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Chaos in Mittelerde

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Humor / P12 / Gen
Aragorn Gimli Legolas OC (Own Character)
17.05.2021
05.11.2021
15
44.219
4
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20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
19.05.2021 4.398
 
Hey, welcome back:)
Hier ist ein neues Kapitel für euch. Ob sie König Theoden von Saruman Geist  befreien können? Das erfahrt ihr in diesem neuen *nicht* Beststeller
Viel Spaß!

Wir ritten auf das Stadttor zu, als eine dunkelgrüne Flagge über unsere Köpfe wehte. Sie war mit einer edlen, roten Borte verziert und in der Mitte prangte ein weißes Pferd.. „Ist dass das Wappen der Rohaner?“, fragte ich Aragorn, der vor mir saß. „Rohirrim“, verbesserte er mich lachend. „Ja, das ist ihr Wappen.“
Kurz sah ich der Flagge hinterher, die immer weiter in die Lüfte stieg, bis ich meinen Blick wieder der Stadt mit der goldenen Halle zuwandte, die wir in diesem Moment betraten.
Neben dem offenen Tor stand ein einzelner Wachposten, der uns skeptisch musterte, letztendlich aber doch durchließ. Unseren Weg in Richtung Hügel säumten einige verwahrloste Häuser, die so aussahen, als ob sie beim nächsten Windstoß einstürzen könnten.
Die Männer, welche vor ihren Häusern arbeiteten oder die alten Frauen, welche in Korbstühlen auf den Veranden saßen und stickten oder die Kinder, deren Gesichter vom Spielen auf der Straße dreckig waren, beobachteten uns zum Teil neugierig, zum anderen aber auch misstrauisch. Während ich die Menschen gleichermaßen betrachtete, musste ich feststellen, dass die meisten bemitleidenswert abgenutzte und ungepflegte Kleidung trugen.
Es herrschte eine bedrückte Stimmung und abgesehen von den Kindern, die fröhlich auf der Straße herumtollten, hörte ich kein Lachen, kein Lächeln.
„Auf jedem Friedhof ist die Stimmung fröhlicher“, sprach Gimli das aus, was wir alle dachten.
Bald kamen wir auf der Spitze des Hügels an und saßen von den Pferden ab. Während wir die Stufen zur Halle erklommen (ich ärgerte mich sehr über diese Stufen, wieso musste man ein Haus auf einem Berg noch mehr erhöhen?) traten einige bewaffnete Männer aus der großen Flügeltür.
„So bewaffnet darf ich euch nicht zu König Théoden vorlassen, Gandalf Graurock“, wies der Hauptmann der Wache den Zauberer an. Soso, er war nicht ganz auf dem neuesten Stand, was Gandalfs Lieblingsfarbe betraf. „Auf Geheiß von Grima Schlangenzunge“, fügte der stämmige Mann mit der krummen Nase hinzu. Grima Schlangenzunge? Wenn dies sein wahrer Name war, konnte ich mich dann Ophelia Schildkrötenfüß nennen? Das wäre doch mal ein origineller Name.
Legolas gab einem der Torwächter seine zwei Dolche, den Köcher mit Pfeilen und seinen großen Bogen und grummelnd lehnte auch Gimli seine Axt an die Wand. Aragorn hingegen hielt sein Schwert noch lange in der Hand. „Es ist nicht mein Wunsch, Anduril abzugeben“, meinte er bockig. „Nun, dann könnt ihr nicht hinein“, entschied der Hauptmann grimmig und stellte sich breitbeinig und mit verschränkten Armen vor den Eingang. Lange starrten sich Aragorn und er feindselig an, bis mir der Kragen platzte: „Ach um Himmels Willen Aragorn, du benimmst dich wie ein Kleinkind! Jetzt gib dem Typ halt dein Schwert, sonst stehen wir ja noch ewig hier draußen rum!“
Verblüfft sahen mich Aragorn und der Wachmann, Legolas, Gimli und Gandalf an. Ob es wegen meiner unbekannten Wortwahl war, oder da sie so einen Ausbruch von mir nicht erwartet hatten, konnte ich nicht sagen. Doch Gandalf meinte, nachdem er sich wieder gefasst hatte, vergnügt: „Na, da hat sie recht. Wollen wir also?“ Und endlich gab Aragorn nach und lehnte sein Schwert vorsichtig neben Gimlis Axt an die Wand.
