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Chaos in Mittelerde

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Humor / P12 / Gen
Aragorn Gimli Legolas OC (Own Character)
17.05.2021
05.11.2021
15
44.219
4
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18.05.2021 4.008
 
Hey, hier kommt das nächste Kapitel :) Viel Spaß damit!

Wir verfolgten die Uruk-Hais (so bezeichnete man die grässlichen Kreaturen, wie mir Aragorn erklärt hatte) schon drei Tage lang. Die anderen blieben rücksichtsvoll in meinem Tempo, doch ich merkte, wie sehr es ihnen unter den Nägeln brannte, schneller zu laufen. Doch ich war am Rande meiner Kräfte angekommen. Meine Wunden schmerzten und ich sehnte mich nach einem weichen Bett und zuhause. Vor vier Tagen war ich erst hier gelandet, doch es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Aragorn, Legolas und Gimli waren sehr nett, doch ich vermisste meine Familie und meine Freunde und fragte mich, ob sie nach mir suchten. Um mich abzulenken, unterhielt ich mich mit meinen neuen Freunden und erfuhr dabei spannende Dinge. Sie alle waren sehr alt, Aragorn war 87, doch da er nicht so schnell alterte wie normale Menschen, war er immer noch recht fit. Legolas war als Elb (sie hatten übrigens alle spitze Ohren; es war mir etwas peinlich gewesen, ihn danach zu fragen) unsterblich und schon mehrere hundert Jahre alt (was man ihm nicht ansah). Gimli wurde als Zwerg auch recht alt und hatte schon 170 Jahre auf dem Buckel. Und ich war gerade mal 14!
Ich stolperte mit Gimli als Letzte durch diese karge Tundra, als ich sah, wie Aragorn ein Stück weiter vor uns bäuchlings auf einem Felsen lag. Als wir ihn erreicht hatten sprang er plötzlich wieder auf und joggte mit einem „Rasch!“ weiter. Mir war heiß vom Rennen und ich schwitzte. Ich wunderte mich, dass ich bis jetzt noch nicht zusammengeklappt war. Schnaufend stolperte ich weiter und achtete nicht mehr auf meine Umgebung, als ich ahnungslos gegen Aragorn stieß, der wieder auf dem Boden hockte. Musste er sich auch mitten auf den Weg setzen? Ich taumelte und kippte um. Doch Aragorn achtete nicht auf mich  und hob etwas vom Boden auf. Es war eine Blattbrosche, so eine, wie sie auch die anderen an ihren Mänteln trugen. „Nicht zwecklos fallen Loriens Blätter“, murmelte Legolas. Ich hatte schon am ersten Tag feststellen müssen, dass er einen Hang zum Poetischen hatte. „Dann sind sie vielleicht noch am Leben!“ Ah, jetzt verstand ich! Die Brosche gehörte Merry oder Pippin! Einer von ihnen musste sie fallen gelassen haben, damit wir sie finden konnten. Kluge Hobbits. „Und sie sind höchstens einen Tagesmarsch voraus!“, offenbarte Aragorn. Ich wusste nicht genau, ob ich mich freuen sollte, dass ich nur noch einen Tag laufen musste, oder mich ärgern sollte, dass ich noch einen Tag laufen musste. Legolas drehte sich zu Gimli, der gerade einen Hügel hinunterkullerte, um und rief (nicht wirklich) motivierend: „Komm, Gimli! Wir holen sie ein!“ Besagter schnaufte nur. „Querfeldein bin ich nicht zu gebrauchen! Wir Zwerge sind eher geborene Sprinter! Mordsgefährlich über kurze Distanzen!“ Ja klar: Gimli, der geborene Sprinter. Das wollte ich sehen!
