas hilflos herum, ehe er die Hände sinken ließ und mit den Zähnen knirschte. Sein Blick blieb an seiner kybernetischen Hand hängen und er atmete tief durch, ehe er wieder zu Lara sah.
„Was, wenn sie jemand einer Gehirnwäsche unterzieht?“

Die Blondine presste die Kiefer zusammen. Seine Worte ratterten in ihrem Kopf. Er hatte Recht. Dennoch war sie stinksauer. Sie wich Buckys Blick mit Absicht aus.
„Ich bleibe so lange hier, bis dieser Kerl wieder hinter Gittern sitzt!“, erwiderte sie bloß mit trotziger Stimme, während sie weiter auf den öligen Fußboden starrte.
„Lara, das könnte gefährlich werden. Ich will nicht, dass…“
„Ich muss es tun“, unterbrach sie ihn harsch und sah ihn endlich wieder an, „… für mein Land und für meinen Vater. Du kannst übrigens Gift drauf nehmen, dass die Doras früher oder später aufkreuzen werden – ich weiß gar nicht, wie ich das Okoye oder Ayo erklären soll. Am besten lasse ich sie dir einfach den Hintern versohlen.“
„Das hab ich wahrscheinlich auch verdient“, räumte Bucky seufzend ein, „Versprich mir, dass du dich raushältst, wenn es ernst wird.“

„Du stellst hier nicht die Bedingungen, Freundchen“, entschied Lara resolut und hielt ihm wieder ihren Zeigefinger unter die Nase. „Ich gehe dahin, wo Zemo hingeht. Ende der Diskussion.“
Bucky atmete hörbar ein und wieder aus – er wusste, dass es keinen Sinn ergab, mit ihr zu diskutieren. Sie war viel zu stur.
„Na, schön.“
Bucky rieb sich die Nasenwurzel und dachte kurz nach, als Zemo sich zu Wort meldete.
„Fräulein, dürfte ich vielleicht… ?“
„NEIN!“, brüllten ihn alle Drei unisono und wie aus der Pistole geschossen an, sodass er entsprechend erschrocken zusammenzuckte und sich prompt entschuldigte.
„Hey, wenn dir deine Visage lieb ist, sprichst du sie besser nicht mehr an“, warnte Sam ihn, woraufhin Zemo stumm nickte.
„Also, wo fangen wir an?“

*


Entgegen Sams Annahme, begannen sie nicht mit Autodiebstahl. Der Ort, an den Bucky ihn geführt und den er offenbar mit Zemo abgesprochen hatte, war ein alter Flugzeughanger, zu dem die Werkstatt sowie eine riesige Halle voller alter, wertvoller Autos gehörten. Diese wiederum befanden sich seit langer Zeit im Familienbesitz des Barons – zumindest behauptete er das, während er eines der Fahrzeuge öffnete und den Inhalt des Kofferraums in eine Reisetasche umlud. Lara und Sam wechselten einen skeptischen Blick, als Zemo in einen fragwürdigen Mantel mit fellbesetztem Kragen schlüpfte und dabei vom familiären Wohlstand erzählte. Laras Blick glitt zu Bucky, der sich interessiert einen der Oldtimer ansah.

Unwillkürlich drängte sich ihr die Frage auf, ob und wenn überhaupt wie lange er darüber nachgedacht oder vielleicht gezögert hatte, bevor er Zemo besucht und diesem schließlich zum Ausbruch verholfen hatte. Tappten er und Sam wirklich so im Dunkeln, dass sie sich an so einen Schwerverbrecher wenden und diesen als Verbündeten ins Boot holen mussten? Lara knirschte mit den Zähnen. Bestimmt war es Bucky nicht leicht gefallen, dem Mann entgegen zu treten, der ihn als Letztes zum Winter Soldier gemacht hatte. Der Mann, der sich Notizen in Lautschrift an die russischen Triggerworte in dem roten Buch geschrieben hatte, um ihn in perfektem Russisch gefügig zu machen.