Ich atmete erleichtert auf und freute mich schon, nun endlich die goldene Halle betreten zu dürfen, als uns wieder der Weg versperrt wurde: „Euren Stab“, verlangte ein Torwächter von Gandalf. Dieser setzte einen unglaublich mitleiderregenden Blick auf und jammerte bekümmert: „Oh, ihr wollt einem alten Mann doch nicht etwa seine Stütze nehmen?“
Nur schwer konnte ich mir das Lachen verkneifen. Bei all dem Talent, welches Gandalf in der Schauspielerei auch besitzen mochte: So leicht ließ sich doch ein ausgebildeter Wachmann nicht täuschen! Wer’s glaubt wird selig. Und der Hauptmann wurde selig, denn er ließ Gandalf durch.
Noch während ich ungläubig die Augenbrauen hob, betraten wir die dunkle, von wenigen Fackeln beleuchtete Halle. Ich hatte es mir um einiges imposanter vorgestellt: Die weitläufige Halle war zwar groß und breit, doch sie war auch vollkommen leer, unseren Weg säumten Säulen, die mit ihren geschnitzten Pferdeköpfen wie Totempfähle aussahen, und am Ende der Halle stand ein hölzerner Thron.
Auf diesem saß eine kleine, gekrümmte Gestalt mit wirrem, grauen Haar, der Hautfarbe von Schimmel und einem Gesicht, so faltig und in sich zusammengefallen, dass man hätte meinen können, jemand betriebe Nekromantie.
Neben ihm kauerte ein Mann auf einem morschen Hocker. In langen Strähnen fiel ihm fettiges, schwarzes Haar auf seine Schultern und ich gruselte mich ein wenig unter dem Blick der kleinen, schwarzen Käferaugen, in seinem bleichen Gesicht.
In dem Moment drehte er sich zu seinem König um und flüsterte ihm etwas ins Ohr; selbst hier, auf der anderen Seite der Halle, konnte ich das Zischen seiner Stimme hören und schauderte.
„Die Höflichkeit in Eurer Halle hat letzthin etwas nachgelassen, Théoden, König“, rief Gandalf auf einmal mit lauter Stimme durch den Saal und ich zuckte zusammen.
„Warum sollte ich Euch willkommen heißen, Gandalf Sturmkrähe?“, fauchte der verschrumpelte Herrscher auf seinem verschrumpelten Thron.
Und dies sollte wirklich der König sein?
„Dies ist eine sehr berechtigte Frage, mein Herr und Gebieter“, zischte die Schlange. „Spät ist die Stunde“, meinte er und erhob sich. Grima Schlangenzunge war erstaunlich klein und krümmte sich unter einem ungeheuren Buckel. „In der dieser Zauberkünstler auf den Plan tritt. Láthspell sollte er heißen!“ Er trat einige Schritte auf Gandalf zu und hob anklagend seinen Zeigefinger. „Schlechte Nachricht ist ein schlechter Gast!“
Ich zog angewidert meine Augenbraue in die Höhe. Aus der Nähe war er noch abstoßender als aus der Ferne.
„Schweigt! Behaltet eure gespaltene Zunge hinter euren Zähnen. Ich bin nicht durch Feuer und Tod gegangen und wechsle jetzt verlogene Worte mit einem einfältigen Wurm!“, fuhr ihn Gandalf wütend an und richtete seinen Stab auf ihn.
Angsterfüllt riss Grima seine kleinen Augen auf und wich keuchend zurück. „Sein Stab“, murmelte er, „Ich habe euch befohlen dem Zauberer seinen Stab zu nehmen!“ Oh nein, das ging nicht, einem alten Mann darf man nicht die Stütze wegnehmen. Ich grinste in mich hinein.
Mein innerliches Grinsen hielt jedoch nicht lange, als ich merkte, dass die Torwächter, welche uns hereingelassen hatten, auf uns zu stürmten, um Gandalf seinen Stab abzunehmen. Während ich noch mit mir rang, ob ich weglaufen sollte oder nicht (doch wohin?), waren die Soldaten schon bei uns angelangt. Der Hauptmann streckte schon die Hand nach dem Stab des Zauberers aus, als ihm Aragorn die Hand auf den Rücken drehte und zu Boden warf. Auch Legolas und Gimli rangen die weiteren Wachmänner zu Boden.