Als wir auf einen Hügel kamen, blieben wir kurz stehen, um zu verschnaufen. „Rohan“, erklärte Aragorn. „Heimat der Pferdeherren.“ Oh, cool! Ich mochte Pferde, ich war schon einige Male geritten. „Seltsames ist hier am Werk. Etwas Böses verleiht diesen Kreaturen Schnelligkeit und richtet seinen Willen gegen uns.“ Und schon wieder joggten wir. Natürlich fragten die anderen immer, ob ich es noch schaffte, aber was konnte ich schon anderes tun, als zu nicken? Ich wollte sie ja nicht behindern und Schuld daran sein, wenn den Hobbits etwas passierte. „Legolas“, rief Aragorn plötzlich und ich zuckte erschrocken zusammen. „Was sehen deine Elbenaugen?“ Entschuldigung, Elbenauge? Hatte Aragorn eben wirklich Elbenauge gesagt? Gimli hatte doch auch kein Zwegenauge! „Ihre Spur führt nach Nordwesten“, antwortete Legolas. “Die Uruks bringen die Hobbits nach Isengard!“ „Saruman“, flüsterte Aagorn besorgt. Uh, wer war das denn, dass Aragorn so Angst vor ihm hatte? „Ehm, wer ist dieser Saruman?“, fragte ich im Rennen.  Aragorn blickte mich finster an. „Sarumanan der Weiße ist auch ein Zauberer, genau wie Gandalf“, erläuterte er. „Wer ist Gandalf?“ Legolas und Gimli schauten traurig zu Boden. Hatte ich irgendwas falsch gemacht? „Gandalf der Graue war unser Freund“, begann Legolas zu erzählen. Das „war“ entfiel mir nicht. „Er reiste mit uns, doch in den Höhlen von Moria…“, er stockte. „Schon okay“, meinte ich leise. Ich konnte mir schon vorstellen, was passiert war. Er war auch umgekommen, vielleicht hatte ihn ein Uruk-Hai umgebracht. „Nein, du sollst die Wahrheit kennen“, widersprach Aragorn. „Es war ein Balrog.“ Er sah mich vielsagend an. Sollte mir das irgendwas sagen? Den Begriff „Balrog“ hatte ich aber noch nie gehört. „Was ist ein Balrog?“, fragte ich deshalb vorsichtig. „Ein Dämon aus Feuer. Er war riesig und bestand nur aus Flammen. Gandalf kämpfte mit ihm, doch er wurde in den Abgrund gezogen.“ Einen Moment lang sagte niemand etwas und es war nur das Keuchen von Gimli und mir zu hören. „Das tut mir leid“, murmelte ich.
Aragorn fasste sich ziemlich schnell wieder. „Nun ja, wie auch immer. Saruman ist auch ein Zauberer, der mächtigste von allen. Ich bin mir sicher, dass er die Uruks geschickt hat. Es scheint, als habe er sich dem Bösen zugewandt.“ Konnte man bei diesem Kampf klar „Gut“ und „Böse“ unterscheiden? Meine Freunde töteten ja auch andere Wesen. Waren sie trotzdem „Gut“? Und war es gerechtfertigt, die anderen als „Böse“ einzustufen, nur weil sie nicht die gleichen Interessen vertraten wie sie? Aber ihr Freund war ermordet worden! War es da nicht verständlich, was sie taten? Oh nein, entwickelte sich bei mir etwa das Stockholm-Syndrom? Ach, Krieg war so kompliziert. Den führten sie nämlich, wie ich erfahren hatte. Es ging eigentlich nur um einen Ring, doch weil der so mächtig war, wollte ihn sein früherer Besitzer, ein „böser“ Herrscher namens Sauron, wiederhaben. Und ratet mal, wer den Ring momentan besaß? Genau, unser kleiner Freund Frodo! Dessen Onkel hatte ihn gefunden und an Frodo weitergegeben. Deshalb musste dieser den Ring zerstören, damit der Herrscher mit ihm kein Unheil stiften konnte. Und zerstören konnte man den Ring nur dort, wo er geschmiedet wurde: Nämlich in dem Feuer des Vulkans, der sich in Saurons Reich befand. Ziemlich riskant.