Dennoch konnte sie nicht fassen, dass er sie nicht mal eingeweiht hatte – das nagte von all den Enttäuschungen wahrscheinlich am schlimmsten an ihr. Eigentlich dachte sie, sie würden sich blind vertrauen… Bucky bemerkte, dass Lara ihn ansah und hob den Blick, um den ihren zu kreuzen, doch sie sah schnell auf den Boden. Sie war noch nicht bereit, ihm Signale von Versöhnung zu senden.

„… und wenn das Serum erstmal da draußen ist, könnte jemand eine ganze Armee erschaffen – eine Armee wie die Avengers“, erzählte Zemo weiter und verschwand kurz im Inneren eines der Fahrzeuge. „Ich habe schon einmal einen Versuch gestartet, das Winter Soldier-Programm zu beenden und ich habe nicht vor, meine Arbeit unvollendet zu lassen.“ Er richtete sich wieder auf und sah Bucky in die Augen, welcher dem Blick fest standhielt. Lara lief es eiskalt den Rücken hinunter. Dieses Vorhaben war der Grund gewesen, warum Zemo ihren Vater getötet hatte. Nur um an Bucky und seine Erinnerungen an Sibirien heranzukommen. Die Blondine stieß geräuschvoll die eingeatmete Luft aus und musste sich mit den Zähnen knirschend abwenden, um Zemo nicht gleich nochmal eine zu verpassen. Bucky warf ihr einen Blick zu und mahlte mit dem Kiefer.

„Dafür müssen wir uns mit zwielichtigem Gesindel abgeben“, sagte Zemo und setzte sich in Bewegung, um die Halle zu verlassen.
„Willkommen im Club, soweit sind wir schon“, erwiderte Sam trocken und sah ihm kurz nach, ehe er ihm folgte. Sein Blick glitt zu Lara, die Zemo hasserfüllt hinterher sah und die linke Hand, die nicht schmerzte, fest zu einer Faust geballt hatte.
„Alles okay?“, fragte er sie leise, woraufhin sie ihren Blick von Zemos Rücken losriss und ihn ansah. Ein dicker Kloß saß in ihrem Hals, sodass sie ihm nur leise und mit gepresster Stimme antworten konnte.

„Wie er davon spricht, das Programm zu beenden, als hätte er einen schönen Spaziergang durch den Park gemacht und dafür nicht meinen Vater kaltblütig ermordet. Ich möchte ihm so gerne noch eine reinhauen.“
„Nur zu, ich würde dich nicht aufhalten“, erwiderte Sam und versuchte, ihr ein aufmunterndes Lächeln zu schenken. Lara schnaubte nur und kreuzte Buckys Blick, den er ihnen zuwarf, weil er trotz der gesenkten Stimmen sehr gut verstanden hatte, worüber sie sprachen. Dann setzte sie sich schließlich in Bewegung und folgte dem Baron.
„Die erste Station ist eine Frau namens Selby, eine mitteklassige Hehlerin, die ich kenne. Von dort sehen wir weiter.“

Zemo führte die Drei aus der Halle. Draußen begrüßte sie ein strahlender Tag, was sehr ironisch war, denn Lara sah aus wie sieben Tage Regenwetter, während sie als Schlusslicht hinter den drei Männern herlief. Sie betraten ein Rollfeld, auf dem bereits ein Privatjet auf sie wartete. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte Lara, wie Bucky sich eine Sonnenbrille aufsetzte, doch Zemo lenkte ihre Aufmerksamkeit schnell wieder auf sich.

„Ich war so frei und habe uns schon mal eine Transportmöglichkeit organisiert“, sagte er, während er mit strammen Schritten auf das Flugzeug zuhielt.
„Wow, war wohl kein Uber mehr frei, was?“, murmelte Lara miesepetrig.
„Du warst also die ganze Zeit über reich?“, fragte Sam verblüfft und betrachtete staunend den schicken Fliegern.
„Ich bin immer noch ein Baron, Sam“, antwortete Zemo nonchalant, ehe er sich über seine Schulter hinweg an Lara wandte: „Da, wo wir hinwollen, kann uns kein Uber hinbringen, Prinzessin.“
Er hatte Glück, dass Sam, Bucky und gute fünf Meter Abstand zwischen ihnen lagen, sonst hätte sie ihm wohl ins Kreuz getreten.
„Und wo wäre das? Atlantis?“, fragte sie stattdessen schnippisch zurück und rollte mit den Augen.