Dieses kindische Verhalten ließ mich schnauben. Von Gesprächen und Unterhaltungen hatte man in Mittelerde wirklich noch nie etwas gehört.
Ich folgte also Gandalf, welcher sich am ängstlich umherblickenden Grima vorbeidrängte und auf den König zuschritt.
„Théoden, Thengels Sohn“, rief er mit bedrohlicher Stimme. „Zu lange habt ihr im Schatten gesessen!“ Da musste ich Gandalf zustimmen, in dieser Halle war es wirklich düster.
Als Théoden nicht antwortete, entschied der Zauberer, sich als Psychologe zu versuchen. „Hört mich an“, verlangte er also verständnisvoll. „Ich befreie euch von eurem Zauber!“
Plötzlich begann der König schallend zu lachen. Außerordentlich laut für einen alten, gebrechlichen, von einem Zauber vergifteten Mann. „Du besitzt keine Macht hier, Gandalf der Graue!“, spottete er.
Von diesen Worten erzürnt, warf der Zauberer seinen farblosen, abgetragenen Mantel ab und wiederholte den Trick mit dem hellen Licht.
„Ich werde euch Saruman aussaugen wie Gift aus einer Wunde!“
Im gleichen Augenblick stürmte eine junge Frau in den Saal, sie war nicht älter als fünfundzwanzig, und lief auf den König zu. Ich bewunderte ihr langes, goldblondes Haar, welches ihr wie ein Schleier hinterherwehte. Bevor sie Théoden, oder was noch von ihm übrig war, jedoch erreicht hatte, hielt Aragorn sie am Arm fest und flüsterte ihr etwas zu. Erschrocken riss sie die Augen auf und blieb stehen.
„Wenn ich gehe, dann stirbt Théoden“, höhnte Théoden selbst. Sprach da Saruman aus ihm? Ich bekam eine Gänsehaut. Dieser Zauberer jagte mir Angst ein. Nicht, dass er damit drohte, den König umzubringen, nein (auch wenn ich natürlich nicht wollte, dass er starb), sondern viel mehr beängstigte mich, dass er Menschen wie Marionetten benutzte und so lange steuerte, bis er sie nicht mehr brauchte und dann zerstörte.
„Du hast mich nicht getötet, du wirst auch ihn nicht töten!“, stellte Gandalf fest.
„Rohan ist mein“, flüsterte Saruman und grinste grotesk, doch in diesem Moment stampfte Gandalf seinen Stab auf den Boden und eine gewaltige Druckwelle, die von ihm ausging, ließ den Boden unter unseren Füßen erzittern: „Weiche!“, befahl er polternd.
Unter verzerrtem Gesicht wurde die fleischliche Hülle Théodens in seinen Thron gedrückt und wand sich wie eine Schlange auf einer Herdplatte, bis sie letztendlich zusammensackte.
Daraufhin riss sich junge Frau von Aragorn los und eilte zu Théoden. Während ich sie dabei beobachtete, wie sie vor ihm in die Hocke ging und seinen Kopf in ihre Hände nahm, fragte ich mich ängstlich, ob ich schon wieder jemanden hatte sterben sehen.
Doch nach und nach kehrte Farbe in das Gesicht des Königs zurück, seine grauen Haare nahmen allmählich die blonde Farbe der jungen Frau an (seiner Tochter? Später erfuhr ich, dass sie seine Nichte war) und er blickte schwerfällig hob er den Blick. Er wechselte einige Worte mit ihr, die ich nicht verstand, und blickte dann zu Gandalf. Verwirrt flüsterte er den Namen des Zauberers, welcher sich bei ihm einhakte und ihn gemächlich vor die Toren der Halle führte, wir anderen folgten ihnen in stiller Prozession.
„Nun atmet wieder die frische Luft, mein Freund.“
Ich war froh, der düsteren Halle entkommen zu sein und genoss die letzten Sonnenstrahlen auf meiner Haut.