Eigentlich war diese Geschichte geheim, ich wusste auch nicht, wieso sie mir sie erzählt hatten. Vielleicht dachten sie, von mir ginge keine Gefahr aus. Stimmte ja auch.
Wir liefen beinahe die ganze Nacht durch und machten nur zwei Mal rast, weshalb ich am Ende meiner Kräfte war. Aragorn und Legolas hatten mich schon zweimal stützen müssen, damit ich nicht umfiel.
Endlich ging die Sonne wieder auf. „Eine rote Sonne geht auf“, meinte Legolas nachdenklich. „Heute Nacht ist Blut vergossen worden“ Pessimist. Wieso sollte nur wegen eines roten Sonnenaufgangs Blut vergossen worden sein? „So weit ich mich erinnere, ist der Sonnenaufgang doch immer rot“, erwiderte ich spöttisch. Ich hatte zwar etwas Blut verloren, aber meinen Sarkasmus definitiv (noch) nicht. Während wir weiter liefen, hörten wir plötzlich Pferde wiehern. Aragorn winkte uns lautlos zu, hinter einen Felsen zu kommen, und dies nicht zu spät. Auf einmal ritten unzählige bewaffnete Reiter an uns vorbei. Waren das diese „Pferdeherren“, die Aragorn erwähnt hatte? Vermutlich. Plötzlich sprang er aus unserem Versteck. „Ihr Reiter von Rohan!“, rief er laut. was sollte das denn jetzt werden? Eine Kamikazeaktion? Die Männer sahen nicht unbedingt freundlich aus. „Was gibt es neues in der Mark?“ Langsam traten auch wir aus unserem Versteck. Infolge dessen drehten die Reiter und ritte auf uns zu. Sie kreisten uns ein und zielten mit ihren Speeren auf uns. Einer der (wie bezeichnete man die?) Rohaner giftete uns unfreundlich an. „Was treiben ein Elb, zwei Menschen und ein Zwerg hier in der Riddermark? Sprecht rasch!“, fuhr er uns an. „Schon mal was von Freundlichkeit gehört?“, fauchte ich. Auch Gimli wurde patzig. „Nennt mir euren Namen, Pferdeherr, dann werde ich euch meinen nennen!“, meinte  er frech. Oh, oh. Der Mann sprang vom Pferd und trat langsam auf Gimli zu. „Ich würde euch den Kopf abschlagen, Zwerg, wenn er nur etwas höher über den Erdboden ragte“, spuckte er aus. Doch da hatte er die Rechnung ohne Legolas gemacht. Der zog einen Pfeil, ehe die Reiter blinzeln konnten. „Ihr würdet sterben, ehe ihr zum Streich ausholtet!“ Oh Legolas, angespannt? Ich denke, auch wenn er es nicht zugeben wollte, mochte er den Zwerg. Augenblicklich richteten sich alle Speere auf ihn, doch Aragorn drückte Legolas Bogen herunter. „Ich bin Aragorn, Arathorns Sohn“, stellte er sich vor. „Dies ist Gimli, Gloins Sohn, Ophelia, und Legolas aus dem Waldlandreich“ Legolas aus dem Waldlandreich? Hatte der keinen Vater? „Wir sind Freunde Rohans“, beteuerte Aragorn. „Und Théodens, eures Königs.“ Die hatten noch einen König? Ziemlich mittelalterlich, diese Welt. „Théoden vermag nicht länger Freund von Feind zu unterscheiden“, murmelte der dreiste Anführer der Reiter. Was war denn mit dem König los? Demenz? Alzheimer?  „Selbst seine Sippe erkennt er nicht“, meinte er traurig und zog seinen Helm ab. Die Speere wurden zurückgezogen. War das ein Friedenszeichen oder so? Wie hatten wir das jetzt verdient? „Saruman hat den Geist des Königs vergiftet und fordert die Herrschaft über dieses Land“, erklärte er. „Meine Schar besteht aus jenen, die treu zu Rohan stehen, und dafür wurden wir verband. Der weiße Zauberer ist listenreich. Er erscheint hier und dort, heißt es, als alter Mann in Kapuze und Mantel. Und überall schlüpfen seine Spitzel durch unsere Netzte“ Warte mal, wollte er damit andeuten, dass wir Spitzel Sarumans waren? „Wir sind keine Spitzel“, stellte Aragorn klar. Aber eigentlich konnte das jeder sagen. „Wir verfolgen eine Gruppe Uruk-Hai westwärts über die Ebene. Sie haben zwei unserer Freunde gefangen genommen.