„Madripoor.“
Während ihr dieser Begriff rein gar nichts sagte, schien Bucky zu wissen, wovon er da sprach. Zumindest zog er erst kurz die Augenbrauen nach oben und zuckte schließlich leicht mit den Schultern.
Sie erreichten das Flugzeug und Zemo begrüßte herzlich einen alten Mann, der am Fuße der ausgeklappten Treppe auf sie wartete und ihm die Tasche abnahm. Es schien sein Butler oder so etwas zu sein.
„Oeznik!“, freute der Baron sich und zog den Mann in die Arme. „Alter Freund!“
„Schön, Sie wiederzusehen. Gentlemen, die Dame“, begrüßte Oeznik auch die Anderen. Lara hatte vorher noch nie Sokovianisch gehört, es war den slawischen Sprachen aber sehr ähnlich. Zemo stieg die Treppe ins Flugzeug als Erster empor, Oeznik folgte ihm, dann Sam, dann Bucky. Lara zögerte.
„Was zum Henker ist Madripoor?“
Bucky blieb stehen und kam die Treppe wieder herunter. Er zog die Sonnenbrille von der Nase und sah sie an.

„Madripoor ist ein insularer Stadtstaat in Südostasien. Ich war schon mal da, ist ein übler Ort“, antwortete er schließlich und presste kurz die Zähne zusammen. „Eigentlich will ich dich da gar nicht haben, du gehörst da nicht hin.“
„Tja, das hättest du dir überlegen müssen, bevor du diesen Drecksack aus dem Knast geholt hast“, gab die Blondine trotzig zurück, „Und außerdem kann ich es nicht glauben, dass ich jetzt deinetwegen in so ein Flugzeug steigen muss!“, fauchte Lara und boxte Bucky wütend gegen den rechten Oberarm, was sie allerdings sofort bereute, da nun auch ihre andere Hand weh tat. Und er zuckte nicht mal, was ihre Wut nochmal steigerte.
„Ich dachte, du fliegst wieder? Wie bist du denn sonst hierher gekommen?“

„Nur mit wakandischer Technik, nicht mit Flugzeugen mit so einem primitiven Antrieb! Und wag jetzt nicht, mir vorzuschlagen, euch mit meinem Jet hinterherzufliegen! Am Ende murkst Zemo euch beide irgendwie ab und flieht. Nee, nee. Ich werde an ihm kleben wie eine Klette.“
„Na, dann los.“ Bucky konnte nicht anders und musste ein bisschen schmunzeln. Er mochte ihre Entschlossenheit, auch wenn sie immer noch sauer auf ihn war. Er machte eine einladende Geste auf die Treppe und Lara stiefelte an ihm vorbei, die Stufen empor. Ihr Herz hämmerte hart vor Nervosität, doch da musste sie jetzt durch. Also biss sie die Zähne zusammen, als sie den Flieger betrat und Oeznik sie lächelnd begrüßte. Mehr als ein gequältes Zucken der Mundwinkel brachte sie nicht zustande, wandte sich nach rechts und lief, obwohl bei Zemo und Sam noch ein Platz frei war, an ihnen vorbei, um sich auf einen der hinteren Sitze fallen zu lassen. Sofort schnallte sie sich an und krallte die zitternden Finger in den weichen Stoff der Armlehnen. Bucky kam ebenfalls herein und setzte sich auf den Platz Sam gegenüber.

„Wir starten in Kürze“, sagte Oeznik, der gerade hereinkam und Zemo ein zusammengerolltes, blütenweißes Handtuch auf einem Tablett hinhielt.
„Für Ihre Nase, Sir“, erklärte er, als der Baron ihn etwas konsterniert ansah.
„Oh, richtig.“ Zemo schüttelte über sich selbst den Kopf und griff nach dem Handtuch, um sich schließlich etwas getrocknetes Blut von der Nase zu tupfen. „Bring ein bisschen Eis für die Hand der jungen Dame“, bat er den Butler, der sofort nickte und sich abwandte.