„Dunkel waren meine Träume in letzter Zeit“, erzählte der König seinem neugewonnenen Psychiater. Gandalf nickte verständnisvoll: „Eure Finger würden sich ihrer alten Kraft besser erinnern, wenn sie euer Schwert packen würden!“
Nach kurzer Zeit kam tatsächlich ein Diener herbeigeeilt und reichte dem König mit einer Verbeugung sein kunstvoll verziertes Schwert. Der goldene Knauf glitzerte in der Sonne, als er das Schwert am Griff packte und schwungvoll durch die Luft wirbelte.
Nach einem Augenblick drehte er sich ruckartig um und sein Blick traf Grima, der gerade versuchte, sich unauffällig aus der Halle zu schleichen.
„Schafft ihn weg!“, wies der König wütend seine Soldaten an und deutete auf die Schlangenzunge. Der wimmernde Grima wurde gepackt und die Treppe heruntergeworfen. Autsch, das sah schmerzhaft aus! Noch während die Schlange jammerte und flehte, nicht verbannt zu werden, schritt Théoden die Stufen herunter und hob hasserfüllt sein Schwert. Entsetzt schlug ich mir die Hand vor den Mund. In dieser Welt tat man nichts anderes, als sich gegenseitig zu ermorden, und niemand ging dagegen vor!
Zum Glück war Aragorn zur Stelle und packte den König an der Schulter. „Nein, mein Herr!“, verlangte er und sah Théoden fest in die Augen, „Lasst ihn gehen! Genug Blut ist schon vergossen worden seinetwegen.“ Oh, wenigstens gab es einen, der Verstand besaß! Ein wenig, jedenfalls.
„Geht mir aus dem Weg!“, kreischte Grima erleichtert und bahnte sich einen Weg durch die Menschenmenge, die sich gebildet hatte, um das Schauspiel zu verfolgen. Bald war er verschwunden und ich hoffte, dass er so schnell nicht wiederkam.
Als ich mich gerade wieder abwenden wollte, kniete sich einer der Torwächter auf den Boden, legte seine Faust auf die Brust und rief mit lauter Stimma: „Heil, König Théoden!“
Nach und nach kniete sich die Menschenmenge auch auf den Boden (einige der älteren Menschen eher schlecht als recht) und ich fragte mich, ob ich mich auch hinknien sollte. Théoden war nicht mein König und ich nicht sein Untertan, doch war es vielleicht einfach ein Zeichen des Respekts? Gandalf kniete schließlich auch nicht (doch war er vielleicht sogar als Zauberer einen Rang über Théoden? Diese mittelalterliche Welt verwirrte mich).
Da ich deutlich zu lange überlegt hatte, richteten die Bürger sich allmählich wieder auf und Théoden drehte sich zu seiner Nichte: „Wo ist Théodred? Wo ist mein Sohn?“
Éowyn schritt langsam die Stufen zu ihm hinab, nahm seine Hände in ihre und sah ihm lange in die Augen. Noch bevor sie es aussprach, wusste ich, was geschehen war: „Euer Sohn ist tot.“

Wir standen in der Halle und blickten uns unschlüssig um. Nachdem der König in seine Gemächer verschwunden war und uns mitgeteilt wurde, dass in einigen Stunden die Bestattung des Prinz stattfinden würde, war uns auch Gandalf abhandengekommen, wodurch wir nun etwas orientierungslos waren.
Während ich mich an einer Säule abstützte, wurde mir einmal mehr in diesen Tagen bewusst, wie erschöpft und ausgelaugt ich doch war. Mir tat alles weh und kleine schwarze Punkte nahmen mein Sichtfeld immer mehr ein. Aragorn sah mir wohl an, wie schlecht es mir ging, da er verschwand und kurz darauf mit Éowyn zurückkehrte, die sich bei mir einhakte und mich mit sich zog. Ich bekam nur noch schwach mit, was um mich herum passierte, doch bald kamen wir vor einer Holztür zum stehen, hinter der sich ein großes Bett, ein schwarzer Schrank und ein Fenster mit braunen Vorhängen befand. Der Innenarchitekt war nicht der begabteste gewesen, doch ich schmolz schon bei der Vorstellung eines weichen Bettes dahin.