“ „Die Uruks sind vernichtet. Wir erschlugen alle in der Nacht.“ Um Himmels Willen! Aber was war Merry und Pippin geschehen? „Aber da waren zwei Hobbits!“, meinte Gimli aufgeregt. „Habt ihr unter ihnen zwei Hobbits gesehen?“ „Sie wären klein gewesen. Nur Kinder in euren Augen!“, erklärte Aragorn. Der Mann schüttelte den Kopf. „Wir ließen keinen am Leben. Die Kadaver legten wir auf einen Haufen und verbrannten sie.“ Er wies auf einen Hügel in der Nähe,  von dem es rauchte. Nein! Das konnte nicht sein. Merry und Pippin mussten noch am Leben sein! „Sie sind tot“, sagte Gimli fassungslos. Der Reiter nickte. „Es tut mir leid.“ Er stieß einen schrillen Pfiff aus. „Hasufel, Arod!“ Ein weißes und ein graues Pferd kamen angetrabt. „Mögen diese Pferde euch einem besseren Geschick entgegen tragen als ihren letzten Herren. Lebt wohl!“ Mit diesen Worten stieg der Mann auf sein Pferd. „Sucht nach euren Freunden, doch macht euch keine Hoffnung. Die ist verloren in diesen Landen!“ Noch ein Pessimist. „Wir reiten nordwärts!“, rief er seinen Männern zu. Diese wendeten die Pferde und folgten ihm. Ich blickte ihnen noch lange hinterher.
Legolas stieg auf Arod, den weißen Hengst, und Gimli hockte sich hinter ihn. Aragorn schwang sich auf Hasufel und zog mich hinter sich hoch. Ich wäre gern mal wieder allein geritten, doch schon wieder erinnerte mich ein Stechen in meiner Seite daran, dass ich immer noch verletzt war.
Wir galoppierten auf den Haufen Uruks zu. Es qualmte und stank grässlich. Ein Urukkopf steckte auf einem Speer, der in den Boden gerammt war. Ich verzog das Gesicht. Als wir von den Pferden gestiegen waren, sah ich mich fassungslos um. Wie konnten in dieser Welt alle damit umgehen, ohne mit der Wimper zu zucken lebendige Wesen zu ermorden? Ich wusste ja noch nicht, dass ich irgendwann genau dies auch tun würde, nur um zu überleben.
Überall auf dem Boden lagen Leichen umher und ich musste aufpassen, nicht auf einen  herumliegenden Arm oder ein Bein zu treten. Würden wir Merry und Pippin hier lebend finden? „Hier!“, rief Gimli da entsetzt und zog etwas aus dem Haufen toter Uruks. „Das ist einer ihrer Gürtel!“ Oh nein, bitte nicht! Erst musste ich ansehen wie Boromir starb, jetzt waren es die Hobbits. Ich hatte sie nicht lange gekannt, aber sie waren mir aufgrund ihrer fröhlichen Art sofort sympathisch gewesen. Ich zuckte zusammen als Aragorn frustriert aufschrie. Er kickte einen Urukkopf beiseite und fiel auf die Knie. Ich konnte ihn verstehen. Er musste sich selbst die Schuld geben, da er ­– nach meiner Auffassung, und ich muss zugeben, ich verstehe sehr oft Dinge falsch, deshalb verlasst euch niemals auf meine Aussagen –  der Anführer von ihnen gewesen war und die Verantwortung für sie getragen hatte. „Wir haben sie im Stich gelassen“, flüsterte Gimli. Traurig ließ ich den Kopf hängen. Zuhause wäre ich jetzt definitiv zu einem Psychologen gegangen. Ich hatte innerhalb einer Woche schon drei Menschen (und Hobbits) sterben sehen! Es war so schrecklich. Tränen stiegen mir in die Augen. Und zu alldem kam noch mein anderes Problem.