„Nicht nötig“, presste Lara hervor und ließ schnell die Hand sinken, die sie die ganze Zeit über leicht massiert hatte. Von diesem Mann würde sie gar nichts annehmen. Sie spürte, dass Bucky ihr einen Blick zuwarf, doch sie wich ihm aus und sah aus dem Fenster.
Der Co-Pilot schloss die Tür des Flugzeuges und bat sie alle, sich anzuschnallen. Kurz darauf setzte sich der Flieger in Bewegung und rollte auf die Startbahn. Lara krallte sich wieder an ihren Sitz und schloss die Augen. Kurz bevor der Kapitän vollen Schub auf die Düsen gab, schnallte Bucky sich schnell noch einmal ab und lief nach hinten, um sich neben Lara auf den freien Platz zu setzen und ihr während des Starts beizustehen. Sie öffnete die Augen, als er nach ihrer Hand griff, sah auf seine kybernetischen Finger und dann nur kurz zu ihm.

„Ich bin immer noch sauer auf dich, Barnes“, sagte sie, schloss die Augen wieder und lehnte ihren Kopf an die Kopfstütze des Sitzes.
„Das ist okay.“
„Ich hab nur gerade zu viel Schiss, als dass ich dir den Arsch aufreißen könnte.“
„Und das ist auch okay“, erwiderte Bucky und sie konnte aus seiner Stimme heraushören, dass er gerade grinste.
Der Flieger hob geschmeidig ab und ging steil nach oben, bis er die Reisehöhe erreicht hatte und die Anschnallzeichen erloschen. Lara atmete tief durch, öffnete die Augen wieder und strich sich einige Strähnen aus der Stirn, die leicht schwitzig war, wie sie feststellte. Oeznik kam derweil mit einem Glas Champagner in die Kabine und reichte es Zemo. In der anderen Hand hielt er einen weißen Beutel.

„Tut mir Leid, falls der Champagner etwas warm ist. Der Kühlschrank ist kaputt“, sagte er bedauernd, ehe er den Blick auf Lara richtete. „Eis gibt es daher auch nicht, aber ich habe das hier gefunden.“ Er kam ein paar Schritte auf sie zu, bis Bucky sich erhob und ihm entgegenging. Der Dunkelhaarige nahm dem Butler das Ice Pack ab, aktivierte die Kühlung durch Zusammendrücken des Granulats und reichte Lara den kälter werdenden Beutel, den sie sich vorsichtig auf die schmerzende rechte Hand legte. Mit einem knappen Nicken bestätigte die Blondine, dass es wirkte und etwas Linderung verschaffte, sodass Bucky schließlich auf seinen ersten Sitzplatz zurückkehrte und Sam ansah, als dieser das Wort ergriff.

„Also, wohin fliegen wir jetzt genau?“, fragte dieser und warf einen Blick zwischen Bucky und Zemo hin und her.
„Einen Moment, Sam.“ Der Baron hielt gerade das Buch in der Hand, das er auch in seiner Gefängniszelle gelesen hatte. Lara sah, dass in dem Roman ein kleines Heft lag und sie erkannte es sofort. Zu oft hatte sie Bucky dabei gesehen, wie er hinein gestarrt hatte. „Dieser Teil hier scheint wichtig zu sein“, führte Zemo weiter aus und nahm das dünne Heft in die Hand. „Wer ist Nakajima?“
Wie von der Tarantel gestochen sprang Bucky auf und packte ihn an der Kehle.
„Fass das nochmal an und ich töte dich!“, fauchte er Zemo entgegen, entriss ihm das kleine Heft und setzte sich wieder.