Bevor ich jedoch in den Genuss kam, es zu benutzen, wurde ich weiter in Richtung des angrenzenden Badezimmers gezogen. Darin befand sich nichts weiter als eine große, hölzerne Waschschüssel, ein kleiner Schrank und ein Hocker. Auf diesen wurde ich jetzt gedrückt und aus einer Schürzentasche zog Éowyn ein braunes Fläschchen. War sie ein wandelnder Apothekenschrank? Ich für meinen Teil hatte kein Desinfektionsmittel in der Tasche.
Sie schob meinen (nicht mehr ganz so weißen) Pullover nach oben um die Wunde betrachten zu können und kniff die Augenbrauen zusammen. „Das sieht nicht gut aus“, stellte sie fest und tröpfelte fachfrauisch einige Tropfen aus ihrem Fläschchen auf meine Wunde. „Das wird jetzt etwas brennen“, wies sie mich an, „Aber es muss sein, nur so bewahren wir Euch vor einer Infektion!“ Ich musste wohl sehr ungläubig dreingeschaut haben, da sie schmunzelte: „Habe ich etwas Falsches gesagt?“ Ich schüttelte eilig den Kopf und bereute es sofort wieder, da mein Kopf pochte, und meinte scheu (was eigentlich gar nicht üblich für mich war, ich schob es auf die Erschöpfung): „Mich verwirrt nur dieses Ihr und das Euer, sind das wirklich die förmlichen Anreden, die ihr hier benutzt?“ Die junge Frau nickte verwirrt: „Ja, das sagen wir alle. Spricht man da wo du herkommst etwa anders?“ Ich begann etwas zögernd zu erzählen, wie die Sprache in meinem Land war und ließ dabei gekonnt aus, dass dieses Land höchstwahrscheinlich nicht in dieser Welt lag. Nachdem die erste Barriere überwunden war, unterhielten wir uns freundlich über das Leben in Rohan. Ich wunderte mich zwar ein wenig, dass Éowyn mir ihre Gedanken anvertraute, begründete es jedoch damit, dass sie nicht viele Freundinnen hatte und sich so noch niemandem hatte anvertrauen können. Der Altersunterschied war längst vergessen, wir waren Freundinnen geworden.
Nachdem sie mir also erzählt hatte, dass sie viel lieber lernen wollte, wie man mit dem Schwert kämpfte, anstatt zu nähen und zu kochen, stand sie auf. „Deine Wunde ist versorgt! Wenn du magst, kannst du noch ein wenig schlafen, bis die Beerdigung beginnt. Ich schicke jemanden, der dich zur rechten Zeit weckt!“
Dankbar nahm ich das Angebot an und verkroch mich unter der Bettdecke. Ehe ich bis drei zählen konnte, war ich eingeschlafen.

Zaghaft pochte es an meine Tür.
Verschlafen zog ich mir die Decke über den Kopf und versuchte, den Lärm auszublenden. Es pochte noch einmal, diesmal kräftiger. Wütend grummelte ich und öffnete meine Augen immer noch nicht. Daraufhin wurde die Tür geöffnet und jemand betrat das Zimmer. „Bitte, Herrin, ihr müsst aufstehen! Die Bestattung Théodreds findet bald statt.“
Ich zwang mich, unter der Decke hervorzukriechen und blinzelte den Schlaf aus meinen Augen. Bald hatte ich mich an die Helligkeit gewöhnt und setzte mich auf. Müde beobachtete ich die Dienstmagd, welche einen Stapel Klamotten auf einen Stuhl gelegt hatte und sich nun zum Gehen wandte. Nachdem sie das Zimmer verlassen hatte, stand ich auf und tapste etwas unbeholfen auf die Kleidung zu. Noch während ich mich daran machte, in das schwarze Trauerkleid zu schlüpfen und die vielen Schnüre der schwarzen Stiefel zu binden (Himmel, war das umständlich! Man sollte meinen, es gäbe hier keine ordentlichen Schuhe), merkte ich, wie unglaublich gut mir das kurze Nickerchen getan hatte. Nachdem ich also das schreckliche Übel eines Kleides nur als Zeichen des Respekts für den König und seinen Sohn auf mich genommen hatte, verließ ich mein provisorisches Zimmer.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, da ich mich in diesem Labyrinth von Gängen verlaufen hatte, trat ich in die, aufgrund der weit geöffneten Tore, gar nicht mehr düstere Halle.