Auf einmal sprang Aragorn auf. „Ein Hobbit war hier“, rief er aufgeregt und strich über einige abgedrückte Grashalme. „Und der andere hier. Sie sind gekrochen. Ihre Hände waren gefesselt!“ Mutierte Aragorn zu einem Pfadfinder? „Ihre Fesseln wurden durchgetrennt“, stellte er fest und hob  einen durchgeschnittenen Strick auf. Wie schlau er doch war. Das hätte sogar ich bemerken können (– hatte ich aber nicht). Er blickte sich auf dem Schlachtfeld um. „Sie rannten hier entlang. Sie wurden verfolgt!“ Wir eilten der Spur hinterher und kamen nach einigen Metern zum Stehen. Als ich den Kopf hoch, erschrak ich fürchterlich. Wir standen vor einem gewaltigen Wald; die Bäume reichten bis in den Himmel und eine furchteinflößende Stille erklang aus den Tiefen seines Inneren. Wie hatte ich ihn nur übersehen können? „Fangorn“, flüsterte Gimli ehrfürchtig. Fang-was? „Welch Wahnsinn trieb sie dort hinein?“ Was war denn so schlimm an diesem Wald? Ich musste zugeben, er wirkte erschreckend düster, doch er konnte doch nicht wirklich so bedrohlich sein, wie er auf den ersten Blick aussah. Alles hatte zwei Seiten.
Aragorn blickte sich zu uns um und nickte. Bedächtig betraten wir also den Wald.
Die  Luft war angenehm kühl und gegen meine vorigen Bedenken fühlte ich mich ausgesprochen wohl. Moos zog sich wie ein Schleier über jeden einzelnen der Bäume, welche aussahen, als wären sie schon tausende Jahre alt. Aragorn eilte hastig voraus, um einiges langsamer folgten ich, Legolas und Gimli. Als ich plötzlich etwas kühles, feuchtes an meinem Fuß spürte und hinunterblickte, bemerkte ich, dass ich mitten in einen kleinen Bach getreten war, der sich munter durch den Fangornwald schlängelte. „Bäh“, murrte ich. Hinter mir kicherte Gimli über meine Unachtsamkeit. Wenigstens gab es hier einen, der sich amüsierte. „Wieso habt ihr eigentlich alle Angst vor diesem Wald?“, fragte ich in die Stille. Legolas, der vor mir lief, drehte sich empört zu mir um. „Ich habe keine Angst vor diesem Wald!“ Ich blickte ihn spöttisch an: „Ja natürlich, und ich kann zaubern!“ Legolas zog eine Augenbraue nach oben und wollte gerade etwas erwidern, als ihn Gimli unterbrach: „Eine Legende besagt, dass in diesem Wald Bäume leben.“ „Leben?“, echote ich ungläubig. Eigentlich sollte mich hier gar nichts mehr überraschen, und trotzdem stand mir der Mund peinlicherweise offen. „Ja, leben“, bestätigte er. „Es heißt, dass sie laufen und sprechen können. Und keiner, der diesen Wald betritt, kommt je wieder heraus!“ Uh, das klang gruselig! „Also ich finde das sehr interessant!“, grinste ich, nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte. „Kann ich mal einen dieser Baumtypen kennenlernen?“
Wir hatten Aragorn eingeholt. Er kniete auf einem Stein und... roch an einem Busch. „Aragorn, geht es dir gut?“, fragte ich amüsiert. „Ja natürlich, wieso fragst du?“ Er deutete auf eines der Blätter. „Es hier riecht nach Uruk-Hai.“
Noch während ich mich fragte, woher beim heiligen Spagettimonster er wusste, wie Uruk-Hais rochen, erklang ein lautes Dröhnen und Knarzen. Erschrocken drehte ich mich um, konnte aber die Ursache für die merkwürdigen Geräusche nicht erkennen. Gimli hob zu Verteidigung seine Axt. „Die Bäume, sie sprechen miteinander!“, rief Legolas beunruhigt. Auch wenn mir die Legende eben noch so interessant vorkam, jetzt fürchtete ich mich. „Gimli!“, zischte Aragorn, „Zügle deine Axt!“ Zögernd nahm Gimli seine Waffe wieder herunter.