„Tut mir Leid“, entschuldigte sich der Baron, „Ich verstehe. Diese Liste mit Namen, sie haben diesen Leuten als Winter Soldier Unrecht getan.“
„Nicht übertreiben“, murrte Bucky grimmig zurück und behielt das Heft in den Händen. Lara warf ihm einen Blick zu, doch er starrte auf seinen Schoß. Ihr war klar, dass dieses Buch ein wunder Punkt für ihn war. Sie selbst hatte da noch nie reinschauen dürfen.
„Ich kenne dieses Buch. Es hat Steve gehört, als er aus dem Eis kam“, warf Sam ein und es entstand eine kleine Diskussion darüber, was Steve dort selbst hineingeschrieben hatte und wie es ihm etwas dabei geholfen hatte, in den neuen Zeiten zurecht zu kommen. Steves Vermächtnis lag schwer in der Luft.
Schließlich kamen sie auf Madripoor zu sprechen.

„Was ist mit diesem Madripoor? Ich redet davon als wäre es Skull Island“, meinte Sam und warf einen argwöhnischen Blick zwischen den beiden Anderen hin und her.
„Es ist ein Inselstaat im indonesischen Archipel“, klärte Bucky ihn wie zuvor schon Lara auf, „Im 18. Jahrhundert diente es Piraten als Zufluchtsort.“
„Seine Gesetzlosigkeit hat es sich bewahrt“, fügte Zemo hinzu, „Doch wir können da nicht als wir Selbst auftauchen.“
Lara verfolgte dieses Gespräch stumm und ein ungutes Gefühl beschlich sie.
„James, Sie müssen jemand sein, von dem Sie behaupten, es gebe ihn nicht mehr.“
Ein unangenehmes Ziehen stellte sich in ihrer Magengegend ein, als Zemo diesen Satz aussprach, und sie sah Bucky abwartend an. Grimmig haftete sein Blick auf dem Baron, während er die Kiefer knirschen ließ. Dann wanderten seine Augen zu Lara und er bemerkte den Schrecken, der sich in den ihren widerspiegelte. Sie hatte den Winter Soldier nur in Buckys Unterbewusstsein getroffen und war nicht sonderlich scharf darauf, ihn in der Realität zu erleben – auch wenn das nur gespielt sein würde. Für sie waren Bucky und der Winter Soldier zwei unterschiedliche, getrennte Personen und das sollte eigentlich bitte auch so bleiben. Lara presste die Lippen zusammen und wandte den Blick ab, um aus dem Fenster zu sehen.
Bucky erhob sich aus seinem Sitz und lief nach hinten, um sich wieder auf den Platz neben ihr zu setzen.
„Ich hasse diesen Typen“, murmelte er, blätterte einmal vorsichtig durch die Seiten des Heftes und ließ das Buch schließlich in der Innentasche seiner Jacke verschwinden.
„Willkommen im Club“, brummte Lara und sah ihn endlich an. Er erwiderte ihren Blick und ein leichtes Lächeln zuckte dabei um seine Mundwinkel.
Ihre Wut begann zu bröckeln und so entspannte sie sich langsam etwas, was sich auch in ihrer Körpersprache ausdrückte, da sie sich ihm nun wieder zuwandte.

„Wie geht’s deiner Hand?“, erkundigte Bucky sich, woraufhin Lara den Eisbeutel herunternahm und vorsichtig die Finger bewegte.
„Ich hoffe besser als seinem Gesicht“, erwiderte sie schließlich und nickte in Zemos Richtung, sodass Bucky grinsen musste.
„Du hast das mit der Beinschere gut hingekriegt“, bemerkte er dann. „Sah super aus.“
„Ich schätze, ich hatte die richtige Motivation.“ Lara zuckte mit den Schultern und grinste schief, ehe sie wieder ernst wurde. „Hör mal, wir sind seit fast 7 Jahren zusammen, da kannst du nicht einfach so verschwinden, ohne mir zu sagen, wohin.“
Bucky sah sie mit großen Augen an.
„Du zählst die fünf Jahre mit, die ich… nicht da war?“
Nun wurden Laras Augen größer.
„Natürlich… ich…“ Sie unterbrach sich selbst, als Bucky sie tief anlächelte. „Natürlich, du Idiot. Ich hab doch deine Kette nicht umsonst getragen.“
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