Dort erwartete mich schon ein Auflauf (ich meine nicht das Essen, auch wenn ich mich sehr darüber gefreut hätte, da ich langsam Hunger bekam) von Menschen. Unter ihnen erkannte ich meine Gefährten. Sie standen immer noch an der gleichen Stelle, an der ich sie vorhin zurückgelassen hatte. Ich musste grinsen, als ich mir vorstellte, wie ich ein gemütliches Nickerchen gehalten hatte und sie hier herumstehen mussten. Die Rohirrim waren, wie überall bekannt war, ein überaus gastfreundliches Volk (wer den Sarkasmus in meiner Stimme jetzt nicht erkennt, ist ein Ork).
Als ich mich zu ihnen gesellte, musste Gimli bei meinem Anblick kichern. Beleidigt verschränkte ich die Arme. „Ich bin doch keine Witzfigur!“, empörte ich mich. „Was ist denn so schlimm?“ Der Zwerg setzte zu einer Erklärung an, grinste jedoch weiter: „Was trägst du denn da? Willst du etwa auf eine Beerdigung?“ Einige Leute drehten sich zu uns um und schenkten Gimli wütende Blicke. „Gimli!“, zischte Aragorn aufgebracht, „Zügle deine Zunge! Wir werden tatsächlich gleich auf eine Beerdigung gehen!“ Ich musste schmunzelnd den Kopf über den Zwerg schütteln. Gimli hatte wirklich ein schreckliches Kurzzeitgedächtnis (meine Freundin behauptete immer, ich hätte auch eines, aber siehe da, ich kann mich immer noch an all die Geschehnisse erinnern). „Kommt mit, es geht los“, wies uns Legolas an und deutete auf den König, welcher mit Gandalf und Éowyn gerade aus der Halle schritt. In gebührendem Abstand folgten wir ihnen. Erst vor der Halle erkannten wir, dass vier rohirrische Soldaten den aufgebarten Prinz auf einer Trage geschultert hatten und so die Trauerprozession anführten.
Es herrschte eine bedrückte Stimmung, die Luft war erfüllt von den leisen Schluchzern des Volkes und auch dem König lief eine stumme Träne über die Wange. Ich wusste nicht so recht, was ich denken sollte, und fühlte mich fehl am Platz.
Bald hatten wir das Stadttor erreicht und traten hinaus auf das Feld. Ein kühler Windstoß ließ meine Haare durch die Luft wehen und ich ärgerte mich ein wenig darüber, dass ich sie nicht zusammengebunden hatte.
Die Hügelgräber lagen etwas abseits der Straße, welche nach Edoras führte. Ich bemerkte schon von weitem das weiße Blütenmeer, welches sich wie ein Teppich über die Gräber erstreckte. Später erfuhr ich den Namen dieser wundervollen Blume: Symbelmynë.
Nach einiger Zeit waren wir bei den Gräbern angelangt. Die Rohirrim bildeten einen Kreis um den Leichnam des Prinzen und die Soldaten ließen die Trage vor einem steinernen Sockel nieder und schoben ihn hinein. Wenn ich ehrlich sein sollte, erinnerte mich dieser Sockel mehr an einen Pizzaofen als an ein Grab. Also war das eine Feuerbestattung? Man schob den Leichnam in den Pizzaofen und buk dann eine etwas verkohlte Pizza aus ihm?
Sofort rügte ich mich dafür, dies zu denken. Nun war wirklich nicht der richtige Zeitpunkt für Scherze!
Da trat Éowyn nach vorne. Ihr Haar war in einem kunstvollen Knoten zurückgebunden und ein goldenes Diadem ruhte auf ihrer Stirn. Sie wirkte gleichzeitig wunderschön wie schrecklich. Vielleicht auch beides gleichzeitig? Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie begann, ein Lied zu singen. Ihre klare Stimme durchbrach die Stille und ich versuchte, ihre Worte zu verstehen, doch sie sang auf einer fremden Sprache. Rohirrisch, wie ich später erfuhr.