Der Elb murmelte seltsame Worte in einer Sprache, die ich nicht verstand. Kantonesisch? Sicherlich sprachen sie das nicht. Aber es war auch eine der 6998 Sprache, die ich nicht beherrschte.
„Der weiße Zauberer!“, rief Legolas alarmiert. „Er nähert sich“ Oh verdammt. Meinten sie Saruman? War das jetzt gut oder schlecht? Ich tippte mal so auf schlecht. „Ihr dürft ihn nicht sprechen lassen, sonst blendet uns sein Zauber“, wies uns Aragorn an. Er zog sein Schwert, Legolas legte einen Pfeil an seinen Bogen und Gimli zog seine Axt. Ich hätte als einzige Verteidigung meinen Schuh werfen können, aber das war mir zu aufwendig, deshalb stellte ich mich einfach hinter die anderen. Die wussten schon, was sie taten.
Auf einmal trat eine Gestalt, ganz in weiß gekleidet (–es war ja auch der weiße, nicht der blaue Zauberer) zwischen den Bäumen hervor. Ich musste mir die Hand vor meine Augen halten, da mich das grelle Licht blendete, welches die Gestalt umgab. Gimli warf seine Axt, die der Zauberer mit einer Handbewegung die Richtung ändern und ins Gebüsch fliegen ließ. Legolas schoss einen Pfeil, der an der leuchtenden Gestalt abprallte und auch Aragorns Schwert wurde so glühend heiß, dass er es fallen lassen musste. Mein Respekt (und auch meine Angst) für diesen Zaubere wuchs rasant.
„Ihr verfolgt die Spuren zweier junger Hobbits“, stellte er fest. Seine Stimme ließ mich ein wenig stutzen – sie wirkte nicht im mindesten so dunkel und bedrohlich, wie ich mir sie vorgestellt hatte, im Gegenteil; sie war zwar tief, doch auch freundlich und gerecht. Aber überhaupt, war das vielleicht genau die Wirkung, die der Zauberer bezwecken wollte? Das man ihn nicht für so gefährlich hielt, wie er in Wirklichkeit war? „Wo sind sie?“, verlangte Aragorn lautstark von dem Zauberer zu wissen. Entschuldigung? Auch seinen Feinden sollte man mit Respekt entgegentreten und dazu zählte nicht, sie so anzubrüllen.
„Sie sind hier durchgekommen“, erzählte der Zauberer, dessen Gesicht ich immer noch nicht erkennen konnte, da er von diesem unglaublich hellen Licht umgeben wurde. „Vorgestern. Sie trafen jemanden, den sie nicht erwartet hatten. Tröstet euch das?“ Sie lebten noch! Natürlich tröstete uns das! Bis auf... – wenn sie hier Saruman, den manipulativen Zauberer, der gerade ein nettes Gespräch mit uns führte, getroffen hatten, was hatte er dann nur mit ihnen angestellt? Ich wollte es mir gar nicht erst ausmalen.
„Wer seid ihr?“, fragte Legolas den Zauberer höflich, obwohl er doch eigentlich wusste, dass es Saruman war. Auch Gimli stampfte, bockig wie ein kleines Kind, mit dem Fuß auf den Boden: „Zeigt euch!“ Das Licht erlosch allmählich, und zum Vorschein kam ein alter, weißhaariger Mann mit einer Adlernase und einem langem Bart, in eine weiße Kutte gekleidet und mit einem langen Stab in der Hand. Er kannte wirklich keine andere Farbe als weiß, nicht wahr?
War dies Saruman? Aber wieso wirkten die anderen dann so ergriffen? „Das ist unmöglich“, flüsterte Aragorn fassungslos und auch Gimi und Legolas hatten die Augen vor Erstaunen weit aufgerissen. Nach kurzer Zeit des Staunens verneigten sie sich ehrfürchtig. Nur Aragorn und ich, ein wenig hintendrein, standen noch. „Du bist gefallen!“, flüsterte Aragorn ungläubig. „Durch Feuer und Wasser“, erzählte der Zauberer dramatisch. „Vom tiefsten Verlies bis zum höchsten Gipfel kämpfte ich gegen den Balrog von Morgoth. Bis ich zuletzt meinen Feind niederwarf und seine Hülle gegen die Seite des Berges schmetterte.“ Ein Balrog? Wo hatte ich das schon mal gehört?
Auf einmal fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Vor mir stand Gandalf, der Zauberer, welcher von einem Balrog „getötet“ worden war.
„Dann umfing mich Dunkelheit. Und ich irrte umher ohne Gedanken und Zeitgefühl. Über mir zogen die Sterne dahin und jeden Tag war so lang wie ein Lebensalter auf der Erde. Doch es war nicht das Ende. Denn Leben rührte sich wieder in mir. Ich wurde zurückgeschickt, bis meine Aufgabe erfüllt ist.“
War Gandalf nebenberuflich zufällig Poet oder gehörte das zum Zauberernorm?
„Gandalf?“, bestätigte mir Aragorn meinen Verdacht. „Gandalf?“, wiederholte ebendieser desorientiert. Hatte er seinen eigenen Namen vergessen? Demenz schien in Mittelerde wirklich häufig aufzutauchen.
„Ja, so hat man mich früher genannt“, erinnerte sich Gandalf nachdenklich. „Gandalf der Graue. Das war mein Name.“ „Gandalf!“, rief Gimli fröhlich und stand freudestrahlend wieder auf. „Doch nun bin ich Gandalf der Weiße, und ich kehre zurück zu euch, am Wendepunkt der Gezeiten!“ Wendepunkt der Gezeiten? Wieso dachte ich hier an den Wechsel von Ebbe und Flut?
Ich beschloss nachzufragen, entschied mich letztendlich aber doch dagegen, um den epischen Moment nicht zu ruinieren. Nachdem aber für eine lange Zeit nichts mehr gesagt wurde, machte ich dann doch auf mich aufmerksam: „Ich bin immer noch da!“, meinte ich grinsend und winkte Gandalf zu. Irritiert hob der immerzu allwissende Zauberer seine Augenbraue und starrte mich verwirrt an. „Mein Name ist Opehlia“, plapperte ich einfach weiter. „Ich habe keine Ahnung wie ich hierher gekommen bin, aber es freut mich wirklich sehr, sie kennenzulernen.“ Aragorn mischte sich aufgrund Gandalfs fassungslosem Gesichtsausdruck ein: „Wir sind den Anduin herunter gefahren, von Lorien aus, als sie direkt vor unseren Booten ins Wasser fiel. Wir zogen sie heraus und nahmen sie mit.“ Legolas erläuterte unsere Mutmaßung: „Wir vermuten, dass sie aus einer anderen Welt kommt. Kannst du uns weiterhelfen?“
Gandalf blickte für einen kurzen Moment ins Nichts und blieb stumm, bis sein Gesichtsausdruck sich plötzlich unerwartet änderte und er mich scharf fixierte. „Hmh“, nickte er und strich sich über den weißen Bart. Ich ertappte mich selbst dabei, wie ich grinsen musste, da mich diese Geste zu sehr an Professor Dumbledore aus Harry Potter erinnerte. „Ich werde mich später darum kümmern.“
Damit ging er einfach an uns vorbei, in den tiefen, bösen Wald hinein. Wir anderen folgten ihm und so liefen wir im Gänsemarsch zwischen den bedrohlichen Buchen einher.