Als die letzten Worte ihres Liedes verklungen waren, verstreuten sich die Menschen nach und nach, nur der König blieb mit gesenktem Kopf vor dem Grab seines Sohnes stehen.
Dadurch musste ich an meine eigenen Eltern denken. Ob sie mich wohl vermissten? Oh, natürlich vermissen sie dich, hör auf, so etwas zu denken!
„Wie geht es deinen Wunden?“, riss mich Aragorn aus meinen Gedanken. Ich zuckte mit den Schultern und versuchte genervt, meine Haare zu bändigen, die vom Wind umhergeworfen wurden. „Schon viel besser! Éowyn hat sie desinfiziert und verbunden“, erklärte ich.
Während die drei begannen, sich über die richtige Haltung eines Kurzschwerts zu unterhalten, nahm ich aus dem Augenwinkel wahr, wie eine schluchzende alte Frau neben mir ins Schwanken kam. Da sie wohl keinen Begleiter hatte, der sie stützen konnte, eilte ich zu ihr und bot ihr meinen Arm an. Dankbar hielt sie sich fest und als wir die Stadt erreicht hatten und die Hauptstraße überquerten, bedankte sie sich und verschwand in ihrer Hütte, welche auf mich genauso alt und wackelig wirkte wie sie.  
„Ophelia, Retterin in der Not“, kommentierte Legolas trocken, als ich wieder zu ihnen stieß. Ich rollte nur mit den Augen: „Wenigstens helfe ich, anders als du. Wenn jemand neben dir stürzt, dann gehst du einfach weiter, oder?“ Legolas öffnete gerade empört den Mund um etwas zu erwidern, als Aragorn genervt mit einem „Hört auf zu streiten!“ für Ruhe sorgte.
Schweigend gingen wir weiter zur Treppe. Schon auf der ersten Stufe vergaß ich mein Kleid, stolperte darüber und fiel auf die Nase. Ich stöhnte genervt, während ich mich aufsetzte. Wieso musste so etwas immer mir passieren?
„Du solltest öfters Kleider tragen“, drückte Gimli zwischen seinen Lachflashs heraus. „Wieso, damit ihr etwas zu lachen habt?“, knurrte ich. Gimli nickte prustend und ich rollte missmutig die Augen. Darin stellte ich neuerdings einen Rekord auf.
Wir waren beinahe am Eingang Meduselds angekommen, als wir das Geräusch von Pferdehufen hörten. Ich drehte mich um und erkannte zwei Kinder, einen Junge und ein kleines Mädchen, die sich erschöpft am Zaumzeug des Fuchses festklammerten.
Éowyn tauchte neben uns auf und eilte den Kindern zu Hilfe. Auch wir sprinteten die Stufen erneut herunter und Legolas hob den Jungen vom Pferd. Als ich bemerkte, wie dürr und dreckig die Kinder waren und die angesengten Spitzen ihrer Haare sah, verdunkelte sich mein Blick.

Die Wärme der Halle, die Decken und die frische Suppe, die Éowyn den Kindern gegeben hatte, sorgten dafür, dass die beiden schnell anfingen, zu erzählen. Besorgt lauschten wir ihren Erzählungen von wilden Menschen, welche ihr Dorf überfallen hatten und davon, wie sie ihre Mutter wegschickte um Hilfe zu holen. Bei der Erinnerung an ihre Mutter wurde das Mädchen, welches nicht älter als fünf Jahre sein konnte, traurig und blickte mich aus großen Augen an: „Wann kommt Mama?“ Mein Herz wurde schwer. Es war ungewiss, ob ihre Mutter den Angriff auf das Dorf überhaupt überlebt hatte. „Bald“, meinte ich und strich ihr über die Haare.
Im selben Moment betraten Gandalf und Théoden den Saal. Als der König die Kinder sah, stutzte er und hob fragend eine Augenbraue.
„Ihr Dorf wurde von wilden Menschen angegriffen“, erklärte Éowyn aufgebracht und stemmte die Arme in die Seiten. „Sie ziehen durch die Westfold und brennen alles nieder!“ Besorgt fragte ich mich, ob so etwas auch zum Krieg gehörte. Angriffe auf Zivilisten? Angriffe auf Kinder? Konnte man dagegen nicht irgendetwas unternehmen?
„Dies ist nur ein Vorgeschmack des Schreckens, den Saruman heraufbeschwört“, warnte Gandalf heftig und begann, auf und ab zu laufen. „Der Schrecken ist noch wirkungsvoller, denn Saruman wird von der Angst vor Sauron getrieben.“ Der Böse, welcher Angst vor einem Bösen hatte. Interessanter Plottwist.
„Reitet und bietet ihm die Stirn. Lockt ihn weg von euren Frauen und Kindern. Ihr müsst kämpfen!“, riet Gandalf dem König energisch. Doch dieser zuckte nicht einmal mit der Wimper. Er musste dem doch zustimmen! Wollte er etwa die Leben seiner Bürger teilnahmslos aufs Spiel setzten?
„Ihr habt 2000 fähige Männer, die in diesem Augenblick nordwärts reiten. Éomer ist euch treu. Sie werden zurückkehren und für ihren König kämpfen“, erklärte Aragorn nun. War Éomer nicht dieser Verrückte gewesen, der uns für Spitzel Sarumans gehalten hatte? Pah, der konnte mich mal. (Hier musste man eigentlich einwenden, dass er uns Pferde geschenkt hatte und uns so sehr geholfen hatte, aber das erwähne ich gekonnt nicht.)
„Sie werden mittlerweile 300 Meilen von hier entfernt sein.“ Der König stand genervt auf. Und noch ein Pessimist. Gab es in Mittelerde auch jemanden, der noch Hoffnung besaß? „Éomer kann uns nicht helfen.“ Also der König war es schon mal nicht.
Gandalf eilte auf ihn zu und öffnete schon den Mund, um zu widersprechen, doch Théoden unterbrach ihn: „Ich weiß, was ihr von mir erwartet, aber ich will kein vermehrtes Leid unter meinem Volk. Ich will keinen offenen Krieg riskieren!“
„Offener Krieg steht euch bevor, ob ihr ihn riskieren wollt oder nicht“, warf Aragorn ein und verschränkte demonstrativ die Arme. Okay, der war auch ein Pessimist.
Als sich der König nun darüber aufregte, dass doch er, nicht Aragorn, König von Rohan war und so auch die Entscheidungen zu treffen hatte, platzte mir endgültig der Kragen.
„Oh, um Himmels Willen, ihr Geplärre ist ja nicht auszuhalten! Sie sollten auf ihn hören, denn das ist definitiv besser, als herumzusitzen und zu hoffen, dass alles schon irgendwann vorbei ist! Wissen sie, das eigentliche Problem ist meist nie der „Böse“. Das Problem sind die Leute, die nur herumsitzen und nichts tun! The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem!“, zitierte ich Captain Jack Sparrow und verschränkte die Arme. Das hatte gesessen.
Wütend und fassungslos starrte mich der König an. Ha, starren konnte ich auch! Also starrte ich zurück. Nach nur wenigen Sekunden verlor der König jedoch unser Blickduell und wandte sich ab.
„Und wie lautet nun des Königs Entscheidung?“, verlangte Gandalf zu wissen.
„Wir werden nach Helms Klamm reiten“, entschied König Théoden. „Dort sind wir sicher!“
Missmutig schnaubte Gandalf und schüttelte nur den Kopf. „Helms Klamm!“, murmelte er entgeistert und verließ ärgerlich den Raum.
Ich war zu müde, um mir darüber Gedanken zu machen, was genau Helms Klamm war und was Gandalf daran aufregte, sodass ich mich auch sehr bald in mein weiches Bett verzog.
Glücklich ließ ich mich in die weißen Laken fallen und schloss die Augen.
Es gab nur eine Sache, die mir noch lange im Kopf herumgeisterte: Legolas hatte bei unserem ersten Treffen gesagt, sie würden mich in Edoras abliefern und dann weiterziehen. Doch wollte ich wirklich hierbleiben? In dieser verwahrlosten Stadt mit diesem cholerischen König?
Aragorn, Gimli und Legolas waren meine Freunde geworden, ich wollte mit ihnen gehen!
Mit diesen Gedanken schlief ich letztendlich ein.
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