Während unseres Marsches zog sich Gandalf einen grauen Mantel über, durch den er nun überhaupt nicht mehr besonders wirkte. „Eine Etappe eurer Reise ist vorüber, nun folgt die nächste. Krieg ist über Rohan gekommen. Wir müssen nach Edoras reiten, so geschwind wir können“, erklärte er uns seinen Plan.
Schon bald darauf verließen wir den Wald und ich war ein wenig enttäuscht, keinen lebendigen Baum gesehen zu haben.
Der weiße Zauberer pfiff einmal und kurz darauf erblickte ich in der Ferne ein wunderschönes Pferd. Es war ein Schimmel; seine Mähne und sein Schweiß waren blütenweiß und auch das Fell des Hengstes schimmerte in der prallen Mittagssonne.
„Das ist eines der Mearas, sofern meine Augen nicht durch einen Zauber getäuscht werden“, stellte Legolas beeindruckt fest. „Mearas? Was ist das?“, fragte ich abwesend. „Sie sind die schönste und edelste Rasse der Pferde“, erklärte Gandalf, welcher den Schimmel nun streichelte, den er uns als Schattenfell vorgestellt hatte. Wie ironisch.
„Schattenfell ist der Fürst aller Rösser und mir durch viele Gefahren ein treuer Freund.“
Nachdem der Hengst laut und bestimmt gewiehert hatte, kamen wie auf Befehl Hasufel und Arod angetrabt. Legolas und Gimli schwangen sich auf den weißen Hengst, Aragorn zog mich auf Hasufel, nachdem ich das Pferd begrüßt hatte. Dann galoppierten wir los.
Es fühlte sich wundervoll an, wie der Wind durch meine Haare fuhr und sie herumwirbelte. Ich hatte den Drang, meine Arme auszustrecken und zu juchzen, doch dann wäre ich wohl oder übel vom Pferd gefallen.
Schattenfell lief voraus und wir mussten uns beeilen, nicht von ihm abgehängt zu werden. Jetzt fehlte nur noch die epische Musik, dann wäre es ein perfekter Moment gewesen. Nach einer Weile kamen wir auf einem Hügel zum Stehen.
Ich blickte an Aragorn vorbei auf eine Stadt. Sie war auf einem weiteren Hügel gebaut und von einem langen Holzwall umgeben. Die Häuser waren ein wenig heruntergekommen, soweit ich das von hier aus beurteilen konnte, und alle strohgedeckt. „Edoras und die goldene Halle Meduseld“, stellte Gandalf die Stadt vor. Die Halle, welche auf der Spitze des Hügels thronte, sollte golden sein? Es war eher ein matschiges gelb, wie das einer verschimmelten Banane. Sie hatte eindeutig schon bessere Tage erlebt.
„Dort lebt Théoden, König von Rohan, dessen Geist zerrüttet ist.“ Der König, der unter Demenz litt, ich hatte schon von ihm gehört. „Sarumans Einfluss auf König Théoden ist nun sehr stark. Seid vorsichtig was ihr sagt!“ Dabei sah er besonders mich an. Entschuldigung? So viel redete ich aber auch wieder nicht!
„Erwartet nicht, dass ihr hier willkommen seid!“
Damit trieben wir unsere Pferde an und ritten in der Nachmittagssonne auf das Stadttor zu.
Jetzt würden wir Saruman den Garaus machen. Geronimo!

Nur zu Erinnerung: REVIEWSSSSS XD Dankeschön, ihr bekommt auch eine ganz feste Umarmung, hihi ;)
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